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Full text of "Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik..."

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HARVARD COLLEGE 
LIBRARY 



PROM -h« .ÄJND- C». 

CHARLES MINOT 

C3ji5SOf 1838 




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26. BMD. 1889. HEFT 1. 







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ARCHIV 




FÜR 



BÜCHDRÜCKERKÜNST 



UND 



YERWÄNDTE GESCHÄFTSZWEIGE. 



HERAUSGEGEBEN VON ALEXANDER WALDOW. 




^ 




LEIPZIG. 

DRUCK UND VERLAG VON ALEXANDER "WALDOW, 






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Bezugsquellen für Schriften, Utensilien, Maschinen 

und sonstige Bedfirfiüsst ISr Bnchdrackerei, Schriftgiesserei, BncliUnilerel etc. 



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BERGER, EMIL, Leipzis-Rendnitz, Schriftg^ 
Fachtischlerei, mecn. Werkst, etc. Anfert. 
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GRONAU, WILHELM, Schnftgiesserei, Ber- 
lin. Grosse Auswahl und reichhaltiges 
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KLOBERG, C, Leipzie. Schriftgiesseroi, 
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Frankfurt a. M. Inhaber: H. Poppelbaum. 
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NUMRICH A. A Co., Leipzig, Schriftgiesseroi, 
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POPPELBAUM, K. K. HOF-SCHRIFT- 
GIESSEREI, Wien. Stereotypie, Galvano- 
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RCHL, C. F., Reudnitz-Leipzig. Schrift- 
und Stereotypengiesserel, Galvanoplastik, 
Stempelschneiderei . 

SCHRIFTGIESSEREl EMIL GURSCH, Ber- 
lin S., Prinzenstrasse 18. Reichh. La^er 
von Buch-, Zier- und Titelschriften, Em- 
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THEINHARDT, FERD., Schriftgiesseroi in 
Berlin N., Linienstrasse IH. Spezialität: 
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Schreib- und Rundschriften, Orientalische 
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WOELLMEH, WILHELM, Schriftgiesseroi, 
Berlin. Grösste Auswahl von Buch-, Titel-, 
Zier-, Schreib- und Rundschriften, Ein- 
fassungen. 

WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Messing-Plakaischrifien. 

FRIEBEL, HUGO, & CO., Reudnitz-Leipzig, 
liefern vorzügliche Messingplakatschriften 
ans einem Stück. Stahlhartes Metall 

Holzschrifien. 

SACHS Sc Cie., erste Mannheimer Holztypen- 
fabrik. Mannheim (Baden). Gegründet 1861. 

Messtng^linien. 

BERTHOLD, H., Beriin SW., BeUe-AlUance- 

Strasse 88. 
BRANDT, GEBR., Quedlinburg. Gegründet 

1802. 
KLOBERG, C, Leipzig. 
RÜGER, C, Leipzig. 
SCHRIFTGIESSEREl EMIL GURSCH, Ber- 

lin S., Prinzenstrasse J3. 
ZIEROW & MEUSCH, Leipzig 

Schriften und Gravuren in 
Messing und Roiguss. 

KOCH, EDM.&Co, vorm. Alb. Falcken- 
bergr & Co., Magdeburg. Messing- und 
Hartguss • Schriftgiesseroi . Gravier- und 
Guillochier- Anstalt, mechan. Werkstatt. 
Messing- u. Hartgussbuchstaben für Hand- 
druck, sowie Rotgussschriften fflr Press- 
Vergoldung zum Gebrauche für Buchbinder. 
Gravuren und Stempel aller Art. Platten 
für Blind-, Gold-, Scnwarz- u. Reliefdruck 
zu Prachteinbänden für neue Verlags- 
werke. Polytypen in Rotguss für Geschäfts- 
bücherfabriken und Holzschnitte in jedem 
Genre. Alle in Kunst. Industrie u. 
Handel vorkommenden Gravier- 
arbeiten. Gegründet 1834. 

Buchdruck-Maschinen. 

BECKER, RUDOLPH, Leipzig. Buch- u.Stein- 
druckschnellpressen, neueste Cylindertret- 
schnollpressen, Tiegeldr.- u. Bostonpresson, 
Farbereibe- u. Drahtheftmaschinen, Oesen- 
einsetzmaschinen , Papier- und Karten- 
schneidemaschinen etc. 



JOH. HOFFMANN, Worms, baut Buch- 
druck - Schnellpressen in jeder Grösse, 
sowie die beliebten Tretmaschinen mit 
Cylinderdruck und Selbstausleger. 

HUMMEL, C, Berlin N., Maschinenfabrik u. 
Eisengiesserei, Schnellpressen mit 4 Auf- 
tragwalzen, mit . Ouerliniendruckapparat, 
ohne Bänder, mit Greifertrommel — Ro- 
tationsmaschinen — Satinierwalzwerke, 
Kalander, Hydraulische Pressen. 

KLEIN, FORST ä BOHN NACHFOLGER, 
Johannisberg a. Rhein, Reg.-Bez. Wies- 
baden, bauen einfache, doppelte, Zwei- 
farben-, Cvlinder-Tret- und Querlinien- 
Maschinen I. Buchdruck ; femer Steindruck- 
maschinen bewährtester Konstruktion. In- 
haber der Goldenen Medaille der 'Weltaus- 
stellung zu Brüssel 1888. 

WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. Lager 
von Cylinder- und Tiegeldruck-Schnell- 
pressen aller Art und in allen Formaten. 

ZIMMERMANN, F. H. (Inh. A. Mundt), Ber- 
lin NW., P. A. 6, Fabrik f. kleine Cylinder- 
dmck-Schnellpressen, Perforier-, Piiginier-, 
Visitenkarten- und Kopf druck- Maschinen. 
Rahmen mit Ziffer werken auf Schrift- 
höhe für Schnell- und Handpressen. Billet- 
Druck-Maschinen für Karton* oderPapier- 
billets, Kontroll-Apparate, Trockensterapel- 
pressen etc. 

Tiegeldruckmaschinen. 

WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Lithographische Maschinen. 

KLEIN, FORST & BOHN NACHFOLGER, 

Johannisberg a. Rh., Reg.-Bez. Wiesbaden, 

SCHMIERS, WERNER dt STEIN, Schnell- 

Eressenfabcik Leipzig. Schnellpressen für 
lithographie, Licntdruck, Zinkdruck etc., 
pat Bronziermaschinen in 2 Grössen; alle 
vorstehenden Maschinen mit den neuesten 
Verbesserungen versehen. 

Press-Späne. 

KADE & CO., Sänitz Ober-Lausitz, empfeh- 
len ihre Press- Sp&ne (Glanzpappen in 
allen Stärken und Grössen). 
Muster stehen jederzeit zu Diensten. 

Papier. 

FLINSCH, FERD., Leipzig, Berlin SW., 
Lindenstr. 70. Papierfabriken u. Lager aller 
Papiersorton. Spezialitäten: Druck-, Kupfer- 
druck-, Chromo-, Umschlag-, Schreib-, Post-, 
Seiden-, Packpapiere. Deutsche Bütten- 

Eapiere. „Falsa Prodo" Patent-Sicher- 
eitspapier gegen Fälschungen, f. Wechsel, 
Dokumente etc. 

Buchbinderarbeiien. 

HERZOG, J. R., Leinzie, Buchbinderei mit 
Dampfbetrieb. Solide Arbeit. Solide Preise. 

HÜBEL & DENCK, Leipzig , Buchbinderei 
mit Dampfbetrieb für Verlag und Sortiment. 

Holzarbeiien. 

BERGER, EMIL, Leipzig-Reudnitz. 
BECKER, RUDOLPH, Leipzig. 
SACHS & Cie., erste Mannheimer Holztypen- 
fabrik. Mannheim (Baden). Gegründet 1861. 
WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Farben. 

BECKER, RUDOLPH, Leipzig. Bunte und 
schwarze Buch- und Steindruckfarben, Fir- 
nisse, Etikettenlack, Bronze und Blattgold. 

BEIT A PHIL IPPI, Hamburg, Jungfernstieg 12. 
Schwarze u. bunte Buch- u. Steindruck- 
farben, Firnisse, Etikettonlack etc. 

BERGER A WIRTH, Leipzig. Fabrik von 
schwarzen und bunten Buch- und Stein- 
druckfarben, Firnissen, Etikettonlack etc. 

DERLON, CARL, Leipzig. Spezialist für 
bunte Buch- u. SteindrucKfarben, Kupfer- 
druckschwärze. Bronze- u. Blattgoldfabrik. 



FREY d SENING, Leipzig. Fabrik von Buch- 
und Steindruckfarben, Buch- und Stein- 
druckfirnissen. Russbrennerei. 

GAUGER, HERMANN,Inhaber: Herrn. Kr ;ft, 
Ulm a. d. D. Fabrik von Buch- und Stein- 
.druckfarben, Firnissen etc. 

JANECKE, GEBR., & FR. SCHNEEMANN, 
Hannover. Fabrik von sch^^rzen und 
bunten Farben und Firnissen für Buch- 
und Steindruck etc 

KÄST & EHINGER, Feuerbach - Stuttgart. 
Fabrik von Buch- u. Steindruckfarben u. 
Firnissen. Sämtliche Lichtdruck- u.Seleno* 
typiefarben in vorzüglicher Qualität 

LORILLEUX, CH., & CIE., Paris, 16, Rue 
Suger. Schwarze und bunte Buch- und 
Steindruckfarben. Lager bei 'Eid. Obst« 
Iieipzigr, Königstr. 14. 

MEILHA USA SCHEIDIG, A8chaCrenburga.M. 
ff. Buch- und Steindruckfarben. 

WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Bronzen und Blaitmeialle. 

DERLON, CARL, Leipzig. 

Walzenmasse. 

BEIT & PHILIPPI, Hamburg,Jun^ernstieg 18. 

Walzenmasse »Hammonia« feinste Marke. 
BERQER A WIRTH, Leipzig. Viktoria- 

^Valzenmasse 
BECKER,- RUDOLPH, Leipzig. Englische 

Walzenmasse und deutsche Walzenmasse 

.»Lipsia«. 
JANECKE, GEBR., & FR. SCHNEEMANN, 

Hannover. Leim- u. Gelatine-Walzenmasso. 
KÄST A EHINGER, Feuerbach-Stuttgart 
WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Stereotypie-Einrichtungen. 

WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Materialien für Galvanoplastik 
und Stereotypie. 

BERGER, EMIL, Leipzig-Reudnitz. 

HÜLSMANN, EUGEN fsonst Karl u. Gustav 
Harkort), in Altenbach bei Würzen. Poröse 
Thoncylinder u. Steinzeugwannen für Gal- 
vanoplastik. Präp. Thon für Stereotypie. 

Utensilien aller Art. 

BERGER, EMIL, Leipzig-Reudnitz. 

BECKER, RUDOLPH. Leipzig. 

REINHARDT A BOHNERT, Leipzig. Bay- 
rische Str. 9. Buchdruck-Metallutensilien- 
und Maschinenfabrik. 

RÜGER, C, Leipzig. 

SACHS A Cie., erste Mannheimer Holztypen- 
fabrik. Mannheim (Baden). Gegründet 1861. 

WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

ZIEROW A MEUSCH, Leipzig. 

Eiserne Format- u. Facettenstege. 

REINHARDT & BOHNERT, Leipzig. Bay- 
WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Xylographische Arbeiten. 

RÜHL, C. F., Reudnitz-Leipzig. 
WALDOW, ALEXANDER, Leipzig. 

Phototypie, Chemigraphie, 

Autotypie. 

GAILLARD, EDM., Königliche Hof-Kunst- 
anstalt, Berlin, SW., Lindenstrasse 69. 

Galvanos u. Vignetten aller Art. 

BERGER, EMIL, Leipzig-Reudnitz. 
KLOBERG, C, Leipzig. 
RUGER, C, Leipzig. 
RÜHL, C. F., Reudnitz-Leipzig. 
ZIEROW A MEUSCH, Leipzig. 



BP 111.3 



FEB 8 1923 



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26. Band. 



^^ 1889. 



Heft 1. 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen 

Alexander Waldow, 

i dürfte in der G^enwart wohl kaum ein 
5 zeitgemftaaeres Thema geben, wie das über 
\ den Suntdruck auf der Baehdruckpresse, 
insbesondere der Schnellpresse. Schmücken wir doch 
unsere Arbeiten mehr wie dies je geschehen durch 
untergedruckteTöne, 
durch farbigen Auf- 
druck der Schrift, 
oder auch nur durch 
buntfarbige Initialen, 
Leisten und Einfass- 
ungen. Keine Buch- 
druckerei, kaum die 
kleinste in einer Pro- 
vinzialstadt, kann 
sieh dieser Mode ent- 
ziehen, auch sie muss 
die gleichen Bahnen 
wenigstens im be- 
scheidensten Masse 
betreten, wiedieOfii- 
zinen der grösseren 
Städte, deren Rei- 
sende heut zu Tage 
überall ihre gefölügen 
Arbeiten anbieten 
und durch deren be- 
stechendes Aussehen 
nur zu häufig dem 
Kollegen der kleinen 
Stadt seine alten wer- 
ten Kunden untreu 
machen , wenn er 
nicht dem vorbeugte 




und ihnen annähernd eben so Gutes und Ansehn- 
liches bot. 

Wenn es auf der einen Seite bereits viele Pro- 
vinzialdruckereien gibt, die sich durch Anschaffung 
von Tiegeldruckmaschinen, diesem Hauptmittel zur 
Ausführung guter und billiger Accidenzarbeiten jeder 
Art konkurrenzfähig gemacht haben und in der That 
durch ausgezeichnete Lieferungen ihre Kunden zu 
fesseln verstehen, so gibt es leider noch deren sehr 
viele, die immer noch 
nach alter Weise nur 
in schwarz drucken, 
weil sie meinen, die 
Verarbeitung bunter 
Farben mache zu viel 
Mühe und Kosten, es 
sei nichts daran zu 
verdienen. Gut! wir 
wollen uns diese An- 
sicht gefallen lassen, 
wenn die Betreffen- 
den auch ohne jene 
Arbeiten ihr gutes 
Auskommen haben, 
etwa durch ihre 
Wochenblätter oder 
durch behördliche 
Arbeiten etc. Ist dies 
aber nicht der Fall, 
dann sollte sich Jeder 
dem Zuge der Zeit 
anschliessen , ehe es 
zu spät ist, d. h. ehe 
ihm die Offizinen der 
grossen Städte diese 
Arbeiten ganz abge- 
nommen haben für 
alle Zeit. 
1 



n Brendlei St Muklawsky. 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen 



Ein jeder Buchdrucker, selbst der kleinste, sollte 
doch auch so viel Liebe zu seinem Beruf haben, nach 
Vervollkommnung in dieser Richtung zu streben. Wie 
viel Freude macht es ohne Zweifel, eine wohl- 



die meisten Fälle genügen wird. Dass ich auf Grund 
lai^ähriger Erfahrungen im Buntdruck dazu befähigt 
bin, dürfte mir kaum Jemand bestreiten, geben doch 
die zahlreichen Proben des Archiv das beste Zeugnis 



^ 



Lager von 
osd 

Bronzen 

Geschnitzten Holz- 



^lf»iiriDitrinn. 



<^..... 






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gelungene eigene Arbeit zu betrachten, sich befähigt 
zu fühlen, auch Gutes leisten zu können. 

Wenn ich also zu Eingang dieses Artikels sagte, 
dass das Thema: »Der Buntdruck auf Buchdnick- 



dafür ab. Ich werde im Verlauf dieses Artikels 
zugleich die vielen wertvollen Notizen verwerten, 
welche mein 'Wörterbuch der graphischen Künste* 
unter den verschiedensten Stichworten zerstreut 



pressen« ein zeitgemässes sei, so hoffe ich, dass 
es von vielen meiner geschätzten Leser, besonders 
aber von jenen Zaghaften, die da glauben, der Farben- 
druck sei eine besondere, schwer auszuführende 
Kunst, mit Freuden begrüsst werden wird, wenn ich 
versuchen will, eine Anleitung dazu zu geben, die für 



enthält und diese Notizen mit meiner Arbeit zu einem 
einheitlichen Ganzen verschmelzen. 

Man wolle aber von mir als einem Mann, der 
stets die Praxis obenan stellt, nicht erwarten, dass 
ich eine gelehrte Arbeit schreiben werde, mein 
Bestreben wird auch in diesem Fall ausschUesslich 



Der Buntdruck auf Buchdruck pressen. 



darauf gerichtet sein, klar und verständlich Tür den 
mit dem Buntdruck gänzlich Unbekannten eine An- 
leitung zu geben, was man zu tkun hat um einen 
guten, geßilligen, harmonischen, und was man zu 
lassen hat, um einen mangelhaften, durch schlechte 
Wahl der Farben zu einander das Auge beleidigenden 
Farbendruck zu vermeiden. 

Wenn auch meine Lehren mitunter nicht die 
Zustimmui^ des Farbendruckers von Beruf finden 



nicht zum wenigsten die Scheu vor einer Masse 
Farben, die man Tür nötig hielt und die bei seltnerem 
Gebrauch leicht dem Verderben ausgesetzt waren, 
Wie wenig gehört aber dazu, sich für den in 
bescheidenen Grenzen bleibenden Farbendruck ein- 
zurichten und recht hübsche Resultate ohne grosse 
Mühe zu erreichen , Resultate die Jeden um so mehr 
befriedigen werden, wenn er im Verlauf der Arbeit 
sieht, dass mit bescheidenen Mitteln viel zu erreichen 



EmFuiang und Schrift v 



sollten, so bitte ich im Voraus um Entschuld^ung ; 
was ich lehre ist trot2 alledem das Ergebnis der 
eigenen Erfahrung, die sich so zu sagen aus sich heraus 
gebildet und bewährt hat, also vielleicht auch ihre 
eigenen, von denen Anderer abweichenden Wege 
geht. 

I, Von den Farben. 

Die Zahl der bunten Farben ist seit der Fabri- 
kation der Anilinfarben eine so grosse , dass es 
wohl eine Aufgabe wäre, sie alle zu nennen und 
gedruckt vorzuführen. Dies dürfte auch in der That 
überflüssig sein; ich werde im Verlauf meines Artikels 
mehr darauf sehen, meine Leser für wmige, als für 
eine so grosse Anzahl von Farben zu interessieren. 

Wenn viele der kleinen Offizinen sich bisher 
gescheut haben, Buntdruck auszufuhren, so war es 



ist und dass das so schwierig Erschienene bei näherer 
Betrachtung und Übung doch auch nicht schwieriger 
ist, wie ein guter Schwarzdruck. Freilich, wer nicht 
gut in schwarz zu drucken versteht, wer nicht an 
gute Farbe, gute Walzen und an grösste Reinlich- 
keit gewöhnt ist, der sollte seine Hand vom Bunt- 
druck lassen , denn die beste Farbe ist nichts wert, 
wenn sie mit unreiner schlechter Walze gedruckt 
wird und wenn bei allen übrigen Verrichtungen die 
notwendige Reinlichkeit fehlt. 

Wie häufig kommt es vor, dass auswärtige 
Kollegen mich ersuchen , ihnen eine im Archiv 
abgedruckte Farbe abzulassen; wie sieht sie aber oft 
aus, wenn sie wieder vor meine Augen kommt, noch 
dazu häufig genug begleitet von bitleren Vorwürfen, 
nicht dieselbe Farbe geliefert zu haben. 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



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In diesen Fällen war ausschliesslich schlechtes 
Anreiben und unreine Walzen die Schuld. Ich will des- 
halb an dieser Stelle ganz besonders auf die Kapitel 
>Das Anreiben der Farben« und »Von den Walzen« 
hinvreisen, in 
diesen beiden 
Verrichtungen 
liegt, neben der 
grössten Rein- 
lichkeit , das 
ganze Geheim- 
nis eines guten 
Buntdruckes. 

Man unter- 
scheidet in der 
Gegenwart drei 
Gattungen von 
Farben : Die 
trockenen, die 
in Firnis an- 
geriehenen und 
die als Teig an- 
geriehenen Far- 
hen. Fast alle 
Fabriken lie- 
fern diese drei 
Sorten. 

Fragen wir 
uns nun, welche 
dieser Farben- 
gattungen ist 
die beste, be- 
quemst zu ver- 
wendende, 80 
ist darauf zu 

antworten , 
dass eine jede 
für spezielle 
Verhältnisse 
ihre besondern 
Vorzüge hat. 

Wer tag- 
aus, tagein in 
Farbendruck 
beschäftigt ist, 
reibt sich ohne 
Zweifel jede 

Farbe am besten frisch an, d. h. er nimmt die trockene 
Farhein entsprechendem Quantum und verreibt sie mit 
gutem Firnis zur Konsistenz einer reichlich mittel- 
starken Farbe, wenn er sie auf der Schnell- und 
Tiegeldruckpresse , zu einer starken , wenn er sie auf 
der Handpresse verdrucken will. Näheres darüber 



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fidi brfon^ere finrdf ddjöni)rit in örn formrn 

au9 unli grftattpt trot; öer geringtn pn^aiii Der 

IlTigurrn, meldie (d)npilrn Botf unll grfdimadi» 



nollea flrrangtmrnt rrmögltdirn , die mannigei 



fariiftf Bf rrof nöung- GV5GVjG\jC>jC?v3GVjGVjG\3 



uO ^ir ^offf n öra^alb, bafa öirfr f igt nfdjaftrn 



iijr Den Cetfall Der ijerren CudjDrudier ermeriien 



unD Dafa fie redjt baiD ;aljlreid}e firiieiten 



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Umrahmung und Leisten aus Einfassung von Assmann. Schrift von Theinhardt. 



in dem Kapitel >Das Anreiben etc.«. Frisch an- 
geriebene Farben zeigen sich stets feuriger, decken 
besser und drucken sauberer, wie die anderen 
Gattungen, vorausgesetzt, dass sie eben gut imd 

sachgemäss be- 
handelt wor- 
den sind. 

Auch den 
Offizinen sind 
sie am meisten 
zu empfehlen, 
welche selten 
Buntdruck aus- 
führen , denn 
verderben kön- 
nen sie nicht 
und das An- 
reiben macht 
keine besonde- 
ren umstände, 
wenn es auf 
richtige Weise 
geschieht. 

In Firnis 
druckfertig an- 
geriehene Far- 
hen, wie solche 
vonallenFabri- 
ken geliefert 
werden , sind 

zwar die am 6e- 
quemsten ver- 
wendbaren, 
doch nur, wenn 
man sie in kur- 
zer Zeit auf- 
ferawcAf. Stehen 
diese Farben zu 
lange auf Vor- 
rat, so verhär- 
ten sie sich, 
bekommen eine 
feste Haut und 
sind kaum wie- 
der durch er- 
neutes Reiben 
brauchbar zu 
machen. Aufgiessen von Firnis, Verbinden mit 
Blase, Einfüllen in hermetisch verschlossene Büch- 
sen etc. etc. um die Luft abzuhalten, sind nur 
Notbehelfe, die sich für lange Zeit nicht bewähren, 
man kann deshalb die Benutzung solcher Farben 
nur dann anraten, wenn es sich darum handelt, 








Der Buntdruck auf Buchdruckpreasen. — Derrieys SchnellpresEe für Schön- und Widerdruck. 



10 



eine Arbeit in ffrosser Äußere, wie z. B. Prospekte, 
Preiskurante etc. hintereinanderweg bunt zu drucken, 
sich zu dem Zwecke ein entsprechendes Quantum 
Farbe angeri^en kommen zu lassen und für die frag- 
liche Arbeit aufzubrauchen. 

Druckereien, welche nur selten Farbendrack aus- 
führen, sollten sich der angeriebenen Farben nicht 
bedienen, denn ausser dem Verhärten derselben tritt 
bei manchen auch eine gewisse Zersetzung ein. die 



In Anbetracht ihrer dauernden Brauchbarkeit 
und schnellen Verwendbarkeit eignen sich also die 
Teigfarben, bei Vermeidung vorstehender Übelstände, 
neben den trocknen Farben ganz entschieden am 
besten fiir Offizinen, welche nicht fortwährend mit 
Buntdruck beschäftigt sind. 

(Fottficliong folgt.) 




JfllovaKonm allfr jRrh 

6 4tt|hra6t. .Stuffga^h ««Ihaßte. 




n Klinkhudl, Zlecllnle von Gronau. SchTift v 



sie vollständig unbrauchbar macht, so dass sie, wenn 
man sie dennoch benutzt, einen schlechten, matten, 
farblosen Druck geben und die Form leicht ver- 
schmieren. 

Die Teigfarben sind eine Erfindung neuerer 
Zeit; sie sind mit starkem Firnis und etwas Fett- 
zusatz zu einer konsistenten Paste angerieben, von 
der man ein der zu druckenden Auftage entsprechend 
grosses Stück abschneidet und dasselbe mit mittel- 
starkem oder schwachem Firnis auf dem Farbestein 
tüchtig durchreiht. 

Freilich bereiten diese Farben , so praktisch sie 
auch sind, weil sie in ihrer Zubereitung dem Verderben 
nickt unterli^ai, manchem Drucker Schwier^keiten, 
denn so wie sie mit zu vielem Firniszusatz angerieben 
werden, verlieren sie ihr Feuer und erscheinen matt 
und unansehnlich, decken auch schlecht. 



Derrieys Sehnellpresse 

für Schön- und Widerdruck. 

^j^n allen hervorragenden Kulturländern sind die 
t^^ Maschinenbauer neuerdings bemüht gewesen, 
durch konstruktive Neuerungen die Komplettdruck- 
maschinen zu verbessern. In Frankreich, wo im 
Gegensatz zu Deutschland die Komplettmasehine 
von jeher viel Verbreitung gefunden hat, sind es 
namentlich E. J. Lambert und Jules Derriey (Paris) 
gewesen, welche jüngst mit Erfolg neue Komplett- 
maschinen konstruierten. 

Die Derrieysche Sehnellpresse ist derart ein- 
gerichtet, dass sie während eines Vorwärts- und 
Rückwärtsganges des die Schriftformen tragenden 
Fundamentes das Bedrucken eines Bogens auf beiden 



11 



Derrieys Schnellpresse für Schön- und Widerdruck. 



12 



Seiten (Schön- und Widerdruck) unter Benutzung 
eines Schmutzbogens beim Widerdruck ermöglicht. 
Die Grösse dieser Presse ist im Vergleich mit anderen 
von derselben Art viel geringer und ferner sind die bei 
ähnlichen Pressen fast allgemein üblichen Einrich- 
tungen, nämlich die cardanischen Gelenke, die 
elliptischen oder ähnlichen Zahngetriebe und die 
Vorrichtungen, welche die Druckzilinder abwechselnd 
heben, in Fortfall gekommen wie bei der Lambert- 
schen Maschine. 

Das die Schriftformen tragende Fundament voll- 
fährt die sogen. Kurbelbewegung und sind über dem 
Fundamente zwei Druckzilinder angeordnet, welche 
wechselweise arbeiten, der eine beim Hingang und 
der andere beim Rückgang des Fundamentes. Diese 
Zilinder überführen den Bogen aneinander in der 



seien arretiert, d. h. die das Fundament antreibende 
Kurbel sei in ihrer Totpunktlage. 

Sobald dieser Totpunkt überschritten wird, 
bewegt sich der Zilinder von rechts nach links, dreht 
den Zilinder C und erteilt demselben während seines 
Laufes eine volle Umdrehung, indem die Maschine so 
konstruiert ist, dass der abgewickelte Umfang der 
Zilinder genau gleich ist dem vollen horizontalen 
Wege des Fundamentes in einer Richtung. 

In dem Augenblicke, wo die Bewegung beginnt, 
sei der zu bedruckende Bogen am Punkt A des Zilin- 
ders G erfasst, von dem Zilinder B herbeigeführt, so 
dass der Bogen noch auf dem Zilinder B liegt.'' 

Bezeichnet man in Fig. 1 bei Zilinder C den 
tiefsten Punkt des Umfanges mit E und bei Zilinder B 
den tiefsten Punkt mit H, so ist der auf dem Umfange 





(ß) Schriftgiesserei (5^ 

^—^my^ von ^ x— ^-7 ^^ 



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^ LIIDY/IG k MAYER 

^ Frankfurt a. M. s. 




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LAGER 

in 

Iiri6tall-C|la6 
Porzellan 

und 
Mayolikawaren. 



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MAX HÖRN 

55 Vertreter von (2 



ECK & BONN 



^^"--^ Branerei ^--^ts 
^3 MÜNCHEN. ^ 



Kaleidoskop-Ornamente von Ludwig A Mayer. 





Verbindungslinie ihrer Mittelpunkte, und zwar erfolgt 
die Überführung der Bogen zur Zeit des Stillstandes 
des Fundamentes an jedem Ende seines Weges und 
sobald die Zilinder stillstehen, d. h. wenn die An- 
triebskurbel ihre Totpunktlage einnimmt. 

Auf den beistehenden Abbildungen veranschau- 
Heht Fig. 1 schematisch die bezw. Stellungen der 
Schriftformen und des Bogens in den beiden End- 
stellungen des Fundamentes, während unsere Fig. 2 
eine Seitenansicht der Maschine ist. 

Über das Pritunp der Maschine ist folgendes zu 
bemerken. Die Schön- und Widerdruckmaschinen 
enthalten immer zwei Schriftformen, von denen die 
eine zum Bedrucken der einen Seite und die andere 
zum Bedrucken der anderen Seite des Bogens dient. 

Die beiden Schriftformen sind in Fig. 1 durch hori- 
zontale bezw. vertikale Schraffierung hervorgehoben. 

Das Fundament sei am Ende seines W^es , in 
der Zeichnung rechts , und die beiden Druckzilinder 



des Zilinders C gemessene (ca. ^/i der Peripherie betra- 
gende) Abstand AE genau gleich dem horizontal 
gemessenen Abstand AE. Folglich bedrucken die For- 
men AF bei ihrem Vorbeigange unter dem Zilinder G 
den Bogen auf einer Seite vollständig. Das Fundament 
setzt seine Bewegung bis an das andere Ende seines 
Weges, in der Zeichnung links, fort und infolgedessen 
gehen die Formen BG ebenfalls unter dem Zilinder 
C hindurch ; da aber der Bogen höchstens nur ebenso 
lang wie die Strecke AF ist, so geben die zweiten 
Formen keinen Abdruck, zumal der Zilinder selbst 
an diesem Teil seines Umfanges einen um die Dicke 
seines Überzuges geringeren Durchmesser hat, da die 
grösste Länge des Überzuges gleich der Strecke AF ist. 
Sobald das Fundament an dem linken Ende 
seines Weges angekommen ist, hat der Ziünder C 
eine volle Umdrehung gemacht; der durch die Formen 
AF bedruckte Bogen ist dann wieder am Eintrittspunkt 
A angelangt, er liegt indessen noch auf dem Zilinder C» 



Derrieys Schnellpresse für Schöa- und Widerdruck. 



U 



In diesem Augenblicke beginnt das Fundament 
die umgekehrte Bewegung und legt denselben Weg 
wie vorhin zurück, der Zihnder C bleibt stillstehen, 
während der Zilinder B, sobald er sich in Bewegung 
setzt, den auf einer Seite bedruckten Bogen mitnimmt, 
um den letzteren auf der zweiten Seite zu bedrucken. 



Bewegungsmechanismen dieser Zilinder derart, dass 
der linke Zilinder sich mit dem Fundamente, wenn die- 
ses von rechts nach links geht, bewegt, dann gehemmt 
wird und still steht, sobald das Fundament an das 
Ende seines Weges in dieser Richtung gekommen ist, 
während der rechte Zilinder sich mit dem Fundamente, 




Fig. »■ 



Der auf den Umfang des Zilinders 
(nahezu */* Zilinderumfang ausmachende) Abstand BH 
ist gleich dem horizontal gemessenen Abstand BH. 
Diese Abstände selbst sind gleich den Abständen A E. 
Es folgt daraus, dass der Druck auf der zweiten Seite 
des Bogena genau mit dem Druck auf der anderen 
Seite übereinstimmen muss. 

Charakteristisch für die Derrieysche Maschine 
ist also das Vorhandensein folgender vier Einrich- 
tungen: 1) Anwendung eines zwei Schriftformen 
tragenden Fundamentes, welches durch eine Kurbel 
ai^etrieben wird. 2) Anwendung von zwei Druck- 
zilindern, deren Umfang genau gleich dem vollen 
Wege des Fundamentes ist. 3) Anordnung der 



wenn dieses von links nach rechts geht, bewegt und 
still steht, sobald das Fundament an das Ende seines 
Weges in dieser Richtung gelangt ist. 4) Stillstand des 
Fimdameates und der beiden Zilinder, wenn die Treib- 
kurbel des Fundamentes sich im Totpunkte befindet. 

Über die Einrichtung der Maschine ist folgendes 
zu bemerken: 

Die Maschine enthält zwei Lät^rahmen K, 
welche unter sich durch Streben verbunden sind. 
Auf diesen Rahmen liegen die Gleitscbienen L , welche 
den Rollen I als Unterlage dienen, und auf diesen 
Rollen ruht nun das die Schriftformen tragende 
Fundament. Das Fundament wird durch eine 
Kurbel bewegt, welche auf die Achse eines Rades 



15 



Derrieys Schnellpresse für Schön- und Widerdruck. — Neusilber als Material zu Winkelhaken. 



16 



M einwirkt, das zugleich in eine unter demselben 
angebrachte Zahnstange und in eine über dem- 
selben an dem Fundament befestigte Zahnstange 
eingreift. 

Jeder von den beiden Druckzilindern BC wird 
durch eine Auffanggabel FF arretiert. 

Der Bogeneinleger stellt sich bei dem Tisch A 
auf. Der eingelegte Bogen wird von den Greifern des 
Druckzilinders B, sobald diese sich während der 
Umdrehung des Zilinders B oben befinden, erfasst, 
und bis zur Mitte zwischen die beiden Druckzilinder 
geführt, in welchem Augenblicke der Zilinder B, der 
jetzt seine Umdrehung vollendet hat, still steht. Zu 
derselben Zeit öffnen sich jene Greifer, während die 
Greifer des Zilinders C den Bogen erfassen und bei der 
Umdrehung dieses Zilinders mitnehmen , so dass der 
Bogen auf der einen Seite bedruckt und hierauf wieder 
bis zur Mitte zwischen die Zilinder geführt wird. 

Sobald der Zilinder C seine Umdrehung vollen- 
det hat, öffnen sich seine Greifer und diejenigen des 
Zilinders B schliessen sich wieder, um den Bogen 
mitzunehmen und auf der zweiten Seite bedrucken 
zu lassen. Die Greifer vonB öffnen sich von neuem, 
wenn sie bei der Walze D angelangt sind, und der 
losgelassene Bogen wird sodann durch Führungs- 
bänder, ähnlich wie bei anderen Maschinen , auf den 
Tisch E transportiert. 

Nachdem die Greifer von B den Anlegetisch 
passiert haben, schliessen sie sich wieder, um den 
folgenden Bogen festzuhalten, welchen sie wie vorhin 
an den Zilinder C übergeben, sobald sie wieder in 
die Mitte zwischen den Zilindern angelangt sind. 
Sodann nehmen die Greifer von B diesen Bogen, 
nachdem der Zilinder C eine Umdrehung gemacht 
hat, an derselben Stelle, wo sie ihn zuvor abge- 
geben hatten, wieder auf, um ihn auf der zweiten 
Seite bedrucken zulassen und hierauf an die Abnahme- 
walze abzugeben u. s. w. 

Wenn ein Schmutzbogen benutzt werden soll, 
so wird derselbe von dem bei dem Tisch F stehenden 
besonderen Bogeneinleger angelegt, durch Walzen und 
Bänder weiter bewegt und zwischen den bedruckten 
Bogen und den Druckzilinder B geführt, ebenso wie 
dies bei den bisher ausgeführten Maschinen geschieht. 

Die beiden Zilinderfarbewerke besitzen übrigens 
je eine, automatisch durch Exzenter i und Hebel g 
auf- und niederbewegte Auftragwalze f. Würde letz- 
tere sich nicht zeitweise heben, so müsste sie auf der 
Form umkehren , was leicht fatale Farbestreifen zur 
Folge hätte. Der Umstand, dass der eine Zilinder beim 
Hingang , der andere beim Rückgang des Fundamentes 
druckt, dürfte gegenüber anderen Komplettmaschinen, 
welche beim Hingang mit beiden Zilindern und beim 



Rückgang gar nicht drucken, den Vorzug eines gleich- 
massigeren Ganges und Kraftverbrauchs mit sich 
bringen. 

Jüngst haben auch Buton, Braithwaite & Smith 
in Manchester eine höchst bemerkenswerte Schnell- 
presse für Schön- und Widerdruck erfunden. Die- 
selbe besitzt nur einen Druckzilinder. - l - 




Neusilber als Material zu Winkelhaken. 

in Heft 8/9 des 25. Jahrganges unseres Archiv 
brachten wir einen Artikel über den neuen 
Winkelhaken- Verschluss des Herrn Bernhardt Nogatz 
in Berlin, zugleich ein Urteil dieses Herrn über die 
Benutzung des Neusilbers zu Winkelhaken mit ab- 
druckend. Dieses Urteil lautete dahin, dass das 
Neusilber schädlich sei , weil es durch den Schwöss 
der Hand Giß enseuge und dieses Gift dem Bluf mitteile- 

Wir haben damals sebon bemerkt, dass wir nicht 
in der Lage sind, die Angaben des Herrn Nogatz zu 
beurteilen, baten aber unsere Leser uns ihre Erfahr- 
ungen in dieser Angelegenheit mitteilen zu wollen. 

Wir empfangen nun heute nachfolgendes Urteil 
einer renommierten Neusilberfabrik: 

»Vergiftungserscheinungen durch die Haut hindurch, 
infolge Berührung mit Neusilber, sind bisher noch nirgends 
beobachtet worden, sonst wären diesbezügUche Erörterungen 
schon längst an die Öffentlichkeit gedrungen; auch ist in 
meiner Fabrik, in welcher nun schon länger als ein halbes 
Jahrhundert Neusilber fabriziert wird, noch kein einziges 
Mal beobachtet worden, dass sich die in dem mir ein- 
gesandten Artikel beschriebenen Erscheinungen gezeigt 
hätten. Weder die Walzer noch die Drahtzieher, welche 
den ganzen Tag über mit Neusilber hantieren, haben bis- 
her geklagt. — An genannter Stelle wird die Vermutung 
ausgesprochen, dass sich durch den Schweiss der Hand 
an dem Neusilber schädliche Metall salze bildeten, und 
diese durch die Haut in das Blut gelangten. Wäre diese 
Annahme richtig, so müsste die Vergiftung sofort und auf 
das Deutlichste bei den Arbeitern eintreten, welche mit 
dem Beizen von Neusilberblech und -Draht beschäftigt 
sind. Die Beizen enthalten Metallsalze genug und benetzen 
auch fast ununterbrochen mehr oder weniger die Hand 
des Arbeiters ; das lässt sich gar nicht vermeiden. Zudem 
befindet sich bei dieser Beschäftigung die Epidermis der 
Hand durch das stete Eintauchen in Flüssigkeiten in einem 
aufgeweichten Zustande, der einer Resorption entschieden 
günstig sein müsste. Man sollte nach dem mehrfach 
citierten Artikel annehmen, dass hier sicher Vergiftungen 
auftreten müssten; es ist aber seither nichts derartiges 
vorgekommen. In meinem Kupferhammer kann man täglich 
beobachten, dass Arbeiter vom Anfassen der mit Kupfer- 
oxidul bedeckten Bleche ganz rote Hände haben. Dadurch 
veranlasste Krankheitserscheinungen haben sich jedoch 
bisher gleichfalls noch nicht gezeigt. Dies wird erwähnt, 
weil Kupfer ein wesentlich leichter oxidbares Metall ist, 



17 



Schriftprobenschau. 



18 



als Neusilber und daher noch leichter als dieses zu 
Unzuträglichkeiten Veranlassung geben sollte. — Aus allen 
diesen langjährigen Erfahrungen und Beobachtungen kann 
man wohl mit Sicherheit schliessen, dass die Benutzung 
eines neusilbernen Winkelhakens keinerlei Besorgnis zu 
erregen braucht, zumal, wenn derselbe, was man wohl 
billig voraussetzen darf, in einem auch nur einigermassen 
sauberen Zustande erhalten wird. — Die angeführten 
Krankheitserscheinungen ähneln so sehr den durch eine 
Bleivergiftung hervorgerufenen, dass man wohl mit mehr 
Recht die Schuld dem Blei beimessen muss. 




Sehriftprobensehau. 

|in sehr reichhaltiges Material für den Accidenzsatz 
sandten uns Ludwig tS: Mayer, Zuerst verdienen 
Erwähnung die zierlichen Kaleidoskop-Ornamenie in 
69 Figuren. 

Wie das nachstehend abgedruckte Figurenverzeichnis 
beweist, enthält diese Sammlung eine grosse Zahl schwung- 
voll und elegant gezeichneter Stücke, die sich zur Aus- 
schmückung von Karten, Briefköpfen, kleinen Titeln, einzelnen 
Rubrikzeilen ganz vorzüglich eignen. Wir bedauern nur, 
dass die Giesserei von einer streng systematischen Einteilung 
der Kegelstärken der einzelnen Stücke absah, so dass viele 
derselben da Fleisch besitzen, wo man ein Auslaufen auf 
vollen Kegel wünscht, um besser mit anderen Stücken an 
die Zeichnung heranzukommen. 

Vielleicht beachten die Herren Ludwig & Mayer diesen 
Umstand und führen auch für diese Ornamente das übliche 
System ein, nach welchen die Stücke auf 3 Punkte, 6 Punkte, 
9 Punkte, 12 Punkte etc. gegossen werden. 

Ein paar kleine Anwendungen dieser Ornamente fügten 
wir auf Spalte 11/12 noch im letzten Augenblick diesem 
Heft ein. 

Ein ähnliches, ebenso zierliches Accidenzmaterial bilden 
die Kartenecken derselben Firma ; es sind das kleine, nette 
Sächelchen, mit denen man den Arbeiten auf leichte Weise 
einen gefalligen Schmuck verleihen kann. Freilich sollte 
die Anwendung solcher Sachen nicht ubertrid>en werden, 
wie man dies häufig sieht. Gerade in masvoller, am rechten 
Ort bewerkstelligter Anwendung liegt der Reiz. 

Beachtenswert ist auch die Halbfette Cirkular, geschnitten 
als Auszeichnungsschrift für die nachstehende einfache Schrift 

cfeter äHichier cHstrl LUagner 

dieser Art, welche wir bereits früher veröffentlichten. Es ist 
eine deutliche, schöne und eigenartige Schrift , die ohne 
Zweifel Beachtung verdient 

ScTieUer & Criesecke führen uns nachstehend ein interessan- 
tes neues Material vor. Es sind dies strahlenförmig auslaufende, 
gefällig schattierte Ansätze für Rechnungen und ähnliche 
Formulare. 

Wir begegnen den gleichen Verzierungen oft auf litho- 
graphischen Arbeiten, wo sie sich stets sehr effektvoll prä- 
sentieren. Genannte Firma hat mit der Herstellung dieser 
Verzierungen wieder bewiesen, dass sie, mit offenem Auge 
für alles Brauchbare, unablässig bemüht ist, uns mit der- 
artigem effektvollen Material zu versehen und uns in den 
Stand zu setzen, mit der Lithographie Schritt halten zu 
können. Wir drucken nachstehend aus Mangel an Platz 
nur 4 Grössen dieser Vignetten ab, bemerkend, dass 



17 Grössen davon vorhanden sind. Von der Verwendbar- 
keit derselben gibt unser Blatt F das beste Zeugnis. 

Die Giesserei F. W» Ässmann (Berlin) veröffentlicht in 
dem heutigen Heft eine neue Silhouetten-Einfasmng, Reich, 
dabei doch höchst zierlich gezeichnet und nur aus wenig 
Stücken bestehend, wird sie sich ohne Zweifel viele Freunde 
erwerben. Unsere Leser finden auf den Spalten 27/28 ein 
F iguren Verzeichnis , während sich auf den Spalten 7/8 
eine erste Anwendung dieser Einfassung befindet. 

Eine Anzahl Neuer Inseraten-Einfassungen der Budhard- 
sehen Griesserei führen wir auf Spalte 27/28, wie auf der 
dritten Seite des Umschlags dieses Heftes, in Anwendungen 
vor. Es befinden sich darunter sehr gefällige, ihren Zweck 
bestens erfüllende Muster, so dass man wohl annehmen 
kann, dass sie bald Verwendung in dem Inseratenteil der 
Zeitungen finden werden. 

Von Gronau finden unsere Leser eine Probe, enthaltend 
Architektonische Ornamente, Neue JEckvignetten und Scherz- 
hafte Ecken. Die zuerst genannten beiden Sachen haben 
wir bereits in Heften des 25. Bandes unter Schriftproben- 
schau abgedruckt und auch mehrfach angewendet, zuletzt 
in Heft 8/9 auf Blatt W, Anwendung 4, wo sie sich gewiss 
in gefälliger Weise zeigen. Die scherzhaften Ecken stammen 
wohl aus neuester Zeit; auch sie gehören zu den Materialien, 
die, dem Geschmack der Gegenwart Rechnung tragend, zur 
freien Anwendung und Ausschmückung an dieser oder jener 
Stelle der dazu überhaupt geeigneten Arbeiten bestimmt 
sind. 

Hugo Frid>el d: Co., Messingschriften-Fabrik (Reudnitz- 
Leipzig) legt diesem Heft eine Probe ihrer Messingschriften 
aus einem Stück bei. Sauberer, starker Guss und exakter 
Schnitt zeichnen diese von uns schon öfter empfohlenen 
Schriften vorteilhaft aus. 

Die Schriftgiesserei Jidius Klinkhardt in Leipzig hat 
uns die 16. Folge ihrer Schriftproben übersandt. Das 
Heft lässt erkennen, dass diese Giesserei nach wie vor 
fUissig schafft und unser Accidenzmaterial durch brauchbare 
Materialien zu bereichern bemüht ist. Wir finden eine 
Mediaeval-Schreibschrift, Schmäle und breite Benaissance, 
Merkur-Kanzlei, Miniatur-Verzierungen, Neue Beihen-Ein^ 
fassungen. Altdeutsche und Gotische Initialen (auch zwei- 
farbig), Typographischer Zierrat Serie 68, Zierleisten und 
Schlussstücke aller Art, darunter solche in altdeutscher 
Kanzlei-Manier, Senkrechte Zierleisten, Gelegenheits- Vignetten, 
Embleme, PoUfiypen, Weihnachts- und Zeitungs-Vignetten. 

Besonderes Interesse erregt ein Blatt mit gut getroffenen 
und gut ausgeführten Porträts des Kaisers und der Kaiserin, 
der Kaiserin Witwe Viktoria, der Könige von Sachsen, 
Schweden, Dänemark, des Prinzregenten von Bayern, des 
Papstes, Bismarcks und Moltkes in verschiedenen Grössen. 

Wir möchten die Aufmerksamkeit unserer Leser ganz 
besonders auf die dem fraglichen Heft entnommene, diesem 
ersten Heft beiliegende Probe des > Typographischen Zierrat^ 
hinweisen. Der heutige Geschmack bedingt die Verwen- 
dung kleiner, leicht hingeworfener Zierstücke zur Aus- 
schmückung gewisser Arbeiten; auf der fraglichen Probe 
befinden sich eine grosse Zahl solcher zierlicher Stücke, 
während das dem heutigen Heft beiliegende Kartenblatt I, 
das wir der Güte des Herrn Klinkhardt verdanken, eine 
Anwendung dieser wie der senkrechten Zierleisten zeigt. 
Wir zweifeln nicht, dass diese Anwendungen Beifall finden 
werden. 

Von den erwähnten Kopfleisten in altdeutscher Kanzlei- 
Manier gibt den Lesern die heute beigelegte Adresse, Beilage A, 

2 



19 



Satz und Druck unserer Probeblätter. 



20 



ein schönes Bild; die dort verwendete Leiste ist für die Dru- 
gulinsche Offizin in Leipzig nach einer dieser Leisten 
vergrössert worden. Einen prachtvolleren Schmuck konnte 
die fragliche Adresse wohl kaum erhalten. 

Gemach <S; Heyse versandten in den letzten Tagen ein 
starkes Supplementheft ihrer Schriftproben für das Jahr 1888. 
Auch dieses Heft beweist, dass die genannte Giesserei es 
verstanden hat, eine besonders reiche Zahl von Schriften 
im Mediaeval-, Etienne-, Elzevier-, Garamonde- und im 
lUmisehen Charakter zu vereinigen, Schriften, die sich 
sämtUch durch Gefälligkeit und Klarheit ihrer Formen aus- 
zeichnen und deshalb ganz besonders diejenigen Offizinen 
anziehen werden, welche mit Vorliebe ausschliesslich stil- 
volles Material verwenden. 

Doch auch Das, was die Probe an Schriften modernen 
Schnittes enthält, ist höchst beachtenswert. Schöne Fraktur- 
und Antiquaschriften, Schwabacher-, Schreib- und Zierschriften, 
Einfassungen aller Art, letztere zumeist im alten Stil, 
zieren das Heft. 

Besondere Beachtung verdient die Münchener Benais- 
sance- Fraktur , eine Benaissance-Äntiqua und Kursiv, die 
Holsatia- Schriften und eitie Bokoko- Schreibschrift. Letztere 
zeigt eine Exaktität des Schnittes und eine gefällige Rundung 
der Formen, wie wir solche kaum noch gesehen haben; 
ein daraus gedrucktes, der Schriftprobe beigelegtes Zirkular 
aus dieser Schrift erschien uns auf den ersten Blick als 
die Arbeit eines geschickten Lithographen, so schön und 
zart zeigt sie sich. Die Firma Genzsch & Heyse erhielt 
»für Bereicherung der Schriftgiesserei durch stilvolle Formen 
und vollendete Technik derselben« die Auszeichnungs-Medaille 
der Münchener Kunstgewerbe-Ausstellung, eine Anerkennung, 
die sie im vollsten Masse verdient. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

[it dem vorliegenden ersten Heft des 26. Bandes unseres 
Archiv treten wir in ein neues Vierteljahrhundert ein ; 
möge dem Blatt auch ferner das Wohlwollen, die 
Unterstützung und die Anerkennung seiner Leser nicht 
fehlen, auf dass es gedeihe wie bisher. 

Einen Beweis von der reichen Unterstützung, welche uns 
bisher von Seiten vieler der renommiertesten Offizinen 
Deutschlands zu Teil wurde, gab der Jubelband des Archiv ; 
zahlreiche Arbeiten dieser Ofßzinen schmücken ihn und 
vertreten die verschiedenen Geschmacksrichtungen in der 
Ausstattung der typographischen Arbeiten der Gegenwart. 

Doch auch der neue Band führt sich gleich beadttens- 
toert ein, denn nicht weniger wie vier Proben fremder 
Offizinen und eine grosse Zahl Novitäten renommierter 
Giessereien schmücken das erste Heft in hervorragender 
Weise und ermöglichen uns, wieder in alter gediegener 
Ausstattung vor unsere Leser treten zu können. 

Darum Dank allen den freundlichen Spendern dieser 
Proben für das erste und für die folgenden Hefte; mit 
solchen Freunden zur Seite wird uns auch ferner der 
Segen nicht fehlen. 

Wir haben auf den Textseiten dieses Heftes eine 
Anzahl Anwendungen atis neuen Materialen eingeschaltet. 
Veranlasst dazu wurden wir durch die Einrichtung in 
unserem Jubelbande, in welchem wir früJiere Arbeiten des 
Archiv in dieser Weise aufs neue unseren Lesern vor- 



führten, um ihnen ein Bild des- Wirkens aus alter Zeit zu 
geben. Diese Einrichtung hat so viel Beifall gefunden, 
dass wir sie auch in Zukunft beibehalten wollen, anstatt 
jener alten Anwendungen nun ausschliesslich deren 7ieue 
bringend. 

Wir hofTen damit insbesondere denen unserer Leser 
einen Gefallen zu erweisen, welchen es um einfach schwarze 
Muster zu thun ist, die wir doch in so reicher Zahl nicht auf 
den Musterblättern zu geben vermochten. Den Giessereien 
dürfte diese Einrichtung gleichfalls willkommen sein, da 
ihre Neuigkeiten nun vennehrte Verwendung finden. Die 
Bezugsquellen der wichtigsten Materialen haben wir gleich 
unter den Sätzen vermerkt. — 

Unter den Proben des ersten Heftes ist, wenn wir 
dieselben der Beihe nach aufführen, zuerst der Titel zu 
nennen; derselbe ist eine Arbeit unserer eigenen Offizin 
und besteht sein Hauptschmuck in der Italienischen Einfassung 
von Theinhardt, die durch ihre einfachen, ruhigen Formen 
einen um so vorteilhafteren Eindruck macht, als der 
Glanz des Goldes, gehoben durch die schwarzen Konturen, 
sie in entsprechender Weise hervortreten lässt Die breiten 
und schmalen Strichlinien lieferten Zierow dt Mensch, das 
übrige Material zu der Umrahmung gleichfalls Theinhardt. 

Gedruckt wurde das Blatt in gelbem Ton, gemischt 
aus Chromgelb und Weiss, in grauviolettem Ton, gemischt 
aus Weiss, Blau und Braun, Gold in gewöhnlicher Weise 
und Schwarz. 

Blatt G, eine Nachahmung der alten Miniaturen in 
ihrer frischen, dem Auge schmeichelnden Farbenpracht, 
entstammt der Hofbuchbinderei Gustav Fritzsche in Leipzig, 
die uns die Platten zur Ausführung dieses reizenden 
Blättchens überliess. Sind diese Platten bezüglich des 
Passens auch nicht mit jener Exaktität hergestellt, wie 
man solche für typographischen Buntdruck liebt, so ist 
das Blatt doch in der That eine ganz reizende Arbeit, die 
uns sicher den Beifall unserer Leser und dem freundlichen 
Darleiher der Platten deren Dank erwerben wird. 

Die im Kopf verwendete Gotisch entstammt der Schrift- 
giesserei Woellmer, die im Text unten verwendete in allen 
Graden der Schriftgiesserei Bauer dt Co. 

Gedruckt wurde das Blatt mit Geraniumrot, dunklem 
Miloriblau, dunklem Seidengrün, blassblauem Ton, gemischt 
aus Weiss und Miloriblau, Gold und mit einem Aufdruck 
in Violettschwarz. 

Unser drittes Blatt F bringt zwei reizende Briefköpfe, 
gedruckt von Originalsätzen der Offizin Schelter d- Giesecke. 
Die in der Schriftprobenschau genannten und abgedruckten 
strahlen- und wolkenförmigen Verzierungen fanden hier in 
geschickter Weise Verwendung und zeigen, in wie vorteil- 
hafter und gefälliger Art sie derartige Arbeiten zu zieren 
vermögen. Die untere dritte Anwendung enthält eine reizende 
Vignette von Bauer dt Co. 

Gedruckt wurde das Blatt in Blaugrau, gemischt aus 
Weiss, Schwarz und etwas Blau und in blauem Aufdruck. 

Das Blatt I schmücken zwei Karten der KlinkhardUschen 
Offizin. Die obere dieser Karten enthält eine Anzahl jener 
reizenden Zierstücke, welche die Giesserei Klihkhardt schnitt 
und in vollständiger Probe dem heutigen Heft beilegt. 
In wie vorteilhafter Weise diese Stücke anzuwenden sind 
und wie sehr sie zu ungezwungener, graziöser Ausschmückung 
derartiger Arbeiten dienen können, beweist jene Karte. 
Eine grosse Zierde derselben bildet auch die gefällige, 
dort verwendete senkrechte Leiste. Die zweite, auf dem 
Blatt enthaltene Karte kann als vortreffliches Muster für 



21 



Zeitschriften- und Bücherschau. — Mannigfaltiges. 



22 



Karten mit vielen Text dienen. Die Gruppierang der 
Zeilen ist eine ungezwungene, gefällige, die Gesamt- 
ausstattung eine zwar einfache, aber sehr ansprechende. 
Das sämtliche Material zu beiden Karten stammt aus der 
Schriftgiesserei Klinkhardt Die oben genannten Zierstücke 
(Zierrat) dieser Firma haben wir, wie unsere Leser sehen 
werden, noch zur Ausschmückung der Karte auf Spalte 9/10 
verwendet. 

Gedruckt wurde das Blatt mit blauem Ton, gemischt 
aus Weiss und Miloriblau und mit Blauschwarz zum 
Aufdruck. 

Unser fünftes Blatt A ist eine Gabe der Drugülinschen 
Offizin in Leipzig, eine Jubeladresse darstellend, wie solche die 
genannte Druckerei bei Gelegenheit eines Gemeindeältesten- 
Jubiläums auszuführen hatte; das Blatt ist also so recht 
eigentlich aus der Praxis hervorgegangen. Die Gesamt- 
ausstattung ist im altdeutschen Stil gehalten, dessen Pflege 
sich die genannte Ofüzin ganz besonders und in meister- 
hafter Weise angelegen sein lässt. Die altgotischen Schriften^ 
die Genesch dt Seyseschen Benaisaance-Omamente und die 
prachtvolle Klinkhardtsche Zierleiste im altdeutschen Kanzlei- 
stil vereinigen sich hier zu einem höchst ansprechenden, 
wohlgelungenen Ganzen. 

Gedruckt wurde das Blatt mit Gold, Geraniumrot, 
Miloriblau und Schwarz. Farben von Kctst <t Ehinger, 
welche Firma überhaupt die bunten Farben zu sämtlichen 
Blättern lieferte. 

Gedruckt wurden auch die fremden Blätter in unserer 
Offizin. 



Mannigfaltiges. 



Zeitschriften und Büehersehau. 

— Die Herren Förster dt Borries in Zwickau i. S., deren 
Accidenzarbeiten sich sowohl in weiteren Kreisen wie auch 
seitens ihrer Fachgenossen durch ihre vortreffliche Aus- 
führung vielen Beifall und grosse Anerkennung erworben 
haben, sind auf die glückliche Idee gekommen, ein starkes, 
reichaltig ausgestattetes Musterbuch von lauter Arbeiten 
aus der täglichen ProDcis, gleich richtig auf dazu übliche 
Papiere gedruckt und in das Buch eingeklebt, herauszu- 
geben und für 25 Mark zum Verkauf zu stellen. Dieses 
Musterbuch, nunmehr vollendet, liegt uns zur Beurteilung 
vor und wir können unser Urteil nur dahin abgeben, dass 
die Herren Förster & Borries in demselben ein ganz 
vortreffliches Hilfsmittel zu eleganter und praktischer Aus- 
führung aller Arten von Arbeiten geschaffen haben. Was 
irgend an Formularen in der Praxis vorkommt, ist in dem 
Buch vertreten, man dürfte daher kaum nach irgend einem 
solchen vergebens suchen. Wir müssen jeder einzelnen Arbeit 
nachrühmen, dass sie mit ausgezeichnetem Geschmack gesetzt 
und vortrefflich gedruckt ist und dass die einfach noble 
Ausstattung derselben jedem Käufer vorteilhaft in die Augen 
fallen wird. Es wird uns in einem der nächsten Hefte 
gestattet sein, einige Proben aus diesem Musterbuch zu 
veröffentlichen, um unseren Lesern durch den Augenschein 
zu beweisen, dass unser Lob ein gerechtes und wohlver- 
dientes ist. Wir haben uns in Anbetracht des Wertes 
dieses Musterbuches bereit erklärt, dasselbe für die Herren 
Förster & Borries zu verkaufent empfehlen uns deshalb 
unseren Lesern zur Lieferung desselben zum Preise von 
25 M. Lieferung können wir aber nur direkt per Post^ 
nicht auf dem Wege des Buchhandels bewerkstelligen. 



— Jubiläen. öQjährige: Am 25. November der Drucker 
Dom. Mossauer in Günzburg in Bayern. 25jährige: In 
Hamm der Maschinenmeister Caspar Stratmann in der 
Groteschen Buchdruckerei daselbst. — Am 1. November 
Herr JJ. Heinichen in der B. G. Teubnerschen Buchdruckerei 
in Dresden; derselbe ist seit 4:5 Jahren in genanntem 
Geschäft thätig. — Am 16. Oktober der Maschinenmeister 
Georg Heggbhm in der Jakobschen Buchdruckerei in 
Hannover, 

— Gestorben: Am 18. Oktober der Buchdruckereibesitzer 
SdUmxon David Magyar in Temesvar. — Am 24. Oktober 
der Obermaschinenmeister Fram Stoegner in Berlin, — 
Am 28. Oktober der Korrektor Karl Jose^ Hussar in Wien, 

— Am 9. November der Faktor und Lehrer an der Buch- 
druckerfachschule zu Leipzig Karl Bichard Schneider 
daselbst. — Am 10. November der Stadtälteste Baymund 
Härtelj früherer Chef des weltberühmten Hauses Breitkopf & 
Härtel in Leipzig. Derselbe wurde am 9. Juni 1810als Sohn des 
Johann Christoph Härtel geboren, führte mit seinem Bruder 
Herm. Härtel nach des Vaters Tode das Geschäft gemein- 
schaftlich bis zum Jahr 1875 und trat 1879 ganz aus, nach- 
dem bereits 1873 bez. 1875 zwei Enkel J. Chr. Härteis, 
Stadtrat Wilhelm Volkmann und Dr. 0. v. Hase in das 
Geschäft als Teilhaber eingetreten. 

— Der durch ihre soliden Schnellpressen rühmlichst 
bekannten Maschinenfabrik von Klein Forst dt Bohn Nach- 
folger in Johannisberg a. Rh. wurde auf der Brüsseler 
Ausstellung der höchste Breis, die goldene Medaille zuerkannt. 

— Das Ehrendiplom dieser Ausstellung erhielten Beit dt 
Bhilippi^ Farbenfabrik in Hamburg, ferner 61^ siXbenie Medaille 
die Verlagshandlung von G, Hedeler in Leipzig für sein 
Exportjournal. (S. a. Verzeichnis im 12. Heft letzten 
Jahrganges.) 

— Beit dt Phüippi in Hamburg und Stassfurt legen 
diesem Heft eine Probe von Brüsseler Blau bei, das sich 
durch eine brillante ultramarinartige Farbe auszeichnet, 
doch vor diesem den Vorzug leichteren Drückens und grosser 
Ausgiebigkeit haben und ohne nachteilige Einwirkung auf 
Kupferchlichees verwendbar sein soll. Weitere empfehlens- 
werte Eigenschaften dieser Farbe sind: Lackierfähigkeit 
und Lichtbeständigkeit 

— Die Hofbuchdruckerei MuhUhaler dt Co, in München. 
Münchener Blätter hatten den Übergang dieses Unternehmens 
auf Herrn Karl Ungerer mit dem Zusatz berichtet, dass 
die Gründung einer Aktiengesellschaft beabsichtigt sei. 
Dem gegenüber erfährt die Münchener »A. Z.« von dem 
Erwerber selbst, dass diese Absicht nicht besteht. 

— Die Buchdruckerei, Schriftgiesserei und Verlagsbuch- 
handlung von Trowitzsch dt Sohn in Berlin ist von den Herren 
Edmund Mangelsdorf und Dr. Otto Freiherm v. d. Pforten 
käuflich übernommen worden. 

— Eine Submission von grossartigem Umfange ist am 
19. September in Konstantinopel erledigt worden. Es 
handelte sich um die Vergebung der Papier- und Druck- 
lieferung von 955330500 Umschlägen für die türkische 
Tabaksregie. Es waren 23 Offerten eingegangen und zwar 
4 aus der Türkei selbst, 4 aus Frankreich, 6 aus Oesterreich- 
Ungarn, 8 aus Deutschland und 1 aus Italien. Die billigste 
Offerte hatte die Firma Chaix in Paris gestellt und erhielt 
diese denn auch die Lieferung zugesprochen. 

2* 




Mtit«n der Scbriftgiesstrel Lidwl; i lajir, Franklart a. I. 

3. Halbfette Circular. 

f//m an der 'Donaa Slöniff von Sachsen 

Lehrer an Jer ^eatsthaU zu Sers &nfs1ehuncf der &bbe und Stuf 

<0ieidisffericht ^armßadt 

Emiekaner- SCohlenUffer jUeutsdie §eS(hidlte 

ßehrbudi für ^dtrifisetzer 

Sfatien Spanien ^nqtand 



StraUeD- nnd Wolten-IIgnetten dtr Schrlftffltssertl J. G. Sthelter k Clesecki, Lelfil;. 



8IW7 k M. B.— 

Erschienen in 17 Nummern 



saes > M. 3 — 



LiDlnsaung und Ecken von Lailwig ft Mayer, Frankfntt a. M. 



27 



Mannigfaltiges. 



28 



=9SC 



— Unser abgebrannter Kollege Buchdrucker AJbietz in 
Hünfeld hat nach dem >Lpz. Tgbl.« neben dem Vorschussverein 
und dem Granen Baum auf dem Anger der Stadt eine Baracke 
errichten lassen, um sein Geschäft wieder aufzunehmen. 

— Eine bedeutende und anzuerkennende Arbeitsleistung 
liat die Fahrkarten-Druckerei der sächsischen Staatseisen- 

bahnen zu verzeichnen. Mit dem am 1. Oktober d. J. in 
Kraft getretenen neuen Personengeidtarife des sächsischen 
Staatsbahnbereichs, machte sich der Umdruck einer grossen 
Zahl von Fahrkarten nötig, welche Arbeit bei der Kürze 
der zur Verfügung stehenden Zeit und der grossen Zahl 
der Kartenausgabestellen die Indienststellung von 12 Druck- 



^/^i!^/^,y?d^'^ 




war. In der Druckerei wurde nach viermal verlangsamtem 
Zurückdrehen der phonographischen Walze der Vortrag 
durch den Phonographen wiedergegeben und von geübten 
Setzern unmittelbar nach dem Hören der Satz fertiggestellt. 
Es zeigte sich, dass der Satz viel weniger Fehler enthielt, 
als dies gewöhnlich beim Setzen nach oft unleserlichen 
Manuskripten der Fall ist, und es scheint sonach die un- 
verfälschte und unverstümmelte Wiedergabe von Reden 
ohne Vermittelung mehr oder minder unzuverlässiger 
Berichterstatter in Aussicht 7U stehen. — Nach dieser 
Mitteilung, welche wir unter allem Vorbehalt wiedergeben, 
müsste übrigens die alte, praktisch durchaus unbrauchbare 



^M^M^.äi:^l,ä&j k 




Nene Silhoaetten-Einfassong Ton F. W. Assmann, Berlin, 

Minimam 7 Kilo. & V> Kilo M. 3.50. (S. a. Spalte 7/8.) 








?.v:a<5 



^^al£K 






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Mö^dV 





# 






Moderne Zeitnngs-Einfassnngen der Rndhardschen Giesserei, Offenbach a. M. 

Minimum 8 Kilo, k \'» Kilo M. 3.50. (Anwendungen s. dritte Seite des Umschlags.) 





Minimum 8 Kilo, ii </> Kilo M. 8.50. 




^ 



ii 





•r^'^'^'^'^'^'^'-'^'>^ 'w •¥<*r^iif i^Jif ^^sf ^ä^ 



Einfassung von Bauer & Co., Stuttgart. 



und 4 Zählmaschinen gegenüber der gewöhnlichen Ver- 
wendung von 4 bezw. 2 solcher Maschinen erforderte. 
Der Fahrkartenbedarf für das letzte Vierteljahr in Höhe 
von 6979560 Stück wurde von Ende August bis zur ersten 
Oktoberwoche fertig gestellt. Die Tagesleistung einer ein- 
zelnen Druckmaschine beziffert sich auf 175000 Stück 
Fahrkarten im Durchschnitt. Gegenüber dem gleichen Zeit- 
räume des vorigen Jahres sind 2431304 Fahrkarten mehr 
fertig gestellt worden. 

— Mit dem neuesten verbesserten Phonographen von 
Edison ist nach einer Mitteilung, die wir der »Leipziger 
Zeitung« entnehmen, in der Druckerei der Zeitung »World« 
in New-York ein interessanter Versuch gemacht worden. 
Der Redakteur dieser Zeitung hielt einen Vortrag, während 
in dem betreffenden Lokale ein Phonograph in Thätigkeit 



Erfindung eine sehr bedeutende Vervollkommnung erfahren 
haben. 

— Visitenkarten atis Eisen, Die neueste Erscheinung 
auf dem Gebiete der einschlägigen Industrie sind eiserne 
Visitenkarten, d. h. Visitenkarten, bei denen die Karte nicht 
wie bisher aus Kartonpapier, sondern aus ganz dünn gewalz- 
tem Eisenblech hergestellt und der Name resp. die Schrift 
auf derselben in Silberdruck ausgeführt ist, die sich ganz 
deutlich auf dem schwarzen Grund der Eisenkarte abhebt. 
Das Eisen, das zur Herstellung der Karte verwendet worden, 
ist so dünnn gewalzt, dass vierzig Karten übereinandergelegt 
erst den Raum eines Millimeters einnehmen. Die Karte 
selbst ist sehr dauerhaft. Ob sie sich aber in den Verkehr 
Eingang verschaffen oder ob sie eine Kuriosität, gewisser- 
massen eine Spielerei verbleiben wird, das dürfte erst die 



29 



Mannigfaltiges. 



30 



ssx 



Zeit lehren und vorläufig abzuwarten sein. Einstweilen 
kursiert die »eiserne Visitenkarte« noch als ein Versuch, 
allerdings immerhin als interessanter Beweis, zu welch 
feinen Zwecken das Eisen verwendet werden kann. 

— t Gleichzeitiger Vielfarhendruck auf der Maschine. 
Diese Erfindung bezieht sich, laut des den Maschinenbauern 
W. Conisbee & T. S. Conisbee erteilten Patents auf den 
gleichzeitigen Druck von mehrfarbigen Illustrationen. Nach 
der im »British and Colonial Printer« veröffentlichten, aber 
sehr kurz gehaltenen Beschreibung, ist es jedenfalls ein 
auf der Schnellpresse ausführbarer Teigfarbendruck. Die 
Farbenblöcke sind auf einem Zilinder angebracht. Von 
diesen Farbeblöcken entnimmt der auf dem gegenüber- 
stehenden Formenzilinder fest geschlossene Illustrationsblock 
die Farbe und teilt sie dem JPapier auf dem Druckzilinder 
mit. Durch eine besondere Vorrichtung ist Vorsorge ge- 
troffen, dass sich die Farbenblöcke in dem Verhältnis, in 
welchem die Farbe allmählich abnimmt, automatisch heben. 
(Es scheint sich hier um Anwendung einer Farbenpaste zu 
handeln wie sie Bogaerts anwendet. Die Red.) In gewissen 
Fällen kann auch ein Haupt- oder Konturenblock (Holz- 
oder Stereotypblock) gedruckt werden. Dieser würde 
natürlich einen besondern Druck erforderlich machen. 
Wenn es für nötig gehalten wird, kann auch ein Tonfarben- 
block auf den ersten Druck gedruckt werden. Durch diese ' 
Erfindung wäre also die Frage des vielfarbigen Drucks 
mittels eines Durchgangs durch die Maschine und des 
unfehlbaren Passens gelöst (? ?). 

— Die interessante Sammlung von Zeitungen aus allen 
Erdteilen mit Artikeln über den Heimgang des Kaisers 
Wilhelm L, die in Meiningen öffentlich ausgestellt war, ist 
vom Oberhofmarschall a. D. Freiherrn von Stein-Liebenstein 
zu Barchfeld nach acht Monate langer mühsamer Arbeit 
zusammengestellt worden; sie ist in 6 vollständigen Exem» 
plaren vorhanden, von denen das in Meiningen ausgestellte dem 
Herzog Georg mit einer entsprechenden Widmung zugeeignet 
worden ist. Die übrigen Exemplare sind dem Kaiser 
Wilhelm II. und der Frau Grossherzogin von Baden, dem 
Enkel und der Tochter des hohen Entschlafenen, ferner dessen 
treuen Mitarbeitern und Beratern Fürsten Bismarck und 
dem Grafen Moltke, sowie dem Germanischen Museum in 
Nürnberg mit entsprechenden Widmungen überreicht worden. 
Die Ausstellung umfasste nicht weniger als 250 Nummern 
in 54 Sprachen. Auf drei langen Tischen lagen die Haupt- 
bläitter der europäischen Völkerschaften in folgender Reihen- 
folge auf: deutsche, germanische, romanische, slawische 
und mehrsprachige Völker (bezw. Staaten); ausserdem 
waren noch die asiatischen und selbst die malaischen 
Sprachen vertreten. Die ausserordentlich reichhaltige und 
trefflich geordnete Sammlung erfreute sich eines zahlreichen 
Besuches und bot allen Beschauern ein hohes wissenschaft- 
liches Interesse. 

— t Mittel gegen Einrosten von Eisenschrauben. In 
den verschiedenen Maschinen und anderen kleinern Druckerei- 
utensilien sind viele Schrauben angebracht, die nur gelegent- 
lich bei besonderen Anlässen zurückgeschraubt werden 
müssen. Diese Schrauben rosten bisweilen, besonders 
wenn die betreffenden Maschinen oder Geräte an feuchten 
Orten stehen, so fest ein, dass es grosser Gewalt bedarf, 
um sie aus den Muttern oder dem Körper des Geräts zu 
drehen, wobei es selbst vorkommen kann, dass sie abbrechen. 
Um diesen Übelstand zu verhüten, öU man in der Regel 
solche Schrauben vor dem Einsetzen. Dieses Ölen ist aber 
nicht immer genügend. Ein viel sicheres Schmiermittel 



ist eine Mischung von Öl und Graphit, welche das Gewinde 
stets schlüpfrig erhält und überdies beim Auf- und Zu- 
schrauben die Reibung mildert. 

(American Art Printer.) 



Briefkasten. 

Herrn Paul Schulz, Faktor der Buchdruckerei H. 0. Persiel, 
Hamburg. Die gesandten Arbeiten sind im Wesentlichen gut gesetzt 
und gut gedruckt. Das Zirkular gefallt uns am besten, wenngleich 
die allzu schräge Stellung etwas gewagt erscheint und das Lesen 
erschwert Originell und hübsch ist der gestreifte Ton. Die eigene 
Geschäftskarte ist etwas zu voll; wir würden den dreizeiligen Schluss- 
satz weit kleiner gehalten, dann oben und unten mehr gesperrt und 
so mehr Licht geschaffen haben. Das Unterdrucken der römischen 
Einfassung (Gratulationskarte) mit Silberstornen ist zwar eine ganz 
hübsche Idee, gerade bei dieser Einfassung halten wir sie aber für 
weniger angebracht, weil deren schöne Zeichnung beeinträchtigt wird. 
— Herrn R. Böhm, Berlin. Wir danken Ihnen für Ihre treue Anhäng- 
lichkeit an unser Archiv und freuen uns, dass sie jetzt in so ange- 
sehenen Offizinen thätig sein und ihrem Streben nach Vervollkommnung 
Genüge leisten können. Von den gesandten Arbeiten ist Formular 
»Jahres-Umsatz« sehr hübsch. Der Drucker hätte nur mehr Sorgfalt 
auf die Linien verwenden müssen, Titel Prof. Hofmann gleichfalls ganz 
ansprechend. Widmung zur Vermählung hätten wir anders gesperrt; 
es drängt nach unten alles zu eng aneinander. Lassen Sie nach einiger 
Zeit wieder etwas von sich hören ; es macht uns Vergnügen, Ihre Fort- 
schritte zu beobachten. — Herrn A. Werner, Berlin. Es ist freilich 
eine recht bequeme und billige W^eise, die Einrichtungen eines Blattes 
fast genau dem Aussehen und dem Wortlaut nach wiederzugeben, ob 
dieses Verfahren aber dem Betreffenden Ehre macht, überlassen wir der 
Beurteilung aller Unparteiischen. — Herrn F. Kau ff mann, Zerbst. 
Die reichhaltige Sammlung von Arbeiten, welche Sie uns sandten, hat 
uns angenehm überrascht. Wir freuen uns über die fast durchgängig 
geschmackvolle und gediegene Ausführung sowohl des Satzes, wie auch 
des Druckes. Der Farbendruck ist zum Teil ebenfalls ausgezeichnet 
gelungen. 



Inhalt des i. Heftes. 

Der Buntdruck auf Buchdruckpressen von Alexander Waldow. — 
Derrieys Schnellpresse für Schön- und Widerdruck. ~ Neusilber als 
Material zu Winkelhaken. — Schriftprobenschau. — Satz und Druck 
unserer Probeblätter. — Zeitschriften- und Bttcherschau. — Mannig- 
faltiges. — Annoncen. — Aeeidenzmvster im Text: Gratulationskarte, 
Rechnung, Briefkopf, Programm, Empfehlung der Silhouetten-Einfassung, 
Adresskarte, verschiedene kleine Briefköpfe. — Beiiaf^en : 1 Blatt Titel. 

— 1 Blatt Empfehlung. — 1 Blatt Briefköpfe und Karte. - 1 Blatt 
Karten. — 1 Blatt Adresse. — 1 Blatt Schriftprobe von Julius Klink- 
hardt, Leipzig. — 1 Blatt Schriftprobe von Wilhelm Gronau, Berlin. 

— 1 Blatt Schriftprobe von Hugo Friebel & Ko., Leipzig-Reudnitz. — 
1 Blatt Farbenprobe von Beit A Philipp!, Hamburg. 

Das Heft «nthäU im Ganzen 9 Bellagen. Für das Beiliegen der 
ftremden BellageB kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl nicht 
garantiert werden« 

Bezugsbedingungen lur das Archiv. 

Brsohelnen : In 12 Monatsh eften. (Holt 8 und 9 stets als Doppelheft) Jedesmal In 
der ersten Mnnatswoche. BV^ Für komplette Lief^runr, Insbesondere voll- 
standige Bellagren. kann nur den vor Erscheinen des 2. Heftes gau^ftbrlg Abon- 
nierenden garantiert werden. 

BezufrBQuelle : Je<le Buchhandlung ; auch direkt vom Verleger unter Kreuzband. 

Preis : M. 12,—, unter Kreuzband direkt M. 13,50 nach ausserdeutsohen L&ndem 
M. 14,40. Nach kompleiiem Erscheinen Preis pro Band M. 15,— ezkl. Porto. 

Ajinoncen: PrciA iiro Petitzeile 25, zweisp. 50. drelsp. 7& Pf. Bei iiftuAger 
Wiederholung Raoatt. Kostenanschläge sofort. Betraf vor Abdruck zu 
zahlen, andernfalls 25 Pf. ExtragebGlir. Als Beleg dienen Ausschnitte« 
Beleffhefte , wenn verlangt, kosten Je nach Ausstaituns M. 1,50—2.50 

Beilaffen: Quartblatt M. 20, umfangreichere Je nach (vewicht M. 26 etc. Aufl. 1700« 

NovltJfcten In OriglnalguRS finden Anwendung im Text und auf den Musterblllttem 
ohne Berechnung, doch wird bedangen, dass dieseUx^n als P^ntschftdigung 
fQr die durch die Aufnahme erwachnonden Mflhen und Ko8ten Eigentum des 
Verlegers bleiben. Giesswreien, welche dies nicht wanschen. wollen sid& 
besonders mit tms vereinbaren. 

Klischees von verwendeten Original-Platten geben wir ab, liefern auch Farbeu« 
Bronsen , Papiere etc., wie wir solche benutzten ; von allen Diplomen haben 
wir Blankovordrucke am Lager. 

Sohrtften, Blnfassunffen etc. aller Giessereien liefern wir zu Origlnalpreisen. 

Textschrift von BenJ. Krebs Nachf., Frankfurt a. M. Initialen von Otto 
Weisert, Stuttgart. Oberschriften von Emil Berger, Leipzig. Unterrubriken von 
Rooa &, Junge, OfTenbach a. M. Perl Antiqua und halbfette Aldlne Kursiv von 
J. O. Schelter A (liesecke, Leipzig. Gedruckt mit Farbe von Frey & Sening, Leipzig 
auT einer Schnellpresse von klein Forst &, Bohu Nachf. Johanuisberg a. Rh. 



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Die mit der Bronze gefüllte MelsllkaiMe 
rahcl, Ja nachdem man sie mit der mit raafieir 



tVer neue IFerk- oder Zeitnni^s-SckriffeK 
amehaffen will, versäume nicht, sichfrana 
Proben der ~s 



fMom!MtB. 



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Benjamin Krebs Nachfolger 

n Frankfurt a. M. 



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..*.:=^. Baclidrnckaienslllen •■^^-- 

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Goldene Medellla Brüssel IS88. 



♦ "* * « ♦ ♦ * * * * « •>"« 4 



■ -« ♦ « * * « * « 






IMIH^^SH 



A.[lmnr icht Co. Leipzig. 

•^ SchrlttfttHBrfll ^<- 

Measingliiiienfabrilt 
SiliruiDplutIk und StarMlrpi* 



JStohlfröschchen 

mit oder ohne Lippe olTeriert 

Alexander Waldow, Leipzig. 



Herrn Eul KraDse, Leipzig. 

Ihr drei walziger Katander ist i[ 
meiner Druckerei seit drei Jahren ii 
Gebrauch, eine Zeit, die genügt, um eil 
rechtes Urleil zu fällen. Ich halte mit 
letzterem nicht zurück und bestätige 
Ihnen, dass Ihr Kalander den meiner- 
seits gestellten Anforderungen nach 
jeder Richtung entsprochen hat und 
noch entspricht Ich hatte Gelegenheit 
Ihren Kalander schon öfter zu emprehlet 

Achlnngsvoll 

JnllDs Mistr 

TipographiBche JahrbQcher. 



^afitibürftrn 

I litfrrt ftiUißft 



GASMOTOREN-FABRIK DEUTZ in DEUTZ bei Köln. 

Otto's iiener lotor, "•"■';;.;:;.'..■£'•■" 

lieLnd von ',. bi« WO HP., itehend von V bis sHF. ^ 


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hansif von üiufnbrikon. — Gleiche Vorleile wie bei (awlihn 
LetichKa> verwendbar. - 






Redigiert und herausgegeben von Alexander Waldow in Leipzig. — Druck und Verlag von Alexander Waldow in Leipzig. 



C. Archiv fUr bui:hilnn:ker>iunBl. ifi. Banil. Druik und VBrl«g von Alexander Waldoiv, 
rndniikl auf einer Dnjtinml-Liberly-TicfeldniikiiiiiMliine memtr l[aijillung. 



■iefköpra: OriginalBati von Schellet & Gie^otko - KatlOi Vigiiolte und Schiin von Biuer i Co. 





!-'?^ §)>itiel-utiiiilB ||iiiltewirbi)-;^imillii( ^lithii im 

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gtereotjpie * Malffanoplaatik 

- - - — rB..,i„gl;„;„.F.l.,iU 

ktelhr I3r Holachnltt. ZinkStiung /^'^M** 



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liikliiek • DteuUi«! • iHJliig. 

h Preise und AuBielchnungen : < j 



München 1854. SultUt 1S64. Willmherg lS6g. Mostnn iS;. 
DnsAea iS^g. Fi»-!!) Alei^rt 1881. Amsitrdam rSf;j. 



II Julius Kliiiktmrdl in LdpHn 



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Verein 

a München. 



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Messing' 
Sehriftgiesserei. 



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Gravidr-Anstali 

StempelsclmädereL 



Jeder Fachmann kennt die zeitraubende und schwierige Arbeit, welche das Setzen grösserer oder kleinerer 
Formen bei Holzschriften verursacht, er weiss wie die Buchstaben krumm, halbnind oder schief werden, durcii 
Feuchtigkeit anschwellen, sich verziehen, nicht Linie halten oder zerspringen. 

Allen diesen Uebclständen, insbesondere auch den lästigen Spiessen, vorzubeugen, ist uns nach vielen Mühen 
und Versuchen durch Herstellung unserer Messingriypen aus einem Stück mit Hohlfuss gelungen. 

Unsere Typen werden auf genauest arbeitenden Specialmaschinen und aus bes^eeigneter Metallkoinpf>- 
sition (Rotguss) hergestellt 

1- Messingtypen bestehen aus Einem Stück, besitzen deshalb 

2. grösste Genauigkeit, 

3. Messingiypen bestehen aus bestgeeignetem hartem Material, gev^ihrlösteo daher 

4. denkbar längste Dauer der Benutzung. 

5. Measingtypen sind versehen mit dem gesetzlich geschütcteo Hohlfuss, haben daher 

6. grösste Leichtigkeit und Handlichkeit 

7. Messingtypen sind verhaltnissmässig biUig, trotz ihres werthvollen Materials. 
Alle angeführten Vorzüge bedingen eine ganz bedeutende Ersparnis für den Drucker, alles Vorteile, welche 

die Anwendung unserer gesetzlich geschützten Messingschriften zu empfehlen in jeder Hinncht geeignet «nd. 

Wir bieten auf der Rückseite eine kleine Auswahl von Schriften, die wir einer freundlichen Beachtung empfehlen. 



Vorzüge 
unserer Typen: 



Urteile der 

Archiv für Buchdruckerkunst (Alexander Waldow): 

Der fientellimg guter, haltliirer Plakate chriften vAid in nenercr 
Zeit bekutntlich grbaae Sor^alt zugewendet; ilas Beste und 6e- 
diegiiltt jedoch, waa in dieser Hinsicht geboten worden ist und 
^boten werden kann, sind die von Hugo Frlebe) & Co. in Reudiiitz 
Mis riwa Stück hergestellten Alessingschriften. Zwei Proben, die 
in DDMier Offizin ron golchen Schriften gednickt wurden, liefen 
dem hentisen Heft bei. Wir künnen nnseren Lesern TerHichern, 
daas et e& Vergnügea war, diese »cbSMen, glatten Schriften zu 
dmeken; sie liesseu sich vorzüglich decken, weil sie die Farbe 
lelahl UlSlinen und dieselbe auch Iclobt aul' das Pupier abgaben. 
Ein Tergleich der Preise dieser M es singsohriften mit lienen, welche 
man täl solche in Schriftzeug' und Hall bezahlt, iteii^C, dass hier 
nicht nnr ein gediegenes tuid haltbares, sondern auch ein sehr 
billiges ■aterial geboten wird, daa alle Beachtimg der Fachkreise 
Ter£ent 

Und an einer anderen Stall«: 

Die Heuingeotirlften-Gleseere) von Hugo Friebei &, Co. in 

Leipxig-ßendnitz hat soeben ein Mnaterbnch ihrer Messin^typen 

I htranegegeben. Dasselbe enthält eiue grosse Zahl der nioileru^ten 

I nnd schönsten Schriften in buchst ejcaklei Ausfilbriuig: sauberem 

1' Schnitt, Boharfem Guas, bestem Metall. — Die Fabrik fertif^t ihre 
Typ«) all einem Stüok nlt Hohlfuss; die Hübe ist eiue ganz g-lcich- 
mäsaige nnd da.-t Bild ist glatt und aanber, nimmt ali^o die Farbe 
l^t u) nnd Übertrügt sie gut auf das Papier, die Sc}iril'ten sind 
auadmsmder, wie alle übrigen Typen und dabei Terhiiltiiisiniissig 
billig; aie behalten für immer ihren hohen Metallwert. Wir kciunen 
enfolge Verwendung der Schritten von IVieliel & Co. in unserer 
eigenen Oi&siu nur anerltennend aber dieselben orteileu nnd sie 
Rnseten Lesern bestens emofehleD. 



Fachpresse. 

Typographische Neillgkftlten der Schriftgiesserd 

Benj. Krebs Nachf: 
Welcher Setzer oder Dmokei Utt« nicht schon die nnToH- 
kommenen, so vielen Einflüssen imterworfenen Flnkat-Holaschriftem 
verwünscht, wem wäre dabei nicht der Wonach noch etwas Beaaeren) 
oder Dauerhafterem aufgesti^^enf So gross die Fortschritta in 
unserer Kunst in allen Zweigen sind, in diesem einen Punkt ist 
man beinahe auf dem Standpunkt geblieben, welchen die Wiegni- 
dnicker einnahmen: man schneidet die Bnchstaben in Hole Wir 
begnissen daher mit Freuden eine Neuemiig auf diesem Gebiete, 
die bei einer verschwindend wenig htlhereu Preislage so beJiiteiJi 
Vorzüge in sich vereinigt, daas wd kein Fachmann, der sich darOlMr 
orientiert hat, versäumen wird, bei NenanscbafFungen diesen Sckriftoi 
den Vorzug zu geben. Die nenen Hesaing-PlakatschiUteD sind 
absolut genau auf Kegel, Höhe, Linie nnd Weite ^efrist, was 
einesteils ein gans genaues Sctdiessen ermöglicht und vor dem 
Zusammenstürzen grüsserer Formen schützt, dem man bei so nn- 
geuauein Material, wie es die Holischrifteu sind, leicht Bosgesetat 
ist, aaderenteÜB vor Spiessea bewahrt nnd das Zurichten wegen der 
Genauigkeit, der ausserordentlich ebenen nnd glatten Oberfliche des 
Fabrikats auf das geringste Mass besolu'änkt Ausserdem sind die 
Messingtypen sani uaeapflBdllBli |0flu dei EInflUM der Waeohlaage 
und der FeAicbtigkeit nnd dnidi das harte Material in BeEng anf 
Dauerhaftigkeit geradesn mverwletllob. Wir senden jedem £itei- 
essenten auf Verlangen fraoco du betreffende Mnsterbäch eut Aa^ 
wähl 20, ebenso Mustertyfien, woran sich Jedenuon 0' 
wird, dass wir nicht abertrieben haben. 



Hugo Friebel & Co., Leipzig-Reudnitz. 



Aus einein Stflck. MeSSing-Schrlften. aus einem Stück 

Gesetzlich geschützt. 

RG Schrift I\ 

Ko.635.4Cicero.Min.llk.31.26' ^ f No. 686. 5 Cicero. Min. Mk. 37« 



No. 647. 7 Cicero. Min. Mk. .'^2..iO. 



No. 838. 6 acoo. \W ^„ e,, , „cm 

m».». 37.50. „. „. .„,„.. „..„,.,.,„. »i„ «v. «.■». 



Nt. 588. 8 Cicero. Min. Mit. 52 .^Ü. M'". ^^^ ^'-^O. 



N| r l 

No. 648. 8 CSce». \^ ^ N«. 619. 8 Oa» 

Min. Mk. 47^. Min, Mk. 48.7S. 
N«. «25. 10 Oicero. Min. Mk. 62.50. " 

1- 6333. 9 Cicero, 

lin Mk. 62 50 ^o. 626. 12 Cicero. Min. Mk. 68.75. No. 634. 12 ß««- 

j Min. Mk. 76.-. 




26. Band. 



-¥^ 1889. ■^- 



Heft 2. 



Der Buntdruck auf Buehdruekpressen 

Alexander Waldow. 



Ileliefert werden diese drei Gattungen von 
; Farben durch alle Fabriken in jedem Quan- 
f tum, die trockenen von wenigen Grammen 
an, aus denen man ja schon ein nicht unbedeutendes 
Quantum ange- 



Wenn wir kleinen Oßizinen raten können, sich 
einen solchen, etwa 21 bis 39 Mark kostenden Kasten 
anzuschafl'en und ihren jeweiligen Bedarf daraus zu 
entnehmen, so wollen wir doch nicht versäumen, 
anzugeben, wie man mit noch einfacheren Mitteln 
auskommen kann. 

Als Grundfarben, aus welchen ein Teil der 

Qbrigen Farben durch Mischung erzeugt werden kann, 

sind (ausser Weiss und Schwarz) Gelb^ Bot und Blau 

zu betrachten. Gelb und Blau gemischt gibt Grün in 

sehr schöner 

Nuance, Gelb 

und Rot gibt 




m einem ver- 
schliessbaren 
Kasten unter- 
gebracht, stets 

bequem zur Hand sind. Diese Kästen enthalten 
die besten Farben in den beliebtesten Sorten und 
lassen sich dieselben immer leicht ergänzen, falls 
die eine oder die andere ausgegangen, resp. auf- 
gebraucht ist. 



Rot und Blau 
Dunkelviolett, 
man hat dem- 
nach in diesen 
drei Grundfar- 
ben schon sccA« 
Farben zur Ver- 
fügung, eine 
Zahl, die für 
den einfachsten 
Farbendruck 
recht wohl ge- 
nügt. Hält man 
sich die Grund- 
farben in mitt- 
lerer Nuance, 
z. B. mittles 

Cliromgelb, 
mittles Mitori- 
blau, so werden auch die Mischfarben Grün, Orange 
und Violett einen freundlicheren Ton bekommen. 
Liebt man die Grundfarben für sich angewendet 
kräftiger, so wird man sich dunkles Chromgelb, 
dunkles Miloriblau halten müssen und, falls man ein 



48 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



44 



freundliches Grün, Orange und Violett mischen will, 
einen kleinen Zusatz von Wtiss machen müssen, um 
es entsprechend aufzuhellen. 

Ferner mischen wir mittelst Schwarz, das wir 
ja stets zur Hand haben, und Rot ein Braun, also 
eine Farbe, die gerade jetzt sehr behebt ist und in 
feinen Accidenzien das Schwarz oft ersetzen muss. 
Nehmen wir zur Hauptsache Schwarz und weniger 
Rot, so wird das Braun sich als ein dunkles Braun 
(Schwarzbraun) zeigen, je mehr Rot wir zusetzen, 
desto röter wird es sich also als Rotbraun zeigen. 
Mit Gelb gemischt gibt Schwarz ebenfalls Braun. 

Auch die zu Eingang erwähnten modernen 
Illustrationsfarben kann man sich leicht mischen: 
Blauschware durch Schwarz und ein entsprechendes 





-^ Gegründet 1878. ^- ;^ 
£^td/fucetl' nu'l ^ie^ert t^uleneft um/ ai^etne/t 



c yf,:\ 



^-^ 



;'r./'?>-^ 



Briefkopf. Schrift und Ornamente von Ludwig k Mayer. 

Quantum Blau, Grmischwarz durch Schwarz etwas 
Blau und Gelb, Violettschwarz durch Schwarz, Rot 
und Blau. Anstatt der Mischfarben kann natüriich 
auch Grün und Violett genommen werden. 

Man reibe die, die Nuance gebenden Farben 
möglichst zuerst für sich fein durch und mische sie 
dann unter erneutem Reiben unter die schwarze 
Farbe, am besten eine gute Accidenzfarbe. 

Von Wichtigkeit ist, dass wenn man sich mit 
so wenigen Farben behilft, ein gutes Weiss vorhanden 
ist, um, wie vorhin erwähnt wurde, ein Mittel zum 
Auflichten zur Hand zu haben. 

Ich habe mich in diesem Fall immer an das 
Zwjjfcweiss, weniger an das Bleiweiss gehalten. 

Nachstehend gebe ich nun die verschiedenen 
gebräuchlichsten Arten von Farben, wie solche in viel- 
beschäftigten Offizinen rein zur Verwendung kommen, 
ich gebe ferner vollständig die Mischungsverhältnisse 
an, wenn man vorzieht, gemischte Farben zu ver- 
drucken oder sich besondere Nuancen herzustellen. 



Wie ich schon erwähnte, ist die Zahl der in 
den Preiskuranten der Farbenfabriken enthaltenen 
Farben eine so grosse , dass deren Nennung hier un- 
möglich ist. Es sind dies zumeist auch nur Abarten 
der von mir nachstehend genannten; man l^e ihnen 
andere Nanien bei (jede Fabrik für ein und dieselbe 
Farbe oft einen besonderen) . weil sie entweder auf 
andere Weise präpariert, aus anderen Grundstoffen 
oder durch Mischung gew^onnen wurden. 

1. Rot.*) 

Rot 9 rein atigeriehen: Zinnober in hell, 
mittelhell und dunkel. Die feineren Sorten , meist in 
dunklerer Nuance, werden von den Fabriken gewöhn- 
lich Karminzinnober oder Vermilloti benannt. Der 
Zinnober ist eine der schwersten Farben und bedarf 
daher besonders gründlicher Durchreibung, soll er 
vollständig rein drucken. Ratsam ist, die Farbe nach 



BUCHNER <k RITTER 

CHEMNITZ 

MECHAN. SPINNEREI U. WEBEREI 
FÜR SEGELTUCHE. 



TELEGR. -ADRESSE: 
BUCHRITTER CHEMNITZ. 

-^ 



BriefXopf. Schrift von Genzsch ft Heyse. 

längeren Arbeitspausen, z. B. Morgens, aus dem 
Farbekasten zu nehmen und frisch durchzureiben, 
da sich die schwere Farbe leicht verdickt und nicht 
so gut durch das Farbemesser geht. Nachmittags 
rühre man sie im Farbekasten tüchtig mit einem 
Farbespachtel durch. Wie man später sehen wird, 
verarbeitet sich diese Farbe auf Maschinen mit 
Messingzilindern schlecht, ebenso drucken sich 
Kupferklischees nicht gut damit , weil die Farbe zer- 
setzend wirkt, und eine hässliche, bräunliche Nuance 
annimmt. Man benutzt deshalb neuerdings nur Kli- 
schees, die einen Eisenüberzug erhalten haben. In 
dem Vernickeln der Messingzilinder hat man ein 
bequemes Mittel, auch an diesem wichtigen Maschinen- 
teil Abhilfe schaiTen zu können. Auf dunkleren 
Papieren drucke man mit der hellen oder mittelhellen 
Sorte Zinnober. Mennige, eine rötlichgelbe, billige 
Farbe. * Antikarmin, Karmin, Man kauft den Kar- 
min als eigentlichen Karmin, wie als Karminlack 
zu sehr verschiedenen Preisen. Krapplack, ^Gellosia- 
lack, Geraniumlack (Zinnober-Nüance), Hochroter 
Lack, Rouge de Ferse, *Antizinnober, etc. sind neuer- 



♦) Die mit * bezeicliiieten Farben sind nicht lichtächt. 



45 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



4ß 



dings in den Handel gekommene Farben von vorzüg- 
licher Deckkraft und vielem Feuer. Sie sind in vieler 
Hinsicht vorteilhafter verwendbar, wie Zinnober und 
Karmin, da sie bei meist billigerem Preise deren 
schönen, kräftigen Farbenton fast noch übertreffen. 
Diese neueren Farben sind zum Teil nicht licht- 
acht; ich habe diesen Mangel durch ein * bezeichnet. 
Für alle Druckarbeiten, welche nicht für den jahre- 
langen Gebrauch bestimmt und nicht fortwährend 
dem Lichte ausgesetzt sind, kann man sie unbedenk- 
lich benutzen. — Münchefier oder Cochenillelack ^ eine 
gleichfalls karminähnliche, doch etwas ins Rosa 
spielende Farbe. Florentiner und Rotbrauner Lack, 
ebenfalls karminähnlich, doch dunkel und ins bräun- 
liche spielend. Man hat beide Farben in hellerem 







liosa, gemischt: Man erhält diese Farbe 
durch Mischung von Zinkweiss und Karmin oder 
Karminlack. Von letzterer Farbe ist, je nachdem das 
Rosa dunkel oder hell sein soll, mehr oder weniger 
zuzusetzen. Auch Münchener oder Florentiner Lack 
eignen sich zur Herstellung von Rosa, Zinnober 
jedoch nicht. 

3. Blau. 

ElaUf rein angeriehen: FariserUau. Ein 
dunkles, weniger hübsches Blau. Miloriblau, auch 
Stahlblau genannt ; feineres Präparat von gefälligerem 
Aussehen; verarbeitet sich besser und reiner, daher 
dem Pariserblau, wie auch dem Ultramarin vorzu- 
ziehen. Beide Farben sind durch Zusatz von Zink- 




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^/SP 



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RÄIiLE & LÖHRMÄNN 



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^J Verlags-BucliliancLIung. ^^ 



n 




Dresden, den 1889. 



.U JÄGD-YEREIH 










zu ÖHRIHGEH. %^. 



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-^ 



Briefköpfe. Suhriften und Ornamente von Ludwig dt Mayer. 



und dunklerem Fabrikat, und geben dieselben, mit 
etwas Karmin versetzt, eine schöne, den reinen 
Karmin leicht ersetzende Farbe. 

Moty genvlscht : Feuriges Fot . erhält man 
durch Mischung von 3 Teilen Zinnober oder Gera- 
niumlack und V« Teil Karmin. Zum Druck von roten 
Einfassungslinien ist eine Mischung von Geraniumlack 
mit etwas mittlem Chromgelb sehr beliebt. 

2. Bosa. 

ItoaUf rein an^geriehen : Das ^Magenta-odie^v 
Keiirot ist ein schönes , kräftiges Rosa. Diese Farbe 
ist als Anilinpräparat freilich dem Verbleichen leicht 
ausgesetzt. Beim Herrichten dieser Farbe wie aller 
Anilinfarben zum Druck ist ganz besonders zu beach- 
ten , dass man sie zuerst mit wenig Firnis zu einem 
dicken Brei anzureiben und erst nach vollständigem 
Klarreiben zu verdünnen hat. 



weiss heller zu machen und erzielt man besonders 
mit Miloriblau und Weiss eine schöne lebhafte, dem 
Ultramarin nicht allzuviel nachgebende Farbe. Ultra- 
marin, eine in hell, mittelhell und dunkel zu habende 
Farbe, doch schwer zu verarbeiten, wenn sie nicht 
von der Fabrik aus bereits gut zum Anreiben prä- 
pariert wurde. Indigo, Türkisch Blau, Kaiserblau. 
Ausser den vorstehend genannten gibt es noch eine 
Anzahl blaue Farben unter verschiedenen Benen- 
nungen , dieselben kommen jedoch weit weniger zur 
Verwendung. 

4. Gelb. 

Gelby rein angerieben: Chromgelb. Das 
Chromgelb ist die für einfachen Buntdruck wohl am 
meisten zur Verwendung kommende Farbe. Man 
hat dasselbe hell, mittelhell und dunkel. Das mittel- 
helle dürfte die verwendbarste Sorte sein. Minerah 

3* 



47 



tjber zweckmäsaigste Verwendung des Accjdenz-Schriflmaterials. 



46 



gelb, hell und dunkei, Ocker, hell und dunkel, mehr 
Chamois. Terra di Siena, mehr bräunlich gelb. 
Kadmiumgelb. Gelber Lack. Neapelgelb. 

Orange^ rein angerieben: Chromorange, 
Orange Terra di Siena, Orange Mennige, Mineral- 



Gelb, gemischt: Mittelst des Chromgelbs 
lassen sich die verschiedensten Nuancen in Orange 
und Gelb herstellen ; 
z. B. Orange durch 
Mischung von 3 Teilen 
helles oder mittelhelles 
Chromgelb und 1 Teil 
Zinnober. Setzt man 
dieser Mischung noch 
^4 Teil Karmin- oder 
Cochenillelaek zu, so 
wird dieselbe noch leb- 
hafter, feuriger erschei- 
nen. Strohgelb mischt 
man aus 1 Teil mittles 
oder dunkles Chrom- 
gelb und 3 Teile Zink- 
weiss. Chamois erhält 
man durch 2 Teile 
Chromgelb und '/i Teil 
Geraniumlack; soll es 
dunkler sein, so nehme 
man dunkles Chrom- 
gelb, soll es heller sein, 
so nehme man helles 
Chromgelb oder mische 
Weiss in die dunkleren 
Nuancen. Auch durch 
Benutzung des Ockers 
an Stelle des Chrom- 
gelb erzielt man ein . „ , .„ , „ , 

° Vignelle, Schriflsn und Sei 

Chamois. 

Über die Mischung 
der gelblichen Tonfarben fmdet man im nächsten 
Heft alles Nähere. (ForiBeiiang foiRto 



Über zweckmässigfste Verwendung 
des Aceidenz-Schriftmaterials. 

^©eber die Kunst, das Accidenz- Schriftmaterial 
1^^* dem Auge in der Weise zur Anschauung zu 
bringen, dass es auf dasselbe einen anziehenden und 
gefälligen Eindruck hervorbringt, ist schon des öftem 
gesprochen und geschrieben worden und obwohl 
manche im Accidenzfach gründlich erfahrene Buch- 



drucker ihre Ideen über diesen Gegenstand der 
öfientlichkeit übergeben haben, so scheinen sie doch 
unerschöpflich zu sein, so lange die Schriflgiesser 
stets neues Material in Schriften und Ornamenten 
herbeischaffen, welche wieder neue Ideen hervorrufen. 
Bei den in der Typographie und speziell im Accidenz- 
druck tonangebenden Völkern, neben den Deutschen, 
die Franzosen, Engländer und Amerikaner, hat sich 
bei jedem ein ihm eigen- 
tümlicher Stil heraus- 
gebildet, der jedoch von 
dem für die Kunstge- 
werbe jedweder Art 
aufgestellten Normalge- 
setz, • einen praktischen 
Zweck in veredelter 
Form darzustellen«, 
bald mehr, bald weniger 
abweicht. Dass die Deut- 
schen und Franzosen 
diesem Normalgesetz 
am treueslen geblieben, 
wird jetzt von den Ame- 
rikanern, nachdem sie 
sich am weitesten da- 
von entfernt, offen zu- 
g^eben, und selbst die 
Engländer können nicht 
in Abrede stellen, dass 
sie sich von ihren trans- 
atlantischen Stamm- 
verwandten haben ins 
Schlepptau nehmen 
lassen. 

Unser geschätzter 

englischer Kollege, das 

. ^ „ . ^ •PrintersReqister',vie\- 

issBtücke TOn Einer * Co. —^ y ' 

ehem wir das Nach- 
stehende entnehmen, ist 
zu der Ansicht gelangt, dass in der Satzanordnur^ 
und Ornamentierung eine Grenze innegehalten wer- 
den muss, um diesem Gesetz gerecht zu werden. 

Es werden in dem genannten Organ von fach- 
verständiger Hand den jungen angehenden Accidenz- 
setzern, welche sich gar oft auf ihr eigenes Genie 
verlassen oder durch wiederholte Misserfolge die nötige 
Erfahrung gewinnen müssen, verschiedene nützliche 
Winke erteilt, welche ihnen zur Richtschnur dienen 
sollen, wie sie das zur Verfugung stehende Material im 
künstlerischen Sinne zur Darstellung bringen können. 
Man muss dabei stets bedenken, dass es viele ganz 
tüchtige Setzer gibt, die in anderen Satzmanieren ein 
treffend schnelles Urteil besitzen und ihnen doch der 



liber zweckmBsaigste Verwendung des Accidenz-Schriftmatecials. 



50 



Takt für eine einigermassen geschmackvolle Accidenz 
at^eht; ihre erfinderische Fähigkeit scheint noch 
unentwickelt zu sein. Entweder mangelt es ihnen 
an Interesse oder natürlicher schöpferischer Anlage. 

Viele Setzer 
folgen ihren eige- 
nenldeen in Bezug 
auf Ausführung 
von Accidenzar- 
beiten, wie es in 
der Druckerei , in 
der sie ausgebildet 
wurden, gerade 
Mode war und von 
diesen Ideen sind 
sie so eingenom- 
men, dass sie 
durch Belehrung 
und Beispiel nicht 
mehr abzubringen 
und zum Fort- 
schrittzubewegen 
sind. Gewisse Ar- 
beiten müssen im- 
mer in ein und 
derselben beige- 
brachten Weise 
hergestellt wer- 
den; in eine an- 
dere vermögen sie 
sich nicht hinein- 
zufinden. Diese 
gehören zu der 
oben erwähnten 
Klasse. Guter Ge- 
schmack, Ehi^eiz 
und innerer Trieb 
zum Fortschritt 
sind ihnen fremd. 
Tritt ein solcher 
Mann, wie dies 
in der That häufig 
der Fall, eine Fak- 
torstelle an , so 
durchdringt der 
Geist der Stag- 
nation und der Entmutigung zum Vorwärtsslreben 
die ganze Ofiizin. 

Das gegenwärtige System der Arbeitsteilung in 
grossen Etablissements, in welchen gewisse Setzer 
ohne Wechsel nur im tabellarischen, Werk-, kommer- 
ziellen etc. Satz beschäftigt sind, trägt auch zur 
Förderung der Unfähigkeil der Setzer für Accidenz- 



arbeiten bessern Stils bei. Diesen Einflüssen enlg^en- 
zuwirken ist das Studium von Fachzeitschrillen, 
welche neben den übrigen Ideen der typographischen 
Kunst auch den Accidenzsatz ausrührlich behandeln, 
eines dergeeignet- 
sten Mittel, und es 
wäre nur zu wün- 
schen, dass solche 
Journale in den 
Gehilfenkreisen 
mehrEingang fan- 
den als es der Fall, 
denn Theorie und 
Praxis stehen stets 



Schriften, EtntiusiinEnn und Ecken 



Wechselwirkung. 
Es ist unbe- 
streitbar, dass in 
grossen, mit aus- 
gezeichnetem Ma- 
terial reich ver- 
sehenen Offizinen 
vielmehr geleistet 
werden kann als 
in solchen mit be- 
schränkten Hilfs- 
mitteln, doch steht 
es nicht minder 
fest, dass mittlere 
und kleinere Offi- 
zinen, in welchen 
derAccidenzdruck 
die hervorragende 
Spezialitätist, eine 
gute Schule zur 
Ausbildung von 
Accidenzsetzem 
geworden sind. 

Nichtsdesto- 
weniger können 
aus persönlicher 
Erfahrung her- 
voi^ehende An- 
deutungen für in 
dem, in Rede 
stehenden Fache 
weniger Geübte, denen aber ein gewisses Talent inne- 
wohnt, oder deren Geschmack durch eine verfehlte 
Anleitung verdorben worden, manchen Nutzen haben. 
Selbst bei den Geübten werden sie Billigung und in 
einzelnen Fällen vielleicht Beachtung finden. 

Wenn Schriften und Verzierungen in ihrer 
Zusammenstellung Effekt machen sollen, so gilt als 



51 Über zweckmässigste Verwendung des Accidenz-Schriftmaterials. — Typographischer Muster-Austausch. 52 



Grundbedingung der Kontrast, und dieser wird zuerst 
durch kleinere und grössere Typen hervorgebracht. 
Es ist nicht gerade die Grösse, welche eine Zeile 
hervorhebt, sondern der Vergleich mit den Schrift- 
grössen der andern Zeilen. So erscheint z. B. eine 
Zeile von vier Cicero auf einem grossen Plakat klein, 
während sie sich auf einem Quartblatt ausserordentlich 
gross ausnimmt. Selbst eine Zeile in etwas fetter 
Ciceroschrift kann in einer kleinen Accidenz auffällig 
hervortreten, sobald sich die übrigen Zeilen der 
Hauptzeile in verhältnismässig absteigenden Graden 
unterordnen. 

Der Setzer geht, wenn ihm eine Accidenz über- 
geben wird, am sichersten, wenn er dieselbe zuerst 
durchliest und sich im Geiste ein Bild vorstellt, in 
welcher Weise er sie zu halten hat; dann setzt er die 
Hauptzeile. Dadurch wird ihm die Anordnung der 
untergeordneten Zeilen leichter , er vermeidet dabei, 
dass die Hauptzeile nicht zu sehr hervorsticht und 
durch zu kleine Schrift der übrigen Zeilen der Kontrast 
nicht zu grell wird. Auch auf Abwechslung in der 
Länge der Zeilen ist Rücksicht zu nehmen, ausge- 
nommen bei jener Art von Plakaten, in denen 
die Zeilen, welche einen hervorzuhebenden Gegen- 
stand betreiTen und somit in gleichem Range stehen, 
voll verlangt werden. Es stört dies den Gesamtein- 
druck weniger, da untergeordnete Zeilen dazwischen 
kommen. Manche Setzer glauben, dass es, wenn das 
oder die Wörter einer Hauptzeile diese nicht ganz 
füllen, genüge, am Anfang oder am Ende ein Ver- 
zierungsstück, eine Blume oder einen dicken Strich zu 
setzen; aber das ist ein Irrtum. In solchen Fällen 
ist Spatiinieren vorzuziehen, weil alle derartigen 
Anhängsel nichts zum veränderten Aussehen beitragen. 

Bei der Wahl der Schriften hat der Setzer sein 
Augenmerk darauf zu richten, eine gewisse Verwandt- 
schaft der Stile aufrecht zu erhalten. Hat er sich 
z. B. beim ersten Entwurf für den Mediaevalstil 
entschieden, so darf er keine der modernen Accidenz- 
schriften. Gotisch, Keltisch etc., hineinmischen. 

Der Kontrast ist dann durch abwechselnde 
Grössen oder durch antike Schriften andern Schnittes 
oder Charakters zu erzielen. In gleicher Weise ist 
mit andern Stilen zu verfahren. Es soll damit nicht 
gesagt sein, dass alle Accidenzien in Serien von 
gewissen Schriftstilen gesetzt werden müssen, denn 
es können in andern Manieren manche recht gute 
Effekte erzeugt werden. Verschiedene Schriften, die 
aber im Stil miteinander verwandt sind, lassen sich 
ohne Bedenken nebeneinander stellen und der 
urteilsfähige Setzer wird sie so miteinander zu ver- 
binden wissen, dass das Ganze einen harmonischen 
Effekt erzeugt. 



Im Werksatz ist das Vermischen verschiedener 
Stile unbedingt zu vermeiden. Ein Buch muss bezüg- 
lich Text, Rubriken, Titel, entweder im antiken oder 
im modernen Stil gehalten sein. Doch kann aus- 
nahmsweise auch eine gute Titelschrift , welche nicht 
zu weit von dem allgemein angenommenen Stil 
abweicht, genommen werden, wenn auf dem Titel 
eine Zeile breit oder schmal gehalten werden soll. 

(Fortsetzuag folgt.) 




Typographischer Muster-Austauseh. 

[nstatt des unter englischer Leitung stehenden 
»International Specimen Exchange« ist auf 
Veranlassung des Herrn Carl Koepsel in Berlin ein 
»Deutscher Typographischer Muster- Aus tausch« und 
zwar durch den Deutschen Buchdrucker-Verein be- 
gründet worden, unter dessen Leitung das Unter- 
nehmen ohne Zweifel einen besseren Aufschwung 
nehmen wird, wie bisher. 

Mit der Ausführung des Unternehmens hat der 
Vorstand einen Ausschuss betraut, bestehend aus 
den Herren Carl Koepsd, Berlin, S. 14, Komman- 
dantenstr. 46, Bruno Klinkhardt, Leipzig, Liebigstr. 8 
MnA Johannes Ba6nsch'Drugulin^ Leipzig, Königstr. 10. 
Sowohl die Mitglieder des Ausschusses, als des Vor- 
standes und Geschäftsführenden Ausschusses sind 
bereit, Auskunft in einzelnen Fällen zu erteilen. Die 
wichtigsten Teilnehmervorschriften geben wir nach- 
stehend im Auszuge wieder. 

Teilnehmer können nur sein: Buchdrucker, Litho- 
graplien, Kupfer- und Lichtdrucker, sowohl selhstständige 
als Faktore, Gehilfen und Lehrlinge; jede Firma oder 
Person indess nur mit e*«em Blatt, dass aus eigener Werk- 
statt herrührt oder üherhaupt eigene Arbeit, Erfindung, 
Satzart oder Druckaasführung ist. 

Die Teilnehmerliste wird für jedes Jahr Ende März 
geschlossen. Nach Schluss derselben wird jedem Teil- 
nehmer die Höhe der von ihm zu liefernden Auflage 
mitgeteilt, sowie die Nummer seines Beitrags. Die Auflage 
wird auf 25 Exemplare mehr bemessen, als die Zahl der 
Teilnehmer beträgt; die den Teilnehmern angegebene 
Auflage muss voll geliefert werden. 

Für die seinerseits gelieferte Auflage erhält jeder 
Teilnehmer die gleiche Anzahl Exemplare (ausschliesslich 
der 25 überschiessenden) zurück in einem Sortiment 
von je einem Blatt der Beiträge aller Teilnehmer. 

Die Beiträge der Teilnehmer unterliegen der Prüfung 
und Genehmigung des vom Vorstand des Deutschen 
Buchdrucker-Vereins ernannten Ausschusses. Gegen eine 
etwa mögliche spätere Zurückweisung schützt sich, unter 
Voraussetzung einer nachträglichen guten Druckaus- 
führung, jeder Teilnehmer durch Einsendung eines ein- 
oder mehrfarbigen Korrekturexemplars vor dem Abdruck 
an den Ausschuss zur Begutachtung durch denselben. 

Die Blätter müssen sämtlich die Grösse des deutschen 
Quart-Postpapiers (8Vt : 11 Zoll = 22,5 : 29 cm) haben und 



53 



Schmelzvorrichiung für Walzenmasse. 



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dürfen sowohl Hoch- als Querformat sein. Kartonpapiere, 
welche das Gewicht von 25 kg per Ries überschreiten, 
dürfen nur mit vorherigem Einverständnis des Aus- 
schusses zum Druck der Beiträge verwandt werden. 

Für die Herstellung seines Beitrages hat jeder Teil- 
nehmer nach Schluss der Liste 37» Monat Zeit. Die 
Einlieferung der Beiträge muss bis einschliesslich den 
15. Juli jeden Jahres an das Bureau des Deutschen 
Buchdrucker- Vereins, Leipzig, erfolgen. Die Ausgabe 
erfolgt am 1. Oktober jeden Jahres. 

Die Bestreitung von Korrespondenz- und Sammel- 
kosten geschieht durch den Deutschen Buchdrucker-Verein ; 
diese Auslagen werden auf alle Teilnehmer gleichmässig 
bei Ausgabe des Austausches verteilt. 

Am Fuss jedes Blattes ist Firma oder Name und 
Charakter des Urhebers anzugeben; ferner dürfen daneben 
die Bezugsquellen der verwendeten Schriften und Druck- 
materialen kurz angegeben werden, Preisnotizen jeder 
Art sind dagegen ausgeschlossen und machen ein Blatt 
unzulässig. 

Die Höchstanzahl der Teilnehmer ist vorläufig auf 
300 festgesetzt und ist auch jede ausserdeutsche Firma 
oder Person als Teilnehmer willkommen, wenn sie 
gemäss den obigen Vorschriften handelt. Eine Erhöhung 
der Teilnehmerzahl erfolgt nur durch Beschluss des 
Ausschusses für den Internationalen Graphischen Muster- 
Austausch. 




Schmelz Vorrichtung für Walzenmasse. 

•as Schmelzen und Giessen der Walzenmasse, 
das sogenannte »Walzenkochen« ist eine der 
unangenehmsten und zeitraubendsten, aber auch 
wichtigsten Arbeiten, welche beim Buchdruckerei- 
betrieb vorkommen. Da die Masse im Wasserbade 
geschmolzen werden muss, sind hierzu besondere 
Vorrichtungen erforderlich, welche in verschiedenen 
Ausfuhrungen von Buchdruck-Gerätehandlungen an- 
geboten werden. 

Die Firma Heidenhain & Hoffmann^ Berlin SW., 
Alexandrinen- Strasse 24, bringt neuerdings eine 
Schmelzvorrichtung in den Handel, welche sich durch 
weitgehende Ausnutzung der mit geringen Kosten 
erzeugten Wärmemenge und durch Fortfall von 
Bedienung und Aufsicht während des Kochens aus- 
zeichnet. 

Unterm Wasserkessel h (s. Abb.) befindet sich inner- 
halb eines Eisenmantels die Feuerungsvorrichtung i. 
Dieselbe besteht aus einem ringförmig gebogenen, 
mit zahlreichen Flammenlöchern versehenen Gasrohr, 
einem sogenannten »Bunsenbrenner«, in welchem ein 
Gemisch von Leuchtgas und Luft nach der Entzünd- 
ung einen kräftig heizenden Feuerkranz erzeugt. Der 
Innenraum des Kessels 6 wird so weit mit Wasser 
gefüllt, dass dieses an den Wänden ziemlich hoch 
emporsteigt, wenn man den mit zerschnittener Walzen- 



masse gefüllten Schmelzkessel a einsetzt. In diesen 
Schmelzkessel ist ein kleinlöchriges Sieb eingefügt, 
welches zu Anfang des Walzenschmelzens am Boden 
liegt. In der Mitte des Siebes ist eine Metallstange e 
eingesetzt, welche durch ein Loch inmitten des Deckels 
geführt ist und in einen Haken endet. An diesem 
Haken ist eine Schnur befestigt, welche über eine, 
an der Decke des betreffenden Raumes befestigte 
Gleitrolle läuft und von dem Gewicht h straff an- 
gezogen wird. Das Gewicht ist so bemessen, dass es 
das Sieb emporziehen und gegen den Deckel pressen 
würde, wenn nicht aufgelegte Walzenmassestücke 
dasselbe niederhielten. 

Wenn man nun die regelrecht in nussgrosse 
Stücke geschnittene Walzenmasse in den Schmelz- 
kessel schüttet und das vorher abgenommene Gewacht 
wieder anhängt, so wird die Schnur zunächst straff 
gezogen. Entzündet man sodann das Gas am Heiz- 
ring i, so erwärmt sich zunächst das Wasser im Kessel 
6, und sobald es einen bestimmten Hitzegrad erreicht 
hat und dem Siedepunkt sich nähert, beginnen zunächst 
die an den Wandungen liegenden Masseklümpchen 
zu schmelzen. Die flüssige Masse füllt die Sieblöcher, 
fliesst nach unten, und so wie sie erst den Boden 
bedeckt, beginnt das Sieb , dem Zuge des Gewichts 
folgend, sich vom Boden emporzuheben. Je weiter 
nun der Schmelzvorgang fortschreitet, desto höher 
steigt das Sieb , bis endlich auf demselben nur ver- 
härtete unschmelzbare Reste vom Rande alter Walzen 
und sonstige Verunreinigungen liegen bleiben und 
unter demselben jene gleichmässig flüssige, knoten- 
lose Masse von syrupartiger Beschaffenheit zurück- 
bleibt, welche zum Guss tadelloser Walzen erforder- 
lich ist. 

Das Sieb ist ringsum von einem 5 cm hohen 
Rande umgeben, welcher das Zurückfallen der un- 
brauchbaren Bestandteile verhütet, wenn man es 
nach beendetem Schmelzvorgang heraushebt. 

Diese selbstthätige Filtrier- Vorrichtung kann in 
eine einfachere verwandelt werden, wenn man das 
Gewicht fortlässt und nach beendetem Schmelzen der 
Masse das Sieb mit der Hand herauszieht. Ist die 
Masse neu und knotenfrei, so kann auch das Sieb 
ausser Anwendung bleiben. 

Um das Zurückgehen des Wassermantels im 
Hohlraum h durch Verdampfung zu verhüten und die 
Masse vor Überhitzung, — dem »Anbrennen« zu 
schützen, ist eine sinnreiche Vorrichtung beigegeben, 
welche den Wasserstand selbstthätig auf gleicher 
Höhe erhält. 

Auf einem höher stehenden Tisch oder Gestell 
ist ein Wasserbehälter g angebracht, welcher durch 
den Schlauch /mit dem Kessel b in Verbindung steht. 



Schmelz Vorrichtung (ür Walzenmasse. — Schriftprobeiiscliau. 



Dieser Schlauch wirkt als Heber, wenn man durch 
Saugen an dem herabhängenden Ende dem Luftdruck 
Gelegenheit gibt, auf die Wasserfläche einzuwirken. 
Führt man nun das herabhängende Ende in den 
Kessel ein, so würde das Wasser des Hochbehälters 
ununterbrochen abfliessen und den Wasserkessel bald 
zum Überfliessen bringen, wenn nicht eine selbst- 
thätige Absperrvorrichtung angebracht wäre. Die- 
selbe besteht aus dem Schwimmer d und einem am 
Schlauchende angebrachten Ventil. Wenn das Wasser 
im Kessel steigt, so steigt auch der Schwimmer und 
mit ihm das Ventil, bis es die Abflussöffnung völlig 
verschliesst und kein Wasser mehr heraus kann. 
Sinkt dann der Wasserspi^el infolge Verdampfung 
wieder, so öffnet sich das Ventil ein wenig, und 



Auch hier ist der Wasserkessel bis oben hin von 
umschlossen. Die selbstthätige Regu- 
lierung ist aber fortgefallen, denn die Masse -wird so 
schnell flüssig, dass Sicherheitsvorrichtungen über- 
flüssig werden. Die Heizung geschieht durch einen 
transportablen Bunsenbrenner der auch sonst zum 
Anwärmen, Bleischmelzen, Glühen etc. vielseitige 
Verwendung finden kann. 

Beide Apparate, von denen der grössere M, 37. — 
mit allem Zubehör, der kleine M. 18. — kostet, sind 
aus starkem Eisenblech angefertigt und gut verzinnt. 
Dieselben können auch durch die Utensilienhandliing 
von Alexander Waldow in Leipzig bezogen -werden. 



n Heide nhain A HotTniB 




es fliesst solange Wasser nach, bis der bestimmte 
Wasserstand wieder erreicht ist. Diese langsame, 
fast tropfenweise Zuführung schützt das Kesselwasser 
vor plötzlicher Abkühlung. Der äussere, oben ge- 
schlossene Eisenmantel verhindert das Entweichen 
der erhizten Luft. Dieselbe bleibt somit fortgesetzt 
in Berührung mit der Blechwandung des Wasser- 
behälters, und da die Wassermenge so klein wie 
möglich genommen ist, wird sie rasch (in 15 bis 20 
Minuten) zum Sieden gebracht. Sie wirkt ihrerseits 
in grosser Flächenausdehnung auf den Walzenmasse- 
Behäher, fasst etwa 15 Liter, reicht also zum Guss 
zweier grosser Maschinenwalzen aus. 

Eine zweite kleinere Schmelzvorrichtung fasst 
den Massevorrat für eine Tiegeldruckpressenwalze. 



Sehriftprobensehau. 

(Den Wahnort dsr antei >SchTlttprob«nichaa* and >Sati nndDrack der 
Probsblälter. gsnannlon Firmen geben wir nur dünn an, wenn sie wenljer 
bekannt a.ler nicfat in Deatachland oder üaterreich anaäuig siod, TCT- 
weisen aacb aaf du BeEugsquellearDgisler anX dar 2. UnuchiaEseita.) 

^^ediaeval Kursiv Ronde nennt die Schrifl|fiesserei 
^SS Ludwig dr Mayer eine eigenartige Schreibsehrift, 
die wir unseren Lesern heute in Probe vorführen. 
Es ist dies eine ilotte, deutliche und gefällige Schrift 
in sieben Graden, so recht geeignet, um einheitlich 
aus derselben Karten, Rechnungen, Zirkulare etc. zu 
setzen oder sie in einzelnen Zeilen anzuwenden. Sehr 
vorteilhaft ist auch die von der genannten Giesserei 
geschnittene reichhaltige Sammlung von Zügen zu 
verwenden, die wir nachstehend abdrucken. 




Movititen der Schrlft^esserel Ludwig & layer in Franlfart a. 1. 

I. Mediaeval Kursiv Ronde. 

Corp«, 10 It Kilo M. 1*.-. 
if^üjtSyVBK i^tti» Jet Guvrmi£uaff iJni nfasn oit^i^»nima£ xu ^mt/xig. 

Coipi. IH & Kilo M. 13.—. 
Corps. 30 » Kilo M. IS.-. 

Corp«. 30 h, Kilo M. II.—. 

^er iMiuiim i/beroMi/e/ae 

Corps. 36 i Kilo M. iO— 

'/2 L^oelne^ Q)cnMe^ c^^^^^öina^ L^eHeri: 3^ 

.ilo M. 10.-. 




Corps. Se i. Kilo M. II 



Corps. M B Kilo M. t 



QMul- u/tdo/Yord-Q^i^ 



X. Züge. 

Sorliment M, IB.&a <S. a. SctaririprobeuschaD.I 



^num U^aidma/i/i. 




Ecken von F. A. ßrockhaos in Loip: 



59 



Satz und Druck unserer Probebläller. 



60 



Auf dem Probenblatt , welches diese Ronde ent- 
hält, benutzten wir eine höchst gefällige Ecke der 
Brockhausschen Giesserei zur Umrahmung. In Heft 8/9 



j^ 





des 25. Bandes führten wir eine ganze Sammlung 
solcher neuer Ecken dieser Giesserei vor, uns nach 
und nach weitere Anwendungen derselben vorbe- 
haltend. 

Vor Abschluss unseres Heftes geht noch eine 
Schriftprobe der Schriftgiesserei Otto Weisert ein. 
Dieselbe enthält eine neue, sehr geftlllige, umstochene 
Zier Schrift >Rhenania« genannt, in drei Graden, als 
ein Originalerzeugnis der fraglichen Firma. 

Es wird wohl kaum Jemand dagegen sprechen, 
wenn wir diese Schrift als eine höchst originelle und 
reizvolle bezeichnen. Schwungvoll in den Formen, 
reich hervortretend durch die gefälligen Verzierungen 
der Versalien, ist sie ohne Zweifel eines der besten 
Erzeugnisse dieser Art, welche uns in letzter Zeit 
geboten wurden. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

[eilage B, eine Neujahrs-Gratulationskarte der 
Farbenfabrik von Käst & Ehinger in Sttdtgart- 
Feuerbach, ist wieder eine jener originellen Arbeiten 
unseres, dem Archiv so wohlgesinnten und fleissigen 
Mitarbeiters Herrn A. M. Watmlik in Altenburg. 
Wir sehen in dieser Arbeit jene besonders in Amerika 
jetzt so stark gepflegte Manier vertreten, welche so 
zu sagen aus Nichts und ohne Befolgung eines 



bestimmten Grundgedankens ein Bild schafft, das, 
ohne sich an natürliche Formen anzulehnen, lediglich 
ein Gebilde der Phantasie seines Erzeugers ist und 
dadurch zu eigenartiger, wenn auch barocker Wirkung 
gelangt, seinen Zweck aber, die Aufmerksamkeit des 
Beschauers zu erregen, in vollkommenster Weise 
erfüllt. 

Es freut uns , dass wir unseren Lesern eine so 
vorzügliche Probe dieser Richtung des Accidenzsatzes 
vorführen können und danken wir deshalb dem 
Schöpfer dieser Arbeit, Herrn WatzuUk, bestens für 
Überlassung derselben. Gleichen Dank sagen wir 
auch den Herren Käst & Ehinger mit deren Farben 
die Karte für das Archiv gedruckt wurde, wie Herrn 
Stephan Geibel, in dessen Oftizin (Pierersche Hof- 
buchdruckerei, Altenburg) der Druck in so vorzüg- 
licher Weise erfolgte. 

Blatt H ist eine Arbeit der Druckerei von Förster 
<& Borries in Zwickau; es enthält zwei höchst gefällig 
gesetzte Briefköpfe, wie eine originelle und schöne 
Karte in der peinlich sauberen Ausführung und 
geschmackvollen Farbenwahl, welche allen Arbeiten 
der genannten Offizin eigen ist. Sämtliche hier ver- 
einte Muster sind dem in Heft 1 Spalte 21 empfohlenen 
Musterbuch entnommen, welches die genannte Firma 
zum Verkauf an Buchdrucker zusammenstellte und 
von welchem auch wir in Anbetracht seines Wertes den 
Verkauf übernommen haben (s. Inserat Seite 67/68). 
Wir glauben, dass nichts den Wert dieses Musterbuches 
besser beweisen kann, wie unsere Probe, die nur den 
kleinsten Teil der zahlreichen, darin enthaltenen 
geschmackvollen Arbeiten wiedergibt. 

Blatt P endlich bringt zwei einfache Adresskarten, 
Für die obere wandten wir die immer schöne, daher 
gern gesehene Römische Einfassung von Otto Weisert^ 
ebenso eine Kamevalsvignette derselben Firma an. 
Die klare, reiche, schwungvolle und gefallige Zeichnung 
der Römischen Einfassung zeigt sich hier wieder in 
bestem Licht und freuen wir uns , dass Herr Weisert 
uns durch Überlassung derselben in den Stand gesetzt 
hat, sie unseren Lesern von jetzt an öfter vorführen 
zu können. Die untere Karte ist in wahrhaft gefalliger 
Weise durch eine Einfassung von Scheiter d; Giesecke 
geziert Einfach und klar, dabei markig in der 
Zeichnung, macht auch sie der bewährten Quelle, aus 
welcher sie stammt, alle Ehre. Die äusseren kleinen 
Einfassungen i)yj^'fi .^u..^u. stammen gleichfalls von 
Schelter & Giesecke, während die innere »"'^ > "'J."v>"v;'"m der 
Woellmerschen Baphael-Einfassung entnommen ist. 

Gedruckt wurde das Blatt mit Dunkelbraun von 
H, Gauger in Ulm. 



61 



Bezugsquellen. — Zeitschriften und Bücherschau. 



62 



Bezugsquellen 

der angrewendeten Schriften, Einfassungcen etc. 

Neujahrskarte (B). Satz und Druck der Piererschen 
Hofbuchdruckerei in Altenburg. 

Briefköpfe und Karte (H). Satz und Druck von 
Förster & Borries in Zwickau. 

Karten (P). 1. Eintrittskarte , Volksmaskenball von 
Ludwig & Mayer, Sonnabend, den 9. Februar , Societe von 
Krebs, Zierstücke von Gronau, die übrigen Schriften von 
Brendler & Marklowsky. 2. Ludwig Bichter von Gronau, 
Lager etc. von Woellmer, Merseburg von Ludwig & Mayer, 
Majoliken etc. von Berger, wegen der Einfassungen beider 
Karten s. Schriftprobenschau. 



Zeltsehriften und Biiehersehau. 

— Die Zusendungen, welche uns Stockholmer Offizinen 
in letzter Zeit machten, geben uns einen hohen Begriff von 
dem regen Streben derselben, wahrhaft Vollendetes in der 
Ausführung typographischer Arbeiten zu leisten. So liegt 
uns heute wieder ein »Illustrierter Verlagskatalog von P. B. 
Eklund in Stockholm«, gedruckt in der CentraMruckerei vor. 
Im reinsten Mediaevalstil gehalten, geziert durch einzelne 
mit feinstem Geschmack und richtigem Mass verteilte rote 
Zeilen, ist eine wirklich schöne und gediegene Arbeit geschaffen 
worden, die uns die grösste Achtung abnötigt. Die Wahl 
der Schriften, deren Abstufung und Sperrung verdienen 
gleichfalls hohe Anerkennung, die man in demselben Masse 
auch dem Druck zollen muss, der bezüglich der Schrift, 
der Illustrationen, farbigen Initialen meisterhaft ausgeführt 
ist. Die in dem Katalog enthaltenen, gleichfalls in der 
Centraldruckerei gedruckten Bilder (Volkstrachten etc.) 
in Aquarellmanier beweisen, dass die genannte Offizin auch 
auf diesem Gebiete ganz Vortreffliches leistet. 

— Die Prachtausgabe von Tegners Friihiofssaga, Verlag 
von P. A. Norstedt & Söhne in Stockholm ist bis zum 4;. Heft 
gediehen. Auch dieses Heft entspricht in vollkommenster 
Weise den Erwartungen, welche wir für das Werk hegten. 
Die Illustrationen (Lichtdruck) von Aug. Malmström sind 
ganz vorzüglich ausgeführt; jede einzelne Figur ist »ein 
Meisterwerk edler, charakteristischer Zeichnung. Der Text 
und die Holzschnittillustrationen sind von Norstedt & Söhne 
vorzüglich gedruckt. 

— Wegweiser durch die Stereotypie und Galvanoplastik, 
von Carl Kempe, Nürnberg. Nürnberg, Selbstverlag des 
Verfassers. In Kommission bei Alexander Waldow, Leipzig. 
Preis 3 M. Herr Carl Kempe in Nürnberg ist bekanntlich 
der Inhaber einer Stereotypiematerialien-Fabrik und gilt 
als Herausgeber der Zeitschrift »Der Stereotypeur« als 
bewährter Fachmann auf den Gebieten der Stereotypie und 
Galvanoplastik. In dem vorstehend genannten Werkchen 
nun hat derselbe seine umfassenden Kenntnisse auf beiden 
Gebieten in ausführlichster und verständlichster Weise 
niedergelegt, so dass man über alle die neuen Manieren, 
insbesondere bei Ausführung der Stereotypie, eingehend und 
in zuverlässiger Weise belehrt wird. Ein reichhaltiger 
Anhang bringt die Abbildungen aller der grösseren und 
kleineren Apparate, welche Herr Kempe in seinem Geschäft 
fuhrt und verkauft, er bringt ferner Master der verschiedenen 



Arten Matrizen-, Seiden-, Lösch- und Deckpapiere. Das 
Buch verdient die allgemeinste Beachtung, die demselben 
auch ohne Zweifel zu Teil werden wird. 

— Schriften-Atlas. Eine Sammlung der wichtigsten 
Schreib- und Druckschriften aus alter und neuer Zeit nebst 
Initialen und Monogrammen, Wappen, Landesfarben und 
heraldischen Motiven für die praktischen Zwecke des Kunst- 
gewerbes zusammengestellt von Ludw. Petzendorfer. Stutt- 
gart, Jul. Hoffmann. Dieses Prachtwerk liegt nun (in 
18 Lieferungen k 1 Mark) vollständig vor. Wie schon der 
Titel sagt, will der Schriften-Atlas den praktischen Zwecken 
des Kunstgewerbes dienen; der Herausgeber hat darauf 
bei der Auswahl der Schriften Rücksicht genommen und 
daher auch in den meisten Fällen vollständige Alphabete 
der gewählten Schriftgattungen zur Anschauung gebracht; 
er hat ebenso die mit herrlichen Initialen geschmückten 
Pergamenthandschriften des frühen Mittelalters und der 
gotischen Zeit, wie die Druckwerke der Renaissance mit 
ihren prächtigen , reichen und häufig polychrom verschönten 
Typen zu Rat gezogen und das als mustergiltig Erkannte 
teils in Schwarz-, teils in Farbendruck wiedergegeben. 
Wer aus Erfahrung die Ratlosigkeit kennt, die unsere Gra- 
veure, Dekorationsmaler, Lithographen, Steinhauer u. s. w. 
jedesmal überkommt, wenn ihnen Schriften in irgend einem 
bestimmten Stilcharakter übergeben werden, der kann es 
nur willkommen heissen, dass nun durch den Schriften- 
Atlas ein gediegenes und brauchbares Handbuch geschaffen 
wurde, das bei äusserst massigem Preis Vortreffliches 
leistet und sich gewiss bald als unentbehrlich für die gra- 
phischen Gewerbe erweisen wird. 

— Der Ornamentenschatz, ein Musterbuch stilvoller Orna- 
mente aus allen Kunstepochen. 85, meist farbige Folio- 
tafeln mit erläuterndem Text, von H. Dolmetsch. Verlag 
von Jul. Hoffmann in Stuttgart. — Die zweite Auflage dieses 
populären Prachtwerkes, über welches wir unseren Lesern 
schon öfters berichtet haben, liegt nun vollständig vor und 
wir sind nun imstande, dessen grosse Reichhaltigkeit und 
künstlerische Ausstattung ganz zu übersehen und rühmend 
anzuerkeimen. In der That bietet dieses Werk allen Zweigen 
des Kunstgewerbes einen reichen Schatz lehrreichen Mate- 
rials, eine historisch geordnete Sammlung der wichtigsten 
zum grössten Teil farbigen Ornamente aller Kulturvölker. 
Die hervorragende Berücksichtigung, welche den edelen 
Formen der Renaissance zu teil geworden, erhöht den 
praktischen Wert, die Verwendbarkeit des Werkes, sofern 
ja zahlreiche Motive aus jener Zeit unsrer heutigen Kunst- 
industrie als schätzbare Vorbilder zu dienen in hohem 
Grade geeignet sind. Keine andere Nation besitzt ein so 
gediegenes farbiges Prachtwerk über Ornamentik, welches 
vermöge seiner erstaunlichen Billigkeit so dazu angethan 
wäre, in alle Schichten der Gewerbethätigkeit einzudringen 
und dadurch auf die Förderung des guten Geschmacks 
befruchtend einzuwirken. 

— Von dem Verlagswerke der Leipziger Firma J. J. 
Weber »Meisterwerke der Holzschneidekunst* liegen uns 
wieder mehrere Lieferungen vor, die sich würdig den vor- 
hergegangenen anschliessen, was die saubere Ausführung 
der prächtigen Holzschnitte, deren Druck wie den inter- 
essanten und belehrenden Text betrifft. Durch beide 
Eigenschaften qualifizieren sich die »Meisterwerke der Holz- 
schneidekunst« als ein Werk von bleibendem Werte, das den 
selbstbewusten Titel, der ihm beigelegt ist, mit vollem 
Rechte verdient. Die fortdauernde Gunst des Publikums 
ist dem Unternehmen, das mit der nächsterscheinenden 

4* 



63 



Zeitschriften- und Bücherschau. — Mannigfaltiges. 



64 



t 

4 

■ 

I 



.1 



Lieferung seinen elften Jahrgang beginnt, auch seit An- 
beginn treugeblieben, und schon darin liegt eine Garantie 
seiner Bedeutung. Von den einzelnen Kunstblättern heben 
wir besonders hervor Lieferung 116: Am Morgen, Nach 
dem Gemälde von Georg Meyer von Bremen. Ingeborg am 
Meere. Gemälde von Hermann Koch. Lieferung 117: Der 
Toblacher See in Tirol. Originalzeichnung von W. Gause. 
Alte Liebe rostet nicht. Gemälde von Pietro Torrini. 
Lieferung 118: Weinschlauchträger in Nöten. Brunnenfigur 
in Bronze von August Sommer in Rom. Der Empfang der 
Favoritin. Gemälde von Francesco Beda. Lieferung 119: 
Die Toteninsel. Nach dem Gemälde von Arnold Böcklin. 
Abschied vom Eltemhause. Gemälde von Toby E. Rosen- 
thal. Torpedoboot im Kampfe. Originalzeichnung von 
Ferd. Lindner. Lieferung 120: Die heilige Familie. Gemälde 
von Murillo. Christus bei den Fischern. Gemälde von 
Ernst Zimmermann. 

— Üniversdl'Nachachlagebuch des gamm huchhändlerischen 
Wissens, Von Hans Blumenthal, Buchhändler, Iglau. 
Selbstverlag des Verfassers. Das Werk gibt die Erklärung 
aller buchhändlerischen Ausdrücke etc. in alphabetischer 
Anordnung der Schlagworte, so dass man sich ohne Um- 
stände über die Bedeutung eines jeden Ausdrucks sofort 
orientieren kann. Auch die verwandten Geschäftszweige 
sind nicht vergessen. Wir glauben das in Heften k 35 Pf. 
erscheinende Werk um so eher empfehlen zu können, als 
dasselbe auch sämtliche im Buchhandel übliche Formulare 
enthält, sonach an Vollständigkeit nichts zu wünschen 
übrig lässt. 

— Zum letzten Weihnachtsfest hatte »Über Land und 
Meer«, resp. die Deutsche Verlags- Anstalt in Stuttgart, für die 
Kleinen ein Weihnachtsheft geschaffen, das eine wahrhaft 
reizende Gabe ist. Aus der Seele des Kindes und für das 
Herz des Kindes etwas so recht Geeignetes ins Leben zu 
rufen, ist durchaus nicht so leicbt als es aussieht^ aber in 
diesem Kinderweihnachtsheilchen von Ȇber Land und 
Meer«, Den liehen Kleinen lautet sein Titel, ist das Schwierige 
vortrefflich gelungen. Das zierlich und effektvoll aus- 
gestattete Heft enthält eine Fülle der wahrsten und an- 
mutigsten Scenen ans dem Kinderleben in Haus, Feld, Wald, 
Garten und mit Tieren, Kinder in Spiel, Schmaus, Schlaf, 
bei heiteren Vorfällen, in grosser Kindesfreude und wenn 
es Thränchen gibt. Da das Büchlein in mehreren Farben 
gedruckt ist, so wird die Gefahr der Eintönigkeit siegreich 
vermieden. Ein wesentliches Erfordernis bei dergleichen 
Büchelchen, ein billiger Preis, ist diesem Werkchen auch 
noch eigen, es kostet nur 75 Pfg. 



Mannigfaltiges. 



— Jubiläen. 175jährige: Am 20. November die zu 
Biedlifigen in Württemberg in der Druckerei J. F. Ulrich 
erscheinende »Riedlinger Zeitung». 50jährige: Am 8. Novem- 
ber der Maschinenmeister Heinrich ünger in Berlin in der 
Buchdruckerei J. F. Starcke daselbst. — Am 11. November 
der Buchdruckereibesitzer Fr, W, Gebauer in Konitz. — 
Am 18. November der Setzer Hermann Barisch in Berlin; 
derselbe ist seit 33 Jahren in der Heinickeschen Druckerei 
thätig. — Anfang Dezember der Setzer Josef Heinrich in 
Bensheim, — 2^ährige: Am 2. November der Maschinen- 



meister Fr, Günz in Leipzig im Hause Giesecke & Devrient 
daselbst; er war der zweiundzwanzigste Angestellte, welcher 
in genanntem Geschäft ein solches Jubiläum feiern konnte. 

— Gestorben: Am 24. Oktober der Obermaschinenmeister 
Frz. Stoeger in Berlin, — Am 27. November der Buch- 
druckereibesitzer Adolph Binger in Berlin. — Am 10. Dezember 
der Buchdruckereibesitzer und Buchhändler Ado^f Himmer 
in Augsburg. — Am 23. Dezember der langjährige Oberfaktor 
im Hause Breitkopf & Härtel in Leipzig Jtdius Gasterstädt 
daselbst. 

— Geschäftliches: Aus der Firma Mannheimer Holztypen- 
fabrik Sachs dt von Fischer ist Herr von Fischer ausgetreten 
und führt Herr Rudolf Sachs das Geschäft unter der Firma 
Sachs dt Cie. weiter. — In die Firma CarlMarquart in Leipzig ist 
der bisherige Geschäftsführer Herr Otto SteUwageneAs Teilhaber 
eingetreten. — Die Göhmannsche Buchdruckerei in Hannover 
ist von Herrn Friedrich Diers übernommen worden, welcher 
das Geschäft unter gleicher Firma weiterführt — Das 
Hallesche Tageblatt, Organ des Magistrats, wurde am 1. Januar 
an den Buchdruckereibesitzers B. Nietschmann auf fünf Jahre 
verpachtet. 

— t Wie die »Inventionc berichtet, hat der Italiener 
Angela Tessaro aus Padua eine Maschine erfunden, mittelst 
welcher der Musiknotendruck zu einem verhältnismässig 
niedrigeren Preise ausführbar ist, als nach allen bis jetzt 
bekannten Methoden. Signor Tessaro hat seiner Erfindung 
den Namen »Tachygraph« gegeben. Die bis jetzt im Gang 
befindlichen Maschinen dieser Art werden nur von jungen 
Mädchen bedient. Nichts kann einfacher erscheinen, als 
die Konstruktion der Maschine und die Leichtigkeit der Hand* 
habung. Das Patent auf den Tachygraph ist von G. Ricordi 
& Co. in Mailand für Italien, von den Herrn Lahure, Besitzer 
der Imprimerie g^n^rale in Paris für Frankreich, von den 
Herren Home & Sohn in Edinburg, in Verbindung mit den 
Herren Novello &. Co. in London für England und die 
britischen Kolonien und von der Firma C. G. Röder in Leipzig 
für das Deutsche Reich käuflich erworben worden. Diese 
Namen lassen schon schliessen, dass die Erfindung nicht 
ohne besonderen Wert ist. Der Erfinder beabsichtigt das 
tachygraphische System, das mit dem der Letternstanz- 
maschine Ähnlichkeit hat, auch auf die Typographie anzu- 
wenden. Signor Tessaro ist etwa 40 Jahre alt und steht 
in seinem Vaterlande in hohem Rufe als Mathematiker 
und Musikkomponist. 

— Der Mitteldeutsche Papierverein veranstaltet vom 
2.-5. Mai 1889 in den Räumen des Eldorado in Leipzig 
eine Fachausstellung. Dieselbe soll nicht nur die Papier- 
industrie im engeren Sinne umfassen, sondern auch buch- 
händlerische und buchgewerbliche Erzeugnisse, sowie 
Gegenstände des Schreib- und Zeichenwarenfachs etc. 
aufnehmen. Eine BeteiUgung dürfte für viele Druckereien, 
lithographische Anstalten, Verleger etc. von grossem Inter- 
esse sein. Anmeldungsformulare sind vom Vorsteher des 
Mitteldeutschen Papiervereins, Otto Winkler, Papierprüfungs* 
anstalt, Leipzig, Uferstr. 8 oder Paul Hungar, Leipzig, 
Markt 8, erhältlich. Der Unkostenbeitrag beläuft sich für 
jeden Aussteller auf 5 M. Angesichts der vielseitigen 
Beteiligung an den früheren Ausstellungen wurde vom 
Vorstande des Mitteldeutschen Papiervereins der Beschluss 
gefasst, diese Ausstellungen regelmässig halbjährlich zu 
veranstalten und zwar im Frühjahr und Herbst jeweilig in 
der ersten Messwoche. Wir müssen allerdings bezweifeln, 
dass diese ofte Wiederholung der Sache förderhch sein 
wird, denn ein bekanntes Sprichwort sagt: »allzuviel ist 



65 



Mannigfaltiges. 



66 



ungesund«. Als einen Fortschritt im Fachausstellungswesen 
verdient eine voraussichtlich schon mit nächster Ausstellung 
ins Leben tretende besondere Geschäftsstelle für den 
gegenseitigen geschäftlichen Verkehr der Aussteller und 
Besucher Erwähnung. Angebot und Nachfrage fänden hier 
den gewünschten Mittelpunkt. 

— In London starb vor Kurzem der Eigentümer des 
»Daily Telegraph«. Der Mann, welcher, nebenbei bemerkt, 
ein Vermögen von 40 Millionen Mark erworben hatte, 
bedachte, wie das Wiener >Fremdenblatt« berichtet, in seinem 
Testament das gesamte Personal seines Blattes bis zu den 
Setzerlehrlingen herab mit Legaten. Die Redakteure des 
>Daily Telegraph« erhalten Mann für Mann Vermächtnisse, 
deren Höhe bei keinem weniger als 40000 M. beträgt. 
Der Eigentümer des >Daily Telegraph«, welcher ein Alter 
von siebenund siebzig Jahren erreichte, beschied am Tage 
vor seinem Tode alle Mitarbeiter an sein Lager, um ihnen 
seinen Dank für ihre Leistungen auszusprechen. 

— Setzer-Bache, Der Referent eines Blattes, welcher 
beständig mit seinen Setzern in Streit lag, weil diese nach 
seiner Meinung sich nicht buchstäblich an sein undeutliches 
Manuskript hielten, fügte dem letzteren stets die folgende 
Bemerkung bei: »An den Setzer! Soll gesetzt werden, wie 
es geschrieben steht«. In einer Nacht nun kam er von 
einem Feste heim, über welches er in der Morgennummer 
referieren sollte, und er vergass nicht, wie gewöhnlich, 
seinem Manuskript die erwähnte Bemerkung hinzuzufügen. 
Am nächsten Morgen brachte man ihm das Blatt ans Bett, 
da er nicht, wie son^t, aufgestanden war. Als das Dienst- 
mädchen um 9V« U^r mit dem Kaffee ins Zimmer trat, 
lag ihr Herr mit dem Antlitz der Wand zugekehrt. Vor 
dem Bett lag das Blatt auf dem Boden und die Augen des 
Mädchens fielen auf folgende Figuren in dem Referat: 



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Der Referent ging an dem Tage nicht in die Redaktion, 
sondern liess sich durch Unwohlsein entschuldigen. (L. N.) 
— Setzerrebus und Sprichwort (französisch). Ein mehr- 
jähriger Freund unseres Blattes, Herr Dr. phil. Karl Whistling 
in Leipzig, teilt uns eine hübsche Lesefrucht mit. Was 
bedeutet im Französischen ein umgekehrtes A (Antiqua 
Versal)? — »Un A verti en vaut deux«, wörtlich: »ein 
umgekehrtes A (y) ist soviel als zwei A«. Daraus wird 
aber zugleich ein bekanntes Sprichwort, wenn man schreibt: 
»un averti en vaut deux« = »ein gut unterrichteter Mann 
ist soviel wert als zwei Personen«, (Verti = »umgekehrt« 
ist im heutigen Sprachgebrauch allerdings nicht mehr vor- 
handen.) — Wir haben hier wohl ein Beispiel seltener Art 
vor uns, wie Ausdrücke aus der Setzersprache in die 
Umgangssprache überhaupt übergegangen sind, — Diese 
Mitteilung gründet sich übrigens auf Charles Bozans 
Werkchen: »Petites ignorances de la conversation«, (10. Auf- 
lage, Paris 1885, P. Ducroce). In der That ein »aüei-ftssement«, 
möchten wir sagen, für das man dem Herrn Verfasser nur 
dankbar sein kann. 



Verbindlichsten Dank 

den geehrten Einsendern von Neujahrs-Gratulationskarten 
und Kalendern. Besprechung erfolgt in Heft 3. Ich er- 
wiedere die zahlreichen Glückwünsche auf das Beste. 

Alexander Waldow. 



Briefkasten, 

Herrn AdolfDarr^, Buchdnickereibesitzer, CharkofT, Sadnissland . 
Ihr Musterbuch haben wir empfangen und sind angenehm überrascht 
von der Reichhaltigkeit des Materials, mit welchem Ihre Ofßzin arbeitet. 
Sie besitzen ja die neuesten und besten Schriften, Ornamente und 
Einrassungen, wissen dieselben auch im grossen und ganzen recht gef&llig 
anzuwenden und durch guten Druck wiederzugeben. Wir danken Ihnen 
bestens für diese Aufmerksamkeit und bitten Sie, auch ferner unserem 
Archiv Ihre freundlichen Gesinnungen erhalten zu wollen. — Herrn 
Beit A Philipp i, Hamburg. Wir haben seinerzeit lediglich den 
Wortlaut Ihrer Mitteilung wiedergegeben, nehmen aber gern davon 
Notiz, dass das Ehrondiplom die höchste Auszeichnung der Brüsseler 
Weltansstellung war und dass Sie auch die goldene Medaille erhalten 
haben!! - Herrn Vogt, Faktor der Offizin F. Ad. Richter & Co. 
Rudolstadt. Das uns übersandte von Zinkätzungen gedruckte Muster« 
buch über Anker-Stcinbaukasten ist eine ganz ausgezeichnete Leistung 
ihrer Offizin. Bestes Register, treue Wiedergabe der Farben der Bau- 
steine und reinster Druck zeichnen diese Arbeit vorteilhaft aus. — 
Herrn C. I., Linz a. D. Bronzefarben, wenn wir Sie recht verstehen, 
mit Bronze versetzte, angeriebene Farben, wie man sie neuerdings 
benutzt, haben nie Glanz, nur in gewöhnlicher W^eise verwendete Bronze 
kann in dieser Hinsicht befriedigen. — Herrn J. Räber, Luzern. Die 
Bronzefarben haben sich bei uns auch nicht bewährt Unser Titel war 
mit stark angeriebenem Goldocker vorgedruckt und dann bronziert 
und zwar »mit der Hand«; warum denn auch nicht?? Gute Bronze 
behält stets ihren Glanz. Vielen Dank für Ihren liebenswürdigen Brief, 
Ihre Arbeiten können sich übrigens gerade so gut sehen lassen, wie 
Ihre herrliche Vaterstadt »in den Schweizerbergen«. 



Inhalt des i. Heftes. 

Der Buntdruck auf Buchdruckpressen von Alexander Waldow. — 
Über zweckmässigste Verwendung des Accidenz-Schriftmaterials. — 
Typographischer Muster-Austausch. — Schmelzvorrichtung für Walzen< 
masse. — Schriftprobenschau. — Satz und Druck unserer Probeblätter. 

— Bezugsquellen. - Zeitschriften und Bücherschau. — Mannigfaltiges, 

— Annoncen. — AeeidenKmuttter Im Text: Adresskarte, verschiedene 
Briefköpfe. Titel, Avis der Flinschen Schriftgiesserei. — Beilagen: 
1 Blatt Neujahrskarte. — 1 Blatt Briefköpfe und Karte. — 1 Blatt 
Karten. — 1 Blatt Schriftprobe von Otto Weisert. 

Das Heft enthält im Ganzen 4 Bellageii. Für das Bei liegen der 
fremden Bellagen kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl nleht 
garantiert werden« 



Bezugsbedingungen für das Archiv. 

Erscheinen: In 12 Monntsheflpn, (Heft S und 9 stet« als Doppellieft) JedoRmal In 
der erston Monatflwoche. H^ Für komplette Lieferung, Insboiwindorp voll- 
stAndipe Beilagen, kniiii nur den vor Erscheinen des 2. HeAes urahztaiuii; Aboii> 
niwenden fpimntiert wenlpri. «=^ -%» 

BeBUflrsquelle : Je«le Buchhuiiaiunc; mich direkt vom Verlejjer unter Kreuzband. 

Prela : M. 12, -, unter Kreuzhund direkt M. 13,50 nach ausaerdeutschen Lftndem 
M. 14,40. Xnch konipleitem Erüchoinen Preis pro Band M. l.i, - exkl. Porto. 

Annoncen: Prel« nro PiHitzpllc 25, Kweisp. 50, dreisp. 75 Pf. Lei hfiuflcer 
wiederhoiunR Rabatt. Konten onRchiaffe sofon. Beträc« vor Abdruck zu 
zalilen, andernfalls 25 Pf. Extragebflhr. Als Bela^ dienen Ausschnitte. 
Beleerhefte , wenn verlaiifrt, kosten Je nach Ausstattung M. 1,60— 2Ä) 

Beilaffen: Quartblatt M. », umfkngreichereje nach Gewicht M. 26 etc. Aufl. 1700 

Novitäten in Originalguss finden Anwendung im Text und auf den Musterblftttem 
ohne Bereclmung, doch wird bedungen, da.«« dieselben als Entuchftdigung 
für die durch die Aufnahme erwachsenden MAhen und Kosten Eigentum de« 
Verlegers bleiben. Giessereien, welche dies nicht wOnschen. wollen sidfc 
besonders mit uns vereinbaren. 

EOiacheea von verwendeten Original-Platten geben wir ab, lleftan auch Farben, 
Bronsen , Papiere ete., wie wir solche benutzten ; von allen Diplomen haben 
wir Blankovordrucke am Lager. 

Botartften, Blnteasunffen etc. aller Giessereien lieftm wir su Originalpieisen. 



Textschrift von Ben]. Krebs Kacbf., Frankfurt a. M. Initialen von Otto 
Weisert, Stuttgart. Überschriften von Emil Berger, Leipzig. Uuterrubriken von 
RooB &. Junge, OlTeubach a. M. Perl Antiqua und halbfette Aldlne Kursiv von 
J. Q. Scheiter 4GieBecke, Lelpsig. Gedruckt mit Korbe von Frey &. Sening, Leipzig, 
auf einer Schnellpresse von Klein Forst & Bohn Kacbf. Jobannisberg a. Rh. 



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eingerichtet, wird zu kaufen gesucht. 
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iima&m 





©itsiim 











Original-Er/eugniss meiner (Jicsserei. 




Matii/en werden abKegeben. 



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26. Band. 



1889. 



Heft a 



Der Buntdruck auf Buehdruekpressen 

Alexander Waldov. 

(ForlHlzimE.} 

5. Orün. 

G^^n, rein angerieben. Seidengrün. Seiden- 
grün ist die am meisten zur Verwendung kommende 
grüne Farbe; sie ist in dunkel, mitteihell und hell zu 
habeB und verdruckt sich 
sehr rein und gut deckend, 
lässt sich auch durch Zusatz 
von Gelb oder Weiss in 
jede gewünschte Nuance 
des Grün verwandeln. 
Chromgrün, eine meist we- 
niger fein wie dfis Seiden- 
grün präparierte Farbe, 
daher nicht so verwendbar 
wie dieses. Brillantgrün, 
hell, mittel und dunkel. 
* Kaisergrün , 'Neugrün. 
Letztere brillante Farben 
aber nicht lichtächt. 

Grün gemischt. 
Zur Mischung von Grün 
eignet sich insbesondere 
das Miloriblau und je nach- 
dem man eine dunklere 
oder hellereNüance erzielen 
will, helles oder dunkles 
Chromgelb, Kadmiumgelb 
oder auch gelber Ijack. 

Man hat es bei dieser vijnatis voi 

Mischung auch vollständig 

in der Hand, dem Grün eine ins Bläuliche oder ins 
Gelbliche spielende Nuance zu geben, je nachdem 
man mehr von der einen oder anderen Farbe 



verwendet Hellgrün erhält man durch Mischung von 
Vs Teil Miloriblau, % Teile Weiss, 2V» Teil helles 
Chromgelb. Maigrün durch Mischung von '/s Teile 
Milo.-iblau, '/* Teil Weiss, 3'/« Teil heUes Chromgelb. 
Rus. ischgrün erhält man z. B. durch eine Mischung 
von /• Teil Miloriblau und 3 Teile helles Chromgelb. 
'/« Teil Schwarz, '/* Teil Weiss. Meergrün durch 
Mischung von 2 Teile dunkles Chromgelb, V^ Teil 
Weiss, 1 '/4 Teil Miloriblau. 

6. Braun. 
Braun, reim an- 
gerieben. Braune Farben 
existieren in verschie- 
denen Sorten, z.B. ü»ir- 
braan, Photographiebraun, 
Mahagonibraun, Japaneser- 
braun, Vandykbraun,S^ia- 
braun, Sammetbraun etc. 
Als ins rötliche spielende 
braune Farben sind die 
sehr gut verwendbaren so- 
genannten rotbraunenLacke 
zu betrachten, die man 
leicht durch Zusatz von 
etwas Schwarz dunkler 
machen kann. Das Photo- 
graphiebraun in verschie- 
denen Nuancen ist jetzt 
besonders beliebt. 

Braun, gemischt, 
Braune Farbe kann man 
sich je nach Bedarf und 
je nach der erforderlichen 
jKuer A Co. Nüance sehr leicht aus ver- 

schiedenen anderen Farben 
mischen. Man erzielt diese Farbe durch Mischung 
von Eot (meist Geraniumlack oder Zinnober) und 
Schwäre und hat es dabei vollständig in der Hand, 



n 



79 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



80 



sie heller oder dunkler zu halten. Durch Zusatz von 
etwas Chromgelb erhält man das für so viele Arbeiten 
so verwendbare Sepial)raun. OUvenbratm mischt man 
aus IV2 Teil helles Chromgelb, V« Teil Schwarz, 
1 V« Teil Zinnober oder Geraniumlack. Helles Braun 
aus 1 Teil Zinnober oder Geraniumlack, V« Teil 
Schwarz, 2Va Teil Weiss. Photographietan lässt sich 
aus feinster Buchdruckschwärze versetzt mit dunkel- 
violettem Caput mortuum (Totenkopf) herstellen. 
Diese Mischung ist schöner und dauerhafter als 
eine mit Anilinfarbe oder von Lampenruss und 
roten Lack. 






Violett 9 gemiseJU. Man mischt Violett aus 
Karmin (auch aus Karmin- oder Krapplack) mit 
Miloriblau und Weiss und zwar helles aus 1 Teil 
Karminlack, '/4 Teilen Pariser- oder Miloriblau und 
2^4 Teilen Weiss; dunkles aus 1 Teil Karminlack, 
IV« Teil Miloriblau, IV* Teil Weiss. Wir wollen 
hier, um resultatlosen Versuchen vorzubeugen, aus- 
drücklich bemerken, dass sich ein Violett mittelst 
rotenx Zinnober anstatt des Karmin nicht mischen 
lässt. Hochroter oder Münchner Lack , wie alle die 
neuerdings fabrizierten, dem Karmin ähnlichen Farben 
sind eher dazu zu gebrauchen. 




Schriften und Zierstück von Ludwig ft Mayer. 



7. Violett. 

Violett 9 rein atigerieben. * Anilinviolett in 
rötlicher und bläulicher Nuance. Die Anilinfarben 
müssen sehr vorsichtig angerieben werden. Näheres 
darüber findet der Leser in den späteren Kapiteln. 
Violettl4xck. Die Farbenfabriken haben infolge der 
Unhaltbarkeit der Anilinfarben gestrebt , ein Violett, 
welches dem Verbleichen nicht ausgesetzt ist und 
dennoch dem Anilinviolett an Schönheit des Tons 
gleichkommt, zu fabrizieren, was ihnen auch gelungen 
ist; so z.B. gibt es jetzt billigere lichtächte und lackier- 
fähige Violettlacke zu zivilen Preisen. Der feinste 
lichtächte Violettlack ist freilich immer noch eine 
sehr teure, daher für einfachere Drucksachen nicht 
verwendbare Farbe. 



8. Weiss. 

Weiss, rein enigeriebeti. Kremserweiss. 
Das Kremserweiss (Bleiweiss) verwendete man in 
früheren Zeiten fast ausschliesslich zum Mischen, 
neuerdings aber ist man mehr davon abgekommen, 
weil diese Farbe zu schwer ist und sich weniger gut 
mit anderen Farben bindet. Es hat durch seine 
Schwere die Eigenschaft, sich auf der Oberfläche des 
Druckes nach dessen Trockenwerden als feine Staub- 
schicht wieder abzusetzen und den Farben so ein 
duffes, stumpfes Ansehen zu geben. Besonders bei 
Tondrucken ist seine Anwendung möglichst zu ver- 
meiden. Zinkweiss. Dieses Weiss ist seiner Leichtig- 
keit wegen das empfehlenswertere zum Mischen, 
resp. Abtönen anderer Farben. Es verreibt sich sehr 



Der Buntdruck auf Buchdnickpresse 



82 



rein und gut und dringt nicht so leicht wieder an die 
Oberfläche der Drucke, diesen das Feuer nehmend. 
Zinkweiss muss stets an trocknen Orten gut verpackt 
aufbewahrt werden, da es sonst unbrauchbar wird. 
Es gibt freilich ein Mittel, körnig und sandig gewordenes 
Zinkweiss wieder brauchbar zu machen; dieses Mittel 
besteht darin, dass man die trockene Farbe in einem 
tönernen oder sogenannten hessischen Tiegel ausglüht, 
was immerhin umständlich ist. 

In Vorstehendem sind nur diejenigen Farben 
aufgefilhrt, welche zumeist für Buntdruck in An- 
wendung kommen. 



Farbenplatlen gibt dann der Chamoiston die Farbe 
für Häuser, Berge etc., der blaue Ton solche für 
Himmel und Wasser, beide Farben aber durch Über- 
einanderdrucken das Grün ttlr Bäume, Laubwerk, 
Rasen etc. 

Beim Druck von Bildern in reicherem Kolorit 
kommen solche Töne in lebhafterer Farbe in sehr 
mannigfaltiger Weise zur Anwendung. Wir finden 
dann nicht nur blaue und chamois Töne, sondern 
auch grüne, graue, violette und rosa Töne vertreten, 
je nachdem das fragliche Bild mehr oder weniger 
vollkommen bezüglich des Kolorits ausgeführt werden 



n SchcllFT A Glesscke, 



». Farben zum Tondruck. 

Unter Tondruek versteht man jenen matten, 
blassen Farbendruck, der sozusagen dem in kräf- 
tigeren Farben erfolgenden Aufdruck eine effekt- 
vollere Grundlage geben soll. Beliebt ist besonders 
ein Ton in der Farbe des chinesischen Papiers, das 
bekanntlich wesentlich zur Hebung von Stichen und 
Holzschnitten beiträgt, deshalb in dieser Weise nach- 
geahmt wird. Ferner wird der Tondruck auch benutzt, 
um Illustrationen ein einfaches , dezentes Kolorit zu 
geben. Er kommt in diesem Fall mehrfarbig zur An- 
wendung und zwar derart, dass die benutzten Farben 
an passender Stelle durch Übereinanderdrueken noch 
weitere Nuancen geben. Ein recht gefälliges, einfaches 
Kolorit erhält z. B, eine Landschaft, wenn ein dunkler 
Chamoiston und ein bläulicher Ton zur Anwendung 
kommen. Durch passenden Schnitt oder Ätzung der 



soll. Die neuerdings so vollendet hergestellten geätzten 
Platten, insbesondere die Autotypieplatten mit ihrem 
feinen Korn, gestatten eine sehr gefällte, weiche Ab- 
tönung der Farben. 

Der einfache Tondruck von glatten oder gemuster- 
ten Platten findet seine hauptsächlichste Verwendung 
zur Ausschmückung von Accidenzarbeiten aller Art. 
Man gibt der Einfassung einen gefälligen Unterdruck 
in einer oder mehreren Tonfarben, einen gleichen 
auch für den inneren, durch die Einfassung um- 
schlossenen Teil der Accidenz verwendend. Zwei 
Töne kann man z. B. benutzen , um die äussere Ein- 
fassung und den inneren Teil der Arbeit mit dem einen 
und die Haupteinfassung mit dem zweiten zu unter- 
drücken (s. umstehend). 

Auch in diesem Fall lassen sich bei reicherer 
Satzausführung durch Überdruck in gefälliger Weise 
är^ Töne erzielen und effektvoll verwenden. 



Der Buntdruck auf Buchdruckpre 



Ich gebe nachstehend nur die Mischung der ein- 
fachen, eine ganz bestimmte Färbung zeigenden Töne ; 



I li 



die sogenannten unbestimmten Nuancen , welche 
keinen deutlich erkennbaren Farbenton zeigen, sind 
leichtdurchZu- 
satz von einer 

Kleinigkeit 
Braun, Blau, 
Violett, Grün 
etc. oder von 
zweien, dreien 
dieser Farben 
zu jenen be- 
stimmten zu 
erzielen. 

So mischt 
man z. B. ein 
sehr schönes 
Grau violett aus 
Weiss, das ja 
bei allen Tönen 
den Hauptbe- 
standteilbildet, 
Violett und 
Braun in klei- 
nen Quanti- 
täten, Beson- 
ders sehr schön 
zeigt sieh diese 
Farbe , wenn 

sie auf einen gelben Ton kommt. Das Grauviolett 
des diesjährigen Titels war in dieser Weise gemischt. 
Neuerdings sind diese unbestimmten Nuancen so 
beliebt geworden, dass man sie fast mehr anwen- 
det wie die bestimmten. Es kommt dies wohl daher, 
dass sie zumeist weniger grell auftreten, mehr Wärme 
zeigen, dann aber auch daher, dass sie mit den jetzt 
so beliebten, gleichfalls unbestimmten Farben, welche 
man zum Aufdruck verwendet, besser harmonieren. 

Mischungen. 1) Gelber Ton, mehr Chamois, 
gemischt aus Weiss , Chromgelb und Zinnober oder 
Geraniumlack. Ohne Zusatz von Zinnober oder Gera- 
niumlack hat die Farbe einen mehr strohgelben Ton. 

2) Blauer Ton, gemischt aus Weiss und Miloriblau. 

3) Grüner Ton, gemischt aus Weiss und Seidengrün 



oder Weiss, Miloriblau und Chromgelb, oder einer 
der anderen, vorstehend genannten gelben Farben. 
4) Grauer Ton, gemischt aus Weiss, Miloriblau und 
Schwarz oder nur aus Weiss und Schwarz, 5) Bosa 
Ton. gemischt aus Weiss und Karmin oder Karminlack. 
Zinnober ist dazu nicht verwendbar. 6) Violetter Ton, 
gemischt aus Weiss und Violettlack oder Weiss, 
Karmin oder Karminlack und Miloriblau. 

3. Farben zum Stäuben. 

In der gleichen Weise wie man die Bronzen ver- 
wendet, lassen sieh auch geschlemmte Puderfarben 
verwenden, 
also auf einem 
entsprechend 
farbigen Vor- 
druck aufpu- 
dern. Der Er- 
folg ist ein be- 
sonders schö- 
ner, namenl- 
bch wenn der 
Druck auf dun- 

kel/arbig&n 
Papier erfolgt, 
auf welchem 
die gewöhn- 
lichen, angerie- 
benen Farben 
schwer zurGel- 
tung kommen. 
Erfolgt der 
Vordruck mit 
der hier nötigen 
Sachkenntnis, 
so zeigen die 
Farben grosse 
Reinheit und 
brillantes Feuer ; freilich sind sie nur auf Kreidepapier 
oder sehr trocknem, scharf satiniertem Post- oder 
Schreibpapier zu verwenden. 

Die Staubfarben sind zumeist nitJit zum Au- 
reiben in Firnis verwendbar, sondern lassen sich nur 
aufpudern. Die Farbenfabriken üefem auch diese 
Gattung von Farben in allen Ntianoen. 

Über die Verwendung der Staubfarben zum 
Druck findet man das Nöt^e unter » Bronzedruck •. 

(Fortietznng rol^L) 



über zweck massig ate Verwendung des Accidenz-Schriftmaterials. 



Über zweekmässigste Verwendung 
des Äeeidenz-Sehriftmaterials. 



^föjn Titeln , Rubriken , Kolumnentiteln etc. sind 
^I^ nach englischem Geschmacke nur Versalien 
und Kapitälchen anzuwenden und auch in Deutschland 
folgte man früher stets dem gleichen Geschmack, sich 
neuerdings aber häufig der schönen Auszeichnungs- 
schriften mit Gemeinen bedienend, welche uns die 
Giessereien in so gedi^ener Ausführung und reicher 
Wahl bieten. 

Gemeine sind nach eng- 
lischem Geschmack nur für 
den fortlaufenden Text be- 
stimmt und eignen sich nie zu 
auszeichnenden selbständigen 
Zeilen, selbst wenn zu einer 
grössern oder auszeichnenden 
Schrift g^riffen wird. Übri- 
gens auch dort keine Regel 
ohne Ausnahme; es können 
bisweilen Accidenzien mit aus- 
schliesslich gemeinen Buch- 
staben hergestellt, einen ganz 
geiäUigen Eindruck machen. 
!n solchen Fällen muss diese 
Manier den hervorstechenden 
Zug in der Arbeit bilden. 
Selbst Seltsamkeiten und Ori- 
ginalitäten sind nicht zu ver- 
werfen, solangesie den Regeln 
des guten Geschmacks und 
der Harmonie nicht zuwider- 
laufen. Eine Hauptzeile in 
verzierterSchriftkannineiner tintisBung von Jot 

Karte oder einer ähnlichen ""' '*''""•' * '^'^"'"^^'^ 
Arbeit eine ganz gute Wirkung 
ausüben, aber es dürfen dann keine weiteren Zeilen in 
Zierschrift, wenn diese auch anderen Genres wäre, 
darin vorkommen*). 

Als allgemeine Regel kann man annehmen, 
dass v^eierte Schriften in Zeitungs-, Zeitschriften- 
und Buchinseraten unter den vielen verschiedenen 
Schriften, welche auf einer Inseralenseite vorkommen, 



•) Auch hierin folgt man in Deutachland anderen Regeln. 
Wo eine Zierachriftzeile Verwendung findet, wendet man, 
YoransgeaeUt dass der Titel überhaupt nicht m wenig 
Zeilen enthält, gern noch eine zweite Zierschrift für eine 
der weiteren Zeilen an, damit gleichsam den neutralen 
Oiarakter in der Wahl der Schriften ausdrückend. 

Red. d, Archiv. 



meistens den ElTekt der Schönheit, den sie zu machen 
bestimmt sind, gänzlich verlieren. Eine Inseralen- 
seite in glatten Schriften modernen Schnitts, abwech- 
selrid mit fetten, halbfetten und magern Schriften in 
den mannigfaltigsten Formen imd Grössen macht 
einen viel harmonischeren Eindruck. Zierschriften 
finden ihre geeignete Stelle auf Karten, Briefköpfen, 
Rechnungen und ähnliehen kommerziellen Arbeiten. 
Breite Schriften verlangen stets mehr Raum zwischen 
den Wörtern als gewöhnliche oder sehmale. Eine 
Zeile solche Schrift mit Gevierten zwischen den 
Wörtern erseheint nicht aulBllliger als enge Schrift 
mit Drittelgevierten gesetzt. Über die richtige An- 
wendung der Kta-siv mi^en 
die Ansichten mancher urteils- 
fähiger Buchdrucker von- 
einander abweichen. Die hier 
ausgesprochene dürfte bei den 
geehrten Lesern ihre gebüh- 
rende Würdigung finden. 
Kursiv wird seit altem Her- 
kommen als Auszeichnungs- 
und Hervorhebungsschrift in 
fortlaufendem Antiquasatz 
benutzt. Unsere heutigen 
Schrift^esser haben in ihrer 
Sucht nach Novitäten aller- 
hand Buchstabenformen in 
schrägem Winkel geschnitten, 
wen^er zum Zweck des Her- 
vorhebens einzelner Wörter 
oder Sätze, als um eine grös- 
sere Abwechslung derSchrift- 
gatlungen zur Schau zu- 
bringen. Dies stört aber die 
Symmetrie und Symmetrie ist 
Söhne, BogenBtacke eine der Hauptbedingungen 

der Schönheit. Dieser Einwurf 
hat natürlich keine Geltung für 
Kursiv als Auszeichnungsschrift in fortlaufendem Satz, 
übrigens sieht man oft recht gefällige Accidenzien, 
in welchen eine Phantasiekursiv mit Verständnis 
angewendet ist. Bisweilen sind in Accidenzien aus 
Schreibschrift, Zirkularen und dg\. einzelne Wörter 
hervorzuheben, dann kann dies nicht zweckmässiger 
geschehen als mit einem grösseren Grade derselben 
Schreibschrift oder mit dazu geschnittener halbfetter 
Schreibschrift. Dieselben R^eln gelten auch für die 
neuerdings aufgekommene nach links geneigte Kursiv. 
Übrigens suche man in Accidenzien das Mischen von 
Schriften in verschiedenen Winkehi möglichst zu ver- 
meiden. In der heutigen Periode des Fortschreitens, in 
welcher auch die Sehriftgiesser einander in der 



Einaeiti;« Ecken v 



^ 



87 



Über zweckmässigste Verwendung des Accidenz-Schriftmaterials. — Schriftprobenschau. 



88 



Erzeugung von zusammengesetzten Einfassungen, 
Ornamenten. Phantasie-Messinglinien und anderen 
Verschönerungen überbieten und in welcher der 
Accidenzdruck als Rival mit der Lithographie auftritt, 
muss der Buchdrucker, wenn er sonst Erfolg haben 
will, seine Augen offen und seinen Scharfsinn rege 
erhalten, wenn er in dem allgemeinen Wettkampf 
ausgezeichneter Leistungen nicht zurückbleiben will. 

In Bezug auf zweckmässige Anwendung von Ver- 
zierungen können hier nur einige allgemein gehaltene 
Andeutungen gegeben werden, und obwohl es unmög- 
lich ist, in diesem Punkt für die so mannigfachen 
Vorkommnisse bestimmte Regeln vorzuschreiben, so 
werden sie doch nicht ohne Nutzen sein. Ornamente 
und Schriften sollen in ihrem Charakter stets über- 
einstimmen. Sind die für eine Accidenz gewählten 
Schriften zart und die ganze Komposition leicht, so 
dürfen nur zarte Ornamente und feine Linien ver- 
wendet werden. Im Gegenteil, je schwerer die 
Schriften, um so entschiedener muss die Ornamen- 
tierung hervortreten. Ferner ist darauf zu achten, 
dass der zu lesende Gegenstand durch zu freigebige 
Ornamentierung nicht in den Hintergrund gedrängt 
wird, denn der Text ist der eigentliche Zweck und 
verzierte Umgebung nur das Mittel ihn augenfälliger 
zu machen. Ist viel weisser Raum zwischen den 
Zeilen , so muss auch zwischen Text und Einfassung 
reichlich Raum gegeben werden. Im Accidenzsatz 
weniger erfahrene Setzer verfallen häufig in den Irr- 
tum, durch verschwenderische Ornamentierung etwas 
Vorzügliches leisten zu wollen , ohne zu bedenken, 
dass die Arbeit nicht wegen der sie hervorheben 
sollenden Umrahmung, sondern wegen des Inhalts 
gedruckt wird. Sparsame und dem Ensemble ange- 
messene Ornamentierung sei ihnen die Richtschnur, 
wenn ihre Erzeugnisse Anspruch auf typographischen 
Kunstwert machen sollen. 

Accidenzien in farbigem oder Golddruck ver- 
langen stets schwerere Schriften und Ornamente als 
solche in Schwarzdruck. Feine Linien und verzierte 
Schriften verlieren in Farbe allen Effekt auf hellem 
Papier, anders ist es, wenn dieses einen tiefblauen, 
tief braunen oder schwarzen Ton hat. 

Bei Accidenzien in zwei oder mehr Farben 
sind folgende Anweisungen zu beachten. Bei mehr- 
farbigen Arbeiten ist es zumeist Regel die schwarze 
Hauptform zuerst zu drucken. Kommt Schwarz 
nicht darin vor, so macht die dunkelste Fonn den 
Anfang. Eine Ausnahme machen, wie dies bisweilen 
der Fall, Konturen oder Linien in Gold, und wird 
dann die Konturenform zuletzt gedruckt. Lichte Töne 
und Schriften sollten immer von einer Einfassung in 
dunklerer Farbe umgeben sein. Es ist deshalb den 



Setzern zu empfehlen die Kunst der Farbenzusammen- 
stellung insoweit zu studieren, um die Schriften in 
Übereinstimmung mit den Farben zu wählen. Wird 
z. B. eine Accidenz in den beiden Farben Rot und 
Schwarz gedruckt, so würde man einen Fehlgriff Ihun 
wenn man zu den roten Hauptzeilen eine englaufende 
oder mit feinen Strichen musierte Schrift verwendete; 
solche Schriften würden statt ins Auge zu fallen, matt 
und kraftlos aussehen. Infolgedessen sind die kleinsten 
untergeordneten Zeilen für den Schwarzdruck zu 
wählen. In diesem lesen sie sich noch leicht genug. 
Die grosse rote Schrift gleicht sich sozusagen mit der 
kleinen schwarzen aus, beide bilden einen har- 
monischen Kontrast zueinander. 

Von besonderer Wichtigkeit im Accidenzsatz ist 
akkurates Schliessen der Form und unfehlbare Regel- 
mässigkeit gebogener Zeilen oder Linien. Mag der 
Satz einer Accidenz noch so künstlerisch ausgeführt 
sein und sie ist nachlässig geschlossen, so wird sie 
winkelschief; sind die Einfasslinien nicht so genau 
wie ein mathematisches Viereck und die Bogen nicht 
wie mit dem Zirkel gezogen, so macht die Arbeit auf 
jeden, der Sinn für regelmässige Formen hat, den 
Eindruck einer Pfuscherei. Was ist hässlicher als 
eine unregelmässige Bogenlinie? Schönheit und Grazie 
sind ohne Regelmässigkeit der äussern Formen rein 
unmöglich , und kann deshalb die Wichtigkeit dieser 
Grundbedingung nicht angelegentlich genug empfohlen 
werden. 




SehriftprobensehaiL 

(Den Wohnort der anter »Schriftprobenschanc nnd *SBiz nnd Dnick der 
Probebl&tter« genannten Firmen geben wir nar dann an, wenn sie weniger 
bekannt o:ler nicht in Deutechland oder Österreich ansässig sind, Ter- 
weisen auch auf das Bezugsqnellenregister auf der 2. Umschiagseite.) 



[on der so beliebten und immer schönen 
Römischen Einfassung von Otto Weisert, 
welche wir bereits in Heft 11 des vorigen Jahrganges 
besprochen, drucken wir heute das vollständige 
Figurenverzeichnis ab. Da wir Gelegenheit hatten, 
diese Einfassung bereits zu mehreren Arbeiten zu 
verwenden, so können wir heute das in Heft 11 über 
die Schönheit und Brauchbarkeit derselben Gesagte 
nur wiederholen. 

Von Bauer & Cie. erhielten wir mehrere Grade 
magere und halbfette Merkantil- Kursiv, sowie einige 
Grade Neue Schwabacker. Beide Schriften haben 
etwas Neues, Appartes in ihrer Zeichnung, was wohl 
dazu beitragen wird, ihnen viele Käufer zu erwerben. 
Über die Verwendbarkeit dieser Schriften brauchen 
wir wohl nicht viel zu sagen, demi diese ist, wie die 



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Römische Elnfassnng. II. Ausgabe der Sehriftglesserei Otto Weisert in Stuttgart. 

Bekleidungsmaterial. 

Viertel-Cicero-Figuren: Min. pro Muster *,« Ko. = zu zwei Quartseiten, per V« Ko. M. 6.—. 
Nonpareille-Figuren : Min. pro Muster Va Ko. — zu einer Quartseite, per V^ Ko. M. 5.—. 
Cicero-Figuren: Min. pro Muster 1 Ko. — zu einer Quartseite, per >,s Ko. M. 4.—. 



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Serie I. 

Minimum 2 Kilo. Per ^s Kilo M. 5.—. 






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Serie II. 

Minimum 4 Kilo. Per V* Kilo M. 4.—. 



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Seriell!. 

Mininram 5 Kilo. Per ■/< Kilo M. 2.60. 





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2^ 



Novitäten der Schriftgiesserei Baner & Cie. in Stuttgart. 

I. Merkantil-Kursiv. 



Magere. 

Corps 8. Min. 5 Kilo, per Kilo M. 8.—. 

Album der Geschichte 
Buchdruc/cerlebe7i von JFtscher 

Corps 10. Min. 6 Kilo, per Kilo M. 7.50. 

J2. Amor und JF^yc?ie 
Das Lied von der Glocke 

Corps 12. Min. 6 Kilo, per Kilo M. 7.—. 

Deutsche Reichsmark 
Am Meer von O. Strauss 



Halbfette. 

Corps 8. Min. 6 Kilo, per Kilo M. 8. — . 

Wien Heichenhall 
An der schönen blauen Donau 

Corps 10. Min 6 Kilo, per Kilo M. 7.&a 

Dresdner Gebäck 
Stahl- und Eisenhan4ilung 

Corps 12. Min. 6 Kilo, per Kilo M. 7.—. 

Glas- Handlung 
Frankfurt an der Oder 



2, Neue Schwabacher. 

Corps 8, per Kilo M. 6.80. 

iltotto: ^bler )D€in unb guter Sinn, ftecf im ^au» unb Keller brin. \889. 

Corps 10, per Kilo M. 6.—. 

3d) warte bee ©türfs, f^üf ©ottunb fdjitfs* ©rüg Sott, tritt ein, bring Slücf t)ntxn. 

Corps 12, per Kilo M. 6.—. • 

-6an0 Sadjö war ein Sdju{)mad;er unb poet baju. 



Blatt-Bordüren der Scliriftgiesserei Kies Nachfolger in FranJcfnrt a. I. 

Nonpareille. Min. 27« Kilo, per ht Kilo M 4.50. 2 Cicero. Min. 7> a Kilo, per Va Kilo M. 3.—. 
Cicero. Min. 4 Kilo, per V» Kilo M. 3.50. 3 Cicero. Min. 13 Kilo, per ^f» Kilo M. 2.80. 

Jede Figur wird auch einzeln in beliebigem Quantum und Meterweise verkauft 



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LLj.miiiuiiLW iiiiiiiiiiiiiiii iiiw wii Bi M^Uiiriiii w i i nn n ww M iiii ri iBiniriii i ii nni riiiiiriiiiiiifiim— iiiiiiiniiTirir iiiiiniifinnmnniiin mi iiwi n nTi — 




















93 



Satz und Druck unserer Probeblätler. — Neujahrskarten- und Kalenderschau. 



94 



vorstehend abgedruckten Probezeilen beweisen, 
sofort zu ersehen. Bemerken wollen wir nur noch, 
dass sämtliche Grade der Kursiv mit abgeschrägten 
Ecken geliefert werden, ein Abbrechen der Buchstaben 
also nicht vorkommen kann. 

Die Schriftgiesserei Nies Nachfolger tritt heute 
mit einer eigenartig gehaltenen Einfassung, Blatt- 
Bordüren benannt, vor unsere Leser. Wie aus dem 
vorstehend abgedruckten Figurenverzeichnis zu 
ersehen, entspricht diese Einfassung bezüglich der 
Einfachheit allen Anforderungen, welche man billiger 
Weise an eine solche zu stellen berechtigt ist. Da 
jede Figur fortlaufend für sich zu verwenden ist, so 
ist eine falsche Anwendung geradezu unmöglich. 
Wir werden Gelegenheit nehmen, unseren Lesern 
diese Einfassung in nächster Zeit auf den Probeblättern 
des »Archiv« vorzuführen. 

Schelter & Giesecke haben der von uns in Heft 2 
des vorigen Jahrganges besprochenen Garnitur 
Gewerbliche Vignetten eine zweite vergrösserte Ausgabe 
folgen lassen. Auch bezüglich dieser Garnitur können 
wir das früher Gesagte nur wiederholen. Den 
Abdruck dieser Vignetten mussten wir leider wegen 
Raummangel unterlassen, werden dies aber im 
nächsten Heft nachholen. 

Herr Paul Leutemann, Leipzig, Brüderstrasse 21, 
legt diesem Heft eine Probe neuer Ecken bei. Dieselben, 
ein englisches Produkt, werden sich ganz sicher 
auch bei uns zahlreiche Freunde erwerben, denn die 
meisten derselben zeigen eine sehr ansprechende 
Zeichnung. Die Probe selbst ist mit Grünschwarz 
von Käst & Ehinger gedruckt. Diese Ecken können 
auch zu Originalpreisen von Alexander Waldow, 
Leipzig, bezogen werden. 




Satz und Druek unserer Probeblätter. 

[latt C unserer heutigen Probeblätter ist eine 
Arbeit der Offizin von Schelter & Giesecke. 
Sie zeigt wieder so recht die Schönheit und Genauig- 
keit des Materials, über welches genannte Firma in 
§0 reichem Masse verfügt. 

Blatt M zeigt, unserem Prinzip entsprechend, 
mögUchst einfache aber praktische Arbeiten zu bieten, 
einen nur mit einfachen fetten Linien gezierten Um- 
schlagtitel . dem man wohl eine gewisse Originalität 
nicht absprechen kann. An Schriften verwandten wir 
in der Hauptsache die neue Wiener- Mediaeval von 
Brendler & MarTdowsTcy und Initiale von Ludwig 
& Mayer; die Schlussstücke stammen von Bau^er & Co., 
die übrigen Verzierungen von Ludwig & Mayer, Berger 
und Kloberg. 



Auf Blatt L wandten wir Bilderecken und Mediac- 
val'Schreibschrift von Ludwig <& Mayer an. Über 
die Verwendbarkeit dieser Novitäten haben wir uns 
bereits in Heft 1 geäussert und werden die beiden 
auf diesem Blatt befindlichen Karten das dort Gesagte 
nur bestätigen. 

Gedruckt wurde Blatt G mit Blauschwarz von 
Käst et Ehinger, Blatt M mit Braun, gemischt aus 
Granatrot und etwas Umbraun, Blatt L mit Violett- 
schwarz von Käst d: Ehinger. 




Neujahrskarten- und Kalendersehau. 

Indem wir unseren verbindhchsten Dank für die 
zahlreichen uns zugekommenen Neujahrskarten und 
Kalender wiederholen, wünschen wir den geehrten 
Einsendern, w^ie unseren geehrten Abonnenten, ein recht 
gesegnetes Jahr. 

Älter Sitte gemäss, zugleich auch dem Wunsche der 
meisten Einsender Folge leistend, wollen wir die ein<- 
gegangenen Karten und Kalender einer kurzen Besprechung 
unterziehen. 

1. Neujahrskarten, Die originellste, dabei reichst aus- 
gestattete Karte dieses Jahres war ohne Zweifel die von 
A. Watzulik gesetzte, in der Piererscheti Hofbuchdruckerei 
gedruckte Gratulation der Farbenfabrik Käst & Ehinger, Feuer- 
bach-StuttgarL Da wir dieselbe im 2. Heft im Original 
wiedergaben, bedarf es an dieser Stelle keiner weiteren 
Beschreibung. — Ein reizendes einfaches Kärtchen versandte 
der werte Freund unseres Blattes, Herr Joh, Baensch" 
Drugulin, Leipzig. Eine zierliche Leiste aus Blattarabesken 
in höchst dezenten, dabei doch effektvollen Farben gedruckt, 
ziert den einfachen aus Mediaeval-Kursiv gesetzten Text 
Ein kleines, aus der linken Ecke herauswachsendes 
Erdbeerzweiglein, gleichfalls farbig gedruckt, erhöht noch 
den Reiz dieser allerliebsten, ansprechenden Arbeit. — 
Eine sehr hübsche Arbeit ist der Glückwunsch der 
Brühlschen Druckerei (Pietsch), Giessen. Auf einem tonblauen 
Grunde, der linksseitig im Winkel von braun gedruckter 
Holbeineinfassung begrenzt ist, liegt schräg eine verkleinerte 
Kopie des Giessener Anzeigers und darüber wieder gerade 
die aus Mediaeval-Schreibschrift gesetzte Gratulation. 
Diese Arbeit, der noch eine Anzahl ebenso gefälliger anderer 
beilagen, zeigt wieder, dass die Brühische Druckerei sich 
mit vollem Recht den besten Deutschlands beizählen 
kann. — Der Glückwunsch der Offizin Dr. M. Huttier 
(Konr. Fischer), München, zeigt das imponierende Format 
von 19 : 37 cm und ist von geätzten Platten der bekannten 
Firma 0. Cons^e in München gedruckt. Zeichnung im 
alten Stil und gesamte Druckausführung ist vorzüglich. — 
J. P. Bachern, Köln, gab seiner diesjährigen Gratulation 
zugleich einen Kalender bei^ für das Ganze die Buchform 
wählend. Ausser dem Kalendarium enthält derselbe Mit- 
teilungen über die Prämiierung der Firma auf der 
Münchner Ausstellung, eine Geschäftsempfehlung und den 
Glückwunach unter besonderem Hinweis auf die Leistungen 
der Firma, beglaubigt durch Abdruck von Urteilen der 
Fachpresse. Die Ausstattung des Ganzen ist eine höchst 
anerkennenswerte, ebenso die der uns mit übersandten 
übrigen Karten. — Als sehr leistungsfähig zeigt sich die 

6 



95 



Neujahrskarten- und Kalenderschau. 



96 



Druckerei C. IHeUe, Altenburg. Ihre Glückwunschkarte, 
wie die sonstigen dieser beigelegten Arbeiten, lassen besten 
Geschmack und vortreMiche Ausführung des Satzes und 
Druckes erkennen. — Eine in Bezug auf Arrangement und 
Druckausführung höchst anerkennenswerte Karte sandten 
Frey & Sening, Leipzig. Auch bei dieser ist der Glück- 
wunsch schräg zwischen reiche Ecken von Schelter & 
Gieseeke gestellt, während die Firma selbst im oberen 
Teil der Karte auf einem Schilde angebracht ist. Es hätte 
der hübschen, bei CtUemann, Hannover, gedruckten Arbeit 
ohne Zweifel zum Vorteil gedient, wenn die gesamten 
Ornamente etwas kräftiger in der Farbe gehalten worden 
wären. — Arthur Fuchs, Faktor, Geldern, sendet eine Karte, 
deren Hauptzierde das Porträt Gutenbergs bildet, unter- 
gebracht in einem mit den Buchdrucker färben geschmückten 
Medaillon. Ein sich an das Medaillon anschliessendes, 
seitlich scharf umgebrochenes Band enthält den Glückwunsch. 
Der Druck des Porträts und der farbigen Teile ist nicht 
ganz rein und scharf ausgefallen. Das Arrangement (ausser 
dem vorstehend Beschriebenen noch eine Widmung in 
Schillerschen Versen mit untergedruckter Jahreszahl 1889) 
verdient Anerkennung. — Weiss dt Hameier, Ludwigshafen, 
umgaben ihren in Hochformat ausgeführten Wunsch mit 
einer farbigen Umrahmung aus Gotischer Einfassung von 
Schelter A Gieseeke. Die Ausführung zeigt grosse Sorg- 
falt, doch tritt der rote Unterdruck des Wappens etwas 
zu sehr hervor. — Ein sehr hübsches Kärtchen, aus den 
von ihm geschnittenen Ornamenten gesetzt, sendet Theodor 
Friebel, Leipzig, ein ebensolches, mit Blumenecken von 
Bauer & Co. geziert, Friedrich Bauer, Stuttgart. — 
Hermann Blanke, Berlin, fügt seinen Glückwunsch eine 
reizend aus Friebelschen und Schelter & Gieseckeschen 
gotischen Ornamenten gesetzte, schildartige Vignette 
ein, deren Hauptzierde ein rotfarbiger Initial mit 
schwarzer Umrahmung bildet. Die gotischen Ornamente 
sind so gewählt, dass sie mit den Friebelschen 
bestens harmonieren. — Schomburg^ Caballero dt Co., 
Madrid, Hessen ihre Karte aus Schreib- und Rund- 
schrift setzen. Die Firma wurde quer aufsteigend an- 
gebracht, über derselben in einer Umrahmung von 
Messingovalen die autotypierten Porträts der beiden Firmen- 
inhaber. — Otto Dürr, Leipzig, Victor Modeer, Köln, 
J, Gottsleben, Mainz, Ä Hoffmann (Ruppsche Druckerei), 
Reutlingen, H. Hampei, Züllichau, und dessen Gehilfen Frs, 
SdUeseck und Max Döbritter, L, AltmiUler, Marne, August 
Kirchhoff, Stuttgart, sowie die Buchdruckerei von Fram 
Sömmering, Marburg, senden zum Teil einfach schwarz, 
zum Teil mehrfarbig ausgestattete Karten in exakter und 
gefälliger Ausstattung. — Th. Schmidt, Kaiserslautem, 
vereinigt auf einer Karte gleich die Adresse resp. Em- 
pfehlung seiner Firma (in der rechten oberen Ecke), einen 
Glückwunsch (Weisertsche Vigoette, in der linken unteren 
Ecke) und einen Kalender, der neben und zwischen jenen 
beiden angebracht ist. Das Arrangement ist originell und 
geßlllig. Die Farben in der Adresse und Gratulation sind 
etwas zu matt gehalten, treten deshalb nicht genügend 
gegenüber dem in kräftigem Blau gehaltenen Kalender 
hervor. — Gefallige Vignetten, zum Teil in farbiger Aus- 
führung benutzten zur Ausschmückung ihrer Karten: 
B. Winkler, Frankfurt a. M., Hermann Gebier, Nürnberg, 
Otto Schild, Elberfeld, Heinrich Kohl, Kaiserslautern (die 
letztgenannten Drei benutzten Weisertsche Vignetten), F. X, 
SeitZf München und Franz Franke, Berlin, der sein Porträt 
mit einer einen Blütenzweig darstellenden Vignette umgab. 



Auch die Giessereien bedienten sich diesmal ihrer 
Vignetten zur Herstellung der Glückwunschkarlen, so 
Wilhelm Gronau, Benjamin Krebs, Otto Weisert, Gemstk dt 
Heyse, E, J. Gemach und Eduard Meyer (im Hause Genzsch. 
München). Die Vignetten der genannten Firmen sind zum 
Teil in einer, zum Teil in diversen Farben gedruckt, die 
Meyersche Karte, nach Münchner Art im alten Stil aus- 
geführt, diesem entsprechend reich koloriert und mit 
Goldgrund versehen. — Eine einfach hübsche Karte sandten 
Ludwig dt Mayer, gesetzt aus der in Heft 2 abgedruckten 
Mediaeval-Kursiv-Ronde, die sich hier sehr gefällig aus- 
nimmt. — Bau^rc^ Co. umgaben den eigentlichen Glückwunsch 
ihrer bei Hoffmann, Stuttgart, gedruckten Karte, mit einem 
aus lauter schachbrettartigen, reich verzierten Feldern 
umgebenen, durch fette Linien begrenzten Grunde. Der 
Hauptfarbenton der Karte ist ein originelles rötliches Braun. 
— Theinhardt Hess durch Förster d Borries, Zwickau, 
seine Italienische Einfassung im V^erein mit einer dem 
Zweck entsprechender Vignette zu seiner Karte verwenden. 
Wir finden, dass die Druckerei in der Wahl der Farben 
nicht so glücklich war, wie man dies sonst von ihr sagen 
kann; auch hätten wir die genaimte Einfassung an der 
linken Seite nicht fehlen lassen. — Auch Nies Nadtfolger, 
Bühl und Büger (Messinglinienfabrik Leipzig) sandten 
Karten, zu deren Ausschmückung neue eigene Erzeugnisse 
verwendet worden waren. — Carl Kloberg begnügte sich 
mit einer Karte, die aus seinen neuen Schreibschriften 
gedruckt, ein einfach nobles Aussehen zeigt. 

2. Kalender. Den Kalendern der Reichshauptstadt Berlin 
sei hier der erste Platz eingeräumt. Wtfhdm dt Brasth ver- 
zieren ihren Wandkalender mit einem reichen Rahmen aus 
der Flinschschen Rococo-Einfassung, die hier durch wahrhaft 
geschmackvolle Farbenwahl, beste Satz- und Druckausführung 
zu ganz besonders schöner Geltung kommt. Der Hauptton 
unter der hellbraun gedruckten Haupteinfassung ist ein 
schönes mattes, reines Chamois, begrenzt durch einen hell 
kapergrünen Rand aus diesen Stücken ^^m^^^^^^^^^m 
der die Haupteinfassung nach Innen und Aussei^ehl^flektvoll 
abschliesst. Eine Viertelpetit starke Goldlinie, ein brauner 
Lorbeerstab und einfache, wieder grün gedruckte Ecken aus 
der Rococo-Einfassung mit doppelfeinen Linien verbunden, 
vervollkommnen den Abschluss nach Aussen ; nach Innen zu ist 
der Lorbeer Stab durch eine einfache Einfassung # # ersetzt 
Das Kalendarium ist schwarz gedruckt und gleichfalls von 
einer braunen Einfassung umgeben. — Der Kalender von 
Wilhelm Gronau ist durch eine sehr reiche, dunkelbraun 
gedruckte Renaissance-Einfassung, die sich an vier, die Jahres- 
zeiten darstellende Vignetten anschliesst, geziert. Begrenzt ist 
die Einfassung durch Linien in rötlichem Braun und kleine, 
hellblau gedruckte Einfassungen; das Kalendarium ist 
schwarz gedruckt. — Die Hauptzierde von Otto Eisners 
Kalender bildet ein grosses in Autotypie ausgeführtes, 
blauschwarz gedrucktes Genrebild: Ein dem Wassersport 
huldigender junger Mann, in seinem Boot sitzend, blickt 
voller Interesse zu einer hübschen jungen Bäuerin auf, die 
mit ihrem Knäblein auf dem Arm unter einer Weinlaube 
am Ufer steht. — Max Lichtwitz hat seinen in grösstem 
Folio ausgeführten, in mehreren Tönen und Farben 
gedruckten Kalender noch mit einem zum Abreissen 
bestimmten Notiz-Kalender versehen. Satz und Druck 
lassen erkennen, dass diese strebsame Offizin entschiedene 
Fortschritte gemacht hat, denn der diesjährige Kalender 
verdient in Bezug auf gefälliges Arrangement des Satzes, 
Wahl der Farben und deren Druck entschieden den Vorzu|^ 



97 



Neujahr skartea- und Kalenderschau. — Zeitschriften und Böcherschau. 



98 



vor dem letztjährigen. Wir hätten nur gewünscht, die 
verwendeten Töne wären etwas frischer gewählt worden. 
— Der Kalender der LewenUchen Druckerei ist wieder eine 
höchst saubere und exakte Arbeit. Tadelloser Druck in 
Blau, Rot und Schwarzbraun, wie in grünem, grauem und 
chamois Ton, geben ihm ein elegantes Aussehen. — 
jß.t7. Waldheim, Wien, ist abermals mit einem Kalender in 
jener einfach noblen, künstlerisch gediegenen Ausstattung 
vertreten, die wir in jedem der vergangenen Jahre zu 
rühmen hatten. Ein reicher und schöner allegorischer 
Schmuck in vortrefflicher Radierung und bestem Druck ziert 
ihn auch dieses Mal. — TT. Druffulin-Bctensch, Leipzig, 
benutzt zu seinem Kalender eine reizende, in lebhaften, 
harmonisch abgetönten Farben ausgeführte Umrahmiltig, 
die im wesentlichen unserer Beilage G in Heft 1 ähnelt 
und wie diese als eine Imitation der alten Miniaturen in 
ihrer frischen Farbenpracht bezeichnet werden kann. Das 
Kalendarium ist monatweise, zum späteren Abreissen 
bestimmt, auf einzelne Blätter gedruckt und in die auf 
unserer Beilage 6 zum Eindruck des Textes benutzte 
Öffnung eingeklebt. Ein Glückwunsch zum Jahreswechsel 
folgt gleich hinter dem einfachen Titel vor dem Kalendarium, 
das auf seinen Rückseiten Proben orientalischer Schriften 
und passende Verse aus der Bibel enthält. Die Gesamt- 
ausführung ist, wie immer, so auch diesmal sinnig, gediegen 
und elegant, so dass das kleine Meisterwerk unter Benutzung 
einer angebrachten Stellvorrichtung wohl den Schreibtisch 
mancher Dame zieren wird. — Oskar BrandstetteTy Leipzig, 
hat von seinem originellen, einen Violinschlüssel in grossem 
Format darstellenden Kalender, eine neue, diesem Jahre 
angepasste Auflage veranstaltet. Bei jedem Tage des 
Jahres ist der auf ihn fallende Geburts- oder Sterbetag 
eines berühmten Musikers angegeben. — Gebräder Jänecke, 
Hannover, gaben ihrem Kalender eine prachtvolle Ausstattung 
mit reichem allegorischen Schmuck in lithographischen Bunt- 
druck von vollendeter Ausführung. Das Kalendarium ist in 
Buchdruck eingedruckt. — Der Graphische Abreisskalender 
von Jänecke & Schneemann hat sich auch in diesem Jahr 
als alter, liebgewonnener Bekannter in schönster Ausstattung 
eingestellt. Die vortrefflichen bunten Farben der Firma 
dienten wieder zur Ausschmückung; den textlichen Teil 
lieferte, wie früher, Herr Theodor Goebel, in Form von 
technischen Notizen, Gedichten etc. Auch die Buchausgabe 
dieses Kalenders ist wieder erschienen. — Beit d: Philippi, 
Hamburg, bringen einen , in reichen Umschlag gebundenen 
Kontor- und Notizkalender, dessen Inhalt, Pressgesetz etc. 
jedem Fachmann willkommen sein wird. — Die Buchdruckerei 
Lindner f Breslau, hat ihrem Kalender eine von dem 
Gewöhnlichen gänzlich abweichende Ausstattung gegeben. 
Die einzelnen Monate, nach Art amerikanischer Kalender 
die Wochentage nur einmal nebst beigesetzten Daten gebend, 
sind unter Benutzung des Klinkhardtschen »Zierrat« und 
einer grossen vertikalen verzierten Leiste ohne alle 
Symmetrie eingefügt, so dem Kalender ein buntes, bewegtes 
Bild gebend. — Louis Pasenow, Stettin, gibt seinem, wie 
es scheint von Buchdruck umgedruckten Kalender diesmal 
eine reiche und geschmackvolle Umrahmung in litho- 
graphischer Ausführung, die in jeder Hinsicht ausgezeichnet 
genannt werden kann. Das beigegebene Zirkular entzückt 
uns durch die dazu verwendeten Farben, wie durch den 
durch zu grosse Schriftgrade überfüllt und beengt 
erscheinenden Text weniger. — Die A, v. Hagensche Hof- 
druckerei, Baden-Baden, vereinigte ihren Glückwunsch mit 
dem Kalender für 1889 derart, dass sie ersteren in der 



oberen linken Ecke in Form einer Karte anbrachte. Reiches 
Kolorit in Blau, Rot, Schwarz und Gold geben ihm ein 
gefälliges Aussehen. Die in der Karte zu zahlreich 
angewendeten Bandrollen wollen uns nicht gefallen; sie 
entwickeln sich nicht natürlich. — Förster (& BorrieSf 
Zwickau, umgaben das zum Abreissen bestimmte Kalendarium, 
auf voll gedecktem blassblauem Grunde stehend, mit 
einem reichen Rahmen aus der Holbein-Einfassung in Hoch« 
format mit seitlich eingefügten Schildern, Empfehlungen 
ihres Geschäftes enthaltend. Die benutzten Farben sind 
in eigentümlicher Art vom hellsten rötlichbraunen Ton 
zum satten Rot und Rotbraun abestimmt und machen so 
einen originellen Effekt. — Einen besonders schöneni 
bezüglich des Satzes und Druckes höchst anerkennenwert 
ausgeführten grossen Kalender sandte die Druckerei 
Fr. Wagners Erben, Zürich. Ihn schmückt als hervorragende 
Zierde die schöne Römische Einfassung Weiserts, sowie 
ein reizendes Knabenporträt, ein vortrefflicher Schnitt der 
Firma Käseberg & Örtel, Leipzig. Blauer, grauer, chamois 
und bräunlicher Ton mit dunkelbraunem, durch Goldlinien 
und Verzierungen begrenztem Aufdruck geben diesem 
Kalender eine weiche, gefällige Färbung. — Die Stämpflisdte 
Druckerei, Bern, Hess uns gleichfalls einexi einfach gediegen 
ausgeführten, von Albert Müller entworfenen Kalender 
zugehen. Seine Hauptzierde bildet die Woellmersche 
Renaissance-Einfassung, der Text ist ziemlich einheitlich 
aus Schwabacher gesetzt. — TF. Büchler, Bern, gab seinem 
Kalender gleichfalls eine Zierde mittelst der Römischen 
Einfassung. Einen originellen Schmuck erhielt derselbe 
femer durch ein, lediglich atis Linien gebildetes von 
W. Büchler gesetztes Porträt Gutenbergs in Grösse von 
etwa 4: 6 Cicero; es ist dies eine in Anbetracht des Materials 
bewunderungswürdige Arbeit. — Von Holländischen 
Druckern- waren es wie immer Amd db Zonen und 
de Brakke Grond, Amsterdam, die uns mit ihren Kalendern 
bedachten. Der Kalender der ersteren Firma, in grossem 
Format, ist von Holzschnitt- oder geätzten Platten in 
reichstem Farbendruck ausgeführt, den Schmuck des Ka- 
lenders der zweiten bildet ein breiter Rahmen mit humo- 
ristischen Figurengruppen, die für den Eingeweihten wohl 
von gewisser Bedeutung sein werden. 



Zeitschriften und Büehersehau. 

— t Kalligraphische Novitäten von Emil Franke. Verlag 
von Orell Füssli & Ko. in Zürich. Der Herausgeber 
dieser Kalligraphischen Novitäten ist auf dem Gebiete der 
Schriftzeichnenkunst durch seine »Neuen Schriftvorlagen 
für Industrie und Handwerk« schon früher bekannt. Der 
Zweck derselben ist, dem modernen Zeichner, der nicht 
mehr an den altertümlichen, zwar oft sehr schönen, aber 
meist unleserlichen Schriftformen festhalten kann, dem 
Geschmack der Neuzeit entsprechende originelle Vorlagen 
in reichster Abwechslung zu bieten. Ein besonderer Vor- 
zug derselben besteht darin, dass sie mit Leichtigkeit kopiert 
und überall angewendet werden können, im Gegensatz zu 
den vielen fein in Stahlstich ausgeführten Vorlagswerken, 
welche anders als in Gravüre gar nicht wiederzugeben sind. 
Herr Franke arbeitete während langer Jahre als Schrift- 
künstler für die ersten Schriftgiessereien und andere tech- 
nische Anstalten in Nordamerika. Viele seiner Original« 
Schriften sind dort patentiert. Er bemüht sich nun dem 

6* 



99 



Zeitschriften- und Bücher schau. — Mannigfaltiges. 



100 



amerikanischen Prinzip auch auf dem europäischen Kontinent 
Geltung zu verschaffen, und dieses heisst: Jede Zierschrift 
oder Kurrentschrift muss in erster Linie leserlich, dabei 
aber soll sie auffällig sein und durch ihre Kedcheit das 
Auge fesseln und imponieren. Die nach diesem Prinzip 
ausgeführten »Novitäten« sind höchst sauber in ein- und 
zweifarbigen lithographischen Druck ausgeführt. 

— t (7. 2>. af Wirsin, I Lifvets Var. Illustriert durch 
Jenny Ny ström. Gross Quart. Stockholm, Hugo Gebers Ver- 
lag. Diese poetische Blumenlese für die Jugend liefert einen 
weiteren Beleg zu dem im vorigen Heft in der Bücherschau 
von uns ausgesprochenen Urteil über den hohen Standpunkt 
unserer Kunst in Schweden. Über den Wert der Dichtungen 
zu sprechen liegt ausser unserem Bereich. Unser Interesse 
kann nur die typographische und xylographische Ausstattung 
in Anspruch nehmen. Besonders splendid ist letztere teils 
in selbständigen Bildern, teils in Initialen, Anfangs- und 
Schlussvignetten vertreten, deren Komposition auf ein 
Phantasie- und gemütreiches Zeichentalent schliessen lässt. 
Solche Bücher sind ausgezeichnete Führer zur Veredlung 
eines reinen Geschmacks und veredelten Kunstsinns. Die 
Offizin, aus welcher das Kunstwerk hervorgegangen, führt die 
Firma Gemandts Aktienbuchdruckerei in Stockholm. 

— Die geeignetste Zeitschrift für die deutsche Familie 
ist und bleibt das »Universum«. In eleganter und 
geschmackvoller Ausstattung, in Wort und Bild ansprechend, 
unterhaltend und durch seinen überaus reichen und viel-- 
seitigen luhaltauch die mannigfachstenAnsprüche befriedigend, 
hat sich dieses schöne Journal mit Recht als trauter 
Hausfreund in den meisten deutschen Familien des In- und 
Auslandes eine bleibende Stätte zu erringen gewusst. 
Ungemein stimmungsvoll und prächtig illustriert präsentiert 
sich das Weihnachtsheft, in eigens für diesen Zweck 
angefertigten Umschlag, und man wundert sich, wie es der 
Verlagshandlung möglich gewesen, ohne Preisaufschlag 
(das Heft kostet, wie alle anderen, nur 50 Pfennige) so 
Hervorragendes zu leisten. Das soeben erschienene Neu- 
jahrsheft reiht sich dem würdig an. Von dem fesselnden 
Inhalte sei hier hervorgehoben: »Der Doppelgänger«, 
Erzählung von Jos. Hatton; »Weihnacht auf See«, mit 
Illustrationen von R. Blumenau; »Es ist ein' Ros' entsprungen«, 
eine Weihnachtsgeschichte von Anna Hartenstein; »Allzeit 
voran!« Manöverbilder von Jesko von Pnttkamer (Schluss), 
mit zahlreichen Illustrationen; »Viel Lärm um Nichts«, 
Humoreske von Hans Arnold; »Schulter an Schulter«, 
Roman von Hermann Heiberg; »Die Fremden in Paris«, 
von Eug. von Jagow; Dr. A. Nagel, »Aus Mayas Reiche« 
u. 8. w. Ausser über 30 Illustrationen enthalten die Hefte 
noch sechs schöne Kunstblätter in Lichtdruck, Holzschnitt 
und farbigem Aquarelidruck. — Die Verlagshandlung des 
»Universum« eröffnet eine Preiskonkurrenz zur Erlangung 
geeigneter Kunstblätter für ihre illustrierte deutsche 
Familienzeitschrift »Universum« und setzt folgende Preise 
aus: I. 700 Mark für zwei Bilder in farbiger Ausführung, 
22 cm breit, 30 cm hoch. II. Je 200 Mark für 2 Bilder 
einfarbig (grau in grau). 22 cm breit, 30 cm hoch. Ausser- 
dem sollen eine grosse Anzahl von nicht prämiierten 
Blättern käuflich erworben werden. Die Arbeiten müssen 
bis spätestens 30. März d. J. an den Verlag des »Universum« 
in Dresden-A. Johannisplatz 7 eingesandt werden. Als 
Preisrichter fungieren die Herren : Hofrat Professor Pauwels, 
Professor J. Scholz, Architekt A. Hauschild, sämtlich in 
Dresden. Die näheren Bestimmungen sind im 13. Hefte, 
sowie in der Redaktion des Universum einzusehen. 



Jedenfalls haben sich die Leser des »Universum« eines 
ganz besonders schönen Bilderschmuckes der Hefte zv 
gewärtigen, was im Verein mit neuen, zugkräftigen Romanen 
nicht verfehlen wird, neue Abonnenten zuzuführen. 



Mannigfaltiges- 



— Jubiläen, 100jährige: Am 1. Januar der in Plauen i. F. 
erscheinende »Voigtländische Anzeiger«. — - öQjährige: Am 
1. Januar das »Sonnneberger Tageblatt«, dasselbe wurde 
von C. A. Mylius gegründet und befindet sich noch heute 
im Besitz seiner beiden Söhne. — Am 1. Januar der 
Maschinenmeister Julius Laders in Berlin in der Druckerei 
der »Volkszeitung« daselbst — Am 12. Januar der Setzer 
Kaspar Baumann in der Sauerländerschen Offizin in Aarau, 
— Am 1. Februar der Faktor der Windolffschen Offizin 
in Berlin Herr Karl Pasewäldt daselbst. — 2^ähriges: Am 
1. Januar die Buchdruckerei Plesse dt Lahrs in Hamburg, 

— Crestorben. Am 18. Januar der Buchdruckereibesitier 
HeümuÜi Henkler in Dresden. — Am 23. Januar der Buch- 
druckereibesitzer Hermann Meyer in HaJberstadt 

— Geschäftliches. Von der Firma C G. Böder in Leipiig 
ist Herrn Carl Bdchel Prokura erteilt worden. — Aus der 
Firma Giesecke dt Devrient in Leipzig ist Herr Christian 
Wilhelm Baimund Giesecke ausgeschieden und wird dieselbe 
nunmehr von den Herren Hermann F. Giesedce und Dr. 
Bruno Giesecke in unveränderter Weise für deren alieinige 
Rechnung weitergeführt — Die Seiboldsche Buchdruckerei in 
Offenbach ging an ein Konsortium, vertreten durch die Herren 
A, Ph. Bender und Fg, Weintrdud über. — Das Stuttgarter 
»Neue Tageblatt« ist in den Besitz einer Aktiengesellschaft 
übergegangen. — Die Buchdruckerei des Stuttgarter Verlags- 
bnchhändlers Kohlhammer in Tübingen ging durch Kauf in die 
Hände der Herren W. Armbruster dk Biecker über. — Den Herren 
Louis Nienholdy John K, Tetlow und Hermann Schreiber ist von 
der Firma J. G. Scheiter dt Giesecke in Leipzig Kollektiv-Prokura 
erteilt worden. — Die Schriftgiesserei Ferd. Theinhardt in Berlin 
hat ihre Geschäftslokalitäten von der Linienstrasse nach der 
Jerusalemer Strasse No. 66 (Berlin SW.) verlegt. 

— Die Graphische VerlagscMstaU von H, Sadtse in 
Halle a. S. legt unserm heutigen Heft eine Beilage, betitelt 
»Graphischer Anzeiger« bei. Wir wollen dabei nicht 
versäumen, unsere Leser auf die reichhaltige Kollektion 
Bedarfs-, sowie Luxusartikel für Buchdrucker aufmerksam 
zu machen. 

— Mne Vorrichtung an Tiegeldruck-' und ZiUnder" 
Schnellpressen gum gleichseitigen Drucken von zwei oder mdir 
Farben und zum Auslegen der so bedruckten Bogen haben 
F. F. Hölzle und Karl Spranger in München jungst sich 
im Deutscheu Reiche sub No. 4?5990 patentieren lassen. 
Diese Einrichtung ermöglicht, mit nur einmaligem Einlegen 
auf der Tiegeldruckpresse oder Zilinderschnellpresse jeden. 
Systems, zwei oder mehr Farben drucken zu können. Das 
Farbewerk muss dabei entsprechend der Anzahl der zu 
verwendenden Farben geteilt werden. Das Farbewerk bezw. 
der Farbetisch bei der Tiegeldruckpresse ist Z. B. in zwei 
Teilen hergestellt und bildet ein Ganzes. Auf jeder Hälfte 
eines Farbetisches befindet sich je ein Farbeteller, um iur 
jede Hälfte die Farbeverreibung eigens bewirken su können. 
Selbstredend ist es notwendig, beim Zweifarbendruck die 
beiden Hälften etwas auseinander zu ziehen, damit in der 
Mitte ein leerer Raum entsteht Dadurch wird verhindert^ 



101 



Mannigfaltiges. 



102 



dass die beiden Farben durch die Farbeverreibung in- 
einander laufen ; der Farbe verreibende Zilinder ist eben- 
falls so eingerichtet, dass er in der Mitte auseinander 
gestellt werden kann; derselbe dient nur zur stärkeren, 
besseren Farbe verreibung. Bei der Zilinderschnellpresse 
mu8s der Farbezilinder geteilt - werden können, oder die 
Reib- und Äuftragwalzen, welche die Form mit Farbe ver- 
sehen, müssen aus der entsprechenden Anzahl Teile 
zusammengesetzt werden. Beim Zweifarbendruck wird der 
Bogen auf der linken H&lfte der Presse eingelegt und beim 
Beginn der Bewegung von einer Greifervorrichtung fest* 
gehalten, bis der Druck ToUendet und der Tiegel oder 
Zilinder in seine Einlegestellung (Ruhelage) zurückgekehrt 
ist. Nun führt diese Greifervorrichtung den Bogen auf 
die rechte Hälfte der Presse, wo ihn eine zweite Greifer- 
vorrichtung in der richtigen Stellung festhält. Das erste 
Greifersystem kehrt alsdann wieder in seine ursprüngliche 
Lage zurück und nimmt einen neuen Bogen auf, der Druck 
erfolgt und zwar bei dem vorher eingelegten in der zweiten 
Färbe, während der letzte Bogen die erste Farbe enthält 
Bei dem folgenden Druck bringt die erste Greifervorrichtung 
den einmal bedruckten Bogen auf die zweite Druckstelle 
u. s. w., während von dort aus der erste eingelegte Bogen, 
mit zwei Farben, bedruckt ausgelegt wird. Natürlich kann 
bei Zweifarbendruck die Bogen grosse kaum halb so gross 
sein, als bei Einfarbendruck. - o - 

— t Einfache XJberdrudemethode auf Farbenplatten van 
BucJisbaumhoU, Über diesen Gegenstand spricht sich im 
»Superior Printer« ein Praktiker dahin aus, dass zu Farben- 
oder Tondruckplatten Buchsbaumholz allen anderen 
Materialien vorzuziehen sei. Für Etiketten, Schaukarten 
u. dergl. mag Stereotypmetall dem Zweck ebenso gut 
entsprechen, aber für feine Arbeiten, in welchen zarte 
Töne vorkommen, ist Buchsbaumholz unstreitig das beste. 
Stereotypmetall übt auf manche Farben einen unangenehmen 
Effekt aus, es macht sie dumpfer, benimmt ihnen, mit 
einem Wort, die Brillanz. Anderseits verlangen die Buchs- 
baumholzplatten wieder grössere Aufmerksamkeit seitens 
des Druckers ; sie sind je nach den Temperaturveränderungen 
dem Sichwerfen, Zusammenziehen oder Ausdehnen unter- 
worfen, was bei Metallplatten nie vorkommen kann und 
sichern deshalb ein korrekteres Register. Behufs der 
Überdrucke einer Arbeit in mehreren Farben gibt man den 
Buchsbaumholzplatten vorher einen äusserst dünnen 
Überzug von Chinesisch- oder Bleiweissfarbe. Hierauf 
wird die erforderliche Anzahl Abdrücke auf glattes dünnes 
Bristol papier mit guter schwarzer Farbe gemacht. Vor 
dem Druck der Karten ist die Hauptplatte auch auf dem 
Tympan abzuziehen, sodass sich das Abbild zugleich auf 
der Rückseite der Karten zeigt. Ist dies geschehen, dann 
wird die Platte für die erste Farbe genommen und die 
betreffende Karte mit kleinen Kopierzwecken darauf 
befestigt. Hierbei ist Vorsicht zu nehmen, dass die Zwecken 
an solchen Stellen eingeschlagen werden, welche weg- 
geschnitten werden. Diejenigen Partien des Bildes, welche 
für eine gemischte Farbe bestimmt sind, werden mit dem 
Falzbein oder dem Stiel einer Zahnbürste abgerieben, 
^ird diese Operation sorgfältig ausgeführt, so erhält man 
ein^n .beinahe ebenso scharfen und absolut genauen 
tJberdruck wie das Original. Nachdem die Platten geschnitten 
0ind, reibe man die Flächen mit einem mit gesottenen 
Leinöl getränkten leinenen Lappen tüchtig ein. Nach 
l^eendetem. Druck sind . die Platten in trockenes Papier 
einzuschlagen und an einen trockenen Ort auf den Kanten 



aufzustellen. Der Verfasser dieser Anweisung sagt: »Seit 
den letzten fünf Jahren habe ich hunderte von Farben? 
druckproben aus allen zivilisierten Ländern der Erde 
erhalten, und ich kann sicher behaupten, dass, obschon 
viele von ihnen ausgezeichnet gedruckt waren., neun von 
zehn kein tadelloses Register hielten. In einigen Fällen 
lag die Schuld erwiesenermassen am Holzschneider, -auch 
möglich, dass die Überdrucke nicht mit der nötigen Sorgfalt 
ausgeführt waren; in anderen Fällen sah man dem Erzeugnis 
den Mangel an Kenntnis, wie eine Arbeit. in Farbendruck 
angefangen werden muss, offen an. Die beste und ein-r 
facbste Methode, um unfehlbares Passen der Farbenplatten 
zu erreichen, ist folgender. Ist die Form zugerichtet und 
sind die Punkturen so genau als möglich gestellt, dann 
druckt man 40 bis 50 Registerbogen oder Karten; der 
Drucker hat darauf zu sehen, dass jeder Bogen in den 
Punkturen unten aufliegt, ehe er druckt Am geratetsten 
ist es, die Bogen oder Karten mit grauer Farbe zu drucken. 
Von höchster Wichtigkeit ist, dass sie mit absoluter 
Genauigkeit in die Punkturen eingestochen werden. Man 
kann dann jede Farbe mit voller Sicheiiieit in ihren 
geeigneten Platz passen, vorausgesetzt, dass der Drucker 
mit dem Farbendruck bekannt ist«. Unter den oben 
erwähnten Farbendruckproben befanden sich viele aus 
Deutschland. Unter diesen waren nicht wenige, welchei 
eine so vollendete Farbenharmonie der zartesten Töne 
zeigten, wie ich sie nirgends anders gesehen habe, aber 
die Schöoheit mancher von ihnen. wurde durch mangelhaftes 
Register und Nichtbeachtung mancher im Farbendruck zu 
beobachtender Einzelheiten gestört. 

— Reinigung gebrauchter Putzlappen und Schmieröle. 
Zur Reinigung der Triebwerke von abtropfenden ölen ver- 
wendet man Putzwolle und Putzlappen. Die Befreiung 
derselben von dem aufgesaugten Öl kann beim Gross- 
betriebe durch eine Zentrifuge geschehen, welche an 
geeigneter Stelle aufgestellt und von einer vorhandenen 
Wellenleitung angetrieben wird. Das so ausgeschleuderte 
Putzmaterial ist zwar nicht rein, kann aber wieder ver- 
wendet werden. Die vollständige Reinigung des Putzmaterials 
von öl und Fett besorgtman durch Waschen mit Benzin. Solches 
wird am besten in abgeschlossenen Gefässen vorgenommen, 
in welchen ein durch Riemen von- aussen angetriebenes 
Rührwerk die Durchspülung des Putzmaterials herbeiführt. 
Die gebrauchten Schmierstoffe kann man durch sorgfältige 
Filterung über sehr reine Putzwolle und Watte und Ab- 
stehenlassen des Filtrates für Schmierzwecke geeignet 
machen; natürlich ist das wiedergewonnene Schmieröl 
geringwertiger als noch nicht gebrauchtes Öl. - o - 

— Die österreichische Staatsdruckerei hat die Herstellung 
des Papiergeldes für mehrere amerikanische Freistaaten 
übernommen. Die Ausführung wird eine lange Reihe von 
Jahren in Anspruch nehmen. und hat die Staatsdruckerei 
hierzu eine eigene Abteilung errichtet. 



Berichiigung^en. 

— Von authentischer Seite wird uns mitgeteilt, 
dass die in unserm vorigen Heft enthaltene, der »Inven- 
tion« entnommene Notiz betreffs des Tessaroschen 
Tachigraph für Musikaliendruck insofern der Berichtigung 
bedarf, als nicht die Firma C. G. Röder Besitzerin des 
deutschen Patentes ist, sondern dass Herr Oscar Brandstetter 
in Leipzig sich die Anrechte auf dasselbe gesichert hat, 
und zwar nicht nur für das deutsche Reiche sondern auch 



lai 



Mannigfaltiges. — Annoncen. 



für Belgien, Holland, Dänemark, Skandinavien und die 
Schweiz. Die Mitteilungen der »luvention« , bezüglich der 
übrigen ausländischen Patente bestaiigen sich. Im übrigen 
wird es bei der völligen Neuheit der augenscheinlich in 
der That bedeutungsvollen Erfindung noch einiger Zeit 
bedürfen, bevor dieselbe an die Öffentlichkeit treten kann. 
— Die Nummer 2 des »Archiv enthält einen Artikel 
über den Typographischen Muster- Auslau seh , welcher 
beginnt: »Anstatt des unter enghscher Leitung stehenden 
intematiimalen Muster-Austausches etc.« und die Ansicht 
erwecken muss, dass derselbe aufgegeben worden sei. 
Indem ich auf den ersten Satz des angesogenen Artikels 
nicht weiter eingehe, um unangenehme Kontroversen zu 
vermeiden, erkläre ich, dass ich die Geschäfte des von 
Herrn Hilton in Londen vertretenenen intemationaleH Unter- 
nehmens weiter führe und dass der Bestand des Unter- 
nehmens durch zahlreiche Anmeldungen gesichert ist. Zur 
Erteilung jeder Auskunft bin ich gerne bereit. 

B. Wittkler, Frankfurt a. M., Heisterstr. 2. 



Inhalt des 3. Heflea. 

^laxuider V/tUow. ~ 
I Varwendung des Accideiii-5chririin»leriBli. — 
- S»ti and Druck nniarer Probeblitter. — Neo- 
mdenchmn. - Zoilocfariflsn nnd Bachenchan. — 



MuinlifkltiEas. — Annoncen. — leclicaiMUler In Text; PcogiUDm- 

lital, AdiaBskBita, Briefkopf von Scbelter t Giaeecka, Brieficapr von 
Flinach, Progtammtitel. - Beilagen: 1 Blatt BrierkSpfe von SchellDr 
4 Gieiecka. — 1 Blalt Umachlaglilel. — 1 Blatt Karlen. — t Blalt 
Eckan von Paul Lantamann. Leipzif. ~ 1 Beilaga von H. Sachse, Halle. 
Dai Heft antUlt im Ganzen fi BeltaKan. Fflr das Beillasan der 
freadan Belli^em kann jedoch wegen oft Dozareichender Anzahl nicht 
garaatlert «erden. 



Betugabedingungen für das Archiv. 



BHUdlKe BaUasas. tuin nüriiil 

BaniauuMls : Jrdc Buchlundluni: : auch dlrrkl vom Verlegi 

H. 1t,til. Niicli kanpleuem Bnchelneii Pnit pro Band H 

■ Prell pro PcUiiHte n, urelim. 10, didap. ?l 

iB% BÜia. KMUnaudillRe aotan. BMiIgFr ... „ 

.._.„. ... BetaB dienen AOHCtaniUe, 




bellen. SluUcart. Dteractuinen von Emil B- 
iif Flnir Sduiellpmie yod SMa, fonl & B( 



■^m Annoncen. ^^ 



Ein tücht^er, mit dem Fach und 
der Enndschaft vertrauter Bellen- 
der findet dauernde Stellung. Off. 
Bub B. 2836 an Rudolf Mosse, 
Leipzig erbeten. 



Eine Biiclidruck-Tret|iKue 

aum Bedrucken von Karten und Ku- 
verts , event. aucli für Dampfbetrieb 
eingerichtet, wird zu kaufen gesucht. 
Offerten befördert unter T. Z. 100 die 
Expedition dieses Blattes. 



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Gebr. Braadt in Münburg 


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Darcli.o).i»i labr .omiltad und nicht 
teurer Uli BlBl. Ermtulgtar Prelikurnnt 
„wie P"b=^°=h on.er.r_ Kr,«,gn ... 





'-it^W'WW^W'WWWW^ 



ig rne Snjec Fwixim nie Snger 16 

gegrladet 1818 

auf den WeltaautallDDEen mit B Ehren. 

dlplomen und 9 Medaillen aoagazelchnel, 

Bohwarsen und bunten 

BdcIi- d. Steindnidfarki 

anerkannt baalar QnilltKt. 
FartranpToban und FralalliMa 
ateben auf Terluigan gern ma 



Wer neue Werk- oder ZHluHms-Sckriften 
anschaffmwill.versäuMt nicht, sich fratm 
'Proben der -\ 



Benjamin Krebs Nachfolger 

in Frankfurt a. M. 
kommen tu lassen. 




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C. Rüger, Leipzig 



Messins^inienfabrik mit Dampfbetrieb 

■■'"^^" BachdniclcntensUieB ••g=:— ■ 

FachtlschlereL v,<£M5.G^)^&<;^ Gravier anstatt. 



Goldane M«dallla Brüsaal 1888 



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Deutsch-engliach-französische Monatsachrifl f. d. inlernat. Verkehr 

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GadrackI wal ainar Originil-LibarlT-Tieieldrackmsscbine raeinar Handlung. 



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= SERIE A. = 
Mk. 40.—. 

^■-^ per Satz von 12 Stüe 



No. 2 
k Mk. 4.- 




PAPIER 



Filiale in Berli 
•l Edm. Obst & C/ 



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26. Band. 



1889. 



Heft 4. 



Das Sehriftminimum. 

^ie allgemeine EinfQhrui^ des französischen 
2 Systems hat dem Verkehr zwischen Buch- 
_ I drucker und Schriftgiesser ein teilweise 

anderes Gepräge gegeben. Während der erstere 
früher Wochen und Monate vorher bestellen musste, 



die Zahl dieser Druckereien vermindert sich zusehends, 
und in absehbarer Zeit wird man in Deutschland nur 
noch einen Kegel und eine Schriflhöhe kennen. 

Je näher wir diesem Zeitpunkte kommen, je 
leichter wird sich der Verkehr zwischen den Buch- 
druckereien und Schriftgiessereien gestalten, nament- 
lich, wenn man bemüht ist, manchen Verkehrsmodus 




•rrti : 



p.p. 



Witin HrirmliEr, J|err Seuburger, nrttb fiäf 
Erlauben, ;&ie birnint Sut{nn |u befui^ unb 
bitt« iäf, bMnrElben aijr« fi^ä^baren ßrlirE« ßBfl. 
\u rtrwDiETEn. 

]i4fiiiip>iiDli 

Or 5 Mtin 

läbuk hOnfllit^tr Blumen 



Schrirt von Uaaer ä Ci«. 



um das erforderliche Material am Tage des Gebrauchs 
zu besitzen, so kann er jetzt eventuell bis zum letzten 
Tage warten und doch noch Alles rechtzeitig erhalten,' 
weil die Schriftgiesser nun im Stande sind, von fast 
allen ihren Erzeugnissen Lager zu halten. 

An diesenAnnehmlichkeiten des schnellen Bezugs 
nehmen nun allerdii^ diejenigen Druckereien noch 
keinen oder doch nur beschränkten Anteil, welche 
eigenenKegel, eigeneHöheoder beides haben. Indessen 



zu beseitigen, welcher früher seine Berechtigung hatte, 
soweit er in die veränderte Situation nicht mehr 
hineinpasst. Besonders ist es erwünscht, dass hierin 
ein allgemeines Übereinkommen stattfmdet, und nicht 
von der einen Giesserei nach diesen, von einer zweiten 
Gicsserei nach anderen Grundsätzen verfahren wird. 
Greift letzteres Platz, so haben wir von der Einführ- 
mig des französischen Systems nur einen bedingten 
Nutzen. 



115 



Das Schriftminimum. 



116 



In meinem Handbuche*) habe ich nach dieser 
Richtung hin diverse Fingerzeige gegeben. Ich will 
heute nur auf diejenigen hinweisen , welche sich auf 
die Abmessung der Schriftminima beziehen. Ich sagte 
daselbst S. 99, dass dieselben 1) teilweise zu gross 
und 2) einen Ballast von Accenten hätten. Es wog 
beispielsweise ein Minimum Korpus schmale Gotisch 
genau so viel wie ein Minimum Korpus fette Gotisch, 
nämlich 10 Pfd. Dadurch erhielt man von der schmalen 
Gotisch viel mehr Buchstaben, wie von der fetten.**) 



Schriften repräsentieren diese überflüssigen Buch- 
staben ein nennenswertes Gewicht. 

Als ich obige Änderungen in Vorschlag brachte, 
war ich mir völlig bewusst, wie schwer es ist, lang- 
gewöhnte Einrichtungen zu beseitigen. Das Bessere 
soll zwar der Feind alles Guten sein, aber es 
bedarf langer Zeit und vieler Ausdauer, um dem 
Besseren zum Siege zu verhelfen. Trotz dieser Er- 
wägungen machte ich den Versuch, meine Vorschläge 
ins Praktische zu übertragen und ich änderte in der 



J^o/. 



Seutenroday den 



1889, 



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- ft/^^vS ^ 



PrXmliert 

in 

Bremen 1877 

Hamburg 1878 

Paris 1880 

Antwerpen 1885 

Chemnitz 1887. 

—•• - 



^ 



^,a^M«»- »*'' ^»"Pw-ftinj 



1^ 




5>^ 







IS 







Spezialität: 

Patent-Petrolevm-lampen. 




Spezialität: 

BenziR-Sidiertieits-Lampen. 



-€/'a^ 



Patentiert 

in 

Deutschland 

Frankreich 

England 

Osterreich-Ung. 

Amerilca. 
-«•• — 






G- 






■^J 



Siech 



nuna für 



'Srfi 



Sie empfanden Auf ahre cnedinung und uefahr durch 



Ornamente, Zierschrift »Aquatinta« und »Zirkular« von Ludwig & Mayer, Mediaeval von Brendler & Marklowsky, Schmale Antiqua von Krebs. 



Ich empfahl daher, die Minima nicht mehr nach 
dem Gewicht, sondern nach einer bestimmten Anzahl 
von Buchstaben zu bemessen. 

Des Ferneren machte ich auf die übergrosse An- 
zahl von Accentbuchstaben und Ligaturen aufmerk- 
sam, welche jeder Antiqua-, Titel- und namentlich 
Zierschrift mitgegeben wurden. Man fand in diesen 
ääääöeeeiiiiööööüüüüQÄÖÜgtE 
£ £ iE (E f fi ffl. Es genügen aber , um betreffs der 
deutschen, englischen und französischen Sprache nicht 
in Verlegenheit zu kommen, äää^eeeiiööüü 
üqÄÖÜQE££, d. h. also 11 Accentbuchstaben 
resp. Ligaturen weniger. Namentlich bei grossen 



*) Praktisches Handbuch für Buchdrucker im Verkehr 
mit Schriftgiessereien. Leipzig 1878. Verlag von Alexander 
Waldow. 

*♦) In der That war man auch von der unzweckmässigen 
Einteilung überzeugt und kam den Buchdruckereien durch 
Abgabe halber Minima entgegen. 



damals von mir geleiteten Schriftgiesserei J. G. Francke 
Nachf. in Danzig die Minima-Giesszettel in gedachtem 
Sinne. Ich leugne nicht, dass mir dadurch längere 
Zeit manche Verdriesslichkeit erwuchs. Man ver- 
langte vielseitig die überflüssigen Accente, weil man 
sie immer erhalten, teilweise sogar mit der Motivier- 
ung, dass ja die Fächer dazu in den Kästen vorhanden 
wären! Endlich aber sah man doch den Nutzen ein 
und gab der neuen Einrichtung seine Zustimmung. 

Es lag mir indessen fern, anzunehmen, dass eine 
Einrichtung, die sich in dem Kundenkreis einer 
kleineren Giesserei bewährte, nun auch für alle 
Giessereien und für alle Buchdruckereien von Nutzen 
sein müsse. Ich wartete vielmehr sorgfaltig ab, inwie- 
fern meine Vorschläge in Deutschland Nachahmung 
finden würden. 

Durch Übernahme einer mich ganz in Anspruch 
nehmenden Stellung war ich indessen nicht mehr 
in der Lage, dieser Entwicklung zu folgen. Erst in 



117 



Das Scliriftminimum. 



118 



jüngster Zeit konnte ich mich wieder darum kümmern, 
ohne indessen zu einem sicheren Anhalte gekommen 
zu sein. Zwar zeigten einige neuere Proben für 
schmale Schriften ein geringeres Gewicht, dagegen 
zeigte man mir in den Druckereien von verschiedenen 
Giessereien bezogene Antiquaschriften mit all den 
überflüssigen Accenten. Dass ich aber dennoch auf 
dem richtigen Wege gewesen, bewies mir das von der 
Schriflgiesserei J. G. Schelter & Giesecke vor einigen 
Jahren herausgegebene Musterbuch. Dasselbe kennt 
keine Minima mehr, sondern nur noch Sätze^ welche 
nach amerikanischem Muster die Zahl der Versal A 
und der Gemeinen a angeben, aus welcher Angabe 
der Buchdrucker leicht feststellen kann, ob ihm ein 



Arbeiten einrichten und infolge dessen nur geringes 
Quantum an einzelnen Schriften, aber grosse Auswahl 
von Arten derselben benötigen etc. « . Dem gegenüber 
ist in den allgemeinen Lieferungsbestimmungen 
J. G. Schelter & Gieseckes zu lesen: 

»Die Sätze und halben Sätze sind neuerdings bedeutend 
im Gewicht reduziert worden, um dadurch dem Käufer 
den Vorteil zu bieten, sich eine grössere Auswahl von 
Schriften zulegen zu können.« 

Hinsichtlich der Accente sind die Herren J. G. Schelter 
& Giesecke dagegen weit über meine Vorschläge 
hinausgegangen, indem sie mit noch weniger Accenten 
auszukommen glauben. Es heisst hierüber: 

>Wiederholte Klagen über Beischluss der zumeist 
unverwendbaren fremdländischen Accente haben uns 



Acciden;. 




Telephon'No. 151. 



LEIPZIG, den 

Auffttstusplatx 1. 



188 



Originalsatz von Frankenstein & Wagner, Leipzig. 



solcher Satz für seine Zwecke zu klein oder zu gross 
ist. Das Gewicht ist nur noch annähernd angegeben, 
um dem Buchdrucker auch einen Anhalt für den 
Preis zu geben. Wer auf Giessereicomptoiren gesessen, 
weiss, wie oft Reklamationen einlaufen, weil in der 
Probe 5 kg für ein Minimum angegeben, und nun 
erhalte man 6 kg, welcher Überschuss zur Ver- 
fügung stehe. Selten gelang es, derartigen Reklamanten 
nachzuweisen, dass das Gewicht nur annähernd für 
französische Höhe bemessen , jede höhere Höhe ein 
Mehrgewicht bedinge. Jede derartige Reklamation 
ist indess unmöglich, wenn man eine bestimmte 
Anzahl Buchstaben für ein Minimum annimmt, da 
das Gewicht sich in keinem Falle mit Sicherheit genau 
angeben lässt. 

Auch hinsichtlich der Minimagrösse finde ich in 
dem genannten Musterbuch einen Fortschritt. Ich 
sagte S. 107 meines Handbuches: »Heute aber, wo 
der Buchdruckereien, namentlich der kleinen, eine 
Unzahl , wo sich dieselben immer mehr für einzelne 



veranlasst, zu den Satzschriften nur die in der deutschen 
Sprache häufiger vorkommenden Accente, und zwar 
folgende mitzuliefern: ä 6 6 6 <j Q E E«. 

Ich habe diese Gegenüberstellungen nicht in der 
Annahme gemacht, dass die genannte Giesserei nach 
meinen Vorschlägen verfahren ; im Gegenteil bin ich 
der Ansicht, dass ein nachdenkender Schriftgiesser, 
der es mit seinem Interesse und mit dem seiner Kunden 
ernst meint, ganz von selbst auf diese Abänderungen 
kommen muss. Es lag mir nur daran, zu beweisen, 
dass eine so grosse Giesserei, wie J. G. Schelter & 
Giesecke , durch die eigene Erfahrung zu demselben 
Ziele gekommen ist und meine Vorschläge also keine 
Utopien waren. 

Wichtiger aber als diese Thatsache wäre es nun, 
wenn alle Giessereien nach diesen Prinzipien die 
Minima zusammenstellten. Denn da nun mal der 
deutsche Buchdrucker gewöhnt ist, bei verschiedenen 
Giessereien zu kaufen und bei Bestellungen in der 
Regel das Probebuch nicht zur Hand genommen oder 



7* 



119 



Das Schriftminimnin. — Das Eindnicken letzter Nachrichten bei Rotationsmaschinen. 



doch nicht immer nachgeforscht wird, von welcher 
Giesserei man die Minimaachrifl zuerst bezog, so 
sind Differenzen unvermeidlich. Je nachdem man 
eine Titelschrill heute von dieser Giesserei, morgen 
von einer anderen bezieht, wird man das Minimum 
verschieden zusammet^esetzt und nicht zueinander 
passend erhalten. Die Folge wird sein, dass Streit 
darüberentsteht,wessetiMinimunirichtiger zusammen- 
gesetzt ist und jede Giesserei wird natürlich wieder, 
wie seiner Zeit beim französischen System, das ihrige 
fUr das richtigste halten. 



Das Eindrucken letzter Nachrichten 

bei Rotationsmaschinen. 

^^m die sc^enannten »Letzten Nachrichten« in 
ffSlb Zeitungen bei Rotationsdruckmaschinen zu 
drucken, wendet man in England und Amerika 
verschiedenartige Mittel an. Handelt es sich z. B. 
darum, bei Wettrennen die Namen der Sieger nach- 
träglich noch den Stereotypplatten der Rotations- 
maschinen einzuverleiben, so werden dieselben an 
den betreffenden Stellen hoch grossen, so dass sie 



n Ludwig A M>Ter, Brendler i Marklowakir. T<i«i SaKht, und (icnzscb A Hairee. 



Die Typographischen Gesellschaften , welche 
nicht selten über Stoffmangel klagen, wären meines 
Erachtens die geeigneten Körperschaften, hierüber 
Beratungen zu pflegen. Und wenn sie nun auch für 
sich allein nicht entscheiden können, was in solchen 
und ähnlichen Fällen das Richtige ist, so hat ein Teil 
ihrerMitglieder doch sicherlich eigeneErfahrunggenug, 
um beispielsweise sagen zu können, ob die von mir 
als überflüssig bezeichneten Accentbucbstaben sich 
stets als entbehrlich bewiesen haben. Dies aUein 
schon würde den Giessereien einen dankenswerten 
Hinweis geben. H. Smalim. 



hier einfach schwarze Felder drucken. Sobald nun 
die betreffenden Namen anlangen, schlägt man sie 
mittelst Stahlstempeln ein, so dass dieselben weiss 
(also als Negativdruck) erscheinen. ■ — Zuweilen stellt 
man die letzten Nachrichten auch wohl als schmale 
Stereotypleiste her, welche in irgend einen Steg des 
Stereotypzilinders eingeschoben wird, falls man es 
nicht vorzieht, in einen der geraden genutheten St^e 
des Stereotypzilinders einen , mit der gesetzten Zeile 
ausgestatteten Setzkasten einzuschieben. Da die 
Dicke der gekrümmten Stereotypplatten meist nur 
12 mm beträgt, also nur etwa halb soviel, als die 
Schrifthöhe, so müssen die zu solchem Satz bestimmten 
Lettern vorher durch Abhobebi auf entsprechende 
Höhe gebracht werden. Trotzdem ist es nicht zu 



läl 



Das Eindrucken letzter Nachrichten bei Rotationsmaschinen. 



122 



erreicheQ, dass die Bildflächen der Lettern genau in 
die Druckfläche des Stereotypzilinders fallen, so dass 
deren Druck auch nicht so gut kommt. 

Bei den lediglich von Typen gedruckten Zeitungen 
hat es sich als zu umständlich erwiesen, späte Nach- 
richten dadurch einzufOgen, dass man eine ganze 
Kolumne Tom Formenzilinder abnimmt, in den 
Setzersaal bringt, daselbst auseinandernimmt, von 
Neuem wieder arrangiert und auf die Maschine 
schraubt. Letzteres Verfahren erheischt oftmals mehr 
Zeit im Maschinearaum , als wenn man nur eine 
Stereotypplatte auszuwechseln hätte. Man ist daher 



Der Nebenzilinder B ergänzt die auf dem Haupt- 
zilinder A nicht ausgefüllten Teile des Letternsatzes 
bezw. der Zeitungsspalten. Es bezeichnet C den 
ZiUnder, über den das Papier sich bew^, T ein 
Exzenter, welches ein Anpressen des Nebenzilinders 
an den Papierzilinder (Druckzüinder) C gestattet; D"und 
I sind die Mechanismen zum Feststelleo des Neben- 
zilinders in der Druckstellung und E die Färbewalzen 
filr den Nebenzilinder B nnd (Qr den Hauptformen- 
zilinder A. 

Die Anordnung der Typen in dem Nebenzilinder^ 
ist aus den Fig. 1 bis 9 ersichtlich. Zilinder B ist mit 



ron Lndwif S Mayer. 



neuerdii^s dazu übergegangen, noch einen besonderen 
kleinen Nebenformenzilinder in der Maschine anzu- 
ordnen, der event. mit einem besonderen Farbenwerk 
ausgestattet, ermi^licht, die letzten Nachrichten in 
anderer Farbe z, B. rot, einzudrucken, wie dies von 
Alaneet in Paria beliebt wird. S. H. Bttaston, 
D. Braithwaite & M. Smith in Manchester (England) 
haben jüngst einen recht beachtenswerten Neben- 
formenziUnder konstruiert, dessen Anordnung, sowie 
Befestigung nebst Anordnung der Typen den Gegen- 
stand nachfolgend beschriebener Neuerung bilden, 
welche in Fig. 1 bis 1 1 in verschiedenen Ansichten 
und Schnitten dargestellt ist. — 

Die Anordnung des NebenformenziUnders B in 
der Rotationsmaschine ergibt sich aus Fig. 10 und 11, 
denn beide Figuren stellen den Zilinder nebst Nachbar- 
schaft dar. 



schwalbenschwanzförmigen Ausschnitten versehen, 
welche am Umfange angeordnet sind, und in welche 
die einzelnen Typensätze (Fig. 8 und 9) mit ent- 
sprechenden Ansätzen K in der Längsrichtung ein- 
eingeschoben werden. Nach dem Einschieben wird 
durch Verdrehung der Ringplatte J (Fig. I und 2), 
welche ebenfalls mit schwalben schwänz formigen 
Ausschnitten verseben ist, die Stellung der Typen- 
segmente F am Nebenzilinder B gesichert; Fig. 1 
zeigt bei L den zur Verdrehung der Deckplatte J 
notwendigen Schhtz; die Feststellung findet durch 
die beiden dai^estellten Pressschranben und die 
Feder Z statt. ~ Dieser Verschluss zur Feststellung 
der Deckplatte J besteht aus einer auf dem Zilinder- 
mantel vertieft liegenden aufgeschraubten Feder Z 
(Fig. 1 und 2), welche am federnden Ende einen Knopf 
a und einen Seitenstift ß trägt. — 



123 



Das Eindrucken letzter Nachrichten bei Rotationsmaschinen. — Ein wicht^er Beschluss. 



124 



Die Deckplatte J besitzt die beiden Kreisbogen- 
schlitze L und wird mittelst der darin befindliehen 
Schrauben gehalten. Die Deckplatte hat gegenüber 
dem Seitenansatz ß der Feder Z in den beiden 
Schlusgstellungen je einen Einschnitt, in welchen der 
Seitenstift ß einschnappt. Will man die Deckplatte J 
aus der einen Endstellung in die andere Endstellung 
bringen, so wird durch Niederdrücken der Feder Z 
am Knopf a die Feststellung gelöst und die Deckplatte J 
bis in die andere Endstellung gedreht, in welcher der 
Seitenstift ß die Feststellung der Deckplatte wieder 
bewirkt. ~ 



wird die Feder an der keilförmigen Hakennase h 
zurück gedrückt und schnappt vor der Wand ein, so 
dass die Wand B' in dieser geschlossenen Stellung 
durch die Hakennase « arretiert wird. — 

Unsere Fig. 7 zeigt bei Q eine Einbuchtung, in 
welche bei nahe aneinander stehenden Typensegroent- 
kästenF^der entsprechende Verschluss des nächsten 
Typensegments Aufnahme finden kann, so dass die 
einzelnen Typensegmente auf dem Nebenzilinder B 
eine fortlaufend sieh aneinander schüessende Druck- 
fläche bilden können. Die Form der Typen G ist in 
Fig. 5 dargestellt. — 




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VoiTkhtanK beim Elndnicktn latzter Nachrichlan bei RoUtioi 



Die Einrichtung eines Typensegmentkastens zeigt 
Fig. 8 und 9 ; derselbe besteht aus dem Segmentring F 
mit Schwalbenschwanzkörper K, ersterer ist mit bei 
M ausgeschnittenen Seitenwandungen F und zwei 
schmalen Frontwänden R R' versehen und dient zur 
Aufnahme der Typen, welche durch die eingeigten 
Regletten H (Fig. 6) in Linien gehalten werden. Die 
Regletten H greifen mit ihren Ansätzen S in die 
entsprechenden Ausschnitte M der Wände F des 
Typensegments F K. Die Reglette H ist mit der 
üblichen Einkerbung versehen, um die Typen zu 
halten (Fig. und H). N S \s,i das AusFüllstück für 
den freibleibenden Teil des Typensegments. Der 
Verschluss der Typensegmentkästen besteht aus der 
um das Scharnier drehbaren Wand R' (Fig. 3) und 
der an der Seitenwand des Kastens angebrachten 
Feder P, welche am vorderen Ende eine keilförmige 
Hakennase n besitzt. Beim Sehliessen der Wand R' 



Die genannten englischen Erfmder haben in den 
verschiedenen Kulturländern (so auch im deutschen 
Reiche), Patente auf die erörterte Neuerung an 
Zeitui^druckpressen genommen. F. 



Ein wichtiger Besehluss! 

^^^ine grosse Anzahl der renommiertesten Schrift- 
^@: giessereien erlässt die nachstehend abgedruckte 
Bekanntmachung an ihre Kunden: 

An unsere werten Geschäftsfreunde! 

■Die während der letzten Jahre beim Bezug von 

Seh riftgiessereierzeugni säen i min er grösser gewordenen 

Ansprüche auf Preisherabminderungen und die dadurch 

herbeigeführten gegenseitigen ITnterbietungen führten so 



125 



Ein wichtiger Beschluss. — Schriftprobenschau. 



126 



ungesunde Zustände herbei, dass eine Abhilfe derselben 
im allgemeinen Interesse sich als dringend nötig erweist. 
Es wurden die durch vorgedachte Ursachen herbei- 
geführten Missstande um so unlialtbarer , als die für die 
meisten Materialien bewilligten Preise in keinem Verhältnis 
zu den unausgesetzt aufwärts strebenden Notierungen für 
Hohmaterialen stehen und, solide Hers tellungs weise voraus- 
gesetzt, oft kaum die Kosten durch dieselben gedeckt 
werden. 

Eine längere Fortdauer dieser Zustände würde einesteils 
schliesslich zu einem Nachlass in der Güte der Erzeugnisse 
führen, müsste andernteils aber auch dem Käufer das 
Vertrauen in eine gute und solide Lieferung benehmen. 

In dem Bestreben sich begegnend, wieder geordnete 
Verhältnisse in ihrem Gewerbe zu schaffen, damit dasselbe, 
statt auf eine niedere Stufe herabzusinken, zu immer 
grösserer Vollkommenheit gelange, sowie um dem Unwesen 
ungerechtfertigter Nachlässe entgegenzuwirken, sahen sich 
die unterzeichneten Firmen veranlasst, in eingehender 
gemeinschaftlicher Beratung eine Revision ihrer Preislisten 
vorzunehmen und für die verschiedenen Materialien 
Mindestpreise festzustellen. Bei Normierung der letzteren 
wurde darauf Rücksicht genommen, die seither bei den 
meisten Schriftgiessereien üblichen, stark abweichenden 
Grundpreise in, besonders bei Titelschriften teilweise 
herabgesetzte, Nettopreise zu verwandeln. Die revidierten 
Preislisten kommen in Kürze zur Versendung. 

Man konnte sich ferner der Ansicht nicht verschliessen, 
dass der durch nichts berechtigten Gewährung eines 
mehrjährigen Zieles, namentlich bei Einrichtung neuer, mit un- 
zulänglichen Mittebi gegründeten Buchdruckereien unbedingt 
entgegenzutreten sei, da durch dieses verwerfliche 
Gebaren eine, die solid fundierten Druckereien in ihrem 
Erwerb oft sehr beschränkende, ja deren Existenz nicht 
selten in Frage stellende Konkurrenz grossgezogen wird. 
Neue Druckereien sollen daher in Zukunft nur bei Nachweis 
genügender Mittel eingerichtet werden. 

In der Überzeugung, dass Sie die Wohlthat solider 
Grundsätze des geschäftlichen Verkehrs gleich ims 
empfinden, bitten wir Sie, die dahingerichteten Bestrebungen 
nach Möglichkeit zu unterstützen und Sich der unterfertigten 
Firmen bei Ihren Bezügen freundlichst bedienen zu wollen. 

Mit aller Hochachtung ergebenst 

Gebr. Arndt d- Co., Berlin, Schriftgiesserei F, W, Asstnann, 
Berlin j Bauersche CHeaserei, Frankfurt a. 3f. , Schrift- 
giesserei Bauer de Co., Stuttgart, Emil Berget , Leipzig, 
Gottfried Böttger, Faunsdoff -Leipzig, Breitkopf <t Härtel, 
Leipzig, F. A. Brockhaus, Leipzig, Wilhelm Constdbel, 
Berlin, W. Drugulin, Leipzig, Schriftgiesserei Flinsch, 
Frankfurt a. M,, J. G. Francke Nachfolger, Danzig, 
Genzsch <k Heyse, Hamburg, E, J, Genzsch, München, 
Grass, Barth dt Co. (W. Friedrich), Breslau, Wilhelm 
Gronaus Buchdruckerei und Schriftgiesserei, Berlin, 
Schriftgiesserei Emil Gursch, Berlin, J. John Söhne, 
Hamburg, Georg Juxberg-Rust, Offenbach a. M., A. Kahle 
Söhne, Weimar, Julius Klinkhardt, Leipzig, Benjamin 
Krebs Nachfolger, Fratikfurt a. M., Wilhelm von Maur, 
Stuttgart, Schriftgiesserei Nies Nachfolger (Scheibe dt 
Löffler), Frankfurt a. M., A. Numrich dt Co., Leipzig, 
Mohmsche Schriftgiesserei, Frankfurt a. M., Roos dt Junge, 
Offenbach a. M., Budhardsche Schriftgiesserei, Offen- 
bach a. M., C. F. BüM, Leijyzig, J, G. Schelter & Giesecke, 



Leipzig, Aktiengesellschaft für Schriftgiesserei und 
Maschinenbau, vormals J. M. Huck dt Co., Offenbach a. M., 
Ferd. Theinhardt, Schriftgiesserei, Berlin, J. D. Trennert 
dt Sohn, Altana, Tromtzsch dt Söhn, Berlin, C. E. Weber, 
Stuttgart, Wilhelm Woellmers Schriftgiesserei, Berlin, 
J, Ch. Zanker, Nürnberg.* 

Wir glauben, unsere geehrten Leser werden 
sieh unserer Meinung anschliessen, dass man 
seitens der Buchdrucker die fraglichen Beschlüsse 
nur mit Gmugfhuung begrüssen kann, denn die 
Verhältnisse waren in der That unerträglich 
geworden. 

Die unglaublich hohen Bdbatte und langen Ziele, 
welche einzelne Giessereien gewährten, untergruben 
die Soüdität des gesamten Schriflgiessereigewerbes 
und beeinträchtigten den Glauben an die Beellität 
gewissenhafter Lieferanten. Man hatte lange Jahre 
von seinem Schriftgiesser alle Lieferungen auf Ziel 
ohne Gewährung von Rabatt, oder aber für Barzahlung 
das im Geschäftsleben übliche kleine Skontro erhalten. 

Wenn man nun hörte, dass gewisse Firmen 
10 bis 20 % Rabatt gewähren, so musste unzweifelhaft 
das Vertrauen zu dem bisherigen Lieferanten 
schwinden und der Glaube Platz greifen, es werde 
ganz Unglaubliches im Schriftgiessereigewerbe ver- 
dient. Diesen, wie vielen anderen Übelständen wird 
nun, so hoffen wir, jmm Besten beider Teile vorgebeugt 
sein, vorausgesetzt, dass alle Unterzeichner des 
Zirkulars sich auch wirklich an die Beschlüsse 
heUteii, was wir wünschen und voraussetzen 
wollen. 




Sehriftprobensehau. 

(Den Wohnort der unter »Schriftprobenscbaa« and »Satz und Druck der 
Probeblätter« genannten Firmen geben wir nur dann an, wenn sie weniger 
bekannt oder nicht in Deutschland oder Österreich ansässig sind, ver- 
weisen auch auf das Bezugsquellenregister auf der 2. Umschiagseito.) 

[ie wir bereits in der Schriftprobenschau des 
vorigen Heftes bemerkten, haben Schelter & 
Giesecke von ihrer früher gebrachten Sammlung 
Gewerblicher Vignetten eine zweite vergrösserte Aus- 
gabe gebracht. Wir bemustern dieselben unseren 
Lesern nachstehend, darauf hinweisend, dass diese 
Vignetten durch die Vergrösserung unzweifelhaft sehr 
gewonnen haben, also die Aufmerksamkeit der Fach- 
kreise in erhöhtem Masse verdienen. Die zur Um- 
rahmung dieser Vignette benutzten reichen und 
gefälligen Ecken und Linien verdanken wir der Firma 
F. A. Brockhaus. 

Eine reizende Novität in 5 Graden, eigenes Erzeug- 
nis ihrer Giesserei, veröffentlichten Genzsch & Heyse 




Ecken and Linien van F. A. BiocUi&iu, Leipzig. 






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Barocco- Schreibschrift Yon Genzsch & Heyse, Hambarg, 

Corps 12 No. l&o8. Min. 90 a, 12 A, ca. i Kilo a M. 12.50 (V', \»)' 



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Corps 18 No. 1569. Min. 90 a, 12 A, ca. 8 Kilo ä M. 11.— (^/a, Vs)- 

t^/ii eignen- Q/pteuKHien ^yDiTU/v 



Q IL 



Corps 24 No. 1560. Min. 60 a, 8 A, ca. 10 Kilo & M. 9.50 (V«). 



e//iara/u^////i iw/fy 



//ia/i/i 



^ /Tja/zim/nj i /De 



Y7/7?ii 



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Corps 82 No. 1561. Min. 39 a, 6 A, ca. 12.5 Kilo ä M. 8.50 (»'3, VO- 



Corps 10 No. 1562. Min. 26 a, 4 A, ca. 16 Kilo ü M. a- (<,•). 



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Gesetzlich geschützt 



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k;^i^i<^.ik;^r4^^^.^.i^.^,^;* 



Ivi^^il 



Minimum ca. 20 Kilo a M. 6.—. 



1 



131 



Satz und Druck unserer Probeblätter. — lOOjähriges Jubiläum der Firma Mittler & Sohn in Berlin. 



132 



in der vorstehend abgedruckten Barocco-Schreib- 
schrift Es ist dies eine Schrift, der man mit Recht 
zierliche und schwungvolle, dabei eigenartige Formen, 
wie exakteste Ausführung des Schnittes nachrühmen 
kann. Sie wird unter denjenigen Schriften, welche 
zum Satz eleganter Zirkuläre, Visiten- und Geschäfts- 
karten, Wechsel und Quittungen, wie sonstiger 
ähnlicher Accidenzarbeiten Verwendung finden, bald 
den ersten Rang einnehmen, da sicher auch das 
Publikum Gefallen an ihr finden würd. 

Die Firma A. Numrich & Co, (Leipzig), zwar 
schon längere Jahre erfolgreich thätig, bisher aber 
noch weniger bekannt auf dem Gebiete der Neu- 
schöpfung von Einfassungen und Schriften, führt sich 
gegenwärtig in Epoche machender Weise mit einer 
neuen, sehr gefälligen Einfassung ein, der sie den 
Namen Viktoria-Einfassung gegeben hat. Der be- 
schränkte Raum des vorliegenden Heftes erlaubt es 
uns nicht, schon jetzt das gesamte Figuren Verzeichnis 
derselben zu geben, wir begnügen uns deshalb, sie 
unseren Lesern als Einfassung der Barocco-Schreib- 
schrift vorzuführen, uns das Weitere für das nächste 
Heft vorbehaltend. Wir müssen gestehen, dass diese 
Einfassung wohl so recht geeignet ist, alle die An- 
forderungen zu erfüllen, welche man an eine solche 
in Bezug auf leichte Bildung gefälliger und reicher 
Formen, wie klaren, kräftigen, effektvollen Schnitt 
zu machen pflegt, Anforderungen, die bisher leider 
nur selten erfiillt worden sind. 

Wir beglückwünschen die rührige Firma zu 
diesem Originalerzeugnis und zweifeln nicht daran, 
dass sie einen ganz bedeutenden Erfolg damit 
erzielen -wird. 

Die Aktiengesellschaft für Schriftgiesserei und 
Maschinenbau (Offenbach a. M.) übersandte uns eine 
Anzahl Kartenumrahmungen in eigenartiger Zeichnung. 
Wir haben eine derselben vorstehend auf Seite 123/24 
zur Ansicht unserer Leser gebracht. 

Eine Beilage zu dem heutigen Heft führt unseren 
Lesern ferner 6 Grade Kursiv-Zierschriften der 
Woellmerschefi Giesserei vor. Diese, im eigenen 
Hause geschnittenen, demnach als Originalerzeugnis 
zu registrierenden Schriften beweisen , dass es recht 
wohl möglich ist, die gewöhnlichen, glatten Formen 
der Kursiv schwungvoll und gefallig zu gestalten und 
besonders den Versalien ein elegantes und an- 
sprechendes Aussehen zu geben. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

[latt N enthält drei Rechnungsköpfe in ein- und 
mehrfarbiger Ausführung. Satz- und Druck- 
ausfuhrung dürften den Beifall unserer Leser finden. 
Kopf 1 wurde aus Eenaissance-Gotisch von WoeUnier 
gesetzt und mit einem grossen Initial von Weisert, 
sowie einem kleinen (R) von Gronau verziert. 
Die Ornamente sind von Ludwig d- Mayer. Kopf 2 
setzten wir aus Mediaeval-Schreibschrift und Orna- 
menten von Ludwig & Mayer. Für Kopf 3 endlich 
wurden die Renaissance-Fraktur und Renaissance- 
Züge von E. J. Genjssch^ sowie eine gefällige Vignette 
von Bauer & Co. und ein Initial (R) von Klinkhardt 
verwendet. 

Zur Ausschmückung des Blattes benutzten wir 
die in Heft 1 in ihren einzelnen Figuren als Novität 
vorgeführte Silhouetten-Einfassung von jF. W. Ass- 
mann (Berlin). Sie zeigt sich auf unserer heutigen 
Anwendung ohne Zweifel in empfehlender Weise. 
Die auf diesem Blatt seitlich angebrachte Vigtiette ist 
der reichen neueren Vignettensammlung von Bauer 
& Co. entnommen, die zur Haupttitelzeile und zum 
Text verwandte Antiquaschrift entnahmen wir der 
Wiefner Mediaeval- Antiqua von Br endler & Mar- 
klowsky, die Initiale lieferten uns Schelter & Gies^ike, 
die Linien Zierow <& Meusch. 

Gedruckt wurde Blatt N in Charaois Ton, 
gemischt aus Weiss, hellem Chromgelb und einer 
Kleinigkeit Rot, in Violettschwarz von Kost d: Ehinger 
und in Rot von Gauger in Ulm. Blatt in grüngelbem 
Ton, gemischt aus Weiss, hellem Seidengrün und 
etwas Gelb, in dunkelbraunem Lack von Käst dk 
Ehinger und in Rot von Gauger in Ulm. 




lOOjähriges Jubiläum der Firma 
E. S. Mittler & Sohn in Berlin. 

^m 3. März feierte diese verdiente Firma ihr lOOjähriges 
Bestehen. Zu besonderer, in würdigster Weise ver- 
laufener Feier des denkwürdigen Tages, Hess sie ein 
Gedenkbuch erscheinen, betitelt: »Einhundert Jahre des 
Geschäftshauses Ernst Siegfried Mittler <it Sohn, Königliche 
Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei in Berlin. Ein 
Zeitbild. Als Handschrift für Freunde.« Berlin. 3. März 
1889. — Dieses Buch ist ein wahres Zeitbild einer in 
bescheidenen Verhältnissen gegründeten Pflanzstätte ge- 
werblichen SchaiTens, das um so mehr an Bedeutung 
gewinnt, wenn die darin handelnden Personen durch vier 
Generationen einer und derselben Familie angehören und 
in allen Wechselfällen des Lebens durch ein ganzes Jahr- 
hundert in ihren Lebensauffassungen, Zielpunkten und 



133 



lOOjähriges Jubiläum der Firma Mittler & Sohn in Berlin. 



lai. 



geschäftlichen Bestrebungen die gleichen geblieben sind. 
Ein solches Haus bildet sich im Laufe der Zeit zu einer 
Eigenart, zu einer Individualität aus, die der edlen Patina 
eines Erzstandbildes zu vergleichen ist, die sich nur erst 
nach einer längeren Periode von selbst erzeugt. Ein so 
seltenes Los ist der Firma E. S. Mittler & Sohn in Berlin 
gefallen. 

Der Gründer derselben, Johann Heinrich Wilhelm Dieterici, 
wurde zu Berlin am 18. März 1758 geboren. Er entstammte 
einer Familie Dietrich, deren Stammbaum sich nach seinen 
eigenhändigen Aufzeichnungen auf die Mitte des 16. Jahr- 
hunderts zurückführen lässt, die damals in Gmünden an 
der fränkischen Saale lebte. Einer seiner Vorfahren, der 
dem geistlichen Stande angehörte, latinisierte nach damaligem 
Brauch seinen deutschen Namen in Dieterici. Nach dem 
frühzeitigen Tode seiner Eltern nahm ihn ein in Magdeburg 
angestellter Oheim zu sich, der ihn die Buchdruckerkunst 
erlernen liess. Nach beendeter sechsjähriger Lehrzeit ging 
er nach Hamburg und einige Zeit darauf (1785) nach 
Berlin, wo er in der Deckerschen königlichen Hofbuch- 
druckerei Kondition erhielt. Mit etwas dichterischem Talent 
begabt f gewann er einen Kupferstecher zum Gönner, der 
viel in Neujahrswünschen machte; für diese verfasste er 
die kleinen Versehen, die ihm eine hübsche Nebenhilfe 
zu seinem kurz bemessenen Verdienst als Setzer erbrachten. 
Zugleich hatte er sich das Wohlwollen zweier vermöglichen 
kinderlosen Familien erworben, von denen er 1500 Thaler 
zu massigen Zinsen als Darlehn erhielt, mit denen er eine 
eigene Buchdruckerei gründete. Das vom königlichen 
Geheimen General-Direktorium erteilte Privilegium ist vom 
3. März 1789 ausgestellt. Bald darauf erfolgte seine Ver- 
heiratung mit einer vermögenden Bäckerstochter. Nicht 
lange nach Eröffnung der Druckerei wurde ihm der Druck der 
Vossischen Zeitung übertragen, der seine Existenz so 
ziemlich sicher stellte. Neben dem Buchdruckgewerbe war 
sein Streben insbesondere auf selbständigen Verlag gerichtet. 
So erweiterte Dieterici sein Geschäft immer mehr bis ihm 
das Unglücksjahr 1806 einen schweren Schlag versetzte, 
indem er als guter preussischer Patriot den Hass der 
französischen Gewalthaber auf sich gezogen hatte. Nach 
dem Sturz Napoleons wurde er in Anerkennung seiner 
treuen Anhänglichkeit an das Königshaus mit dem Druck 
der Rang- und Quartierliste der preussischen Armee betraut. 
Trotzdem ihm vom damaligen König Friedrich Wilhelm III. 
noch manche andere Gunstbezeugungen zuteil wurden, 
missglückten verschiedene Unternehmungen und hinzu- 
getretene körperliche Leiden Hessen den Verfall des Geschäfts 
befürchten. Nach dem Kriege hatte ein junger Buchhändler 
die Bekanntschaft der Dietericischen Familie gemacht und 
mit der Tochter derselben ein Verhältnis angeknüpft, das 
in der Folge zum Ehebunde führte. Sein Name war 
Ernst Siegfried Mittler. Auch dessen Stammbaum blühte 
schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Mittler wurde 
am 26. Juni 1785 in Halle geboren. Nachdem er einige 
Jahre das dortige Gymnasium besucht hatte, trat er bei 
einem Buchdrucker in die Lehre. Dies waren trübselige 
Jahre, die ihm die schwarze Kunst verleideten. Auf Anraten 
seines Onkels erlernte er deshalb die Buchhandlung. 

Nach mancherlei Wechselfällen kam er 1814 nach 
Berlin , wo er im nächsten Jahre durch Unterstützung guter 
Freunde eine kleine Buchhandlung errichtete. Die glücklich 
beendeten Befreiungskriege riefen eine in Preussen um- 
fängliche Militärlitteratur ins Leben und Mittlers erste 
Unternehmung war die Herausgabe des jetzt noch 



bestehenden Militär- Wochenblattes. Diese Litteratur bildet 
denn auch einen, bis in die neuere Zeit sich hinziehenden 
hervorragenden Zug des Mittlerschen Verlags, der in der 
Bekanntschaft hochstehender Militärpersonen reiche Unter- 
stützung fand. Am 14. Juli 1828 übernahm Mittler die 
Buchdruckerei seines Schwiegervaters, der sich zur Ruhe 
setzte und am 16. September 1837 im hohen Greisenalter 
sein Leben beschloss. Mittler hatte einen einzigen Sohn, 
der sich den Studien widmete, dann aber in Betracht der 
späteren Übernahme des väterlichen Geschäfts, in welches 
er am 27. Oktober 1848 als Teilhaber aufgenommen wurde, 
zum Buchhandel überging. Leider starb dieser in dem 
frühzeitigen Alter von 31 Jahren und mit ihm erlosch die 
männliche Linie Mittlers. Eine von Mittlers Töchtern war 
an den Hofstaatssekretär Theodor Toeche verheiratet, die 
aber, 31 Jahre alt, starb. Die Ehe war mit fünf Kindern 
gesegnet, von denen das älteste, Theodor Toeche, der jetzige 
Chef des Hauses, zum einstigen Nachfolger ausersehen 
war. Nachdem dieser das Gymnasium absolviert und sich 
dem Buchhandel zugewendet, wurde er auf den Rat eines 
Onkels, des Geheimen Rats Dieterici, veranlasst, die Studien 
wieder aufzunehmen und der zweiundsiebzigjährige Mittler 
musste noch weitere drei Jahre in der Geschäftsleitung 
ausharren. 1862 erklärte Mittler Dr. Toeche durch Zirkular 
als Geschäftsteilhaber und überliess ihm von da ab die 
ganze selbständige Leitung. Am 12. April 1870 beschloss 
Mittler sein thätiges und erfolgreiches Leben, hochgeehrt 
von seinem Fürsten, dem deutschen Buchhändlerstande 
und seinen Mitbürgern. 

Ganz besondere Teilnahme bezeugte er an der Ent- 
wickelung des litterarischen Rechtsschutzes und an der 
Bildung eines Unterstützungsfonds für Buchhandlungsgehilfen. 
1864 hatte er das 60jährige Jubiläum seiner Geschäfts- 
thätigkeit und 1866 das 50jährige seiner Selbständigkeit 
als Buchhändler gefeiert. Zu ersterem Jubiläum erfreute 
ihn König Wilhelm mit dem Roten Adlerorden 3. Klasse 
mit der Schleife und in letzterem Jahre erhielt er das 
Diplom als Hofbuchhändler, 1870 gelegentlich des 50jährigen 
Jubiläums des Militärwochenblattes dasjenige als Hofbuch- 
drucker und 1867 wurde er zum Ritter des Hohenzollernschen 
Hausordens ernannt. 

Auf dem Gebiete der Militärlitteratur, der wissen- 
schaftlichen, wie der geschichtlichen, steht der Mittlersche 
Verlag unerreicht da, insbesondere in letzterer Beziehung 
bilden die Generalstabswerke über die Kriege von 1864, 
1866 und 1870 den Glanzpunkt. Aber auch auf andern 
Gebieten, namentlich dem der Theologie, dem Unterrichts- 
wesen, der Medizin und der Volkswirtschaft (Verkehrs- und 
Versicherungswesen) nimmt er eine nicht minder geachtete 
Stellung ein. In technischer Beziehung zeichnen sich die 
Mittlerschen Verlagsartikel durch gediegene Ausstattung 
und Korrektheit aus, wovon auch das vorliegende, gediegen 
ausgestattete, mit den Porträts der Geschäftsinhaber und 
Abbildungen der schön ausgestatteten Geschäftsräume 
gezierte Werk einen jeden typographischen Kunstkritiker 
sicher befriedigendes Zeugnis gibt. 

Das Fest verlief in feierlichster Weise, unter Teilnahme 
der königlichen und städtischen Behörden, wie zahlreicher 
Privatkreise. Der Kriegsminister Bronsart von Schellendorf 
überreichte Herrn Dr. Toeche im Auftrage des Kaisers 
das Ritterkreuz des königlichen Hausordens von HohenzoUern 
und übermittelte die Glückwünsche der Armee und des 
Kriegsministeriums. Faktor Karl Stahl erhielt den Kronen- 
orden IV. Klasse und wurde von seinem Chef zum Prokuristen 

8* 



Zeilschriften und Bücherschau. — MaiinigfaltigeE. 



ernannt. Die übrigen, überaus zahlreichen Ehren erweisungen 
und deren UbermiUter hier aufzuführen, erlaubt uns leider 
der Baum unseres Heftes nicht; als ein Zeichen höchsten 
Ansehens und hüchster Anerkennung der Verdienste der 
Firma E. S. Mittler A Sohn müssen sie unzweifelhaft 
betrachtet werden. 



Zeitschriften und Büchersehau. 

— In der seit Neujahr in Leipzig erscheinenden 
ZeiUchrift für Deutschlands Buchdrucker, herausgegeben 
vom Deutschen Buchdrucker verein [verantwortlicher Schrift- 
leiter £. Wiener), scheiiit uns ein Organ erstanden zu sein, 
das3 die Interessen unseres Gewerbes in energischer 
Weise zu fördern gewillt ist, deshalb gewiss in den Kreisen 
der deutschen Buchdrucker allgemeine Beachtung verdient. 
Diese Zeitschrift erscheint jeden zweiten Sonnabend und 
ist durch alle Buchhandlungen. Postämter etc. des In- 
und Auslandes zu beziehen. Preis jährlich 8 M-, unter 
Kreuzband 9 M. Die Ausstattung (Druck von Breitkopf rf- 
Härtel] ist ei[ie einfach gediegene. 

~ t •Bureau-Blatt für den deutschen Buchhandel und 
die mit ihm verwandten Geschäftszweige«. Herausgeber 
und Verleger: Hemuinn Weisahach in Weimar. — Dieses 
Blatt soll dem der ersten Nummer vorangestellten Programm 
zufolge, dem praktischen Bedürfnis des gesamten deutschen 
Buchhandels gewidmet sein. Die erste Abteilung soll 
eingesandte Artikel unter der Hauptrubrik -Aus der Praxis 
— für die Praxis« bringen. Dieser folgen: Verzeichnis 
neuer Erscheinungen der buchhändlerischen Fachhtteratur, 
Firmenregister über neue, veränderte, erloschene Firmen etc., 
Verlags Veränderungen, Preisänderungen, Bezugsquellen und 
schliesslich Anzeigen. Das Bureau-Blatt erscheint monatlich 
einen Bogen gross Oktav stark und wird regelmässig bis 
auf weiteres an über 6000 Buch-, Kunst-, Musikalien-, 
Landkarten- und Antiquar iatsh and lungen gratis versandt. 
Durch die Post oder direkt von der Verlagshandlung 
bezogen kostet das Blalt vierteljährlich 50 Pf. 

— f »Anleitung zum Ordnen der Geschäfts papiere 
Von F. Soennecken.' F. Soenneckens Verlag in Bonn, 
Berlin und Leipzig. 18 S. gr. Oktav. Dass neben einer 
übersichtlichen genauen Buchführung ein systematisch 
geordnetes Aufbewahren der ein-undausgehendenGeschäfts- 
papiere eines der wichtigstenErfordernisseist, das wesentlich 
zum gedeihlichen Fortgang eines Geschäfts beiträgt, bedarf 
wohl keiner Frage, Die bisherigen Methoden des Aut- 
bewahrens von Briefen undRechnungen kann der Herausgeber 
durchaus nicht als zweckmässig anerkennen, indem er sie 
als viel zu umständlich und sogar zur Unordnung führend 
findet. Die seit einigen Jahren auch in Deutschland 
bekannt gewordenen Schritts tückordner in Brettform miigen 
dem Zweck eher entsprechen, aber sie stehen zu hoch im 
Preise, Es musste, um die Vorteile jener Einrichtung in 
ihrem ganzen Umfange der Geschäftswelt zugänglich zu 
machen die einfachere und zugleich handlichere Einrichtung 
eines Briefordners gefunden werden. Diesen Anforderungen 
soll nun Soenneckens patentierter Briefordner in Mappenform, 
der durch die obengenannte Firma, sowie durch alle 
Buchhandlungen zu billigem Preise zu beziehen ist, entgegen 
kommen. 



Mannigfaltiges, 



— Die Farbenfabrik von Bett <S- PhxUppi in Hamburg- 
Stassfurt bemustert unseren Lesern auf einet Beilage des 
vorliegenden Heftes einen lichtächten, lackierfäbigen 
Pariser Lack zu dem billigem Preise von 6 M. für trockene 
und Teigfarbe, und 3 M. für in Firnis angeriebene Farbe. 
Es ist ein schönes feuriges Rot , das ohne Zweifel als 
Ersatz für teuren Karmin und Karminlack dienen kann. 

— Wir fügen unserer gesamten Auflage eine ausführ- 
liche Preisliste von F. Soennecken» Schreibiearenfobrik in 
Bonn bei, worin ausser den rühmlichst bekannten Soennecken- 
schen Schreibfedern und Rundschrift federn, Abbildungen 
praktischer Federhalter, patentierter TintenISsser, zweck- 
mässiger Löscher, patentierter Briefordner, Kopierpressen 
und anderer sehr empfehlenswerter Schreib- und Zeichen- 
utensilien enthalten sind. 

— In den ersten Tagen des März hatte der Maschinen- 
fabrikant Gustav Maack aus Köln-Ehren fei d in Leipzig 
Engelena typenloae Seitmaschine, eine Art Typenprägmaschine 
ausgestellt, von der wir sagen mächten, es ist das Ei des 
Kolumbus, Wir behalten uns mangels Raum speaelle 
Beschreibung neiwt Abbildung für nächstes Heft vor; für 
heute wollen wir bemerken , dass die Maschine in ihrem 
Äusseren einer Linien seh neidmaschine gleichend, mittelst 
Stahlmatrizen die Typen zeilenweis erhaben in Holz prägt 
und, wie die nachstehende Probe beweist, leidlich scharf und 

Alexander Waldow, Leipz^. 

so genau Linie haltend, dass daran kaum etwas auszusetzen 
isL Auf sehr einfache Weise wird das glatte silbenweise 
Auslaufen erzielt. Wenn man bis ziemlich an das Ende 
der Zeilenbreile gekommen ist und sieht, dass man keine 
Silbe weiter hineinbringt, so nimmt man das geprägte, 
genau kegelstarke und schrifthohe Holzleistchen heraus und 
teilt es mittelst einer angebrachten Scheere zwischen den 
Worten, es je nach Bedarf im Winkelhaken aussperrend. 
Auf diese höchst einfache Weise sind die i'belständc aller 
bisherigen Matrizen Stanzmaschinen vermieden. Dass die 
Maschine die Zeilen in tadelloser Linie erzeugt, beweist 
obige Probe, Über die quantitative Leistungsfähigkeit 
können wir heute noch kein Urteil Tällen, Bemerkt sei, 
dass die Maschine auch Einfassungen sehr scharf und 
exakt stehend stanzt. Ihr Preis ist ein billiger. Auch 
darüber im nächsten Heft Genaueres. 

— An Schön- und Widerdruckmaschitien hat J. Missong 
jüngst eine bemerkenswerte Neuerung bewerkstelligt. Die 
Hauptmerkmale der Erfindung bestehen darin , dass der 
Schöndruckzilinder fest gelagert ist, der Widerdruckzi linder 
dagegen abwechselnd gehoben und gesenkt wird. Bei der 
älteren Konstruktion der Schön- und Widerdruckmaschine 
werden beide Zilinder abwechselnd gehoben und gesenkt 
Diese Konstruktion hat den Nachteil . dass die Bewegung 
der Zilinder nicht durch den Eingriff der an dem Form- 
fundament befestigten Zahnslangen in die an den Zilindem 
sitzenden Zahnräder erfolgen kann. Es ist deshalb nur 
bei vorzüglichster Instandhaltung möglich, den Druckzilin- 
dern eine Umfangsgeschwindigkeit z\i geben, welche mit 
der Geschwindigkeit der Form genau übereinstimmt. Die 
bereits früher vom Erfinder vorgeschlagene Konstruktion, 
wonach sich beide Zilinder in festen Lagern drehen, der 
Widerdruckzilinder und seine Form aber etwas höher liegen 
als der Schöndruckzilinder und dessen Form , vermindert 



137 



Mannigfaltiges. 



138 



fliesen Fehler, hat aber andererseits den Nachteil, dass 
die Durchmesser der Druckzilinder im Verhältnis zu der 
Grösse der Form zu gross werden und die Antriebsräder 
des Widerdnickzilinders nicht fest auf ihrer Achse sitzen, 
sondern abwechselnd mit denselben gekuppelt werden. Um 
diesem Mangel zu begegnen und gleichzeitig zu ermöglichen, 
dass die Druckzilinder von dem Formfundament aus durch 
den Eingriff an demselben befestigter Zahnstangen in an 
den Druckzilindem sitzende Zahnräder während der Druck- 
periode eines jeden Zilinders ihre Bewegung erhalten, wird, 
der Widerdruckzilinder während des Ganges der Maschine 
abwechselnd gehoben und gesenkt Die Zuführung der 
unbedruckten und die Abführung der beiderseitig bedruckten 
Papierbogen erfolgt in der gleichen Weise wie bei einer 
einfachen Druckmaschine. Missong hat sich obige Neuer- 
ung im Deutschen Reiche unter No. 46115 patentieren 
lassen und soeben das Patent auf die Firma Klein, Forst dt 
Bohn Nachf. in Johannisberg übertragen lassen. • o - 

— Die Wartung der Gasmotoren kostet keineswegs so 
wenig, als gemeinhin angenommen zu werden pflegt. 
Nach den vorliegenden Erfahrungen ist es meist nicht 
zulässig, für Gasmotoren weniger Bedienung als für die 
Dampfmaschinen zu rechnen; ihre Reinigung erfordert 
besonders dort, wo das Gas schlecht ist, viel Zeit und ist 
mit 100 Stunden im Jahr eher zu niedrig als zu hoch 
gerechnet. Die Reinigung der Dampfmaschine kann während 
des Anheizens der Kessel geschehen. Der Ölverbrauch ist 
bei den Gasmotoren etwa doppelt so gross als bei gleich- 
starken Dampfmaschinen. 0. 

— Der Kupferstecher, ein Meister der Radierkunst, 
Edmond Hedouin, ist Mitte Januar in Paris verschieden. 
Derselbe war im Juli 1820 in Boulogne-sur-Mer geboren, 
widmete sich anfänglich der Malerei unter der Leitung von 
Paul Delaroche, malte ländliche Scenen, brachte dann aus 
Algier eine Menge ausgezeichneter Studienblätter heim, von 
denen einige als Ölgemälde allgemeinen Beifall fanden, und 
wurde in den Jahren 1848 und 1855 »medailliert«. Im 
Jahre 1857 kaufte der Staat für das Luxembourg das 
Bild: »Ährenleser innen von C. Jambaudoin«. Allein von 
1860 ab ergab er sich ganz der Kupferstichkunst, legte den 
Pinsel nieder und ergriff die Radiernadel, mit welcher er 
sich in den 70er Jahren zu einem der ersten Meister 
Frankreichs aufschwang. Durch seine Illustrations- 
radierungen zu den »Evangelien« zu »Manon Lescaut«, zu 
»Voyage sentimental«, zu den »Confessions« etc. wurde er 
so berühmt, dass er bereits im Jahre 1872 eine »Medaille 
erster Klasse« empfing. Sein Hauptwerk, die Illustrationen 
zu »Moli^re« , erschien im vorjährigen »Salon« (1888) und 
wurde mit der grossen goldenen Ehrenmedaille gekrönt. 

— Aus London wird geschrieben: Dem »Newspaper 
Press Directory« für 1889 zufolge erscheinen gegenwärtig 
in Grossbritannien und Irland 2176 Zeitungen, von denen 
463 auf London, 1277 auf die englischen Provinzen, 89 auf 
Wales, 190 auf Schottland, 146 auf Irland und 23 auf die 
Kanalinseln entfallen. Von der Gesamtzahl von Zeitungen 
erscheinen 174 täglich, und zwar 133 in England, 6 in Wales, 
19 in Schottland, 15 in Irland und 1 in den Kanalinsehi. 
Die Zahl der Zeitschriften, einschliesslich der vierteljährlich 
erscheinenden, ist 1593, von denen über 400 religiöser 
Natur sind. 

— Die Lage eines Redakteurs schildert ein englisches 
Blatt mit folgenden Worten: »Die Herausgabe eines Blattes 
ist ein vergnügliches Ding, die besonders dem Redakteur 
allseitig Freude schafft und selbst viel Vergnügen macht. 



Enthält die Zeitung zuviel Politik, so ist das Publikum 
unzufrieden; wenn zu wenig, so will man sie nicht ansehen. 
Ist die Schrift gross, so ist nicht Inhalt genug für das 
Geld da; ist sie klein, so verdirbt man sich die Augen 
beim Lesen. Treten wir Jemand aufs Hühnerauge, so 
lachen die andern, während jener sich ärgert; kitzeln wir 
aber die anderen an einer verwundbaren Stelle, so schimpfen 
sie, und ersterer lacht sich ins Fäustchen. Loben wir 
Jemand, so sind wir parteiisch; thun wir es nicht, so sind 
wir es sicherlich auch wieder. Bringen wir einen Artikel 
der den Damen gefallt, so sagen die Männer, es wäre 
Gewäsch, befriedigen wir aber die Wünsche der Frauen 
nicht, so eignet sich das Blatt nicht für das Haus«. 



Von dem Artikel 

Der Buntdruck auf Buchdruckpressen 

erscheint wegen andauernder Krankheit des Herrn Alexatuler 
Waldow Fortsetzung erst im 5. oder 6. Heft, was wir unter 
diesen Umständen gütigst zu entschuldigen bitten. 

des Archiv, 



Besprechung von Druckarbeiten. 

Wir haben in letzter Zeit leider die Erfahrung machen 
müssen, dass unser Vertrauen in die Gewissenhaftigkeit der 
Einsender von Druckarbeiten zum Zweck der Begntachtung 
seitens einzelner Gehilfen getäuscht worden ist, indem man 
Arbeiten einsandte, die man nicht gesetzt oder gedruckt hatte. 
Femer mussten wir bemerken, dass von gewisser Seite 
durch häufiges Einsenden von Arbeiten lediglich der Zweck 
verfolgt wurde, Reklame für den Einsender zu machen, teils zum 
Bekanntwerden seines', Namens oder zu direkter Verwertung 
der Besprechungen bei Konditionsgesuchen. So schmeichel- 
haft es für uns ist, dass Gehilfen wie Prinzipale auf unser 
Urteil Wert legen, so kann es doch nicht unsere Absicht 
sein, Besprechungen zu diesen Zwecken zu bringen. 

Wir werden deshalb insbesondere die Besprechungen 
der Arbeiten von Gehilfen von jedem derselben nur halb- 
jährlich einmal unter den Anfangsbuchstaben der Namen und 
Beifügung des Ortes geben, müssen die Einsender auch 
dafür verantwortlich machen, dass sie uns nur selbstgefertigte 
Arbeiten mit Erlaubnis ihrer Prinzipale oder Faktore einsenden. 

Redaktion des Archiv. 



Briefkasten. 

Herren C. R. & Sohn, Oedenburg. Die gesandte Adresskarte, wie 
das Kuvert Ihrer Firma sind beides sehr anerkennenswerte Arbeiten. 
Der Druck ist sauber, die Farben frisch, das ganze Arrangement origi- 
nell. Die gesandte Rarit&t haben wir unserer Sammlung einverleibt. 
— Herrn S., Marburg. Wir können Ihnen auch für das eingesandte 
Programm eine gute Zensur erteilen. Satz und Druck sind bestens 
gelungen; warum nahmen Sie aber ein so wässriges, mattes Braun? 
Der beigelegte Zettel ist gleichfalls gut gesetzt und gedruckt. — Kol- 
lege in Köln. Für Einsendung der prachtvollen Rarität unseren Dank. 
Von dem Inhalt Ihres Schreibens haben wir Kenntnis genommen und 
teilen Ihre Ansicht über vieles darin Gesagte. Der Ansicht jedoch, dass 
Sie sich von der Wirksamkeit der neuerdings wieder gegründeten 
Innungen keinen Nutzen versprechen, können wir nicht beistimmen. Der 
Einfluss dieser Vereinigungen wird ohne Zweifel mit der Zeit auch 
Früchte tragen. Hier in Sachsen ist es z. B. einer Innung bereits 
gelungen, ein Verbot zu erreichen, dass Nichtinnungsroitglieder keine 
L ehrlinge halten dürfen. Wenn sie bedenken, dass sich doch zumeist 



Mannigfaltiges. — Annoncen. 



in Schril 



er LehrlingB sc 



ichligoi 



gCBSodte 



n anderen Fr*Ecn werden i 
en lassen. ~ P. S-, Schwib. Hall. Ihren Kniender beeprccher 
t noc h einmal, da wir Ihnen bereue fraher in aasrahrlicben 

unsera MeinuDf mitgeteilt baben; verlangen S\e aar nicht zi 
e nauh F'crligatellnaE der Kalenderscban eingetrotfenen Kartei 

beilee Lob. - M.'sche Bachdtuckerei, Bmneck. llii 



arte doa VersebCneinng- 
Vereins geeilt uns gnn: beaonders. Auf Ihrer Karle durfle der Initial 
nicht frei stehen. — Herrn Jakob K., Eckernflirde. F.« Freut uns, dass Sic 
■ichbelieirder Kritik, welche Sie Dber Ihre Atbei Ion verlangen, auf den 
riehligcn Standpunkt stellen; Sie haben das vorhandene Material echr 
hübsch und allen AnforderaDgen entsprechend verwendet. Nur die Karle 
Behrene zeigt viele MSngel, ist auch etwas zu gedrSngl gehalten und 
in eintCrmig in den Schriften; ein paar gotische etc. Zeilen wftren wohl 
znlässig gewesen. Ihr Titcleati ist gut, auch bezüglich der Sperrung. 
Dia gesandte ttBiilit ist ein Non plue ultra. — Herrn Faktor l-:^!. \V., 
Erfurt, nie gesandten neueren Arbeiten gefallen uns noch besser, H'io 
die früheren, welche Sie uns zugehen lieanen. Der Satz ist sehr 
gefillig hergeslelll, der Druck ist voriflglich. Wollen Sie uns hiebt den 
Kopf Ihrer Oflizin mit den Tonplatten zum Abdruck Im Archiv senden ? 
-Herrn Caelro Irmau. Lissabon. Wir freuten iine, ihren diesjährigen. 
wie immer gut gelungenen Mioiaturkalender wieder unserer »ammlnng 
einverleihen zu kfinnen. Verbindlichsten Dank, daas Sie uneercr 
Immer so freundlich gedenken. — Herrn A. R., Magdeburg. Ihr Giück- 

Ihnen voilrefllich gesetzte und von Herrn T. ebenso votlrelTlich gedruckte 
Arbeit, Da der Wunsch keinen Namen Itug, wurden wir erat nach Re- 



Inhalt d«a 4. Heftes. 



Rotations maschlnen, ~ Kin wicbliger Beechluss. ~ Schrirtprobenschau. 
— Satz und Druck nntorer Probeblilter. — loajahriges Jabilinm der 
Firma Mittler t Sohn in Berlin. - Zeitachrilten und BUcherichan. — 
Mannigfaltiges. — Annoncen. — AeeUenznuter 1h Text: Avis. 
Rechunngskopf. Briefkopf von h'rankenslein & Wagner. Adresskartc, 
Einladungskarte. — BeliageB: 1 Blatt Rech nun Kskapfe. — 1 BlatI 
GeBchäflsanzeige. — 1 Blall Schrirtprohe von Woellmer. — 1 Farben- 
probo von Beit t l'hilippi i Beilage von Soenneckens Vorlag. Bonn. 
Das Heft enthält im Ganzen S Beilagen. POr das Beiliegen der 
tremdcB Beilagen kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl nicht 
gataatlert werdea. 

Bezugftbedingungcn fSr da* Archiv. 

■mhelHn: In 13 Monalab enwi. IHrn 8 und « aev »l» Doppellien) jedwmal in 
der mien Houaltnorhe. mT" Kar koniuleiw i.lt-fl'rung, tnsbnuiiidHV voll- 
■taudl« Batlacan, kann aiirilen vor Bnchrlnen dce 3. Hrtua gaiiiJKbrlg At»n- 

BeauBBqusUe ; Jrde BurhllBniiliing : auch direkt vom Verlrgn- unter Kieuiband. 

u . . .:. ~'vi^ .. — 1 1^ — .... — : .^ij -p, p„,^ j,^ ,, _ ,jj1ji_ ponp. 

P.E«, ilrelap. 70 FT. De« blulltier 

Wlae sufbn. Brlrise v— -— — - -- 
iSjÄr. AI« P-' — -"- 




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S, Hohn Macfar. Jeh 



■^m Jinnoncen. ißäs- 



Sdirififiessersl-IIslieiier, 

Ein tüchtiger, mit dem Fach und 
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der findet dauernde Stellung. OfT. 
sub B. 2835 an Bndolf Moflse, 
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gewandt im geschäftlichen Verkehr,Kor- 
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AdminiHtrator einen im alädlisdien 
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eines Zeitungs Unternehmens einen Ver- 
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Seite. Eventuell würde derselbe bereit 
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Buchdruckerei thätig und linanziell zu 
beieiligen, auch könnte auf Wunsch der 
Rinthtt früher erfolgen. 

Herr Alexander Waldow. Leipzig 
wird die Güte haben, Offerlen entgegen 
zu nehmen. 




tfer neue Werk- oder Zeitungs-Sckriften 

anickaffemeiU.versäumenickt, sich franc6 
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Benjamin Krebs Nachfolger 

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Deutsch-englisch französische Monatsschrift f. d. internal. Verkeil) 

der gesamten Buchgewerbe. 

12 Nummern jährlich 4M., Anzeigen 40 Pf. die Zeile. 

G. Hedeler, Leipzig. 



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Knnst, Wissenschaft, LUnder- und Völherknude etc. Interessente 
wollen diesen Nachtrag von mir verlangen. 

Der Haupt-Katalog mit den früher erschienenen 7 Nachträgen wir 
Kum Preise von M. 36.20 abgegeben; vom Haupt-Katalog ist die Aui 
läge nur noch gering. 

gf^ Galvanische Niederschläge berechne ich zum Preis 
von 15 Pf. p. Qcm., gewähre aber gern bei grösseren Aufträgei 
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Brannschweig, im März 188». 



George Westertnann. 










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Pletgfwitz-Leipzig. 

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Redigiert und herausgegeben von Alexander Waldow in Leipzig. — Druck und Verlag von Alexander 'Watdon in Leipzig. 




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faßrift: f Ißerfelöfrppa^t 14. 






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Bernburg, den l. Januar 1889. 




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Mit der ergebenen Bitte um Berücksichtigung 
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Hochachtungsvoll 

Martin Walther. 







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No. 1042—1047. 



Blatt No. 296. 



Wilhelm Woellmer's Schriftgiesserei in Berlin. 



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I Cicero = 12 Punkte. 






26. Band. 



1889. 



Heft 5. 



Engelens typenlose Setzmaschine. 

äon der in Heft 4 unter der Rubrik -Mannig- 
: faltiges« nur mit einigen Worten gedachten, 
[ von Engelen erfundenen und von der 
Maschinenfabrik Gustav Maaek in Kö!n-Ehrenfeld kon- 
struierten typenlosen Setzmaschine, können wir heute 
unseren Lesern versproehenermassen die 
von der Vollansicht begleitete spezielle 
Beschreibung vorführen. Da die Setz- 
und Ablegemascbinen seit ihrem ersten 
Auftreten vor etlichen 40 Jahren nur 
wenige praktische Erfolge aufzuweisen 
haben, so fielen in der neueren Zeit 
erfinderische Genies auf die Idee, die Her- 
stellung von sogenannten glatten Druck- 
sachen durch Matrizen-Stanzmaschinen, 
welche die Typen in ihrer Reihenfolge 
mittelst Stahlstempeln in weiche Pappe 
prägten, die dann zu einer Matrize, in 
welche die Stereotypplatten gegossen 
wurden, auf schnellere und billigere 
Weise als nach der alten herkömmlichen 
Methode durch Handsatz zu bewerk- 
steUigen. In der That hat man es mit 
diesen Maschinen, die den Schriftgiesser 
mit seinem teuren Material gänzlich be- 
seitigen würden, ziemlich weit gebracht, 
wie dies z. B. die von Heinrich Hagemann 
in Berlin erfundene derartige Maschine 
beweist. 

Bei diesen war aber immer noch 
ein Stereotypplattenguss nötig. Nach 
dem von Engelen an seiner typenlosen vignett« von 
Setzmaschine aufgestellten Prinzip fällt 
auch dieser weg, indem der Satz mittelst vertieft 
geschnittener stählerner Matrizenstempel in schrift- 
hohe und mit dem Kegel der betrelTenden Schrift über- 



einstimmende Holzplättchen oder Leisten in die obere 
Himfläche erhaben geprägt oder gestanzt werden. 
Nach diesem Prinzip lassen sieh unmittelbar zum 
Druck fertige Kolumnen resp. Formen herstellen. 

ZurBesehreibungderMaschine selbst übergehend 
und dabei zugleich auf die Illustration verweisend, 
besteht sie aus sechs Hauptteilen: 1) dem, die Holz- 
plättchen in aufrechter Stellung führen- 
den Schlitten, 2) einem Zeiger oder viel- 
mehr Griff, mittelst welchem der Schlitten 
unter den zu stanzenden Stempel geführt 
wird, 3) dem das Stanzen bewirkenden 
Hebel, i) einem Stahlbogen mit den ver- 
tieft geschnittenen Typenstempeln, 5) zwei 
Schräubohen, durch deren Lösen die 
Typenstempel herausgenommen werden 
können, und 6) einer Hebelscheere mit 
welcher die Holzplättchen zwischen den 
Wörtern auseinandergeschnitten werden, 
um sie im Winkelhaken in gleichmässigen 
Zwischenräumen auszuschUessen. 

Um den Apparat in Thätigkeit zu 
setzen, spannt der Arbeiter ein auf zeilen- 
breite geschnittenes Holzplättchen in den 
Schlitten, nachdem er ihn an der mit 
dem vordem Ende verbundenen Kurbel 
vollständig hervorgezogen. Durch Drehen 
der Kurbel nach rechts, öffnet sich eine 
Klappe, welche das ungehinderte Ein- 
setzen des Holzplättchens in der Weise 
gestattet, dass es mit seinem vordem 
Ende an das vordere Ende des Schlittens 
stösst. Durch Zurückdrehen der Kurbel 
(auer i cie. nach Huks wiid es durch die Klappe fest 
ein. eklemmt. 
Soll das Stanzen beginnen, so wird der Schlitten 
mittels! des Ze ''ers 2 mit der rechten Hand unter die 
betreffende Bi .benmatrize, die auf dem Rande 



151 



Engelens typen lose Setzmaschin 



des Stahlbogens deutlich bezeichnet ist, geführt und 
mit der linken Hand der Hebel 3 fest herat^edrQckt. 
Nach Loslassen des Hebels schnellt dieser durch 
Federkraft von selbst empor. Mittelst einer sinnreichen 
Vorrichtung rückt der Schlitten mit dem Holzplättchen 
automatisch genau um die Breite des Buchstabens 
vor. Der Ze^er wird auf den nächstfolgenden Buch- 
staben gedreht und so fort. 

Damitdie Anfangsbuchstaben der einzelnen Zeilen 
genau untereinander zu stehen kommen, empfiehlt 
es sich, bei Beginn einer neuen Zeile jedesmal eine 
Ausschliessung zu stanzen, ebenso ist dafür zu sorgen, 
dass der letzte Buchstabe der Zeile nicht zu nahe an 



selben und der Bahn, in welcher er läuft, geschieht 
mit einem weichen Lappen, der mit ein wenig Petro- 
leum getränkt ist, und darauffolgenden Nachpolieren 
mit einem trocknen Lappen. Schmiermaterial darf 
Dicht angewendet werden, ausgenommen, aber nur 
seilen, an Scharnieren und Drehpunkten mit Öl bester 
Qualität. Überhaupt ist die Maschine so viel nur 
möglich vor Zutritt von Staub zu schützen und des- 
halb nach Beendigung der Arbeit gut zuzudecken. 

Wenn nach einiger Zeit die Buchstaben nicht 
mehr scharf und rein kommen, so ist das ein Zeichen, 
dass sich in den betreffenden Matrizen Holzpartikel- 
chen festgesetzt haben. Um diese zu entfernen, muss 



Engclens liponlase ScUmRSchlne. 



die Kante kommt. Wenn bis nahe an das Ende des 

Holzplättchens gestanzt ist, wird dies durch selbst- 
thätiges Ansehlagen eines Hammers angezeigt. Bleibt 
auf dem Plättchen noch ein kleiner Rest übrig, der 
kein ganzes Wort oder Silbe mehr aufnimmt, so wird 
es nach Herausnehmen aus dem Schlitten mit der 
Hebelscheere 6 zwischen zwei, drei oder noch mehr 
Wörtern auseinander geschnitten und die Zwischen- 
räume in der Weise im Winkelhaken verteilt, wie 
dies der Handsetzer thut. Dieses Ausschliessen soll 
weniger zeitraubend sein als wie bei Typensatz. 

Der Schlitten muss stets leicht und frei gehen; 
ist das nicht der Fall und zeigen sich überhaupt 
Unregelmässigkeiten in der gleichen Entfernung der 
Buchstaben voneinander, dann muss der Schlitten 
durch Lösen der ihn haltenden Spiralfeder frei gemacht 
und herausgenommen werden. Das Reinigen des- 



der Stahlbogen herausgenommen werden, was durch 
Lösen der kleinen Schrauben 5/5 geschieht. Man 
legt nun den Stahlbogen verkehrt auf einen Tisch, 
sodass die Matrizen nach oben hegen, und bürstet 
sie mit einer kleinen harten Bürste aus , dann wird 
mitemer Lupe nachgesehen, ob sieh noch Holzsplitter- 
chen versteckt vorfinden, welche mit einer feinen Nadel 
herauszustechen sind. Herausnehmen des Stahl- 
bogens und des Schlittens zum Zweck des Reinigens 
sollte jeden Morgen geschehen. 

Da sich beim Stanzen meist an den obern Kanten 
der Holzplättchen ein Grat bildet, so empiiehit es sich, 
an der Seite der Maschine einen Bogen feines Sand- 
papier auf dem Tische zu befestigen, um nach Been- 
digung einer Zeile den Grat darauf abzuschleifen; 
sowie eine Zeile gestanzt ist, ist sie durchzulesen und 
etwa darin vorkommende Fehler durch Aussehneiden 



153 



Engelens typenlose Setzmaschine. 



154 



und Richtigstanzen zu korrigieren und die Zeile in 
der angegebenen Weise auszuschliessen. 

Die Zeilen werden vom Setzer zu Seiten und diese 
zu Formen zusammengestellt und geschlossen, das 
Schliessen darf nur so fest geschehen wie bei Metall- 
schriflformen. Zum Waschen darf nur Terpentin zur 
Verwendung kommen. Zum Druck ist starke, aber 
fein verteilte Farbe in geringer Menge am geeignetsten. 
Von einer Form sollen bei sorgfaltiger Behandlung 
25000 Bogen abgedruckt werden können, was dadurch 
erklärlich wird, dass die in die Poren des Holzes ein- 
dringende fette Farbe dasselbe konserviert. 



Ihr Gewicht beträgt 15 Kilogramm un<J zu ihrer 
Aufstellung genügt ein kleiner Tisch. Der Preis der 
Engelenschen Setzmaschine ist 350 Mark. Dieser 
ist im Vergleich zu den Matrizenstanz- oder gar zu 
den Setz- und Ablegemaschinen ein höchst niedriger. 

Nach einem aufgestellten Kalkül werden für ein 
Jahr von 350 Tagen 700000 Holzplättchen im Werte 
von M. 2450 (pro 1000 M. 3.50) gebraucht. Für 
Setzen und Stanzen sind M. 5600 in Ansatz gebracht, 
zusammen also M. 8050. Da sich die Herstellung 
eines gleichen Quantums Handsatz, inklusive der 
Kapitalzinsen für das Schriftmaterial, auf M. 12000 



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Qjt>eaili0H^- Lje^cAci^'^» 



Rechnang ffir von der Schriftgieseerei Flinsch, die übrigen Zeilen von Ludwig & Mayer. 



Nach dieser Methode wird stets mit neuer Schrift 
gedruckt. Die Haarstriche der Buchstaben kommen 
zwar nicht so zart wie bei Metalltypen, aber das 
Lesen macht einen wohlthuenden Eindruck auf die 

Sngelen'S t^}).entofe €et[maf(l^ine« , 

Es ist allgemein bekannt, dass seit ungefähr 
bftxutmb'e SSerfud^e andeftcHl iQotbni finb, baS 6c$eii tet Xci% 
bedeutende Versucjbe angestellt worden sind, das Setzen der 



Augen, Steht ein späterer Wiederdruck zu erwarten, 
so lässt sich der Satz leicht aufbewahren. Ein wohl 
zu beachtender Vorteil besteht darin, dass die 
Anschaffung von Setzkästen, Regalen und mancher 
anderer Geräte und der von diesen in Anspruch 
genommene grosse Raum gänzlich wegfallt. 

Die Leistungsfähigkeit der Maschine wird, je nach 
der Gewandtheit des sie Bedienenden, zu 2000 bis 
3000 Buchstaben in der Stunde angegeben. 



belaufen würde, so würde sich eine Ersparnis von 
33,3 Prozent ergeben, die sich durch den so geringen* 
Lokalzins und einige andere Nebenumstände bis zu 
40 Prozent steigern dürfte. 

In der von der Firma ausgegebenen Beschreibung 
lassen sich manche gar nicht unwesentliche Einzel- 
heiten vermissen. So ist z. B. nicht gesagt, ob für 
jeden Schriftkegel und jede Schriftgattung eine eigene 
Maschine oder nur ein anderer Stahlbogen mit den 
betreffenden Matrizen erforderlich, oder ob nur andere 
Matrizen eingesetzt zu werden brauchen. Wie ist 
zu verfahren, wenn im fortlaufenden Satz Kursiv oder 
andere auszeichnende Schriften vorkommen? Wie 
steht es mit dem Einschalten von Rubriken? und 
wie ist es bei Leichen, Hochzeiten und grösseren 
Änderungen seitens des Autors oder Redakteurs, 
welche bei Typensatz das Umbrechen einer gewissen 
Anzahl Zeilen nötig machen, zu halten? 



9* 



L 



Welches ist die beste Zeit zum Walzengiessen V 



Welches ist die beste Zeit zum 
Walzengiessen? 

^^^in Buchdruckereibesitzer in Cincinnati behauptet 
^P@ in einem amerikanischen typographischen 
Journal, dass die geeignetste Zeit zum Walzengiessen 
das Frühjahr sei, wo strenge Kälte nicht mehr zu 
furchten und die Temperatur noch nicht zu starker 
Hitze neigl. Dies wäre für unsere Breitengrade Ende 
Februar und März. Später ist es nicht ratsam, wenn 



Ausser den erwähnten Vorzügen der im Frühjahr 
g^ossenen Walzen dauern diese auch bis in den 
folgenden Winter hinein, indem sie viel geschmeidiger 
sind als die Sommerwalzen. Al^esehen von den 
Störungen beim Drucken , welche unzuverlässige 
Walzen im Gefolge haben, gewährt diese Methode 
auch Ökonomische Vorteile. Sowie es eine günstige 
Jahreszeit für das Walzengiessen gibt, gibt es auch 
eine schlechte. Im August soll man keine Walzen 
giessen, noch weniger im September und am aller- 
wenigsten im Oktober. (Man rauss hierbei berück- 



(^o/. 



////• 



Vlgnett« uDd M<i[ly etc. von Ludwig t Miyer. Scbreiberbrift van Wilhelm Gronan, Galanterie e 



man dauerhafte Walzen haben will. Die Walzen 
werden natürlich so gegossen , dass sie , wenn sie in 
Gebrauch genommen werden, gleich gut arbeiten; sie 
trocknen dann allmählig aus, sodass sie im Sommer 
der Hitze widerstehen und nicht zu weich werden. 
Es ist hierunter nicht wirkliches Austrocknen zu 
verstehen, bei welchem die Walzen ihre Geschmeidig- 
keit, Elastizität und Zugkraft verlieren, im Gegenteil 
erreichen sie diese Eigenschaften in dem Grade, dass 
man das ideal einer guten Walze hat. Wenn eine 
Walze ausdauernd wird und dennoch die genannten 
Eigenschaften bewahrt, so kann man sie für durchaus 
zu verlässig halten, sie \virdsetbstbeihoherTemperatur 
ihre Dienste thun. sie wird weder zu weich werden, 
noch übermässig ziehen. Bei alledem wird voraus- 
gesetzt, dass der Walzengiesser ein in seinem Fach 
erfahrener Mann ist. 



sichtigen, dass Cincinnati 10 Grade südlicher liegt, als 
das mittlere Deutschland und wären sonach die 
genannten Monate auf Juli , August und September 
zurück zu verlegen.) Der Grund li^ einfach darin, 
dass für den Sommergebrauch die Walzen hart 
gegossen werden müssen. Nun sind aber harte 
Sommerwalzen nicht für den kalten Winter tai^Ucti ; 
Winterwalzen verlangen eine gewisse Geschmeidigkeit 
und Elastizität, überhaupt eine andere Zusammen- 
setzung in ihren Materialverhältnissen. Aus dem hier 
Gesagten ist einleuchtend, dass es dem Buchdrucker 
in ökonomischer Beziehung nicht gleichgiltig sein 
darf, zu welcher Jahreszeit er seine Walzen vom 
Fabrikanten kauf! oderselbstgiesst. NurDringlichkeils- 
fölle machen eine Ausnahme. 

Der Farbefabrikant erinnert den Buchdrucker 
daran, dass die Farbe der geringste Kostenpunkt bei 



Welches ist die beste Zeit zum Walzengiessen ? 



158 



einer einigermassen anständigen Arbeit sei und es 
daher besser wäre nur gute Farbe zu nehmen. Aber 
die Walzen kosten im Jährlichen Durchschnitt noch 
weniger als die Farben. Da aber gute Walzen die 



beste Empfehlung bei den Kunden. Jeder Buch- 
drucker weiss, dass jede neue Walze vor der 
Ingebrauchnahme erst eine gewisse Zeit ruhig stehen 
bleiben, sozusagen reif werden muss. Eine unreife 



imerlässlichste Bedingung für einen reinen Druck 
sind, sei die Farbe so vorzüglich wie sie wolle, so 
machen sich für alle Fälle taugliche Walzen am 
besten bezahlt; das Gegenteil war eine verfehlte 
Ökonomie, denn eine befriedigende Arbeit ist die 



Walze würde gar bald den Dienst versagen. Wie 
lange sollen sie aber stehen bleiben. Um dies zu 
beurteilen ist die praktische Kenntnis und Erfahrung 
in der Behandlung der Walzen der geeignetste Führer. 
Bei kaltem, trockenen Wetter können die W^alzen 



Welches ist die beste Zeit zum Wahengiessen? — SchriftprobenschaT 



unmittelbar nach dem Guss verwendet werden; sie 
werden dann schon fest und trocken genug, dass sie 
später bei höherer Temperatur nicht zu weich werden ; 
es genügt, frische Walzen jeden Abend zu reinigen 
und sie über Nacht an einen lufligen Ort zn stellen. 
Bei warmem feuchtem Wetter dagegen ist es vor- 
zuziehen, sie mit der Farbe bedeckt zu lassen, dann 
kann die Feuchtigkeit keinen Einfluss darauf ausüben. 
Sind die Walzen einmal zur vollen Reife gelangt, so 
lasse man Abends nach Beendigmig des Drucks die 
Farbe stets auf ihnen und wasche sie so selten als 
m^lich. Ist die Walze einmal genügend ausgetrocknet, 



Schriftprobenschau. 

Ei^mmer wieder wird dem Buchdrucker zur kunst- 
^^^ gerechten Ausschmückung seiner Arbeiten von 
den Schriftgiessereien neues Verzierungsmaterial 
geboten und der Fachpresse die Aufgabe gestellt, 
dasselbe in seinem Leserkreise einzuführen. So sind 
wir auch heute in der Lage, zwei bemerkenswerte 
Erzeugnisse zum Abdruck zu bringen. Von dem 
Erscheinen der Viktoria- Einfassung von A. Nmn- 
rieh & Co. (Leipzig), konnten wir bereits im vorigen 
Heft berichten, in gegenwärtigem bringen wir das 



Knverlanfdracfc, Einrusnngen vi 



. der Baaencben U 



i, Wilhelm Wotltmer, Julliu Klinkhkrdt, Benj. Knba Nkcbr. Ferd. TbsinhuHl 
ei. Schriften von Breodler « Marlilowilcy, Emil B«rger and Btnj. Krtba Nucbr. 



OmomeDte von Ladwig ± Mayer, 



n Schelter & Gietacke, BDgenBtQcke von Wilhelm Woellmf 



so bleibt sie es für immer und dies ist der Grund, 
warum sie im Zustande der Reife vor dem Einfluss 
der äusseren Luft durch Farbe zu schützen ist. Sind 
die Walzen neu oder ist die Witterung ungunstig, so 
lege man sie mißlichst in die Maschine, um zu starke 
Reibung zu verhindern. 

Die vorleilhaftesteÖkonomie für den Buchdrucker 
in Bezug auf Walzen ist, stets genügenden Vorrat 
davon zu haben und zwar von solchen, die zu jeder 
Jahreszeit brauchbar sind. 



Figurenverzeichnis. Bei Betrachtung der schönen 
Formen dieser Einfassung kann man sich nur der Über- 
zei^ung hingeben, dass dieses Ziermaterial seinen W^eg 
in die Werkstätten unserer Kunst leicht finden und dort 
seinen Platz sicher behaupten wird. Die Anwendung 
der Viktoria-Einfassung ist eine ziemlich einfache, so 
dass auch der weniger begabte Setzer schwerUch mit 
ihr grosse Kompositionssünden begehen wird. 

Mit der Herausgabe der Rococco-Einfassuttg 
von Wilhelm Woelbners Schriftgiesserei gedenkt 
diese Firma jedenfalls einem gewissen Zuge unserer 
Zeit entgegenzukommen. Die schönen aber strengen 
Formen der Renaissance wurden dem Publikum nach 
kurzer aber absoluter Herrschaft gleichgültiger, man 
fand sie zu eintönig und verlangte nach lebhafteren 




Enj« Egypdemie Ton J. G. Scbelter & Giesecke In lelpilg. 

No, IBM, Cicero (IS P.).t SB a 15 A. 1,8 Kilo. 

Sei Kaiseremzog zur Feier der BHUNISTEINIiEGDlIG des SeictisgeriGtits za Leipzig 

Ko. I£59 Tertia (Ifi P.).t SO a 13 k. a,i Kilo. 

LEIFZm Die Beise m die Welt in 80 Tagen BEBIIH 

No. 1B60. Text (M P,).t SC« 11 A. S,7 Kilo. 

ffinMd des Vereins KLOFFHOLZ am 12. Felrnar 1889 

Ko. laei. ü Cicero (il F.).t IBa 8A. t.' Kilo. 

Buctekerei iinil TERLAIiS -ANSTALT von Karl Seyferth 

No. isea. 4 Petit (Sä P.).t U & A A. 3 Kilo. 

ULM M von Hiros Söhne WEN 



Ko. 1163. S Cicero (»0 P.j.f 10 a i A. S,6 Kilo. 



V. 



No. IS«1. aV«. Cicero (K P.l.f 8« tA. 3,9 Kilo, 



Dramaiscbe FOEl id 

No. 1861. *V" Cicoro (It P.).t " a 3 A. 5 Kilo. 

Bericht aus 




Kckon und Linien von P. A. Brockhaua in Leipzig. 



X'^^i^l^^i£^i^^:^^^::^i^^:^£i^^i^^i^^i^S^i^l^i&^^^i^^^ä^^l^^^i^mi^^i^^immi^^m^^m& 




^5^.7^S^^.5^,^-T;5rv5/T^-r'/5/.gn^'iyN2<ij^.g>^^ 



167 



Schriftprobenschau. — Satz und Druck unserer Probeblätter. 



168 



Formen. Diese Geschmacksströmung hat nun auch 
dem Buchdrucker bereits verschiedene Neuheiten zu 
seinem Verzierungsmaterial gebracht. Eine der 
bemerkenswertesten Erscheinungen ist jedenfalls die 
vorliegende Rokoko-Einfassung. Die Figuren derselben 
sind mit wenigen Ausnahmen in der Zeichnung und 
auch im Schnitt wohlgelungen und bei sinngemässer 
Anwendung werden sie sicher mancher Drucksache 
zur Zierde gereichen. Mit der kunstgerechten Ver- 
wendung ist es freilich eine eigene Sache. Je mehr 
im Satz die Komposition von der rechtwinklichen 
Form abweicht, um so mehr steigern sich die 
Schwierigkeiten für den Setzer. Dass es bei der neuen 
Einfassung solche Schwierigkeiten gibt, beweist am 
besten das von der Giesserei herausgegebene grosse 
Probeblatt. Wir werden demnächst Gelegenheit 
haben, die Rokoko-Einfassung auf unseren Probe- 
blättern in günstigem Lichte vorzuführen. 

Ein Erzeugnis für den täglichen Bedarf ist die 
uns von der Schriftgiesserei J. G. Scheiter <& Giesecke 
für das Archiv überlassene Enge Egyptienne, Zur 
Empfehlung dieser Schrift bedarf es weiter keiner 
Worte, dem praktischen Buchdrucker empfiehlt sie 
sich selbst. 

An die Reichsbehörden ist die Weisung ergangen, 
fortan eine neue Zeichnung des Reichsadlers zu 
benutzen. Gegenüber der mehr naturalistischen Auf- 
fassung der bisher gebräuchlichen Form zeigt der- 
selbe eine heraldisch strengere Durchführung. Der 
Kopf ist feiner und der Hals stärker gebogen. Der 
Brustschild ist kleiner und strenger in der Form , die 
Ordenskette kreisförmig um den Hals gehängt. Die 
Kaiserkrone hat ein wesentlich verändertes Aus- 
sehen dadurch erhalten, dass die den Stirnreif bilden- 
den SchUdchen nicht nach aussen geneigt, sondern 
senkrecht gestellt sind. 

Dieser Adler wird von der Firma Trowit^sch & 
Sohn in Berlin^ wie vorstehend abgedruckt, in Gal- 
vanos von 2 V« bis 10 Cicero abgegeben , kann auch 
durch die Firma Alexander Waldow in Leipzig zu 
Originalpreisen bezogen werden. 

Von der Schriftgiesserei Bauer dt Co. ging 
uns die soeben fertiggestellte Oktavprobe ihrer 
sämtlichen Erzeugnisse zu, deren Ausstattung (Druck 
der Hofl&nannschen Buchdruckerei in Stuttgart) die 
vollste Anerkennung verdient; namentiich ist der 
Titel eine prächtige, solide Arbeit des in Fachkreisen 
wohlbekannten Herrn August Kirchhoff. Über den 
Inhalt lässt sich nur Rühmliches sagen. Die Bauer- 
schen Brotschriften gemessen einen Weltruf und was 
die Titel- und Zierschriften betrifft, so muss man 
zugestehen, dass zumeist nur wirklich Wertvolles 
und Gutes aufgenommen wurde. An Einfassungen 



und sonstigem Ziermaterial liefern Bauer & Co. 
bekanntlich mit das Beste, was in dieser Beziehung 
den Buchdruckern geboten wurde. Den Schluss der 
Probe bUdet eine reiche Auswahl von Vignetten , die 
einen Vergleich mit ähnlichen Erzeugnissen durchaus 
vertragen können. Bezüglich der Innern Einrichtung 
des Probebuchs wollen wir schliesslich der Neuerui^, 
von den verschiedenen Schriften und Einfassungen 
praktische Anwendungen vorzuführen, unsern Beifall 
aussprechen. 

Ein Musterbuch von Schriften und Einfassungen 
grössern Bildes erhielten wir von der Ersten Mann- 
heimer Holztypenfahrih^ Sachs & Co, in Mannheim. 
Die Erzeugnisse dieser Firma sind seit vielen Jahren 
als die besten ihrer Art bekannt und geschätzt , dazu 
ist die Auswahl eine solch reichhaltige, dass der 
Buchdrucker wohl in jedem Falle seinen Bedarf zur 
Befriedigung decken kann. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

[latt Q unserer heutigen Proben ist eine Arbeit 
der Pier er sehen Hofhuchdruckerei^ Stephan 
Geibel & Co. in Altenburg, resp. des unseren Lesern 
wohlbekannten ersten Accidenzsetzers derselben 
Herrn Waizulüc. Die Schriftgiesserei Berger hatte die 
Güte , den Mitdruck dieser fiir sie bestimmten Karten 
für unser Archiv zu gestatten, wofür wir derselben 
hiermit unsern besten Dank sagen. Die auf dem 
Blatt enthaltenen Karten entsprechen in ihrer Gesamt- 
ausführung wieder der von der genannten Offizin 
resp. Herrn Watzulik vertretenen Geschmacksrichtimg, 
die sich durch freieste , eigenartigste Satzausfuhrung 
und originelles Kolorit auszeichnet und durch ihre 
Exaktität und Sauberkeit die gediegene Arbeitsweise 
der Piererschen Hof buchdruckerei dokumentiert. 

Auf Blatt W kam ausschliesslich die schöne 
Barocco-Schreibschriß von Gerussch <& Heyse in An- 
wendung. Wir glauben dieselbe durch gefallige 
Gruppierung der Zeilen und zusammengehörigen Sätze 
unseren Lesern in besonders empfehlender W^eise 
vor Augen geführt zu haben. Bei dieser Gelegenheit 
sei bemerkt, dass diese Schrift nicht, wie wir in Heft 4 
angaben, eigenes Erzeugnis der Herren Genzsch & 
Heyse ist, vielmehr wurden die Matrizen von der 
Firma Jules Hönaffe in Paris erworben. Die auf der 
Karte 1 verwendete Vignette und die kleinen Blei- 
zierlinim lieferten Schelter & Giesecke, die neben 
Hamburg stehende Verjs^ierung^ sowie den Zug an der 
Hauptzeile der Karte 2 Ludwig ä: Mayer, die Ornamente 
an den seitlichen Sätzen der Karte 2 Gronau^ die 



169 



Satz und Druck unserer Probeblätter. — Zeitscbriften und Bücberschau. 



170 



Schmale Accidenzantiqua > Violettschwarz« B. Krebs 
Nach/. Gedruckt wurde das Blatt mit Violett- 
schwarz von Käst d: Ehinger in SttUtgart-Feuerbach. 

Blatt BB unserer heutigen Beilagen führt unseren 
Lesern neueste Erzeugnisse von J, G. Schelter dt 
Giesecke vor und zwar die Neuesten Schreibschriften 
und eine reich verzierte Brießeiste, welch letztere 
einer umfilnglichen, eben fertig gewordenen Vignetten- 
und Polytypensammlung entnommen ist und die so 
viel des Schönen, Gediegenen und Originellen enthält, 
dass einem die Wahl schwer wird. Wir werden 
durch die Güte der Herren Schelter & Giesecke in 
den Stand gesetzt sein, unseren Lesern Proben dieser 
Vignetten vorzuführen und unser Lob durch den 
Augenschein zu b^ründen. 

Die angewendete Neue Schreibschrift zeichnet 
sich durch klaren, exakten Schnitt und höchst gefälüge, 
schwungvolle Formen in vorteilhafter Weise aus. 
Sie gehört ohne Zweifel zu den Schönsten, jetzt 
existierenden. Wie unsere Leser auf der Probe 
bemerken werden, hat die Giesserei zu denselben 
Versalien zwei verschiedene Grössen von Gemeinen 
geschnitten, eine Einrichtung, die zweifellos manche 
Vorteile bietet. 

Wir gaben unseren Lesern bereits im vorigen 
Jahrgange Proben von Accidenzsätzen in dem jetzt 
in Amerika massgebenden Geschmack; heute ver- 
mehren wir diese Beispiele durch ein weiteres, an 
dem auch der Geschmack zu erkennen ist, in welchem 
die Amerikaner ihre Arbeiten zu kolorieren pflegen. 
Wie sehr dieser Geschmack, sowohl bezüglich der 
Satz-, wie der Druckausführung von dem unseren 
abweicht, lässt sich wohl kaum besser anschaulich 
machen, wie durch unsere Beilage T, die bei Haight 
<& Dudley in Poughkeepsie, N Y. gedruckt, alle 
Eigentümlichkeiten des amerikanischen Accidenz- 
satzes und Druckes zeigt. Wenn wir uns enthalten, 
Kritik an derselben zu üben , so geschieht dies , weil 
wir dem Prinzip huldigen, die Eigentümlichkeiten der 
verschiedenen Nationen im Accidenzsatz voll und 
ganz gelten zu lassen. Beste Anerkennung verdient 
die Exaktität und Sauberkeit des schwierigen Satzes 
und das gefaUige, originelle Kolorit, das durch die 
vortrefflichen Leistungen der altbewährten und ge- 
diegenen ffldberty^^'Tiegeldruckfnaschifie in 
bester Weise zur Geltung gebracht ist. 

Diese Probe, wie die unseren, dem Heft bei- 
liegenden, die beide gleichfalls auf der Z/i&erfy gedruckt 
wurden , geben wieder einen überzeugenden Beweis 
von der Brauchbarkeit dieser einfachsten, dabei 
bequemsten aller Tiegelmaschinen, deren neueste 
Verbesserungen ihr auch in Zukunft die Anerkennung 
der Buchdrucker aller Weltteile sichern werden. 



Zeitschriften und Büchersehau. 

— Der aweite Band der von der Direktion der Beiclis- 
druckerei herausgegebenen Sammlung von Rdndeinfassungen, 
Initialen und Zierleisten ging uns durch die Güte des 
Direktors der Reichsdruckerei, Herrn Geheimen Ober- 
Regierungsrat Busse in diesen Tagen zu. In erhöhtem 
Masse erregt dieser interessante Band die Bewunderung 
des Fachmannes, denn alles darin Enthaltene zeigt jenen 
Stempel des einfach Gediegenen, wie man solches nur 
an wahren Meisterwerken findet. Einfache, uns oft als 
bekannt anheimelnde Motive sind hier mit einer Klarheit 
und Exaktität wiedergegeben, dass man sich an ihnen 
wahrhaft erfreuen kann, und ihr Beischmuck, mobile Strich- 
linien, stumpffeine, fette Linien etc. etc. sind mit so grosser 
Exaktität angefügt, dass man das Vorhandensein von solch 
mobilem Ergänzuugsmaterial nur erkennt, wenn man es 
mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet. Der Stand der 
Ecken und sonstigen Zusammensetzungen ist ein ganz 
ausserordentlich genauer. Die vorhandenen mehrfarbigen 
Blätter zeichnen sich durch herrliche Wahl der Farben, 
reinsten Druck und bestes Register aus. Besondere 
Erwähnung verdienen noch die zahlreich vorhandenen 
Schriftproben von Schwabacher- und Renaissance-Schriften, 
von Initialen wie von ganzen Adressen in vorzüglichster 
Ausführung. Dieser zweite Band ist wieder eine Meister- 
leistung unserer Reichsdruckerei. 

— Jahrbuch für Photographie und Beprod/uktionstechnik, 
III. Jahrgang, II. Teil, herausgegeben von Prof. Dr. Josef 
Maria Eder. Halle a. S. 1889. Druck und Verlag von 
Wilhelm Knapp. Preis 8 M. Der Herausgeber dieses 
Werkes ist einer der berufensten Vertreter der photo- 
graphischen Wissenschaft und besonders durch sein grosses 
vierbändiges Handbuch der Photographie rühmlich bekannt. 
Die Art, wie er in seinem >Jahrbuch« die Fortschritte und 
Leistungen des abgelaufenen Jahres auf photographischem 
Gebiet zusammenfasst, ist mustergiltig und sollte auch 
anderen in ähnlich rascher Weise fortschreitenden Gebieten 
der Technik als Vorbild dienen. Wertvolle Mitteilungen, 
die in einzelnen Veröffentlichungen verstreut wurden, sind 
hier sorgfältig gesammelt und ihrem wesentlichen Inhalt 
nach wiedergegeben, hauptsächlich finden sich aber auch 
Originalaufsätze bekannter und tüchtiger Fachleute in 
überraschend grosser Zahl. Der Reproduktionstechnik 
wurde breiter Raum gewidmet und alle wichtigeren 
Verfahren derselben sind durch 50 in einer Mappe ver- 
einigte Proben veranschaulicht. Dadurch bekommt der 
Leser ein klares Bild von den Leistungen und der Eigenart 
der einzelnen zum Ersatz des Holzschnitts und Kupferstichs 
bestimmten Verfahren. Für unsere Leser dürften folgende 
Aufsätze besonderer Beachtung wert sein : Entstehung und 
Entwickelung der Hochätzkunst von Carl Angerer in Wien. 
Haberditzls Methode zur Herstellung eingebrannter Email- 
photographien mittelst Lichtdruck. (Mitteilung aus der 
K. K. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und 
Reproduktionsverfahren.) Lichtdruck von W. Cronenberg 
in Grönenbach, bayer. Algäu. Expresstypie von W. Cronen- 
berg in Grönenbach, bayer. Algäu. Eine Druckmethode 
für verschiedene Gravuren und Druckzwecke von Joseph 
Lemling, Marmagen, Urft (Köln-Trierer Bahn, Rheinland). 
Ätzgrund und Ätzen auf Kupfer und Zink von Victor Jasper 
in Wien. Der »Ton« beim Lichtdruck an den gedeckten 
Stellen im Negativ von August Albert in Wien. Über 
Papier für Lichtdruckzwecke von Max Jaff^, K. K. Fachlehrer 

10* 



171 



Zeitschriften und Bücherschau. — Mannigfaltiges. 



172 



au der Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und 
Reprodüktionsverfahren in Wien. Clair obscur -Druck von 
C Angerer & Göschl in Wien. Beitrag zur Geschichte der 
Photozinkographie und Photolithographie von F. Springmann 
in Rainfeld. Die Leimtypie von Prof. Jakob Husnik in Prag. 
Über Papier zu Kunstdruck von G. Fritz, K. K. Inspektor 
der Hof- und Staatsdruckerei in Wien. Photomechanische 
Reproduktion und Verleger von A. M. Konody in Wien. 
Über Autotypie und Zinkätzungen von Ad. Türcke. Vorstand 
der chemigr. Abteilung der Buchhandlung L. Auer, Donau- 
wörth (Bayern). Die Verlagsanstalt von Franz Hanfstaengl 
in München. Autotypie von Ludwig Schrank. Ein neues 
Buchdruckverfahren (für Illustrationen) von Dr. C. Stüren- 
burg in München. Zinkhochätzung mittelst des Asphalt- 
verfahrens. Herstellung von Lichtdrucken und Photographien 
auf Bein, Steinnuss. Elfenbein etc. von Max Brandt in 
Gössnitz in Sachsen. Zur Geschichte der Photozinkotypie 
in Halbton-Manier von M. JafT^ in Wien. Die Angaben des 
Textes werden durch 124 Holzschnitte erläutert, während 
die Proben neuerer Wiedergabe-Verfahren auf besonderen 
Tafeln in einer Mappe beigegeben sind. Eine Anschauung 
von der Bedeutung der vorliegenden Arbeit gewährt der 
Umstand, dass 96 Originalbeiträge, sämtlich sehr wertvoll 
und interessant, darin veröffentlicht sind, selbst die zurück- 
haltenden Mitteilungen der Fabrikanten bringen manche 
schätzbare Aufklärung. Eine reichhaltige Sammlung von 
Tabellen mit physikalischen und chemischen Angaben, 
femer Formeln und Rezepte für photographische Operationen 
bilden einen besondern abgetrennten Teil. Alle Gewerbe- 
treibenden, welche mit Photographie und den hiermit 
zusammenhängenden Reproduktionsverfahren irgendwie in 
Berührung kommen, finden in dem Werke wertvolle und 
für die Praxis nutzbare Aufklärungen, Freunde der Photo- 
graphie und ihrer graphischen Zweige fachgemässe, dem 
gegenwärtigen Stande der Technik entsprechende Belehrung. 
Für Fachleute ist das Werk mit seinen bestimmten, sorg- 
fältig geprüften Angaben ein sehr schätzbares Hand- und 
Nachschlagebuch. 



Mannigfaltiges. 



— Jubiläen. ÖQjähriges: Am 5. Februar der Maschinen- 
meister Fram Klüss in Lübeck. — Am 9. März die Buch- 
und Steindruckerei C. F. Leich in FürstentccUde, — Am 
23. März begingen in der K. K. Hof- und Staatsdruckerei 
zu Wien nicht weniger als 11 Personen die Feier des 
50jährigen Jubiläums. Unter diesen Jubilaren finden sich 
auch 1 Setzer und 2 Drucker und zwar sind dies die Herren 
F. Dealoges, Fr. GeUa und F. Hintertoäldner. — Am 25. März 
der Schriftsetzer Heinrich Wachsen in Berlin. — Am 25. März 
der Buchdrucker A. Cletcer in der Buchdruckerei der 
»Kölnischen Zeitung«, woselbst er seit 37 Jahren thätig ist. 
— Am 2. April der Buchdruckereibesitzer JoJia, BctÜigens 
in Lübeck. — Am 4. April der Buchdruckereibesitzer G. F. 
Grunert in Berlin. — 40jährige8: Am 1» März der Redakteur 
des Zwickauer Tageblatts und Anzeigers August Springer, 
als Buchdrucker zugleich das 25jährige Jubiläum seiner 
Thätigkeit im Geschäft der Firma C. A. Günther jetzt 
C. A. Günthers Nachf. — 25 jähriges: Am 20. März der 
Faktor Eduard Hartz in Kiel. — Am 4. April der Setzer 
Otto Hornoff in Pirna i. S. 



— Gestorben. Am 3. Februar der Buchdruckereibesitzer 
Friedr. Lintz in Trier. — Am 16. Februar der Teilhaber 
der in weitesten Kreisen bekannten Offizin C. G. Böder zti 
Leipzig-Beudnitz Herr Christian Erdmann Max Bentsch; 
derselbe gehörte der Firma seit 1872 an. — Am 14. März 
der Buchdruckereibesitzer Louis Ferber in Offenbach. — Am 
20. März der Buchdruckereibesitzer Joh. Gustav Bär in Leipzig, 
Mitinhaber der Firma Bär & Hermann daselbst. Der Ver- 
storbene hatte sich durch Fleiss und Energie eine eigene 
Buchdruckerei gegründet und associierte sich später mit 
dem Buchhändler Hermann. In hohem Masse hatte er sich 
auch die Achtung seiner Prinzipalskollegen, sowie die seiner 
Gehilfen erworben, was wohl die verschiedenen Ehren- 
ämter, welche er stets gewissenhaft verwaltete, beweisen. 
— Am 25. März der Buchdruckeroibesitzer Hermann Samuel 
Hermann in Berlin; derselbe hatte es verstanden, seine 
Offizin von Jahr zu Jahr derart zu vergrössern, dass sie wohl 
jetzt mit zu den grössten Berlins gezählt werden muss. — Am 
27. März der Buchdruckereibesitzer G. A. W. Tappe 
(Firma J. Hoerlings Wwe.) in Halberstadt. — Am 1. April der 
Verleger der Nordhäuser Zeitung Buchdruckereibesitzer 
Theodor Müüer, einer der grössten Industriellen Nordhausens. 

— Geschäftliches. In die Firma Dietssche Hofbuch- 
druckerei in Kdburg ist Herr Gustav Besser daselbst als 
Teilhaber eingetreten. — Die Buchdruckerei von Hopp- 
staedter d- Ko. mit dem Verlage des Rhein.-Westf. Tage- 
blattes in Bochum wird am 1. Mai in eine Aktiengesellschaft 
umgewandelt. — Die Buchdruckerei und der Verlag des 
Crimmitschauer Anzeigers und Tageblattes ist am 1. März 
an die Firma Schukies <f- Böttcher übergegangen. 

— Unermüdlich thätig für den Absatz ihrer schwarzen 
und bunten Farben ist die Fabrik von Beit d: Fhäippi 
in Hamburg-Stassfurt. So hat sie neuerdings wieder eine 
elegant ausgestattete Mappe versandt, welche die ver- 
schiedenen Sorten ihrer Farben in Abdrücken von pracht- 
vollen Illustrationen wiedergibt und den augenscheinlichen 
Beweis dafür liefert, dass dieselben in der That die 
Beachtung der Buchdrucker verdienen. Alle Sorten, selbst 
die billigen, zeigen, dass die Fabrikation sorgfältig und mit 
Verständnis betrieben wird, denn die Stöcke geben sich 
rein, gut gedeckt und in schönem, tiefschwarzen Ton 
wieder. Auch die gegenwärtig so beliebten Illustrations- 
farben: Blau-, Violett-, Grünschwarz etc. sind in der 
Mappe in vortrefflichen Abdrücken von Autotypieplatten 
vertreten und repräsentieren mit den Holzschnittdrucken 
zusammen eine Sammlung, die wolil der näheren Prüfung 
wert ist und zu dem Zweck auch unseren Lesern hiermit 
bestens empfohlen sei. 

— Engelens typenlose Setzmaschine. Nachdem der erste 
Bogen dieses Heftes, die Beschreibung von Engelens Maschine 
enthaltend, gedruckt war, erhielten wir Nr. 27 des bei 
Franz Greven in Köln gedruckten und in dessen Verlag 
erscheinenden Witzblattes »Alaaf Köln«; diese Nummer ist 
bezüglich des glatten Textes (ca. 7V* Seite) ganz auf 
Engelens Setzmaschine hergestellt, beweist sonach, dass 
die Maschine bereits in praktischer Weise Verwendung 
findet. Wir müssen gestehen, dass das Aussehen der 
Nummer sowohl bezüglich des Satzes oder richtiger 
bezüglich des Stanzens der Zeilen, wie auch bezüglich des 
Druckes kein übler ist. Besonders gibt die Nummer den 
Beweis, dass der Erbauer Recht hat, wenn er sagt, dass 
die gestanzten Holzzeilen sich in Massen aneinanderstehend 
besser drucken, wie vereinzelt. Die Raumverteilung zwischen 
den Worten lässt mitunter, doch tiicht allzuoft und störend 



173 



Mannigfaltiges. 



174 



zu wünschen übrig, ein Übelstand, den aber wohl nur das 
Auge des Buchdruckers herausfinden wird. Wir können 
nicht umhin, dem Erfinder hiermit unsere Anerkennung für 
seine vortreffliche Idee auszusprechen und unsere Leser 
auf die Maschine aufmerksam zu maclien; sie verdient mit 
vollem Recht Beachtung. Bemerkt sei noch, dass die in 
unserem Artikel selbst gegebenen Schriftzeilen und Ein- 
fassungen auf der Maschine gestanzt worden sind. 

— Der SMusstemUn für Anmeldungen zur Mess-Fach- 
Ausstellung des mitteldeutschen Fapiervereins ist auf den 
18. April a. c. festgesetzt, während die Ausstellung selbst 
vom 2. bis 5. Mai a. c. zu Leipzig in den Räumen des 
»Eldorado«, PfaiTendorferstrasse , stattfmdet. Die Gebühr 
für Aussteller beträgt 5 M., Meldekarten und Prospekte 
sind von Otto Winkler, Papierprüfungsanstalt, Leipzig und 
Paul Hungar, Geschäftsbücherfabrik, Leipzig, erhältlich. 

— Klagen über den grossen Gasverbrauch von Gas- 
motoren gaben in den letzten Sommermonaten der techno- 
logischen Versuchsstation des königl. bayerischen Gewerbe- 
museums Veranlassung, einige Untersuchungen vorzunehmen, 
welche das folgende Resultat hatten: Eine einpferdige 
Gasmaschine wurde gebremst und zeigte hierbei einen 
thatsächlichen Gasverbrauch von 1300 1 nach Stunde und 
Pferdestärke, während der normale Gasverbrauch dieser 
Maschinen 1000 l nicht wesentlich überschreiten soll. 
Man suchte den Ursachen dieses hohen Gasverbrauches 
nachzugehen und es fand sich, dass die Gasuhr (Gasometer) 
in einem 25 Grad Celsius warmen Raum aufgestellt war; 
zugleich zeigte das Barometer einen Stand von 730 mm. 
Es wurde nun nach dem Gay Lussac Mariotteschen Gesetze 
das verbrauchte Gasquantum auf 12 Grad und 760 mm 
Barometerstand reduziert, wobei sich dann ein ziemlich 
normaler Gasverbrauch von 1183 1 nach Stunde und Pferde- 
stärke ergab. Aus einer theoretischen Betrachtung folgt 
ein praktisches Resultat, welches für alle Gaskonsumenten 
von Bedeutung ist, gleichviel, ob sie das Gas zur Beleuchtung, 
Heizung oder für Motoren benützen. Es zeigt sich nämlich, 
dass es für den Konsum nicht gleichgiltig ist, ob die 
Gasuhr in einem kalten oder in einem warmen Räume 
Aufstellung fmdet. Ein Beispiel möge die Behauptung 
erhärten. Für eine zwölfpferdige Gasmaschine mit täglich 
zehnstündigem Betriebe beträgt der jährliche Gaskonsum, 
wenn die Gasuhr in einem 25 Grad Celsius warmen 
Fabriksraume aufgestellt ist, bei 3(X) Arbeitstagen circa 
30000 cbm. Wäre hingegen die Gasuhr in einem Räume 
von nur 8 Grad Celsius mittlerer Temperatur aufgestellt, 
so würde sich der thatsächliche Gasverbrauch mit 28 350 cbm 
ergeben, dass heisst, es wäre in diesem Falle eine Ersparnis 
von 1650 cbm eingetreten, welche bei einem Gaspreise 
von 20 Pf. die Summe von 230 M jährlich repräsentieren, 
die dem Gaswerke auf Kosten des Konsumenten zu Gute 
kommt. Hieraus ergibt sich der Satz: Es ist für den 
Konsumenten vorteilhaft, wenn die Gasuhr an einem 
möglichst kühlen, aber frostfreien Platze aufgestellt wird. 
Das L. Tagebl., dem wir diese Notiz entnehmen, fügt hinzu: 
»Von hiesiger sachverständiger Seite wird uns dazu bemerkt: 
Sache und Zahlen erscheinen theoretisch richtig. In der 
Praxis kann man ungefähr 0,5 Prozent Ausdehnung eines 
Gasvolumens bei einer Temperaturzunahme von 1 Grad 
(^elsius rechnen, wenn es sich um verschieden warme 
Standorte eines Gasmessers handelt. Was den Soll-Verbrauch 
eines Gasmotors noch betrifft, so bezieht sich die Angabe 
der Fabrik gewöhnUch auf den Zustand der vollen 
Beanspruchung. Wird der Motor jedoch nur zu einem Teil 



der vollen Leistungsfähigkeit beansprucht, so stellt sich 
der Gasverbrauch pro Pferdestärke wesentlich ungünstiger« . 

— Ein Kuriosum in der Glac^kartonfabrikation hat die 
Altenburger Aktiengesellschaft »Chromo« aufzuweisen. 
Dieselbe hat für eine schwedische Firma Glac^kartons 
hergestellt, wie sie schwerer bisher noch nirgends angefertigt 
sein dürften. Bei gewöhnlichem Format wiegt jeder Bogen 
650 Gramm, das Ries sonach 6'/« Zentner. Die Bogen 
haben eine Stärke von 3Vt mm und bestehen aus 16 ein- 
fachen Papierlagen. 

— Die AktiengeseUschqßfür Schriftgiessereiund Maschinen- 
bau vormals Huck dt Ko. in Offenbach verteilt für das Jahr 1888 
einen Reingewinn von M. 220379,24 Nach Abzug ver- 
schiedener Posten als Abschreibungen, Reservefond, Tan- 
tiemen etc. verbleibt den Aktionären immer noch eine 
Dividende von 11 Prozent. 

— Auf der diesjährigen *Melbourner Ausstellung^^ wurde 
der Colts Armoty-Presse der erste Preis zuerkannt. 



SpreehsaaL 

Einer unserer Abonnenten fragt an : » Welche Ventilations- 
Einrichtung ist für einen 192 [Jm grossen und 4'.30 m hohen 
Buchdruckerei-Maschinensaal als die bestbewährteste und 
billigste zu empfehlen?« Oder: »Kann die in den oberen 
Schichten befindliche verdorbene Luft entfernt und durch 
frische ersetzt werden, ohne durch die dadurch notwendig 
entstehende Luftbewegung den Auslege-Prozess bei den 
Maschinen zu hindern?« Das betreffende Geschäft hat 
Dampf-Triebkraft. Vielleicht erteilt einer unserer Leser 
gütigst Auskunft. Redaktion des Archiv. 

Fortsetzung von dem Artikel: 

Der Buntdruck auf ßuchdruckpressen 

erscheint nun in Heft 6. 

Redaktion des Archiv« 



Briefkasten. 

Herrn Roeloffzcn dt Hübner, Amsterdam. Wir haben mit vielem 
Interesse Einsicht genommen von den Leistungen Ihrer zinkographischen 
Anstalt Sämtliche in dem Masterbuch enthaltenen Reproduktionen, 
auch die in Autotypie, sind bestens ausgeführt und gut gedruckt. Wir 
glauben jedoch, Sie hätten Manches noch besser zur Geltung bringen 
können, wenn Sie ein Papier von weicherem, geschmeidigerem Stoff 
vorwendeten. Auch der grosse Kalender ist eine anerkennenswerte 
Leistung. — Br'sche Druckeroi (Fr. Chr. P.) Giessen. Die gesandten 
Arbeiten finden, wie immer, unseren Beifall durch ihre originelle Zu- 
sammenstellung und gediegene Ausführung; das Zirkular, einfach in 
Himmelblau und Schwarz, beweist, dass man auch mit geringem 
Arbeitsaufwand Hübsches leisten kann. — Herrn H. C. B., Papierwaren- 
fabrik, Aschersleben. Ihr elegant ausgestattetes Mustersortiment von 
Arznei-, KafTee- und Theebeuteln gibt uns eigentlich erst einen richtigen 
Begriff von Dem, w^as auf diesem Gebiete jetzt geleistet wird. Wir 
sind erstaunt, in jedem Muster ein kleines, höchst ansprechendes, an 
Eleganz kaum noch zu übertreffendes Kunstwerk zu finden, gleich 
anerkennenswert bezüglich der Satz-, wie der Druckausführung. Die 
Silberbeutel mit braunem, schwarzem und rotem oder blauem Aufdruck 
können wohl als das Eleganteste bezeichnet werden, was in dieser Art 
existiert Alle Achtung vor den Leistungen Ihrer Offizin. — Herrn C. R. 
& Sohn in Oedenburg. Auch ihre zweite Sendung enthält viel 
anerkennenswert ausgeführte Arbeiten. Originell ist insbe- 
sondere, dass Sie eine Längsleiste aus der Woellmerschen Renaissance- 
Einfassung setzen und den Initial A des Zirkulars gleich auf den Bauch 
der grossen Vase aufdrucken; ebenso originell ist, dass Sie auf der 



Briefkasten. — Annoncen. 



s dis SchTsiblini 



'"'"if 



WeDD wiT Ibnen Toietehend sagen, wu ans gcfillt, so venelbcD Sie. 
wenn wir Ihnen auch offen milteiJen. was uns »enigcr (e^lLi In Ihrem 
Zirkular bolrelT AnBChBiTung einer Zweifarbenmaschine wenden Sie die 
aaretrebendcn Stucke der betr. EinfagBunE inunor liegend an. 
Du ist veder richlig, noch ancb echOn; die nntoren kleinen Fignren 
des eigentlichen Kaptcs. tollten in solcher Arbeil anch nleroala dop- 
polt Terwendct werden.— Herrn Ludwig F., Bnchdnickerei .Auslria«. 
Wien. Wir freuen uns, da»a Ihre OrOzin »ich der ron ans bo »arm 
befürwortelen Richlung anichliesat, allen Arbeiten eine einfach noble 
Ansttftttnng in geben. Dae Zirkular reprleenliert diese Richtung in 
ganz Torzaglicher Weise. Wie geRillig zeigt sich du einfache KSnl- 
cben, 'Si*S)'si'®'S>^ gehoben durch den Goldrand and die innere rote 
Linie. Auch Karte und Briefkopf «ind nicht Übel. Weiteren Arbeilen 
rehen wir gern entgegen. 



Engelens typen 



Inhalt des 5. Heftea. 

ose Selimaschina. — Welche« ist die beste 
. Satz und Druck uns 



Probeblltler. — Zeitschriften und Bilcherschaa. — Mannigfaltiges. 



IteldeDinnilcT !■ Text: VlfnetU von Bauer A Cit. 
S Rechnungskapfe , Vignette von Paul Lentemann, t BriefkSpfe. - 
Bellagea : a Blatt Karlen. — i Blatt Zirkulär. — 1 Blatt Emptshlnnt 
der»Liberlj--Ticgi!ldrackroa6cbine. 

Das Heft enthalt im Garnen 4 Beilaaea. FOr das Belliegen dtr 
rrcBden BclUgea kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl altht 
ganntlert werdea. 







Lur'eln« Hchnellpr 






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G. Hedeler, Leipzig. 



Eid prftktiBch gehildeter Buchdrucker, lan^Khrl^r GeschXfts- 
ffthrer grosser Orfiziaen, durchaus gewandt im geschKfthchen Verkehr, 
Korrespondenz, Buchhaltung, eegenwärtig Administrator eines im 
städtischen Verlage erscheinenden politischen Blattes, sucht für Ende 
dieses Jahres als 

GesdiäüsfüHrer 

einer grösseren Bochdnickerei oder als 

Yerwaltungsbeamter 

eines Zeitimgsuntemehmens einen Vertrauensposten. Beste Zeugnisse, 
sowie erste Referenzen stehen demselben zur Seite. Eventuell würde 
derselbe bereit sein, sich an einer gut rentierenden Buchdruckerei 
thftti^ und finanziell zu beteiligen, auch könnte auf Wunsch der 
Eintritt früher erfolgen. 

Herr Alexander Wtildow, Leipzig, wird die Gilte haben, Offerten 
entgegen zu nehmen. 



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Redigiert und herausgegeben von Alexander Waldow in Leipzig. — 1 ruck und Verlag von Alexander Waldow in Leipzig. 







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26. Band. 



1889. 



Heft 6. 



Der Buntdruck auf Buehdruekpr essen 

Alexander Waldov. 

(FortHtmng.l 

4. Beständige und unbeständige Farben. 

3ie wir in Vorstehendem schon andeuteten, 
j ist es beim Farbendruck von sehr grosser 
b Wichtigkeit, zu wissen, welchen Veränder- 
ungen die Farben durch Licht, Luft, Temperatur und 
chemische Zusammensetzung ausgesetzt sind, damit 



nur für den fluchtigen Gebrauch geeignet, haben 
wir vorstehend schon durch ein * bezeichnet, so dass 
über deren Ausdauer kein Zweifel herrschen kann. 
Aber auch von den alten, beliebten Mineral- und 
Pfianzenfarben sind manche nicht ganz zuverlässig. 
Interessant in dieser Hinsicht ist der Bericht, welchen 
ein von der englischen Regierung eingesetzter Aus- 
schuss zur Prüfung der Frage der Lichtbeständigkeit 
der in Museen etc. ausgestellten Aquarellen, bezw. 
der zu denselben verwandten Farben, erstaltete. 
Von diesen aus kann man wohl mit Recht auch die 
Lichtbeständigkeit der Druckfarben beurteilen. 




nnd Lndirig 4 Mayer. 



man filr Arbeiten, auf deren lange Ausdauer es an- 1 
kommt, nur solche verwendet, welche in dieser 
Hinsicht zuverlässig sind. Die vergänglichen Farben, | 



Der Bericht sagt: »Als Grundlage zu den Ver- 
suchen dienten mit allen bekannten Wasserfarben 
und Farbenmischungen bemalte Papierstreifen; diese 



J 



187 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



188 



wurden etwa 10 800 Stunden lang einem Licht aus- 
gesetzt, welches 480 Jahren gewohnhchen Museums- 
lichtes glich, also viel kräftiger w^ar. Das Ergebnis 
war in der Kürze folgendes: Die Streifen, bei welchen 
namentlich Pflanzenfarben, z. B. Karmin, Gummigutt, 
verwendet worden, veränderten sich bedeutend, mit 
Ausnahme jedoch von Beriinerblau. Die Mineral- 
farben, als Ocker, Chromgelb, Terra di Sienna, sowie 
Berlinerblau zeigten dagegen keine Veränderung. 
Von 34 Mischungen blieben nur drei unverändert; 
sechs aber, welche Berlinerblau enthielten, nahmen, 
obwohl sehr verändert, nachdem man sie sechs 
Wochen im Dunkeln gelassen, ihren ursprünglichen 
Farbenton mehr oder weniger wieder an. Doch nicht 
allein durch das Licht leiden die Farben , auch z. B. 
durch Feuchtigkeit. Die Versuche ergaben in dieser 
Beziehung, dass auch viele Mineralfarben und Berliner- 
blau durch feuchte Luft zerstört werden. Dagegen 
blieben Aquarelle, welche in einem festen, durch Glas 
erhellten Schrank eingeschlossen waren, unverändert ; 
ebenso überhaupt sämtliche Farben, welche in einem 
luftleeren Raum dem Licht ausgesetzt waren. Hieraus 
folgert der Bericht, dass es das Beste wäre, die 
Aquarellen der Museen beständig in einem luftleeren 
Raum zu erhalten. Es dürfte dies natürlich in der 
Praxis so erhebUchen Schwierigkeiten begegnen, dass 
daran kaum zu denken ist, zumal die Herstellung 
eines völlig luftleeren Raumes, wie u. A. die Glüh- 
lampen beweisen, zu den Unmöglichkeiten gehört 
In Wohnräumen sind Aquarelle noch grösseren 
schädlichen Einflüssen ausgesetzt als in Museen. Von 
Interesse waren in dieser Hinsicht Versuche mit 
Streifen, welche 21 Monate lang dem gewöhnlichen 
Lichte eines Wohnraumes ausgesetzt waren. Hierbei 
ergab sich, dass die Mischungen von Indigo und 
Indischrot ganz besonders Utten, während die übrigen 
Farben mehr oder weniger verblassten«. 

Die englischen Untersuchungen stimmen übrigens 
in ihren Ergebnissen mit den Prüfungen ziemlich 
überein, welche Inspektor Fritz von der Wiener 
Staatsdruckerei mit den Farben veranstaltete, wie 
sie beim Farbendruck zur Anwendung gelangen. 
Besonders warnt Fritz gleichfalls vor den Anilin- 
farben, wenigstens bis man Mittel und Wege gefunden 
hat, sie zu fixieren. 

Das Vorstehende stimmt ferner auch mit Dem 
überein, was über diesen Gegenstand schon in meinem 
»Wörterbuch der graphischen Künste« veröffentlicht 
wurde. Es heisst dort: 

>Bei Chromographien (Farbendrucken), die für 
sich als Kunstwerke gelten sollen, oder sonst für eine 
längere Dauer bestimmten guten Arbeiten, ist die 
Wahl der Farben beziehentlich ihrer Beständigkeit 



gegen äussere Luft. Licht undFeuchtigkeit vonhöchster 
Bedeutung. Leider sind gerade einige der brillantesten 
Farben von bald vergänglichem Charakter. Der 
Farbendrucker folgt daher bei solchen Arbeiten dem 
Kunstmaler, w^elcher alle unbeständigen Farben meidet. 
So wird z. B. Zinnober den karmoisin- und scharlach- 
artigen Farben substituiert. Im ersten Augenblick 
wird zwar nicht der gleiche Effekt erreicht, aber 
vergleicht man nach Verlauf von etwa sechs Monaten 
zwei Gegenstände, von denen der eine mit Zinnober- 
farbe , der andre mit Scharlach- oder Karmoisinlack 
gedruckt worden, so wird man, wenn man sie gegen 
das Licht hält, finden, dass erstere ihren Glanz bei- 
behalten, letzterer dagegen verblichen und fast 
schmutzig erscheint. Als beständige Farben w^erden 
unter gewöhnlichen Umständen betrachtet: Roter 
Zinnober, Chinesischrot, roter Ocker, Venetianischrot, 
Zinkweiss, Barytw^eiss, rohe und gebrannte Umbra, 
gebrannteSienaerErde,Englischbraun,Mineralorange, 
Ultramarin, Kobaltblau, gelber Ocker, rote Sienaer 
Erde, Kadmiumgelb. 

Als Farben, welche das Licht nicht vertragen, 
kann man die folgenden bezeichnen: Karmoisinlack, 
Scharlachlack, gelber Lack, Rauschgelb, Malvenfarbe, 
Purpurlack, Türkischblau, Indigo, Berlinerblau. 

Folgende Farben widerstehen dem Licht und 
reiner Luft, aber leiden unter Feuchtigkeit, Schatten 
und verdorbener Luft: Mennige, Chromrot, Orange- 
rot, Chromorange, Minerallack, Chromgelb, Mineral- 
gelb, Kobaltblau, Mineralgrün oder grüner Lack, 
Scheelsches Grün, Bleiweiss aller Arten. 

FarbestofTe, welche nicht mit Spanischweiss oder 
andern Bleiweissen gebraucht werden sollen : Chine- 
sischgelb, Gummigutti, Italienisch Rosenrot, Rausch- 
gelb, Mennige, Karmoisin und ähnliche Lacke, Kannin 
und Indigo. 

FarbestofTe, die nicht mit andern gemischt werden 
dürfen, welche Eisen enthalten: Silberweiss, Königs- 
gelb, Patentgelb, Chinesischgelb, Karmin, Scharlach- 
lack, Neuwieder- oder Bremerblau«. 

5. Harmonierende Farben. 

Von grosser Wichtigkeit für den Farbendrucker 
ist es, zu wissen, wie sich die Verbindung von zw^ei 
und drei Farben auf weissem und farbigem Grunde 
in harmonischer Weise gestaltet. Freilich haben sich 
in dieser Hinsicht die Ansichten und der Geschmack 
in der Gegenwart auch wesentlich geändert und 
Farbenzusammenstellungen, die früher verpönt waren, 
gelten jetzt als vollkommen dem guten Geschmack 
entsprechend. Es mag dies allerdings daher kommen. 
dass man, w^ie ich schon früher erwähnte, gegenw*ärtig 



189 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



190 



eine ausgesprocherie Vorliebe für die unbestimmten 
Farbentöne hat, also für Töne, die nicht ausgesprochen 
grell Rot, Blau, Grün etc. sind, sondern z. B. bezüglich 
des Rot einen Stich ins Bräunliche, Gelbliche oder 
Bläuliche, bezüglich des Blau ins Graue, Grünliche etc. 
und bezüglich des Grün ins Kapergrüne, Gelbliche etc. 
haben. 

Dass solche unbestimmte Farben viel eher mit- 
einander harmonieren wie die einen ausgesprochenen 
Farbenton zeigenden, ist erklärlich und sind der beste 
Beweis dafür die Zusammenstellungen der Farben 
auf orientalischen Teppichen etc., deren Farben- 
zusammenstellung unbedingt als mustergültig aner- 
kannt werden kann. 

Eine Anzahl Farbenzusammenstellungen, wie 
solche in der Praxis als bewährt angenommen werden, 
gebe ich nach seiner Zeit im Printers Register ent- 
haltenen Notizen nachstehend: 

Zwei Farben. 

1. Auf weissem Grunde: Hellgrün und Zinnober- 
rot; Hellgrün und Karmin; Hellgrün und Purpur; 
Hellgrün und Braun ; Blaugrün und Orange ; Ultramarin 
und Karmin; Ultramarin und Braun; Hellblau und 
Hellorange ; Purpurlack und Hellgelb ; Karmoisin und 
Hellgelb. 

2. Auf blassgelbeni Grunde, welcher mehr nach 
Zitronengelb als nach Orangegelb neigt : Gelbgrün und 
Karmin ; Gelbgrün und Braun ; Hellgrün und Rotbraun ; 
Bronzefarben und Karmin; Bronzefarben und Purpur. 

3. Auf blassgelbem Grunde , welcher mehr nach 
Orange- als nach Zitronengelb neigt: Hell Blass- 
ultramarin und Orange; Hell Blassgrün und Orange; 
Hell Blaugrün und Karmin; Hell Ultramarin und 
Braun; Blaugrün und Braun; Hell Ultramarin und 
Bronzefarben; Hell Ultramarin und Rotbraun; Hell 
Ultramarin und Rotpurpur ; Blaupurpur und Orange ; 
Blaupurpur und Karmin. 

4. Auf blassblauem Grunde: Tief Ultramarin 
und Karmin; Tief Blaugrün und Karmin; Hellgrün 
und Rotpurpur ; Hellblau und Rotpurpur. 

5. Auf blassem Furpurgrund: Rotpurpur und 
Ultramarin; Rotpurpur und Blaugrün; Blaupurpur 
und Karmoisin; Ultramarin und Karmin. 

6. Auf blassgrünem Grunde mit bläulichem Ton : 
Ultramarin und Karmin; Ultramarin und Rotpurpur; 
Tief Blaugrün und Rotpurpur; Tief Blaugrün und 
Karmin; Tief Blaugrün und Maronfarben. 

7. Auf blassgrünem Grunde mit einem Stich ins 
Gelbliche : Hellgrün und Karmin; Hellgrün und Purpur ; 
Hellgrün und Rotbraun. 

8. Auf blassrosenrotem Grunde: Karmin und 
Hell Ultramarin; Karmin und Hellgrün; Karmin und 



Bronzefarben ; Purpur und Bronzefarben ; Hell Ultra« 
marin und Bronzefarben; Rotpurpur und Gelbgrün. 

9. Auf tief lederfarbenem Grunde: Braun und 
Tief Blaugrün; Braun und Tief Ultramarin; Tief 
Purpurbraun und Karmin ; Tief Blaupurpur und 
Karmin. 

10. Auf hellbraunem Grunde: Karmin und Tief 
Purpur ; Karmin und Tief Grün ; Karmin und Schwarz ; 
Braun und Tief Grün; Rotpurpur und Tief Grün; 
Tief Braun und Schwarz. 

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, dass 
in den meisten Fällen eine der kontrastierenden 
Farben von tiefermTon ist, als die Farbe des Grundes. 
Wird statt einer der kontrastierenden Farben Gold 
angewendet, so ist es stets vorzuziehen, die Farbe 
des tiefern Tons beizubehalten und die hellere durch 
das Gold zu ersetzen. Wenn z. B. in der Verbindung 
auf blassrosenrotem Grund Karmin und Ultramarin 
angegeben sind, so wird statt des Blau Gold genommen 
und so durch die ganze Serie fort. 

Drei Farben. 

1. Auf weissem Grunde: Karmin, Hell Ultramarin 
und Purpur; Karmin, Hellgrün und Purpur; Karmin, 
Ultramarin und Rotbraun; Blaupurpur, Braun und 
Gelbgrün. 

2. Auf blassrosenrotem Grunde: Karmin, Ultra- 
marin und Bronzefarben; Karmin, Blaupurpur und 
Bronzefarben; Karmin, Purpur und Blaugrün; Rot- 
purpur, Hell Blaugrün und Bronzefarbe; Hellblau, 
Karmin und Purpur. 

3. Auf gelbem Grunde: Karmin, Ultramarin und 
Rotbraun; Karmin, Gelbgrün und Braun; Karmin, 
Gelbgrün und Purpur; Tief Braun, Ultramarin und 
Purpur. (Bei Ultramarin auf gelbem Grunde sollte 
das Gelbe ins Orange stechen.) 

4. Auf blauem Grunde: Karmin, Ultramarin und 
Purpur; Karmin, Blaugrün und Purpur; Karmin, Gelb- 
grün und Blaupurpur. 

5. Auf blassem Purpurgrund: Purpur, Ultramarin 
und Hellgrün; Karmin, Ultramarin und Hellgrün. 
(Die Verbindungen für blassblauem Grund eignen 
sich auch für Purpurgrund.) 

6. Auf blassgrünem Grimde: Ultramarin, Hell- 
grün und Karmin; Ultramarin, Hellgrün und Purpur; 
Karmin, Purpur und Gelbgrün; Hellgrün, Karmin und 
Bronzefarben. (Unter Hellgrün ist hier die mittlere 
Nuance zu verstehen, unter Blaugrün das tiefste 
Seidengrün und etwas Blau, unter Bronzefarben 
mittleres Chromgelb und ein wenig Purpurlack.) 

Um unseren Lesern ferner noch zw^ei Farbenzu- 
sammenstellungen in der Praxis vorzuführen, ver- 
weisen wir auf unsere heutige Beilage. Hier sind 

11* 



191 



Ein sonderbares Urteil über den deutschen Buchdruck. 



192 



miltelst 13 Farben durch Nebeneinanderdruck jeder 
Farbe mit den Übrigen 78 verschiedene Variationen 
von zwei Farben gegeben, ohne natürKch eine gewisse 
Harmonie dabei zu berücksichtigen. Dem aufmerksam 
prüfenden und einigen Geschmack besitzenden Fach- 
mann können diejenigen Zusammenstellungen nicht 
entgehen, welche, auf unserem Blatt durch die sysfe- 
matiscJie Wiedergabe, resp. Benutzung der 13 Grund- 
farben entstEmden, nicht zu empfehlen sind. Das Blatt 
wird aber immer ermi^liehen, sich durch den Augen- 
schein ein Urleil über diese oder jene Farbenzu- 
sammen Stellung zu bilden und darnach zu wählen. 

Dass Blatt dürfte ferner insofern von Interesse 
sein, als die benutzten 13 Grundfarben an der rechten 
Seite einzeln gegeben sind und dadurch die Wahl 
dieser oder jener Farbe wesentlich erleichtert wird. 

Unter a fmdet der Leser Gold, unter b Miloriblau, 
c Ultramarinblau, d Chromgelb, e Zinnober, f Karmin, 



kein Mensch der Welt werde sich erdreisten, diese 
allgemein anerkannte Thatsache noch ferner an- 
zuzweifeln. 

Dass Letzteres nicht der Fall, haben wir Gel^en- 
heit in einer neueren Nummer der in Lausanne in 
französischer Sprache erscheinenden Fachzeitschrift 
•Archives del'Imprimerie', unter der Rubrik »Fran- 
zosen und Deutschet zu beobachten, und es ist dies 
um so interessanter, als die betreffende Stimme nicht 
aus dem Innern des Franzosenreiches, sondern aus 
einem Landstrich her ertönt, in dem der deutsche 
Buchdruck und insbesondere der moderne Accidenz- 
satz im Allgemeinen zu schöner Blüte gelangt ist 
und dessen Erzeugnisse mit zu den besten der Jetzt- 
zeit gehören. 

Der betreffende Gewährsmann beschränkt sieh 
nicht nur darauf, eine Parallele zu ziehen zwischen 
dem französischen und deutschen Buchdruck, sondern 



Nach dem Ori^tuilkopr dsr Anslria 



n Seitenteilen und Ornamenten. 



g Rotbrauner Lack, h Braun, i Violettlack, k Helles 
Seidengrün, I Dunktfes Seidengrün, m Rosa, und n 
Schwarz, 

Die sämtlichen auf dem Blatt enthaltenen Farben 
lieferten uns JVey d- Sening in Leipzig. 

(Fortsetzung rolgt.) 



Ein sonderbares Urteil über den 
deutsehen Buehdruek. 

^S^ohl häufiger als je, hat man in letzter Zeit von 
3KJ dem rapiden Fortschritte und der künstlerisch 
gedi^enen Ausführui^ des deutschen Buchdrucks 
gegenüber demjenigen anderer Länder reden hören 
und kaum eine Fachschrift Hess Worte der Aner- 
kennung über die sich allenthalben Bahn brechende 
künstlerische Geschmacksrichtung in ihrer Wochen- 
schau fehlen, so dass man schier glauben konnte, 



beliebt sogar den letzteren in chauvinistischer Weise 
mit Füssen zu treten, weshalb wir ihn durch eine 
möglichst getreue Wiedei^be seiner Auslassui^en 
selber reden lassen und anschliessend daran, unsere 
Randglossen anknüpfen werden. 

Zuvörderst gibt der Verfasser in längerer Ein- 
leitung kund, dass es ihm fern Hegt, einen leiden- 
schaftlichen Erguss zu Ehren dieses oder jenes der 
beiden unversöhnlichen Nachbarn loszulassen und 
verspricht, eingödenk der Ziele eines Fachblattes, 
nur seine, "durch langjährige Thätigkeit in beiden 
Staaten gesammelten Erfahrungen in neutraler Sprache 
zu beliandeln und durch sachliche Vergleiche die 
Grundverschiedenheit beider nationalen Geschmacks- 
richtungen zu beleuchten. In Betracht kommen 
übrigens nur die Leistungen der hervorragendsten 
Institute beider Länder, denn nur diese betrachtet der 
Verfasser als massgebendste Unterlage für seine Ver- 
gleiche. Inwieweit er das Versprechen der Neutralität 
wahrt, ersehe man aus Folgendem: 



Eid sonderbares Urleil über den deutschen Bucbdruck. 



»Der Salz, als der weitgehendste Bestandteil des 
Buchdrucks, soll mir zunächst als BehandlungsstofT 
dienen und nehme ich keinen Anstand zu behaupten, 
dass die Franzosen auf dem Satzgebiete den Deutschen 
bei weitem überlegen sind, was ich in Nachstehendem 
zu beweisen versuche. 

Wenn man auch anerkennen muss, dass der 
Deutsche es mit bewunderungswürdiger Geduld ver- 
sieht, Einfassungsmaterial und Linien in geschicktester 
Weise zu verarbeiten und zeitweilig sogar die in- 
geniösesten Gedanken damit verwirklieht, so erblicken 
wir in seinen Erzei:^nissen nur schwerßlllige , mit 
unzähligem Zierrat überladene, plumpe, rahmen- 
formige Satzgebilde, deren Komposition in den meisten 
Fällen den elementarsten Gesetzen von Proportion 
und Schattenlehre zuwiderlaufen. 



lieben Ornamente und Einfassungen als Baumaterial 
dienstbar gemacht wurden, zu bewundern. Man fand 
diese Satzart in kürzester Frist dem Auge so lästig, 
so typographisch unschön, dass man es vorzog, sie 
schleunigst über Bord zu werfen und heute dürfte es 
wohl kaum noch einen alten französischen Setzer 
geben, der es wagte, derartigen Jugenderinnerungen 
zu neuem Emporblühen zu verhelfen. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Deutsche 
seine Sätze reicher gestaltet, aber es ist dies eine 
Erschwerung seiner Thätigkeit und Geschmacks- 
verirrung. Mit einem Worte, er verleiht dem Orna- 
mente eine zu grosse Bedeutung und man kommt in 
die Lage, die Ursache hierzu in seinen abscheulichen, 
schwarzen, zusammen gepressten und unleserlichen 
Schriftcharakteren, der Gotisch und Fraktur zusuchen, 



t^yJlü^icn^i; t/e/i 



..fS 



Iföbelfabrik 
Dampfbetrieb. 



Viinatla nnd OrnameDte von Ladvig A Mayer, i 



n Lndwii ft Mayer, NIee Nachr., Roae i. Jung« a 



Obgleich die in den deutschen Sätzen fast aus- 
nahmslos adoptierte architektonische Richtung eine 
Imitation griechischer Vorbilder bedeuten soll, wird 
man wohl kaum in ihr das Endziel der typographischen 
Thätigkeit erblicken, und dürften derartige Sätze auf 
nichts weniger als auf den Anklang an oben citierte 
Kunstperiode Anspruch erheben. 

Man hat in dem von Fournier d. Jüngeren 
bereits 1764 herausgegebenen Probenalbum , sowie 
an allen späteren, bis zum Jahre 1850 in Frankreich 
entstandenen Büchertiteln, Umsehlägen, Diplomen etc. 
genügend Gelegenheit, durch missbräuchliche An- 
wendung architektonischer Motive entstandene Unge- 
heuerlichkeiten von Satzgebilden in Gestalt von 
Kirchenfacjaden , griechischen Tempelbauten, Denk- 
mälern aller Art , zu deren Säulen , Kapitalen, 
Gesimsen und sonstigen,Bestandteilen alle nur erdenk- 



die neben vorstehenden Eigenschaften auch noch die 
Eigentümlichkeit besitzt, das Volk von frühester 
Jugend an zum Tragen der Brille zu veranlassen. 

Es ist wohl die Behauptung gestattet, dass diese 
durch Jahrhunderte gepflogene Anklammerung an 
ein Erbteil des dieser Schriftart würdigen Mittelalters 
(denn eine Verbesserung derselben ist wohl kaum zu 
konstatieren), eine der heiligsten nationalen Pflichten 
der Deutschen ist und dieselben nicht abhält, trotz 
dem herrschenden Fortschritte auf allen Gebieten 
mit kindischem Chauvinismus einer alten zoptigen 
Überlieferung mitten durch das 19. Jahrhundert 
nachzuhängen. 

Weshalb behielt man nicht auch die Kniehosen, 
das Wams und die Waffen des Mittelalters bei; oder 
gar die elementare Tracht der ersten GotenV (!) 
Es wäre dies ebenso logisch! 



195 



Ein sonderbares Urteil über den deutschen Buchdruck. 



196 



Die gotischen Schriftarten eignen sich nicht 
zum Titelsatze, und schliessen eine Behandlung nach 
typographischen Regeln vollständig aus. Aus alledem 
resultiert, dass der Deutsche, sobald er in die Lage 



die Anwendung vieler Farben und der vorzügliche 
Druck vermögen nicht die Mängel des Satzes zu ver- 
decken. (!!) Mit einem Worte, sie gestalten ihre 
Arbeiten stets zu schwerfällig und haben keine Ahnung 




Vignette und Schrift von der Schriftgiesserei Flinsch. 



kommt, eine Seite in Antiqua herzustellen, unfähig, 
ja heimatlos ist , und demzufolge wahre Wunder des 
schlechten Geschmackes zu Wege bringt, die er nur 
noch durch die Einschliessung in eine massive , aus 
möglichst bestimmt auftretenden Figuren bestehende 
Umfassung geniessbar zu machen glaubt. Aber selbst 



davon , dass das beste Mittel eine Drucksache schön, 
deutlich und zumal leserlich erscheinen zu lassen, 
darin besteht, den weissen Raum in splendidester 
Weise auftreten zu lassen. Um etwas leserlich zu 
gestalten, braucht man nicht zu möglichst dicken und 
schwarzen Schriften zu greifen, deren Grundstriche 



197 



Ein sonderbares Urteil über den deutschen Buchdruck. 



198 



sich fast berühren und sie mit einer noch schwärzeren 
Einfassung zu umgeben , denn die beste Deutlichkeit 
erzielt man durch möglichste Zartheit. 

Bei den weiter oben gebrauchten Worten »typo- 
graphische Regeln« , dürften sich die Haare vieler 
Anhänger der neueren Schule wohl etwas gesträubt 
haben, denn sie erbUcken in diesen Regeln vielfach 
nur ein vermodertes Bestandteil der Rumpelkammer. 
Aber dennoch muss man denselben, als Ergebnis 
langjähriger Erfahrungen, ihre Existenzberechtigung 
wahren. Sie verlangen im allgemeinen beim Titel- 
satze eine möglichst alternierende Zeilenbreite und 
Stärke, eine der Textbedeutung angemessene Grösse 
und Fette der Schrift und zuletzt eine möglichst 
symmetrische Gestaltung der Raum Verhältnisse. Durch 
die vorstehenden Zeilen und die Verteidigung des 
Wertes der typographischen Regeln wird vielleicht 
mancher Leser in mir einen Anhänger der alten 
Schule vermuten, aber trotzdem dies nicht der 
Fall ist, kann ich bei Einsichtnahme der ausserhalb 
der alten und gesunden französischen Grundsätze 
entstehenden Erzeugnisse nicht verhehlen, dass diese 
alten Traditionen sehr viel Gutes enthalten. 

Heute kann man sich nicht mehr an das Buch- 
stäbliche bestimmter alter Lehren klammern; die 
Fantasie ersetzt in vielen Fällen den ernsten 
Geschmack unserer Vorfahren und wir sind schon 
vermöge unseres reichhaltigen Materialbestandes 
ohnehin gezwungen, in unseren Erzeugnissen eine 
mögliclist vielseitige Abwechselung zu Tage treten zu 
lassen. Die Grundlage für Herstellung aller Arbeiten 
bleibt sich jedoch immerwährend gleich, es ist der 
Geschmack, und in der günstigen Entwickelung des 
letzteren besteht dieHauptthätigkeit des Buchdruckers. 
Leider ist es nicht jedermann gegeben, Geschmack 
zu besitzen, und auch für schnödes Geld lässt er sich 
nicht erwerben.« 

Mit diesem lakonischen Satze beschliesst der 
Verfasser seine ihm zu weit ausgedehnt erscheinende 
Besprechung über den Satz und behält sich für eine 
spätere Nummer die Behandlung des Druckes vor. 
Er gedenkt in derselben die Überlegenheit der Deut- 
schen auf dem Gebiete des Druckes nachzuweisen 
und seinen Landsleuten die Ursachen, sowie die nach 
seiner Ansicht ziemlich einfachen Mittel zur Erreichung 
eines ebensolchen Druckes anzugeben. 

Beim Lesen eines derartigen Ergusses weiss man 
in der That nicht, ob man mehr die wissentliche 
Entstellungsabsicht oder die Naivetät des Verfassers 
bewundern soll. Am allerwenigsten kann man aber 
darin eine neutrale Behandlung technischer Fragen 
erblicken , denn in diesem Falle hätte man doch zum 
Mindesten einige Angaben über die Vorzüge respektive 



Abweichungen des französischen Satzes von dem 
deutschen erwarten können. 

Es ist wohl nicht zu viel behauptet, wenn man 
sagt, dass bei einer staatlichen Klassifizierung des 
Buchdrucks, dem technischen Können und künstle- 
rischen Standpunkte gemäss, unsere westlichen Nach- 
barn , sowohl im Satz wie im Druck wohl eine nicht 
allzuhohe Stelle einnehmen dürften. 

Schreiber dieses hat gleichfalls in seiner Praxis 
Gelegenheit gehabt, die Geheimnisse französischer 
Satz- und Druckkunst erforschen zu können und hegt 
auch in seiner jetzigen Thätigkeit im deutschen 
Accidenzsatze lebhaftes Interesse für die ausser- 
deutschen Leistungen, denen er zeitweilig sogar seine 
vollste Anerkennung und Bewunderung nicht versagt, 
aber gerade von französischer Seite ist es ihm trotz- 
dem nicht gelungen, ausser dem selbst am französischen 
Horizont erloschenen Stern eines »Derriey« , dessen 
Thätigkeit wohl einzig dasteht, von einem weiteren 
Gestirn zu hören und Leistungen desselben in Augen- 
schein nehmen zu können. Die Namen der Kapazi- 
täten Motteroz*), Lahure, Quantin etc. sind für uns 
nur auf dem Papier stehende Beweise, die dem Gewerbe 
ebensowenig nützen, als es auch deutsche Firmen 
thun, die mit ängstlicher Verschlossenheit ihre Erzeug- 
nisse der Einsichtnahme der nahestehenden Gewerbe- 
angehörigen vorenthalten. Es soll hiermit nicht gesagt 
sein, dass die Erzeugnisse vorstehender Drucker nicht 
Anspruch auf technische Vollendung machen können, 
im Gegenteil, aber dennoch sind sie nicht ausschlag- 
gebend für die Beurteilung eines gesamten Gewerbes, 
und speziell des Accidenzsatzes, dem diese Abhand- 
lung ausschliesslich zugedacht ist. 

Es blieben höchstens noch die im »Concours 
Berthier« zu Paris oder die neueren vom Faktoren- 
verein zu Lyon »prämiierten Gegenstände*^ — diese 
Bezeichnung ist wohl zutreffend, — denn sie treten uns 
in Gestalt von Landschaften, Porträts, Hausgeräten 
u. dgl. entgegen, zum Masstabe der Leistungsfähigkeit 
übrig, aber es sind dies keine massgebenden Objekte 
zur Beurteilung des Standes eines Berufszweiges, 
sondern eintägige Geduldsprodukte ohne Wert, die 
man nach wie vor in Frankreich mit Vorliebe erzeugen 
wird. 

Von einer Überlegenheit des französischen Satzes 
kann schon deshalb nicht die Rede sein, weil sich 
das Arbeitsmaterial der Franzosen, Schriften sowohl 



*) Uns gegenüber hat Herr Motteroz eine derartige 
ängstliche Verschlossenheit nicht bewahrt, hat uns vielmehr 
im Laufe der Jahre manches — und in der That mtLSter- 
gültige — Erzeugnis seiner Offizin zugesandt. Wir haben 
den Arbeiten dieses französischen Kollegen immer aufrichtige 
Anerkennung gezollt. Red. des Archiv. 



199 



Ein sonderbares Urteil über den deutschen Buchdruck. 



200 



wie Utensilien und die gesamte Einrichtung zumeist 
noch in primitivster Beschaffenheit befinden und 
schon aus diesem Grunde die gesamte Technik eine 
viel beschwerlichere ist. 

Um auf die Auslassungen über den architek- 
tonischen Satz zurückzukommen, sei bemerkt, dass 
wohl den deutschen Setzern nichts ferner liegt, als 
griechische Vorbilder zu kopieren, sie thun nur das, 
was ihnen durch die, von den Giessereien produzierten 
architektonischen Erzeugnisse zur Pflicht gemacht 
wird, das vorhandene Material in kunstgerechter 
Weise zu verwenden und es ist wohl selbstredend, 
dass man sich, im Besitze eines solchen Materials, 
ebenso die Motive der Architektur zu Nutze machen 
kann , wie sich vielleicht der Franzose einen Wand- 
spiegel oder sonstigen Gegenstand zum Vorbild seiner 
sogenannten »Kunstsätze« nimmt. Übrigens sei neben- 
bei bemerkt, dass trotz der angeblichen Verpönung 
architektonischer Motive französischerseits , beim 
letzten Preisausschreiben in Lyon, ein solches, natür- 
lich in total verunglückter Architektur, einen der 
ausgeschriebenen Preise davon trug! Dass die archi- 
tektonischen Arbeiten dem Auge lästiger erscheinen 
sollen, ist wohl nur eine hohle Phrase, denn wer die 
Vielseitigkeit des architektonischen Materials kennt, 
und das ist beim Franzosen nicht der Fall , denn er 
hat niemals solches verarbeitet, der wird es als ebenso 
brauchbar schätzen wie jedes andere, natürlich gehört 
zu dessen Verwendung nicht blos die Kunst des 
Buchstabengreifens, sondern eingehendere Kenntnis 
künstlerischer Gesetze und eine erprobte Technik. 

Wenn der Verfasser ferner schreibt, die reichere 
Ausstattung der deutschen Drucksachen sei eine 
Verirrung, so ist das einfach lächerlich. 

Der deutsche Buchdruck hat seine enggezogenen 
Grenzen für jede Art Arbeiten und wenn man wirklich 
zugeben wollte, dass zeitweilig Erzeugnisse etwas 
ornamental überladen sind, so- ist die Ursache dazu 
am allerwenigsten da zu suchen, wo sie der Verfasser 
obiger Ausführungen zu finden glaubt. 

Die kunstgewerbliche Richtung der Jetztzeit ver- 
leiht dem Ornamente und speziell der Illustration 
sehr viel Rechte und von diesem Rechte machen auch 
wir Buchdrucker unter Umständen Gebrauch, aber 
immerhin nur da, wo es die betreffende Arbeit zulässt 
und wo es sich bezahlt macht. 

An der Behauptung, der Deutsche sei auf dem 
Gebiete der Antiqua unbewandert, hat man so recht 
Gelegenheit, zu beobachten, dass es mit den Kennt- 
nissen und Erfahrungen des betr. Verfassers nicht weit 
her ist, sonst hätte er während seiner Thätigkeit wohl 
finden müssen, dass das Hauptgebiet des Accidenz- 
satzes in Deutschland die Antiqua ist. Wenn der 



Deutsche ausser letzterer noch seine nationale Schrift 
beibehält, so ist das weder eine Anklammerung an 
mittelalterliche Zustände, noch das Produkt chauvinis- 
tischer Eingenommenheit. Es ist einfach ein volks- 
rechtliches Privilegium, das sich durch Jahrhunderte 
fortgepflanzt und auch ferner fortpflanzen wird. 

Dass man im Buchdruck der Gotisch noch teil- 
weise stärkere Pflege angedeihen lässt, hat seine ganz 
besonderen Ursachen: einesteils sind es die zeitiveilig 
behördlicherseits gestellten Anforderungen und ferner 
sind es in nicht geringem Masse die in Deutschland 
noch weitverbreiteten Schatten der gotischen Slil- 
periode die dazu Anlass geben. Wenn der Verfasser 
ausschliesslich von schwerer Fraktur und Gotisch 
spricht, so könnte man fast vermuten, dass er speziell 
die »Münchener Richtung« im Auge hat, und wenn 
dies der Fall, so zeigt es von Unverständnis, denn die- 
selbe nimmt vermöge ihres von künstlerischer Seite 
anerkannten stilistischen Charakters, in der deutschen 
Typographie eine ganz selbständige Stellung ein und 
kann deshalb keinesfalls das Gesamtbild des deutschen 
Buchdrucks wiederspiegeln. 

Die zum Schlüsse angehängte Betrachtung über 
die typographischen Regeln ist insofern befremdend, 
als man in letzteren deutscherseits noch ein wichtiges 
Bestandteü des Buchdrucks erblickt. Was die neuere 
französische Schule repräsentiert, ist einem schier 
unbegreiflich, wenn man Gelegenheit nimmt, das betr. 
französische Fachblatt auf sein technisches Satz- 
arrangement zu prüfen ; es verwendet beispielsweise zu 
seinen Kapitelanfängen 5 Cicero hohe fette ^o^i^cÄc (!) 
Versalbuchstaben und im übrigen macht seine orna- 
mentale Ausstattung auf nichts weniger als auf Zart- 
heit Anspruch. Hier hätte der betr. Verfasser alle 
Ursache seine Weisheit walten zu lassen, und zu 
zeigen, in was die Aufgaben der französischen Schule 
eigentlich bestehen. 

Im grossen und ganzen steht wohl fest, dass die 
Deutschen anerkanntermassen in jeder Beziehung die 
erste SteUung im Buchdrucke einnehmen, es ihnen 
aber fern liegt, auf Kosten dieses, durch jahrelanges 
Streben und emsige Thätigkeit erlangten Bewusst- 
seins, sich irgendwie beeinflussen zu lassen und gerne 
darauf verzichten, zu erfahren, wie der Franzose seine 
Sätze gestaltet, genau wie sie gern davon absehen, 
das vom Verfasser versprochene günstige Urteil über 
den deutschen Druck zu hören. 



Leipeig. 



Heinr, Sckware. 



Verschiedene Zusammenstellungen von zwei Farbea. 



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D. Ari^hio Fiir Riii*hilrnp.lrpr1rnn*it. 9<i RnnH Dmek und Vnrlncr von AlßxnnHf>r VVaMoiv in T.AinT.iir. 



201 



Leder-Tonplatten. — Schriflpr obenschau. 



202 



Leder-Tonplatten. 




|ie Verwendung von Tonplatten aus Leder ist 
nichts neues. In den Vereinigten Staaten 
hat man dasselbe vor länger als 25 Jahren an ver- 
schiedenen Orten zum Druck von Untergrundplatten , 
Einfassungen und farbigen Mittelstücken benutzt. Der 
Vorteil dieses Materials ist in der Wohlfeilheit und 
Schnelligkeit der Herstellung zu suchen, deren Wert 
sich für Provinzialbuchdrucker, die entfernt von 
grossen Städten wohnen, noch dadurch steigert, dass 
sie einen eiligen Auftrag unmittelbar auszuführen im 
Stande sind. Dass diese Methode noch keine weitere 
Verbreitung gefunden hat, liegt wohl hauptsächlich 
daran, dass sich nicht jeder das Geschick zutraut, 
die in der Platte vorkommenden Figuren sauber aus- 
zuschneiden; das ist aber bei weitem nicht so 
schwierig als man es sich vorstellt; mit einiger Auf- 
merksamkeit und Übung und einem guten Feder- 
messer ist die Sache bald erlernt. 

Das geeignetste Material ist das von den Wagen- 
bauern verwendete »Spritz-« oder »Schmutzleder« 
wegen seiner glatten Fläche und Gleichmässigkeit 
im Körper. Beziehentlich der Zubereitung der 
Platten verschaßt man sich ein gut ausgetrock- 
netes Brett, etwas niedriger als Schrifthöhe, das in 
eine Rahme wie eine Druckform geschlossen wird. 
Auf den Tympan der Handpresse werden etwa vier 
Bogen Papier (Makulatur) in die Punkturen gestochen. 
Liegt die Holzform auf dem Fundament der Presse, 
so wird die Holzfläche mit dünnem Leim bestrichen, 
das Leder aufgelegt, der Pressbengel gezogen und 
festgestellt; nach einer halben Stunde wird das Ganze 
herausgenommen und bis zum andern Tage beiseite 
gestellt, während welcher Zeit der Leim vollständig 
hart und trocken wird. Gibt es Linien, Buchstaben 
oder Figuren zu schneiden, so wird von den Originalen 
ein guter schwarzer Abzug gemacht, der auf das Leder 
gelegt und mittelst starken Reibens auf der Rückseite 
übei^edruckt wird. Sobald der Abzug abgehoben ist, 
stäubt man den Überdruck mit Bronzepulver oder 
fein gepulvertem Bleiweiss ein, wodurch die Konturen 
leichter erkenntlich werden und die Farbe nicht 
mehr abschmutzt. Hierauf kann die Arbeit mit dem 
Messer beginnen. 

Um Vorkommendenfalls gleich fertige Platten 
zur Hand zu haben, ist es zu empfehlen mehrere 
grosse Holzblöcke mit Leder zu überziehen, aus 
denen dann die benötigten Grössen herausgeschnitten 
werden. (Inland Printer.) 




Sehriftprobensehau. 

!m Texte unseres heutigen Heftes können wir 
unseren Lesern wieder verschiedene neue 
Schriftgiesserei-Erzeugnisse zur Ansicht vorführen. 

Die Kursiv-Zierschriß von Wilhelm Woellmers 
Schriftgiesserei haben wir bereits im 4. Heft des 
laufenden Bandes auf einer eigenen Beilage der 
Giesserei gebracht. Wir fühlen uns der geschätzten 
Firma sehr zu Danke verpflichtet, dass sie uns die für 
moderne Accidenzarbeiten sehr verwendbare Schrift 
auch zur Anwendung auf unseren Musterblättern 
zukommen Hess. 

Von der Schriftgiesserei e/l G. Schelter & Griesecke 
erhielten wir 8 Grade einer Zierschrift, welche sie 
unter dem Namen Schattierte Egyptienne veröffentlicht. 
Diese neue Schrift entspricht so ganz dem Charakter 
aller der zahlreichen gediegenen Erzeugnisse der 
bestens bewährten Giesserei : sie ist schön und elegant, 
ohne phantastisch zu sein. Dabei ist der Schnitt und 
die Justierung von einer Genauigkeit, wie man sie 
selten findet. Wir zweifeln nicht, dass man dieser 
Schrift bald auf zahlreichen Accidenzarbeiten begeg- 
nen wird; sie wird denselben stets eine Zierde sein. 

Ferd. Theinhardis Schriftgiesserei übersandte 
uns einige Grade einer Neiien deutschen Schreib- 
schrifi, von der wir nachstehend eine Probe zum 
Abdruck bringen. Der Versuch, unsere an sich etwas 
steife Frakturschreibschrift in einer schwungvollen 
und regelmässigen Form wiederzugeben , ist in vor- 
liegender Schrift unzweifelhaft gelungen, und so werden 
sich gewiss auch überall dort, wo Bedarf für eine 
solche Frakturschreibschrift vorhanden, Abnehmer 
für dieselbe finden. Wir bemerken, dass wir den Satz 
wegen Mangel der Initial-Buchstaben einfacher halten 
mussten, wie wir dies wünschten. 

Ein Probenbuch von riesigen Dimensionen sendet 
uns die Holzschriften- und ütensiUen-Fabrik von 
Th. Löhler in Mannheim, Wir müssen gestehen, dass 
uns Muster von Holzschriften und Einfassungen selten 
in so vorteilhaftem Lichte zu Gesicht gekommen sind 
und dass uns die Ausführung der in dem Buche ent- 
haltenen Muster in Zeichnung und Schnitt sehr 
angesprochen hat. Die mehrfarbigen Schriften und 
Einfassungen gehören unstreitig zu den schönsten 
ihrer Art. Denjenigen unserer Leser, welche an Holz- 
schriften und Plakateinfassungen Bedarf haben, 
können wir nur empfehlen, sich das hier erwähnte 
Musterbuch kommen zu lassen; sie werden nach 
demselben selbst weitgehende Wünsche befriedigen 
können. 



12 



irsiy-ZierscIirift lon Wllbelm Woellmers Scbrlftgiisserei, Burlln. 

Min. 5 Kito, ä Vi Kilo M. 4.M. No. 1043. Cicero. Hin. 6 Kilo, k >;> Kilo M. 4.M. 

'dienngs- Oesellschaft Plantagen-Gesellschafts-VirekUon 
insf-Jlusstellung Jlfrikanische Flottenabteilung 

.Min. 7 Kita, & 'tt Kilo M. i.ii. No. 104^. Text Min. S Kiio, & i/i Kilo M. t.V). 

bei Sedan 1870 Mausolcum Hamburg 

no. 1DM. Dopp«1miltet. Min. 10 Kilo, i >/' Kilo M. «.-. 

K'aiser Friedrich II I. 

No. 10(7. Canon. Mio. 1% Kilo, ä >,> Kilo M, 3.»). 

llhelm WoeJJmer 



Schattierte E^tienoe von J. G. Schelter & Giesecke, Leipzig. 

irellle. 80 a 2i A. 1,8 Kilo. No. 1287. Petit IS a 18 A. S Kilo. 

• mmx PrtUlMCMrit <i«!l«cts Fahftlm 

piu. U a 11 A. 2,S Kilo. No. 1S89. CiccTo. 30 a IS A. 2^ Kilo. 

SFB @««te&te S ®a» Bei»®^' Obeirlftat 4 

IBS MQ^msm^Lm wuMMSiM n. 

No. IMO. Tertia. 18 a 8 A. 3.» Kilo. 

Uli W@U-^vgist@liliing wmSBW 

No. 1281. Text. 15 a e A. * Kilo. 
Ha. tSSl. Doppelcicero. 12 a 5 A. ifi Kilo. 



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No. 1S98. J Pelit. 



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Ecken and Linien von K. A. Brockhane, Lei] 



Neae Deatsche Schreibschrift von Ferd. Theinhardt, Berlin. 




Doppelcicero. Min. 18 Kilo, ä V» Kilo M. 4.50. 



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Text. Min. 10 Kilo, ä i/« Kilo M. 5.—. 



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Sortiment M. 10.—. Per Stück M. —.60. 







Sortiment M. 8.- . Per Stück M. —.60. 




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207 



Satz und Druck unserer Probeblätter. — Bezugsquellen. — Mannigfaltiges. 



208 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

in Heft 3 des gegenwärtigen Jahrganges unseres 
Archiv gaben wir in der Gratulationskarten- 
und Kalenderschau die Beschreibung einer originellen 
Gratulation der Brührschen Druckerei (Fr. Chr. 
Pietsch) in Giessen, der Gesamtausführung dieser 
Arbeit das verdiente Lob spendend, Herr Pietsch hat uns 
nun auf unser Ersuchen dieses Blatt in freundlichster 
und bereitwilligster Weise für das Archiv gedruckt, 
anstatt der Gratulation eine Empfehlung seiner Offizin 
darauf anbringend. Wir sind überzeugt, das diese 
dem heutigen Heft als Blatt S beiliegende Arbeit der 
genannten strebsamen und so überaus rührigen Firma, 
deren Leistungen fast durchgängig als musterhaft zu 
bezeichnen sind , unsere Leser gerade so befriedigen 
wird, wie sie uns überraschte und befriedigte. Wir 
sagen Herrn Pietsch für freundliche Überlassung dieses 
' Blattes unseren verbindlichsten Dank. Bemerkt sei 
noch, dass dasselbe zumeist durch Materialien der 
Firma J. G. Schelter & Giesecke geziert ist. 

Unser Blatt K enthält einige zwar einfache aber 
doch höchst gediegene und ansprechende Arbeiten 
des Herrn Watzulik. Ganz besonders eigenartig ist 
der Memorandumkopf der Firma Ranniger zusammen- 
gestellt, wiederum zeigend, dass Herr Watzulik jeder 
Kleinigkeit dieselbe Sorgfalt angedeihen lässt, wie 
den grossen, kostbar ausgestatteten Arbeiten. 

Beilage B enthält eine grosse Zahl Visiten-, sowie 
kleinere und grössere Adresskarten. Zu den ersteren 
verwendeten wir die neuesten für diese so häufig 
in Druckereien vorkommende Druckarbeit geeig- 
neten Schriften, so dass unsere Leser sich von dem 
Aussehen einer jeden derselben für diesen Zweck ein 
Bild machen können. Näheres ersehe man aus dem 
nachfolgenden Bezugsquellenverzeichnis. Wenn wir 
auf diesem Blatt einige Male Zeilen in Schreibschrift 
durch Druck in blauer Farbe hervorhoben, so 
befinden wir uns in Widerspruch mit einer in einem 
Fachblatt ausgesprochenen Ansicht, nach der ein 
solches Hervorheben in anderer Farbe nicht zulässig 
sein soll. Wir sind der Meinung, dass Alles zulässig 
ist, was nicht gegen den guten Geschmack verstösst 
und dass man ganz gut, wie man mit violetter, 
blauer, roter etc. Tinte schreibt, auch Schreibschrift 
mit solchßn Farben drucken kann. Dass viele unserer 
Kollegen gleicher Ansicht sind, beweisen uns zahl- 
reiche in unseren Sammlungen vorhandene Arbeiten, 
auf denen einzelne Schreibschriftzeilen farbig gedruckt 
worden sind. 

Gedruckt wurde das Blatt in strohgelbem Ton, 
gemischt aus Chromgelb und ümbra, in grau- 



violettem Ton, gemischt aus Miloriblau, Weiss und 
Korinthrot, in Miloriblau und Violettschwarz, sämt- 
lich Farben von Frey d; Sening in Leipzig. 

Beilage D zu dem Artikel »Der Buntdruck auf 
Buchdruckpressen« gehörend, enthält die Zusammen- 
stellung von 78 Variationen zweier Farben. Speziel- 
leres am Schluss des Artikels im heutigen Heft. 



Bezugsquellen 

der angfewendeten Schriften, Einfassungfen etc. 

Blatt S. Satz und Druck der Brühischen Buchdruckerei 
(Fr. Chr. Pietsch) in Giessen. 

Blatt K. Satz und Druck der Piererschen Hofbnch- 
druckerei, Stephan Geibel & Ko., Altenburg. 

Blatt R. Georg Meissner von A. PoUak, Wien, Carl 
Mansfeld von Genzsch & Heyse, Gebr. Paul etc. von Gronau, 
Herzlichen Glückwunsch von Flinsch, Ornamente von Ludwig 
& Mayer, Paul von Bauer & Ko., Bruno von Kloberg, Kun^, 
Initial von Müller & Hölemann, die übrigen Buchstaben von 
Theinhardt, Emil Kern etc. von Gronau, Bruno von Stein etc. 
von Flinsch, Anna Mühlberg von Woellmer, PauUne Bing 
von Theinhardt, KoJbe etc. von Ludwig A Mayer, WUhdm 
Mähnert von Ludwig & Mayer, Hofj^otographen etc. von 
Woellmer, Alschner von Kloberg, Max, Initial von Müller 
& Hölemann, Hennann Kluge von Ludwig A Mayer, Vig- 
nette von Schelter & Giesecke, Friedrich Mannheim dt Co. 
etc. von Schelter & Giesecke, Juliane Möller von Gronau, 
Ahna König etc. von Brendler ft Marklowsky, Friedrich 
Baumann von Theinhardt. Innere Adresskarte : Spitxe und 
Einfassung von Bauer & Ko., SQB von Nies Nachf., itmere 
Ecke von Flinsch, Mechanische etc. von Woellmer, Albin 
Wilde, Stuttgart von Benj. Krebs Nachf. Linke Adress- 
karte : Einfassung von Weisert, Julius Wolf von Nies Nachf., 
Gold- und Silberarbeiter von Genzsch & Heyse, Leipzig von 
Ludwig & Mayer, die übrigen Zeilen von Brendler & Mar- 
klowsky. Rechte Adresskarte : Einfassung von Nies Nachf., 
Kolonialwaren-Handlung von Woellmer, Friedridi Metamer 
von Gronau, Plauen ». V. von Genzsch & Heyse, Leipziger^ 
Strasse von Ludwig & Mayer. Das Linienmaterial zu diesem 
Blatt lieferte uns C. Kloberg, die einseitig halbfetten Viertel- 
petitlinien Zierow & Mensch. 

Blatt D. Siehe Artikel »Der Buntdruck auf Buchdrucker 
pressen« . 



Mannigfaltiges. 



— Jubiläen. öOjähriges: Am 2. April der Buchdruckerei- 
besitzer J. G. Bathgens in Lübeck. — Am 23. April der 
Buchdruckereibesitzer Joh. G. Mahl in Bruneck, Tirol, 
(ÖOjähriges Berufsjubiläum). Zu dieser festlichen Gelegen- 
heit hatten die Gehülfen der Offizin eine Glückwunschadresse 
in vier Blätter gedruckt und dem Jubilar überreicht. 
Diese uns vorliegende Adresse ist mit grosser Sorgfalt, 
den vortrefflichen Leistungen der Ofßzin entsprechend, 
in mehreren Farben ausgeführt und enthält ausser dem 
Titel und dem Text auch das Porträt des Jubilars. 
Es war uns angenehm, auf diese Weise zu dem Bilde 
des geschätzten Kollegen zu gelangen und wir müssen 



209 



Mannigfaltiges. — Briefkasten. 



210 



gestehen, dass uns dasselbe in höchst sympatischer Weise 
berührt; der Kopf zeigt Ernst und Energie, beides Eigen- 
schaften, die ein Mann nötig hat, wenn er die Leistungen 
einer kleinen Provinzialdruckerei auf die Stufe bringen will, 
wie sie die Mahlschen Arbeiten zeigen und wenn er seine 
Thätigkeit auch in so verdienstvoller Weise seiner Vater- 
stadt widmen will, denn der Jubilar war lange Zeit 
im Gemeindeausschuss und Gemeinderat und ist seit 1881 
Bürgermeister, Ehren- und Altbürger der Stadt Bruneck. 
Seine vielfachen Verdienste wurden auch vom Kaiser 
Franz Josef I. anerkannt und durch Verleihung des goldenen 
Verdienstkreuzes mit der Krone belohnt. Der Tag des 
Jubiläums war zugleich der vierzigste Jahrestag der Ver- 
mählung des geschätzten Jubilars, dem wir, als einem 
Freunde unseres Archivs noch nachträglich unseren besten 
Glückwunsch aussprechen wollen. — Am 24. April der 
Buchdruckereibesitzer H. Mertsching in Sommerfeld, 

— Gestorben: Am 30. März der Buchdruckereibesitzer 
Th, Häeslein in Nürnberg, — Am 14. April der Hofbuch- 
druckereibesitzer Theodor Meinhold in Dresden, 

— Geschäftliches. Von der Firma J. G. Schelter & Giesecke 
in Leipzig wurde Herrn Dr. jur, Walther Giesecke, Sohn des 
Herrn Bernhard R. Giesecke, Prokura erteilt. 

— Auszeichnung. Dem langjährigen Faktoi der Firma 
Gebr. Hofer in Saarbrücken, Herrn Friedrich Bruch, wurde 
für nahezu öOjfihrige Thätigkeit in genanntem Geschäft 
das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. 

— Von der Jury der Weltausstellung zu Melbourne 
wurde der Firma Gebr, Jänecke d: Fr. Schneemann in Han- 
nover für ihre Buch- und Steindruckfarben der erste Preis 
»with special mention^ zuerkannt. 

— Herr Carl Derlon in Leipzig legt unserem heutigen 
Heft seine neueste Preisliste über schwarze und bunte 
Buch- und Steindruckfarben, sowie Bronzen, Blattmetalle etc. 
bei; wir machen unsere geehrten Leser auf diese bedeutend 
reduzierte Preisliste besonders aufmerksam. 

— Ein schönes, kräftiges, sehr rein druckendes Glanz- 
blau, besonders geeignet zum Druck von Düten, Emballagen, 
Zirkularen etc. legt die Fabrik von Beit & Philippi in 
Hamburg unserem heutigen Hefte bei. Wir empfehlen diese 
Farbe der Beachtung unserer Leser, 

— Über das Budget der »Times* wird gemeldet: Der 
Prozess, den Mr. Pamell gegen die »Times« in Edinburgh 
eingeleitet, hat ein sehr merkwürdiges und interessantes 
Resultat zu Tage gefördert. Man hat zum ersten Male 
Näheres über die Eigentumsverhältnisse und die Erträg- 
nisse des Weltblattes von Printing-House-Square erfahren. 
Der Gerichtshof hat nämlich, da der wegen Ehrenbeleidi- 
gung beklagte Eigentümer der »Times«, Mr. John Walter, 
die Kompetenz des Gerichts bestritt, diesem aufgetragen, 
über die Rechts- und Besitzverhältnisse des Blattes aus 
den Büchern desselben eidesstattlich bekräftigte Auszüge 
zu liefern. Diese sind nun dem Gerichte vorgelegt worden, 
und man hat nunmehr Einblick in die innere Organisation 
einer der grössten Industrie-Unternehmungen der Welt. 
Man erfahrt, das die »Times«, die vor 101 Jahren von 
John Walter dem Ersten gegründet wurde, heute Eigentum 
von mehr als 100 Personen ist. Dieselben stehen fast 
sämtlich oder doch grösstenteils in verwandtschaftlichen 
Beziehungen zu dem Gründer des Blattes. Unter den Mit- 
eigentümern des Blattes sind zwei bekannte deutsche Namen, 
ein Herr Theodor v. Arnim mit Gemahlin und ein Herr 
Constantin v. Rotberg mit Gemahlin. Mr. Walter, der 
sogenannte Eigentümer, hat nur ^3« des Blattes im Besitz; 



die Rechtsverhältnisse der »Times« sind eigentümliche. Sie 
bilden eine Art Fideikommis, an dem jedoch zahlreiche 
Nutzniesser partizipieren. Die Leitung steht ausschliess- 
lich dem jeweiligen Haupte der Familie zu, also gegen- 
wärtig dem Mr. John Walter IV., der aber alle Gewalt 
thatsächlich schon an seinen ältesten Sohn Mr. Arthur 
Walter übertragen hat. Der Leiter des Blattes bezieht aus 
dem Erträgnis 1000 Pfd. jährlich Entschädigung, jedoch 
nur, wenn das Reinerträgnis wenigstens 5000 Pfd. beträgt. 
Sollte es unter diese Ziffer sinken, so werden dem Leiter 
für je 100 Pfd. Minus an der Reineinnahme 20 Pfd. vom 
Gehalt abgezogen. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre 
war das Reinerträgnis per Jahr ca. 280000 Pfd. — sage 
und schreibe 5600000 Mark! In den letzten Jahren ist 
es etwas gesunken, weil die Auslagen bedeutend gestiegen 
sind. Die tägliche Auflage war schon vor 10 Jahren über 
100000 Exemplare. Der Chef-Redakteur — gegenwärtig 
Mr. Buckle — bezieht 5000 Pfd. Jahresgehalt. Das Durch- 
schnittshonorar für Leitartikel stellt sich auf 10—12 Pfd. 
pro Stück. Stets müssen 55000 Pfd. — 1100000 Mark — 
bar in den Kassen als Betriebsfonds zurückbleiben. 



Briefkasten. 

Herrn K. G. in Berlin. Unsere Meinung über das vielgepriesene 
amerikanische Illnstrationspapier finden Sie im nächsten Heft spezieller 
wiedergegeben. — Herrn A. K. in Stuttgart. Wir bestätigen Ihnen für 
heute nur den Empfang der reichhaltigen, schönen und gediegenen 
Sammlung, uns speziellere Mitteilungen vorbehaltend. Haben Sie herz* 
liehen Dank für diese Sendung. Wir vermissten Sie schon lange 
unter den Freunden unseres Blattes. — Herrn H. H., Hof. Die 
gesandte Karte ist eine einfach hflbsche Arbeit Wahl der Schriften 
und Druck sehr gut Besten Dank fflr die Zusendung. — Herrn G. L., 
Plauen i. V. Nicht Abel; wir glauben aber, die grossen Ecken hätten 
sich in dem blauen Ton noch besser gemacht, ebenso die Violine. — 
Herrn Franz P., Ludwigsburg. Die gesandten Arbeiten sind ganz gefallig 
gesetzt und sehr gut gedruckt Gerade der Ton der Geschäftskarte 
gefallt uns durch seinen zarten und reinen Druck. Der Text dieser 
Karte musste enger gehalten werden, damit der Ort und P. P. nicht 
so hoch an den Rand kamen. 

Inhalt des 6. Heftes. 

Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. — Ein sonderbares Urteil 
aber den deutschen Buchdruck. — Leder-Tonplatten. — Schriftproben- 
schau. — Satz und Druck unserer Probeblätter. — Bezugsquellen. — 
Mannigfaltiges. — Annoncen. — Aeeidenzmnster Im Text: Adress- 
karte, Briefkopf, Rechnungskopf, Menü. - Beilagen: 1 Blatt Farben- 
zusammenstellung. — 1 Blatt Geschäfts -Empfehlung. — 1 Blatt 
Briefköpfe. — 1 Blatt Karten. - 1 Blatt Preisliste von Carl Derlon. — 
1 Blatt Farbenprobe von Beit A Philippi. 

Das Heft enthält im Ganzen 6 Beüagen. Für das Beiliegen der 
fremden Beilagen kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl nicht 
garantiert werden. 



Bezugsbedingungen für das Archiv. 

■rsohelnen : In 12 Monatsh eften. (Heft 8 und 9 stets als Doppelheft) Jedesmal in 
der ersten Monatswoche. Bl^ Fflr komplette Lieibrung, insbesondere voll- 
st&ndlge Beilagen, kann nur den vor Erscheinen des 2. Helles gan^tthilg Abon- 
nierenden garantiert werden. 

Besutf «quelle : Jede Buchhandlung; auch direlct vom Verleger unter Elreuzband. 

Preis : M. 12,—, unter KrGuzband direkt M. 13,50 nach ausserdautschen Lftndem 
M. 14,40. Nach komplettem Erscheinen Preis pro Band M. 15,— exkl. Porto. 

Annoncen: Preis pro Petitselle 25, zweisp. 50, dreisp. 76 Pf. Bei h&uflger 
Wiederholung Rabatt. Kostenanechlfise soforC Betrtge vor Abdruck zu 
zahlen, andernfalls 2& Pf. Extragebühr. Als Bele« dienen Ausschnitte, 
Beleff hefte, wenn verlangt, kosten Je nach Ausstattang M. 1,50—2,50 

Bellaffen : Quartblatt M. 20, umfangreichere Je nach Gewicht M. 25 etc. Aufl. 1660, 

Novitäten in Originalguss "finden Anwendung im Text und auf den MusterblÄttera 
ohne Berechnung, doch wird bedungen, dass dieselben als Entschftdigung 
fOr die durch die Auftaahme erwachsenden Mflhen und Kosten EÜgentum des 
Verlegers bleiben. Qiessereienf welche dies nicht wünschen, wollen sich 
besonders mit uns vereinbaren. 

KUscheee von verwendeten Oriffinal-Flatten geben wir ab, lieAsm auch Farben, 
Bronsen , Papiere etc., wie wir solche benutzten ; von allen Diplomen haben 
wir Blankovordrucke am Lager. 

Bohrlften, Blnflasaunffen etc. aller Giessereien liefern wir zu Originalpreisea. 

Textschrift von BenJ. Krebs Kachf., FrankfVirt a. M. Initialen von Otto 
Weisät, Stuttgart Überschriften von Emil Berger, Leipzig, ünterrubrlken von 
Boos & Junge, OflTenbach a. M. Perl Antiqua und halblbtie Aldine Kursiv von 
J.G. Schelter a Giesecke, Leipxig. Gedruckt mit Farbe von Frey & Sening, L«ipzlg 
auf einer Schnellpresse von Klein, Forst &. Botm Nachf. Johannisberg a. Bn, 



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Für eine Accidenzdmckerei Süd- 
deutschlands wird ein auch in Kontor- 
arbeiten bewanderter, pünktlicher und 
durchaus suverlttssiger junger Mann 
gesucht, der die Oberwachung und Expe- 
dition der Drucksachen, Besorgung des 
Pap! erlagers etc. zu besorgen hätte. 
Getl. Anerbietungen mit Ang. der Geh.- 
Anspr. und Beil. von Zeugnissen über 
bisherige Leistungen befördert sub Chiffre 
Ji 6O70 Siido(f Mosse, Stuttgart. 




Perlschrift-Satzproben 

für ein Werk von zirka 40 Bogen 
werden erbeten sub ChifT J, 7i. 9486 
durch Rudolf Mosse Berlin S. W. 



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Ixftrt-JtiiraiL 

DeuUch-englisch-franzÖsische Monatsschrift t. d. internal. Verkehr 
der gesamten Buchgewerbe. 

12 Nummern jährlich 4 M., Anzeigen 40 Ff. die Zeile. 

G. Hedeler, Leipzig. 




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Redigiert and herausgegeben voa Alexaader Waldow in Leipzig. — Druck und Verlag von Alexander Waldow in Leipzig- 



OHginaUau un.l Druck der ISrührschen Druckerei (Fr. Clir. Pietsch) ii 
Archiv für lluchdruekerkun?!. 26. Band. Verlag von Alexander Walilc 



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85 Leipzigerstrasse 85. 



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26. Band. 



1889. 



Heft 7. 



Der Buntdruck auf Buehdruekpressen 

Alexander W&ldow. 

(FoTttetiDiif.) 

6. Farbenstein und Farbenreiber. 

ru den wichtigsten Utensilien für den Farben- 
' druck gehört der Farbenstein und der 

I Farbenreiber, denn selbst die angerieben 

bezogenen Farben müssen vor der Verwendung noch 
einmal durchgerieben werden. AisFarbensteinhenulzl 



Es ist ein runder Kegel, der unten eine breite, 
glatte Fläche bildet, nach oben aber derart verjfingt 
verläuft, dass man ihn bequem mit beiden Händen 
fassen und kräftig aufdrückend führen kann. Er darf 
nicht all schwer sein, damit er die Arbeit nicht zu 
einer unnötig ermüdenden macht. Über die Hand- 
habung dieser beiden Utensilien sehe man unter 8. 

•j. Farbenreibmaschinen. 

Wenngleich Farbenstein und Reiber nie ganz 
zu entbehren sind, um eine Farbe, insbesondere 



li Flinacb und Ludwig t Mayer, Schlueotinie von Ludwig t «hjei. 



man am besten einen vollständig ebenen, glatten 
lithogi'aphischen Stein geringerer Qualität oder eine 
ebensolche Marmorplatle. 

Der Farbenreiber aus Serpentin oder Marmor 
gefertigt, gleicht dem, welchen die Maler benutzen. 



eine Mischfarbe, wirklich druckfertig zu machen, so 
ist man doch bemüht gewesen, für das Anreiben 
grosser Quantitäten Farben praktische Maschinen 
zu konstruieren, die diese mühsame Arbeit schnell 
und gut zu leisten vermögen. 



:k auf fiuchdiuckpre 



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fiing 
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zum 

also 
nder 
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urch 
ans- 
lem; 

den 

iche, 
edie 
)iese 



Maschinen haben mehrere fein geschhffene und polierte 
Eisen- oder Granitwalzen nebeneinander und die 
Farbe nimmt ihren Weg zwischen ihnen durch. 
Fig. 2 zeigt eine kleine Maschine dieser Art. Auch 
grössere Maschinen, wie sie Fig. 3 und 4 zeigen, sind 
oft in Gebrauch. Dieselben arbeiten mit einem oder 
mit zwei Reihern, die sie in ähnlicher Weise über 



den Farbenstein führen , wie man dies mit der Hand 
bewerkstelligt. Tisch und Reiber sind erklärlicher- 
weise leicht zu reinigen. Die Maschinen sind nur 
für grossem Beirieb zu empfehlen , da sie zu teuer 
sind. Es gibt selbstverständlich für diesen Zweck 
noch Maschinen andrer, von den vorstehend be- 
schriebenen in etwjis abweichender Konstruktion. 

8. Das Anreiben der Farben. 

Ehe ich spezieller auf das Anreiben der Farben, 
als eine der wichtigsten Manipulationen für den Bunt- 
druck eingehe, möchte ich jedem Drucker raten, sieh 
ein Buch zu halten, in dem er sich die Bestandteile 
und Verhältnisse aller von ihm anzureibenden Misch- 
farben genau notiert, sich also anmerkt, wie viel von 
jeder der dazu verwendeten Farben er nahm, um 
jene Mischfarbe zu erzielen. 

Es ist nämlich ganz unglaublich schwer, ein und 
dieselbe Nuance später einmal, event. bei einer neuen 
Auflage der fraglichen Arbeit, oder wenn man sie Tür 
eine andere benutzen will, wieder genau so zu trefTen, 
falls man sich keine Notizen machte. 

Am schwierigsten ist dies zumal bei Tönen, wo 
ja von allen Farben ausser Weiss oder dem reichlich 
benutzten Firnis, nur ein ganz kleines Quantum zur 
Verwendung kommt und wo man jetzt mit Vorliebe 
unbestimmte Töne wählt, die aus mehreren, mit dem 
Auge kaum erkennbaren Farben zusammengesetzt 
werden. Man kann stundenlang mischen, ehe man 
die richtige Nuance findet, ja oft wird dies gane 



225 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



226 



unmöglich, weil man vielleicht früher eine Farbe zu- 
setzte, an die man zur Zeit gar nicht mehr denkt, 
oder die gar nicht mehr zur Hand ist. 

Aus diesem Grunde ist ein genaues Notieren 
solcher Farbenmischungen von grosser Wichtigkeit 
und von grossem Wert, weil es den Drucker des 
langen zeitraubenden Suchen» und Probierens über- 
hebt. Kein gewissenhafter Drucker sollte versäumen, 
sich ein solches Buch anzulegen. 

Zu Eingang der eigentlichen Lehre vom »An- 
reiben« sei bemerkt, dass die auf der Handpresse zu 
verdruckende Farbe eine andere Starke (Konsistenz) 
haben muss, wie die auf Schnellpressen zu ver- 
druckende. 



Eines der Hilfsmittel, Farben geschmeidig zu 
machen, respektive sie zu lösen und zu erweichen, 
besteht in dem Auflösen in Spiritus. Man schüttet 
in diesem Falle die trockne Farbe in ein flaches Gefass, 
giesst Spiritus darüber und lässt sie V^ — ^'s Stunde 
stehen. Hat der Spiritus die Farbe gehörig erweicht, 
so giesst man ihn ab, nimmt die Farbe auf den Stein 
und verreibt sie darauf, doch zunächst ohne Zusatz 
von Firnis, zu einem feinen Brei. Ist dieser Brei 
gehörig durchgerieben, dann erst erfolgt das Zusetzen 
von Firnis und erneutes Durchreiben. 

Ein zweites, bei Zink- und Bleiweiss, Mennige, 
Chromgelb, ChromgrünundgrünemZinnoberanwend- 
bares Verfahren besteht darin, diese Farben in Wasser 



^i^c^e 



errnami QyJra/7im£, ULdenaiira. 



Jirtfi.: t^iutjc t^ytieJel. 



Cy^(n^^ira^%M'^ ^2, (l?CKe e)er <^ra/u)aa^^e. 



t^lyLaiarual-, .^^JJroque/h-, ^^^a/xxe 



y' 



'W^are/h- ha 



IC/ Qja/7ie^h-t^_yXoaru/iuria^. 



una^. 



'^eUphcn-'t^^^^Ut^chuc^ii' %^(o. 63S. 



(ytoeiiCHirQ., i)e/h ^S 



uy. 



Barokko-Schreibschrift von Genzsch & Heyse, Zierlinie von Ludwig ft Mayer. 



Druckt man auf der Handpresse , so wird man 
meist mittelstarken^ druckt man dagegen auf der 
Schnellpresse, so wird man schwachen Firnis ver- 
wenden müssen; stark aufquellende Farben, wie 
z. B. Weiss, wird man jedoch stets mit schwachem 
Firnis anzureiben haben , mag man diese Farbe nun 
auf der Hand- oder auf der Schnellpresse verdrucken 
wollen. 

Es gibt jedoch Farben, welche ohne vorherige 
Präparation nicht genügend fein zu reiben sind, soviel 
Mühe man sich auch geben mag. Allerdings hat man 
sich über diesen Übelstand weniger zu beklagen, 
wenn man die Farben aus einer Quelle bezieht, 
welche nur fein geschlemmte und bestens präparierte, 
also nur solche Farben liefert, welche sich ohne 
Umstände anreiben und verdrucken lassen und welche 
weit ausgiebiger sind, demnach den Druck eines weit 
grösseren Quantums ermöglichen, wie die weniger 
fein präparierten Farben. 



einzurühren und die sich bildende Suppe durch ein 
dichtes Haarsieb zu Ig^sen. Die gröbern Teile werden 
auf diese Weise entfernt. Hat sich der Farbestoff zu 
Boden gesetzt, so giesst man das Wasser ab, giesst 
schwachen Firnis auf die Farbe und vermischt beide 
mittelst eines Spachtels gehörig miteinander. Das 
noch in der Farbe verbliebene Wasser sondert sich 
dabei immer mehr ab , so dass man die erstere dann 
bald auf den Stein nehmen, gehörig klar reiben und 
das nötige Quantum Firnis zusetzen kann. Bezüglich 
der Anilinfarben sei ausdrücklich bemerkt, dass sie 
niM in Spiritus gelöst werden dürfen. 

Die physischen Eigenschaften der Farben*) sind 
bekanntUch sehr verschieden. Manche trocknen sehr 
langsam, andre wieder so schnell , so zu sagen unter 



*) Ich gebe in dem Nachstehenden aus Fachblättern 
und Fachwerken für mein Wörterbuch der graphischen 
Künste gesammelte Notizen. 

13* 



Der Buntdmck auf Buchdruckpress 



der Hand, dass sie sich schwer drucken lassen. Im 
letztern Falle verlangt die Farbe den Zusatz einer 
Substanz, welche das Trocknen verzögert und die 
Verarbeitung erleichtert. Diese findet sich am nächsten 
in den tierischen Fetten und andern ähnlichen Natur- 
produkten. Ein geringer Zusatz von diesen zu Mineral- 
orai^e. Orange und roter Mennige etc. machen solche 
Farben leicht verarbeitbar. Ebenso thut ein solcher 
Fettzusatz auch gute Dienste beim Druck von glaciertera 
Papier oder glaeierten Karten, von denen die Kreide- 
Schicht leicht an derPlattehängen bleibt undabsplittert. 
Das Fett, ohne die Steife der Farbe zu vermindern, 
benimmt ihr die Zähigkeit und bewirkt, dass sich die 
Partikelchen trennen und sich leicht von der Platte 
ablösen. 



Metallfarben geschmeidig zu machen und das Liegen- 
bleiben derselben auf der Form zu verhüten, ist der 
venetianiscke Terpentin. — 

Sollen zwei oder mehr Farben iibereitiander 
gedruckt werden, so sind sie, um die Arbeit zu 
erleichtern , mit etwas Sikkativ zu versetzen. Unter 
den gewöhnlichen Umständen, d. h. einmal^em Druck, 
wird die Farbe durch das Einsaugen in das Papier 
schnell trocken, wo aber eine Farbe auf die andre 
zu liegen kommt, kann dies nicht stattfinden, es muss 
also den Farben ein Trockenmittel zugesetzt werden. 
Freilich darf dies nur in geringstem Masse geschehen, 
denn zu viel davon würde den Übelstand hervorrufen, 
dass das Papier auf der Form kiebt, und die Farbe 
abreissL 



n Woellmers SchriftgleBserol. Schrift von J. G. Scheiter & Giefiocko. 



Rokoko- Bin taGinag von Wilhelm Woellmi 



Auch die venetianiscke Seife wird von manchen 
Druckern als Mittel zum Geschmeidigmachen der 
Farbe, insbesondere des Zinnobers, benutzt. Sie wird 
dünn auf den Farbenstein geschabtund mit dem nötigen 
Quantum Farbe zu einem konsistenten, trocknen Brei 
verrieben. Hat sie die nötige Feinheit erlangt, so wird 
der erforderliche Firniszusatz gemacht. Eine so 
behandelte Farbe lässt sich freilich auf der Schnell- 
presse nur schwer verdrucken; man muss sie, um 
den Farbezufluss genügend zu ermöglichen, fort- 
während mit dem Spachtel auf den Duktor streichen. 
Diese Mühe würde sich allerdings verlohnen, wenn, 
wie Herr A. Ihm in seinem Werke: Die bunten 
Farben etc. 2. Auflage (Wien. R. v. Waldheim), angibt, 
durch einen solchen Zusatz die Möglichkeit geboten 
ist, Zinnober in seiner ganzen Schönheit von Messing- 
tind Kupferplatten, wie auf Buchdruckschnellpressen 
zu drucken, bei welchen der grosse Farbesilinder aus 
1 besteht. Ein weiteres Hilfsmittel, schwere 



Ebenso ist es beim Druck auf Kreidepapier 
geraten, den bunten Farben (den Tonfarben nicht 
oder nur sehr wenig) Kanada- oder Kopaivbalsam, 
oder aber Sikkativ- oder Kopallack zuzusetzen. Auch 
bei den erstem darf der Zusatz nur etwa das Quan- 
tum einer Messerspitze betragen, da sonst die Farben 
schmierig werden und unrein drucken. 

Um den Glanz bunter Farben zu erhöhen, wird 
empfohlen, denselben kurz vor dem Gebrauche etwas 
frisches Eiweiss beizumischen. Das Eiweiss be- 
schleunigt auch das Trocknen der Farben. — 

Ein Haupterfordernis heim Farbendruck ist. 
wenn man einen reinen, die ganze Schönheit der 
Farbe wiedergebenden Druck erzielen will, das voll- 
ständige und sorgsamst auszuführende Reinigen des 
Farbensteins, des Reibers und des Farbespachtels von 
den Überbleibseln einer andern Farbe. Selbst ganz 
festgetrocknete Teile einer solchen müssen mit Ter- 
pentin oder Benzin entfernt werden , denn sie lösen 



Ein englisches FachblatI Aber den deutschen Accidenzsatz. 



sich, wenn sie ia die anzureibende Farbe kommen 
unbedingt mit auf und verunreinigen dieselbe leicht 
derart, dass sie an Ansehen verliert. Aus diesem 
Grunde müssen nicht nur die zum Reiben, respektive 
zum Ausstreichen dienenden Flächen der genannten 
drei Gegenstände, sondern auch ihre Ränder, wie 
alle übrigen Teile sorgsamst gereinigt werden. Die 
gleiche Reinlichkeit muss sich femer auf alles Das 
erstrecken, was später mit der Farbe in Berührui^ 

kommt. (Forlsstiung folgl.) 



Buchdrucker. Vergleichen wir ein Schriftprobenbuch 
unserer britischen Schriflgiesser mit einem deutschen, 
so sind wir betroffen über die Armut in der orna- 
mentalen Partie, in den Einfassungen, Kopfstücken 
und sonstigen Verzierungen. Während die eng- 
lischen Schriflgiesser ihren Scharfsinn auf die 
Erzeugung einiger wenigen unbeschreibbaren Kopf- 
und Endstücken im Renaissance- oder Elisabethstil 
beschränken, treten ihre deutschen Kollegen in ihren 
Einfassungen im besten italienischen und deutsehen 
Renaissancestil und in der gotischen und römischen 
Ornamentik in einer Schönheit und Mannigfaltigkeit 



3" der am z- 0ktö 
Ijindflndsn 

■eib^a^d auj 



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n P. LeutsmaiiD, Schrift tan J. G. Sebeltsc t (i 



Ein englisches Faehblatt über den 
deutschen Aeeidenzsatz.* 

^I^m Scotlish Typographical Circutar werden 
{§£^ Betrachtungen über die Ursachen angestellt, 
warum der deutsche Luxusdruck den englichen und 
selbst den amerikanischen so weit übertrilll. 

In Bezug hierauf sagt das schottische Fachblatt: 
Zuerst müssen wir über mindestens ebensoviel künst- 
lerisches Material verfügen können wie die deutschen 



• In Heft 6 gaben wir das Urteil eines Franzosen 
oder französischen Schweizers über den deutschen Aeeidenz- 
satz. Unsere geehrten Leser werden sich wundern, dass 
dieses Urteil ein höchst absprechendes war, trotzdem wir 
doch selbst Augen zum Sehen, Vergleiclieu und Prüfen 
haben und uns ohne Cberhebung sagen können, dass unser 
SUndtpunkt auf diesem Felde buchdruckerischen Schaffens 



auf, die ihres Gleichen sucht. Wenn dazu die deut- 
schen Setzer ein Verständnis für das SehönheitageRihl 
und die Mannigfaltigkeit ihrer Künstler, welche ihnen 
das ornamentale Material liefern, besitzen, um so eher 
sind sie im Stande, das Ideal derselben zu verwirk- 
lichen. Wird dem englischen Setzer das benötigte 
Material zu einer Luxusarbeit in die Hand gegeben, 
so muss ihm auch Belehrung über die künstlerische 
Verwendung desselben erteilt werden. Schriften und 
Ornamente, so schön sie auch an sich sein mögen, 
genügen dem kunstverständigen Druckaufgeber noch 

rechl wollt Anerkennung verdient. Dass andere Nationen, 
z. B. die Engländer deutsche Leistungen ganz anda-s beur- 
teilen wie jener Franzose, geht aus dem nachstehenden 
Artikel hervor. Es wird uns Deutschen wohl Niemand ver- 
argen, wenn wir auf dieses unparteüscJie Urteil ■mehr Wert 
legen und es für das richtigere halten, wie auf das jenes 
französischen Heim. Red. d. Archiv. 



ichen Accidenzaatz. — Amerikanisches lIluBlrationspapier. 



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einer grösseren Mannigfaltigkeit in den verschiedenen 
Omamentstilen befleissigen. Zweitens muss der 
Accidenzsetzer die Prinzipien der ihm zur Verrügung 
stehenden Ornamente (und der Schrillen, welche mit 
diesen verschiedenen Ornamenten in Einklang zu 
bringen sind) studieren. Die Gelegenheit zu diesem 
Studium solcher Muster aus allen Zeitepoehen und 
aller Stile wird in den Kunst- und Wissenschafts- 
museen, sowie in den über Ornamentik handelnden 
Lehrbüchern in reichem Masse geboten. Zum dritten 



1. Schelttr * Glenckf. 



Vignette nad Schrift «on Binar A Ko. 

empfehlen wir den Druckern ein eingehenderes 
Studium der Farben in Bezug auf Harmonie und 
Kontrast und wie sie die grellen Zusammenstellungen 
von Rot, Blau und Schwarz ohne vermittelnde Töne 
zu vermeiden haben. Es wäre in der That zu ver- 
wundern, wenn sie nach verständnisvoller Befolgung 
dieser Ratschläge in ihren Leistungen den deutschen 
Kunstdruckern noch nachstehen sollten. 



Amerikanisehes lUustrationspapier. 

^^I^n Amerika wird in neuester Zeit ein Papier 
1^1^ verwendet, das in besonderer Weise fabriziert, 
sich ganz vorzüglich zum Druck von Illustrationen 
eignet und für diesen Zweck in ausgedehntem Mass 
verwendet wird. 

Dieses Papier ist mit einem dünnen aber höchst 
exakt au/getrof/enen Kreidestrich versehen, später aber 
sehr scharf und vermutlich mit erwärmten Walzen 
satiniert, so dass es sich durchaus nicht mehr wie ein 



233 



Amerikanisches Illustrationspapier. — Neues Druckverfahren für Illustrationen. 



234 



Kreide-, sondern wie ein sehr gut und glänzend sati- 
niertes Kupferdruckpapier anfasst und ansieht. 

Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, 
dass dieses Papier jsu aUererst dem Druck geätzter 
Platten dienen soll, die sich, wie wohljeder mit dem 
Druck solcher Platten Vertraute weiss, auf einem 
gut gestrichenen Papier vorzüglich drucken und alle 
Töne, bis zu den lichtesten in vollendeter Weise 
wiedergeben, wenn sonst die Platte eine gute und der 
Drucker ein geschickter ist. Auch konmien alle 
Farben, insbesondere die jetzt für solche Arbeiten so 
beliebten , wie Violett- , Grün- und Blauschwarz vor- 
trefflich zur Geltung. Dass dies bei Holzschnitten in 
gleicher Weise der Fall , lässt sich ja denken , denn 
die Kreideschicht sichert auch die beste Ab- und Auf- 
nahme der Linien- und Kreuzlagentöne, wie sie dies 
bei den geätzten Platten, hauptsächlich den Autotypien, 
bezüglich deren feinem Korn ganz besonders gut thut. 

Während dieses Papier, weil für extra gedruckte, 
in den Text einzuheßende feine und besonders kunst- 
volle Illustrationen bestimmt, zumeist nur einseitig 
gestrichen ist, findet man in neuester Zeit auch 
doppelt gestrichenes, -weil man anfängt, dieses Papier 
zu vollständigen Werken zu benutzen, in denen 
einzelne kleinere Illustrationen vorkommen. Auch 
deutsche Firmen liefern solch Papier, freilich, ohne 
nach unserer Ansicht überhaupt das echt amerika- 
nische Fabrikat zu erreichen , welches sich , wie wir 
oben erwähnten, wie ein feines, glänzend satiniertes 
Kupferdruck angreift , während das deutsche wie ein 
gutes mattes Kreidepapier aussieht und sich wie solches 
anfasst. Die Verwendung von doppelseitigem Papier 
dieser Art zum Druck von Werken, Journalen etc. können 
wir nur verwerfen, denn die Schrift erscheint auf 
demselben zxifein, zu sehr das Auge anstrengend ^ es 
bricht und reisst leicht, kann deshalb niemals zuBildern 
benutzt werden, die ihrer Grösse wegen gefalzt werden 
müssen, der Druck verwischt sich leicht, zumal beim 
Verarbeiten durch den Buchbinder, und — der Leser 
hat beim Umblättern immer das unangenehme Gefühl, 
welches das Angreifen kreidigen Papieres mit sich 
bringt. Dass die Verwendung solchen Papiers ixiv ganze 
Werke auch sehr riskant ist , lässt sich ohne Zweifel 
behaupten , denn die Schicht ist doch gar zu vielen 
Einflüssen ausgesetzt und wird insbesondere durch 
Feuchtigkeit etc. leicht leiden. 

Wir können uns aus den vorstehend angegebenen 
Gründen mit diesem Papier nur dann befreunden, 
wenn es für seinen eigentlichen Zweck, also als »Art 
Paper«, wie die Amerikaner es nennen, auch nur für 
den Druck einzelner kunstvoller Illustrationen oder 
feiner Accidenzien verwendet wird. 




Neues Druckverfahren ftir 
Illustrationen. 

[Is wir eben im Begriff waren, den ersten Bogen 
dieses Heftes zu drucken, ging uns ein Zirkular 
der Herren Fischer dt Wittig in Leipzig zu, in welchem 
dieselben Mitteilung über ein neues lllusirations- 
Druckverfahren machen. 

Zunächst gereicht es uns zu grosser Genug- 
thuung, dass die genannten Herren, Besitzer einer 
der renommiertesten Illustrationsdruckereien , unsere 
Meinung über das amerikanische Illustrationspapier 
teilen, wenn wir auch den von uns ausgesprochenen 
Vorbehalt, dass das original- amerikanische Papier, 
wenigstens das uns vorliegende, entschieden besser 
wie das neuerdings fabrizierte deutsche sei und einige 
besonders störende Übelstände des letzteren nicht 
zeige, aufrecht erhalten müssen. 

Die Herren Fischer & Wittig erkennen ebenfalls 
an, dass Illustrationen auf gestrichenem Papier ganz 
bedeutend besser wirken, w-ie auf gewöhnlichem 
Illustrationspapier, sie sagen aber, wie wir, dass jeder 
Verleger schwer an die Verwendung derartigen 
Papiers zu illustrierten Prachtwerken, Kunstzeit- 
schriften etc. gehen wird, weil eben die auch von uns 
hervorgehobenen Übelstände beachtet werden müssen. 

Gerade diese Übelstände nun brachten die genann- 
ten Herren auf den Gedanken, eine Masse, ähnlich 
der, welche zu Chromopapieren verwendet wird, nur 
in der Fläche der zu druckenden Bilder auf das Papier 
aufzudrucken, was ihnen nach vielen Versuchen end- 
lich gelungen ist und zwar in so vollkommener Weise, 
dass nicht allein jene Übelstände beseitigt sind, son- 
dern auch das Chromopapier vollständig ersetzt wird. 

Während also bei den Chromopapieren der ganze 
Bogen gestrichen wird, drucken Fischer & Wittig 
entsprechend präparierte Masse nur insoweit auf das 
Papier, als sie zum Druck der Bilder nötig ist. Das 
Verfahren ist in seiner Art ganz neu und bereits zum 
Patent angemeldet, sodass den Erfindern das alleinige 
Recht der Verwertung desselben zusteht. 

um Jeden von der hohen Bedeutung ihres Ver- 
fahrens zu überzeugen, haben Fischer & Wittig einige 
Proben angefertigt, welche die vielseitige Verwendung 
desselben darthun sollen. Uns liegen diese Proben vor. 

Eine derselben zeigt, welch bedeutender Druck- 
erfolg auf dem Untergrund erzielt wird, indem das Bild 
zur einen Hälfte mit, zur anderen ohtie denselben ab- 
gezogen ist. Zum Druck des Bildes ist gutes Illu- 
strationspapier und Primafarbe verw^endet; der Druck 
des ganzen Bildes ist in gleicher Zurichtung und 
Farbestellung gemacht, es ist also bewiesen, dass jede 



zvt 



Xfftie« DrtiekverCahren für Illastrationen. — Ordnang in den Titel- und Zicrschriftklsten. 



UtYi^hi^e FarJ>e auf dem Untergrund enüspreehend 
tiefer (^kräftiger, interwiverj, druckt. 

Kine zweite Probe, eine Autotypie, ist mit Photo- 
graphiefarbe auf den Untergrund gedruckt und ist die 
Wirkung eine der Photographie ähnliche, dem Glanz- 
lichtdruck aber fast gleichkommend. 

Kine dritte, ein sechsfarbiges Buntbild, gedruckt 
von Zinkplatten, hat auf dem Untergrund gleichfalls 
eine ganz bedeutend bessere Wirkung, wodurch 
bewiesen wird, dass sich das Verfahren auch beson- 
ders für Buntdruck eignet ; beide zeigen hohen Glanz 
und zarte mehrfache Tönung der Farben. 

Ganz besonders ist hervorzuheben, dass durch 
(las Verfahren die Textillustrierung von Pracht- 
werken mittelst Autotypieplatten eine besonders voll- 
kommene und effektvolle sein wird, da die Textbilder 
in einer beliebigen bunten Farbe mit lichtdruckähn- 
licher Wirkung gedruckt werden können. 

Was die Kosten für das neue Verfahren an- 
belangt, so sind diese nicht höher, als die Differenz 
zwischen Chromopapier und gewöhnlichem Papier, 







Ordnung 
in den Titel- und Zierschriftkästen. 

[enn man die Titel- und Zierschnftkästen mit 
Leisteneinrichtung in den Druckereien heraus- 
zieht, wird man in den meisten Fällen eine gewisse 
Unordnung in denselben vorfinden. Durch das Ab- 
setzen von Zeilen aus den in diesen Kasten unter- 
gebrachten Schriften verlieren die Typen d«i Halt, 
fallen um, schieben sich leicht unter die Leisten und 
sind dann schwer wieder heraufzuholen. 

Versuche, die umgefallenen oder unter die Leisten 
geratenen Buchstaben mit der Ahle oder Pincette 
wieder auf ihren Platz zu befördern, sind nicht leidü 
ohne Lädierung der Bildfläche zu bewerkstelligen, 
kurz, diese Art der Unterbringung der gerade am 
kostbarsten Schriften ist seit jeher und bis zum 
heutigen Tage von den Buchdruckern als ein grosser 
Übelstand betrachtet worden. Dieser Übelstand ist 
ein um so fühlbarer, als die bisherige Unterbringung, 



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Stachelepatien für Titel- and Zierschriftkästen. 



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was demselben gerade eine so hohe Bedeutung gibt. 
Die Herren Kründer stehen jederzeit mit Kalkulationen 
i\\)i)V die gesamte Druckausführung von Arbeiten zu 
DiensUm, eventuell liefern sie auch den Unterdruck 
Hllein. Das Patent für Deutschland gedenken sie nicht 
zu verkaufen, wohl aber sind sie geneigt, es für das 
Ausland abzugeben. 

Wir müssen gestehen , dass wir diese Erfindung 
als oino epochenMcJiende bezeichnen können. Die 
erzielten KlTekte sind so grossartig und in die Augen 
springend, zeigen sich ganz besonders deutlich auf 
(lor erwähnten ersten Probe, dass sie Niemandem 
entgehoii können. Die eine Hälfte des Bildes erscheint 
matt und kraftlos , die andere auf dem präparierten 
Untergründe Ä:n'i//*jr, tief schwarz, dabei rein und voll 
(ilanz. 

Weitere Berichte behalten wir uns vor, werden 
aurh durch die Güte der Herren Fischer & Wittig in 
dt>r Lage sein, unseren Lesern ein Probebild, gedruckt 
in der neuen Manier in Heft 89 vorführen zu können. 



wollte man nur einigermassen Ordnung schaffen, der 
Mitverwendung einer grossen Zahl von Quadraten 
bedurfte, die dann, ohne ihren eigentlichen Zweck zu 
erfüllen, als totes Material in diesen Leistenkästen 
steckten. 

Die Herren Gebrüder Sf^ohenwald in Berlin S. 0., 
Oranienstrasse 174, haben nun in ihren sogenannten 
Stcu)helspatien ein Material geschaffen, was allen 
genannten Übelständen abzuhelfen vermag. 

Die Stachelspatien sind aus Weissblech gefertigt; 
sie werden beim Einstellen in den Titelschriftkasten 
so zwischen Buchstabengruppen gestellt, dass sie 
etwa um 3 bis 4 Cicero voneinander abstehen. Je 
nach Breite der Buchstaben wird somit eine grössere 
oder kleinere Zahl derselben zwischen je zwei Stachel- 
spatien stehen. Für Bestimmung der ang^ebenen 
Abstände voneinander ist die Erwägung massgebend, 
dass jedes durch Einschaltung von Stachelspatien 
geschaffene Fach nur so gross sein darf, dass ein 
einzeln stehender , sich seitwärts neigender Buchstabe 
nicht umfallen kann. Die beiderseits vorstehenden 
Stacheln werden durch Andrücken der auf der Signatur- 
seite der Buchstaben aufgelegten Leiste in das Holz 
getrieben. Auf solche Weise wird der Gesamtraum 



237 



Ordnung In den Titel- und Zierschrift kästen. — Schriftprobe nach au. 



1 eine grössere Zahl von Fächern mit fest- 
stehenden Wandungen zerlegt , innerhalb deren kein 
Buchstabe umfallenkann. Die Anwendung derSlaehel- 
spatien hat noch den weiteren Vorteil, dass, da die- 
selben etwas stärker als die Schriflk^el gefertigt, die 
Leisten etwas auseinander gehalten werden, also die 
Schrift nicht festgeklemmt wird. Setzen und Ablegen 
wird dadurch wesentlich erleichtert. 

Die Stachelspatien werden in allen vorkommen- 
den K^elstärken gefertigt und verdienen besonders 
bei Einstellungen neuer Accidemschriflen, figuren- 
reicher Einfassungen, Ornamente, Linien Beachtung, 
Der Preis für je 1000 Stück beträgt: Nonpareille bis 
Korpus M. 4.— ; Cicero bis Tertia M. 5. — ; Text bis 
Doppelmiltel M. 6. — ; Doppeltertia bis Dreleinhalb- 
cicero M. 7. — ; Viercicero bis Sechscicero M. 8. — . 



vor dem Schneiden der Leisten auf dem vollen Brett 
bewerkstelligt werden kann, so möchten wir doch 
der Prüfung, resp. Begutachtung unserer Leser an- 
heimgeben, ob diese etwas kompliziertere Einrichtung 
nicht doch grössere Sicherheit bietet, wie die Stachel- 
spatien, die, zumal in den kleinen Graden nicht 
so leicht sicher und gerade mit der Hand einzusetzen 
sind. 

Auf jeden Fall betrachten wir es als unsere Pflicht, 
auf diese uns lange Jahre bekannte Frankesche Ein- 
richtung hinzuweisen. Wie wir hören, hat Herr 
Franke diese von ihm erdachte Einrichtung seiner 
Zeil auch der Typographischen Gesellschaft in Leipzig 
vorgelegt. 



Vignette und Huiiptiei 



n J. G, Scheiter & (iiesecke, dio Übrigen Zeit«!! von Genzsch t ttej»»- 



Doch, >es gibt nichts Neues unter der Sonne*. 
Vor etica 8 Jahren schon übergab uns unser 
alter Mitarbeiter Herr Carl August Franke in Leipzig, 
der rühmlichst bekannte Herausgeber vieler Hand- 
bücher über die Buchdruckerkunst und ihre Zweige, 
das kleine Modell eines Leistenkastens, in welchem 
eine ganz ähnliche Einrichtung auf folgende Welse 
getroffen war. Franke hatte die Leisten in Abständen 
von etwa 20 mm mit einem V* Petit tiefen Einschnitt 
versehen. In die sich gegenüber stehenden Einschnitte 
nun waren Blechstücke in Form der Stolzenwald- 
scben Spatien, doch ohne Stachel, eingeschoben und 
bildeten auf diese höchst sichere und einfache Weise 
eine Anzahl Fächer, in der die Schrift ganz ebenso 
untergebracht wurde, wie bei den aus Stachelspatien 
gebildeten Fächern. 

Wenn bei der Frankesehen Weise ein Ein- 
schneiden der Leisten nötig wird, was ja aber mit 
einer Kreissäge leicht und genau möglich ist, auch 



Sehriftprobensehau. 

^^in im modernen Accidenzsatz für merkantile 
^!@ Arbeiten gern verwendetes Material bilden die 
Vignetten in der von uns auf Seite 239/40 vorgefiihrten 
Art. Die Firma Paul Leutemann in Leipeig hat kürz- 
lich eine grössere Anzahl derartiger Polytypen ver- 
ölTenthcht, von denen wir im vorliegenden Heft einige 
zum Abdruck bringen. Dieselben zeigen neben einer 
durchaus modernen Zeichnung einen ganz sauberen 
Schnitt und werden sich oft mit Vorteil verwenden 
lassen. Werden die etwas schwerer in der Zeichnung 
ausgefallenen Vignetten mit dem sie begleitenden 
übrigen Satz in einer der gegenwärtig für derartige 
Arbeiten sehr beliebten gebrochenen Farben (Blau- 
schwarz, Grünsehwarz etc.) gedruckt, so wird das den 
durch sie erzielten Effekt noch erhöhen. 

Von der Firma Benj. Krebs Nackf. erhielten wir 
das schön ausgestattete 8. Heft der von ihr heraus- 
14 



Schriftproben schau. 



2*0 



gegebenen Typographischen Neuigkeitm, Dasselbe 
enthält neben den von der ^Itberühmten Giesserei in 
neuester Zeit herausgegebenen Novitäten auch ver- 
schiedene Aufsätze von allgemeinem Interesse. So 
zunächst einen ganz interessanten Artikel über An- 



nonceneats von J. BÜeg in Wien. In demselben wird mehr entsprechend bezeichnet und der Wunsch aus- 



ist. Das Vermischen von Fraktur und Antiqua und die 
Achtlosigkeit bei Sperrungen wird streng verurteilt. 
Schliesslich wird auch die fast ausschliessliche Ver- 
wendung von fetten Linien als Inserateneinfassung 
als dem allgemeinen Forlschritt des Buchdrucks niclt 



Vigoettea von Paul LeDlemann, Leipiig. 

Serie E. 



^^ 



tä^v^ 



-4-^ VfQTTVS&S Jb!-^ 






No. 47 ^dopchlochl). ü M, S.- 



No. 33. ii M. 1.5U. 




geraten, die selbst in den beslsituierten Zeitungen 
noch immer wieder verwendeten Schriften längst ver- 
alteten Schnitts endlich gegen solche zu vertauschen, 
welche unserem heutigen Geschmack und dem Schön- 
heitssinn mehr entsprechen. Dann wird darauf hin- 
gewiesen , dass man auch im Annoncensatz dem 
Zeilenfall bei einigem guten Willen mehr Aufmerk- 
samkeit widmen könnte, als es heutzutage Regel 



gesprochen, dass auch hier eine moderne AusRihning 
Platz greifen möge. 

Ein zweiter Artikel beschreibt einen Linienbieg- 
apparat und erläutert dessen Verwendung. Unter 
•Mannigfaltiges- und in der »Plauderecke« werden 
noch verschiedene kleine interessante Notizeo 
gebracht. Von den zahlreichen Novitäten wollen wir 
hervorheben eine Serie — Tintetikleckse, vielleicht das 



241 



Satz und Druck unserer Probeblätter. — Bezugsquellen. — Zeitschriften und Bücherschau. 



242 



kurioseste Erzeugnis, welches jemals eine deutsche 
Giesserei auf den Markt brachte und deren Existenz- 
berechtigung uns als Type ebensowenig einleuchten 
will, als diejenige ihrer Originale im gewöhnlichen 
Leben. Sehr nett sind dagegen die neuen Karten- 
Ornamente und Schlussstücke. Ein Doppelblatt bringt 
Anw^enduugen von neuen Eckfüllungen und mehr- 
farbigen Einfassungen. An Schriften bringt das Heft 
je eine Garnitur OriginalSchwabacher, Schmale Äcci- 
denz-Gotisch , halbfette Mediaeval-Kursiv ^ breite 
Renaissance; ferner eine sehr schöne französische 
Antiqua mit Kursiv^ eine fette Steinschrift und zwei 
Zierschriften moderner Art. 

Wir hatten Gelegenheit, in Heft 5 dieses Bandes 
den Eingang des grossen Musterbuchs der Ersten 
Mannheimer Holztypenfabrik^ Sachs & Co. in Mann- 
heim, mit anerkennenden Worten über die bewährten 
Erzeugnisse dieser Firma zu registrieren. Inzwischen 
ist uns nun noch eine Ausgabe dieser Muster in 
kleinerem handlicherem Format zugegangen, die noch 
manche Novität an Schriften und Einfassungen, ein- 
und mehrfarbig, enthält und die von Neuem beweist, 
dass die Firma Sachs & Co. ihren alten wohlver- 
dienten Ruf, eine der ersten Institute für Holzschriften 
und Utensilien zu sein, wohl zu wahren weiss und 
dass sie bezüglich der Güte ihrer Fabrikate und ihrer 
Leistungsfähigkeit im allgemeinen bisher von keiner 
Konkurrenz übertrolTen w^erden konnte. 

Von C. Kloberg in Leipzig liegt dem heutigen 
Heft eine Ornamentenprobe bei ; wegen Raummangel 
können wir eine Besprechung, sowie Figurenver- 
zeichnis erst im nächsten Heft bringen. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

[latt Z enthält 3 Formulare von Mitteilungen; für 
1 und 3 wurden Vignetten von Ludwig & Mayer ^ 
für 2 die Italienische Einfassung von Theinhardt zur 
Ausschmückung gewählt. Ferner fanden Verwend- 
ung für 1 die magere und halbfette Zirkular von Lud- 
wig & Mayer ^ für 2 die Kaiser-Gotisch und Initiale 
von Weisert, ferner eine neue, schöne Schreibschrift 
von Schelter & Giesecke (s. Probe Heft 5), für 3 die 
schöne Barokko-Schreibschrift von Genzsch d; Heyse 
Durch Benutzung eines blauen Tones, gemischt aus 
Miloriblau und Weiss und braunem Aufdruck erhielt 
das Blatt ohne besondere Umstände ein gefälligeres, 
lebhafteres Aussehen. 

Blatt Dd gibt das Muster der Vorderseite eines 
originellen Bücherumschlags mit angefügtem Rücken. 
Die Einfassung geht, wie die ümfassungslinie andeutet, 
bis an die äussersten Ränder des Papiers heraus, so 



eine von den gewöhnlichen Formen abweichende 
Ausschmückung des Umschlags bildend. Die neue, 
gefallige Viktoria-Einfassung von A. Numrich db Ko. 
(Leipzig) fand für diese Arbeit vorteilhafte Verwend- 
ung. Die offenen Felder unten und oben ziert ein 
SchlussomamentYon Wilhelm Gronau. Angaben über 
die zum Druck verwendete Farbe enthält das Blatt 
selbst ; wir werden dies in Zukunft bei unseren Blättern 
zumeist so hallen. 

Einen zweiten Umschlag enthält Blatt Y. Wir 
benutzten ein Original der von uns öfter rühmlich 
genannten Brühischen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) 
in Giessen, um dasselbe mit ähnlichem, uns zur Ver- 
fügung stehendem Material wiederzugeben. Auch 
dieser Umschlag, im Original Blau auf blaugraues 
Papier gedruckt, lässt sich ohne Zweifel als eine sehr 
gefällige Arbeit bezeichnen. Sehr hübsch fanden die 
beiden Vignetten der Schriftgiesserei Flinsch auf der 
Vorder- und Rückseite Verw^endung, einen originellen 
Schmuck bildend und ein sehr gefälliges Arrangement 
des Ganzen ermöglichend. Der zur Anwendung gekom- 
mene grünliche Ton wurde gemischt aus Weiss und 
einer Kleinigkeit hellem Seidengrün. 



Bezugsquellen 

der angfewendeten Schriften, Einfassung'en etc. 

Blatt Z. 1. Sämtliches Material von Ludwig & Mayer, 
ausser der Zeile Telegramm-Adresse etc., welche von Brendler 
& Marklowsky. 2. Randeinfassung von Flinsch, Haupt- 
einfassung und ^^^ von Theinhardt, Heinrich Angermann 
Zwickau von Weisert, Schreibschrift von Schelter & Giesecke. 
3. Vignette und Fuüstikike von Ludwig & Mayer, Schnft 
von Genzsch & Heyse. 

Blatt Dd. Einfassung von Numrich & Co., Beisen in 
Ost- Afrika und Zug von Flinsch, die vbiige Schrift von 
Woellraer, innere ScMussstücke von Meyer & Schleicher, 
äussere von Gronau. 

Blatt Y. Vignetten von Flinsch, Viertelkreis, FuOstücke 
und äussere Spitze von Ludwig & Mayer, IkAA^ von Bauer 
& Co., A, Beiteenstein etc. von Nies Nachf , Wein- Handlung, 
Material- ufid Farbwaaren-Handlung von Benj. Krebs Nachf., 
Fr. Bandau etc. von Emil Berger, die Übrigen Sdiriften 
von Brendler & Marklowskv. 



Zeitschriften und Büehersehau. 

— Von dem Prachtwerk *Ber Omamentenschatg^j Ver- 
lag von Julius HofTmann in Stuttgart, liegen uns heute die 
Lieferungen 7 — 14 vor. Wenn wir hervorheben, dass dieses 
Werk bereits in zweiter Auflage erscheint, so ist ein näheres 
Eingehen auf den überaus reichen Inhalt desselben wohl 
nicht nötig. Erwähnen wollen wir nur noch, dass der 
Preis — ein Heft mit 4 vorzüglichen Farbendrucktafeln 
kostet nur 1 Mark — ein äusserst massiger zu nennen ist, 



243 



Mannigfaltiges. 



2U 



\ 



80 dass es jedermann möglich sein wird, sich hiermit ein 
wirklich gutes Werk anzuschaffen, dasselbe wird der 
guten Förderung des Geschmackes im Deutschen Kunst- 
gewerbe gewiss grosse Dienste leisten. 

— öl- und Buchdruckfarben. Praktisches Handbuch 
für Firnis- und Farbefabrikanten von Louis Edgar And^s 
betitelt sich ein 19 £ogen starkes Buch, welches in Hart- 
lebens Verlag in Wien, Pest und Leipzig zum Preise von 
M. 4. — bez. M. 480 erschienen ist. Der in Fachkreisen 
bestens bekannte Verfasser hat sich hier ein Thema erwählt, 
welches seitens fachlicher Scliriftsteller bisher nur wenig 
Beachtung gefunden. Da namentlich die Flamm- und 
Lampenrusse, die schwarzen und bunten Buchdruckfarben, 
sowie die maschinellen Vorrichtungen hierzu eine sehr 
eingehende Besprechung in diesem Werke gefunden haben, 
so wird dasselbe in Fachkreisen gewiss hohes Interesse 
erregen und wollen wir nicht unterlassen, dasselbe hiermit 
bestens zu empfehlen. 

— Das 21. Heft des Universum bringt einen inter- 
essanten Beitrag zu der Strike-Bewegung der Kohlen-Berg- 
leute unter dem Titel »Jakob der Reformer« von F. Meister. 
Ausser den Fortsetzungen der beiden laufenden Romane 
enthält es noch einen illustrierten Artikel über »Die deutsche 
Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger«, Schilderungen 
aus den Goldfeldern von Damaraland, eine Biographie des 
Kriegsministers Verdy du Vernois, einen Aufsatz über 
Hausgymnastik etc. etc. Ein reicher Bilderschmuck ver- 
vollständigt den überaus interessanten Inhalt dieses Heftes. 

— t Theorie und Praxis des reinen oder eigentlichen 
Antiquar-Buchhandels. Ein Handbuch für jeden Buchhändler, 
von Hawt Blumenihal, Iglau 1889, Selbstverlag des Ver- 
fassers. — Dieses nur 24 Oktavseiten starke Schriftchen 
ist ein Separatabdruck aus dem »Universal-Nachschlagebuch 
des ganzen buchhändlerischen Wissens«. In demselben 
werden dem angehenden Antiquariats-Buchhändler und 
denen^ die sich sonst für diesen Geschäftszweig interessieren, 
über alle einschlägigen Verhältnisse bibliographisches Wissen, 
Verkehr mit allen buchhändlerischen Zweigen, offerieren 
antiquarischer Bücher, Kataloge etc., erschöpfende und 
durch Beispiele und Illustrationen erläuternde Belehrungen, 
geboten. 



Mannigfaltiges. 



I 



— Jubiläen, Am 1. Juni 1889 feierte die älteste 
Zeitung Würtembergs, die Biedlinger Zeitung ihr etwa 
175jähnges Bestehen durch Herausgabe einer Kopie ihrer 
Nummer vom 15. März 1720 nebst Beigabe eines »Extra- 
blättlein«, enthaltend Notizen über die Gründung der 
Druckerei^durch Valentin UUrid^ vor 1710 und die Gründung 
des fragl. Blattes vor 1714. Druckerei und Blatt befinden 
sich auch heute noch im Besitz der Familie Ullrich. — 
00jährige: Am 13. April der Faktor der Buchdruckerei 
J. C. F. Pickenhahn & Sohn in Chemnitiy Herr Hermann 
L^mcum, — Am 16. Juni der Buchdruckereibesitzer D. H, 
Zopfs in Leer in Ostfhesland. öi^ährige: Am 21. April der 
Schriftsetzer Ludnrig Burkes in der Bären sprungschen Hof- 
buchdruckerei in Schfcerin, — Am 11. Mai der Setzer 
August Hecht m Leiptig, 

— Gestorben: In Meissen der Faktor Lem der Offizin von 
Klinkicht A Sohn im 72. Jahre. Nur noch 14 Tage fehlten, 
daim hätte dieser treue Mitarbeiter der Firma das äö. 



Jahr seiner Thätigkeit in derselben feiern können. Der 
Verstorbene war Inhaber der grossen silbernen Verdienst- 
medaille und des allgemeinen Ehrenzeichens. 

— Geschäftliches: In die Firma Bär & Hermann in Leipzig 
ist an Stelle des verstorbenen Herrn Johann Gustaf) Bär 
der Sohn desselben Herr WiJhdm Bär eingetreten. 

— Auszeichnungen: Auf der »Internationalen Aus- 
stellung zu Melbourne« wurde der Ersten Mannheimer 
Holztypenfabrik Sachs S Ko. der erste Preis zuerkannt. — 
Auf derselben Ausstellung wurde Wilhelm Gronaus Buch- 
di-uckerei und Schriftgiesserei mit dem ziceiten Preise ausge- 
zeichnet. 

— Nodi einmal das Amerikanische lUustraHonspapier. 
Unsere Briefkastennotiz im letzten Heft, in welcher wir 
einen Artikel über dieses wichtige Papier für das vorliegende 
Heft ankündigten, (siehe Spalte 232) scheint unter den 
renommiertesten Buchdruckern Deutschlands grosses Inter- 
esse erregt zu haben. Sofort nach Ausgabe des 6. Heftes 
bat uns Herr A, Wohlfeld in Magdeburg, gleichfalls ein 
Meister im Illustrationsdruck, wie auf allen übrigen Gebieten 
unserer Kunst, um einen Korrekturabzug jenes Artikels, 
um zu prüfen, inwieweit seine Erfahrungen den unsrigen 
gleichen. Herr Wohlfeld, auf dessen Urteil wir den Jiöchsten 
Wert legen^ schreibt uns nun: 

»Antwortlich Ihres geehrt. Gestrigen freue ich mich, 
den Ansichten, die in dem Artikel über das amerikanische 
»Art printing paper« niedergelegt sind, voll und ganz bei- 
stimmen zu können und ich bin so frei, einige in meiner 
Druckerei hergestellte Holzschnittdrucke beizufügen. Ich 
interessiere mich seit Langem für dieses Papier, aber die 
ausführlichsten Briefe und Hinweisungen, wie persönliche 
Rücksprache mit einigen unserer Fabrikanten, alles ist 
vergeblich gewesen und ich habe schliesslich einsehen 
müssen, dass unsere deutschen Fabrikanten das Creheimnis 
der HersteUung jenes amerikanischen Papieres noch nicht 
ergriindet haben. Die deutschen Versuche sind nichts weiter 
als mit einer sehr dünnen Schicht belegte Matt-Glaces. 
Bei den amerikanischen Produkten ist der Aufstrich dünner, 
auch inniger mit dem Papierstoff verbunden, und daher 
bricht die aufgetragene Präparatiou nicht, wenn man das 
Papier falzt Auch noch die besten deutschen Erzengnisse 
haben, mit anderen feinen Illustrationsdruckpapieren ver- 
glichen, eine hässliche, schmutzig graugrflne oder gelbgraue 
Farbe. Schön reine zarte Töne zu erzielen, ist meines 
Wissens hier noch keiner Fabrik gelungen. Was nun den 
Druck anlangt, so wird der im Trockendruck geübte 
Illustrationsdrucker ihn leichter ausführen können, als 
ein Maschinenmeister, der gewohnt ist, seine Zurichtungen 
für gefeuchtete Papiere zu machen. Schnitte mit grossen 
dunklen Partien sehen leicht speckig darauf aus, dagegen 
eignet sich das Papier vorzüglich, wie in dem Artikel 
sehr richtig gesagt ist, für lichte, feine Schnitte und ins- 
-besondere für Ätzungen. Meiner Erfahrung nach darf 
das Papier nicht einmal feudUer Luft ausgetetzt werden, 
sonst wird man sehr bei mit Farbe gut zu deckenden 
dunklen Stellen mit »Putzen« — abgerissenen Kreideteilchen 
— zu kämpfen haben. Namentlich hat sich dieser Übelstand 
bei sehr grossen Auflagen und bei stark angeriebenen bunten 
Farben eingestellt Auch daraus geht hervor, dass das 
amerikanische Papier noch etwas anderes ist, denn man 
druckt drüben mit stärkeren Farben als hier bei uns. Ich 
halte die deutsche Nachahmung für keine besonders em- 
pfehlenswerte Neuheit, weil das Papier beim Fortdrucken 
und beim nachherigen Glätten mehr Schwierigkeiten 



245 



Mannigfaltiges. 



246 



bereitet, als unsere alten, gut satinierten Illustrations- 
Druckpapiere, auf welchen man, wenn es sich um schwere 
Holzschnitte handelt, auch denselben »Effekt« erreichen 
kann, als srnf deni »Amerikanischen Papier«, das uns unsere 
Fabrikanten zunächst bieten. Gewiss haben diese Art 
Papiere eine grosse Zukunft, indessen erst, nachdem es 
gelungen sein wird, das richtige Verfahren zu finden, 
welches einesteils alle Poren gut verschliesst und schön 
reine Farben ergibt, aber auch den Aufstrich nicht zu sehr 
hervortreten lässt, damit derselbe beim Kniffen nicht bricht, 
nicht zu sehr ins Auge fällt und sich beim Anfühlen nicht 
unangenehm bemerkbar macht.« 

Auch dieser Brief beweist, dass unser Urteil über das 
Papier ein richtiges ist. So schön auch die in dem Briefe 
erwähnten Proben ausgefallen sind, weil prachtvolle Schnitte, 
geschmackvoller Satz und ausgezeichneter Druck zu ihrer 
Herstellung in Verwendung kamen, das speckige Aussehen 
des Papiers, das unangenehme Gefühl beim Angreifen desselben, 
die schwierige Verarbeitung und die oft geradezu hässliche 
Farbe sind doch nicht wegzuleugnen. Wir müssen es 
deshalb nochmals als eine arge Verirrung bezeichnen, 
wenn man sogar soweit gegangen ist, dieses Kunstdruck- 
papier zu Werken zu verwenden und es kann nicht 
ausbleiben, dass man dies bitter zu bereuen haben 
wird. Aus allen diesen Gründen müssen wir die Erfindung 
der Herren Fischer & Wittig (siehe Artikel: Ein neues 
Illustrationsdruckverfahren) willkommen heissen ; sie bietet, 
was wir brauchen, was unseren Arbeiten die höchste 
Vollendung sichert, eine vortrefflich aufnahmefähige Grund- 
jiäche, die durch Druck, also durch die Arbeit des Buch- 
druckers selbst j nicht aber durch Kreidestrich geschaffen 
worden und nicht allen den Zufälligkeiten ausgesetzt ist, 
wie dieser letztere. Die uns für Heft 8/^ in Aussicht ge- 
stellte Probe der Herren Fischer & Wittig dürfte bei dem 
Interesse y welches das Illustrationspapier gegenwärtig in 
Buchdruckerkreisen erregt, besondere Beachtung seitens 
unserer Leser finden und dankbarst begrüsst werden. 
Herrn Wohlfeld danken wir gleichfalls bestens für das 
Interesse, welches er dieser Angelegenheit entgegenbrachte. 

— Für die Festlichkeiten bei Gelegenheit der dies- 
jährigen Buchhändler-Ostermesse hatten wieder eine Anzahl 
renommierte Leipziger Offizinen ihr Bestes in Herstellung 
eleganter Druckarbeiten geleistet. So lieferte die Offizin 
von Carl Marquarty von ihrer Gründung an durch vor- 
zügliche Leistungen bekannt, die prachtvoll in Farbendruck 
ausgeführte Speisen- und Weinkarte für das Mittagessen 
in der Börse, Chrutnbach (Curytz) ein Tafellied mit farbiger 
Zierleiste und die Buchbinderei von Baumbach dt Co, ein 
reizend in braunes Leder gebundenes, mit Goldschnitt 
geziertes Taschenbuch für Buchhändler. Den Deckel dieses 
Taschenbuches zieren die Symbole des Buchhandels: Eule 
und Krebs unter sinnreicher Hinzufügung der Feder und des 
Merkurstabes. Das in 4 Farben gedruckte Kalendarium etc. 
ist eine wie immer stilvolle und gediegene Arbeit der 
BrttguUnschen Cffizin in Leipzig, das Papier lieferte 
Ferdinand FUnsch und das Vorsatzpapier J. G. Fritxsche, 
beide ebenfalls in Leipzig. Das prachtvolle Büchelchen 
macht diesen Firmen alle Ehre. Der zuerst erwähnten 
Speisenkarte der Offizin von Carl Marquart seien hier noch 
einige spezielle Angaben gewidmet. Dieselbe erhielt ihren 
vornehmlichen Schmuck durch ein graziöses, in 12 Farben 
gedrucktes Gewinde von Weinranken und Trauben, das 
sich von der oberen linken Ecke aus, an der oberen Quer- 
seite und der linken Längsseite hinzieht und so den 



einfach elegant gesetzten und gedruckten Text umgibt. 
Der Pruck ist ein ganz vortrefflicher, die Farben sind schön, 
dabei dezent gewählt, das Register ist ein vorzügliches. 
Diese, der genaimten Offizin zu grösster Ehre gereichende 
Arbeit, hoffen wir unseren Lesern in einem späteren Heft 
vor Augen führen zu köimen, da uns die Platten in freund- 
lichster und bereitwilligster Weise zur Verfügung gestellt 
worden sind. 

— Die Buckgewerbliche Ostermessausstellung im Deutschen 
Buchhändlerhaus in Leipzig^ welche der Börsenverein der 
deutschen Buchhändler alljährlich zur Kantate-Versammlung 
veranstaltet, bot auch diesmal des Interessanten sehr viel. 
Gegenüber den früheren Ausstellungen trug die diesjährige 
einen vorwiegend historischen Charakter und gab dieselbe 
ein vollständiges Bild von der Entwickelung der graphischen 
Künste von der Erfindung der Buchdruckerkunst bis auf 
die neuesten Errungenschaften auf diesem Gebiete. 

— Die diesjährige vom Mitteldeutschen Papierverein 
veranstaltete Messausstellung im Eldorado zu Leipzig war 
gleich den in den letzten beiden Jahren stattgefundenen 
recht zahlreich beschickt und kann als die bis jetzt ge- 
lungenste bezeichnet werden. Ausser dem eigentlichen 
Papier- und Schreibwarenfache waren auch sehr viele den 
Buchdrucker interessierende Gegenstände vorhanden. 

— Konservierung der Treibriemen, In einem englischen 
Fachblatte erteilt ein Maschinenmeister auf langjährige 
Erfahrungen beruhende Ratschläge, die Treibriemen mög- 
lichst lange zu erhalten. Er sagt: »Seit den letzten 25 
Jahren habe ich jeden Sonnabend Abend die Riemen an 
meiner Maschine umgewendet auf die Scheibe gelegt und 
die nun aussen liegende innere Seite mit gut warmem 
Wasser und Soda gewaschen, wozu ich mich baumwollener 
Lappen bediente. Dann schabte ich mit der Kante eines 
Stückchens Blech die Fläche rauh, wusch nochmals mit 
warmem Wasser und Hess trocknen. Mit dem von den 
Wellen abgelaufenen Öl rieb ich tüchtig ein. Während 
dieser Operationen liess ich die Maschine langsam laufen*). 
Das Waschen hat möglichst schnell zu geschehen, damit 
sich der Leim an den Verbindungsstellen nicht auflöst. 
Nach dieser Behandlung lasse ich den Riemen bis Montag 
früh ruhig auf den Scheiben. Letztere halte ich stets sehr 
rein. Ich habe mich schon lange gewundert, wie gut sich 
meine Riemen bei so wenig Mühe erhalten haben. Seit 
den letzten zehn Jahren habe ich keines neuen Riemens 
bedurft. 



*) Das ist freilich eine etwas gef&hrliche Manipulation, zu der wir 
nicht raten kQnnen. Es wird auch ohne Laufen lassen gehen! 

Red. d. Archiv. 

Briefkasten. 

Herrn C. W. A., B. Es haben in letzter Zeit »Rarit&ten« 
in den Heften des Archiv keine Auftiahme finden kOnnen, weil der 
Raum für nötigere Artikel in Anspruch genommen war. Stoff ist noch 
genügend vorhanden. Was nun llire Klage betrifft, so möchten wir Sie 
aber die fragl. Angelegenheit mit dem Hinweise beruhigen, dass dies ein 
einfaches, freilich nicht gerade lobenswertes Konkurrenzmanöver Ihres 
Kollegen ist Aus der gesandten Arbeit desselben ersehen wir. dass 
der Mann noch lange nicht auf der Höhe ist um Andere kritisieren 
zu können; besonders der untere Teil des architektonischen Aufbaues 
ist ganz verfohlt, auch sind sonstige Verstösse genug vorhanden. An 
Ihrem Kopf tadeln wir die vielen verschieden ornamentierten, deshalb 
sehr unruhig wirkenden Füllungen, wie die unvermittelte Einfügung 
der fettfeinen Linie. Im Übrigen aber zollen wir den Bestrebungen 
Ihrer Offizin, sich als Provinzialdruckerei über das Mass alltäglicher 
Leistungen zu erheben, volle Anerkennung. — Herrn A. W., M. Sie 
haben recht; es ist eine sonderbare Idee einen zusammengehörigen 
Rand auf zwei, noch dazu so verschiedenartige Papiersorten zu 
drucken. In dieser Hineicht sollte der Verleger doch nicht ausschliees- 



Mannigfaltiges. — Anjionceti. 



iDgsren AnronlhultBaanrhiltiLeipiigzunehmi 
a Ibnen GewQnachte in nichilgr Zait «ader b 
!iHD Aairnhruni al>«rH*chaii. So Colt will, w 



ctaiichl ruc dl« näch«Un Monate. — Wtchc Hofbnchdcucktrei. 
id der Meinong, diM es beeeer iil, anl du fragliche Instilnl 

«na den guten, wird es ja garnicfat einfallen, eino grosse 
In Offerten in prflFen, weil das immerhin keine kleine Arbeit 
der Verleger ja in den meiaten Pillen du Ronaminee des aus- 

loafahren wird. Ebenso wenig werden ea aidi die meisten Burh- 
einfalien lassen, fortwihrend umsUndliche Bcrecbnangen lu 
, die doch ich liesa lieh keinen Erfolg haben. 



Zur gefälligen Beachtung! 

Die Hefte H und 9 erscheinen, wie in früheren 
Jahren, so auch diesmal als reich ans^estattetes 
Doppelheft am 15. August. Wir bitten davon 
gerälligst Notiz nehmen zu wollen. 

ItetltiktioH des Archiv. 



engiis 



Urdnongin den Tile 



aber den dentarben Accideniaalz. — 
— Neng« Oruckrerfahien fflr [llnatral 
Zicrscbriflkaslen. — gchrift probe as 
Probeblülter. - Zeilathriflen nnd BUcherachaa. - Kannigfalligei, - 

karte, t BHeflcSpte. I Bechnunfikopf. 1 Vifnelte. 1 Kopfleiale. - 
BeiUf«R: 1 Blall Milteilang. - i Blatt L'mschläge. — 1 BIMl Ein. 
faasungaprobe von C, Kloberg. 

Das Heft enthalt im Ganzen 4 Beiligei. FQr daa Beiliegen der 
rrtBdn Bellagem kann jedoch wegen oft unzureicheader Aniahl aleht 
garaDllen werden. 

Bezugsbedingungen für daa Archiv. 

Krsctaalaea : In \2 Monalnh enai. (Hefl s imda slru al> Unpprlhcn) Jeilnmil \a 
der ernlej» MoiialvWficlie. B^ Fflr IcampIHre LIHHunje, ln«b^»^**.'-'- ■^"- 
■taDdUr Ballatu. kann nur den tot Knu'hf Inen de« S. Hritet gm 
BHussquslIa: JhU' Biiciaiiuidiunci mich illrrki vom VFr1i<^r i 

' ■■' ■ ■■ ■ ■■—^-■- -- preiijj« B,nd N. 1! 

- fiiAirt. DelrliT- i 

»ung M. f^ö^iäi "^ 




-^m Jinnoncen. ^m- 



Tondruck. I 

Behufs Reproduktion feiner Holz- 
achnilte (Grösse löViXlOcm) in Ton- 
druck werden leistungsfähige Firmen 
ersucht, Preiaanaätze und Proben gell, 
unter Chiffre J. P. M. ^ 48 an die 
Expedition d. Blattes zu adressieren. 



Ein praktisch gebildeter Bnch- 
dmcker,lanKJälirfKerG eachSftsfUhr er 

grosser Offizinen, durchaus gewandt im 
geschSftlichen Verkehr, Korrespondenz, 
Bnchhaltung, gegenwärtig Administra- 
tor eines im städtischen Verlage er- 
scheinenden politischen Blattes, sucht 
für Ende dieses Jahres als 

GeschäUhrer 

einer grösseren Buchdruckerei oder als 



eines Zeitungsunternehmens einen Ver- 
trauensposten. Beste Zeugnisse, sowie 
erste tteferenzen stehen demselben zur 
Seite. Eventuell würde derselbe bereit 
sein, sich an einer gut rentierenden 
Buchdruckerei thätig und finanziell zn 
beieiligen, auch könnte auf Wunsch der 
Eintritt früher erfolgen. 

Herr Alexander ^^'aldow. Iioipeig 
wird die Güte haben. Offerlen entgegen 
zunehmen. 




Eine englisclie ScluiellpnssB 

einfacher Konstruktion, Bogengrösse 
T05 X 510 mm, in gutem Zustande, ist 
wegen Mangel an PlaU. billig zu ver- 
kaufen. 

A. H. Payne, 
Leipzig- Reu dnitz. 





Bli ■niliilliliiFitrlt ni 


Cebr. Brandt in Mlii<biir| 


empfiahll all SpeilalitXt 


SchluHllnien in Meiimg etc. etc. onler 
Oaranlie fSr b»le> Metall aowle gt- 

Durth.chu.i lehr TorteUb.n und mcl.t 
gialii und frei. 



@l«l$ilU$|siWf9 



Bnch- n. Steindnckfarben 



Cie. 

aden) 

91, 

Sp«iBiiiät 

Utensilien 

^r QoallUt. 
ilie.i [Ut 

Bncb- uDd StelndrQCkerelen. 

»■«(«TblrkfT imj TtoTlIltrH 

snitli HMd rruito. 

luiilckiimi tU iilim leiitllii: 






ff. Büt^fi nnft 
ÄteiuftrufßfaFafit. 

prima-KefErenjen. 
ynAf nlf n m. fnliliScB fruk* >. 






C. Rüger, Leipzig 

Messinglinienfabrik mit Dampfbetrieb 

..*.;=@.. ßnehdracknteiisilieii ■•©=:—■ 



Fachtisehlerei. .,<5?.aG|i),S'^3>^ Gravieranstalt. 
{. Goldene Medaille Brüssal 1888. 



-, * * « « * * * « ♦ ■*: 4 * * *"5'\ 




C. A. Lindgens, G 

Fabriken 

schwarzen und bnnten Bnch- nnd 
Knss, Firnis, Etlkettenlack, Seifcnli 

„üieExceUent"C.A.l 



ii) Berlin 3W., Lindenstr. 69 

IUI. qiit'en. tiltiqevt imli ochiieElew 

iShtotnotuoien. Sioap.. i1u^^t«I. 
mib SCatttMiiiifioiicit ItoMBo. 



TTr^LZ-CCHNITTTT^ 
pn VyiiitiwOiniifHiiiipi 1 M 

M. XAI*UBd«Waldf>w. l.»lp»l|.,l ^ 



MesstngMen-Fabiit 

und meine 

mechanische Werkstatt 

für 

BieUnektni-VtviiiUin. 

BtrIiR, SW., Belle-AUiance-Slr. 88. 

Hermann Berthold. 




^afdibürftpn 

litfrrt hilljgft 

fllFjranltrr äfialtoiD, Xripfig- 



vmc, 
rits- 



m- 



vtifififififfififririrififififfi^ 



; Gebrüder Brehmer, 

Plaerwltz- Lei pzig. 
Speiialitll: 

* DralLt-Heftznaschinen 

nun Herwa von ßachint, Blocln, 
BiDichflren, K*rtoiiTiBceii otc. 



a' ^iiuwtwjiiiw i W iji 



iufasniDE No. 660. 



Sföfirih, Jen 

&bhardt & lüaffcner 

■-^^■'^iv Dninpffäqcwcrh :^^^^"- 

Mic.nc m„/cnU.sß,-^ssc Slo. 12 



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Grf utki'ui »I Kul t Ehiiier. 



Dd. Archiv tat Bnchdruckerkunsl W, Band. Diode nud V«tlag van Alaxiiider Waldow. Laipiig, 






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26. Band. 



-■^ 1889. -^- 



Heft 8/9. 



Der Buntdruck auf Buehdruekpressen 

Alexander Waldow. 

(Forl«lznng.) 

£ie Walzen , deren man sich für Buntdruck 
' mögliehst besondere hält, sind von dervor- 
j her benutzten Farbe sorgsamst zu reinigen ; 
besonders wenn sie Poren und Risse haben , muss 
man sie am besten mit einer kleinen, weichen Bürste 
und gutem Terpentin an diesen fehlerhaften Stellen 



Bei sehr porösen Walzen ist es geraten, mit einem 
spitzen Hölzchen etwas Farbe in die Poren zu 
schmieren; man hat auf diese Weise einen weitern 
Schutz gegen das Heraufdringen etwa noch vor- 
handener alter Farbereste. Will man es ganz gut 
machen, so reinige man Walzen, die nicht ganz 
zuverlässig erscheinen, noch einmal mit Terpentin, 
nachdem man sie mit Farbe eingerieben hat und 
wiederhole dann das Einreiben. 

An der Maschine müssen alle Metallwalzen, wie 
der Farbekasten, gleichfalls vollständig rein sein, 
ebenso die Platten in allen ihren Teilen. 




. VERLAGSHANDLUNG. 

. ^J^kfJf/cM, r/« /S6'9. 

n Scheiter A Ciesecke, Rudhardt « Polldk und Wilhelm Oroniiu. 



tüchtig überbürsten, denn die in den Poren enthaltene 
Farbe zieht sich beim Drucken wieder an die Ober- 
fläche, vermischt sich mit der neuen Farbe und 
verunreinigt sie. Nach dem Reinigen mit der Bürste 
reibe man die Walzen noch einmal mit einem in 
Terpentin getränkten Lappen ab, lasse sie trocknen 
und reibe sie dann vor dem Gebrauch auf dem Farbe- 
slein tüchtig mit der zu verwendenden Farbe ein. 



Bei Buntdruck ist das Schhessen der Platten mit 
Holzstegen möglichst zu vermeiden, da sie nie so 
reinlich sind wie Bleistege. Der Pressendrucker hat 
sich ferner in Acht zu nehmen, dass er beim Auftragen 
mit der Walze nicht seine etwa noch mit alter Farbe 
beschmutzte Schurze berührt, was natürlich die 
Walze verunreinigen und schmutzigen Druck er- 
zeugen würde. 



Der Bnntdruck auf Buchdrucbpressen. 



Für das Quantum bunter Farbe, welches man 
zum Druck einer gewissen Auflage braucht, ist in 
erster Linie natürlich die Ausfuhrung der Platte resp. 
Form , in zweiter Linie aber die Güte und Deckkraft 
der Farbe massgebend. Der beste Ratgeber wird 
hierbei immer die eigene Erfahrung bleiben. Ein 
geübter Buntdrucker hat das zu der ihm übei^ebenen 
Arbeit nötige Quantum gewissermassen Im Griff und 
erspart somit Material und Zeit, da er kaum viel 
mehr Farbe anreiben wird, als er gerade zu der 
Auflage nötig hat. Selten kann man angeriebene 
Farbe nach längerer Zeit wieder gebrauchen, es ist 
aus diesem Grunde geraten, nur das äusserst nötige 
Quantum anzureiben und es schadet weniger, wenn 



n Wilhelm GroDsn, 



man ein wenig Farbe nachreiben muss, anstatt viel 
davon aufheben zu müssen. 

Wenn man sich gemischte Farben anreibt, so 
hat man folgendermassen zu verfahren: Zuerst 
verarbeitet man die einzebien, zu einer Mischung 
gehörenden Farben recht fein und mischt dann je 
nach Umständen die dunkle unter die helle oder 
umgekehrt , z. B. bei dunkelblau : feingeriebenes 
Miloriblau mit einem Zusatz von Weiss; bei hellblau 
feingeriebenes Weiss mit einem Zusatz von Miloriblau. 
Eine Hauptregel ist, nie von der dunkeln Farbe zu viel 
auf einmal zuzusetzen. 

Sowohl die eigenthchen Farben, wie auch die 
zarten Tonfarben lassen sich leicht lichter machen, 
indem man bei erstem ein wenig Weiss, bei letztern, 
da ja ihr Grundbestandteil bereits Weiss, etwas mehr 
davon zusetzt. Dieses Verfahren hat jedoch bei den 
bunten Farben seine Grenzen, denn ein zu grosser 
Zusatz von Weiss ohne gleichzeitigen angemessenen 



Zusatz von Firnis benimmt ihnen das Feuer und 
erzeugt nach dem Trocknen, besonders wenn Kremser- 
weiss zur Anwendung kam, auf dem Druck eine feine 
weisse Staubschicht, welche das Aussehen sehr beein- 
trächtigt. Man versäume also nicht, bei hellerm 
Abtönen der Farbe durch Weiss auch Firnis zuzu- 
setzen; ist dieses Abtönen aber nur in gerit^;em 
Masse notwendig , so ist es geraten . nur Firnis ohne 
Zusatz von Weiss zu verwenden. Soll eine Ton/arbe 
dunkler getönt werden, so setzt man eine Kleinigkeit 
mehr von der den Ton gebenden Farbe hinzu, also 
bei blauem Ton Miloriblau etc. 

Bei der Mischung irgend einer Nuance mit 
dunkeln, harten, ausgieb^en Farben, wie z. B. 



Pariserblau, Zinnober, Münchner Lack, Karmin, kann 
man leicht getäuscht werden, wenn dieselben nicht 
auf das feinste zerrieben wurden, weil sie sieh während 
des Drückens durch das fortwährende Ausstreichen, 
resp. an der Schnellpresse durch die Bewegung des 
Duktors, immer mehr auflösen und die Farbe infolge- 
dessen dunkler wird. Man bemerkt dies auch bald 
auf der Platte, wo sich lauter kleine Körnchen an- 
setzen und die seichten Stellen derselben verschmieren. 

Man thut immer wohl daran, beim Drucken 
einen der ersten guten Abdrücke neben den gedruckten 
Stoss zu legen, um eine etwaige Veränderung to 
Farbe durch Vei^leich der ersten Abdrücke mit den 
späteren sofort zu bemerken. — 

Die Verarbeitung der Farbe auf dem Farbestein. 
also das sogenannte •Anreiben« oder »Feinreiben' 
derselben, geschiehtauf folgende Weise: Hauptregel isl, 
alle Farben zuerst mit wenig, aber gutem, gebleichtem 
Firnis so dick anzureiben, dass sie an Konsistenz 



Der Buntdruck auf Buchdruckpr essen. 



slarker Pressenfarbe gleichen und sie erat nach toU- 
ständigem Feinreiben mit Firnis zu verdünnen. 

Das Anreiben muss deshalb erst mit wenig Firnis 
geschehen, weil man der Farbe alles Feuer benimmt, 
sobald man sie von vornherein zu stark mit Firnis 
versetzt. In der Beachtung dieser Regel liegt eumeist 
der Erfolg des Buntdrucks, denn viele Farben, ins- 
besondere die Anilinfarben, bekommen sofort ein 
mattes, wässeriges Aussehen wenn man sie sozusagen 
in Firnis ersäuft. 

Für das Feinreiben ist folgendes zu beachten: 
Man reibe nie das ganze Quantum Farbe auf einmal 
durch, sondern, nachdem der Firnis darauf gegossen, 
immer nur kleine Quantitäten, die man, wenn sie 
gehörig durcl^erieben sind, mittelst Ziehklinge in eine 



verdruckt. Am besten geschieht das Durchreiben 
Morgens und Nachmittags bei Beginn der Arbeit. 

Bei dem Drucken von Tonfarben stellen sich 
häufig Übelslände ein; es erscheint z. B. die Farbe 
auf dem Abdruck flockig; der Grund dafür ist ent- 
weder zu dick und nicht geni^end durchgeriebene 
Farbe, oder zu schwacher Druck auf der betreffenden 
Stelle. Zeigen sich aber schwarze Punkte oder 
sonstige Unreinlichkeiten, so liegt dies lediglich an 
den nicht genügend gereinigten Walzen. Zur Abhilfe 
ist, wenn sieh derartige Flecke in grösserm Massstabe 
zeigen, das Waschen der Auflragwalzen (bei Schnell- 
pressen aller Walzen und des Farbezilinders oder 
Tisches) notwendig, denn von den letztern aus über- 
tragen sich ja die Unreinlichkeiten auf alle Walzen. 



s^:r^. 



Ecke des Farbesteins schiebt. Wollte man das ganze 
Quantum auf einmal durchreiben, so würde man seine 
Kräfte unnötig anstrengen müssen und kein genügen- 
des Resultat, also keine fein geriebene Farbe erzielen. 

Zu beachten ist auch, dass man nicht blos mit der 
Kante, sondern mit der vollen FiöcÄe des Reihers reibt. 

Bezüghch derjenigen Farben, welche man als in 
gewöhnlicher Weise oder in Teig angeriebene vor- 
rätig hält, sei bemerkt, dass auch diese tüchtig auf 
dem Farbestein verarbeitet werden müssen, ehe man 
sie zum Druck benutzt. Bei Teigfarben ist je nach 
Erfordernis schwacher oder mittelstarker Firnis zu- 
zusetzen, um sie druckfUhig zu machen. 

Auch während des Verdruckens der Farben, 
insbesondere, wenn es sich um die Herstellung einer 
grössern Auflage handelt, ist es nötig, dieselben mit- 
unter wieder durchzureiben, da sie leicht quellen und 
ihre Geschmeidigkeit verlieren. Bei Tonfarben ist 
eine solche Nachhilfe gam besonders erforderlich und 
zwar zumal, wenn man sie auf der Schnellpresse 



Bei glatten, aus Buetisbaumholz gefertigten Ton- 
platten kommt es vor, dass dieselben trotz sorgfältigster 
Zusammensetzung seitens des Tischlers doch auf dem 
Papier die Stellen erkennen lassen , an welchen das 
Holz zusammengeleimt wwrde. In einem solchen Falle 
ist wohl kaum Abhilfe zu schaffen, denn eine Lücke 
existiert auf der Platte nicht, vielmehr liegt der Übel- 
stand darin , dass das Holz von verschiedener Härte 
ist und die weichern Teile sind es, welche sich den 
härtern gegenüber markieren. Man sorge deshalb 
dafür, dass derartige Platten immer möglichst von 
einer Sorte Holz hergestellt werden und dass sie auch 
möglichst wenig Jahresringe haben, denn auch diese 
markieren sich leicht auf dem Druck. 

9. Von den Farbenfomiea, 

Der Farbendruck erfreut sich in der Gegenwart 
einer so grossen Beliebtheit, dass man wohl mit Recht 
sagen kann, ein Drittteil aller zur Ausführung 
kommenden Accidenzarbeiten sind in einfachem oder 



Der Buntdruck auf Buchd ruckpressen. 



m 



mehrfarbigen Buntdruck ausgeführt. Dies bedingt, 
dass der Accidenzsetzer mit der Einrichtung der ein- 
zelnen Farbenforraen vollständig vertraut ist und 
dass er dieselben so herzurichten versteht, dass der 
Drucker bezüglich des Ineinanderpassen s (Registers) 
keine Umstände hat. 

Um dies zu erreichen, wird folgendermassen 
verfahren: Der ganze Satz wird als selbständiges 
Ganze formiert und bezüglich des gefälligen Satz- 
arrangements geprüft; dann werden mit den in jede 
Farbe kommenden Einfassungen, Zeilen und Ver- 
zierungen entweder so viel Formen daraus gebildet, 



bei jeder Farbe alle die Zeilen herausgenommen und 
durch Ausschluss ersetzt, welche nicht mitdrucken 
sollen ; später werden sie natürlich hinein geändert. 
Wird für jede Farbe eine selbständige Fonn 
hergestellt, so hat der Setzer genau auszuzählen, 
wohin jede der Zeilen etc. etc. zu kommen hat, denn 
andernfalls würden sie ja nicht auf den richtigen 
Platz drucken. Mit der nötigen Aufmerksamkeit ist 
es vermöge des streng systematischen Materials jeder 
gut eingerichteten Druckerei nicht schwer, allem in 
eine Form Gehörigen den richtigen Stand zu geben. 
zumal wenn die Farbenfonnen die genaue Grösse 



Q^^J!>»-3^^jc/iZjj C'A. .yjv 



Vignette, Haoptzeilc und Schreib« clirifl von S 



. i/- icjf/e/i 



M. f6W. 

t Zeile von Ludwig t Mayer. 



wie man Farben zu drucken gedenkt, oder man wählt 
bei sehr komplizierten Arbeiten den Ausweg, alles 
Das mit Drei- oder Sechspunktstücken von unten zu 
unterlegen, was jeweilig in die betreffende Farbe 
gehört. Auf diese Weise schützt man den übrigen 
Satz vor der Berührung mit der gerade zu drucken- 
den Farbe. Dieser Weg ist natürlich nicht möglich. 
wenn man 2 Farben auf der Zweifarbenmaschine 
zugleich drucken will. 

Nach erfolgtem Druck jeder Farbe können die 
betreffenden Zeilen ganz aus dem Satz entfernt und 
durch Ausschluss und Quadraten ersetzt werden. 
Oft auch, und insbesondere wenn es sich blos um 
den Druck von weniger kompliziertem Satz mit nur 
wenig Zeilen etc. in 2 — 3 Farben handelt, werden 



der Hauptform , denselben äusseren An- und Unter- 
schlag etc. etc. haben. Kommen bei den Farbeo- 
formen auch Farbenplatten, insbesondere, wie dies 
jetzt so oft geschieht, Tonplatten zur Anwendung, so 
müssen dieselben natürlich dem Satz auf das Genaueste 
angepasst werden. Spezielles darüber im folgenden 
Kapitel. Ausserdem gibt der vom kompletten Satz 
gemachte Probedruck dem Drucker genauen Finger- 
zeig, wohin jede Zeile etc. zu treffen hat, er wird dem- 
nach beim Vergleichen dieses Musters vor Ausführung 
der Zurichtung, also beim R^istermachen jeder 
Form, etwaige Differenzen finden und sie vom Setzer 
leicht verbessern lassen. 

Will man ganz sicher gehen, dass jede Zelle 
ihren richtigen Stand erhält, so muss man von 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. — Japanischer b'ormenschatz. 



der kompletten Form vorher einige AbzQge mit richtig 
gestellten Punkturen machen und diese Abzüge mit 
jeder Farbe Überdrucken; so lange nicht der farbige 
Abzug den zuerst gemachten schwarzen vollkommen 
deckt, ist auch das Register noch nicht richtig und 
bedarf einer R^ulierung. 

Zur Neuiralisierung der zwischen einzehien 
bunten Farben und dem Schriftmetall bestehenden 
chemischen Beziehungen und zur Beseitigung der 
daraus resultierenden Verunreinigung der Farben 
durch Oxyde, empfiehlt Frd. Ehmke in der »Deutschen 
Buchdrucker-Zeitung«, die Formen vor dem Drucke 



erleichtert wird, indem sich die Gummilösung samt 
der auf ihr haftenden Farbe beim Waschen leicht 
stückweise losschält. Da das Kochsalz den Zweck 
hat, der Mischung Körper zu geben, das Glyzerin 
dazu dient, die Sprödigkeit des Gummi zu mildern, 
Glyzerin und Kochsalz aber Feuchtigkeit aufsai^en, 
so lässt sich die Mischung Je nach der Trockenheit 
oder Feuchtigkeit der Witterung leicht in richtigem 
Verhältnis herstellen. (Forueiiunj folgt.) 



Vt*A*A***A*A******A*A*AA**************AA4A*A*4**A*A**A4jf 




gnkaria 9tm\> MM- »latth. 



mafew^Pfologt^aiifen 







f^^&m 



7y Tt^^tf*yTVTyTf¥yT y¥yyyfvy TfTTv^'V¥vyyv^l'vvy¥1'»yvT¥vyvv^ 



mit einer Gummiauflüsung zu überziehen, zusammen- 
gesetzt aus: Gummi arabicum in Sahnekonsistenz 
80 Teile, Kochsalz 12 Teile, Glyzerin 8 Teile. Diese 
Mischung wird mittelst eines Pinsels auf die ge- 
schlossene, vorher von allem Fettigen gereinigte Form 
samt Stegen und Rahme aufgetragen und mit einer 
kurzborstigen Bürste in die Schrift eingerieben, wobei 
darauf zu achten ist, dass die Flächen in Ausschluss- 
höhe vollkommen gedeckt sind, Ist dies geschehen, 
80 macht man auf gut geleimtem, feuchtem Papier 
oder noch besser auf trocknem feinstem Shirting einen 
oder mehrere Abzüge, um die Lösung von der Bild- 
fläche der Form zu entfernen und dann lässt man 
letztere vollständig trocknen, ehe man mit dem Druck 
beginnt. Es hat dies Verfahren noch den weitern Vor- 
teil, dass die Farbe nicht zwischen die Schrift dringen 
kann und dass das Reinigen der Form bedeutend 



Japanischer Formensehatz. 

^©nter diesem Titel ist eine Heftau^abe (jährlich 
1^5 12 Hefte, ä M. 2. — , Verlag von E. A. Seemann, 
Leipzig) nach Art des bekannten Hirthschen » Formen- 
sehatz der Renaissance*, jedoch in reicherer Aus- 
stattung erschienen und dürfte geeignet sein , wegen 
Eigenartigkeit sowohl als der Anwendungsßihigkeit 
der Blätter für die alltäglichen typographischen Er- 
scheinungen, in Fachkreisen Wohlgefallen zu erregen. 
Einige Illustrationen, deren Mitdruck von der 
Verlagsfirma gern gestattet wurde, geben nur eine 
schwache Andeutung von dem Reiz und der Mannig- 
faltigkeit der Hefte, deren Umschläge alle ausserdem 
in Zeichnung und Druck ganz verschieden gehalten 
und wiederum geeignet sind, die Genialität der Japaner 
Künstler ins beste Licht zu stellen. 



Japaoi scher Formen schätz. 



Kein Gebiet dürfte sich zur Verwertung für unser 
Fach in neuerer Zeit so zeitgemäss und lohnend 
erweisen, wie Japan mit seinen vor unseren Augen 
tausende Jahre lang verschlossenen, jetzt aber auf- 
geschlossenen Schätzen aus dem Kunstgebiet. Gewiss ! 
Denn wer möchte es in Abrede stellen, dass heut- 
zutage vornehmlich das gut situierte Publikum zur 
SchmückungderWohnzimmer mitbesonderer Vorliebe 
die morgenländischen Erzeugnisse kauft und bestrebt 
ist, den Wohnzimmern einen dem Auge wohlthuenden 
Anstrich zugeben? Und wer sich von der Ausbreitung 
der japanischen Geschmacksrichtung einigermassen 
überzeugen will, der braucht nur einige Salons, einige 
Kaufläden, auch einige öffentlich 
sichtigen und wird — ich bin de 
überrascht fühlen von der w 
bezeigung für morgenländische 
Sachen ; er wird sich bei nä 
schliesslich zi^estehen müssen, da 
ländischen Kunsterzeugnissen die 
den Wettbewerb um Anerkennu 
stehen können. 

Bevor ich den Inhalt der ¥ 
Betrachtung unterziehe, gestatte 
Druckfirmen, beispielsweise R. v, 
Drugulin, Leipzig, Knorr & Hirlh 
weisen , die manche ihrer Drucke 
glückliche Weise nach Japaner A 
damit in unseren Kreisen Anerker 
Dies bezieht sich vornehmlich auf d 
der bei uns gewöhnlich freibleibt 
genannten Firmen Ornamente, meii 
Blüten den Rand farbig bedecke 
vor, dass die Zeilen, die besom 
werden sollen, in kunstvoll verscl 
leicht lesbarer Weise den japanisi 
nachgebildet werden, einesteils ) 
Bild zu schaffen und andernteils ui 
keil resp. Bewunderung des Bescl 
regen. Indes soll es nicht allein i 
Schrift abgesehen sein, sondern i 
anderer Weise lässt sich die 
japanische Geschmacksrich- 
tung verwerten. Denken wir 
beispielsweise an Zierleisten, 
Eckvignetten und Zierstücke 
zu verschiedensten Zwecken, 
wovon Beispiele durch An- 
wendung einiger Illustrationen 
hier veranschaulicht wer- 
den. Ohne Schwierigkeil lassen 
sich für Buntdruck die Ton- 
platten herstellen. 



In dem Vorwort des ersten Heftes wurde vom 
Verfasser C. Bing, einer Autorität in dem bereits 
mehrfach beregten Fach, unter anderm darauf hin- 
gewiesen, dass der Hauptzweck der Publikation dahin 
gehe, die grosse produzierende Masse des Abendlandes 
dem Verständnis für moi^enländische Kunstrichtung 
näher zu bringen. Indessen sei das — wie sich der 
Verfasser weiter auslässt — nicht die einzige Aufgabe 
dieser Zeitschrift (Japanischer Formenschatz), Sie 
wende sich vor allem an die grosse Zahl derer, welche 
sich aus irgend einem Grunde für die Zukunft unseres 
Kunstgewerbes interessieren; zunächst an diejenigen, 
welche, sei es als bescheidene Arbeiter, sei es als 



Japanischer Formenschatz. 




Unter 
diesen Bei- 
spielen fin- 
den wir auch 
Formen,wel- 
che in je- 
der Hinsicht 
befolgt zu 
werden ver- 
dienen, ge- 
wiss nicht, 
um dadurch 
unser altes 

Schönheitsideal in seinen Grundvesten zu erschüt- 
tern, sondern um den Schaflenskräften, welche wir 
im Laufe der Jahrhunderte ausgebüdet haben, neue 
befruchtende Anregungen zu bieten. 

Der Verfasser warnt sodann vor der Hast, mit 
welcher man sich auf die neue Fundgrube zu werfen 
pQ^e; denn der gute Zweck, dem man zu dienen 
glaube, sei meist verfehlt. 

Wie bei Hirths Formenschatz ist der »Japanische 
Formenschatz < allen Kunstgebieten gewidmet, aber 
insofern auch unserm Fache, als nicht allein eine 
geschichtliche Abteilung, sondern auch die Darstellung 
der japanischen Fachtechnik und — was dem Ganzen 
einen besonderen Wert verleiht — die Mitgabe von 
zahlreichen Illustrationen und farbigen Beilagen dazu 
bestimmt sind, uns mit der morgenländischen Technik 
vertraut zu machen und dabei hinsichtlich der dekora- 
tiven Ausstattung wertvolle Winke zu erteilen, wie 
dies überhaupt besonders aus den vielen bildlichen 
Ausschmückungen leicht ersichtlich ist. 

Der beschränkte Raum in diesem Blatt gestattet 
nicht, viele der wirklich originellen Bilder hier wieder- 
zugeben; es genügt, anzudeuten, dass dieselben 
geeignet sind, den Accldenzsetzem ein neues Feld für 
typographische Ausstattung zu eröffnen — ein Feld, 
auf welchem sie sieh die Gunst des Publikums vermöge 
des Effektes unschwer erringen können — natürlich 
vorausgesetzt, wenn das Verständnis für die tadel- 
lose technische Ausführung zur Geltung kommt. 

Aber es soll nicht etwa gedacht werden , als ob 
man es nur nötig hätte, alles in müheloser Weise den 
japanischen Vorlagen nachzubilden, wie dies leider 
z. B. bei der mittelalterlichen technischen Ausführung 
stark kultiviert wurde, ohne dem verfeinerten Ge- 
schmack unserer Zeit Rechnung zu tragen. Die 
zahlreichen färbten Beilagen und Umschläge sind 
auch dazu angethan, den Weg zu zeigen, wie man 
mit den Farben die höchsten Effekte erzielen kann ; 
dies kann freilich nur durch Studium und durch 
Befolgung der Bedingungen geschehen. 



Ich glaube, nachdem auf die Vorzüge des »Japani- 
schen Formenschatzes < als neuer Leiter und Führer 
auf einem noch sehr wenig kultivierten Gebiete hin- 
gewiesen worden ist, diese nützliche Publikation 
der Beachtung aller Fachkreise warm empfehlen zu 
dürfen. 

Nunmehr gehe ich über zur Abhandlung über 
japanische Fachpraxis. 

Eingangs der Einleitui^ bemerkt der Verfasser 
über den japanischen Holzschnitt Nachfolgendes: 
»Drei Arbeiter wirken zusammen, um einen Bilddruck 
zu schaffen. Der Zeichner, welcher den darzustellen- 
den Gegenstand auffae' "~~~ " 
und Leben gibt ; der Ste 
ihn auf Kupfer oder Hi 
der Drucker, welch 
Kupfer- oder Holzplat 
Werk abzieht. In Ei 
wohnlich nur der Zeic 
Stecher ein Künstler, 
blos ein Arbeiter, we 
einer Maschine 
gleichförmige 
Abdrücke ins 
Unendliche lie- 
fert. In Japan 
ist so gut der 
Drucker als der 
Zeichner und 
der Holzschnei- 
der ein Künst- 
ler, der mit Ge- 
schmack und 
Phantasie ar- 
beitet. Er ar- 
beitet mit den 

einfachsten 
Mitteln, ohne 
Maschinen, mit 
einfachem Ge- 
rät. Er kennt 
weder starre 
Genauigkeit, 
noch gleichför- 
mige Wieder- 
holung. Beim 
Auftragen der 
Druckfarben 
lässt er die Far- 
benmischung 
auf der Platte 
wechseln, dass 
dadurch jede 



^^ 



271 



Japanischer FotmenEchatz. 



Eintönigkeit und Gleichheit vermieden wird. Wählen 
wir unter den Erzeugnissen der japanischen Drucker- 
kunst diejenigen aus, bei denen die drei Künstler, der 
Maler, der Holzschneider und der Drucker, vereint 
die höchste Leistungsfähigkeit ihrer Kunst bethätigt 
haben, so finden wir in ihrer Art vollkommene, un- 
übertreffliche Werke«. 

Oben zitierte Zeilen, besonders am Schluss, unter- 
zeichne ich mit Vei^nügen, denn gel^entlich der von 
Herrn Carl Lorck 1887 in der Leipziger Buchhändler- 
börse veransialieten japanischen Ausstellimg konnte 
ich die primitivsten Druckutensilien, wie solche in 
Japan gebräuchhch sind, und die Druckblätter von den 
verschiedenen Entwickelungsstadien sehen und beson- 
ders die Bilder wegen der Zart- 
heit und Feinheit der Druekaus- 
führung sehr bewundern.*) 1 

Über die Arbeitsweise unserer ! 
morgenländischen Kollegen lässt | 
sich der Verfasser noch folgender- 
massen aus: »Der Europäer be- 
dient sieh der Stahlfeder zum 
Schreiben, ja bisweilen zum Zeich- 
nen, hierzu jedoch weit häufiger 
des Bleistifts; nur zum Malen 
nimmt er ausschliesslich den Pin- 
sel. Ganz anders ist der Brauch in 
Japan und China. Ob man schreibt, 
zeichnet oder malt, bedient man 
sich dort desselben Werkzeuges, 
des mit freier Hand über das Papier 
gehaltenen Pinsels. Dieser bestän- 
dige Gebrauch des einen Werk- 

Zeuges muäste grosse Fertigkeit in 

seiner Handhabung zur Folge 

haben, und da die Züge eines mit 

Tusche oder Farbe befeuchteten 

Pinsels sich nicht auslöschen oder wieder ziehen 

lassen, so wurden Sicherheit der Hand und Kühnheit 

des Pinselstrichs wesentliche Bedingungen, denen 

jeder Künstler nachkommen musste. 

Das Papier der Zeichnung wird auf die Platte 
geklebt, worauf die Arbeit des Holzschneiders beginnt, 
welcher alle Eigenheiten der Pinsefzeichnung auf dem 
Papier, ihre breiten und ihre feinsten Züge nach- 
schneidet und in das Holz überträgt. Die japanischen 
Holzschneider haben hierin einesoleheGeschicklichkeit 
erlangt, dass selbst ein geübtes Auge manche Druck- 
sachen kaum von unmittelbaren Pinselzeichnungen 
unterscheiden kann-. 



*) Auch wir haben damals 
Bewunderung an sge sprechen. 



Es würde uns zu weit führen . wollten wir die 
überaus interessante Fortsetzung über Enlwickelung 
des Holzschnittes und des Buntdruckes hier weiter 
verfolgen. Nur Eines verdient hervorgehoben zu 
werden, um die hohe Bedeutung, die der japanische 
Holzschnitt bereits erlangt, darzuthun. 

Einer derberühmtestenlltustratoren war Hokusai. 
der 1760 das Licht der Welt erblickte und 1849 starb. 
Er gilt als eine gigantische Gestalt, welche die Holz- 
schneidekunst Japans krönt. Der Künstler machte 
sehr früh unter dem Namen Shunro seine ersten 
Versuche und hat bis zu seinem Tode unausgesetzt 
gewirkt. Seine Arbeit erstreckt sich über eine Periode 
von mehr denn 50 Jahren und umfasst in erstaun- 
lichem Umfange alle Zweige der 
japanischen Holzschneidekunst. 
Illustrationen zu Romanen, zur 
Geschichte, zu Gedichten, kleine 
populäre Hefte und anspruchs- 
vollere, umfangreiche Werke von 
40, 50 und 80 Bänden, Bücher und 
Bilderfolgen, welche ins unend- 
liche und in allen Gestalten uns 
vorführen , was das Auge irgend 
wahrnahm Inder japanischen Welt. 
Menschen, Tiere, Sachen und Land- 
schaften, dann Sammtungen von 
Ornamenten und Motiven für Hand- 
werker, belehrende Anweisungen 
in der Zeichenkunst, grosse Far- 
bendrucke jeder Art, unzählige 
Surimonos {Gratulationskarten), 
Plakate, Landkarten, kunstge- 
werbliche Vorbilder, alles das hat 
Hokusai mit immer gleicher 
Meisterschaft behandelt. Sein von 
Leben und Bewegung überspru- 
delndes Werk ist voller Humor; es berührt alle Saiten 
des Herzens vom Volkstümlich -Komischen und 
Grotesken zum Schrecklichen; es bildet in seiner 
Gesamtheit ein Denkmal, welches alles umfasst, was 
das Volk der Japaner mit den Augen wahrnehmen 
und mit der Phantasie zu gestalten vermochte. 

So der Verfasser, der es sich nicht nehmen liess, 
gerade Hokusai als Künstler in einem weiteren, achten 
Hefte, das zuletzt erschienen, zu behandeln, in einer 
Weise, die geeignel ist, den Wunsch rege zu machen, 
den so angenehm anregenden Erzählerton, der nicht 
allein in diesem Kapitel, sondern auch in allen anderen, 
unsern Beruf nicht berührenden Kapiteln vorherrscht, 
auch in den weiteren Heften zu geniessen ; das Gleiche 
gilt von den interessanten farbigen Beilagen und 
zahlreichen Illustrationen. 



273 



Die Laufbahn eines tüchtigen Mannes. 



27* 



Mit aufrichtiger Freude erwarte ich denn das 
Erscheinen weiterer Hefle und werde nicht ermangeln, 
speziell unsern Beruf behandelnde, weitere Kapitel 
auszugsweise wiederzugeben, zu dem Zwecke, um 
hervorzuheben, dass der 'Japanische Formenschatz« 
in der That anschaffens- und lesenswert ist — um- 
somehr, als der trockene oder vielmehr doktrinäre 
Ton, der in anderen ähnlichen Werken herrscht, in 
konsequenter Weise vermieden wird. W. 



suchten. Diese Begabten wurden die Lehrer für die 
nicht unbedeutende Zahl jener Aecidenzsetzer, denen 
wir heutzutage gern und mit Recht das Prädikat tüchtig 
ertheilen und deren Arbeiten selbst das kritische Auge 
des Kilnstlers von Beruf zu befriedigen vermögen. 
Unter den Begabten hat sich seit langen Jahren 
Herr Albin Maria Wateulik, erster Aecidenzsetzer 
der Firma Pierersche Hofbuchdruckerei, Stephan 
Geibel & Co. in Allenbui^, in ganz heso^iderer Weise 
durch seine vorzüglichen, genial ausge/ührten Arbeiten 



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^r & Giasecke, LeipEJK. 



Die Laufbahn eines tüehtig-en Mannes. 

Ein Lebensbild Albin Maria Watzuliks 
bis zum Tage seines 25jährigen Beruft ubiläums. 

^^ie Gegenwart ist nicht arm an tüchtigen Acci- 
j^S denzsetzern ; dies muss unter vollster Aner- 
kennung des Strebens unserer Setzer, Gutes, ja Vor- 
treffliches zu leisten, konstatiert werden. Zuerst 
waren es einzelne, besonders Begabte, welche sich 
durch gediegene und originelle Arbeiten hervor- 
thaten und, dem allgemeinen Zuge der Zeit 
folgend, nach fleissigem Studieren guter und stil- 
voller Vorbilder und kunstwissenschaftlicher Werke, 
auch wirklich Stilvolles, Gediegenes zu sehafTen 



ausgezeichnet. Viele dieser Arbeiten haben , infolge 
gütigen Zugesländnbses seitens des Herrn Geibel. 
das Archiv geschmückt und auch in Zukunft werden 
die vortreillichen Sätze Wat;!u!iks unsere Hefte 
zieren. Wie Herr Watzuük uns oft versicherte. 
hat das Archiv auch auf sein^i Bildungsgang einen 
guten Einfluss ausgeübt, wofür er, der zum Meister 
im Accidenzsatz gewordene, uns nun in dankbarer 
Erinnerung seine Unterstützung leiht. 

Wenn Watzulik sich zu der Stufe der Kunst- 
fertigkeit erhob, welche wir an ihm bewundern, wenn 
sich sein Geschmack derart bildete, wie wir dies an 
seinen Arbeiten sehen, so ist ein solches Resultat um 
so höher anzuschlagen, als das Schicksal ihm Gehör 
U)td Sprache versagte, ihn lediglich auf ein Innenleben 
IG 



275 



Die Laufbahn eines tüchtigen Mannes. 



276 



verweisend, das er denn auch zufrieden und glück- 
lich führt, nur seinem Beruf lebend. Vielleicht gerade 
dadurch wurde er zu Dem, was er jetzt ist, aus dem 
armen, taubstummen Lehrling einer kleinen unga- 
rischen Provinzialdruckerei , wurde nicht nur einer 
der tüchtigsten Accidenzsetzer, sondern auch ein 
Künstler, dessen Entwürfe durch Genialität, Gediegen- 
heit und Sauberkeit der Ausführung jedes Beschauers 
Bewunderung erregen. 

Wir gestehen offen, dass wir lange Zeit der 
Meinung gewesen sind, Watzuliks Begabung als 
Accidenzsetzer sei nur in jener Richtung zu suchen, 
die, wie z. B. in Amerika, nur darauf bedacht ist, 
durch barocke Formen die Aufmerksamkeit des Be- 
schauers zu erregen, indem sie fächer- und schildartige 
Gebilde, wie sonstige phantastische Formen (s. z. B. 
die Gratulationskarte in Heft 2 unseres Archiv von 
diesem Jahre) mit Vorliebe anwendet, sind jedoch von 
dieser irrigen Meinung gänzlich zurückgekommen, 
seitdem wir Gelegenheit hatten, Arbeiten, wie Ent- 
würfe von ihm zu sehen, die vollständig auf dem 
Boden des gediegensten künstlerischen Geschmackes 
stehen, dabei aber eine Genialität aufweisen, wie man 
solche selten findet. Einen Beweis dafür, was Watzuhk 
in dieser Richtung zu leisten vermag, wird unser 
nächstjähriger Titel geben. 

Und wie führt Watzulik seine Entwürfe ausi 
Sie geben das getreueste Bild der Arbeit in Bezug auf 
Satz und Kolorit nach ihrer Vollendung. Jedes Ein- 
fassungsstück, jedes Ornament, jede Schriftzeile sind 
zu erkennen, als wenn sie aus der Schriftprobe 
herausgeschnitten wären. Am Rande der Skizze aber 
ist das gesamte, zur Verwendung kommende Material 
in Wirklichkeit einzeln abgedruckt oder aus der Probe 
herausgeschnitten und mit der Bezugsquelle versehen 
angegeben, jede Farbe ist dort genau bezeichnet, so 
dass man sofort einen vollständigen Überblick von 
Dem hat, was man zur Ausführung der Arbeit braucht, 
wie es angewendet werden soll und aus welcher 
Quelle es stammt. 

Welcher Künstler könnte uns wohl sämtliche 
Details bis zu den geringsten herab in solcher Weise 
geben? Das kann eben nur ein Fachmann von der 
Begabung Watzuliks. 

Die gleiche Anerkennung verdient dieser Mann 
auch als Setzer. Gerade die von uns erwähnten 
barocken Arbeiten, die in seiner Thätigkeit die Haupt- 
rolle spielen, weil sie dem heutigen Geschmack ent- 
sprechen, der Sucht, AuffäUiges zum Zweck wirksamer 
Reklame zu bringen, verlangen eine ganz bedeutende 
technische Begabung, ein Vertrautsein mit allen den 
Maschinen, welche uns zu Gebote stehen. Watzulik 
schneidet und schabt mit dem Schnitzer in exaktester 



Weise die wunderlichsten Figuren, unterschneidet oder 
unterfeilt die Stücke, welche, überstehend, Anschluss 
an andere finden müssen: er' hobelt auf einer Hobel- 
maschine gefällige Muster, guillochiert Rosetten etc., 
benutzt geschickt die Linienschneidmaschine und den 
Linienbiegapparat, graviert mit dem Stichel und 
präpariert Ton- und Farbenplatten in allen benutz- 
baren Materialien. Keine noch so schwierige Satz- 
bildung ist ihm ein Hindernis und alles was er setzt, 
bekommt den richtigen Halt, bewährt sich beim 
Drucken als fest und sicher, und alles geht dem 
taubstummen Künstler schnell von der Hand. 

Freilich scheint Herr Watzuhk für sein reges 
Streben und Schaffen den rechtet Platz und die recMe 
Anerkennung gefunden zu haben, denn sein verehrter 
Chef, Herr Sfe2?Aan Geibel, wie alleDie, welche fördernd 
auf sein Streben einzuwirken vermögen, die Geschäfts- 
leiter der Piererschen Offizin, geben ihm gern den 
nötigen Spielraum zur Entfaltung einer Thätigkeit 
nach seinem Geschmack und seiner Befähigung. 

Wir hoffen demnächst Gelegenheit zu haben, 
Watzulik selbst über die technische Ausführungseiner 
Arbeiten in unserm Archiv sprechen zu lassen. 
Manchem unserer Leser, insbesondere den vielen 
strebsamen Accidenzsetzern dürfte dies willkommen 
sein, da man von ihm unzweifelhaft lernen kann. 

Indem wir nachstehend über den Lebenslauf des 
Herrn Watzulik berichten, wollen wir nicht versäumen, 
dem verdienten Kollegen und treuen Freunde unseres 
Archiv die besten Glückwünsche zum ^5. Jahrestage 
seines Eintrittes in die buchdruckerische Lauß)ahn 
auszusprechen und ihm für sein weiteres Leben und 
Schaffen unsere besten Segenswünsche mit auf den 
Weg zu geben. 



Am Ostersonntag des Jahres 1849 erblickte 
Albin Maria Watzulik das Licht der Welt. Mit dem 
4. Jahre verlor er Gehär und Sprache durch Scharlach 
und wuchs bis zum 9. Jahre ohne allen Schulunter- 
richt im elterlichen Hause zu Tyrnau in Ungarn auf. 
Wohl wurde der Versuch gemacht, ihm das Nötige 
in der Volksschule anzuerziehen, jedoch ohne den 
geringsten Erfolg, so dass er — geistig umnachtet — 
immer zu Hause blieb ; nur einen Maler, Herrn Carl 
Drescher, der zugleich Zeichenlehrer an der Volks- 
schule war, durfte er in seiner Privatwohnung öfters 
besuchen, um sich an allerlei anregenden Spielen und 
Beschäftigungen zu amüsieren, was jedenfalls den 
nicht unwesentlich günstigen Einfluss auf die intel- 
lektuelle Entwickelung ausgeübt haben dürfte. In den 
fünfziger Jahren kam der bekannte deutsche Ohren- 
arzt Schwarz auch nach Tyrnau. um an Watzulik 



277 



Die Laufbahn eines tüchtigen Mannes. 



278 



Versuche zu machen, die alle indes sich erfolglos 
erwiesen, denn das Glück, hören zu können, konnte 
ihm auch dieser Arzt nicht erschliessen. Das Jahr 
1859 kam und mit ihm vollzog sich eine Veränderung 
in des Knaben geistiger Ode. In dem Taubstummen- 
institut zu Waizen in Ungarn sollte er nämlich 
Unterkunft und Erziehung erhalten, konnte jedoch des 
Platzmangels halber nicht aufgenommen werden. 
Sein Vater, Beamter und Hospitalinspektor, wandte 
sich deshalb an die Direktion des Kais. Kgl. Taub- 
stummeninstituts zu Wien und erhielt ebenso den 
abschlägigen Bescheid mit dem Hinweis, dass nur 
Östreicher aufgenommen werden können. In seiner 
Not nahm sein Vater die Zuflucht zu dem Kaiser 
Franz Joseph I., und appellierte an seine Güte. Der 
Kaiser stiftete auf eigene Kosten einen Platz für den 
Knaben im Wiener Institut und so durfte dieser endhch 
der Wohlthat der Schulerziehung teilhaftig werden. 
Sechs Jahre währte das Leben in dem segensvollen 
Institut. 1864 verliess Watzulik die Anstalt mit dem 
Wunsch, Maler zu werden und zu diesem Zweck 
eine Akademie zu besuchen; sein Vater war anderer 
Ansicht und schilderte, weil kurz vor des Knaben 
Rückkehr in die Heimat ein anderer Maler sich das 
Leben genommen, den Beruf desselben so schwarz, 
dass der Knabe beschloss, seinem Rat, die Typo- 
graphie zu erlernen , Folge zu leisten. 

Watzulik trat am 1. August 1864 in die kleine, 
einzige heimatliche Druckerei von Sigmund Winter 
ein und die erste Lehrzeit war recht schwer, denn die 
technischen Ausdrücke begriff der Knabe infolge der 
Fremdartigkeit derselben nicht sogleich, so dass Miss- 
verständnisse entstanden und sein Lehrprinzipal 
manchmal nahe daran war, die Geduld zu verlieren. 

Das Handbuch für Schriftsetzer von Franke war 
für zweifelhafte Fälle des jungen Lehrlings liebster 
Ratgeber und so konnte er die Schwierigkeiten 
bald genug überwinden und sich in die setzerische 
Arbeitsweise flott hineinleben. Es war ihm immer ein 
Vergnügen, hinsichtlich der Schnelligkeit im Setzen 
sich in Gemeinschaft mit seinem einzigen Lehr- 
kameraden, Guido Zinke, Sohn eines Militärarztes, 
sowohl, als mit dem wohlbeleibten Prinzipal, der der 
mosaischen Religion und dem Junggesellenstande 
angehörte, zu wetteifern. 

Die Arbeiten, die der Knabe erhielt, waren fast 
nur Accidenzien, selten Werke oder Zeitschriften, die 
aber alle ganz einfach ausgestattet wurden; in die 
toten und lebenden Sprachen wurde er jedoch bestens 
eingeweiht, da am Ort ein Obergymnasium bestand 
und viele Israeliten lebten. Alljährlich erschien auch 
für einen Budapester Verlag ein fünfsprachiger zwei- 
farbiger Wandkalender, eine für damalige Zeit beson- 



dere typographische Leistung, jedoch gaben ihm die 
merkantilen und tabellarischen Arbeiten einer Triester 
Versicherungsanstalt besonders angenehme Anregung. 

Vier Jahre sollte Watzulik lernen , konnte diese 
Lehrzeit jedoch infolge seiner zweijährigen Ohren- 
krankheit nur mit vielen Unterbrechungen durch- 
machen und genoss also fast nur zwei Jahre Lehrzeit. 
Während der ganzen Zeit blieb er in freien Stunden 
gänzlich zu Hause und beschäftigte sich meist mit 
Lesen, um die Lücken in seinem Wissen nach Thun- 
lichkeit auszufüllen, wozu ihm die Bibliothek seines 
Vaters vorzügliche Dienste leistete. 

Sein Prinzipal, der in seinen jungen Wander- 
jahren auch bei Brockhaus in Leipzig gestanden, war 
gegen sein Personal stets sehr human und liess nie 
mehr als 10 Stunden arbeiten, niemals aber an 
Sonntagen. Von einer eigentlichen Anleitung im 
Accidenzsatze, wie solche in grossen Anstalten oder 
Handbüchern geboten wird, konnte nicht die Rede sein ; 
es genügte, nur nach gedruckten Manuskripten oder, 
falls geschriebene in Bestellung waren, auch nur in 
üblicher alter Weise zu setzen, doch gab es gleichwohl 
mannigfaltige Arbeiten, die Gelegenheit boten, sich 
mit den Regeln der Schwarzkunst vertraut zu machen. 

Im Jahre 1868 sprach der Prinzipal seinen 
Lehrling in Gegenwart des einzigen Gehülfen, des 
Maschinenmeisters, frei. Von der Wanderlust gedrängt, 
schrieb Watzulik bald darauf seinem ehemaligen 
Schulanstaltsdirektor um einen Posten in irgend einer 
Wiener Druckerei, erhielt aber eine abschlägige Ant- 
wort mit dem Hinweis darauf, dass es in Wien bessere 
Setzer gäbe und er daher in der Heimat bleiben sollte. 
Dieser entmutigende W^ink vermochte ihn jedoch nicht 
davon abzulenken, dieses Mal durch Vermittelung 
seines Bruders unter Beihilfe von dessen Chef, der 
ein Grosshandlungshaus besass und ein Geschäfts- 
freund des technischen Direktors der Druckerei 
»Leykam Josefsthal« war, einen Brief an den Leiter 
Vogl zu richten, der insofern Erfolg hatte, als dieser 
erklärte, Watzulik sofort engagieren zu wollen, ob- 
zwar er anfänglich gegen gehörlose Setzer ganz abge- 
neigt zu sein vorgab. Das Glück war ihm also dieses 
Mal hold. Im Mai 1869 fuhr WatzuHk gen Graz und 
hatte noch keinerlei Ahnung von der Grösse der 
Anstalt, die er nunmehr betreten sollte. 

Im Komptoir wurde er durch seinen Bruder dem 
Leiter Vogl und dem Oberfaktor Fürst vorgestellt. 
Letzterer, der fortan den fördernden Einfluss auf seine 
weitere Karriere ausüben sollte, erklärte, vorläufig 
ausser Stande zu sein, ihn in die Accidenzabteilung 
einzustellen, da noch kein Platz frei wäre; er wies 
ihm deshalb einen Platz in der Zeitungsabteilung an, 
was diesem sehr gelegen kam, da er durch die ersten 

16* 



Die Laufbahn eine» tüchtigen Mannes. 



Eindrücke, die er von der Grösse des Geschäfts erhielt, 
in dem Glauben an seine aeeidenzsetzerisehe Tüch- 
tigkeit etwas erschüttert wurde. Er wurde also 
Zeitungssetzer und war zufrieden. Brave, gemütvolle 
Kollegen standen in den Gassen und maclilen ihm 
den Aufenthalt bei ihnen so angenehm wie möglich. 
Etwa ein halbes Jahr dürfte es so gedauert haben, 
bis Oberfaktor Fürst sich seiner Person und seiner 
Angabe, im Acei- 
denzfach tüchtig 
zu sein , erinnerte 
und ihm einen 
gerade frei gewor- 
denen Platz in der 
Accidenzabteilung 
antrug. Watzulik 
erklärte, dass er 
es vorzöge, bei der 
ihm lieb gewor- 
denen Zeitung 
weiter zu bleiben, 
da ernicht glaubte, 
so tücht^; zu sein 
wie die vorhan- 
denen Aecidenz- 
setzer. 

Fürst wandte 
nichts dagegen ein 
und so verblieb 
Watzulik noch ein 
weiteres halbes 
Jahr am alten 
Platz. Die unge- 
wöhnliche An- 
strengung indes, 
die stets der Beruf 
eines Zeitungs- 
setzers mit sich zu 
bringen pflegt , 
machte in ihm je- 
doch bald ernst- 

hch den Wunsch rege, sich zu verändern ; er entschloas 
sich daher, bei etwaiger Wiederholung den schon ein- 
mal abgelehnten Antrag nicht wieder zurückzuweisen. 
Derselbe blieb denn auch nicht aus. Zum zweiten 
Male wurde Watzulik gefragt, ob er Willens wäre, 
sich in den Accidenzsetzersaal versetzen zu lassen. 
Dieses Mal fasste Watzulik den Mut und erklärte, 
bereit zu sein, erbat sich aber eine Probewoche, 
welche ihm gewährt wurde. Die erste Arbeit war 
ein Schulprogramm, die zweite das Adressbuch von 
Graz; die ersten Korreklurabziige, die er dem Ober- 
faktor vorlegte 'gefallen ihm sehrgutt. so äusserte 



er sich, und entschied, dass Watzulik sofort in die 
Accidenzabteilung kommen solle. Im Accidenzsetzer- 
saal, wo er nunmehr die höhere Kunst als seinen aus- 
schliesslichen Beruf kultivieren sollte, gab es sechs 
Setzer und zwei Lehrlinge : er trat also als der siebente 
ein und erhielt meist merkantile und tabellarische 
Arbeiten. Seine Mitarbeiter verdienen hier nament- 
hch aufgeführt zu werden, da einige heutzutage 
eine hervorra- 
gende Stellung ein- 
nehmen; es waren 
die Setzer: Maier 
(erster Acciden?- 
setzer), Buchwall- 
ner (später erster 

Accidenzsetzer 
bei Maser in Leip- 
zig), Burgmüllner, 
Messenzehl (ge- 
genwärtig Direk- 
tor der Druckerei 
Rudolf Mosse in 
Berlin), Friedrich 
(jetzt in Leipzig) 
und Julius Maser 
(jetzt Prinzipal in 
Leipzig). 

Drei Monate 
nach seiner Ver- 
setzung machte 
Oberfaklor Fürst 
Watzulik den Vor- 
schlag, den ersten 
Selzerposlen, des- 
sen Inhaber in- 
zwischen zum ün- 
terfaktor ernannt 
wurde, einzuneh- 
men, worauf er erst 
Albin Maria Watzulik. „ach weiterem Zu- 

reden seitens Fürst 
einging, denn das so rasche und ehrenvolle Avance- 
ment kam ihm unerwartet und erforderte reifliche Er- 
wägung. Mit dem neuen Posten erhielt er zwei Lehr- 
linge zur Anleitung, darunter Klauda, der jetzt zu 
seines Lehrers Freude ein tüchtiger Accidenzsetzer 
in demselben Geschäft geworden ist. 

Im Jahre 1873 erging von Altenburg (Sachsen) 
an Watzulik der Ruf seitens des inzwischen dorthin 
übersiedelten und Geschäftsleiter gewordenen Herrn 
Fürst, den ersten Setzerposten in der neu errich- 
teten Piererschen Hofljuehdruckerei zu übernehmen. 
Diesem, ftir ihn so ehrenvollen Rufe, glaubte Watzulik 



281 



Die Stuttgarter Graphische Jubiläums-Ausstellung. 



282 



Folge leisten zu müssen und so sagte er denn Graz, 
wo er so schöne und zu Anregungen so reiche Tage 
genossen, Valet und kam im Februar 1873 in Alten- 
burg an. — 

Es braucht wohl nicht erwähnt zu werden, dass er 
noch heute nach 16 Jahren den Posten bekleidet und 
mit ungeschwächter Lust und Freude arbeitet. In dem 
langen Zeiträume fand er, so sagt er wörtlich in seinen 
Mitteilungen an uns, immer Freude und Anregung 
durch das »Archiv für Buchdruckerkunst«, dessen 
Einfluss — wie er dankbarst 
anerkennt — »sich vom An- 
beginn an stets wohlthätig er- 
wiesen«. Ein solches Wort 
aus dem Munde eines Mannes 
wie Watzulik, der als Meister 
im Accidenzsatz gilt, ist für 
das Archiv und dessen Heraus- 
geber ein Ehrenzeugnis. 

Im Lauf der Zeit gewann 
nun Watzulik auch allmählich 
den Verkehr mit den tüchtig- 
sten Fachmännern, vornehm- 
Uch Herrn Theodor Goebel in 
Stuttgart, dessen Aufmunter- 
ung er, wie er uns mitteilt, 
viel verdankt, vor Allem die 
Gelegenheit, seine Thätigkeit 
auch den Fachjournalen zur 
Verfügung zustellen. — 

Die zahlreichen P>eunde 
und Verehrer des Jubilars 
werden es uns Dank wissen, 
ihnen eine Schilderung von 
dessen Lebenslauf gegeben zu 
haben: sie werden sich mit 
uns zu dem Wunsch vereinigen, dass Herrn Watzulik 
noch ein langes, erfolgreiches Wirken beschieden sei. 




^:S^^^^^^^s^5^^^^^^ 



Einfassung von A. Kumrich dt Ko., Ornamente von 
Ludwig & Mayer, Schrift von Bauer dt Ko. 



Die Stuttgarter 
Graphische Jubiläums-Ausstellung. 

|usstellungen sind so sehr ein Gewohnheitsereignis 
geworden, dass sie nur dann ein besonderes Interesse 
beanspruchen können, wenn sie imponieren. Dies kann aber 
nur dann der Fall sein, wenn ihre Bestandteile entweder 
durch Vorzüglichkeit der betreffenden Erzeugnisse etc. oder 
durch massenhafte Ansammlung von solchen etwas that- 
sächlich Aussergewöhnliches darstellen. Wie sich ersteres 
von der Stuttgarter »Graphischen Ausstellung« selbstredend 




nicht durchweg behaupten lässt, so ist letzteres dagegen 
unbestreitbar. Wenn eine Ausstellung nur eines oder, wie 
im vorliegenden Falle, zwar mehrere, aber unter sich ver- 
wandte Gewerbe umfasst, so pflegt sich der aufmerksame 
Besucher zunächst nach den Anfängen umzusehen, als 
deren einer die Buchdruckerei-Utensilien-Handlung von 
A. Stoff Ur zu betrachten ist. Über Tenakel, und seien 
es selbst automatische, lässt sich nun aber weiter nichts 
Neues sagen und auch den Ahlen, Winkelhaken, Schiffen, 
Linien- und Schriftkästen kann man ebenso wie den Abzieh- 
apparaten, Maschinenbändern etc. nur die Freude dafür 
bezeigen, dass sie am Platze waren oder sind. Auch hat 
die Firma Tiegeldruckmaschineh, sowie Hilfsmaschinen für 
Buchbinder ausgestellt. — Unter dem vollständigen Giesserei- 

apparat Otto Weiserts erregt natür- 
lich die zum erstenmal auf einer 
Ausstellung gezeigte Komplett- 
Giessmaschine die grösste Auf- 
merksamkeit, das Klipp-de-klapp ! 
zieht unausgesetzt Neugierige her- 
bei und manches Stück der auf 
einer einfachen Maschine gegos- 
senen »Römischen Einfassung«, 
besonders aber einer mit dem 
Bildnis des Königs Karl von 
Württemberg versehenen »Jubi- 
läumstype«, mag vielleicht, wie 
sich dergleichen durch die ab- 
sonderliche Mischung der Be- 
schauer erklärt, in einer Dorf- 
schenke des Schwarzwaldes als 
Rarität die Runde machen. 
Ausser der praktischen Thätigkeit 
und der Darstellung des gal- 
vanischen Verfahrens hat Herr 
Weisert auch die reiche Aus- 
wahl seiner Probeblätter in ge- 
schmackvollem Arrangement zur 
Ansicht gebracht. — Weshalb 
man sich an massgebender Stelle 
nicht dazu verstanden hat, das 
Setzen in praxi zu zeigen, bezw. 
einen Setzer am Kasten arbeiten 
zu lassen, wird wohl nicht erklärt 
werden. Das Drucken wird von 
den Buchdruckereien von Jung d^ 
Brecht (einer nicht ohne Erfolg emporstrebenden Accidenz- 
druckerei), StaMe d- Friedel (Buch- und Steindruckerei, meist 
Arbeiten für den täglichen Gebrauch in reicher Menge) und 
der Hofbuchdruckerei von Greiner d- Ff äff er nach Kräften be- 
sorgt. Dieselbe scheint, als längst anerkannt ausgezeichnet 
in der Accidenzbranche, wenig Gewicht darauf gelegt zu 
haben, in diesem Fache noch weitere Lorbeeren zu pflücken ; 
sie hat sich damit begnügt, an einigen ihrer Karten und 
anderen trefflichen Arbeiten in Erinnerung zu bringen, dass 
ihrem ausübenden Personal die Farbenlehre kein Buch mit 
sieben Siegeln ist. Unter den Verlagswerken nehmen Geroks 
»Palmblätter« die erste Stelle ein. Bei Eröffnung der Aus- 
stellung wurde dem König und der Königin von Württem- 
berg ein in der Offizin von Greiner & Pfeiffer gedrucktes, 
mit den Bildnissen der württembergischen Majestäten ge- 
ziertes Gedicht überreicht. — Die Wissenschaft lässt sich 
nur mit dem geistigen Auge erschauen — Grund genug, 
dass die von H. Laupp in Tübingen ausgelegten Werke in 



283 



Die Stuttgarter Graphische Jubiläums-AussteUung. 



2H4. 



ihrer Halbkoje nur dann und wann die Bhcke eines Be- 
suchers auf sich ziehen, und selbst die in der anderen 
Hälfte domizilierende G. Göschensche Verlagshandlung musste 
den ganzen Apparat ihrer ruhmreichen Tradition ins Feld 
führen, um ein verehrliches Publikum an das Vorhanden- 
sein der ersten Verlegerin von Lessing und Goethe zu 
erinnern. — In der nächstfolgenden Koje hat Carl Krabbe, 
der Verleger Hackländers, die Werke dieses viel gelesenen 
Autors, in den neuen Ausgaben illustriert, zur Schau gestellt. 
Die sonstigen Verlagsartikel der Firma kommen daneben 
.um so weniger zur Geltung, als die als Wandzierat 
dienenden Hackländer-Illustrationen mit der drastischen 
Originalität ihrer Zeichnung alle Aufmerksamkeit absor- 
bieren. Dem jetzigen Umfang ihres Geschäfts entsprechend 
nimmt die Abteilung von Gebrüder Kröner einen unverhältnis- 
mässig grossen Raum ein. Die neueingerichtete Xylographie 
ist in einer Anzahl trefflicher Schnitte, die Schriftgiesserei und 
Stereotypie in Typen, Matrizen und Platten vertreten. Wie 
das Ineinandermünden mehrerer Flüsse zunächst noch die 
Spuren jedes einzelnen zeigt, so hat sich auch hier der Ver- 
schmelzungsprozess der Firmen Gebr. Kröner, J. G. Cotta, 
E. Keil und Herm. Schönlein, welche nunmehr ein Ganzes bil- 
den, noch nicht bis zur Unkenntlichkeit vollzogen. Die in hoher 
Vollendung gedruckten illustrierten Prachtwerke, welche die 
Firma Kröner längst vorteilhaft auszeichnen, finden zwar in 
den Gottaschen Klassikern würdige Genossen, zwischen bei- 
den herrscht indes eine ebenso grosse Verschiedenheit, als 
andererseits die »Gartenlaube« mit dem »Buch für Alle« 
in innigerem Konnex steht und schliesslich die zuletzt 
erworbene »Allgemeine Zeitung« in München eine besondere 
Kategorie vertritt. Die Graphische Ausstellung weist von alle- 
dem Proben auf und wie die Originalgemälde zu den Gratis- 
prämien der »Gartenlaube« hier manchen Besucher über die 
wohl auch in seinem Besitz befindlichen Bilder aufklärte, so 
beweisen die Ölporträts von Wieland, Schiller, Goethe etc. das 
innige Verhältnis, in dem die weiland hochberühmte Cottasche 
Verlagshandlung zu den lebenden Originalen gestanden hat. 
Wenn man von der rotgebundenen »Allgemeinen Romanbiblio- 
thek« absieht, so kann der J. EngeJhornsche Verlag als aus 
Spezialitäten bestehend betrachtet werden. Neben mehreren 
den besten ihrer Art zuzuzählenden illustrierten Prachtwerken, 
wie »Italien« , »Schweizerland« etc , ist es die Baukunst 
und das Kunsthandwerk, denen Engelhorn in Bild und Wort 
treue Berater zuführt. — In noch ausgedehnterem Masse 
und sich in höheren Regionen bewegend, gilt dies von 
der Verlagshandlung Paul Neff (Ebner & Seubert). Pracht- 
werke wie »Die Klassiker der Malerei«, »Goldene Bibel«, 
»Die Kunst für Alle« sind wirkliche Perlen der Illustrations- 
kunst, zu deren Vollendung Zeichner, Holzschneider und 
Drucker nach besten Kräften mitgewirkt. Solch wertvollen 
Inhalt hat denn auch der Buchbinder (Crönlein) mit Ein- 
bänden von künstlerischem Wert und blendendem Glänze 
umkleidet. — Den unbestreitbar interessantesten und wert- 
vollsten Teil der Graphischen Ausstellung bilden die Schätze 
des Königl. Haus- und Staats- Archivs. Da sind wenigstens 
Sachen, wie man sie nicht alle Tage, ja manche sind 
darimter, die man überhaupt nur in dem einen Exemplare 
sehen kann, nämlich Original-Handschriften, die zwar das 
Aussehen von »Wurstpapieren« aber trotzdem ganz ausser- 
gewöhnlichen Wert haben. Besonders merkwürdig sind: Eine 
Schenkungsurkunde Kaiser Ludwig des Frommen an das 
Kloster Ellwangen, d. d. Ingelheim 21. August 823 (das 
3 Cicero dicke Siegel hat die Grösse eines Fünfmarkstückes) ; 
Urkunde Friedrich Barbarossas an das Kloster Adelberg, 



d. d. Staufen 25. Mai 1181; Privilegium Kaiser Karls IV. 
für den deutschen Orden, d. d. Nürnberg 2. Januar 135ß 
(mit angehängter goldener Bulla) ; Gebetbuch Herzogs Eber- 
hard im Bart (15. Jahrb.), mit in Gold und noch heute 
feurig strahlenden Farben gemalten Initialen; die gleichen 
Eigenschaften besitzt ein lateinisches Passionale aus dem 
Kloster Zwiefalten (12. Jahrb.); Handschreiben des Ritters 
Götz von Berlichingen (15-i2) ; Eigenhändige Lebensgeschichte 
des Ritters Schärtlin von Burtenbach (1534); ein Brief 
Keplers (1()27) ; ein Stammbuch mit folgendem, wahrschein- 
lich noch ungedrucktem, von Schiller eigenhändig hinein- 
geschriebenem Vers (vom J. 1778): 

»Auf ewig bleibt mit Dir vereint 
Der Arzt, der Dichter und der Freund.« 
Ferner enthalten diese Glaskästen Handschreiben von 
Luther (1536), Melanchthon (1559), Karl V. an Herzog 
Ulrich von Württemberg (1548), Königin Ehsabeth von Eng- 
land an Herzog Christoph (1565), Gustav Adolf von Schweden 
(1632), Maria Theresia (1757), Friedrich dem Grossen (1744), 
Joseph II. (1782), Peter dem Grossen (1712), Napoleon I. etc. 
l'Uter den Inkunabeln dürfte die »Erwählung Maximilians 
zum römischen König« als erstes in Stuttgart gedrucktes 
Buch (1486) vor allem zu beachten sein. Einen beinahe 
rührenden Eindruck machen die Einband-Holzdeckel aus 
dem 9., Metalldeckel aus dem 10., Deckel mit Elfenbein- 
relief aus dem 12. Jahrhundert. All diese und noch andere 
altehrwürdige graphische Erzeugnisse schliessen die hintere 
Seite des Ausstellungsraumes ab und ist sodann rechts- 
seitig die Firma Ä. Banz d- Ko., welche mit A. Bon^ Erben, 
in deren Offizin die ausgelegten Drucke hergestellt wurden, 
dieselbe Koje inne hat, der nächste Anhaltepunkt Ausser 
einer reichen Kollektion mustergültiger Accidenzarbeiten ist 
es besonders die Scheffel-Litteratur, welche vorherrscht 
und in der Prachtausgabe des »Trompeter von Säkkingen« 
ihren schönsten typographischen Triumph feiert. — Der 
Buchhandel ist ein mehr »öffentlicher« Berufszweig als 
viele andere Gewerbe, beruht doch seine ganze Thätigkeit 
darauf, Verborgenes ans Licht zu ziehen. Hierin liegt die 
Schwierigkeit, selbst in einer graphischen Ausstellung mit 
wirklich »Neuem« aufzuwarten und deshalb konnte auch 
die in kurzer Zeit zu so grossem Rufe gelangte Firma 
W. Spemann zwar viel Schönes, aber wenig Neues bieten. 
Es hat Mühe gekostet, den weiten Raum würdig auszu- 
füllen: die plastischen und Flächenmuster als Illustration 
zu »Stuhlmanns Zeichenmethode« haben dabei gute Dienste 
geleistet. »Vom Fels zum Meer« ist eine der gediegensten 
illustrierten Zeitschriften und wohl hat die »Kollektion Spe- 
mann« als Volksbildungsmittel ihre volle Berechtigung, ist 
aber als Ausstellungsobjekt eben nicht hoch anzuschlagen ; um 
so wirksamer aber erweisen sich die in der Reichsdruckerei 
gedruckten Heliographien der »Altertümer von Pergamon« — 
eine Bilderserie, deren jedes als von klassischer Atmo- 
sphäre überliaucht erscheint. Scherrs »Germania«, »Die 
Riviera« und das modernere »Unser Volk in Waffen« sind 
ebenfalls Pracht werke, deren sich die Verlagsfirma rühmen 
darf. Die abwechselnd in verschiedenen Farben gedruckten 
Soldaten bilder des letzteren Werkes bilden einen Beitrag 
zur Entstehungsgeschichte des neuen Deutschen Reiches. 
— Der reiche Bilderschmuck, mit dem die Deutsche Verlags- 
anstalt ihren Ausstellungsraum versehen, Hesse einen Salon 
vermuten, wenn der Besucher nicht gleich am Eingange 
auf — Lumpen stiesse; aber Lumpen in der besten Be- 
deutung des Wortes, welche, fein säuberlich in Gläsern 
aufbewahrt, den Beweis liefern, dass die weltbekannte 



285 



Die Stuttgarter Graphische Jubiläums-Ausstellung. 



2S6 



Firma (früher Hallberger) ihren Papierbedarf selbst fabriziert, 
wovon zwei aus endlosem Papier von je über 4 km Länge 
gebildete Pyramiden als Proben dienen. Auch der Her- 
stellungsprozess einer illustrierten Kolumne von Ȇber 
Land und Meer« wird zu veranschaulichen gesucht. Die 
Prachtwerke »Ägypten« , »Palästina« , »Dore-Bibel« üben 
mit ihrem herrlichen Bilderschmuck immer wieder neuen 
Reiz aus und die illustrierten Klassiker (Goethe, Schiller, 
Shakespeare) lassen uns diese Werke durch Bild und Wort, 
man möchte sagen, doppelt besitzen. Die starken Auflagen 
dieser Ausgaben, wie auch minder schönes Papier, lassen 
freilich das Bild nicht in höchster Vollendung erscheinen; 
und was die »Ebers-Gallerie« betrifft, so dürften diese Miss- 
stände hier minder schwer ins Gewicht fallen. — Das Königl. 
statistische Landesamt, ein im Jahre 1820 errichtetes Institut, 
bietet manches Interessante, so als Material einen gravierten 
(lithogr.) Originalstein und einen Überdruckstein, beides 
topographische Atlasblätter; eine Original - Kupferstich- 
platte; ein galvanoplastisches Relief; eine Versuchsplatte, 
rektifizierte lithographische Abdrücke, mittelst Heliogravüren 
auf Kupfer zu übertragen; Lichtdruckplatten (Gelatine auf 
Glas). Unter den Karten sind hervorzuheben : »Der älteste 
Landkartendruck Schwabens (Holzschnitt, Ulm 1482) auf 
Pergament«; »Des Hailligen Romischen Reichs Schwäbische 
Kraiss sammt seinen Umb- und Anliegenden Landen, von 
David Seltzlin, Modist und Rechenmeister in Ulm« (gedruckt 
1575 auf Holzplatten zu Ulm durch Johann Anton IJlhart). 

— Die sich hier anschliessende Firma W. Kohlhammer 
stand früher in dem einzigen Ruf einer Formularlieferantin 
für Behörden und besitzt in der That auch heute noch Schemata 
von 1650 Formularen für die Behörden Württembergs. Neben- 
dem aber finden wir jetzt eine Reihe vornehmlich geschicht- 
licher Verlagsartikel und das Bestreben, orientalische 
Sprachwerke zu publizieren. Als besondere Raritäten be- 
merkt man ein Avesta-, ein tibetanisches und ein Drawida- 
Manuskript (letzteres auf Palmblättern). Vieles Interesse 
erwecken auch die »Nachbildungen von Papst-Urkunden 
(bullae majores)« nebst den betreffenden Siegeln. Das geheim- 
nisvolle Dunkel, in welches alles im Vatikan Vorgehende 
gehüllt wird, macht solche Dokumente doppelt merkwürdig. 

— Die Hofbuchdruckerei von Carl Liebich druckt als 
Spezialität Wertpapiere und hat sich in dem Artikel eine 
gewisse Virtuosität angeeignet, wie mehrere ausgestellte 
Proben beweisen. Eine fernere Spezialität sind »Relief- 
bilder für Blinde« (in Gips), wovon der König und die 
Königin von Württemberg in Medaillonform und fast natür- 
licher Grösse an Ort und Stelle zu sehen sind. Es ist eine 
sorgfältige verdienstvolle Arbeit. Die Offizin hat aucl» eine 
Handpresse an Ort und Stelle, deren Bengel gehörig in 
Thätigkeit gesetzt wird. — Die SttUtgarter Vereinshuch- 
druckerei hat eine Novität ausgelegt, wie solche seit einiger 
Zeit in Stuttgart selten geworden sind, es ist die im Ver- 
lage von K. F. Glässer erscheinende »Porträtgallerie der 
regierenden Fürsten und Fürstinnen Europas«. Dies Pracht- 
werk par excellence besteht aus Radierungen mit begleiten- 
dem Text und kostet die Lieferung der Luxusausgabe 35 Mk. 
Die Radierungen zeichnen sich durch Lebendigkeit und 
Schärfe des Druckes aus und der fünffarbige Druck eines 
der ausliegenden Textblätter ist in Wirklichkeit »fürstlich« 
elegant. Dann muss noch ein Probeblatt für Nies Nach- 
folger in Frankfurt a. M. (Renaissance-Kursivschriften), als 
aufs sauberste in Satz und Druck ausgeführt, hervorgehoben 
werden. Unter den sonstigen Accidenzien sind besonders 
die Johannisfcstarbciteu des Gutenbergvereins bemerkens- 



wert. — Zu den Firmen, deren Streben nach möglichster 
Vollkommenheit ihrer Leistungen Anerkennung verdient, 
zählt vor allem das Süddeutsche Verlagsinstitut. Obgleich 
die Druckerei des Instituts noch keine »Geschichte« hinter 
sich hat, sind doch mehrere der ausgestellten Prachtwerke, 
so u. a.: »Deutscher Sang und Klang« (Illustrationen in 
dem modernen »Schwarzblau«), den besseren Erzeugnissen 
der Spezialität ebenbürtig. Mit besonderem Eifer lässt sich 
diese Verlagshandlung die Pflege der Geschichte (so in den 
Werken »Illustrierte Geschichte Deutschlands«, »Hie gut 
Württemberg alleweg« u. a.) angelegen sein. — Das Stutt- 
garter Plakatinstitut (Hofbuchdruckerei Zu Guttenberg , 
C. Grüninger) hat eine jubiläumsfestlich gesckmückte und 
ausgestattete Plakatsäule aufgestellt. — Die Verlagshandlung 
von Gustav Weise liefert in den »Trachten« von Hotten- 
roth einen völkergeschichtlich wertvollen und durch »Die 
Renaissance im Kunstgewerbe« einen kunstgeschichtlich 
schätzbaren Beitrag. — Ein besonderer Jugendschriften-. 
Pavillon vereinigt von dem in Stuttgart bedeutenden Ver- 
lagszweige eine grosse Anzahl von Schriften der Firmen 
W, Nitzschke, W. JSffenberger und Thienemanns Verlag — 
alles durch farbenprächtige Umschläge und Bilder ausge- 
zeichnete Bücher, die den jungen Leser auf den Schwingen 
der Phantasie in kühnem Fluge von den Rothäuten Nord- 
amerikas zu den Südsee-Insulanern oder den Negern Inner- 
afrikas entführen und ebendeshalb so sehr begehrte Lektüre 
sind. — Stuttgart steht nicht ohne Grund im Rufe der 
Frömmigkeit und der umfängliche Buchladen, den die 
Bibelanstalt in der Graph. Ausstellung besitzt, gibt dieser 
Annahme erneute Berechtigung. Für jeden guten Christen 
ist da etwas Erbauliches zu haben in den vielen, vielen 
Bänden, deren derbe Metallverschlüsse die Spezialität schon 
von weitem kennzeichnen. — Levy tf- Müller ist eine der 
kleineren Stuttgarter Verlagshandlungen, unter deren 
mancherlei Schönem der »Lustige Bädeker« das Neueste 
darstellt. — Im unteren Mittelraum der Gewerbehalle 
befindet sich auch das Farben probelager von Kost <£- Ehinger, 
d. h. ein Pavillon, in dem bunte Farben aller Nuancen, 
in Gläsern enthalten, pyramidal aufgebaut sind — eine 
wohlthuende Abwechslung in der Flut von Gedrucktem. — 
In ähnlicher, mehr obeliskförmiger Art sind unter der Be- 
zeichnung Papier Siegismund alle nur denkbaren Papier- 
sorten, die Proben in Büchern mit schönen Einbänden, zu 
einem Ganzen geordnet. — In einiger Entfernung hiervon 
hat die Schwabesche Buchbinderei eine Auswahl ihrer in 
der That kunstvollen Prachteinbände in einem Glaspavillon 
ausgestellt: alles Arbeiten bester Art. Besonders bemerkens- 
wert sind zwei ganz von Hand gearbeitete kostbare Einband- 
decken. — 

Auf der im obern Stock befindlichen Gallerie nimmt 
die Ausstellung von Theodor Goebel die ganze linke Seite 
ein. Schon beim Aufgang weisen riesige Farbendrucke 
(Indianerhäuptling — Schlangenbändigerin — Äquilibristen) 
auf den internationalen (^«harakter dieser Abteilung hin. 
Die, den verschiedenen Nationen entstammenden Drucke 
sind in voneinander getrennten Räumen untergebracht, 
während das Wertvollste, wie Musterbücher, seltene, teure 
Werke und Drucke sich in Glaskästen befindet. Gruppe I: 
Chromodrucke von L. Prang & Co. in Boston, worunter 
besonders herrliche Blumenbouquets und Drucke auf Seide 
hervorragen. Gruppe II: Chromolithographien von Meissner 
& Buch in Leipzig und W. Hagelberg in Berlin. Gruppe III: 
Das Entstehen einer Chromolithographie (18 Blätter), trefT- 
liche lithographische Farbdrucke von E. G. May Söhne in 



287 



Die Stuttgarter Graphische Jubiläums-Ausstellung. 



288 



Frankfurt a. M., Gebr. Oppacher in München und J. Miesler 
in Berlin, von letzterem gelungene humoristische Neujahrs- 
etc. Karten. Gruppe IV: Chromoxylographien von G. Knöfler 
in Wien, das künstlerisch Bedeutendste, was bis jetzt auf 
diesem Gebiete geleistet wurde (so u. a. »Bildnis eines 
Kardinals« und ein »Marienfenster«); Holzschnitte aus dem 
Werke des f Kronprinzen Rudolf: »Die östreichisch- 
ungarische Monarchie«. Gruppe V: Kalender. Die eng- 
lischen, vor allen aber die amerikanischen Arbeiten dieses 
Genres zeichnen sich durch ihre, für deutsche Augen 
manchmal beinahe lächerliche Geschmacksrichtung aus, 
was sich bei der unmittelbaren Nachbarschaft der deutschen 
Erzeugnisse am deutlichsten erkennen lässt. Gruppe VI: 
Drucke aus Deutschland, Ostreich und der Schweiz (eine 
ausserordentlich mannigfache Kollektion von Karten aller 
Art); Liniensatz von Fasol, Büchler in Bern und Monpied 
dem Älteren. Gruppe VII : Internationaler Musteraustausch 
(eine Anzahl aus den verschiedensten Offizinen hervor- 
gegangener Blätter). Gruppe VII J: Drucke aus Amerika 
und England (Karten und farbige Bilder), Ostreich und 
der Schweiz. Liniensatz von Moulinet in Paris (zum Teil 
charakteristischer als der Fasoische); Ölfarbendrucke aus 
Sydney (Australien). Gruppe IX: Drucke aus Russland 
(ältere Kupferstiche; Farbdrucke nationalen Charakters, 
künstlerisch unbedeutend); als Merkwürdigkeit: Eisen- 
Galvanos aus der russischen Staatsdruckerei. Gruppe X*: 
Die Entwickelung des Buchdrucks und der Illustration, 
durch einzelne Blätter belegt, so: Mainz (1457), Augsburg 
(li75), Venedig (1481), Brügge (1484), Bamberg (1485), 
Paris (1502), Nürnberg (1514). Die Gesamtzeitdifferenz 
ist übrigens eine zu geringe, um eine wirkliche Periode 
zu ergeben. Gruppe XI: Blätter aus dem »Weiss- 
kunig«; Photogalvanographien ; Kupferstiche; Chromo- 
zinkographien ; Naturselbstdruck: Panikonographie ; Druck 
von Leimklischees (rauh), »Klitschotypie« ; 4 Chromo- 
Baxter-Drucke von sorgfältigster Ausführung. — Die »Kol- 
lektiv-Ausstellung von Louis Eath* besteht in einer 
grossen Anzahl von Bildern, welche dem Publikum bereits 
aus den Schaufenstern der Kunsthändler her bekannt sind, 
meist Photogravüren und Radierungen (zum Teil auf dem 
dicken, gelblichen chinesischen Papier gedruckt). Die 
Pariser Photogravüren zeichnen sich teilweise durch die 
an ihnen gewohnte freie Auffassung der Tendenz aus. — 
Übergehen wir von da aus zwei weniger beachtenswerte 
Aussteller, so kommen wir zur 2. Abteilung des Gösclienschen 
Verlags (Holzschnitte zu Wielands »Oberon«) und sodann 
zu Loeices Verlag (W. Effetiherger), wo »Kolbs Wandtafeln 
zum Freihandzeichnen« und die »Vorbilder für das Ornament- 
zeichnen« die Aufmerksamkeit besonders der Bau- und 
sonstigen Techniker fesseln. — Die Hoffmannsche Buch- 
druckerei (Felix Krais) hat eine sorgfältige Auswahl unter 
ihren vorzüglichen Accidenzien getroffen und von einer 
der neuesten dazu zählenden Arbeiten, einer technisch 
untadeligen Karte, den Entstehungsprozess mittelst der 
zu fünffarbigem Druck benötigten Sätze nebst Abzügen 
dargestellt. Die Stereotypie ist in Matrizen und Platten 
vertreten. Gerade in dieser Ausstellung ist der in bril- 
lantem Einbände vorliegende »Petzendörfersche Schriften- 
Atlas« wie selten ein anderes Werk am Platze und von 



* Gruppe X der Goebelschen Abteilung sollte eigentlich Gruppe I 
Bein; da dieselbe aber zwei Treppenaufgänge hat und, wie oben er- 
wähnt, Plakate den als Anfang zu betrachtenden Beginn der Goebelschen 
Abteilung andeuten so lässt sich auch obige Reihenfolge rechtfertigen. 



seinem ebenbürtigen Pendant, dem »Ornamentenschatz«, 
darf man dasselbe mit gleichem Recht behaupten: aus 
beiden Werken lässt sich gerade in unserer Zeit, wo die 
Bräuche und Eigentümlichkeiten der Schrift- und Zeichnen- 
manieren früherer Jahrhunderte wieder zu neuem Leben 
erweckt sind, für manchen vieles lernen. — Unter den 
Accidenzien der Carl Hammerschen Offiein nehmen »Wert- 
papiere« die erste Stelle ein. trotzdem sie durch das über- 
gedruckte »Ungültig!« für den Kouponab Schneider dieses 
Prädikat einbüssten. Ein bemerkenswertes Werk ist das 
fünfsprachige »Lexikon der Handelskorrespondenz« und an 
mehreren, nach den Regeln einer exakt arbeitenden Druckerei 
ausgeführten, mathematischen Werken lässt sich erkennen, 
dass die Hammersche Offizin gerade hierin ihre starke Seite 
hat. — Von der Lithographischen Anstalt von G, Volk in 
Heilbronn, welche ausser einigen hübschen Buchumschlägen 
eine 21 Steine benötigende Farbdruckprobe Revue passieren 
lässt, kommen wir zur Lithographischen Kunstanstalt von 
G. GaUemicht. Aus der reichen Kollektion sind vor allem 
Kolbs Glasmalereien aus dem 14, 15, und 16. Jahrhundert 
(Kirchenfenster) zu erwähnen; aber auch vieles andere 
und besonders die naturtreuen, farbenechten Tierbilder 
und Völkertypen aller Erdteile sind ebenso meisterhaft, als 
in anderer Richtung wieder die Zimmerinterieurs, wo 
malerisches Talent und vollendete lithographische Technik 
zusammenwirken. — Der ebenbürtige Rivale der letzt- 
genannten Firma und diese mehrfach übertreffend, ist 
Max Seeger, Fast alle Arbeiten tragen hier den Stempel 
des Künstlerischen wie der Titel zum »Malerjoumal« dem 
Idealen zustrebt, so sind daneben drei preussische Krieger 
so kasernenmässig wahr, wie sie nur ein Pinselvirtuos des 
Faches zu schaffen vermag. Ein Plakat für die zur Zeit 
in Kassel stattfindende Jagd- und Fischerei-Ausstellung 
zeigt in grossen Dimensionen alle Vorzüge dieses litlio- 
graphischen Mustergeschäfts. — Wie diese beiden Firmen 
ausschliesslich Chromodrucke , so hat die Lithographische 
Anstalt von Carl Ebner nur Bilder in Schwarzdruck und 
neben dem auch fertige Lichtdruckplatten ausgestellt — 
Die Buchdruckerei von Jung dk Brecht (s. oben) hat hier 
auf der Gallerie Proben ihrer Accidenzien ausgelegt, von 
denen mehrere, wie eine Geschäftskarte und ein Schreib- 
mappe-Umschlag, ernstes Streben nach grösster Leistungs- 
fähigkeit bekunden. — Von einer Anzahl aus kleineren 
württembergschen Druckorten unter die Aussteller gegangener 
Buchdruckereibesitzer ist nur einer, CarlBembold (Heilbronn), 
zu erwähnen, dessen Accidenzien grösstenteils an die besseren 
Stuttgarter Arbeiten heranreichen. Ausgelegte Stereotyp- 
matrizen und Platten liefern den Beweis, dass das Geschäft 
mit technischen Hilfsmitteln entsprechend ausgerüstet ist 
— In einem der unteren Seitengänge hat die Buchdruckerei 
und Monogrammprägeanstalt von Rud, Glaser df Ko. ihre 
Fabrikate, grösstenteils saubere Arbeit, zum Verkauf aus- 
gestellt und ihr gegenüber befindet sich ein vollständiges 
Lager von Kautschukstempeln und den vielerlei dazu 
gehörigen Medaillons u. s. w. Inhaber desselben ist der 
Buchdruckereibesitzer Braunbeck; eine Tiegeldruckpresse 
ist in steter Thätigkeit und ein Mulatte in Livree und 
Firmamütze macht dem Publikum in oft etwas zu naiver 
Manier die Honneurs. — In nächster Nachbarschaft befindet 
sich die Lichtdruckanstalt von Martin Rommelj welcher in 
Stuttgart dies Verfahren erstmals ausübte und dessen 
schwarze und farbige Probedrucke den mit der Sache 
vertrauten Spezialisten bekunden. — Eine äusserst wert- 
volle Sammlung alter Drucke, bezw. Handschriften hat der 



289 



Bernhard Rudolph Giesecke f. — Schriftprobenschau. 



290 



Antiquar J. Hess aus Ellwangen ausgestellt, so u. a. ein 
Graduale (Pergament-Manuskript) aus dem 14 Jahrhundert; 
Erste Ausgabe des >Teuerdank« von Schönsperger, Augs- 
burg (1517) ; Neunte deutsche Bibel von Koburger, Nürnberg 
(1483): alles gut erhaltene Exemplare. — In einem zweiten 
Nebengange der Gewerbehalle sind alle jene Gewerbe- und 
Kunstzweige untergebracht, die den >Graphen< fast unent- 
behrlich sind, so die zinkographische Anstalt von Wein- 
tcurm d- Hafnery welche die Herstellung eines Zinkklischees 
veranschaulicht und Platten für Lichtdruck ausgelegt hat. 
Als eine Art Seitenstück hierzu hat A. Schwertführer das 
galvanoplastische Verfahren in den verschiedenen Stadien 
dargestellt und die chemische Kunstanstalt von Ä. Schuler 
verzweigt sich in mehrere Gebiete der modernen Bilder- 
vervielfältigung: Heliogravüre-Platten, Zinkklischees, Auto- 
typieproben sind nach Auswahl beieinander plaziert. — 
Die xylographischen Ateliers von Adolf Klass, B, Bren- 
iVamour dt Ko., Emil Beimann, Eduard Ade, E. Hofmann, 
A. Kunz, Gtistav BaUy sie alle beweisen in den resp. 
Bilderabdrücken ihre Leistungsfähigkeit und einige zeigen 
ausserdem die vollständige Technik der Holzschneidekunst 
in Werkzeugen, Holzmaterial, etc. 0. Hirrlinger veran- 
schaulicht ein Verfahren von vielleicht hoher Bedeutung 
für den Bilderdruck: das Übertragen von Photographien 
auf Buchsbaum holz, als Ersatz für Holzzeichnung. — Auch 
die Stuttgarter Graveure A. Koher, L. Hasert, Paul Heckel, 
Schiller & Söhn lassen an in Messing gearbeiteten Um- 
schlägen zu Prachtwerken, Initialen u. s. w. erkennen, dass 
sie in der Ausstellung zu erscheinen vollberechtigt sind. 
Dasselbe darf man von Wiedenmanns (Obermaschinenmeister 
bei Greiner & Pfeiffer) Walzenmasse für Buch- und Licht- 
druck (hektographische Masse, Zusatzmasse) behaupten 
und mit gleichem Recht ist A. Beyerlens Remington- 
Schreibmaschine ein Bestandteil der Ausstellung. — Die 
Firma J. G. Mailänder in Cannstatt hat zwei Buch- und 
eine Steindruckmaschine in Gang gesetzt; um für erstere 
Branche Augsburg, Johannisberg und Oberzell auszustechen, 
scheints indes noch nicht auszureichen. — A. Fomm und 
Chn. Mansfeld aus Leipzig-Reudnitz haben Hilfsmaschinen 
für Buchbinder ausgestellt; ebenso Gebr. Brehmer in Leipzig- 
Phigwitz. Ganz besonders reichhaltig ist A. Leos Lager von 
Buchbinderwerkzeugen aller Art. Einen vollständigen Buch- 
bindereibetrieb hat die Firma A. Crönlein ausgestellt: Draht- 
heftmaschine, Beschneidmaschine etc. etc. sind in reger 
Thätigkeit; dass diese letzte Instanz der Bücherfabrikation 
aber in nächster Nähe der (Weisertschen) Schriftgiesserei 
steht, das ist ein Fehler. Das Alpha und Omega des Buch- 
gewerbes, Giesserei und Buchbinderei, hätten so weit als 
möglich voneinander entfernt werden sollen — das wäre 
logischer gewesen! (J, Arend.) 




Bernhard Rudolph Gieseeke t. 

^nerwartet und schnell ist am 25. Juli der Mitinhaber 
einer der bedeutendsten Schriftgiesserei en Deutsch- 
lands und des Auslandes aus dem Leben geschieden: 
Bernhard Budolph Giesecke. Teilhaber der weltberühm- 
ten Firma J. G. Schelter & Giesecke. Ein Schlaganfall 
warf den sonst so Rüstigen aufs Krankenlager und setzte 
seinem Leben ein zu frühes Ende. Giesecke war einer 
jener Geschäftsleute, die mit ganzer Seele an ihrem Berufe 



hängen und für seine Arbeiter war er ein gewissenhafter 
und gerechter Prinzipal. Sein Hinscheiden wird von allen 
Seiten aufrichtig betrauert. 

Es sei uns bei dieser Gelegenheit gestattet, einen 
kurzen Rückblick auf die Geschichte des Hauses zu werfen, 
an dessen Emporblühen der Verstorbene einen hervor- 
ragenden Anteil hat. 

Am Johannistage des Jahres 1819 begründeten die 
bis dahin bei Carl Tauchnitz in Leipzig konditionierenden 
Schriftgiesser Johann Gottfried Schelter und Christoph 
Friedrich Giesecke unter der bis heute noch unveränderten 
Firma eine eigene Schriftgiesserei. Die Anfänge waren 
bescheiden; durch rastlosen Fleiss der Gründer gewann 
das Geschäft jedoch bald Ansehen und Umfang. 184:1 zog 
sich Schelter vom Geschäft zurück, welches nun von 
Clir. Fr. Giesecke allein fortgeführt wurde. 1845 erfolgte 
die Aufstellung der ersten Giessmaschine, deren Zahl sich 
fortwährend steigerte. Nach dem am 12. Juli 1850 erfolgten 
Ableben Gieseckes übernahmen dessen Söhne Karl Wilhelm 
Ferdinand (geboren am 7. Juli 1817) und Bernhard Rudolph 
(geboren am 23. November 1826) die Schriftgiesserei und 
unter ihrer Leitung hob sich das Geschäft zu seiner 
heutigen Höhe. Ursprünglich in ermieteten Räumen unter- 
gebracht, wurde das Geschäft 1831 in ein eigenes Haus 
überführt. Aber auch dieses wurde bald zu enge und 
1874 erfolgte der Umzug in das ganz seinem Zweck ent- 
sprechend gebaute grossartige Geschäftshaus in der Brüder- 
strasse. 

Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwickelung des 
Etablissements hatte die 1876 erfolgte Übernahme der 
technischen Leitung durch den Sohn Bernhard Rudolph 
Gieseckes, Georg Giesecke, welcher 1881 auch als Teilhaber 
in die Firma eintrat. Durch ihn wurde der gesamte Betrieb 
einer durchgreifenden Umgestaltung nach amerikanischem 
Muster unterzogen und der Giesserei noch mancher Neben- 
geschäftszweig hinzugefügt. 

In welcher hervorragenden Weise die Firma J. G. Schelter 
& Giesecke an der Entwickelung des Buchdrucks der 
neueren Zeit durch ihre tonangebenden Original erzeugnisse 
an Schriften und Ornamenten beteiligt ist, darüber war 
unser »Archiv« seit seinem Bestehen in jedem Hefte ein 
beredter Zeuge. Dem nun Verstorbenen verdankt das von 
ihm geleitete Geschäft unstreitig ein gut Teil seines gross- 
artigen Aufschwungs, die Geschichte der Buchdruckerkunst 
im allgemeinen aber hat ihn mit in der Reihe derjenigen 
Männer aufzuführen, durch deren Wirken die Typographie 
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von neuem 
belebt und gehoben wurde. Aber auch seiner persönlichen 
Eigenschaften wegen, wird ihm Jeder, der die Ehre hatte, 
mit ihm in Berührung zu kommen, gern ein ehrendes 
Andenken bewahren. 



Sehriftprobensehau. 






|ir sind im vorliegenden Hefte wieder in der an- 
genehmen Lage, unsere Leser mit beachtenswerten 
Novitäten mehrerer Schriftgiessereien bekannt machen 
zu können. 

Auf einer eigenen Schriftprobe brachten wir bereits 
im vorigen Hefte verschiedene Anwendungen eines neuen 
Erzeugnisses der Schriftgiesserei C. Kloher g, und zwar der 

17 



291 



Schriftprobenschau . 



292 



Lintenomamente Serie 73. Auf Seite 293—294 bringen 
wir ein vollständiges Figurenverzeichnis. Obgleich Frei- 
oder Linienornamente schon in den verschiedensten Ausführ- 
ungen unter dem Ziermaterial des Buchdruckers vorhanden 
sind, kann doch jede Neuschöpfung, wenn sie wirklich gut 
ist, nur mit Freuden begrüsst werden. Und gut ist diese 
Neuschöpfung Klobergs soweit es die Erfindung und Zeich- 
nung der einzelnen Formen betrifft, unzweifelhaft. Wir 
haben unter den zahlreichen Figuren keine gefunden, 
welche uns missfallen hätte. Anders verhält es sich jedoch 
mit der technischen Ausführung dieser neuen Linieu- 
ornamente; hiefr will es uns scheinen, als wäre dieselbe 
zu gut, m fein. Ein etwas kräftigerer Schnitt würde alle 
diese schönen Formen im Druck viel wirkungsvoller her- 
vortreten lassen. In der vorliegenden Gestalt sind diese 
Ornamente nur für Arbeiten allerfeinster Art geeignet und 
müssen zudem mit der peinlichsten Aufmerksamkeit be- 
handelt werden, soll das kostbare Material nicht bald an 
Ansehen und Wert verlieren. Vielleicht nimmt die Firma 
(-. Kloberg auf unsere Anregung hin Veranlassung, in dem 
angedeuteten Sinne Versuche zu machen; wir sind über- 
zeugt, dass ein Erfolg nicht ausbleiben wird. 

Eine Serie Moderner Zeitungseinfassungen ging uns 
von der Budhardscken Giesserei zu. Wir können diesen 
Einfassungen nur eine recht weite Verbreitung wünschen, 
damit sie den in der Regel recht eintönigen Eindruck der 
Inseratenkolumnen unserer meisten Zeitungen ein etwas 
lebhafteres Aussehen verleihen können. 

Eine weitere schätzenswerte Bereicherung unseres 
Ornamentenmaterials bietet die Itudhardscke Gießerei in 
einer Kollektion Gotischer Einfassungen, der sie den Namen 
»Herbaria* gegeben hat. Am besten von allen diesen Ein- 
fassungen will uns noch der grösste Grad auf 5 Cicero 
gefallen; es sind dies durchaus gefällige Formen, welche sich 
durch ihre derbe Zeichnung zu Umrahmungen grösseren 
Formats so vorzüglich eignen, wie kaum eine andere Eni- 
fassung in diesem Kegel. In den .H- und 2-Cicero-Graden 
wirken die etwas zu nackten Ranken unschön und machen 
uns diese Einfassung weniger sympathisch, während die 
l^/'l- und 1-Cicero-Grade wieder eher unsern Beifall finden. 
Da die verschiedenen Einfassungen aucli für Mehrfarben- 
druck geschnitten sind, werden sich dieselben auch für 
Arbeiten, denen eine bessere Ausstattung gegeben werden 
soll, oft mit Vorteil verwenden lassen. 

An neuen Schriften erhielten wir von J, G. Schelter d- 
Giesecke 11 Grade einer Schmalen mageren Eg^ptienne, einer 
Schrift, wie sie der Buchdrucker stündlich gebraucht. Die 
genannte Firma scheint sich in neuerer Zeit die Aufgabe 
gestellt zu haben, alle jene Accidenzschriften, welche in 
der Praxis am häufigsten gebraucht werden und in jeder 
Druckerei unentbehrlich sind, einer der Gegenwart ent- 
sprechenden Modernisierung zu unterziehen. Mit welchem 
Erfolge sie diesem Ziele immer näher kommt, haben wir 
unseren Lesern durch Vorführung verschiedener neuer 
Schriftgarnituren bereits wiederholt beweisen können. Die 
vorliegende Schmale magere Egyptienne ist von einer solchen 
Eleganz und im Schnitt von einer Genauigkeit, dass man sie 
ohne Übertreibung als die schönste ihrer Art bezeichnen kann. 

Die Schriftgiesserei Bauer d- Ko. sendet uns drei neue 
Nonpareilleschriften. Ergänzungen zu bereits früher in 
Garnituren veröffentlichten Originalerzeugnissen. Die magere 
und halbfette Merkantil-Kursiv besitzt auch in diesem 
kleinen Grade alle Vorzüge dieser Schriften und wird neben 
manchem neuen Käufer auch den Besitzern der grössern 



Grade willkommen sein. Auch die Neue SdhicabacJter zeijit 
in der Verkleinerung auf Nonpareille noch jene charakteristi- 
schen Formen, welche dieser Schrift so viele Freunde 
erworben haben; sie wird in mancher Druckerei gern 
gesehen werden. 

Von Ludicig d^ Mayer bringen wir 6 Grade einer neueren 
EgypUenne-Zierschrift zum Abdruck, der man im allsre- 
meinen nur Gutes nachsagen kann, da sie durchaus sauber 
und schön geschnitten ist. Nur das will uns an dieser 
neuen Schrift nicht gefallen, dass die Schattenstriche in 
vielen Fällen nälier an den folgenden Buchstaben zu stehen 
kommen, als an denjenigen, zu welchen sie gehören. 
Besonders fällt dies bei den grössern Graden auf; als 
Beispiele hierzu beachte man in unsern Probezeilen im 
3-Cicero- Grade die Buchstaben TJD und ER, im 4-Cicero- 
Grade das Wort Frankfurt, und man wird uns recht geben. 
Die Schrift hätte entweder weiter justiert werden müssen 
oder die Schattenstriche sollten sich enger an das Buch- 
stabenbild anschliessen. 

Wohl selten ist in unserm Gewerbe von seiten der 
Schriftgiessereien eine neue Geschmacksrichtung mit solchem 
Eifer gepflegt worden, wie er zur Zeit in der Erzeugung 
von neuen Vignetten an den Tag gelegt wird. Von allen 
Seiten werden dem Buchdrucker Proben dieser Art Zier- 
material unterbreitet, so dass wohl Manchem schon die 
Wahl schwer geworden ist. Wie es bei einer solchen 
Überproduktion nicht anders sein kann, wird neben vielem 
Guten und Schönen auch vieles von geringem Wert und 
sogar Wertloses hervorgebracht. Durch die Masse ist es 
der Fachpresse schwer und fast unmöglich geworden, das 
viele Gute von den vielen Mangelhaften zu scheiden und 
beides nach Gebühr zu bezeichnen; sie kann sich kaum 
noch in allgemeinen Andeutungen ergehen. Wenn wir 
aber eine in dieser Angelegenheit gemachte Beobachtung 
offen zum Ausdruck bringen sollen, so müssen wir gestehen, 
dass die neuesten Erzeugnisse dieser Richtung gegen die 
älteren an künstlerischem Wert zurückstehen, dass in 
vielen dieser Erzeugnissen eine Nachahmungssucht zu 
Tage tritt, die den unparteiischen Kritiker unangenehm be- 
rühren muss. Man kann es den Giessereien gar nicht oft 
genug wiederholen, dass sie entweder nur wirklich muster- 
giltiges Neues produzieren oder es ganz bleiben lassen 
mögen; mit Halbwertigem ist unserer Kunst nicht gedient 
und dem Produzenten auch nicht, da er für solches nie 
einen lohnenden Abnehmerkreis finden wird. 

Proben von neuen Vignetten gingen uns für vorliegendes 
Heft zu von der Schriftgiesserei Emil Berger, von Wilhelm 
Gronaus Schriftgiesserei und von Ludwig d' Mayer, Die 
Bergerschen Vignetten, welche sich hauptsächlich für Brief- 
köpfe und Karten eignen, bezw. die Verzierungen für solche 
bilden, zeichnen sich vor den übrigen dadurch aus. dass 
ihre Originale recht sauber in Holz geschnitten wurden, 
während die neuen Vignetten anderer Firmen ausnahmslos 
galvanische Niederschläge von Zinkätzungen sind. Die 
Vignetten von WilMm Gronau stellen Kopfleisten und Brief- 
köpfe dar, letztere sowohl für Quart- wie für Oktavformat 
und einige Eckverzierungen für Privatbriefbogen. Ausser- 
dem erhielten wir noch Probedrucke von einer Anzahl 
Eckvignetten, welche sich zur Ausschmückung der inneren 
Ecken von Satzumrahmungen sehr gut eignen. Ludwig tV 
Mayer senden uns 7 Doppelblätter mit Vignetten ver- 
schiedenster Art. Die meisten dieser Vignetten sind ver- 
tikale Zierleisten in diversen Formaten, dann eine Anzahl 
horizontaler Leisten und Schlussstücke, weiter Verzierungen 



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Einraeeang lon der RndhudeFhcn GiCBierei, OfTenbacb a. M. 




EinfBBsuDE von der Rndhardschcn Gieiseici. OHenbach a. M.. Ecken van Benj. Krebs Kuhn.. Frinkfnrl a. M. 



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Novitäten der Schriftgiesserei Baner & Ko., Stuttgart. 

I. Merkantil-Kursiv. 

Magere* 

Nonpareille. Min. 4 Kilo. Per Kilo M. 8 20. 

ISS9 Oedenkblatt der Wettinfeier in I>readen iaS9 

LONDON England Frankreich FARIS Rtisaland Deutschland BEUL IN 

Halbfeite. 

Nonpareille. Min. 4 Kilo. Per Kilo M. 8.dO. 

Stiftungsfest und Fahnenweihe des Turnvereins zu Taucha 

VorschusS' und Kredit 'Verein. Eingetragene Genosßenschaft, Gegründet 1S42 

2. Neue Schwabacher. 

Nonpareille. Min. 4 Kilo. Per Kilo M. 7.60 

Da« Buc^ Über bie Entbecfungen ber Xtorbpolcfpebition im ^alfxt {HHO 

3eit ift 9e{b, bae merfe Xir, nur gefc^Sfttic^ fomm* ju mir! Probieren ge^t über flubieren. 



Egyptienne-Zierschrift von Ludwig ft Hayer, Frankfurt a. 1. 



No. 861. Mittel. Per Kilo M. 7.-. 



OSEäE Piriiisrdgeiit t@ii Bayern ÄLFRIB 



Ulm 



No. 852. Tertia. Per Kilo M. 6.50. 



No. 853. Text. Per Kilo M. 6.20. 



OEDICHl' SeME©ff VEMMM. 






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Linienornamentc von C. Kloberg, Leipzig. 




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Schmale magere Egyptienne Yon J. G. Schelter ft Giesecke, Leipzig. 




1345. Nonpareille. 150 a 60 A ^ \i Satz ca. 2.9 Kilo. 

Berühmte Kunstsammlimgeii In Bentachland 
3. AirB8ER0BDS5TUGHE OEHBKALYERSAMKLinfG 1889 

1347. Korpus. 90 a 36 A = M Satz ca. 4 Kilo. 

174 Aus Krimmers technisclieii Schriften 583 
DIE NORWE&ISCHEN KUNBTBATITEN 

1349. Mittel. 60 a 24 A ^ Vi Satz ca. 5 Kilo. 

KimstgewerMcher Verein 
DRITTES WAGNER-KONZERT 



1346. Petit. 106 a 42 A == ^ i Satz ca. 3.4 Kilo. 

Die Bühnenfestspiele in Bayreuth 1889 
FEAl^EEIGH NORDDEÜTSCHLAin) ÖSTEEILEIGH 

1448. Cicero. 68 a 28 A = '/i Satz ca. 4 5 Kilo. 

ScMllers dramatisclie Dichtimgeii 
3 FAMILIEirLrrTEMTIIE 7 

1350. Tertia. 52 a 22 A ^- Vi Satz ca 5.6 Kilo 

BuchdrucMarl)en 
BERLIN GBJBIZ LEIPZI& 



1351. Text. 40 a 16 A ^i Satz ca. 6.7 Kilo. 



Jubiläum der ersten deutscheii Eisenbahn 

AMEMZA PAMS EUEOPA 



1352. Doppelcicero. 30 a 12 A =li Satz ca. 7.6 Kilo. 



Skizzen „CHINE SISCKER" Zustände 

1358. Doppelmittel. 24 a 10 A - Vi Satz ca. 8.5 Kilo. 

Eis TUEOTEST Neu 



135 (. 3 Cicero. 16 a 8 A ^ Vi Satz ca. 8.8 Kilo. 



Max PETEESBUEG Karl 



1355. 3< s Cicero. 14 a 6 A = U Satz ca. 9.5 Kilo. 



Wien 2 BEBim 4 Paris 








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— fi — H-j-T-n-- r^^!-; T" M I 




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•nrrmm'-TTTimr ' ' i i ,ifl i . n ii i i inniiB Bi ni iiiii iiin i mim iCT HUUiMHMiHUW i lnnmi i 




Rokokoeinfaseiing von Wilhelm Woellmers Schrift giesserei, Berlin. 



I 



301 



Satz und Druck etc. — Bezugsquellen. — Zeitschriften und Bücherscliau. — Mannigfaltiges. 



H02 



für Karten und Briefbogen, einige Zeichnungen für Um- 
schläge, Festprogramme und Geschäfts- oder Mitglieds- 
karten und schliesslich 4 Servietten- Vignetten. Auch unter 
diesen Vignetten befinden sich viele, welche in Entwurf 
und Zeichnung sehr wohl gelungen sind, aber auch solche, 
von denen man nicht recht weiss, was der Buchdrucker 
damit anfangen soll. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

;en Hauptschmuck unserer Beilage Cc, einem Diplomy 
bildet die Viktoria- Einfassung der Firma A. Numrich 
d- Ko. Diese Arbeit liefert den Beweis, dass die genannte 
Einfassung auch für Arbeiten grösseren Formats recht 
wohl verwendet werden kann. Auch die verwendeten 
Spitzen und Linien wurden uns von der angeführten 
Firma überlassen, während die verwendeten grossen aus- 
gerundeten Ecken von Schelter dt Giesecke geliefert wurden. 
Die Schriften entstammen den Schriftgiessereien Brendler 
rf* Marklowsky und Gronau, Der Chamoiston wurde gemischt 
aus Umbraun, Gelb und Weiss, der blaugrüne Ton aus 
Viridingrün, Miloriblau und Weiss. 

Auf Blatt X. das wir der Güte der Piererschen Hof- 
buchdnickerei in Altenburg verdanken, bringen wir eine 
Anzahl Kopfleisten, ScMussverzierungen und verzierte Initialen, 
welche fast ausschliesslich aus Material von Scfielter ((- 
Giesedce gebildet wurden und welche sowohl dem Kom- 
positionstalent des Setzers, als auch der vielseitigen Verwend- 
barkeit des betreffenden Materials das beste Zeugnis geben. 

Auf Blatt Ee bringen wir ein Zirkular in einer Aus- 
stattung, wie sie hin und wieder von Kunden, die etwas 
von dem Alltäglichen Abweichendes wünschen, wolil 
verlangt wird. Dasselbe wurde einem der Hoffmann sehen 
Buchdruckerei in Stuttgart entstammenden Original, unter 
Benutzung der neuesten Materialien nachgebildet. Es ist 
dies eine der vorzüglichen Arbeiten des talentvollen 
Accidenzsetzers Herrn Kirchhof. Über das verwendete, ver- 
schiedenen Giessereien entstammende Material, gibt das 
nachstehende Bezugsquellenverzeichnis Auskunft. Gemischt 
wurde der grünliche Ton aus Viridingrün, Miloriblau und 
Weiss; "die übrigen Farben sind auf dieser Beilage an- 
gegeben. 

Blatt V bringt ein Konzertprogramm, das zugleich als 
Einladungszirkular gelten soll. Die Ausstattung, so einfach 
sie ist, ist doch eine von der gewöhnlichen Form abweichende 
und wird gewiss oft für derartige Arbeiten als Muster 
dienen können. Die verwendete Vignette wurde uns von 
Paul Leutemann geliefert; bezüglich des übrigen Materials 
verweisen wir auf das nachfolgende Verzeichnis. 

Bezüglich des Blattes Kk verweisen wir auf den 
Artikel »Neues Druckverfahren für Illustrationen^ im 7. Heft, 
Wir sind den Herren Fischer & Wittig sehr dankbar, uns 
diese schöne Beilage überlassen zu haben. Für unsere 
Leser ist sie der beste Beweis für die Vortrefflichkeit der 
neuen Druckmethode genannter Firma. 

Bezüglich der diesem Hefte beiliegenden Probetafcl aus 
Bings JapaniscJien Formenschatz (Verlag von E. A. See- 
mann in Leipzig), welche auch in ihrer technischen Aus- 
führung für manchen unserer Leser interessant sein wird, 
verweisen wir auf das unter »Japanischer Formenschatz« 
über das betreffende Werk Gesagte. 



Bezugsquellen 

der angewendeten Schriften, Einfassungen etc. 

Blatt Cc. Einfassung und Linienmatcrial von Numrich 
& Ko., Innere Ecken und Schlussstück von Schelter & Giesecke, 
Max ScJieibe von Brendler & Marklowsky, die übrigen 
Zeilen von Gronau. 

Blatt X. Satz und Druck der Piererschen Hofbuch- 
druckerei in Altenburg. 

Blatt Ee. BeiTieneinfassung von Woellmer, Ornamente 
von Berger und Ludwig & Mayer, Einfassung zur Leiste, 
sowie Eckstück von Bauer & Ko., Ecken von FHnsch, ScJirift 
von Genzsch & Heyse, : :: ; von Gebr. Brandt, das übrige 
Linienmaterial von Zierow & Meusch. 

Blatt V. Spitze und Einfassung von Gronau, 
]|g ajtn mmmm vou Thcinhardt , )^^ von Weisert, es® von 
Schelter & Giesecke, Konzert-Abend und Zeilcnfüllstücke 
von Ludwig & Mayer, Segelklub Windsbraut von der 
Rohmschen Giesserei, 21. März etc, von Genzsch & Heyse, 
Nach dem Konzert Ball und beelirt sich etc. von Benj. Krebs 
Nachf., Programm von Roos & Junge, Marine-Marsch con 
Franz etc. von Brendler & Marklowsky, Eckvignette von Paul 
Leutemann in Leipzig. 

Blatt Kk. Druck nach dem neuen Illustrations- 
verfahren von Fischer & Wittig in Leipzig. 



Zeitschriften und Büeherschau. 

— Zur 10()j ährigen Jubelfeier der akademischen 
Antrittsrede Schillers in Jena bringt das 22. Heft des 
Universum einen hübsch illustrierten Artikel von Ed. Grosse. 
Neben den Fortsetzungen der beiden grösseren Romane 
»Das Paradies des Teufels« und »Schwarzes Blut« beginnt 
in demselben Heft »Porte bonheur«, eine reizende Novelette 
von der Gräfin Ballestrem. Die soziale Erzählung »Jakob 
der Reformer« findet einen befriedigenden Abschluss. 
Ausser mehreren kleinen Artikeln und Notizen enthält das 
Heft noch einen sorgfältig ausgewählten Bilderschmuck. 



Mannigfaltiges. 



— Jubiläen. SOOjähriges: Am 2i. Juni beging die 
Dietzsche Hofbucfidruckerei in Koburg die Feier ihres 
BOOjährigen Bestehens. Aus Anlass dieses Jubiläums wurde 
der jetzige Inhaber der Firma, Herr Gustav Besser zum 
Hofbuchdrucker ernannt, ebenso erhielten die beiden ältesten 
Mitarbeiter Herr Korrektor Fissmann für seine 52jährige 
Thätigkeit in der Dietzschen Hofbuchdruckerei die goldene 
Verdienstmedaille, sowie Herr Schriftsetzer Motschmann 
für seine ;i8jä}irige Wirksamkeit die silberne Verdienst- 
medaille. Von Seiten der Firma wurde zur bleibenden 
Erinnerung an diesen Festtag ein Gedenkblatt hergestellt, 
welches wohl auch in Bezug auf seine typographische 
Ausführung einer Erwähnung verdient. — 'ii\jahriges: Am 
4. Juni das im Verlag der A. v. Hagetischen Hofbuch- 
druckerei (Webn' rf' Kölblin) in Baden-Baden erscheinende 
Badeblatt. — üOjäfiriges: Am 21. Juni der Geschäftsführer 
der A. Wailandtschen Buchdruckerei in AschalTenburir, 
Herr Gustav Meffeit. — Am 2^^. Juni der Setzer C, F. Nann 



303 



Mannigfaltiges. 



304 



in Hamburg. — Am 14. Juli der Faktor der Hoferschen 
Buchdruckerei in Saarbrücken, Herr Fritz Bruch daselbst. 
— 25dährige8: Am 1. Juli die Schriftgiesserei C F, Bühl, 
(früher Rühl & Koch) in Leipdg-Beudnitz. 

— Geschäftliches: In die Firma F. A, Brockhaus in 
Leipzig ist am 1. Juli Herr Budolf Heinrich BrocJchaus jun. 
als Teilhaber eingetreten. — Die Farbenfabrik von Ka^t 
ti' Ehifiger ist durch Kauf au die Herren G. Siegle d Ko. 
in Stuttgart unter der bisherigen Firma übergegangen. 
Das Kontor der Firma wurde von Feuerbach nach Stutt- 
gart verlegt. 

— Auszeichnungen: Der Firma Berger dt Wirth, Leipzig, 
wurde auf der Internationalen Ausstellung zu Melbourne 
ein erster Preis zuerkannt. 

— Von der bekannten Farbenfabrik Beit <& Fhilippi 
in Hamburg- Stassfurt ging uns eine Beilage, bedruckt mit 
ihrer neuesten Spezialität, Hamburger Bot benannt, zu. 
Nach der beiliegenden Probe zu urteilen, dürfte dass 
Hamburger Rot allen Ansprüchen genügen; es empfiehlt 
sich durch lebhaftes Feuer, ist lichtecht, völlig lackier- 
fähig, arbeitet vorzüglich in der Maschine im Buchdruck 
sowol als im Steindruck und zeichnet sich durch grosse 
Deckkraft aus. Da die Farbe ausserdem dreimal leichter als 
Zinnober, ca. viermal leichter als Mennige, dabei auch 
entsprechend ergiebiger ist, so ist der Preis der Farbe von 
M. 6. — pr. Kilo ein ungewöhnlich massiger zu nennen. 

— Am 24;. Juni fand gelegentlich des Johannisfestes 
der Gehilfen des Kreises Südwest zu Karlsruhe eine Fach- 
ausstellung im Zeichensaale der Karlsruher Gewerbeschule 
statt, auf welcher auch alle unser Fach berührenden Neben- 
branchen, wie Schriftgiessereien, Farbenfabriken etc. sehr 
zahlreich vertreten waren. Die Ausstellung erfreute sich 
seitens des Publikums eines regen Zuspruches und lieferte 
den Beweis, dass alle Mitwirkenden ihr Möglichstes zum 
Gelingen dieses Werkes gethan. 

— t Anerkennung deutscher Kmist in England. Über eine 
im Januar vom litterarischen Institut in Edinburgh veran- 
staltete Ausstellung von Buchdruckarbeiten enthält das 
Februarheft der >Printing Times« ein Referat, in welchem 
einige Wiener Druckfirmen die ihnen gebührende Würdigung 
finden. In dieser Ausstellung waren ausser dem britischen 
Reiche die Muster der besten Drucker Chinas, Japans, 
Ceylons, Amerikas und ganz besonders der europäischen 
Kontinentalstaaten zu finden. In der ganzen Sammlung 
waren nur zwei Sachen, ein Porträt von König Friedrich 
und das Frankfurter Gutenbergsmonument aufgenommen, 
welche nicht dem Buchdruck angehörten. Die höchste Auf- 
merksamkeit erregten, dem angegebenen Referat zufolge, 
die Chromo-Holzschnittdrucke von Heinrich Knöfler und 
dessen Söhnen in Wien. Es waren Meisterwerke der Kunst 
sowohl in Bezug auf Farbenreichtum wie auch Zartheit 
der Behandlung. Knöfler war als Künstler wie als Buch- 
drucker Enthusiast Er schnitt die aus seinen Händen 
hervorgegangenen Zeichnungen meist selbst, bereitete seine 
eigenen Farben, überwachte jede Einzelheit des Druckes 
und schloss jeden mangelhaften aus. Der hohe Wert dieser 
farbigen Holzschnitte besteht in den klaren und scharfen 
Konturen und der bewunderungswerten Manier, in welcher 
die Details ausgeführt sind. Der Meister schuf sonst 
ausschliesslich Gegenstände katholisch-kirchlicher Tendenz. 
Eines der hervorragendsten war eine Madonna, für die 
Kaiserin von Oestreich als Original gezeichnet und gedruckt. 
Nur wenige Exemplare sind davon abgezogen worden; die 
Platte wurde alsdann vernichtet. Es ist jetzt unmög4ich, 



ein Exemplar davon zu erhalten. Die Knöfiers fahren fort, 
das Geschäft ihres Vaters auf seiner Höhe zu erhalten. 
Besonders zeichnet sich der ältere darin aus. Er hat einen 
freieren Stil angenommen, der besonders in der neben der 
Madonna ausgestellten »Heiligen Familie c hervortrat Von 
Ludwig Lott war eine Serie von chromo-xylographischen 
Reproduktionen von Miniaturen aus dem 16. Jahrhundert 
(im Besitz der kaiserlichen Bibliothek in Wien) ausgestellt 
und zugleich als Kontrast eine Winterlandschaft, die man 
beim ersten Anblick für eine Aquarellmalerei halten könnte. 
Das Herstellungsverfahren ist amerikanischen Ursprungs. 
Der Gegenstand wird auf eine gewöhnliche Metallplatte 
photographiert und chemisch geätzt Für jede Form wird 
eine besondere Platte gemacht. — Von Fasoltypie oder 
Stigmatypie, sowie von Messinglinienarbeiten waren verschie- 
dene Proben zu sehen. Einer der grössten Drucke war 
ein Porträt des Kaisers Joseph I., das als eine der schönsten 
von Deutschen erzeugten Xylographien beurteilt wurde. 
Das Bild ist ein Werk der kaiserlichen Staatsdruckerei 
in Wien, an welchem der Künstler fast ein ganzes Jahr 
gearbeitet hatte. Eine andere nicht minder hochwertige 
xylographische Kunstleistung, ein lebensgrosses Porträt 
Washingtons war von Amerika eingegangen. Die englischen 
Ausstellungsgegenstände waren sehr verschiedener Art Viele 
Buchdrucker hatten den MissgrifT begangen, ihre Arbeiten 
sehr mit Ornamenten zu überladen. Ein grosser Teil der 
kommerziellen Accidenzien, Geschäftskarten und dergl. in 
Farben und Gold waren zweifelsohne ausgezeichnet; es 
war die Auslese des ganzen Landes. In Schottland hatten 
sich die renommierten Edinburgh er Firmen an der Ausstellung 
beteiligt. 

— t Eidographie. Der »British and Colonial Printer« 
gibt Notiz über eine von einem Mr. Henry Hau in London 
gemachte höchst wunderbare Erfindung einer ganz neuen 
Druckmethode, die den Zweck hat, schon gedruckt Vor- 
handenes ohne Anwendung von Letternsatz, Stereotypie, 
Elektrotypie , Photographie, Lithographie oder sonstige 
Druckverfahren weiter zu vervielfältigen. Der Erfinder 
soll ein erfahrener Drucker sein, der in seiner Heimat, 
Amerika und Deutschland eingehende Studien in der Kunst 
gemacht hat. Der aus dem Griechischen zusammengesetzte 
Name Eidographie bedeutet ungefähr so viel als von 
Geschriebenen oder Gedruckten wieder zu drucken. Die 
Anwendung der Eidographie beschränkt sich 1) auf den 
Wiederabdruck alter, wertvoller Bücher oder einzelner 
fehlender Blätter in solchen, wo dann das fehlende Blatt 
aus einem vollständigen Exemplare entlehnt wird; 2) auf 
den im veränderten Abdruck neuer Auflagen oder 
defekter Bände oder Bogen, wodurch das Stereotypieren, 
Elektrotypieren oder der Neusatz erspart wird. Ein 
Exemplar oder ein Bogen der ursprünglichen Auflage 
genügt, um es wieder nach Tausenden zu vervielfältigen; 
und 3) auf den Wiederabdruck von Karten, Plänen, Kupfer- 
stichen und Lithographien, neueren oder ältesten Datums, 
ohne dass es eines Wiederstechens oder Wiederzeichnens 
bedarf. Es lässt sich hieraus wohl abnehmen, welchen 
Wert diese Erfindung für Antiquare, Bücherliebhaber und 
Verleger hat. Sie ist nicht patentiert und soll auch nicht 
patentiert, sondern als Geheimnis behandelt werden, weil 
es, wie der Erfinder versichert, äusserst schwierig ist 
chemische Kombinationen (das Verfahren beruht nämlich 
auf chemisch-mechanischer Basis) hinreichend gegen un- 
befugte Nachahmung zu schützen. Nur so viel mag hier 
noch bemerkt werden, dass es mit dem bekannten 



805 



Mannigfaltiges. 



306 



anastatischen Druck nichts gemein hat. Der Redakteur 
des obengenannten Journals stattete Mr. Hall einen Besuch 
ab, um nähere Einzelheiten über die verschiedenen 
Manipulationen zu erfahren. Von diesen erhielt er aber 
nur allgemeine Andeutungen und in seiner Offizin gedruckte 
Bücher zur Ansicht vorgelegt, welche den Beweis lieferten, 
dass er in seinem Prospekt nicht zu viel gesagt. Unter 
diesen befand sich unter andern ein 600 Seiten starkes 
Werk über Rechtswissenschaft in Gross Oktav, das auf 
den ersten Blick aussah, als wäre es gewöhnlicher Typen- 
druck; ferner ein längst vergriffenes orientalisches Werk. 
Dies hätte wegen den darin vorkommenden verschiedenen 
orientalischen Schriften nur in drei Londoner Druckereien 
nachgedruckt werden können, aber mit welchen Kosten. 
Auf dem Wege der Eidographie wurde es in einigen Tagen 
hergestellt. Dann kam ein dreibändiges Werk an die Reihe. 
Dasselbe war auf Subskription herausgegeben worden. 
Wie dies bei derartigen Unternehmungen häufig der Fall, 
war der erste Band vollständig verkauft, der zweite zu 
zwei Drittel und der dritte zu einem Drittel. Um das 
Ganze wieder zu komplettieren und verkäuflich zu machen, 
Hess der Verleger den ersten Band zu zwei und den 
zweiten Band zu einem Drittel von der Firma der Eido- 
graphie Reproduction Publishing Company nachdrucken. 
Das Einzige, worüber Mr. Hall sich noch ausliess, war, 
dass das Verfahren, wie oben bemerkt, ein chemisch- 
mechanisches sei und der Überdruck auf eine Zinkplatte 
ohne Mitwirkung der Photographie direkt vom Original 
genommen würde, da das letztere in keiner Weise von 
seiner Farbe verlöre oder sonst wie beschädigt und dass 
bei seltenen Werken volle Garantie für die gute Erhaltung 
gegeben würde, ferner dass die Aufträge in unglaublich kurzer 
Zeit ausgeführt werden können. Als Beispiel führte er 
ein 800 Seiten starkes Buch an, dass bei einer KXX) Auf- 
lage in Zeit von vier Tagen fertig gestellt worden sei, 
dass, je älter der Druck sei, die Farbe um so weniger 
Schwierigkeiten mache, dagegen frischer Druck zu dem 
gewisse Arten von Farbe verwendet worden, bisweilen 
Umständlichkeiten verursachten; dass die Druckkosten 
durch Wegfall von Neusatz, Stereotypie, Korrekturen und 
mancher anderer Nebenumstände sich wesentlich reduzierten. 
So vorteilhaft die neue Kunst auch für die Benutzer sein 
mag, so wird sie, vorausgesetzt, dass sie sich in der Weise 
bewährt, wie sie geschildert wird, von den Buchdruckern 
mit um so scheeleren Augen angesehen werden. 

— t Wohl nur Wenige werden wissen, was die 
Herstellung einer einzigen Nummer eines der grossartigen 
amerikanischen Magazines oder Monatszeitschriften, die 
vor allen andern dort, wo die englische Sprache dominiert, 
die weiteste Verbreitung gefunden haben, kostet. Die 
Illustrationen für das >Century« und »Harpers Magazine« 
kommen jeden Monat im Durchschnitt auf 2000 M. zu stehen. 
Dieser Posten ist jedoch im Abnehmen begriffen, seit die 
Einführung der neueren Graviermethoden den Holzschnitt 
zu verdrängen anfängt. Bei »Scribners Magazine« werden 
jedoch grosse Summen auf die Pflege des Kunstholzschnittes 
verwendet, indem dieses jüngere Unternehmen mit den 
beiden älteren rivalisieren will, koste es was es wolle. 
Die Ausgaben für die Illustrationen der letzten Weihnachts- 
nummer des Harpers und des Scribners Magazine werden 
nach einer genauen Schätzung für jedes auf 35000 M. 
angegeben. Jedes derselben enthält ungefähr 70 Bilder 
und für jedes werden durchschnittlich 100 M. bezahlt. 
Bei einigen der halbseitigen Illustrationen, welche von 



manchen Lesern nur oberflächlich betraclitet werden, steigt 
der Preis auf 8(M)— 1000 M. Diese Preise werden erst 
verständlich, wenn man hört, dass einige der berühmtem 
Künstler 400—600 M. für eine von ihnen gelieferte 
Zeichnung erhalten. Vor zehn Jahren war der höchste 
Preis für eine voUseitige Zeichnung 200 M. Die Ausgaben 
für den textlichen Inhalt stehen in nicht minder grossartigen 
Verhältnissen. Ein grosser Teil der Erzählungen und 
kunstkritischen Artikel wird auf Bestellung geschrieben 
und wird das Honorar für eine Druckseite mit 100 M. 
bereclmet. In hohem Rufe stehende Schriftsteller verlangen 
sogar bis zu 400 M. Die für den litterarischen Teil dieser 
Magazines ausgeworfene Summe ist jeden Monat zu 
32000—40(100 M. anzunehmen, ein Posten, der den an 
100000 Exemplaren gemachten Gewinn im Voraus in An- 
spruch nimmt. (Superior Printer.) 



Briefkasten. 

Herrn G. F. G., N. Die gesandte Arbeit verdient unseren vollen 
Beifall. — Herrn Fr. Z., Maschinenmeister, B. Für den von Ihnen ein- 
gesandten Garantieschein haben wir Lob zu erteilen, die Farbenwahl 
und der Druck ist gut ausgefallen , ebenso der Satz , nur mUsste zwischen 
der oberen Zeile und der Einfassung etwas mehr freier Raum sein. 
— Herrn H. H., D. Aus den uns gesandten Arbeiten ist zu erkennen, 
dass Ihr jetziges Personal sehr wohl im Accidenzsatz , wie im Druck 
bewandert ist, wir sehen den uns zugesagten weiteren Arbeiten mit 
Vergnügen entgegen. — Herrn B. & V., H. Das uns zugegangene 
Gesch&ftszirkular ist sehr gut ausgeführt — Herrn F. £., Fl. i. V., 
Ihrem Wunsche werden wir in nächster Zeit nachkommen. — Herren 
F. ft B., Z. Die uns gesandte Kollektion Blankovordrucke, sowie die 
Adresskarten sind wieder so geschmackvoll und mit einer solchen 
Genauigkeit ausgeführt, dass wir Ihnen unsern vollen Beifall zollen 
müssen. — Johannisfestdrucksachen gingen ein von den 
Druckereien Doering und A. H. Diliinger, Karlsruhe, Hesse A Co. , Magde- 
burg, Dr. M. Huttier, München (in der bekannten Münchner Ausstattung); 
sie verdienen sämtlich unsere Anerkennung. 



Inhalt des 8/9. Heftes. 

Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. — Japanischer Formenschatz. 
— Die Laufbahn eines tüchtigen Mannes. — Die Stuttgarter Graphische 
Ausstellung. — Schriftprobenschau. — Satz und Druck unserer Probe- 
blätter. ~ Bezugsquellen. — Zeitschriften und Bücherschau. — Mannig- 
faltiges. — Annoncen. — Aeeidenzmnster Im Text; 5 Briefköpfe, 1 Quer- 
oktay-Titel, 1 Einladungskarte, 1 Tanzordnung. — Bellasen: 1 Blatt 
Diplom. — 1 Blatt Kopfleisten etc. — 1 Blatt Zirkular. — 1 Blatt Pro- 
gramm. — 1 Blatt Illustration von Fischer A Wittig. — 1 Blatt Probe- 
tafel aus »Japanischer Formenschatz«. — 1 Blatt Farbe nbei läge von 
Beit & Philippi. 

Das Heft enthält im Ganzen 7 Beilagen. Für das Beiliegen der 
fremden Beilagen kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl niclit 
garantiert werden. 

Bezugsbedingungen für das Archiv. 

Brschelnen : In 12 Monatsh eften, (Heft 8 und 9 stete als Doppelheft) Jedesmal in 
der ernten Monatswoche. H^ Für komi>letie LieferunK, insbesondere voll- 
st&ndlKe Bellagenf kann nur den vor Erscheinen des 2. Heftes ganzjährig Abon- 
alerentU?!! garantiert wenlen. 

Besogsquelle : Jede Buchhandlung ; auch direkt vom Verleger unter Kivuzband. 

Preis : M. 12, -, unter Kreuzband direkt M. 13,50 nach ausserdeataohen Ländern 
M. 14,40. Nach kuuipletteni Erscheinen PtcI.m (iru Band M. 15, - exkl. Porto. 

Annoncen: Fnis pro Peützeile 25, zweisp. 50, drelsp. 76 Pf. Bei häufiger 
Wiederholung Rabatt. KostenanKchläRe sofort. Beträc<> vor Abdruck zu 
zahlen, andernfalls 25 Pf. Extrasebühr. AIh Belegr ' dienen Ausschnitte. 
Belesrheft« , wenn verlangt, kosten je nach Auxittattung M. 1,50 -2,50 

Beilagen : Quartblatt M. 20, umfunKroichercJe nacti Gewicht M. 25 etc. Aufl. 1650, 

Novitäten in Originalguss finde» Anwendung im Text und auf den Musterblftttem 
ohne Berechnung, doch wird bedungen, dann dieselben als Entschädigung 
für die durch die Auftiuhme erwachsenden Mflhen und Kosten EiKentum des 
Verlegers bleiben. Giessereien, welche dies nicht wünschen, wollen sich 
besonders mit uns vereinbaren. 

Kllsohees von verwendeten Original<Platten gel>en wir ab, liefern auchifckrbeu, 
Bronsen, Papiere etc., wie wir solche benutzten; von allen Diplomen haben 
wir Blankovordrucke am Lager. 

BchrUfcen, Einfassungen etc. aller Giessereien liefern wir zu Originalpreiseu. 

Textschrift von BenJ. Krebs Xachf., Frankftirt a. M. Initialen von Otto 
Weiscrt, Stuttgart. Überschriften von Emil Berger, Leipzig. Unterrubriken von 
Rons d: Junge, Offenbach a. M. Perl Antiqua und halbfette Aldinc Kursiv von 
J.G. Schelter * Glcsecke, I^ipzig. Gednickt mit Farbe vonFi-ey & Senlng, Lolpzig 
auf einer Schnellpresse von Klein, Forst &. Bohn Naebf., Johannlsberg a. Rh. 

18 



■^m Jinnoncen. ^- 



Sähe von BoclidmokBreibesitieni 

finden zu Neujahr 1890 in einer Leip- 
ziger Familie gute Pension. Prima 
Referenzen stehen zu Diensten. Nähere 
Auskunft erteilt G. Valz, Leipzig, 
Branstrasse 8. 



Für Ende September wird ein 

Maschinenmeister, 

der eine Augsburger Doppelmaschiiie 
nebst Falzappurat leiten kann, tüclitig 
im Werk und Accidenzdruck ist, gesucht. 
OfTerten nebst Gehaltsan Sprüchen unter 
J. G. 6403 an Rndolf Mosse, Berlin 
S. W. 



Als 

FaJstor 

wird ein tüchtiger Accidenzsetzer, der 
im Zeitungswesen vollständig bewandert 
ist, für eine Buchdruckerei (Uesamt- 
personal 30) mit täglich erscheinender 
Zeitung für Mitte September gesucht, 
Offerten nebst Gehaltsan Sprüchen unter 
J. G. 6403 an Rndnlf Mosae, Berlin 
S. W. 



Für Besitzer einer grösseren 
Bnddrackerei selir Torteilhafb! 

Ein belletristisches Verlagsgeschäfl. 
welches in den letzten 5 Jahren eine 
Bar-Einnahme von über V/t Million 
Mark erzielte, soll mit Hunderttausend 
Mark Bar- Anzahlung sofort rerknnft 
werden. Der Verlag ist nicht an den 
Ort gebunden. Für Besitzer einer 
grösseren Buchdruckerei dürfte derselbe 
in der That sehr vorteilhaft sein. Nur 
Selbstreilektanten erhalten Bescheid und 
wollen sich wenden an Haasenstein & 
Vogler Ä-G. Berlin H. W. unter 
A. B, ('.. No. Hunderttausend. 



I'l BbcIi- d, Steindmckfarben !l 



Am 25. Juli Abends 5 Uhr entschlief im 
63. Lebensjahre 

Herr Bernliard Rudolph Giesecke 

Milinhaber der Firma J, G. Scheiter & 0ieseoke. 

Unerwartet und schnell wurde derselbe uns und 
seiner Thätigkeit entrissen. 

Leipzigs, im JuU 1889. 

J. G. Schelter & Giesecke. 






Bli Mmli|llilii-Fitrlk »i 

Gebr. Brandt in |]uei]linbur|! 

empBcblt slt SjiMlkllul 
f«s>lDgIlaioa 1d allen MDItrm, neu 
iiieist<itti(u>uii|Teii in Huilnx, neu 
ahluiilinien In Meulog stc. «tc. nnl> 
iunntifl fÜT beEtei UbIbII lowJe g< 



"*■■ ■ST' ir'tr'T""»" ■*"■*" "V' 



SfohlfFöschchen 

lit oder olinc l.ippe offeriert 
All^xan(lc^ Waldow, Leipzi;;. 



in Berlin &W., Lindenstr. 69 

Ln-gefi^frfefej 

w t q-nfe/n, tntliqt,n iMib »t*m«M*n 



Cliiatiihiiiiic 



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IVer neue Werk- oder Zeüungs-Schriflen 

anschaffen wiU, versäume nickt, sickfrancs 

Proben der 



='itiMiw^ 



Benjamin Krebs Nachfolger 

in Frankfurt a. Rf. 

kommen zu lassen. 




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^ C. Rüger, Leipzig 

Messinglinienfabrik mit Dampfbetrieb 

..>■:=§.. BnchdradnleDsiUen ••©=:-'■■ 

Fachtisehlerei. ..-sNä/S^xS'aK. Gravieranstalt. 
Goldene Medaille Brüssel 1888. 



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fTr\LZ-CCHNIT'T'T7 
l~l V»'iiiir«ti>^lH(ifHillliil 1 r^, 

X J.AI«a>d.rW.ld<>w.l..lp>lK.J.^ 



Hessinglinien-Fabit 

und meine 

mechanische Werkstatt 
für 

Biekdraskinl-ntuilias. 

BtrllD, SVt., Bella-Allisnce-Str SS. 

Hermann Berthold. 




Btrltn SW., 

ftrulalrmtroStrafir 66, Cdit tirr t\nümaSna\\t. 

„.?,£?,. Bdirtftoitritrfi "Ä"" 

BrtiT > ArniTrhriFtpii. '^attc iinll RrhrnMifiriflPii 



X t *>-■*■-*-*--*->■***-*•--*-■»-** ■» -*■ -^ -*-^ * * ^r» t>.7t: *:»>.* 



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Beste konzentrierte Seifenlauge r 

-♦ in einzelnen Dosen und in Kisten zu 10 Dosen verkauft R 




JKHNHHBNHXI 



(^afitibürftra 

lirfrrt biltigft 

fllri'anilrr <!fi9l&aiD, XripMC- 



5ur ^erpElIung eltg. Piiilinn«, 
ertfiih • Safrln, <Srltstn|jrit9' 
««htiJpte, SbrtlTm rir. nttpfieljH 

ilÄnfen-iurbrufe 

in oerrdiitlitnEU rorntuten unÖ 
auf nerft^iEÖBnEu papieren 

^ttumkx #at6on), A^PM- 



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Redigiert niiil herausgegeben von Ales.iiider Waldow in Leipzig. — Druck und Verlag von Alexander Waldow in Leipzig. 



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K'O N ZE R T" ,^B E N p 

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Nach dem Konzert Ball. = ?■ 



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UND VERWANDTE GESCHÄFTSZWEIGE. ^,^ 




HERAUSGEGEBEN VON 



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26. Band. 



-^^ 1889. ^- 



Heft 10. 



Der Buntdruck auf Buehdruekpressen 






9 
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von 




Alexander Waldow. 

(Fortsetzung.) 

9. Von den Farbenplatien. 

in neuerer Zeit ist auch der Farbendruck 
von Holzschnittplatten, gravierten oder 
geätzten Metallplatten sehr in Aufnahme 
gekommen und die Buchdruckpresse hat es auf 
diesem Felde zu ganz vorzüglichen Leistungen 
gebracht. 

Man kann bei 
dieser Art von Far- 
bendruck zwei Ma- 
nieren erkennen, eine 
einfachere und eine 
kompliziertere : 

Bei der einfache- 
ren Art befinden sich 
sämtliche Schattie- 
rungen in der soge- 
nannten Konturen- 
platte und die Farben 
werden nur in Form 
glatter Töne zuerst, 
dann die Konturen- 
platte darüber ge- 
druckt. Viele Drucker 

ziehen vor, die Sache umgekehrt zu machen, um die 
Härten der Konturenplatte etwas zu mildern. Gewöhn- 
lich wird diese Platte auch nicht mit hart erscheinen- 
dem Schwär jsf, sondern mit Braun oder sonstigen 
geeigneten Farben (Blauschwarz, Violettschwarz etc.) 
über- oder untergedruckt. 

Die kompliziertere Art besteht darin, dass die 
Schattierungen zumeist nicht durch die Linien oder 





aß^trftoto & #ei<5i5Ur. 







Ornamente und Schreibschrift von J. G. Schelter & Giesecke, Initial von Otto 
Weisert, Gotisch von W^ilholm Woellmers Schriftgiesserei. 



Kreuzlagen des Konturenstockes, sondern durch 
Farbenplatten gebildet werden, wie dies in der Litho- 
graphie geschieht. Glatte Töne und Punkte kommen 
in diesem Fall zumeist, oft aber gleichfalls gerade 
Linien und Kreuzlagen zur Anwendung. Gewöhnlich 
sind dieselben, insbesondere die lichteren Partien, 
gleich in die glatte Platte eingeschnitten oder ein- 
geätzt. Es ist erklärlich, dass diese voUkommneren 
Drucke auch eine grössere Anzahl Platten erfordern, 
ja dass von manchen Farben zwei Nuancen, eine 
Uchtere und eine dunklere benutzt, also über- 
haupt eine schattierende Platte vorhanden sein muss. 
In allen diesen Fällen muss, wenn es sich um 

eine bildliche Dar- 
stellung handelt, zu- 
erst ein Entwurf, in 
Farben auf Papier 
gemacht, vorhanden 
sein, aus welchem 
das Kolorit zu er- 
sehen ist. Die Kon- 
turen des Bildes wer- 
den hierauf in der 
gewöhnlichen Paus- 
manier oder mittelst 
der Photographie 
auf Holz übertragen, 
das Bild vom Zeich- 
ner entsprechend er- 
gänzt , event. auch 
mit den Schattierungen versehen und in Holz ge- 
schnitten. Bei einfacheren Arbeiten wird man , w^ie 
erwähnt, die Schattierungen stets schon in der Kon- 
turenplatte anbringen und diese, wie gleichfalls 
erwähnt wurde, event. jsuerst in einer weniger domi- 
nierenden Farbe, z. B. Braun Vordrucken, sich da- 
durch zugleich den besten Anhalt für das Einpassen 
der übrigen Farben schaffend. 

19 





^ yrSf/eft, 



f/ffi /<SS9. 



319 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



320 



Druckt man den sogenannten Konturenstock 
euletd^ so muss man sich zum Einpassen der übrigen 
Farben trotzdem eine grössere Anzahl Probedrucke 
von demselben vorher machen. Dieses letztere Ver- 
fahren ist auch erforderUch, wenn die Konturen- 
platte Schattierungen nicht enthält und wenn sie 
überhaupt nicht zur Verwendung kommt, also nur 
dazu dient, den Schnitt genau passender Platten und 
deren späteres exaktes Einpassen zu ermöglichen. 

Die Konturenplatte wird vom Holzschneider in 
entsprechender Weise geschnitten, dann vom Drucker 
zum exakten Überdruck für den Schnitt der Farben- 
platten in die Presse genommen, zugerichtet und auf 
glattem, ungefeuchteten Papier so oft abgezogen, wie 
Platten erforderlich sind. Um gleich den richtigen 
Stand der Zeichnung auf allen Platten zu erzielen, 
müssen die Abdrücke genau in entsprechender Grösse 
der, in Länge und Breite etc. gleichmässigen Holz- 
platten gemacht, also auch auf dem Deckel der Presse 



Vorsichtiges Nachreiben mittelst Falzbein und 
öfteres behutsames Abheben einer Ecke zum Zwecke 
der Kontrolle des Gelingens des Überdrucks ist zu 
empfehlen, wie man sich für kleinere Platten auch 
allein des Falzbeines mit grossem Vorteil bedienen 
kann. Grosse Platten lässt man am besten vorsichtig 
durch die Walzen einer Satiniermaschine oder einer 
Kupferdruckpresse oder aber unter dem Zilinder einer 
Schnellpresse durchlaufen , weil der Tiegeldruck für 
solche kaum genügende Kraft hergeben würde. 

Die so gewonnenen Umdrucke versieht der 
Zeichner mit den für jede Farbe bestimmten 
Schattierungen und werden dieselben dann vom 
Holzschneider ausgeführt. Waren alle Platten genau 
gleich in der Grösse und geschah das Überdrucken 
recht exakt im Winkel oder in Punkturen, so können 
sich beim Einpassen der Farben auch nur geringe 
und wie später angegeben, leicht zu berichtigende 
Differenzen bemerklich machen. 





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Paul (ßerljaröts 



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3ud?-, Kunft- unb not^nbrucferei 



oormals (Sebr. (Seiger. ,//% 



TT' ■i'';T;r"nr;r"^~ — p"!;' 



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Einfassung von Wilhelm Woellraers Schriftgiesserei. Schrift von Genzsch & Heyse. 




von zwei Seiten alle genau im Winkel angelegt 
werden. 

Diese in der Färbung kräftig gehaltenen Abzüge 
werden nun auf die betreffenden, vorher in gewöhn- 
hcher Weise mit in Gummiwasser aufgelöster Kreide 
oder Bleiweiss grundierten Holzplatten ebenfalls 
gleichmässig im Winkel aufgelegt, an den Rändern 
etwas mit Gummi oder Kleister befestigt, damit sie 
sich nicht verschieben können und nach erfolgtem 
Trocknen der Klebmasse dem kräftigen Druck der 
Presse ausgesetzt, zu welchem Zweck man am besten 
einen Filz auf den Abdruck legt, damit der letztere 
sich besser an den Stock anschmiegt und die Konturen 
besser überträgt. 

Man kann diese Arbeit noch sicherer so bewerk- 
stelligen, dass man allen Farbenplatten die genaue 
Grösse der Konturenplatte gibt, auch darauf sieht, dass 
alle Platten winkelrecht sind. Sind die Abzüge vom 
Konturenstock nun in Punkturen gemacht worden, 
so braucht man nur die Farbenstöcke an Stelle des 
Konturenstocks zu schliessen , die Überdrucke in die 
Punktur legen und so auf die Platte Umdrucken , es 
wird dann alles leichter passen. 



Sehr erleichtert wird das Einpassen aller Farben- 
platten, wenn mit der Konturenplatte an irgend einer 
freien Stelle oben und unten zwei Punkte, Linien oder 
Kreuze auf alle Farbenplatten mit übergedruckt 
wurden. So lange diese nicht genau aufeinander 
fallen, steht auch das Register noch nicht richtig und 
man muss dasselbe durch Einlegen in die Form ver- 
bessern. Ist der richtige Stand erlangt, so werden 
diese Merkzeichen weggestochen, sie können aber 
auch stehen bleiben , wenn sie an den äussern Rand 
des zu bedruckenden Papiers verlegt wurden und 
dort, gleich den Punkturlöchern, später vom Druck 
abgeschnitten werden. Druckt man auf der Hand- 
oder Tiegeldruckpresse, so kann man diese Merk- 
zeichen nach erfolgtem Regulieren der Platten einfach 
im Rähmchen überkleben, braucht sie also auf der 
Platte nicht wegzustechen. 

Die eben beschriebene Manipulation ist bei 
Farbenplatten aller Art und in allen Manieren zu 
empfehlen, wie es auch für den Druck späterer Auf- 
lagen geraten ist, an den Rand des Papiers eine 
kräftige Linie von jeder Farbe mitzudrucken, damit 
man für neue Auflagen gleich die richtige Nuance 



Der Buntdruck auf Buchdruckpres 



wiederfindet. Dies würde oft schwierig sein, denn 
durch das Übereinanderdrucken der Farben ist man 
in vielen Fällen kaum imstande, ohne langes Probieren 
die richtige Nuance wiederzufinden. Die Farbenproben 
sind natürlich so zu stellen, dass sie weggeschnitten 
werden können; nur bei einigen, für den Nachdruck 
aufzuhebenden Exemplaren tässt man sie stehen. 

In Zink geätzte Platten für typographischen 
Farbendruck werden entweder direkt auf die Zink- 
platte gezeichnet oder sie werden, nach erfolgter 
Ausführung auf einem lithographischen Stein, auf 
Zink umgedruckt und geätzt. 



Herstellung die Photographie, resp. die Autotypie und 
darnach erfolgende Ätzung herangezogen wurde. 
Die Autotypie mit ihren zarten punktierten Tönen ist 
unzweifelhaft die beste und auch am meisten benutzte 
Manier für diesen Zweck. 

Dass derartige Platten, seien sie nun in Holz 
geschnitten oder mittelst Ätzung hergestellt, mit bestem 
Verständnis bezüglich der Benutzung der Farben 
auszuführen sind, ist natürlich Bedingung. Ein er- 
fahrner Zeichner wird oft mit der Hälfte Platten einen 
grössern Effekt erzielen, wie ein andrer, dem die 
durch Überdruck von verschiedenen Farben und 



VifDette und Scbrilten von Wilhslm Gronaus Schriflgieuerei. 



Für die Herstellung solcher Platten kann die 
Feder, der Pinsel oder die Kreide in Anwendung 
kommen, während der Grabstichel und das Roulette 
nach Vollendung der Platte sehr oft ergänzend und 
verbessernd mitzuwirken haben. Die Zeichner solcher 
für Buchdruck bestimmten Platten haben wohl zu 
beachten, dass sich so feine Schattierungen wie für 
Steindruck nicht anbringen lassen. Insbesondere die 
lichtesten Kreidetöne, welche doch nur aus den feinsten 
Punkten bestehen, bieten bei der Hochätzung in Zink 
nicht genügenden Widerstand, werden deshalb leicht 
weggefressen oder, wenn sie auch stehen bleiben, so 
ermöglichen sie des seichten, weitläufigen, zarten 
Kornes w^en keinen reinen Druck. 

Die vollendetsten Farbendrucke werden gegen- 
wärtig ohne Zweifel mittelst Platten erzeugt, zu deren 



sonstige Mitte! erreichbaren Vorteile nicht genügend 
bekannt sind. 

Man hat neuerdings auch Farbenplatten aus 
mehrfach übereinander geklebtem Kartonpapier her- 
gestellt, insbesondere, wenn es sich um einfache 
Tonplatten handelte. Diese Art Platten ist in der 
That sehr verwendbar, denn man kann von Ihnen, 
wenn sie gut präpariert wurden, recht wohl eine 
Auflage von 2000 und mehr Abdrücken erzielen. 

Zur Herstellung dieser Platten benutzt man ein 
möglichst nicht, oder doch nur ein sehv ffut geklebtes 
mattes, glattes Naturkarton, das man in drei bis fünf 
Lagen auf eine exakte Holzplatte in annähernder 
Schritlhöhe aufzieht und unter starker Pressung in 
einer Hand-, Glatt- oder Kopierpresse trocknen lässt; 
zu empfehlen ist auch, eine Glaazpappe zu nehmen 
19* 



323 



Einiges aus der Praxis nnd für die Praxis. 



324 



< 



und auf diese nur eine Lage Karton zu ziehen. Auch 
gute feste Glanzpappe ohne Kartonaufzug kann häufig 
mit Vorteil benutzt werden. Ein vorzügliches Material 
für solche Platten ist auch das Celluloid, weil es sehr 
glatt und widerstandsfähig ist. 

Dass man ferner derartige Platten durch Ver- 
wendung von Chagrinleinwand , Leder und Papier 
herstellt, auch von geeigneten Stoffen etc. Platten 
abgiesst, dürfte unseren Lesern bekannt sein. 

Der einfachste Ausweg aber, sich passende 
gewöhnliche Tonplatten herzustellen, ist wohl der, 
dass man gleich glatte Bleistege, Einfassungen etc. 



Obschon ich glaube, dass nachstehende Zeilen 
bezüglich der von mir bisher beobachteten Arbeits- 
weise für viele Leser dieses Blattes nichts Neues 
enthalten dürften, ist dies gleichwohl keine Ursache 
für mich , von der Veröffentlichung des vorliegenden 
Artikels Abstand zu nehmen — aus Rücksicht auf 
einen gewissen, sicherlich grösseren Teil von Kollegen, 
der, wie ich als langjähriger Accidenzsetzer öfters 
wahrnehmen konnte, bei Anfertigung von Arbeiten 
einige Unsicherheit und Unbeholfenheit zeigt und 
doch dabei die Neigung flir besseres Schaffen zum 
unverhohlenen lebhaften Ausdruck bringt. Diesem 




Kollektion 

der 

K. 8. UBdesIotterie. 




Agentur 

der 

K. 8. AltenrcBtenbaBk 

zu Dresden. 



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(•Buch- und Kunst-Handlung ) 

C Grimmal8clie Sti-asw 12. ^ 
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Utensilien 
rar 

Kunst- und 
AquarellmalercL 




Einfassung von J. G. Scheiter & Giesecke. Schriften von diversen Giessereien. 






* 
* 




benutzt , Kartonpapier auf deren Oberfläche legt , die 
Ränder umbiegt und mit festschliesst und von dieser 
Kartonoberfläche druckt. 

Will man in den zuerst erwähnten Karton-, 
Celluloid- etc. Platten Konturen ausschneiden, so 
druckt man einen kräftigen Abzug der Hauptplatte 
über, was sehr gut und deutlich erfolgt und schneidet 
die Konturen mit einem scharfen Messer heraus. 

(Forsetznng folgt). 




Einiges aus der Praxis 

und für die Praxis. 

Von A. M. Watzulik. 

[iner freundlichen Anregung seitens des Heraus- 
gebers dieses Blattes, Herrn Waldow, Einiges 
über meine bisherige Thätigkeit oder vielmehr — wie 
Herr Waldow sich brieflich geäussert — Arbeitsweise 
zu schreiben , leiste ich hiermit um so bereitwilliger 
Folge, als ich mich gewissermassen verpflichtet 
erachte, unseren Fachkreisen nichts vorzuenthalten, 
was geeignet wäre, sich für Hebung unseres Berufes 
förderlich zu erweisen. 



Teile von Kollegen vornehmlich ist nun mein vor- 
liegender Artikel gewidmet mit dem Wunsch, dass 
die Körnchen praktischen Wissens , hier eingestreut, 
sich gedeihlich erweisen. 

Es ist wohl nötig, erst ein Bild von der Thätigkeit 
aus den früheren Jahren zu geben, ehe ich dazu 
komme, die jetzige Arbeitsweise zu veranschaulichen ; 
dabei werde ich mich hauptsächlich von dem Prinzip 
leiten lassen, es Jedem möglich zu machen, die 
Konsequenzen, die im Laufe der Jahre aus der 
Thätigkeit entstanden, zu verstehen und zu begreifen. 

In den Lehrjahren hatte ich — wie im vorher- 
gegangenen Artikel zu meinem Berufsjubiläum bereits 
erwähnt — in einer kleinen ungarischen Druckerei 
Anstellung und konnte, obzwar eine gründliche An- 
leitung mir nicht zu Teil geworden war , mich doch 
in verhältnismässig kurzer Zeit mit allem, was Satz- 
technik betraf, vertraut machen ; natürlich konnte von 
den Satzregeln, wie solche in vielen Anstalten stets 
gelehrt werden , nicht die Rede sein. Unbekümmert 
um den Mangel an einer solchen Lehre war ich 
bemüht, die fehlenden Kenntnisse durch öftere Be- 
trachtung und Vergleichung, besonders aber durch 
die Lektüre des Frankeschen Lehrbuchs zu ersetzen; 



Einiges a 



r Praxis und für die Praxis. 



auch bot die Bibliothek meines Vaters mir Gelegenheit, 
die Ausslattungsweise der Bücher aus der allen und 
neuen Zeit, vorzUgHch die Titel und die Satzweise zu 
studieren. Dies und das öftere Betrachten von allerlei 
Kunstsachen an allen zugänglichen Orten pflog und 
pflege ich bis zum heutigen Tage noch getreulich. 
Auch, als ich nach Graz zog, liebte ich es, diese 
Gewohnheit in unveränderter Weise fortzusetzen; 
jede Gelegenheit, welche sieh in dieser kunstreichen 
Stadt mir bot, benutzte ich, alle Schmuckarbeiten, 



mit bekannten Fachmännern und der Besuch von 
Fachausstellungen, haben sich bisher als ein wirk- 
sames Mittel zur technischen Vervollkommnung 
bewährt. 

In Allenburg, wo ich nun bereits seit t6 Jahren 
weile, blieb meine Gewohnheit, in freien Stunden, 
vorzüglich an Sonntagen, Betrachtungen anzustellen 
über Alles, was zur Kategorie Kunst gehört, beispiels- 
weise die in Museen aufgestellten Kunstgegenstände, 
die Wand- und Deckenmalereien , oder auch Druck- 



e EckcD von JnliiiB Klinkhardt. ScbrUlen Ti 



die meine Augen mühelos an Möbeln, Rahmen, an 
Gebäuden u. s. w. fanden, einer aufmerksamen Be- 
trachtung zu unterziehen, und besonders bezüglich 
der Symmetrie, der Zusammengehörigkeit, des Styles, 
des Aufbaues etc. zu studieren. Dass unter dem Ein- 
fluss des Gesehenen das Verständnis und die Empfäng- 
lichkeit Tür die Kunst- und Schönheitsgesetze sich all- 
mählig entwickeln und fortschreiten konnten, versteht 
sich von selbst. 

Aber nicht allein Alles, was ich aus eigenem 
Antrieb Ihat, sondern auch die mannigfachen An- 
rufungen, die mir der Verkehr mit intell^enten 
Kollegen und besonders der damalige Oberfaktor der 
Offizin Leykam-Joseflhal, Herr Wilhelm Fürst, durch 
Vorlegung des berühmten Firmin-Didotschen Muster- 
buches, der amerikanischen Probenbücher und Fach- 
zeitschriften bot, und in späteren Jahren der Verkehr 



Sachen, unverändert, ja, ich zog auch die Blumen, 
Pflanzen, Schmetterlinge, ihre Formen und Farben 
und gar die Toilette der Damenwelt mit in das 
Bereich meiner Betrachtungen und Vergleiche hinein. 
Das Resultat erwies sich stets hochinteressant und 
anregend und bot noch das Gute, dass die Ideenwelt, 
die ich mir allmählig erbaut, erweitert und Manches 
daraus in die Praxis umgesetzt werden konnte. 
Dass dies mehr oder minder glücken konnte, lag an 
Verhältnissen, unter welchen ich wirkte und schuf, 
und welche zum Gelingen einen nicht unwesentlichen 
Teil beigetragen. 

Der Spruch >Zeit ist Geld- hat in den langen 
Jahren meiner Thätigkeit seinen Einlluss auch auf 
mich niemals verfehlt, und so musste ich bei An- 
fertigung von Arbeiten immer Rücksicht auf die 
Befolgung dieses un ab weislichen Spruches nehmen 



Einiges aus der Praxis und für die Praxis. 



Manchmal aber konnte ich trotz besten Willens 
den Schritt über die Grenze des Möglichen doch 
nicht vermeiden, und so hatten sich manche Kunden 
über hohe Preise zu beschweren. Es ist dies freilich 
nichts Angenehmes, zumal für Den, der bestrebt ist, 
etwas Gediegenes zu lierern und dafür ungerechter 
Weise verkannt wird. Natürlich sind derartige Fälle 
geeignet, die Gemüter zu entmutigen, aber auch für 
die Folge als heilsame Richtschnur zu dienen. 
Während der langjährigen Thätigkeit habe ich mich 
über die Geschmacksrichtung der Kunden so orien- 
tieren können, dass alle Aufträge fast anstandslos 
erledigt werden konnten , was um so schwerer ins 
Gewicht fällt, wenn der Umstand berücksichtigt wird, 
dass manche Kundschaften infolge ihrer Unbeständig- 
keit oder ihrer Widerspruchsvollheit im Geschmack 
schwer zu befriedigen sind, zuweilen auch wegen 
Eigentümlichkeiten, die. will man zufriedenstellende 
Arbeiten liefern, erst genau kennen gelernt werden 



Kürzhch erschien in einem Probenheft von Benj. 
Krebs Nachf. in Frankfurt a. M. eine beherzigens- 
werte Mahnui^ von unserem Kollegen Joseph Bileg 
inWien. Dieindiesem Heft niedergelegten Äusserungen 
über die an den meisten Orten zu Tage getretene 
Verwahrlosung des Inseratensatzes sind mir aus dem 
Herzen gesprochen. Wer sieh die Mühe nehmen will, 
die beregte Mahnung zu lesen, dem wird die genannte 
Frankfurter Firma gewiss das betreffende Heft senden. 

In einigen Fachzeitschriften wurden unlängst 
gegen typographische Sünden scharf gehaltene Artikel 
vom Stapel gelassen und doch fand sich in denselben 
Blättern in ganz merkwürdiger Weise eine grosse 
Anzahl solcher typographischen Sünden. Man sieht, 
dass es vor der eigenen Thür noch viel zu kehren gibt. 
Die Ursache der akuten Krankheit in der Typo- 
graphie zu erörtern gehört nicht hierher. Ich gestalte 
mir aber zu warnen, die in den Faehbiättern immer 
widerkehrenden, mit den Satzregeln in Widerspruch 
stehenden Anzeigen, als ganz nebensächliche oder gar 



n Wilhelm Gconaai Schrirtgiessei 



Doch sollte man auf den Geschmack der Besteller 
nicht allein Rücksicht nehmen, sondern auch auf die 
jeweilig herrsehende Geschmacksrichtung, die an den 
zu Tage tretenden graphischen Erzeugnissen leicht 
zu erkennen und zu studieren ist. Besonders nutz- 
bringend zeigt sich in dieser Hinsicht der Besuch von 
Fachausstellungen, oder auch die Besichtigung von 
Privatsammlungen, deren Besitzer sicherlich unter 
uns ein ansehnliches Kontingent stellen. Es ist ferner 
eine langjährige Gepflogenheit von mir, alles nach 
der Art und Weise, wie man mit den Zeilenfällen 
verfahrt, zu beurteilen und danach den Grad des 
Könnens zu bemessen, oder auch mich zu vervoll- 
kommnen. Meiner Ansicht nach liegt gerade in den 
Zeilenfällen das untrüglichste Erkennungszeichen 
dafür, wie weit man mit den Gesetzen der Schön- 
heit und der Wirkung bereits vertraut ist. 

Die ornamentale Schraückung läast, wenn 
dieselbe mehr oder minder regelrecht ausgeführt 
erscheint, den Mangel an Geschick in der Behandlung 
der Zeilenfälle zwar fast gar nicht wahrnehmen, aber 
jeder aufmerksame Kenner findet leicht, dass es mit 
dem Können nicht weit her ist. Nicht minder dürfte 
die Schriftenwahl geeignet sein, den Mangel an Ge- 
schick erkennen zu lassen. 



nicht beachtenswerte Erschemung zu behandeln, denn 
das Studium der Inserate kann sehr erspriesslichen 
Dienst leisten für Erweiterung der Kenntnisse und für 
Läuterung des Geschmackes. Es kann daher nicht 
genug empfohlen werden, dem Inseratensatz bessere 
Behandlung zu Teil werden zu lassen, als dies bisher 
der Fall war. 

Ferner bietet sich jedem lernbegierigen Kollegen 
die Gelegenheit, durch regelmässige Einsichtnahme 
in die zahlreich einlaufenden Zirkulare, Prospekte, 
Prachtwerke etc. sich bei den Buchhändlern über die 
jeweilige Geschmacksrichtung zu orientieren. 

Die Praxig nachzuahmen, habe ich prinzipiell 
stets vermieden, denn die Erkenntnis, dass dieGleich- 
oder Ähnlichmacherei den Nachteil hat, die geistige 
Schaffenskraft zu verflachen, hat mich veranlasst, 
durch selbständige, anstrengende Denkübung immer 
etwas Eigenes zu schaffen; es liegt daher in der Natur 
der Sache, dass der Geist sieh im Laufe der Zeit 
vermöge der Gewohnheitsübung läutern und stählen 
und die Schaffenskraft selbst ungeschwächt bleiben 
kann. Jeder sich befähigt glaubende Setzer sollte 
also darnach trachten, Originales aus sich heraus zu 
schaffen ; dies kann aber nur für ungewöhnliche und 
geschmackvoll auszuführende Arbeiten geraeint sein. 



Einiges aus der Praxis und für die Praxis. 



Für Sachen, die eilig, trotzdem aber geschmack- 
voll sein sollen, genügen, um rasch ins Reine zu 
kommen, einige Erwägungen und flüchtige Skizzen in 
Tinte aufdem Schiff, das mannigfacher Vorzi^e halber 
stets horizontal auf Brett oder Regal zu liegen hat. 
Der Geschmack der Besteller kommt selbstredend in 
erster Reihe in Betracht. Kennt man denselben zur 
Genüge, so bleibe man immer bei demselben, um 
nicht Verdriessliehkeiten ausgesetzt zu werden. 
Überlässt aber ein Besteller die Ausstattungsweise 
seiner Arbeiten vollständig dem Geschmack des 
Setzers, und kommt von des Letzleren Hand stets 
Originelles oder Gefalliges, so ist der Spielraum für 
die Phantasie ein unbeschränkter. Er kann , v?enn 



Vipietle von Wilhetm Gronue Schiingicei 



er dessen sicher ist, dass der Besteller sich die Ver- 
besserung des Manuskripts betreff der Stellungen 
oder Gruppierungen des Textes aus Rücksicht auf 
bessere Wirkung oder besseres Aussehen gefallen 
lässt, in beide Teile um so befriedigenderer Weise 
Arbeiten liefern, denn es ist eine sattsam bekannte 
Thatsache, dass dem Besteller oft viel daran liegt, 
durch wirkungsvolle Ausstattung die Aufmerksamkeit 
des Publikums zu erregen. Aber ich kenne Fälle, 
wo das Unverständnis der Besteller den Setzern die 
Hände förmlich gebunden, so dass dieselben trotz 
besseren Könnens nicht in der Lage waren, die 
anspruchsvollen Herren zu befriedigen. Nur ein 
kleines Beispie! hiervon will ich anführen. Es wurde 
ein äusserst splendid, aber einfach und nobel aussehen 
sollendes Zirkular in Auftrag gegeben. Der Besteller 
schickte, jedenfalls von der Ansicht ausgehend, dass 
der Eindruck hauptsächlich in der Güte des Papiers 
liege, ein sehr teures Papier. Das Resultat ei^b, dass 



das Papierformat für den Zweck gar nicht genügte 
und der viele Text auf sehr knapp zugemessenem 
Raum zusammengedrängt werden musste. 

Die Eigentümlichkeiten der Besteller zu studieren 
und für vorkommende Aufträge in Erwägung zu 
ziehen, ist selbstredend unerlässlich, und dies sollte 
festgehalten werden. Man bestrebe sich aber auch 
hauptsächlich dahin, seine Arbeiten so zu gestalten, 
dass dieselben auf alle Beschauer einen mehr oder 
minder gunstigen Eindruck machen und so den Zweck, 
auf die Leistungslahigkeit der betreffenden Ofßzin in 
empfehlender Weise hinzuweisen, nutzbringend er- 
füllen können. 



Vignette von J. G. SchelUr * Gieeecke. 

Natürlich darf nicht versehwiegen werden, dass 
es auch manche Offizinen oder Besteller gibt, denen 
es nur darum zu thun ist, einmal auf Kosten des 
Renommees einer anderen unbekannt bleiben sollen- 
den Offizin die Welt mit hübschen Drucksachen zu 
versehen und dann, wenn der beabsichtigte Erfolg 
nicht ausbleibt, in anderer oder eigener bill^er 
arbeitenden DITizin die fortlaufenden Arbeiten, natür- 
lich in ordinärer, allen Schönheitsregeln hohn- 
sprechender Ausstattungsweise herstellen zu lassen. 

Das wäre die neuere Taktik der — wenn ich es 
so nennen kann — Industrieritter. 



(Fori 



tiung folgL) 



Deutsche allgemeine Ausstellung für Unfall verhülung. 



Deutsche allgemeine Ausstellung 

für Unfallverhütung. Berlin 1889. 

|u|^¥e leiatun£Bfähiger die Gewerbe sich durch Einführung 
n^j^ schnelllaufender Motoren und Arbeitsmaschinen 
gemacht haben, um so gefährlicher ist auch deren 
Betrieb für das Maschinen personal geworden, so dass durch 
die Unfall versicherungsgese tue den Arbeitgebern die Ver- 
pflichtung auferlegt werden muasle, ihre Arbeiter gegen die 
Folgen von Betriebsunfällen sicher zu stellen. Dem staat- 
lichen Versicherungazwang ist die Selbsthilfe zur Seite gestellt 
worden, indem es dem Ermessen der zu genossenschaftlichen 
Verbänden vereinten Betriebsunlernehmer anlieimgestellt 



(f' Bahn Nackf. ia Joluinuisberg hat zwei Buch druck schnell' 
pressen mit modifizi erler Eisenbahnbewegung ausgestellL 
Das den Karren antreibende Rad liegt ziemlich ungefäMich 
unter dem Auslegetisch. Die Zilinder- und Farbewerka- 
räder sind durch Schutzkappen und die Zahnstangen der 
Fundamentplalte durch Schutzwinkel gehörig verdeckt. 
Die Speichen des Schwungrades wurden durch eine davor 
geschraubte Btechscheihe ung-efährlich gemacht, w&hrend 
eine Fusstrittbremse schnelles Arretieren der Maschine 
ermöglicht. Vielleicht liease sich auch die Einhebestelle 
der Form, wo das Fundament die BoUenaxen iiberßhrt, 
durch konstruktive Änderung noch ungefährlich machen. 
Die Berliner Maschinenfabrik C. Humtnet hat zwei 
Accidenz-Buchdruckschnellpressen mit Schill tenführung und 



Nach einsm Orij 



>i (Satier Herr KirchfaolT) ii 



l von G«pucb A Haym, 



blieb, Unfall verhütungs Vorschriften zu erlassen. Hiei 
sowie zur wirksamen Ausübung solcher Vorschriften, gehört 
aber die Kenntnis der zur Verhütung von Unfällen vi 
handenen Einrichtungen und Apparate. Eine solche 
vermitteln, sowie eine Anregung zur Vervollkommnung und 
Vermehrung der Vorhandenen zu bieten, isl eben der Zweck 
der gegenwärtig in Berlin stattfindenden deutschen all- 
gemeinen Ausstellung für Unfallverhütung. 

Diese überaus sehenswerte Ausstellung isl so umfang- 
reich, dass ziemlich viel Zeit dazu gehört, dieselbe in allen 
ihren Teilen in Augenschein zu nehmen. Die speziell ftir 
Buchdrucker interessantesten Ausstellungsobjekte sind in 
Saal Q und Saal R des Hauptaussteil uugspalasles zu 
finden. 

Saal Q enthält neben der von H. Füllner in Warmbnmn 
tagtäglich Nachmittags von 1 bis 5 Uhr im Betriebe 
gehaltenen mächtigen Papiermaschine auch zwei Steindruck- 
schnei Ipressen , sowie fUnf Buchdruck sehne II pressen und 
zahlreiche Tiegeldruckmaschinen. Die Fabrik Klein, Forst 



übersetzter Kurbel bewegung auf der Ausstellung im Betriebe. 
Dieser Antriebsmechanismus des in gehobelten Bahnen 
gleitenden Fundaments hat sich nicht nur deshalb viele 
Freunde erworben, weil er überaus dauerhaft ist und sehr 
grosse Geschwindigkeit gestattet, sondern auch weil er 
verdeckt unterhalb der Fundamentplatte uud dem Pullbrett 
liegt, so dass er Niemanden hindern oder gefahrdrohend 
werden könnte. Die Fundamentplatte hat keine unbequem 
hohe Lage und ist sehr zugänglich. Die zum Ausrücken 
des Betriebsriemens dienende Handkurbel ist mit einera 
Sicherheitsschnapper (Sicherheitsriegel oder einer Falle) 
derart versehen, dass die Handkurbel sich in der Ausrück- 
lage selbatthätig fixiert, also nicht etwa durch einen 
zufälligen Stoss oder Druck eingerückt werden kann. 
niese einfache S ich erheits Vorkehrung erschwert das Aut- 
rückcn der Maschine niemals und erheischt nur beim 
£'inrücken einen eigenartigen Griff, der indess keinen 
Zeitverlust bedingt. — Wie bei allen Hummelschen Rotationa- 
maschinen, so befindet sich auch bei den ausgestellten 



333 



Deutsche allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung. 



33i 



Accidenzmaschinen die Losscheibe auf einer feststehenden 
Sicherheitsbüchse. Selbst wenn also auch einmal die 
Losscheibe wegen Mangel an Öl sich festfressen sollte, so 
könnte sie doch nicht die ausgerückte Maschine in Gang 
setzen, denn die am Gestell befestigte Sicherheitsbüchse 
macht eine solche unbeabsichtigte Kraftübertragung unmög- 
lich. Ausserdem steht das Schwungrad mit einer Fusstritt- 
bremse in Verbindung, so dass der Anleger die laufende 
Maschine schnell zu arretieren vermag. 

Die Speichen des Schwungrades sind durch ein am 
Gestell befestigtes Drahtgitter, die Zahnräder und Zahnstangen 
durch Schutzbleche und die exponierten Keilnasen durch 
Schutzkappen unschädlich gemacht worden. — Damit eine 
zwischen Fundamentplatte und vorderer Gestellverbindungs- 
stange etwa hineingesteckte Hand nicht gequetscht werden 
könne, hatman oberhalb der Verbindungsstange ein tischartiges 
Blech angebracht. — Der nach der Transmission gehende 
Betriebsriemen läuft innerhalb eines eleganten Schutzgitters. 

Bei den allerdings nur durch Photographien vorgeführten 
Rotationsmaschinen der in Rede stehenden Fabrik ist noch 
hervorzuheben, dass die Handkurbel automatisch sich 
ausrückt; stets bevor die Ausrückgabel den Riemen auf die 
Festscheibe schiebt. 

Die Berliner Maschinenbauanstalt Aichele lic Bachmann 
hat ausser einer lithographischen Schnellpresse und einer 
kleinen Tiegeldruckpresse mit Druckabsteller noch eine 
kleine Schnellpresse mit Eisenbahnbewegung in der grossen 
Maschinenhalle F montiert; dieses Maschinchen ist besonders 
dadurch bemerkenswert, dass es von einem Elektromotor 
der > All gemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft« betrieben wird. 
Diese Anwendung . der Elektrizität stellt sich nicht gerade 
billig. Die Betriebskurbel, welche das Fundament zu 
bewegen hat, befindet sich an der Einhebestelle der Form, 
liegt also weder bequem noch ungefährlich, zumal ein 
bezüglicher Schutz nicht vorhanden ist. 

Andreas Hamm, Maschinenfabrik in Frankenthdly führt 
eine Accidenzschnellpresse mit Eisen bahnbewegung im 
Betriebe vor. Die Schutzbleche und Schutzgitter, welche 
behufs leichten Erkennens wie ja bei allen anderen 
Maschinen auf Anordnung der Ausstellungskoramission 
leuchtend rot angestrichen sind, bieten nichts besonderes. 

Die Maschinfabrik Augsburg hat nur ein in Vio natür- 
licher Grösse gefertigtes Modell einer einfachen Schnellpresse 
mit Eisenbahnbewegung und zwar in Saal J ausgestellt 
Die Betriebskurbel liegt auch hier gefahrdrohend an der 
Einhebestelle der Form; trotzdem ist als »Schutz« nur eine 
verhältnismässig kleine Eisenplatte davorgestellt; dass diese 
Schutzvorrichtung nur von sehr problematischem Wert sein 
kann, liegt auf der Hand. 

Franz Franke in Berlin führt eine »Deutsche Universal- 
Tiegeldruckpresse« vor, sowie zwei Tiegeldruckpressen, 
genannt »Deutsche Perle«. Der Fusstritthebel ist hier so 
eingerichtet, dass er nach oben hin nachgibt, sobald ein 
Fuss unachtsamer Weise unter die Trittplatte gerät; es ist 
dies eine Einrichtung, welche übrigens in ähnlicher Weise 
schon an vielen anderen älteren Tretvorrichtungen zu finden 
ist — Die Kupplung einer auf das Schwungrad wirkenden 
Bremsbacke mit der Ausrückung ermöglicht ein schnelles 
Anhalten. Eine dieser Tiegeldruckpressen ist auf drei 
Seiten durch ein brusthohes Gitter nach aussen hin ab- 
gesperrt; ganz gewiss bietet solch' eine Absperrung auch 
einen Schutz gegen Unfälle, aber nicht in dem hier zur 
Anschauung zu bringenden Sinne gegen Unfälle des die 
Maschine bedienenden Arbeiters. 



Auch die Original-Liberty-Maschine figuriert auf der 
Ausstellung in Saal Q. Abgesehen davon, dass dieselbe 
an ihren Antriebsrädern mit einer soliden Verkleidung 
versehen ist, erscheint es für Sicherheit des Betriebes 
wichtig, dass das Ausrücken des Drucktiegels zum Abstellen 
des Druckes bei jeder beliebigen Stellung des Tiegels, 
vermittelst des höchst einfachen Abstellmechanismus in 
leichter, bequemer Weise erfolgen kann. Dadurch wird 
das Bedienungspersonal bald sich die Unsitte abgewöhnen, 
beim Zusammengehen von Tiegel und Fundament dazwischen 
zu greifen, um einen schlecht angelegten Bogen zu retten. 
Dass bei Einrichtung für Dampfbetrieb eine kombinierte 
Brems- und Ausrückvorrichtung an Weilers Liberty- 
Maschinen angebracht wird, dürfte wohl zur Genüge 
bekannt sein. 

W. Hoffmann in Hüttenwerk Vietz, sowie J. Wilhelmi 
in Berlin haben auch Tiegeldruckpressen ausgestellt, doch 
haben wir über dieselben nichts Besonderes zu erwähnen. 

Schmiers, Werner c& Stein in Leipzig stellten ihre 
patentierte Bronziermaschine, welche das so lästige Umher- 
fliegen von Bronzestaub in den Druckereilokalitäten ver- 
hindert, zur Schau. Diese allerdings nur in grossen Etablisse- 
ments und bei grossen Auflagen sich lohnende, sauber 
gearbeitete Maschine bronziert schön gleichmässig und 
stäubt die Bronze genügend ab, und zwar geschieht dies 
alles in ihrem nach aussen durch Holz- und Glaswandung 
dicht abgeschlossenen Innenraum. 

Die Maschinenfabrik von Karl Krause in Leipzig hat 
eine ganze Reihe bemerkenswerter Hilfsmaschinen für 
Druckereien und Buchbindereien ausgestellt. Bei den be- 
treffenden Papierschneidmaschinen sind die Führungsschlitze 
des Messerbalkens sowie die Messerschneide gehörig ver- 
deckt worden. Ein auf- und niedergehendes Gitter von 
senkrechten, frei beweglichen Stäben verhindert unvor- 
sichtige Hände sich dem niedergehenden Messer zu nahen. 
Die obere, freiliegende Walze eines Satinierwerkes ist 
beiderseits mit je einer kleinen Holzwalze in Berührung 
gebracht; da diese sich entgegengesetzt dreht, so wird eine 
der Zusammenlaufstelle der Satinierwalzen sich nähernde 
Hand von der Holzwalze um so energischer zurückgeschoben 
werden, je stärker sie dagegen stemmt. Die Schwungräder 
der Krauseschen Maschinen sind meist gänzlich durch 
Drahtgehäuse eingekapselt worden. 

Die Maschinenfabrik Weber rf* Bracht in Düsseldotf hat 
hübsche Papierschneidmaschinen mit Changier- oder 
Wechselschnitt, mit selbstthätiger Pressvorrichtung, auto- 
matischem Ausrücker und Bremse aufgestellt; diese 
Maschinen sind gleichfalls mit umfassenden Schutzvor- 
richtungen versehen. 

Ernst Wentscher in Berlin zeigt im Saal R seine neue 
Letternsetzmaschine und motiviert deren Erscheinen auf 
der Unfallverhütungs-Ausstellung damit, dass sie geeignet 
sei, Vergiftungen durch Bleistaub zu verhüten. Ob diese 
interessante, den Satz auch ausschliessende komplizierte 
Maschine grossen Erfolg verspricht, müssen erst andauernde 
praktische Versuche lehren. Falls sie zur praktischen 
Verwendung in Druckereien gelangt, wären noch erst die 
freiliegenden Räder etc. einzukapseln. 

Dicht neben Saal Q befindet sich auch die Bibliothek. 
Ausser den Tageszeitungen und Fachzeitschriften findet 
man hier alle möglichen Drucksachen, welche sich auf die 
Unfallstatistik, die Unfallversicherung und Unfallverhütung, 
den Arbeiterschutz überhaupt und die Förderung der 
Wohlfahrt der Arbeiter beziehen. 

20 



335 Schriftprobenschau. — Salz und Druck unserer Probeblätter. — Rezepte. — Zeitschriften und Bücherschau. 336 



Wäiirend wir oben uns lediglich auf das den Buch- 
drucker speziell Angehende beschränkt haben, wäre noch 
gar manches Ausstellungsobjekt von allgemeinerem Interesse 
hier zu erörtern, denn nicht nur die verschiedenen Motoren 
sind auf der Berliner Ausstellung glänzend vertreten, 
sondern auch die Transmissionsanlagen, ferner die Venti- 
lations-, Heizungs- und Beleuchtungsanlagen. Namentlich 
die Wunder der Elektrotechnik spielen auf dem Ausstellungs- 
platz eine hervorragende Rolle, gleichwie natürlich auch 
das Feuerlösch-, Rettungs-, Signal- und automatische 
Kontrollwesen. 

Wird es leider auch nie gelingen, die Unfallgefahr in 
den gewerblichen Betrieben gänzlich zu beseitigen, so ist 
doch klar, dass eine grosse Zahl von Unfällen durch 
geeignete Schutzvorrichtungen vermieden werden kann. 
Möge es der »Deutschen allgemeinen Ausstellung für Unfall- 
verhütung« beschieden sein, in dieser Beziehung recht 
fruchtbringend zu wirken, indem sie die einen zur Nach- 
ahmung, die andern zur Vervollkommnung ihrer Einrichtungen 
auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes angeregt. - Z. - 




Sehriftprobensehau. 

^ie Firma Paul Leuteniann in Leipzig veröiTentlicht 
in vorliegendem Hefte wieder eine Anzahl Vignetten, 
wie sie in neuester Zeit zur Schmückung von Accidenz- 
d rucken sehr beliebt geworden sind. Von den hier zum Abdruck 
gebrachten, landschaftliche Motive zur Darstellung bringenden 
Vignetten, eignen sich die runden und halbrunden besonders 
zur Ausfüllung von Ecken, wie auch zur Verwendung als 
Schlussvignetten, während sich die rechtwinkligen recht 
gut in Umrahmungen mit Einfassungen vereinigen lassen; 
sie werden, so angewendet, der betreffenden Arbeit stets 
ein originelles, von dem Gewöhnlichen abweichendes Aus- 
sehen verleihen. 

Die in unseren Spalten wiederholt lobend erwähnte 
Holstypenfabrik von Sachs <& Cie, in Mannheim überliess 
uns zum Abdruck die Probe eines ihrer neueren Erzeugnisse, 
einer VergrÖsserung der beliebten Kaisergotisch. Wir können 
bei dieser Gelegenheit unser günstiges Urteil, welches wir 
mehrfach über die Fabrikate der genannten Firma aus- 
zusprechen Gelegenheit hatten, nur von neuem bestätigen 
und der strebsamen Firma für die Bemühungen, ihren 
Erzeugnissen den höchstmöglichen Grad von Vollkommenheit 
zu verleihen, den besten Erfolg wünschen. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

'nser Blatt Mm repräsentiert einen Abteilungstitel 
der Oktavschriftprobe von J. G. Scheltei' d- Giesecke. 
Die darauf angewendeten Vignetten geben gleichsam 
eine Probe von Dem, was man in der betreffenden Abteilung 
zu erwarten hat: gediegene und scliöne Foliiypen, Vignetten 
und Zierstücke aller Art, zumeist Novitäten der renommierten 
Firma, die dieselben mit besonderer Sorgfalt von gediegenen 
Künstlern schaffen liess. Der einfach geschmackvolle Titel 
beweist von neuem, dass man mit wenig Mitteln Gediegenes 
schaffen kann. 



Von der Schriftgiesserei C. Kloberg fmden unsere Leser 
eine geschmackvolle Besuchsanzeige, auf der die neuesten 
Erzeugnisse dieses thätigen Hauses Verwendung fanden, 
so die gefällige Schreibschrift, schöne Einfassungen^ Ecken, 
Ornamente und Messinglinien. Die Arbeit lässt erkennen, 
mit welcher Sorgfalt die Klobergsche Giesserei ihre Erzeug- 
nisse herstellt, denn an Exaktität und Schärfe lassen sie 
nichts zu wünschen übrig. 

Unser drittes Blatt Ee ist dem von uns früher öfter 
erwähnten »Musterbuch für graphische Gewerbe« von 
J. Engelhom in Stuttgart entnommen. Es stellt ein Sänger- 
diplom in gefälligster, dem Zweck entsprechender Zeichnung 
dar. Zur Verwendung kam auf diesem Blatt die altdeutsche 
Kanzlei der Aktiengesellschaft für Schriftgiesserei und 
Maschinenbau in Offenbach, für die Zeilen »Max Krause« 
und »in Heilbronn«. Sie entspricht so vorzüglich den der 
Platte eingefügten, resp. eingeätzten Schriften, dass man 
sie, ohne die Einheit der Schriften zu stören, mit jenen 
zusammen verwenden konnte. Das Blatt beweist wiederum, 
welchen reichen Schatz brauchbarer Vorlagen die Engel- 
hornsche Sammlung enthält. Unsere Leser seien deshalb 
wiederholt auf dieselbe aufmerksam gemacht. 



Rezepte. 



— t Zwei Mittel, um zu feuchten oder zu trockenen 
Walzen ihre Elastizität wiederzugeben. Hat eine Walze zu 
viel feuchte Luft angezogen, so wasche man sie mit 
gewöhnlichem Alkohol. Mit diesem verdampft auch zugleich 
die überflüssige Feuchtigkeit. Ist sie dagegen zu trocken 
geworden, so mische man 100 Teile Glyzerin, 10 Teile 
flüssiges Ammoniak und 40 Teile sauer gewordenes Bier, 
mit dieser Mischung wasche man die Walze 5, 10 Minuten 
und noch länger. Das Ammoniak öffnet die Poren der 
Fläche für das Eindringen des Glyzerins, während das 
Bier beim Austrocknen eine Verbindung eingeht, die sich 
fest an die Fläche der Walze anhängt. 

— t ^^ ausgezeichnetes Walzenwascfimittel wird nach- 
stehende Zusammensetzung empfohlen. 1 kg kleingestossene 
Waschsoda und 70 g Kochsalz werden in 13 bis 14 1 weichem 
Wasser vollständig aufgelöst und dann tüchtig umgerührt. 
Nachdem sich die noch übrigen festen Bestandteile gesetzt, 
wird die Flüssigkeit abgegossen, worauf sie zum Gebrauch 
bereit ist. 



Zeitsehriften und Büehersehau. 

— Vor uns liegt ein Separatabdruck aus dem 
Universal 'Nachschlagebuclh des ganzen buchhändlerischen 
Wissens etc., betitelt: Der 'praktische Verlags -Auslieferer, 
ein Handbuch für jeden Buchhändler von Hans Blumen- 
thal. Der Name des Verfassers bürgt wohl vollständig für 
den gediegenen aber auch wirklich praktischen Inhalt 
dieses Heftchens, so dass wir Interessenten auf diese neue 
Erscheinung auf dem Gebiete der buchhändlerischen 
Thätigkeit aufmerksam machen. 

— Die heutige Buchbinderei und ihre Hilfsmittel betitelt 
sich ein von Herrn Eduard Tonndorf, Werkführer der Kgl. 
Hofbuchbinderei von Gustav Fritzsche in Leipzig, heraus- 



ES^2^ 



No. 58. ii M. £M 



No. 53, i M. 2.60, 



No. M, h M. S.-, 



Mo 61. k M, 11,50, 



I4o. et. a M, 4 



Ko. Sl, ä M, S 



ä^^P 



2^^^E 



Ecken und Linien von F, A. Brockhnuä, Leipzig. Ornamunta im Kopf von C. Kloberg, Leipzig. 20* 



ZeilBchriflen und BUcherscbau. — Mannigfaltiges. 



gegebeoes Werkchen, von welchem uns das 1. Heft vorliegt. 
Den Inhalt dieses Werkchens bildet die auch für unsere 
Kreise sehr interessante Rubrik »Der Farbendruck« und 
zwar wird derselbe in folgenden Kapiteln behandelt: >Die 
Presse und ihre Farbendruck-Vorrichtungen», — »Die Farben 
und ihre Behandlung. — Farbe nzusätzei nebst einer Tafel 
mit den verschiedenen Bronzefarben von Johannes Kracht 
in Leipzig. »Zur Technik des Farbendrucks». — »Bronze- 
drucki. — »Das Mischen der Farben«, diesem letzten Kapitel 
ist eine Beilage mit 36 verschiedenen Farben beigefügt. In 
Anbetracht der Bedeutung, welche der Farbendruck auch 
in dem heute so hoch entwickelten Buchbinderge werbe ein- 
uimmt, können wir diesesWerknurals ein wjrklichpraktisches 
>Hand- und Hilfabnch« auf das angelegenlichste empfehlen- 
— Das interessanteste von dem so überaus reichem 
Inhalte des soeben erschienenen So. Heftes des UniteTsum 
bildet jedenfalls der in Wort und Bild in so überaus ge- 



Pensionsfonds für die Angestellten des Zeitungsuntemehmens, 
dessen Höhe (man spricht von 100000 Gulden) iu der 

Festnnmmer publiziert werden soll. Femer wurde den 
Redakteuren mitgeteilt, dasa jeder mit vollendeter 20jähriger 
Dienstleistung auf eine Pension von .300 Gulden jährlich 
Anspruch habe, die Administratioasbeamten bekommen 
2-tO Gulden, die Arbeiter (Druckerei etc.) nach 25jähriger 
Dienstzeit H Gulden wöchentlich. Das Festbanket wurde 
auf den Oktober verschoben. 

— Gestorben: Am i. August in Diedenhofen der Verleger 
und Gründer der »Mosel- und Niedzeitung« F. Hoüinger, 
geb. am 2. Februar 1818 in Waldshut (Baden). Der .0. B. Z.. 
entnehmen wir über das wechselvolle Leben HoUingers 
folgendes: 1832 widmete sich Hoilinger in Konstanz der 
Buchdruckerei und Journalistik, machle sich bald durch 
Flugschriften und Zeitungsartikel bemerklich, gab 1849 im 
Vereine mit Friedrich Hecker den in Rhein felden 



Kaisergotisch der Hoiitypenfabrik von Sachs & Cie., HaDDheim. 




lungener Weise wiedergegebene glänzende Huldigimgsfest- 
zug, den die sächsischen Städte dem Herrscherhause aus 
Anlass des SOOjährigen Regierangsjubiläums darbrachten. 
An weiteren wertvollen Beiträgen sind noch zu erwähnen: 
DU Zeitkrankhsit Neurasthenie von Dr. Lahmann und der 
Artikel über die Pariser Geseltachaft von Eugen v. Jagow. 
Neben der Fortsetzung des Romans Sduoarxs Blut 
finden wir noch den Anfang einer neuen Erzählung 
Ole Morlensen von Gustav Imberg. Ausser einem reichen 
Bilderschmuck enthält das Heft auch noch einige kleinere 
interessante Artikel. 



Mannigfaltiges. 



— Siijähriffe: Am 21. Juli die F. W. Jttngfereehe Bucli- 
dnidxrei in Breslau. — Am 1. August der Buchdruckerei- 
besiLzer Ferdinand Dienst in Gelsenkirchen. — Am 1. Sep- 
tember die Neue Freie Presse in Wien. Aus diesem Anlasse 
gingen den Herausgebern und der Redaktion zahlreiche 
Glückwünsche zu. F.s erschien eine Festnummer des Blattes. 
Die Herausgeber des Bialter spendeten 6000 Gulden dem 
Journalisten verein >ConcordLai und zwar 1000 Gulden zur 
sofortigen Verteilung, 5000 Gulden zur Aufbesserung von 
Stamm bei trägen. Ferner gründen die Herausgeber einen 



erscheinenden >Volksfreund< heraus und wurde insgesamt 
zu 168 Jahren Geföngnis verurteilt, von welchen Straten 
er aber nichts verbüssl hat. Infolge seiner Beteiligung 
am badischen Aufstande sollte er erschossen werden. 
entging diesem Schicksale aber durch Flucht nach Frank- 
reich, wo er Redakteur der anlina pol eonischen »Hagenauer 
Zeitung« wurde. Nach kurzer Zeit aber wurde er per 
Schub nach Havre gebracht und siedelte von da nach 
London über, wo er 16 Jahre verblieb. 1866 kehrte er 
nach Lörrach zurück, wo er bis 1871 die »Stimme aus 
dem WieseuthaU und dann das »Diedenhofener Kreisblatt 
(Mosel- und Niedzeitung)« herausgab. 

GeschäfÜidies. Von der Firma Kaat & EMnger ist den 
Herren Friedrich Braun. Dr. Ludwig Dom. LuÄoig Frosch 
und Fmst Ileyd Kollektiv-Prokura erteilt worden und zwar 
in der Weise, dass durch je zwei Unterschriften die Firma 
rechtsgiltig gezeichnet wird. 

— Obwohl es bei F. M. Weilers Original- «Liberty «-Presse 
nichts Neues ist, dass sie erste Preise erhält, so hat es uns 
doch besonderes Vergnügen gemacht, zu hören, dass 
diese Presse mit ihren neuesten Verbesserungen auf der 
internationalen Ausstellung in Köln abermals mit einem 
ersten Preise ausgezeichnet worden ist, nämlich dem Goldenen 
Stern mit EhrendipUnn. Dies fügt ein neues Blatt zu den 
Lorbeeren der Original-« Liberty«. Erst kürzlich ward ihr 
auf der internationalen Ausstellung zu Brüssel die goldene 



341 



Mannigfaltiges. 



342 



Medaille und andere Ehrenzeichen in Melbourne und Barce- 
lona zuteil. Wer die Original- »Liberty« anschafft, ist sicher, 
eine gute, brauchbare Maschine zu kaufen; die Fabrikanten 
werden nie ruhen, sie immer mehr zu vervollkommnen, 
um den wechselnden Bedürfnissen des Gewerbes entgegen- 
zukommen; dagegen werden sie niemals gestatten, dass 
sie einen der Vorzüge einbüsst, die sie zum allgemeinen 
Liebling gemacht haben. 

— Wie wir hören, wurde der Inhaber der sich auf 
dem Gebiete des orientalischen Werkdrucks eines Weltrufs 
erfreuenden Firma W. Drugulin in Leipzig, Herrn Johannes 
Baefisch-Ihntgulin j anlässlich des zu Stockholm tagenden 
Orientalisten-Kongresses von Sr. Majestät dem König Oscar 
von Schweden durch Verleihung der goldenen Medaille für 
Kunst und Wissenschaft am blauen Bande ausgezeichnet. 
Wir gratulieren dem thätigen Kollegen zu dieser neuen 
Anerkennung, welche die Leistungen seiner Druckerei 
gefunden. 

— Deutsche Zeitung in Japan. In Japan wird neuer- 
dings sogar eine wissenschaftliche Zeitschrift in deutscher 
Sprache herausgegeben, welche unter dem Titel »Von West 
nach Ost« monatlich einmal in der japanischen Hauptstadt 
Tokio erscheint. Die Zeitschrift hat den Zweck, »die Pflege 
der deutschen Sprache in Japan zu befördern, durch 
Wiedergabe deutscher Geisteserzeugnisse die Eigenart des 
deutschen Wesens ihren Landsleuten nahe zu bringen und 
ihnen durch Übertragung aus der japanischen Litteratur 
ins Deutsche das nähere Eindringen in den Geist der 
deutschen Sprache zu erleichtern«. Das erste Heft der 
Zeitschrift enthält ausser dem Vorwort : »Was wir wollen!« 
und einigen Glückwunsch-Adressen, eine Abhandlung von 
Dr. med. Rintaro Mori über das japanische Haus. Die 
Redaktion der Zeitschrift setzt sich aus einem ganzen 
Kreise von Professoren und Beamten zusammen, die zum 
grössten Teile in Deutschland studiert haben und eine 
Bürgschaft sind, dass die Zeitschrift Tüchtiges leisten wird 
und kann. 

— Ein einträgliches Zeitungsuntemehmen. Aus dem 
der Generalversammlung des Pariser »Figaro« vorgelegten 
Jahresberichte der Verwaltung dieser Aktiengesellschaft 
erhellt, dass dieses Journal im Jahre 1888 bei einer 
täglichen Auflage von 82 000 Exemplaren einen Gewinn von 
2211637 Francs 88 Centimes erzielt hat. Die drei Leiter 
des Blattes, die Herren Magnard, Perivier und du Rodays 
erhalten statutarisch jeder 9 Prozent des Gewinnes, was 
also für jeden dieser Herren 200000 Francs beträgt, wohl 
das höchste Gehalt, das ein Zeitungsredakteur oder 
Administrator bezieht. Der enorme Gewinn des »Figaro« 
erklärt sich durch die Art und Weise, wie dieses Journal 
die »Publizität« ausbeutet, was eben nur in Paris und 
auch nur dem »Figaro« möglich ist. 

— Das teuerste Buch der Welt ist die im Besitz des 
Vatieans befindliche hebräische Bihel^ welche im Jahre 1512 
die reichen Juden von Venedig dem Papste Julius U. für 
soviel Gold abkaufen wollten, als das Buch wiegt. Diese 
hebräische Bibel ist aber so gross und schwer, dass zwei 
Mann daran zu tragen haben; sie wiegt 325 Pfund, hätte 
also eine halbe Million Francs gekostet, wenn Papst 
Julius II. nicht, trotz seiner Geldverlegenheit, den Handel 
abgelehnt hätte. — Der höchste Preis, der in neuester Zeit 
für ein Buch bezahlt wurde, wird durch die 250000 Francs 
gebildet, welche das Deutsche Reich für das Missale zahlte, 
das Papst Leo X. dem König Heinrich VIII. von England 
zum Geschenk machte. Zu dem Buch gehört ein Pergament, 



auf welchem die Befugnis ausgesprochen ist, dass die 
Könige von England Verteidiger des Glaubens seien. 

— Dem Petit Journal in Paris, welches gegenwärtig 
eine Million Auflage hat, wurde für ein Inserat von 75 Zeilen 
über die bekannten Schweizerpillen für einmalige Aufnahme 
7500 Francs bezahlt. 



Briefkasten. 

Herrn J. B., Berlin. Die beiden Bände der Buchfahrnng sollten 
vollständig genügen, Sie mit den Regeln der Buchführung und allen 
Verrichtungen vertraut zu machen. Wollen Sie Privatunterricht 
nehmen, so könnte der betrefTendo Lehrer solchen gewiss mit Vorteil 
unter Benutzung dieser speziell fachlichen Buchführung erteilen. — 
Herrn K., HofTmannsche Buchdruckerei, Stuttgart. Wir danken für 
freundliche Zusage, wie für die Sendung schöner Arbeiten. Es war für 
uns eine Freude, in ehrenvoller Weise auf Ihre Thätigkeit hinweisen 
zu können. Gedenken Sie unserer auch ferner. — Herrn 0. K., Bernburg. 
Vielen Dank für die Zusendung; Ihre Arbeiten verdienen alle Aner- 
kennung, der Satz ist gerällig und der Druck sehr gut. Die Tonplatten 
zeigen sich überall als durchaus druckfähig. Über die fragl. Platten 
haben wir schon mehrfach Klagen gehört. Wollen Sie uns Ihre 
Erfahrungen über Anfertigung solcher Platten mitteilen, so werden wir 
ihnen sehr dankbar sein. — Herren K. & M, Siegen. Das uns gesandte 
Musterbuch enthält viele Arbeiten denen wir vollen Beifall zollen müssen. 
Satz und Druck sind gut; nur der Wechseltext entspricht nicht in 
gleichem Masse den Anforderungen an Schärfe und Sauberkeit, wie die 
übrigen Arbeiten. — Ein Freund des Archiv. Vielen Dank für Zusendung 
der Raritäten. Sie werden die eine oder andere bald einmal im 
Archiv finden. — Herrn L. F. (Austria), Wien. Auch diese Arbeit 
findet unseren Beifall; wir werden Sie mit Ihrer Erlaubnis demnächst 
kopieren. - Herrn Gg. S., Plauen i. V. Alle gesandten Formulare sind 
mit grosser Sorgfalt entworfen, gesetzt und gedruckt. Wir können 
Ihnen nur Anerkennung zollen. Etwas mehr Einfachheit im Entwurf 
dürfte den Arbeiten noch zum Vorteil gereichen. -- Herrn Fr. S., Marburg. 
Auch diesmal können wir uns nur zufrieden aussprechen. — Herrn C. B. 
Saulgau. In der uns gesandten reichhaltigen Sammlung finden wir 
Manches, was uns voll befriedigt. Ihre Besuchsanzeige zeigt, dass 
auch Ihre lithographische Anstalt Vorzügliches leistet. — Herrn Dr. M. H's. 
Buchdruckerei, München. Die Weinkarte für die Festhalle zum 
Deutschen Turnfest ist wieder eine höchst geschmackvolle Arbeit. Wir 
zollen Ihnen unseren vollen Beifall. 



Inhalt des lo. Heftes. 

Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. — Einiges aus der Praxis 
und für die Praxis. — Deutsche allgemeine Ausstellung für Unfall- 
verhütung, Berlin 1889. — Schriftprobenschau. — Satz und Druck 
unserer Probeblätter. — Zeitschriften und Bücherschau. — Mannigfaltiges. 
— Annoncen. — Aceldenzmnster im Text: 4 Briefköpfe, 8 Geschäfts- 
karten, 3 Vignetten. — Beilagen : 1 Blatt Titel. — i Blatt Avis. — 
1 Blatt Diplom. 

Das Heft enthält im Ganzen 3 Bellagea. Für das Beiliegen der 
fremden Bellagen kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl nicht 
garantiert werden. 



Besugsbeclingungen fiir das Archiv. 

Bnoheliien : In 12 Monatsh^ten, (Heft 8 und 9 stets als Doppelheft) Jedesmal in 
der ersten Monatawoche. Bl^ Fflr komplette Lieferung, Insbesonde«« voH- 
standlge Beilairen, kann nur den vor Srscbelnen des 2. HefteB Kanzi&hrlff Abon- 
nierenden garantiert werden. » -v •» 

Besuffsquella : Jede Buchhandlung; auch direkt vom Verleger unter Kreuzband. 

Preis : M. 12^-, unter Kreuzband direkt M. 18,50 nach aoaserdentschen Landern 
M. 14,40. Nach komplettem Brschelneu Preis pro Band M. 15,— exkl. Porto. 

Aimonoen: Preis pro PetitzeUe 26, zweisp. 60, dreisp. 76 Pf. Bei hftuflser 
Wiederholung Rabatt Kostenanachlftge sofbrt. Beträge vor Abdruck zu 
zahlen, andemMls 26 Pf. ExtraffebOhr. Als Bele^ dienen Ausschnitte, 
Baleffhefte , wenn verlangt, kosten Je nach Ausstattung M. 1^— 2Ä) 



Bellaffen: Quartblatt M. 20. umfiingrelchereje nach Gewicht M. 26 etc. Aufl. 1660, 
n in Originalguss -finden Anwendung im Text und auf den Musterblättem 



^me Berechnung, doch wird bedungen, dass dieselben als Entscfafidlnuur 
für die durch die Aufnahme erwachsenden Mühen und Kosten Eigentum des 
Verlegers bleiben. Giesserelen, welche dies nicht wünschen, wollen sich 
besonders mit uns vereinbaren. 

Kllaohees von verwendeten Orifflnal-Platten geben wir ab, liefern auchTarbou. 
Bronsen , Papiere etc., wie wir solche benutzten ; von allen Diplomen haben 
wir Blankovonlrucke am Lager. 

Sohrtften, Blnfksaunffen etc. aller Giesserelen liefern wir zu Originalprelsen. 



Textschrift von Be^J. Krebs Nachf., Frankfurt a. M. Initialen von Otto 
Welsert, Stuttgart. Überschriften von Emil Berger, Leipzig, ünterrubrlken von 
Roos &, Junge, Ofltenbach a. M . Perl Antiqua und halbfe^ Aldlne Kursiv von 
J. O. Schelter a Glesecke, Leipsig. Gedruckt mit Farbe von Frev & Sening, Leipzig 
auf einer Schnellpresse von Klein, Forst ic Bohn Nachf., Jonannisberg a. lUi. 



-^m Mnnoncen. ^- 



Freislis-be 

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ist erschienen und steht Interessen- 
ten gratis und franko zur Ver- 
Ti^ung. 

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iin gute». 6i*ii*eit tvwb »ofiweHeK 
£lu!,^(\iumj von ^(tototiff\eti, 










Danksagung. 

Allen, die anlässlich meines 25Jähr. Berufs- 
jubiläums mich mit Gratulationen erfreut, sage 
ich hiermit meinen warm empfundenen Dank. 

Altenburg, 24. Aug. 1889. 

Albin Maria Watzulik. 



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Broiebaren, K>rtonn>gen etc. 



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Anwendang ans Emil Bergen ReDaJi»DCB-EinfaesiinE Mo, 560. 



Redigiert und herausgegeben von Alexander Waldow in Leipzig. -^ Druck und Verlag von Alexander Waldow in Leipzig. 



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OrlKinalsntE von 1. C. SrheLI«r C Gicsotkn. LelpTig. 



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HERAUSGEGEBEN VON 



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26. Band. 



1889. 



Heft 11. 



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Der ßantdrnck auf Bachdrnckpressen. 



356 



Der Buntdruck auf Buehdruekpressen 



tfftt 

Alexander Waldow. 

(ForUetzoD?-; 



lo* Die Reihenfolge der Farben 



Druck. 




ie Ordnung, nach welcher die bunten Farben 
im Druck aufeinander zu folgen haben , ist 
nicht Howohl wichtig in Bezug auf die 
Wirkung des fertigen Druckes, als auch auf Öko- 
nomie und Zeil. 

In Fällen , in welchen Bronzepulver, Blattmetall 
und Slaubfarben zur Ver-wendung kommen, geht 
dieser Druck den andern vor. Dies erklärt sich 
(ladurf^h , dass gewcihnlicher Druck dem Bronze- und 
Htaubdruck unmittelbar folgen kann, indem die Druck- 
farbe mit jenen Substanzen nicht in Berührung kommt ; 
würde der Staubdnjck dem Farbendruck folgen, so 
müsste jener vorher vollständig trocken sein, wenn 
sich sonst der Staub nicht an der frischen Farbe 
anhängen soll. Lässt es sich nicht umgehen, dass 
das Bronzieren nach dem Farbendruck geschehen 
muss, so reibe man, falls der vorausgegangene Farben- 
drucrk nicht ganz trocken, die Bogen mit einem etwas 
transparenten Pulver, z. B. Specksteinpulver, ein, das 
dann wieder abgestäubt wird; auf der glatten, sich 
etwas fettig anfühlenden äusserst feinen Schicht bleibt 
Staub schwerer hängen, selbst wenn die Farbe noch 
ni(^ht ganz getrocknet ist. Freilich benimmt dieses 
Pulver den Farben leicht das Feuer. 

P^ine andere Reihenfolge ist darauf basiert, dass 
manche Farben dunkel, andre wieder transparent 
sind. Die feststehende Regel ist, dass die transparenten 
(lasierenden) Farben den dunklen folgen, weil die 
erstem die letztern durchscheinen lassen und sie 
mildern sollen. 

Ans diesem Grunde werden die transparenten 
Farben gewöhnlich auch als die die Arbeiten 
vollondondon zuletzt gedruckt. 

Forner wird die Aufeinanderfolge der Farben 
(hidnrcli bedingt, wenn eine Farbe einen veränderten 
Ton erhalten soll; z. B. gibt Berlinerblau auf Chrom- 
^(»Ib ein dunkles kaltes Grün, in umgekehrter Auf- 
einanderfolge dagegen wird ein warmes und helleres 
(trün erzeugt. Ahnlich verhält es sich mit Karminlack 
auf Blau, der ein schönres Purpur gibt als umgekehrt. 
Kür [)osilive Farben ist allgemein folgende Reihen- 
folge angenommen: 1. Bronze- oder Staubfarben, 
2. blaue, il rote, 4. gelbe und 5. Kontur- oder 
Volleiulungsl'arben. 

In Bezug auf die Transparenz sei noch bemerkt, 
dass jene Farben, welche in der Masse dunkel 



erseheinen, gewöhnlich transparent sind und sich 
deshalb zu Vollendungsfarben eignen^ während jene, 
welche in der Masse wie auf dem Papier den gleichen 
Ton zeigen, undurchsichtig sind. Doch gibt es einige 
Ausnahmen, so z. B. rote Sienaerde und Smaragdgrün. 

Die transparenten oder lasierenden Farben sind 
insbesondre beim Kunstdruck von hoher Wichtigkeit, 
weil sie zur weichen Tönung des Bildes, sei es ein 
Porträt, eine Landschaft, ein Genrebild etc. beitragen. 

Als lasierende Farben sind zu empfehlen Itir 
Blau: Miloriblau; für Gelb: Kadmium oder gelber 
Lack: für Rot: Karmin- oder Krapplack; für Grün: 
Milori mit Kadmium oder mit gelbem Lack gemischt ; 
für Violett: Karmin- oder Krapplack mit Miloriblau. 
Die lasierenden Farben müssen mit dünnem Firnis 
angerieben werden. Farben , welche von Natur aus 
deckend wirken, werden zum Lasieren geeignet, wenn 
man Magnesia zusetzt, ein Verfahren, das aber für 
bessern Farbendruck nicht empfehlenswert ist, weil 
der Abdruck stumpf erscheint, zumal wenn schon 
andre Farben darunter liegen. 

Es konnten hier nur die Hauptprinzipien der 
Aufeinanderfolge der Farben angedeutet werden; in 
so manchen besondern Fällen, wie sie in der Praxis 
bisweilen vorkommen, muss es der Einsicht und 
Erfahrung des Zeichners oder Druckers überlassen 
bleiben, die zum gewünschten Zw^eck führende Wahl 
zu treffen. 

Was ferner den Einfluss des Papiers auf die 
Farben betriffl, so sei folgendes darüber bemerkt: 
Die schwarze Farbe erscheint auf weissem Papier 
schwärzer und kälter als auf ins Gelbliche stechendem 
Papier, w^ährend sie auf zu gelbem matt und ohne 
Feuer erscheint. Besonders gut hält sich die Farbe 
auf holzfreiem Druckpapier, das nicht zu stark satiniert 
ist. Stark satiniertes Schreibpapier beansprucht eine 
konsistentere Farbe. Holzpapier wirkt selbstver- 
ständlich durch seine licht- und luflempfmdlichen 
Bestandteile demoralisierend auf die Farbe. Matte 
Glaceepapiere lassen die Farben zu brillanter Wirkun 
kommen. 



S 



II. Das Drucken auf der Handpresse. 

Zum Drucken auf der BuehdrucTchandpresse 
benutzt man am besten nicht zu frische und nicht zu 
w^eiche Walzen; in vielen Fällen ist sogar eine ältere, 
harte Walze meist verwendbarer, wie eine solche, 
welcher man, als besonders elastisch, für Schwarz- 
druck den Vorzug geben würde. Zu beachten ist 
beim Buntdruck ferner noch mehr wie beim Schwarz- 
druck , dass man die Walze fortwährend tüchtig auf 
dem Farbestein reiben muss, wenn die Farbe immer 
geschmeidig und bestens deckend bleiben soll. 



357 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



358 



Die Anwendung von Aufwalzstegen neben der Form 
ist geraten; man gibt der Walze dadurch eine sichere 
und leichte Führung über die Form und verhindert 
ihr Einsinken in die leeren Räume derselben, auf 
diese Weise dem Vollschmieren vorbeugend. 

Ist es beim Schwarzdruck schon nötig, mit einer 
ganz gleichmässig und nicht zu dick mit Farbe ein- 
geriebenen Walze o/* über die Form zu gehen , um 
einen gut gedeckten, dabei reinen Druck zu erzielen, 
so ist dieses Verfahren beim Buntdruck erst recht 
zu beachten, wenn man ein zufriedenstellendes Resultat 
erzielen will. Es gibt Buchdrucker genug, welchen es 
nie gelingt, Farben frisch und rein wiederzugeben; 
der Fehler liegt zumeist lediglich in dem Umstände, 
dass man die Farben mangelhaft anrieb, mit einer 
schlechten, schmutzigen Walze druckte oder aber 
beim Auftragen in nachlässiger Weise verfuhr. Dass 
man die auf der Handpresse zu verdruckenden bunten 
Farben gleichfalls stärker anreiben kann, wie die, 
welche auf der Schnellpresse Verwendung finden, ist 
schon im Kapitel über das Anreiben ausführlich 
erwähnt worden. 

Die Formen, welche zum typographischen Bunt- 
druck zur Verwendung kommen, werden in vielen 
Fällen gesetzte sein, demnach in Bezug auf das 
Schliessen, Einheben und Zurichten derselben Be- 
handlung bedürfen, wie jede andere Form. 

Dass der Stand der, für die verschiedenen Farben 
nötigen Sätze in der Form auf das Genaueste vom 
Setzer reguliert sein muss, ist, wie bereits erwähnt 
wurde, Hauptbedingung für die gute Ausführung eines 
Buntdrucks. Auch extra hergestellte feste Platten 
erleiden dieselbe Behandlung, wie gesetzte Formen, 
es sind ausserdem für sie aber noch alle die Regeln zu 
beachten, welche man beim Druck von Illustrationen 
zu befolgen hat. 

Man hat beim Farbendruck vor Allem dafür zu 
sorgen, dass jede Farbenplatte oder -Form oben und 
an der Seite , welche nach dem Mittelstege zu steht, 
mit einem Anschlag von 2 — 3 Reihen Durchschuss, 
etwa Achtelcicero, Viertelpetit und Viertelcicero, am 
besten auch mit einem oder zwei Kartenspänen ver- 
sehen wird, damit man imstande ist, dieselbe nach 
allen Richtungen zu verrücken und so ein schnelleres 
Regulieren des Registers bei mehrfarbigen Druck zu 
ermöglichen. 

Druckt man mehrere Platten resp. Bilder mit ein- 
mal, insbesondere Platten, die zu einer in viele^i Farben 
herzustellenden Arbeit gehören, so ist es von grossem 
Vorteil, tuv jede Platte eine eigne, etwa 8 mm starke 
kleine eiserne Rahme zu benutzen und die Platten 
hier gleichfalls mit dem nötigen Anschlag von Durch- 
schuss und Kartenspänen einzukeilen. Sind diese 



kleinen Rahmen dann in einer grossen gewöhnlichen 
Rahme angemessen geschlossen und das Register 
annähernd reguliert worden , so wird dann der voll- 
Jcommne Stand jeder Platte nur noch in der kleinen 
Rahme reguliert. Dass dies eine sehr praktische 
Einrichtung ist, wird Jedem einleuchten, der sich mit 
Buntdruck beschäftigt. Das Einlegen eines Karten- 
spans an eine der Platten einer auf gewöhnliche Weise 
geschlossenen Form , ferner ein nur um ein geringes 
kräftigeres Antreiben derselben etc. bringt oft alle 
andern Flattert aus dem richtigen Stande. 

Bei der hier beschriebenen Einrichtung fällt dieser 
Übelstand vollständig weg, denn die kleinen Rahmen 
behalten immer ihren genauen und festen Stand und 
jede Platte wird , ohne die andern in Mitleidenschaft 
zu ziehen, für sich reguliert. 

Betreff der zu verwendenden Punkturen sei 
folgendes bemerkt: man benutzt jetzt meist die so- 
genannten Einsetzpunkturen. Diese werden nicht am 
Deckel angeschraubt, sondern im Innern desselben 
durch den Überzug durchgesteckt und durch Über- 
kleben mit Papier festgemacht. Auch auf dem Deckel 
lassen sie sich leicht durch Überkleben befestigen: 
Meistenteils bestehen sie aus Stahlspitzen, 
welche in ein möglichst kleines und 
schwaches Stück flachen Eisens oder 
Messing festgelötet sind. Am verwend- 
barsten für diesen Zweck sind die so- 
genannten Reissbrett- oder Heftzwecken in 
nebenstehender Form. 

Diese Einsete- oder besser gesagt Au/kleb- 
Punkturen lassen sich mit grossem Vorteil verwenden, 
da man bei komplizierten Drucken mit Leichtigkeit 
mehrere derselben aufkleben, sich demnach für den 
mehrmaligen Druck einer Arbeit in verschiedenen 
Farben hinreichend das gute Passen sichern kann, 
weil man den Bogen eventuell nicht blos in zwei, 
sondern in vier Punkturen einlegt. 




Fig. 5. 
Aufkleb- 
punkiur. 



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i 



Figur 6. Figur 7. 

Punkturen, in die Form zu setzen. 

In vorteilhafter Weise werden auch Punkturen 
angewendet, welche man in die erste Form setzt und 
beim Druck derselben mit in den Bogen einstechen 
lässt. Es hat dieses Verfahren den Vorteil , dass der 
Bogen sich leichter von dem Deckel ablösen lässt, 
was weniger gut der Fall ist, wenn die Punkturen in 
mehreren Exemplaren auf dem letztern aufgeklebt 

21* 



Der Bantdraek auf Boebdradipmaen. 



worden »ind. Man benutzt dana je nach Bebeben 
oder natrh ErrurdemJH ein boch oben nod unten (ör 
je üwei oder jedesmal ein neoes Loeh fär jeie der 
aufzudruckenden Fonnen. 

Diese in die Form einzosetzenden Punktumi 
bestehen am besten aas einem, dorc-h Klopfen am 
Fuss reichlich scbriflhocb gemachten Stück feiner 
Messinglinie, in welche man mittelst einer (..aubsäge 



Maschine Uebt, exakt nmde, schüfe Löcber anf- 
pressL die sieb bei den «eiteren Fonnen pataa in 
dazu gehörige sttnnpfe. der Rnndim; des LtxAies 
entsprechende Stille k^en lassen- Aach zum Ein- 
schrauben in den Mittelsteg hat Friebel Schl^pnnk- 
tnrai gefertigt. Man kann sich natnrbcfa eine gross«« 
Anzahl solcher Löcher einstdilagen. damit man für 
jede Farbe andere Löcher rerwenden kann. 



nL-R«f . Nt. 1 



einzelne Spitzen eingeschnitten hat (s. Fig. 6). Eine 
andore Art besteht aus einem, in ein Geviert ein- 
goKOHsenen SlÜck Nadel (s. Fig. 7). 

An den Schnellpreasenrahmen, seltener 
an PrcsHenrahmen, (indet man im Mittelsteg 
eine Kinrichtung zum Einschrauben von 
l'unkturen; man kann also auch auf diese 
Weise solche beim ersten Druck vorstechen 
liiHsen. 

Eine neue Art Punktur ist die Friebel- 
scJie Schlagjmnktur, dargestellt durch neben- 
stehende Figur K. Diese in die Form eingesetzte 
l'iinklur gleicht einem scharfen Schlageisen, das 
durch den Druck des Tiegels etc., verstärkt durch 
ein feines Zink- oder Bleiplättchen , welches man 
auf den Deckel der Presse oder den Zilinder der 



Figur 8. 
Schlaf. 



Kommt auf genauestes Passen zweier der Farben 
einer Arbeit zueinander mehr an, wie auf das der 
übrigen zu jenen, weil etwa die Konturen sich nicht 
genau schneiden , also DifTerenzen im Register nicht 
so leicht bemerklich sind, so sticht oder schlägt man 
sich für die zweite jener Farben erst Löcher mit der 
ersten ein, auch wenn man bereits andere Farben 
vordruckte und Punkturen vorstach. 

Im Laufe des Drückens solcher Buntdruckformen 
ist auf exaktestes Punktieren zu achten, denn das 
geringste Verziehen des Bogens in den Punkturen 
führt ein schlechtes Passen herbei. 

Das Eeinigen der Formen während des Drückens 
wird, je nach deren Zusammensetzung oder Aus- 
fuhrung und je nach der zur Verwendung kommendeu 
Farbe, ein mehr oder weniger häufiges sein müssen 



861 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



362 



Aus zarten Einfassungen zusammengesetzte Unter- 
druckplatten, Sätze mit vielen kleinen zarten Schriften, 
guillochierte Platten, Platten mit vertieft eingravierten 
feinen Linien, sowie zart geätzte Platten, insbesondere 
Autotypien werden sich eher vollschmieren , wie die 
in anderer und für 
den Druck geeigne- 
terer Weise geschnit- 
tenen oder geätzten 
Platten. Man wird 
die ersteren deshalb 
häufig, letztere weni- 
ger häufig mit Ter- 
pentin oder Benzin 
mittelsteiner kleinen, 
weichen Bürste reini- 
gen müssen. Die Be- 
nutzung von Lauge 
ist nicht zu empfehlen. 
Vorteilhaft bei 
Benutzung solcher 
flüchtiger Waschmit- 
tel ist die aus Blech 
gefertigte Flasche un- 
tenstehender Form. 
Sie gestattet ver- 
möge eines eigenen 
Mechanismus nur 
den Ausfluss eines 
kleinen Quantums, 
man verschwendet 
also kein Benzin oder 
Terpentin und be- 
nutzt nebenbei ein 
feuersicheres Gefass. 
Selbst Platten, 
welche sich reiner 
erhalten, müssen un- 
bedingt des Mittags 
und des Abends am 
Schluss der Arbeit 
säuberst gewaschen, 
mit einem weichen 
Lappen überrollt, 

nicht gerieben werden und sind es Holzschnitte, wäh- 
rend des Ruhens der 
Arbeit beschwert wer- 
den, damit sie sich nicht 
ziehen. Das Waschen 
geschieht in vorsichtig- 
ster, massigster Weise mittelst Terpentin oder Benzin, 
damit die Platten sich in ihren Dimensionen nicht 
verändern. Platten von Zink und Blei wäscht man 




y y jjt» »» »» ♦y yyyyyfg 



Einfassung von Otto Weisert, Ornamente von Emil Berger, Mongramm von 
Julius Klinkhardt, Programm von Ludwig & Mayer. Textschrift von 

Brendler ft Marklowsky. 




Fig. 9. 
Benzinflasche. 



am besten ebenfalls mit Benzin und poliert sie nicht 
nur auf der Oberfläche , sondern auch an den Rän- 
dern wieder ganz blank; versäumt man dies, so teilt 
sich der Farbe leicht ein unreiner, grauschwarzer 
Ton mit, der schwer wieder zu entfernen ist. 

Durchaus gebo- 
ten ist ferner, die 
Walze und auch 
den Farbestein min- 
destens Abends zu 
reinigen. Man schiebt 
den auf dem letzteren 
ausgestrichenen Far- 
benvorrat mit der 
Ziehklinge sorgsam 
in eine hintere Ecke 
des Steines und 
wäscht den Stein mit 
Terpentin ab. Nötig 
ist es zumeist, die 
Farbe vor dem Be- 
ginn der Arbeit wie- 
der durchzureiben, 
damit sie die gehörige 
Geschmeidigkeit er- 
langt. 

Werden Formen 
mit kräftig in der 
Farbe gehaltenen 
Partien oder grösse- 
ren Schriftgraden 
und Einfassungen 
gedruckt, so ist es 
durchaus nötig, die 
Drucke mit Makula- 
tur zu durchschiessenj 
damit sie sich nicht 
aufeinander abzie- 
hen. Man lasse sie, 
ehe man sie wieder 
ausschiesst, erst voll- 
ständig zwischen 
Makulatur trocknen, 
denn wenn sie selbst 
mehrere Tage dazwischen gelegen haben, ziehen 
sie sich oft noch aufeinander ab, wenn die Farbe 
nicht ganz genügend getrocknet ist. 

(Fortsetzung folgt.) 



863 



Einiges aus der Praxis und für die Praxis. 



364 




Einiges aus der Praxis 

und für die Praxis. 

Von A. M. Watzulik. 
(Forselzans.) 

>as Arbeiten mit verschiedenen Kegelsystemen 
erfordert viel Geduld und Erfahrung, auch die 
grösste Peinlichkeit und viel mehr Zeitaufwand bei 
Anfertigung von Buntdruckarbeiten, was für alle 
neu einzurichtenden Buchdruckereien eine Warnung 
sein sollte. 

Zu Tonplatten verwende ich entweder Glanzpappe 
oder Celluloid, seltener Blei und Buchsbaumholz. 
Die gang und gäbe verbreitete Ansicht, dass Glanz- 
pappe des Abreissens wegen nicht taughch wäre, ist 
nicht stichhaltig, denn in den langen Jahren habe ich 
mit Glanzpappe mit Ausnahme einiger Fälle, wo aber 
dieselbe durch Zukleben sofort wieder brauchbar 
gemacht wurde, stets günstige Ergebnisse erzielt, und 
der Umstand, dass die Pappe überaus billig ist, sich 
leicht bearbeiten lässt und sowohl in der Handpresse 
und Tiegeldruckpresse als auch in der Schnellpresse 
gedruckt werden kann, fällt doppelt ins Gewicht. 
Um Figuren, z. B. Stäbe, Sterne, Kugeln etc. auf 
Glanzpappe herzustellen, genügt das Stampfen mit 
einem stumpfen metallenen Instrument — jedoch mit 
einiger Vorsicht, damit keine rauhen Kanten ent- 
stehen. Die Herstellung der Pappenplatten geschieht 
in folgender Weise: Auf Eichenholz wird als erste 
Decke gewöhnliches Papier, als zweite Decke Glanz- 
pappe, die den gebrauchten, aber nicht rissigen ent- 
nommen werden kann, sodann als dritte dieselbe 
Pappe und schliesslich ungebrauchte tadellose Pappe 
nacheinander mit gutem , sandfreiem Buchbinderleim 
aufgeklebt und ebenso nacheinander in der Handpresse 
oder, falls solche nicht frei ist, der Kopierpresse oder 
ähnlichen Presse gepresst und etwa V^ — 1 Stunde 
festgehalten. Die weisse unterste Papierfläche hat den 
Zweck, das tiefere Schneiden zu verhüten; der Holz- 
slock selbst kann dann immer wieder neu beklebt wer- 
den. Bei grossem Format empfiehlt es sich, den Holz- 
slock mit starken, faserig diametral laufenden Leisten 
einfassen zu lassen, um dem Biegen vorzubeugen. 

Die Celluloidplatten benutze ich für Gravierung 
oder SchralTierung; erstere wird mit Sticheln und 
letztere auf der sogenannten Friebel-Hobelmaschine 
mit Leichtigkeit hergestellt; nur muss die Platte stets 
auf Höhe und Fläche geprüft werden, da dieselbe 
trotz besonderer Holzunterlage sich ein wenig biegen 
kann und für diesen Fall auf der Maschine sich nicht 
bearbeiten lässt. Selbstredend müssen Glanzpappen 
sowohl als auch Celluloidplatten an trockenem, von 
Temperaturw^echsel freiem Ort lagern. Celluloidplatten 



dürfen im Winter nicht aufgezogen werden, wegen des 
für Holz nachteiligen Temperaturwechsels; es ist 
daher der Bezug im Sommer zu empfehlen. Über- 
haupt halte ich Celluloidplatten wegen ihrer grossen 
Ausdauer trotz hohem Preise für die geeignetsten von 
allen anderen (nach 200000 Druck zeigte beispiels- 
weise eine fein schraffierte Platte in der Grösse von 
etwa 2 : 5 cm auf der Bildfläche noch einige Schärfe) ; 
zudem lassen sich die gebrauchten Platten für andere 
Arbeiten noch weiter verwerten. 

Jedenfalls dürfte es bekannt sein, dass in Amerika 
an Stelle des Buchsba^mholzes die Celluloidplatten zu 
Illustrationen mit Vorliebe verwendet werden. 

Auf der Friebelschen Hobelmaschine lassen sich 
auch Blei- oder Messinglinien in beliebiger Weise 
schraffieren. 

Ferner steht mir ein gewöhnlicher eiserner 
fJnienhobel mit 6 Einschnitten für Gehrungen zur 
Verfügung; auf diesem scheinbar einfachen Instrument 
habe ich durch Übung und Handhabung, in erforder- 
lichen Fällen mit Anwendung von ge>vöhnlichen 
Messinglinien zum Andrücken, die mannigfaltigsten 
Stücke herzustellen vermocht, z. B. die Diagonalstücke 
von 4 Punkt- bis zur 3 Cicero-Stärke. 

Eine sogenannte Linienschneidemaschine steht 
mir nicht zur Verfügung; dem gewöhnlichen Linien- 
hobel gebe ich indes den Vorzug, weil auf letzterem die 
kleinsten Stücke hergestellt werden können, während 
auf dem ersteren Instrument dieselben leicht knicken. 
Um von kleineren Blei- oder Messinglinienstücken 
Gehrungen zu erzielen, gebrauche ich die sogenannte 
breite flache Lippenzange und eine mittlere Feile; in 
nach Bedarf mehr oder minder schräger Richtung 
bearbeitet die Feile die in der Zange fest eingeklemmten 
Linien auf der Längsseite gleichmässig. Schraubstock, 
breite Feile, Rundfeile und Säge dürfen auch nicht 
fehlen. Die Feile spielt bei mir eine nicht unw^esent- 
liche Rolle, da mit diesem einfachen Hilfsmittel unter 
Zuhilfenahme von Linien allerlei Stücke in jeder 
Grösse und jeder Form sich herstellen lassen; natür- 
lich gehört auch hierzu die richtige Handhabung. Ich 
pflege das zu bearbeitende Blei- oder Holzstück unter 
Anstemmung mit Ahle und Fingern auf der horizontal 
gehaltenen breiten Feile hin- und herzuschieben: die 
gewünschte Stärke oder Form wird durch Einfügen 
in den Winkelhaken geprüft. Hauptsache ist aber — 
wie bereits mehrfach bemerkt — die Handhabung, 
von welcher das Gelingen abhängt. Dieselbe will aber 
durch Übung gelernt sein. Um die kleinsten Diagonal- 
stücke zu erhalten, brauchen behebige Gevierte, 
naclidem dieselben etwas an der Kante abgehobelt 
oder abgefeilt worden sind, auf die Vertiefung zwischen 
zwei halbgegehrten, angeschlossenen Bleilinien gelegt 



865 



Einiges aus der Praxis und für die Praxis. 



366 



und mit der Feile bis auf die Fläche der Linien bear- 
beitet zu werden; die Vertiefung zwischen den Linien 
kann nach Bedarf durch Stärke und Gehrung 
derselben vergrössert oder verkleinert werden. Zur 
Veranschaulichung diene das nachstehende Bild. 

u a 




Geviert (a) liegt in der Vertiefung (d) zwischen 
zwei halbgegehrten zusammengestossenen Linien (bc) 
und die Feile wird über das Geviert solange hin- und 
hergeschoben, bis dieselbe die Oberfläche der Linien 
erreicht. Wenn das so erzielte Diagonalstück der 
beabsichtigten Stärke nicht entspricht und kleiner 
gewünscht wird, so brauchen nur die beiden Linien 
an der gegehrten Stelle nach Bedarf wagerecht abge- 
hobelt zu werden, so dass dadurch die Vertiefung 
kleiner wird. Auf solche Weise habe ich Diagonal- 
stücke in der Stärke von V* Petit bis Petit mit 
Leichtigkeit herstellen können. 

Vor mir steht stets ein mit Wasser gefülltes 
Blechbecken zu dem Zwecke, Sätze auf Schiffen durch 
Anfeuchten des zu setzenden Materials haltfahig zu 
machen. Auf horizontal liegendem Schiff arbeitet es 
sich bekanntlich viel schneller, als wenn auf schräg 
liegendem Schiff gesetzt wird. Der Hauptvorzug der 
ersteren Methode liegt darin, dass die Einfassung 
gleichzeitig von vier W^inkeln aus nach innen gesetzt 
werden kann und, falls mehrere Kolumnen init gleich- 
artiger Einfassung in Bestellung gegeben w^erden, auf 
grösserem Schiff oder mehreren kleineren Schiffen 
die Einfassung in erforderlicher Anzahl zu gleicher 
Zeit sich herstellen lässt, was gegenüber dem Nach- 
einandersetzen einzelner Kolumnen viel Zeitersparnis 
aufweist. 

Bei allen Arbeiten ziehe ich die üblichen Satz- 
regeln stets erst in Erwägung und berücksichtige 
dabei die Raumverhältnisse, um die Gewinnung eines 
guten Aussehens im voraus sicherzustellen. 

Um aber die Einheitlichkeit und die Eigenartig- 
keit in den Sätzen zu wahren, leite ich die mir unter- 
gebenen Kräfte (in hochgehender Zeit 10 — 12 Mann) in 
folgender Weise an: Je nach Individualität oder Be- 
fähigung der Setzer mache ich auf einem Blatt Papier 
kurze Skizze und nähere Angabe inbetreff des zu 
nehmenden Materials. Auf diese Weise geht jede 
Arbeit viel rascher von statten , als wenn nur münd- 
lich angegeben wird, denn alles Mündliche ist leicht 
vergessen oder verursacht leicht Verwechselungen 
oder Missverständnisse. Wenn alle Bestimmungen 
bezüglich des Schrift- und Einfassungsmaterials mit 
Verstand befolgt werden, kann dann die Absicht, in 



Arbeiten einen einheitlichen Stil erscheinen zu lassen^ 
zur vollen Geltung gelangen. 

Gleichwie das Setzen, kann das Ablegen als 
Prüfstein der Befähigung resp. Schnelligkeit betrachtet 
werden. Die Ansicht, dass das Ablegen nicht bildend 
wirken könne, ist eine irrige; gerade für junge streb- 
same Setzer oder Lehrlinge steckt in den abzulegenden 
Sätzen — ich rede hierbei natürlich von Accidenzien 
— oft eine wahre Fundgrube für Erweiterung der 
technischen Kenntnisse; oft sind es Sähe, die eine 
weit bessere Anleitung geben können, als die vielen 
Lehrbücher, denn die Sätze mit den Geheimnissen 
ihrer Bauweise liegen dem prüfenden Auge vollständig 
offen. Noch ein weiterer Umstand kommt in Betracht, 
dass die consequenterweise durchgeführte Schnellig- 
keit im Ablegen zur Gewohnheit wird und dem Setzer 
unendlich viel zu Gute kommt. Die Art und Weise, 
wie abgelegt werden soll, hängt von Umständen ab. 

Das Sichgehenlassen bei der Arbeit habe ich in 
den langen Jahren an vielen Setzern wahrnehmen 
können; das Übel kann leicht verhängnisvoll werden 
und sollte deshalb energisch bekämpft werden. Die 
Gedankenlosigkeit ist ebenso ein Übel. Viele arbeiten 
ohne an die Arbeit selbst zu denken oder auf dieselbe 
Acht zu geben und der Satzregeln zu gedenken, wo- 
durch oft hässliche Fehler bei der Korrektur zum 
Vorschein kommen und so den Mangel an Aufmerk- 
samkeit verraten. 

Die Typographischen Gesellschaften wirken 
segensreich, können aber den Kollegen an Orten, wo 
solche nicht bestehen, nicht viel nützen, da ihnen die 
instruktiv gehaltenen Vorträge und die kostbaren 
Sammlungen nicht zugänglich sind. Um diesem Übel- 
stande einigermassen abzuhelfen, sollten strebsame 
Kollegen, auch wenn sie klein in der Anzahl sind, sich 
zusammenthun und in der Woche an einem Abend 
gegenseitigen Memungsaustausch veranstalten oder 
sich durch Vorlegung von mustergiltigen Drucksachen 
Anregung verschaffen. Die Artikel aus den Fach- 
journalen sollten öfters vorgelesen und zur Debatte 
gebracht werden. 

Es ist, ehe ich zum Schluss gelange, noch hervor- 
zuheben, dass Viele glauben, durch Anleitung etwas 
lernen zu können, aber nie bedenken, dass ohne rechte 
Neigung zum Beruf jede Anleitung von vornherein 
unfruchtbar ist und bleibt; dass ich aber in den Lehr- 
jahren keine ordentliche Anleitung genossen, trotzdem 
mir das Fehlende durch Privatstudium anzueignen 
vermocht und bis auf den heutigen Tag weiter zu 
lernen gesucht habe, ist wohl geeignet, Stoff zum 
Nachdenken zu geben und zu mahnen, das Selbst- 
lernen mit Fleiss zu pflegen und dann auch mit Lust 
zu arbeiten. 



367 



Einiges aus der Praxis und tut die Praxis. 



Sollen besonders feine Arbeiten, bunt oder 
einfarbig, angefertigt werden, so entwerfe ich stets 
Skizzen in Tinte und Wasserfarben ausser der 
Gei^chäflszeit zu Hause; im Geschäft selbst habe 
ich zu derlei Arbeiten niemals Zeit finden können. 
Die omamentale und farbige Wirkung sind immer 
reiflich zu erwägen, ehe man daran geht, die Zeichnung 
vorzunehmen. Eine ganz flüchtige Bleistiftskizze auf 
gewöhnlichem Papier genügt, um etwa aufkommende 
Ideen festzuhalten, undistmaninbetreffder figuralen 



wie bei dem übrigen ornamentierten Teil, mit Ton- 
farben versehen sein, Das nicht ornamentierte Feld 
hat den Zweck, dem Drucker als Anhalt für Bereitung 
der erforderlichen Tonfarben zu dienen. Ein Drucker, 
der sein Amt versteht, muss auch die Intentionen des 
Zeichners resp. Setzers verstehen können, voraus- 
gesetzt jedoch, dass der Setzer vor Allem bezüglich 
der Farbenharmonie firm ist. Mein Drucker hat bis- 
her verstanden, alle meine Absichten mit den seinigen 
in Einklang zu bringen , so dass die Arbeit stets flott 




Einfusnng von N( 



ift«D von diversen GUsserelan. Noten v 



und linearen Zusammenstellung und der Anwendung 
von Farben ins Reine gekommen, so tbut man gut, 
rasch an das Werk zu gehen und vorläuHg alles 
Festgestellte in Bleistift auf Karton, natürlich nach 
gewünschtem Format, sorgfältig auszuführen. Ist es 
noch Tag und die Arbeit eilig, so ist es nötig, die 
Farben sofort in Bereitschaft zu setzen; natürhch ist 
es praktisch, sie erst durch Aufpinselung auf gewöhn- 
liches Papier auf ihre beabsichtigte Wirkung und 
Nuance zu prüfen. Abends lässt sich dann mit Hilfe 
dieser filr Tageslicht berechneten Farbenentwürfe 
die in Bleistift leicht ausgeführte Zeichnung mit den- 
selben Farben bearbeiten ; die Tonfarben gehen stets 
vor und die Konturfarben werden zuletzt aufgetragen. 
Immer muss ein kleiner Teil der Skizze, am besten 
rechts unten, von der Zeichnung frei bleiben, dafür, 



von statten gehen konnte. Neue Druokproben aber 
sind, falls die Skizzen den Beifall des Bestellers 
linden, überflüssig und der Druck braucht dann nur 
nach der Skizze oder nach etwa nötiger Modilikaüon 
derselben ausgeführt zu werden, was nicht un- 
wesentliche Zeitersparnis erzielen lässt. 

Eis ist ferner empfehlenswert , immer zwei 
verschiedene Skizzen für eine Arbeit zu liefern, 
zu dem Zwecke, dem Besteller die Wahl zu er- 
leichtern. In dieser Hinsicht habe ich stets mit Er- 
folg gearbeitet. 

Bezüglich der Farbenzusammenstellung verweise 
ich auf die zu Eingai^ dieses Artikels geäusserten 
Bemerkungen. 

Falls eine Arbeit zum Buntdruck gelangen soll, 
pflege ich des guten Registers wegen das zunächst 



Schriftpro benscbau , 



370 



zum Druck gelangende Satzgebilde durch Unterlage 
zu erhöhen, so dass, wenn besondere Formen nicht 
erforderlieh sind, mit Ausnahme der Tonplatten nur 
eine Form nötig ist. Der Umstand, dass in der 
Druckerei zwei verschiedene Kegelsysteme zur An- 
wendung gelangen, lässt die Unterlage um so em- 
pfehlenswerter erscheinen. Nur, wenn eine grosse 
Auflage besondere Formen erfordert, erweist sich die 
Unterlage natürlich nicht praktisch und wird in diesem 
Fall die Vervielfältigung des Satzes auf dem Wege 
der Stereotypie nötig. 

(Forlseliiing Tolgl.) 



liest, also die Augen weniger angreift wie die meisten 
unserer zart gehaltenen Antiquaschriften. Trotz dieses 
markigen Schnittes zeigt sie doch elegante, gefällige 
Formen, die durch die E.\aktilät des Schnittes so 
recht zur Geltung kommen. Wir zweifeln nicht, dass 
diese Anti({ua bald und vielfach Verwendung für 
solche Werke finden wird, von denen der Verleger 
erwarten kann , dass sie nicht nur als elegante Aus- 
gaben eine Zierde des Büchertisches sein, sondern 
wirklich und viel gelesen werden sollen. 

Ein ebenso brauchbares und gediegenes Er- 
zeugnis ist die Halbfette Mediaeval Antiqua, in der 
uns die Giesserei in Wirklichkeit eine passende Aus- 
zeichnungsschrift für aus Mediaeval gesetzte Arbeiten, 
seien es Werke oder Accidenzien, schuf. Wie unsere 



Gotische Initialen von Bei^. Krebs HacM. in Frankfurt a. H. 



ßBKßS 



Sehriftprobensehau. 

^^it ganz besonderer Freude und Genugthuung 
^fi® möchten wir heute unsere l.eser auf das soeben 
au^egebene 18. Fortsetzungsheft der Schriftproben 
der Schrißffiesserei FUrisch hinweisen. Man ist zwar 
von dieser Firma gewöhnt, dass ihre Hefte stets eine 
grosse Zahl schöner und gediegener Originalerzeug- 
nisse enthalten, das vorliegende Heft imponiert uns 
aber ganz besonders durch die Fülle wahrhaft prak- 
tischer und gefälliger Schriften und ebensolcher, dabei 
wirklieh ansprechender Einfassungen, Vignetten etc. 
Gleich zu Anfang des Heftes lallt uns eine 
Framösisclie Antiqua und Kursiv durch ihren exakten, 
kräftigen Schnitt auf; es ist eine Schrift von der man 
sagen kann, >sie ist eine Wohlthat für die Augen«, 
weil sie sich durch ihre kräftigen Grundstriche leicht 



Leser wissen werden, mangelten uns bisher wirk- 
lich passende, nicht zu massig oder zu leicht er- 
scheinende Auszeichnungsschriften für Mediaeval; 
diese neue Flinschsche dürfte ohne Zweifel sehr 
willkommen geheissen werden, da man sie auch 
in Anbetracht ihrer eleganten Formen als eine höchst 
verwendbare, ansehnliche Accidenzschrift bezeichnen 
kann. Wir linden in dem fraglichen Heft Proben 
dieser Schrift von Petit bis Kanon, 

Von Schreib- und Zierschrißen bringt das Heft 
eine grosse Zahl solcher, die die Bezeichnung originell 
verdienen. So eine Magere und eine Halbfette 
Mediaeval-Schreibscbriß, eine Rokoko-Skript, Yankee- 
Skript, ferner eine sich durch Häkchen an den 
Grundstrichen auszeichnende Zierschrift u. A. m. 
Den grösslen Teil dieser Schriften haben wir unseren 
Lesern bereits auf der Schriftprobenschau und den 
Proben unseres Archiv vorgeführt. 



371 



Schriftprobenschau . 



372 







Ü 



Besonders reichhaltig und gediegen sind die 
Einfassungen in dem Heft vertreten. Ein Blatt mit 
Buntdruckeinfassungmi enthält eine Anzahl solcher 
in höchst praktischer Ausführung, denn eine jede 
besteht nur aus wenigen leicht und gut zu ver- 
wendenden Figuren, so dass dem Setzer keine 
Schwierigkeiten erwachsen. Ihre Zeichnung ist fast 
durchgehend eine kräftige, so dass sie auch dem 
Drucker keine besonderen Umstände verursachen 
und sich überall in wohlthuender Deutlichkeit zeigen. 

Eine reizende, sehr verwendbare No\'ität bilden 
auch die Gotischen Feder züge. Ihre schöne , stilvolle 
Zeichnung macht sie so recht zur Verzierung von 
Initialen, Bildung gefälliger Schilder, Ecken etc. 
geeignet. Ein reich ausgestattetes Anwendungsblatt 
gibt Zeugnis von der Verwendbarkeit dieser Novität. 
Von der in unserem Blatt bereits mehrfach verwendeten 
und empfehlend erwähnten Bökoko-Einfassung finden 
wir gleichfalls ein^ grosse, mehrfarbige Probe. Zu 
ihrem Lobe brauchen wir wohl nicht noch einmal 
etwas zu sagen. Ihre Schönheit und Brauchbarkeit 
sind hinlänghch durch die Praxis bekannt. 

Eine weitere , in diesem Heft enthaltene Neuheit 
bildet die Einfassung Nr. 2324 — 31. Sie besteht aus 
nur IQ Stücken im Rokokostil und erlaubt, trotz dieser 
geringen Zahl von Figuren eine so vielseitige und 
gePällige Anwendung, dass man in Wahrheit über- 
rascht ist von der gegebenen Probe, welche diese 
Anwendbarkeit beweisen soll. Die Stücke haben 
vornehmlieh den Zweck, an Ovale, Kreise und Qua- 
drate angesetzt zu werden und denselben zu einer 
gefälligen Ausschmückung und Abrundung zu ver- 
helfen, ein Zweck, der auch in bestem Masse erreicht 
wird. Wir müssen gestehen, dass uns diese Neuheit 
der Flinschschen Giesserei gan^si besonders befriedigt. 

Das Vorstehende möge beweisen, wie reichhaltig 
und gediegen der Inhalt des 18. Heftes ist; die übrigen, 
in demselben vertretenen kleineren oind Plakat-Ein- 
fassungeti, Vignetten, Polytypen etc. etc. verdienen 
sämtlich das Lob gefälligster und gediegenster Aus- 
führung, wie man solche von der renommierten 
Firma nicht anders erwarten kann. 

Besonders hingewiesen sei noch auf die reiche 
Zahl von Neujahrs- etc. Gratulationskarten, die durch 
ihre originelle Komposition Beachtung verdienen. 

Unserem heutigen Heft liegt eine Probe Neuer 
verzierter Kandei der Wilhelm Woellmerschen Schrift- 
giesserei bei. In den Gemeinen ziemlich einfach, da- 
her gut leserhch gehalten, zeigt diese Schrift in reicher 
und gefälliger Weise verzierte Versalien , die ihr ein 
durchaus elegantes und hübsches Ansehen geben, 
ohne jene Leserlichkeit zu beeinträchtigen. Die Probe 
enthält neun Grade dieser Kanzlei von Petit bis Kanon, 



sämtlich Originalerzeugnisse der genannten Firma. 
Grössere Grade befinden sich im Schnitt. 

Eine weitere Probe unseres Heftes bildet das 
Polytypenblatt vofi Wilhelm Gronaus Sdiriftgiesserei. 
Zahlreiche markig gezeichnete Vignetten für Tum-, 
Schützen-, Gesang-, Krieger- und Feuerwehrvereine, 
ferner Gratulationskarten, Schlussverzierungen, alle- 
gorische Darstellungen der Jahreszeiten etc. etc. 
zieren dasselbe und bieten dem für solche Vignetten 
Bedarf habenden Buchdrucker geeignetes Material in 
bester Ausführung. 

Von neu eingegangenen Schriften führen wir 
unseren Lesern nachstehend eine Garnitur :s:wei- 
f arbiger Gotischer Initialen, geschnitten in derSchrift- 
giesserei Benj. Krebs Nachf vor. Diese Initialen 
zeigen in vortrefflicher Weise die charakteristischen 
Merkmale der Gotik und sind so recht geeignet, in 
diesem Stil gehaltene Arbeiten in bester und effekt- 
vollster Weise zu verzieren. Wie wir hören, lässt 
die Giesserei demnächst noch eine kleinere Garnitur 
dieser Initialen nebst dazu passenden Federzügen 
folgen, um sie auch für Arbeiten kleineren Formals 
verwendbar zu machen , ein Vorhaben , dass nur zu 
billigen ist und ihnen grosse Verwendbarkeit sichert. 

Von J. G. Schelter & Giesecke empfingen wir wie- 
der eine reiche Zahl schöner Schriften und Vignetten; es 
ist uns in diesem Heft nur möglich, eine Anzahl der letz- 
teren abzudrucken, das nächste Heft bringt Weiteres. 

Ein kleines Schriftprobenheft in Quer-Miniatur- 
format und echt amerikanischer Ausstattung ging 
uns von der Schriftgiesserei MacKellar, Smiths & 
Jordan Co. in Philadelphia zu. Wir finden in dem- 
selben Proben aller der originellen und auffälligen 
Schriften, welche neuerdings in Amerika geschnitten 
und zum Teil auch in Deutschland durch unsere 
Giessereien eingeführt worden sind. Nur die Ein- 
fassungen, welche entweder einem Spinnengewebe 
gleich, oder in anderen möglichen und unmöglichen 
Formen zumeist die rechte untere Ecke der kleinen 
Kolumnen zieren, hat unseres Wissens noch keine 
deutsche Giesserei einzuführen gewagt, weil diese 
Einfassungen zu sehr unserem Geschmack wider- 
sprechen. Dagegen finden wir in dem sehr gefällig 
gesetzten und sauber gedruckten Heftchen eine 
Neuigkeit, die wohl der Einführung werth wäre. 
Es sind dies Hände verschiedener Grösse in sehr 
sauberer, gefälliger Zeichnung und in den verschie- 
densten Haltungen, die entweder ein Blatt Papier mit 
glatten oder mit umgebrochenen Ecken einzeln oder 
zu mehreren halten, in einer Ausführung auch wie 
durch einen Riss des Blattes durchgedrungen sind 
und auf eine besonders hervorzuhebende Zeile zeigen. 



f 



373 Satz und Druck unserer Probeblätter. — Bezugsquellen. — Zeitschriften und Bücherschau. — Mannigfaltiges. 374 




Satz und Druck unserer Probeblätter- 

[latt LI unserer heutigen Beilagen bringt die 
Vorderseite eines Umschlages und eine Adress- 
karte , beide geziert mit der schönen Gotischen Ein- 
fassung von J. G. ScJielter d- Giesecke. Von dieser 
Einfassung lässt sich mit vollem Recht sagen, dass 
man sich an ihrer gefälligen und gediegenen Aus- 
führung, wo man sie auch sieht, immer wieder von 
neuem erfreut, vorausgesetzt, dass sie richtig an- 
gewendet und gut gedruckt wird. Unsere, aus der 
Piererschen Hofbuchdruckerei stammenden Beispiele 
beweisen dies aufs beste. 

Blatt Nn bringt einen vollständigen Bücher- 
umschlag, für den wir eine Arbeit der Hoffmannschen 
Offizin in Stuttgart zum Muster nahmen. Auch dieser 
Umschlag lässt erkennen, dass der erste Accidenz- 
setzer dieser renommierten Druckerei, Herr KirchhofT, 
das ihm früher gespendete Lob in vollstem Masse 
verdient. Seine Arbeiten sind originell in der Kom- 
position, einheitlich in der Ausführung und gediegen 
in der Wahl der Schriften und deren Zeilenfall. 
Während die Benaissance-Züge von Genzsch in 
München hier eine sehr gefallige Verwendung für die 
Vorderseite fanden, ist die Rückseite anstatt einer 
im Original zur Anwendung gekommenen Vignette 
von uns mit einer der schönen Klinkhardtschen 
Vignetten im Renaissancestil geziert worden. 

Blatt U endlich zeigt ein im Entwurf originelles 
und gefalliges Zirkular, zu dessen Ausschmückung 
verschiedene Einfassungen etc. (s. das Bezugsquellen- 
register) zur Verwendung kamen. Wir liessen uns 
für dieses Blatt im allgemeinen eine Arbeit der 
Leipziger Offizin von Frankenstein d; Wagner als 
Vorlage dienen, die Einfassung und den Text speziell 
dem Zweck des Archiv, neue Einfassungen und 
Schriften zu zeigen, anpassend. So finden unsere 
Leser z. B. den Text aus einer neuen Schtvabacher 
von Bauer & Co. in Stuttgart gesetzt. Wir müssen 
bei diesem Blatt bedauern , dass bei einem Teil der 
Auflage eine der schraffierten ^feilinien im Laufe des 
schnellen Maschinendruckes gestiegen war und etwas 
zu kräftig druckte, ohne dass dies gleich bemerkt 
wurde. 



Bezugsquellen 

der angfewendeten Schriften, Einfassungen etc. 

Blatt LI. Satz und Druck der Piererschen Hofbuch- 
druckerei in Altenburg. 

Blatt Nn. Einfassung von Genzsch in München, 
Punktstücke ^ Pompejanische Einfassung von C. Kloberg, 
c '- von J. G. Schelter & Giesecke, ^^ von John Söhne, 



Schlussstück von Meyer & Schleicher, Vignette (Rückseite) 
von Julius Klinkhardt, Parfümerie- Fabrik von J. G. Schelter 
& Giesecke, Heinlein dt Schmalz von Wilhelm Woellmers 
Schrif tgiesserei , Dresden von Wilhelm Gronaus Schrift- 
giesserei, Gegründet 1870, Hauptstrasse, Seifen von Brendler 
& Marklowsky, Preiskurant, Kosmetische Artikel von Genzsch 
in München, ü6«r, und von der Bauerschen Giesserei, Strich- 
linien von Zierow & Meusch. 

Blatt U. Einfassung, Vignetten, Bogenstücke, Schluss- 
stück , Bik#D( ysgg-'g^ von J. G. Schelter & Giesecke, 
Kassetten von Meyer & Schleicher, . li If von Julius 



Klinkhardt, Ecken und Architektonische Ornamente von Wil- 
helm Gronaus Schriftgiesserei, grosse Ecken von Benj. Krebs 
Nachf., äussere Ecken und Mittelstücke von Ludwig & Mayer, 
die übrigen Einfassungen von Otto Weisert , Initial von 
Wilhelm Gronaus Schriftgiesserei, Frankfurter- Strasse 23, 
Gustav Berger von Genzsch in München, Textsdirift und 
Schrift Eisenhandlung von Bauer & Ko. 



Zeitschriften und Büehersehau. 

— Heft 2 und 3 des neuen Jahrganges der illustrierten 
Familienzeitschrift » Universum* stehen dem vorange- 
gangenen 1. Hefte in keiner Weise nach. Ausser dem 
gewöhnlichen Inhalt, welcher von uns schon wiederholt 
lobend besprochen, enthält das 2. Heft die Beilage einer 
reizenden Gavotte >Herzblättchen«, welcher in den späteren 
Heften weitere folgen sollen. Nicht unerwähnt wollen wir 
die wirklich prachtvollen Kunstbeilagen lassen, mit welchen 
das »Universum« seine Leser auch in diesen Heften erfreut, 
auch der übrige Bilderschmuck ist wieder ein reicher und 
gewählter. 



Mannigfaltiges. 



— Das Comit^ für Errichtung eines Fr. König-Denkmals 
in Eisleben, bestehend aus den Herren P. NösseUj Maschinen- 
bau-Inspektor, E, Mehliss, Gymnasial-Oberlehrer, E. Stein- 
kopf, Königl. Lotterie-Einnehmer, B. Beichardt, Redakteur, 
A, Klöppel, Buchdruckerei-Besitzer und für das gesamte aus- 
wärtige Comit6 Br. Ed. Brockhaus, Leipzig, erlässt folgenden 

Aufruf. 

Die Errichtung eines Denkmals für Fr. König, den 
Erfinder der Buchdruck- Schnellpr esse ^ in seiner Vaterstadt 
Eisleben ist gesichert; 13000 Mark stehen bereits zur Ver- 
fügung; Herr Professor Schaper in Berlin ist für die 
Ausführung gewonnen; sein Entwurf - Granitsockel mit 
Bronzebüste auf Granitstufen, mit einem schmiedeeisernen 
Gitter umgeben — ist acceptiert; ein geeigneter Platz für 
die Aufstellung steht zur Verfügung; die Enthüllung wird 
am 17. April 1891 erfolgen! Dass die Idee des Künstlers 
eine möglichst vollkommene Verwirklichung finde, dazu 
sind noch Geldmittel nötig. Wir richten jetzt nochmals an 
Alle, die ein Verständnis für die Tragweite der Erfindung 
Königs haben und die derselben materielle oder geistige 
Förderung verdanken, die herzliche Bitte, unser Unternehmen 
durch weitere Geldsendungen zu unterstützen, damit durch 
ein Denkmal in würdigster Ausstattung der Mann geehrt 

22* 



375 



Mannigfaltiges. 



376 



werde, welcher durch seine Erfindung dem befruchtenden 
Gedanken die weiteste Verbreitung ermöglicht und dadurch 
den Aufschwung der modernen Kultur mächtig unterstützt 
hat. Geldsendungen wolle man an den mitunterzeichneten 
Königl. Lotterie-Einnehmer E. Steinkopf in Eisleben richten. 

— Jubiläen. oOj ähriges. Am 9. Oktober der Buch- 
druckereibesitzer Scheschonka in Gerdauen bei Königsberg 
in Preussen. — Am 1. November die in den weitesten Kreisen 
bekannte Druck- und Verlagsfirma von A. H, Payne in 
Leipzig. — 25jähriges. Am 1. Oktober die Buchdruckerei 
von Gg. Uehlin in Schopfheim, 

— Gestorben: Im August in London der älteste Ange- 
stellte der bekannten Verleger und Staatsdrucker Eyre & 
Spottiswoode, 3fr. William Scott, im Alter von 95 Jahren. 
Als elfjähriger Knabe war er als Laufbursche in das 
Geschäft eingetreten und hatte sich durch Ausdauer 
und Geschicklichkeit bis zum Leiter der Staatsdruckerei- 
Abteilung aufgeschwungen. Er war seit länger als 84 Jahren 
ununterbrochen in Diensten der Firma Eyre ä Spottiswoode, 
eine Thalsache, die vielleicht auf der ganzen Erde nicht 
ihres Gleichen hat. — Am 4. September im besten Mannes- 
alter der in weiten Kreisen wohlbekannte Verleger und Buch- 
händler Pompeo Dumolard, welcher in Italien als der erste 
Mann seines Faches galt. Sein Verlag war mustergiltig 
und brachte die besten Werke der italienischen litterarischen 
und wissenschaftlichen Welt ans Licht. Sein Haus war 
jahrelang der Mittelpunkt der höheren Intelligenz Mailands, 
und die Persönlichkeit des Mannes wirkte befruchtend auf 
die wissenschaftliche Entwickelung der neueren italienischen 
Litteratur. Im vergangenen Jahre war er noch in Aner- 
kennung seiner Verdienste vom Könige mit dem Kreuze 
des Heiligen Mauritius- und Lazarus-Orden ausgezeichnet 
worden. — Am 22. September der Buchdruckereibesitzer 
Jean Meyer in Zürich. 

— Zum Wiederherstellen verbleichter alter Schrift em- 
pfiehlt der Allg. Anz. für Buchb. folgendes Verfahren: 
Man feuchtet das unleserliche Blatt schwach mit Wasser 
an und betupft dasselbe hierauf mittelst eines grösseren 
feinen Pinsels mit Schwefelwasserstoff-Ammoniak, das in 
jeder Apotheke billig zu haben ist. Die so behandelte 
Schrift erscheint sofort schwarz und völlig leserlich. 
Auf Pergament erhält sich diese Schwärze, auf Papier- 
manuskripten dagegen verbleicht die Farbe mit der Zeit' 
wieder. 

— t ö^*ö Setzer. Das »Printers Register« enthält eine 
unter allen Umständen zutreffende Betrachtung über den 
Wert guter Setzer. Es wird darüber gesagt: »In unserer 
so lesedurstigen Zeit wird der intelligente und nachdenkende 
Leser von Büchern und Zeitungen ohne Zweifel seine 
Aufmerksamkeit auch der Beschäftigung des Schriftsetzers 
zugewendet und gefunden haben, dass sie einen nicht 
geringen Grad von physischer Kraft und Ausdauer 
erfordert, vor allem scharfe Augen, flinke Finger und 
überhaupt eine kräftige, körperliche Organisation, um die 
meist einförmige, aber lange andauernde Arbeit des Setzens 
aushalten zu können. Stundenlang stramm vor dem Kasten 
stehen und emsig Buchstaben aus Kastenfächern picken, 
aller halben Minuten vom Manuskript einen Satz ablesen, 
taugt nicht für schwächliche Naturen. Ausser guter Seh- 
kraft, festen Nerven und zähen Muskeln muss ein Setzer 
wie er sein soll, auch eine gewisse intellektuelle Bildung 
besitzen, die sich über das bei Arbeitern im allgemeinen 
vorherrschende Niveau erhebt. Kenntnis der toten Sprachen 
wird nicht von ihm verlangt, oberflächliche Bekanntschaft 



mit den neuern ist auch nicht unbedingt nötig, sofern er 
nicht in diesen Sprachen ständig beschäftigt ist; dagegen 
ist volles Verständnis der Grammatik der eignen Mutter- 
sprache unerlässlich, ebenso muss er in der Orthographie 
und der richtigen Interpunktierung Meister sein. Mangelt 
es in diesem Punkte, so mag er lieber einen anderen Beruf 
ergreifen. In letzterer Beziehung sind nicht alle Schrift- 
steller taktfest und verlassen sich auf den Setzer und 
den Korrektor«. 

— Statistik der deutsdien Buchdruckereien. Die Buch- 
drucker-Berufsgenossenschaft hat im Jahre 1888 durch ihre 
Beauftragten eine Besichtigung sämtlicher zur Genossen- 
schaft gehörigen Betriebe vornehmen lassen, deren Ergebnisse 
in einem umfangreichen Berichte niedergelegt sind und sich 
nach der »Papier-Zeitung« in der Hauptsache wie folgt 
stellen: Die deutsche Buchdrucker-Berufsgenossenschafl 
umfasst etwa 4000 Betriebe mit etwa 58000 versicherten 
Personen, so dass von je 1000 Einwohnern des deutschen 
Reiches mindestens eine dem Buchdruckgewerbe angehört. 
Unter den 58000 Personen befinden sich 15 Proz. Mädchen 
und Frauen und 14 Proz. jugendliche, unter 16 Jahre alte 
Personen. Sieht man näher zu, wie diese Gruppen sich 
auf die einzelnen Orte und Ortskategorien verteilen, so 
ergibt sich, dass in den kleinen Städten und auf dem 
Lande erheblich mehr jugendliche Arbeiter beschäftigt 
werden, als in grösseren Städten. So beträgt der Anteil 
der Jugendlichen in den Hauptsitzen der Buchdruckerkunst 
(Berlin, Breslau, Dresden, Frankfurt a. M., Halle. Hannover, 
Hamburg, Königsberg i. Pr., Leipzig, Magdeburg, München 
und Stuttgart) durchschnittlich nur 10 Proz. Eine Ausnahme 
macht nur Köln mit 22 Proz. jugendlichen Arbeitern; 
dagegen beschäftigen Hamburg und Hannover nur 8 Proz., 
Königsberg nur 4 Proz. jugendlicher Arbeiter. Abweichend 
von der Verteilung der letzteren werden in den grossen 
Städten mehr weibliche Personen beschäftigt als auf dem 
Lande, in den obengenannten Hauptdr uckorten z. B. durch- 
schnittlich 20 Proz, Die meisten Mädchen und Frauen 
beschäftigen Leipzig (27 Proz.), Dresden (26 Proz.) und 
Hannover (25 Proz.), die wenigsten Frauen sind in Frank- 
furt a. M. (10 Proz.) und in Breslau (8 Proz.) thätig. 
Letzteres ist um so auffälliger, als der Anteil des weib- 
lichen Geschlechts an der Erwerbsthätigkeit üi Breslau 
im allgemeinen grösser ist, als in irgend einer anderen 
deutschen Grossstadt. Teilt man die im Buchdruck 
beschäftigten Personen in solche, welche an Maschinen 
arbeiten und in solche, welche nicht an Maschinen arbeiten, 
ein, so entfallen auf die erste Gruppe 39, auf die zweite 
61 Proz., in den Grossstädten 40 bezw. 60 Proz. Am 
meisten Handarbeit findet sich in Königsberg (70 Proz.). 
am meisten Maschinenarbeit in Leipzig (45 Proz.) und 
Dresden (43 Proz.); Stuttgart und Berlin zeigen wieder 
mittlere Verhältnisse. Bei einem Vergleiche zwischen der 
Gesamtbevölkerung und den Buchdruckern in den einzebien 
Grossstädteh ergibt sich, dass Leipzig die an Buchdruckern 
reichste deutsche Grossstadt ist. Sie zählt 5854 Personen, 
welche im Buchdruck oder seinen Nebenbetrieben beschäftigt 
sind ; auf 30 Einwohner kommt schon immer ein Glied der 
Buchdruckerfamilie. Nächst Leipzig weisen Hannover. 
Frankfurt a. M. und Stuttgart den grössten Prozentsatz an 
Buchdruckern auf. Berlin mit seinen IV« Millionen Ein- 
wohnern beschäftigt im fraglichen Gewerbe 7449 Personen; 
hier kommt also auf etwa 200 Personen erst ein Buch- 
drucker. Den geringsten Anteil an der Gesamtbevölkerung 
haben die Buchdrucker in Köln und Königsberg i. Pr. 



377 



Mannigfaltiges. 



378 



— t Die periodische Fresse in Paris. Unter den in der 
Pariser Ausstellung veröffentlichten zahlreichen Statistiken 
befindet sich auch eine über den Stand der periodischen 
Presse aller Länder. Ob sie durchaus zuverlässig ist, 
steht dahin, wenigstens in Bezug auf ausserfranzösische 
Länder. Das »Bulletin de rimprimerie« glaubt sicherer zu 
gehen, dem von Mermet alljährlich herausgegebenen Journal- 
Adressbuch für 1889 zu folgen, das nach offiziellen Grund- 
lagen bearbeitet ist und aus welchem sie einen Auszug 
der Pariser periodischen Presse gibt. Am 1. Januar belief 
sich die Zahl der in Paris erscheinenden Journale jedweder 
Gattung auf 17-i(). 1888 waren 665 neue Journale gegründet 
worden, aber 293 von ihnen überlebten das erste Jahr 
ihrer Geburt nicht, die übrigen 372 waren noch im Katalog 
von 1889 verzeichnet. Von den bestehenden 1746 zählten 
781 wenigstens 10 Altersjahre, 471 10 bis 20 Jahre, 176 über 
20 bis 30, 121 über 30 bis 40, 66 von über 40 bis 50 und 
120 über 50 Jalure. Die ältesten Journale sind das »Journal 
g^neral d'affiches« (260 Jahre), »Le Bulletin des lois« 
(102 Jahre), »Le Recjueil des lois et arrets« (100), »Le Journal 
militaire« (100), »Le Bulletin de laSoci6t6 philomatique< (100)^ 
>Le Moniteur universel« (100), »Le Journal de TEcole 
polytechnique« (98), »Le Journal des Debats« (91 Jahre). 
Die Klassifikation dieser Journale ist der angegebenen 
Quelle nach folgende: Ackerbau und Gärtnerei 45, Annoncen- 
blätter 41 , Architektur und öffentliche Arbeiten 27, Arznei- 
kunde 6, Bergwesen 8, Bibliographie 33, Buch-, Stein- und 
Kupferdruck 7, Diplomatie 6, Eisenbahnwesen 16, Finanz- 
wesen 170, Forstwesen 2, Freimaurerei, Freidenkerei 10, 
Geographie 8, Handel 65, Heerwesen 28, Heiratsvermitt- 
lungen 3, Illustrierte Journale 75, Industrie 45, Litteratur 54, 
LuftschifiFfahrt 4, Magnetismus 21, Marine 8, Medizin und 
Chirurgie 139, Moden 69, Musik 15, Papierfabrikation 7, 
Photographie 8, politische Journale grösseren Formats 66, 
dito kleineren Formats 64, politische Ökonomie 14, Rechts- 
wesen 91, Religion, katholische 67, protestantische 21, 
jüdische 2, Revuen, litterarische und politische 89, schöne 
Künste 26, Sport 29, Stenographie 12, Technologie 44, 
Theater 22, Unterrichts- und Erziehungswesen 65, Ver- 
sicherungswesen 17, Verwaltungswesen 3't, Weinbau 12, 
Wissenschaften 70, Journale, welche sich nicht unter 
bestimmte Fächer bringen lassen 138. 

— Die Smythsche Fadenheftmaschine. In Leipziger 
Buchbindereien sind gegenwärtig einige von der Firma 
Kracht & Kerndt eingeführte amerikanische Fadenheft- 
maschinen in Betrieb, deren Leistungsfähigkeit gegenüber 
der Handarbeit auf das denkbar höchste Mass erhoben ist. 
Sie heften auf zwei bis fünf Bände (auch auf Gaze) mit 
Zwirn in der Stunde bis 2000 Bogen ohne Einsägen bei 
einfacher Bedienung und Handhabung. Die Konstruktion 
der Maschine ist eine sehr sinnreiche. Links von der 
Maschine befindet sich ein Apparat mit vier Armen. Auf 
den zunächst sich darbietenden Arm wird der zu heftende 
Bogen aufgehängt, worauf derselbe sich dreht, den Bogen 
dem Heftapparat zuführt und sofort wieder herunter kommt. 
Bei jedesmaligem Aufsteigen der Arme werden, um den 
Eingang und den Ausgang der Heftnadeln zu erleichtern, 
kleine Löcher durch Stifte in die Bogen gestochen und 
zwar von der inneren Seite derselben nach aussen. Ein 
ungemein sinnreich erdachtes Nadelwerk lässt nun von 
oben die bogenförmig gestalteten Nadeln, welche den Faden 
führen, in die entstandenen Löcher greifen und den Bogen 
auf die darüber hingleitenden Bänder mit doppeltem Faden 
festnähen. Die Schling enhalter empfangen dann eine seit- 



liche Bewegung zur Befestigung des Fadens und diese 
Bewegung ist so verstellbar, dass die Bücher je nach 
Bedarf fest oder lose geheftet werden können. Das Format 
der Bücher spielt hierbei keine Rolle. Die Heftung lässt 
sich für alle Formate zwischen 16^ und gross 8*^ verwenden. 



Briefkasten. 

Herrn A. Q., Düren. Es ist eine recht gut gelungene Arbeit; auch 
der Druck lässt nichts zu wünschen übrig. — Herrn R. W., Offenbach. 
Wir sind überrascht, Sie jetzt als Leiter jener Druckerei zu finden. 
Die gesandten Arbeiten gefallen uns sehr; der Satz ist vortrelHich und 
hinsichtlich des Druckes scheinen Sie unseren Rath befolgt und sich 
mehr zur Anwendung kräftigerer und wirksamerer Farbentöne ent- 
schlossen zu haben, ihre jetzigen Arbeiten werden Ihnen den Beweis 
liefern, dass wir mit unserem Rat recht hatten. Lassen Sie auch weiter 
von sich hören, wir werden Ihre Sendungen stets mit Freuden begrüssen. 
— Herrn G. B.. Berlin. Verzeihen Sie, wenn wir in dieser Frage nicht 
Ihrer Meinung sind. Sechsundzwanzigjahrige Erfahrungen und Erfolge 
geben uns wohl das Recht, anzunehmen, dass wir auf dem rechten 
Wege sind, wenn wir unsere Proben so ausstatten, wie bisher, nicht 
aber ausschliesslich nur komplizierte und gekünstelte, in vielen 
Farben gedruckte Arbeiten bringen. Wie der Magen nicht lange ver- 
tragen kann, wenn man ihm tagtäglich nur Zuckerbrot bietet, so würden 
unsere zahlreichen Abonnenten, besonders jene in der Provinz, es bald 
satt haben, immer nur solche gekünstelte, znmeist doch nur skizzen- 
haft gehaltene Arbeiten zu finden, wie man sie wohl auf Schriftprobon 
bringt, d. h. indem man den selbstgemachten Text und die Orna- 
mentierung so wählt, dass die betreffenden Novitäten in das vorteil- 
haftesteLicht gestellt werden. Das ist der Zweck des Archiv nicht; 
wir wollen zur Hauptsache Arbeiten bringen, die mit Geschmack und 
nach den Regeln der Kunst gesetzt, der Praxis entnommen sind 
also auch für die Praxis verwertet werden können. Diesen 
Zweck haben wir mit jedem Jahr mehr zu erreichen gesucht und ver- 
danken es der Beihilfe renommierter Offizinen wie der Unterstützung 
einzelner befähigter Accidenzsctzer , dass uns dies gewiss in bester 
W^eise gelungen ist. In unserem Archiv ist demnach nicht nur unser 
individueller, einseitiger Geschmack vertreten, sondern der der besten 
Offizinen und ihrer Accidenzsetzer und diesem Umstände glauben wir 
es zur Hauptsache zuzuschreiben, dass das Archiv jene Beliebtheit 
erlangte, deren es sich erfreut. 



Inhalt des ii. Heftes. 

Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. — Einiges aus der Praxis 
und für die Praxis. — Schriftprobenschau. — Satz und Druck unserer 
Probeblätter. — Bezugsquellen. — Zeitschriften und Bücherschau. — 
Mannigfaltiges. — Annoncen. — Aeeidenzmnster Im Text : 4 Vignetten, 
1 Programm, 1 Karte. — Beilagen : 1 Blatt Umschlag und Adresskarte. 
— 1 Blatt Umschlag. — 1 Blatt Zirkular. - 1 Blatt Schriftprobe von 
Wilhelm Woellmers Schriftgicsserei. — 1 Blatt Vignetten von Wilhelm 
Gronaus Schriftgiesserei. 

Das Heft enthält im Ganzen 5 Bellagen. Für das Beiliegen der 
ffemden Bellagen kann jedoch wegen oft unzureichender Anzahl nicht 
garantiert werden. 



Bezugsbeding^ung^en für das Archiv. 

Bmoheinen : In 12 Monatsh eften. (Heft 8 und 9 stets als Doppelheft) jedesmal in 
der ereton Monatswoche, fll^ Für komplette Lieferant, insbesondere voll- 
ständige Beilagen, kann nur den vor Krscbeluen des 2. Hefles gan^älirig Abon- 
nierenden garantiert werden. 

Beauffsquelle : Jede Buchhandlung; auch dh%kt vom Verleger unter Kreuzband. 

Preis : M. 12r-| unter Kreuzband direkt M. yd/iO nach ausserdeutsohen Ländern 
M. 14,40. Jfach komplettem Erscheinen Preis pro Band M. 15,— exkl. Porto. 

Annoncen: Preis pro Pelitzeile 25, zweisp. öi), dreisp. 75 Pf. Bei liäufiger 
Wiederholung Rabatt Kustcnanschlilge sofort« Betrag vor Abdruck za 
xahlen, andernfalls 25 Pf. Kxtragebulir. Als Beleg ' dienen Ausschnitte. 
Beleffhefte, wenn verlaiiKt» kosten Je nach Ausstattung M. 1,50— 2JK) 

Beilairen : Quartblatt M. 30, umßingreichereje nach (Gewicht M. 25 etc. Aufl. 1650, 

Novitäten In OriginaigUKs flnden Anwendung im Text und auf den Mupterblättem 
ohne Bereclmung, doch wird bedungen, da»» dieselben als Entschttdigimg 
fTlr die durch die Auftiahme erwachsenden Mülien und Kosten Eigentum des 
Verlegers bleiben. Giesserelen, welche dies nicht wünschen, wollen sieb 
besonders mit uns vereinbaren. 

Klischees von verwendeten Oriflrlnal-Platten geben wir ab, liefern auchTarbeu, 
Bronsen , Papiere etc., wie wir solche benutzten ; von allen Diplomen haben 
wir Blankovordrucke am I.<ager. 

Bobriften, Binfassun^en etc. aller Giessereien liefern wir zu Originalpreisen. 

Textscbrift von BenJ- Krebs Nachf., Frankfturt o. M. Initialen von Otto 
Weisei-t, Stuttgart. Überschriften von Emil Berger, Leipzig, ünterrubriken von 
Roos & Junge, Offenbach a. M. Perl Antiqua und halbfette Aldine Kursiv von 
J.G. Schelter AGlesecke, Leip«ig. Gedruckt mit Farbe vonFrev & Senfng, Leipzig 
auf einer Schnellpresse von Klein, Forst & Bohn Nachf., Johannlsberg a. Rh. 



-s^ Mnnoncen. ^^ 



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IchriftgiessereiE 

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SchnliNthrlIMn. ZIsndintItn. | 



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Ein erster Accidenzsetzer 

auch mehrere Jahre Faktor einer grös- 
seren Zeitungsdruckerei, wünscht mit dem 
I. Januar 1890 oder später seine Stellung 
zu verändern. Prima Zeugnisse. Gefl. 
Offerten unter F. K. 101 berördert die 
Expedition des „AreliiT". 



/t^ örtfrfaudT Her graplrifriign iSünftp 

IBitroirhiing farmälirttr fodigrnoffrn non fUffflnüfr ^fllitaiD. 
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broTdr. SS.äü fR.. rlrg. grb. in ^albfranjbanü 26.58 IH. f inr 

nfiif Sulittiriptlon auf 29 fjtht & an pf., ift für igaa 

probrhrftt Tina Hunii uHr Cudilianatüngin 



nrranftaltfl mcrbfn. 






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C. Rüger, Leipzig 



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Messinglinienfabrik mit Dampfbetrieb 

■■'-:=€•■ BnchdrQckntensilien ••§=:—■ 

Faohtisehlerei. ,,*s*G<pJö.5>'Sh- Gravieranstalt 
Goldene Medaille Brüssel IS88. 



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lO'endung aus Emil Bargers Renaiseuice-Elnrasgang No. 660. 



Henn Karl KraQse, Leipzig. I 

InMge Ihrer gell. Anfrage teile ich | 
Ilinen ergebenst mit, dnss icli mit dem i 
im Oktober vorigen Jahres gelieferten 
ßwalzigen Kalander von )2ö cm Länge | 
sehr zufrieden bin. 

Bei voller Ausnutzung des Formats 
hat derselbe keine Veranlassung zu irgend 
einer Klage gegeben. Ich arbeite mit 
verhältnismässig wenig AuKschuss; die 
Satinage ist eine vorzügliche. 

Rrgebenst i 



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in Berlin SW., Lindenstr. 69 
mpfiefift sei« (iU iewSscwSßl'licß 



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^fVototi 



OtUftif 






■afta*A<yysjMMia i 



ßpriin SW., 

llfrulalErafraöirfllit Efi, fdir brr linttrn» Strafft- 

,«i"u ÖifjriftBiffifrri ""'>:"" 

firig.>Brot[diriften. ZittB unb Sdirtibfdirifltn. 

lEinfairungcn. fiiidiltruchtrrisSltFnrtlitn. 

:inii*tiiti9Cii u. UniäÜ'Ti in Törj 5ci[ ju !)cn fulani. BcWngunscn 







Lciresstucli des Deutschen Bucliliaiidels 

und der verwandten Geschäftszweige. 

62. Jahrgang 1890. 

In dieser Beigabe zu dem alljährlich vom Burscnvemn der Deutschen 
chhändler zu Leipzig amtlich herausgegebenen Adressbiiche ßaden Anieigen 
1 Bellagen aller mit dem Buchhandel arbeitenden Geschäfte willkommene 
Fnahme. 

Inserate und Bellagen sind hier Ton nacfebaltlMter Wirkung, da 
i Adreaabuch für alle Buch-, Kunst- und Musikalienhandlungen Deatschlands 
1 des Auslandes ein unentbehrliches , täglich vielfach gebrauchtes Nach- 
lagebuch ist 

Näheres in dem soeben ausgegebenen Rundschreiben, das wir zu ver- 
gen bitten. 
Äipzig, Ende September 1889. GcSChäftSStelle 

des Birsenveroins der Deutschen Bnchhftndler. 

G. Thomälen, GeschSflsfahrer. 



Dcntachei Bnchhlndl«th&ni. 



Allen Druckereien angelegentlichst empfohlen: 



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Redigiert und herausgegeben von Alexander Waldow in Leipzig. — Druck und Verlag von Alexander Waidow in Leipzig. 



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Oadrnckt anf «Inar Originikl-LINTtT-TIvialdnickniucliiDi 



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«r HandlDDi 



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No. 1048—1056. 



Blatt No. 301. 



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»IBeftn MocEmcr s Sdßriftaicßem in Mctiin. 



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No. 1048. Petit (corps 8). Min. 5 Ko., ä Ko. M. 10, ~. 

Soa^hn Unpruf (onflaniinopel Riemen j{|tr$erm 

j|u6o^lJ tiott 4|aBsBurg'$ ^ieg ü6et j|oni$ SfioRat oon ^ö^tnen 

$((t(ftfare 5er geuffc^en in ^rafilien 



No. 1049. Corpus (corps 10). Min. 6 Ko., 4 Ko. M. 9,60. 

^ceu5eniaumel H^eto 4^in(et)limmen 

|||ie(et(a9en ^5ec j^^tiegecSeiiRmal Ij^ein Hn&erKdien 

Jl^mmerfefftonen ^eßt)etfamm[un9 



No. 1050. Cicero (corps 13). Min. 6 Ko., k Ko. M. 9, — . 

^ara6emarf(^ ^rommelfci^Iag fS^agenrampe 



No. 1051. Mittel (corps 14). Min. 7 Ko., k Ko. M. 8,60. 



liegerRtonen fftopteu^ <:^in5esau0 en 
|Junncnf(§Ia(§i ^ieöcnsgloAen 



No. 1052. Tertia (corps 16). Min. 8 Ko., ä Ko. M. 8,50. 




o6en S^^i^^tti^ ^^^ ^Ottnaßett6*Sö(5witta0 170 Wm^x^sHx^ ||äI6er 




No. 1053. Text (corps 20). Min. 10 Ko., ä Ko. M. 8,—. 



arferu^e <^rie ^ajerwefen ^an6efere(|f ^ie6 J^nSernac^ 




ei|eif 



No. 1054. Doppelcicero (corps 24). Min. 10 Ko., ä Ko. M. 7,60. 




erlitt 




ormattttett|er5 




egettf 




ilifair 



No. 1055. Doppelmittel (corps 28). Min. 12 Ko., 4 Ko. M. 7,50. 





neonm ocr fc|c Bei ^ocbBtrdi o5 



No. 1056. Canon (corps 36). Min. 14 Ko., 4 Ko. M. 7, — . 




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5er 




tieöen 5e$ 




enens 




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Haussystem Didot, 
1 Cicero = 12 Punkte. 




Original -Erzeugniss. 
Matrizen werden abgegeben. 



tstalt in Berlin. 



0. 3ST3. M. S.50. 



Ko. 3Sei. V.4^. (DnrcUiHliL) 




0. 3S96. 1L2.M. 



iiiy 



Jtl 

26. Band. 




1889. 



Heft 12. 



391 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



392 



Der Buntdruck auf Buehdruekpressen 



von 







y^-.o. 



J^ifet_. 



ierffi(i|en 



«""-»^^ •>". 



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Alexander Waldow. 

(Fortsetzung.) 

12. Das Drucken auf der Schnellpresse. 

ezüglich des Buntdrucks auf der Maschine 
ist im wesentlichen gleichfalls alles Das zu 
beachten, was wir vorstehend angaben. 
Dass natürlich die Form anders geschlossen, doch 
aber nicht anders justiert wird, wie an der Presse, 
versteht sich von selbst. Härtere Walzen sind eben- 
falls zu empfehlen, desgleichen die Benutzung mehre- 
rer Punkturen in 
der Form (s. Seite 
358) beim ersten 
Druck , so dass 
man event. in der 
Lage ist, für jede 
folgende Formund 
Farbe ein eigenes 
Punkturloch zu 
benutzen. 

Bei kompli- 
ziertem Farben- 
druck wird das 
Einlegen in drei 
oder vier Punk- 
turen gleichfalls 
geraten und auch 
zu ermöglichen 
sein , wenn der 

Gang der Maschine angemessen langsamer ge- 
regelt wird, damit dem Punktierer Zeit zu dieser um- 
ständlicheren, dafür aber sehr sicheren Manipulation 
bleibt. 

Beim Druck kleinerer Auflagen und insbesondere 
bei Formen, welche nicht vieler Farbe bedürfen, ist 
es weit vorteilhafter, den Farbekasten garnicht zu 
benutzen, man reinigt dann nur die Auftragwalzen, 
den grossen Farbezilinder, die Reiber und event. auch 
den Heber, reibt diesen, oder wenn die Feinheit der 
Farbe und die Zusammensetzung der Form seine 
Mithilfe unnötig machen, nur einen Reiber tüchtig 
auf dem Farbestein mit Farbe ein und lässt die 
Maschine dann so lange laufen, bis auch der grosse 
Farbezilinder mit Farbe versehen ist. Benutzt man 
den Heber ohne den Farbekasten und Duktor zum 
Farbendruck, so ist natürlich nötig, dass man ihn 
abstellt, also nicht an den Duktor angehen lässt. 
Wenn die später einzuhebende Form vieler Farbe 
bedarf, so wird man den Reiber vielleicht zweimal 




«LyO_<L l^'X^.t —<f £>. . ^^ 



Uäv>mt^l 






^;^r''¥"'-'"^ ' 






Ornamente von Julius Klinkhardt, Schrift von der Schriftgiesserei Flinsch, 

Initial von Benj. Krebs Nachf. 



und zwar etwas reichlich einreiben müssen, um dem 
grossen Zilinder genügende Farbe zuzuführen, oder 
aber, man wird mittelst einer Ziehklinge direkt einen 
Streifen Farbe auf diesen Zilinder auftragen müssen. 
Ist genügend verriebene Farbe auf demselben vor- 
handen, so setzt man die Auftragwalzen ein und 
reibt auch sie angemessen mit Farbe ein. Dieses 
Verfahren hat übrigens noch einen ganz besondern 
Vorteil: es gestattet die Benutzung weit stärkerer 
Farben, als wenn man den Farbekasten nebst Duk- 
tor mitwirken lässt. Kommt beim Schwarzdruck 
schon viel auf die Stellung der Auftragwalzen an, 
um einen guten Druck zu erlangen , so ist dies beim 
Buntdruck noch weit mehr Bedingung, besonders 

wenn man zarte 
Schriften und zart 
gemusterte, ins- 
besondere guillo- 
chierte Platten 
druckt; stehen in 
diesem Fall die 
Walzen zu tief, 
so schmieren sie 
alle die seichtem 
Vertiefungen der 
Form sehr bald 
voll und man hat 
fortwährend zu 
reinigen ; sonach 
darfder Stand der 
Walzen weder ein 
zu tiefer, noch 
aber ein zu hoher 
sein. Nur glatte, volle Flächen erlauben eine Aus- 
nahme von dieser Regel; bei ihnen dürfen die Wal- 
zen fester aufliegen, also tiefer stehen, damit sie die 
vollen Flächen der Form besser decken. 

Das zu dem grossen Farbezilinder verwendete 
Material bietet mitunter Hindernisse beim Druck ge- 
wisser Farben. Die Messingzilinder z. B. lassen ein 
Zinnoberrot nie in seiner ganzen Frische erscheinen, 
es nimmt vielmehr leicht einen bräunlichen Ton an. 
Abhilfe schaift in diesem Fall das vollständige und 
saubere Reinigen des Farbezilinders und das gleich- 
massige Überziehen desselben mit einem feinen Lack. 
Gründliche Abhilfe schafft, wenn man die Mühe des 

* 

Herausnehmens des Zilinders aus der Maschine und 
die Kosten nicht scheut, das Vernickeln oder Ver- 
stählen solcher Zilinder. Dieses Vernickeln muss 
natürlich entsprechend stark bewerkstelligt werden, 
da ein schwacher Überzug durch das häufige Waschen 
leicht beeinträchtigt wird. Manche behaupten, dass 
wiederum Eisenzilinder, die entschieden praktischer 



'attttfie $et:$et 



893 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. 



394 



als Messingzilinder sind, Karmin trüben sollen; 
Verfasser dieses hat eine gleiche Bemerkung noch 
nicht gemacht. In gleicher Weise, wie mit dem 
messingenen Farbezilinder, hat man Not mit gal- 
vanisierten Platten, da auch das Kupfer durch Zin- 
nober zersetzt wird und der Farbe dann ihr gutes 
Aussehen benimmt. Diesem Vorkommen wird jedoch 
neuerdings durch das Verstohlen der Galvanos voll- 
ständig vorgebeugt. Besser noch ist, anstatt des Zin- 
nobers eine der Farben zu nehmen, welche neuer- 
dings als Ersatz für diese schwere, weniger leicht 
druckbare Farbe fabriziert worden sind. Man um- 
geht auf diese Weise alle Schwierigkeiten und druckt 
noch dazu mit ausgiebigerer, daher meist billigerer 
Farbe. Was die 
Konstruktion des 
gesamten Farbe- 
apparates einer 
Schnellpresse be- 
trifft, die man zum 
Buntdruck be- 
nutzen will , so 
ist bei den Zi- 

Kncferfärbungs- 
maschinen nur ein 
sogenanntes dop- 
peltes (übersetztes) 
Farbewerk, resp. 
ein Farbewerk mit 
vier Auftragwal- 
zen und entspre- Vignette und Schrift von 

chenden Reibern 
mit Vorteil zu be- 
nutzen, denn das einfache Farbewerk vermag die 
meisten Farben nicht genügend zu verarbeiten , be- 
sonders dann, wenn man den Farbekasten benutzt 
und die Farbe durch den Heber vom Duktor ab- 
nehmen lässt. Der Streifen Farbe nämlich, welcher 
vom Heber entnommen wird , kommt direkt auf den 
grossen Farbezilinder und wird hier nur ungenügend 
durch die eine oder die zwei Reibwalzen verarbeitet. 
Folge davon ist, dass die Farbe nicht genug ver- 
rieben und meist streifenweis auf die Auftragwalzen 
und auf die Form gelangt und so einen gleichmässi- 
gen Druck unmöglich macht. Bei den doppelten 
Farbewerken hat die Farbe einen viel weiteren Weg 
zu machen, weit mehr Walzen zu passieren, bis sie 
auf die Form gelangt, sie wird demnach weit feiner 
verrieben und gleichmässiger verteilt. 

Auch bei doppelten Farbewerken muss man 
bei sehr grossen, vollen Flächen, z. B. grossen glatten 
Tonplatten, ein ganz eigenes Verfahren einschlagen, 
um streifig erscheinenden Druck, hervorgebracht 




^ntMta. 



durch das streifenweis stattfindende Abnehmen der 
Farbe durch den Heber, zu verhindern; jedesmal 
nämlich, wenn der Heber am Duktor Farbe nimmt, 
muss man den letztern an seinem Handrädchen 
derart umdrehen, dass sich die volle Rundung des 
Hebers mit Farbe überzieht, von ihm also nicht blos 
ein schmaler Streifen Farbe auf die übrigen Walzen 
übertragen wird. Diese Manipulation hat insofern 
manches Schwierige, als man immer am Duktor 
bleiben und gehörig aufpassen muss , dass man den 
Heber stets voll und genügend mit Farbe versieht; 
ist ein Entnehmen der Farbe bei jedem Bogen nicht 
notwendig, so hat man noch dazu so lange den Heber 
abzustellen, bis ein Farbenehmen wieder nötig ist. 

Diese umständ- 
liche Manipulation 
wird natürlich nur 
bei den Maschinen 
älterer Konstruk- 
tion nötig sein, die 
neueren Maschi- 
nen mit ihren voll- 
kommenen Farbe- 
werken, insbeson- 
dere ihren zahl- 
reichen Reib- und 
Zwischenwalzen, 
bedürfen dieser 
Vorsicht bei der 
Farbengebung 

der Schriftgiesserei Fiinsch. uicht, Vorausge- 

setzt, dass an den- 
selben überhaupt 
eine Abgabe der vom Heber frisch genommenen 
Farbe zur rechten Zeit vorgesehen und die Ver- 
reibung auf sämtlichen Walzen ordentlich bewerk- 
stelligt ist, bis die Farbe auf die Auftragwalzen, resp. 
auf die Form kommt. 

Für den Farbendruck auf der Schnellpresse ist 
ferner noch zu empfehlen: Wenn es irgend möglich 
ist, so vermeide man, zwei Exemplare einer Form 
auf den Bogen zu drucken, d. h. man lasse das 
Papier, der besseren Führung durch die Bänder 
wegen, nicht doppelt gross und bedrucke nicht den 
halben vordem und den andern halben hintern Bogen 
mit einem Exemplar, wie man dies meist bei ein- 
seitigen Accidenzarbeiten zu thun pflegt, weil der 
Bogen in diesem Fall bei jeder Farbe noch einmal 
mehr durch die Punkturen gehen muss, was man, 
wenn irgend möglich, bei mehrfarbigem Druck ver- 
meidet; auch lässt sich ein kleiner Bogen viel regel- 
mässiger punktieren wie ein grösserer, daher auch 
ein weit gleichmässigeres Registerhalten ermöglicht 

23* 



f 6(5o5or f ro^Ii^. 



Der Buntdruck auf Budidruckpresseti. 



396 



wird. Für derartige Arbeilen ist es allerdings Haupt- 
sache, dass ein ruhiger und geschickter Punktierer 
das Einigen besoi^t, denn eine unruhige Hand kann 
einen grossem Teil der Auflage unbrauchbar, zum 
mindestens aber mangelhaft in Bezug auf das In- 
einanderpassen der Farben machen. 

Es sei an dieser Stelle noch die Art und Weise 
erwähnt, wie man auf 
einfachen Maschinen 
zwei Farbe)t zu gleicher 
Zeit drucken kann. 

Ohne Zweifel kann 
man zwei Farben mit 
weniger Umständen und 
Kosten auf einer ein- 
/flcÄCTi Maschine wie auf 
einer Zweifarbenma- 
schine herstellen, wenn 
die erstere nur ein dop- 
pelt so grosses Format 
druckt, wie die be- 
trePfende Arbeit erfor- 
dert, wenn sie ein gutes 
Farbewerk besitzt und 
wenn endlich auch ein 
entsprechend grosses 
Papier' zur Verfügung 
steht. Maschinen, wei- 
che zum doppelten An- 
legen emgerichtet sind. 
dürften in diesem Falle 
insofern von besonde- 
rem Vorteil sein, als 
man dann geteiltes Pa- 
pier anlegen lassen und 
sich dadurch ein noch 
besseres Stehen des 
Registers sichern kann, 
als wie bei doppelt so 
grossem Papier, das ein 
Anleger anl^en und 

punktieren muss. (S. d. oben stehende Bemerkung 
über das Anlegen resp. Drucken grosser Bogen auf 
Vorder- und Rückseite.) 

Beim doppelten Anisen werden die beiden 
Sätze in gleicher Richtung geschlossen, also eventuell 
beide Köpfe oder beide Fussenden der Formen gegen 
die Walzen, im zweiten Fall, d. h. wenn man mit 
einem Anleger Papier von doppeltem Format ver- 
druckt, müssen sie selbstverständlich voneinander 
entgegengesetzt geschlossen werden, d. h. eventuell 
von der einen Form der Kopf, von der andern der 
Fuss gegen die Walzen, da das Papier beim zweiten 



Druck umdreht wird. In manchen Fällen wird das 
letztere Verfahren allerdings Umstände bereiten; ist 
das Format der Arbeit ein sehr grosses, so wird sich 
das umfangreiche Papier schwer so exakt anlegen 
lassen, dass das Reistet genau steht; die geringste 
Verzerrung des Bogens beim Einlegen in die obere 
bewegliche Punktur zieht eine Differenz im Register 
nach sich und je höher 
das Papier, desto grösser 
wird dieselbe an den 
obern äusseren Rän- 
dern sein. Es gibt auch 
hiergegen ein Mitte! : 
dies besteht darin, dass 
man oben und unten in 
^MjeiPunkturen einlegen 
lässt; freilich sind für 
diesen Zweck die früher 
erwähnten , eigenen 
Punktur en nötig, und 
muss der Gang der 
Maschine ein langsame- 
rer sein, da sich erklär- 
licher Weise das Ein- 
legen in vier Spitzen 
nicht so leicht bewerk- 
stelligen lässt, wie das 
in nur zwei. 

Man benutzt, nach- 
dem mEm beim ersten 
Druck vorn und hinten 
je zwei gewöhnliche 
oder Friebelsche Schlag- 
punkturen in die Form 
gesetzt hat, für die 
weiteren Formen, resp. 
Farben mitVorteilPunk- 
turen, auf deren oberer. 
viereckiger, zum Fassen 
des Schlüssels bestimm- 
terFiäche(welehe in die- 
sem Fall angemessen vergrössert ist und mittelst einer 
Zange gefasst werden kann, wenn die Punktur ein- 
gesehraubt werden soll) ewei Spitzen angebracht sind 
und die dann auf dem Zilinder so eingeschraubt 
werden können, dass die Spitzen neben, eventuell 
auch hintereinander stehen können, je nachdem man 
die Punktur dreht. Praktischer noch ist eine solche 
Punktur zum Aufkleben , wie sie ja auch von Friebel 
seinen Schlagpunktureu beigegeben werden. 

Ganz dieselbe Einrichtung, die natürlich in Be- 
zug auf den Abstand der Spitzen genau mit den durch 
die erste Form vorgestochenen Löchern überein- 



Tielnricli e)ch( 



ppei 



n der SctariFteieseorai FlJDSch. 



39" 



Der Buntdruck auf Buchdruck pressen. 



stimmen muss, erhält die obere bewegliche Punktur. 
Durch diese Doppeipunkturen ist dem Bogen eine 
weit festere und genauere Lage gesichert, wie durch 
zwei einfache Punkturen ; es ist demnach dem Ver- 
ziehen des Bogens seitens des Einlegers so ziemlich 
voi^ebeugt, wenn man genau darauf achtet, daiss sich 
die bewegliehe Punktur leicht aus dem Bogen heraus- 
zieht, ohne ihn nachträglich zu verschieben. Auch 
ist es unter allen Umständen geraten, den Bogen so 
lange zu halten, bis sich die Greifer geschlossen 



Form einzusetzenden oder die in den Mittelsteg ein- 
zuschraubenden Punkturen vorzuziehen. 

Wenn vorhin gesagt wurde, das Umdrehen eines 
grossen Bogens bringe Schwierigkeiten mit sich, so 
bezieht sich dies auch auf die zu erzielenden Farben- 
nüancen der Mischfarben. Es ist nämUch, wie wir 
bereits früher bemerkten, in vielen Fällen durchaus 
nicht gleichgiitig, ob man z. B., um Grün zu erzielen, 
Gelb auf Blau oder Blau auf Gelb druckt; bei Be- 
nutzung grosser Bogen würde durch das Umdrehen 



.V,/«,. 




'»finema)i?>f 



Ranken von Bcnj. Knba 

HauptzeJle und Zng t< 



haben. In vielen Fällen geni^t auch schon das Ein- 
igen des Bogens oben an der hew^licken Punktur 
in zwei Spitzen, weil hier oben der Bogen am meisten 
dem Verziehen durch die Hand des Punktierers aus- 
gesetzt ist; die vordere Punktur ist als Doppelpunktur 
weit weniger nötig. 

Es versteht sich von selbst, dass wenn man bei 
der ersten Form überhaupt Punkturen in den Zilinder 
setzt, man auch hinten im Zilinder und zwar in ganz 
gleichem Abstände vom Rande des Papiers, wie vorn, 
eine Doppelpunktur einzuschrauben hat und dass 
man, wenn für diese Punktur ein passendes Loch 
dort nicht vorhanden, eine Doppelpunktur zum .4«/- 
hl^en oder eine sogenannte SchUtspunktur benutzen 
muss. Diesen Punkturen sind jedoch, wie früher 
erwähnt , für den ersten Druck bei Weitem die in die 



wenigstens bei der einen Hälfte der Auflage eine von 
der andern abweichende Nüancierung des Grün ein- 
treten, und das dürfte in vielen Fällen ein Hindernis 
sein. Bei doppeliem Einlegen dagegen ist dieser Übel- 
sland zu vermeiden, wenn man wenigstens eine 
Anzahl Drucke der zuerst zu druckenden Farbe 
abzieht und dann erst mit dem Aufdruck der andern 
beginnt; freilich muss in diesem Falle Jemand zur 
Hand sein, der die Stösse von dem Auslegetische 
wegnimmt und dem zweiten Einleger zustellt. Zur 
Sicherung eines guten Registers kann auch beim 
doppelten Einlegen die vorhin erklärte Punkturen- 
vorrichlung benutzt werden. 



(Forst 



g folgt.) 



. I 



Pappetypen für besondere Fälle, — Prämiierungs-Bericht, 



«K) 



Pappetypen ftir besondere Fälle. 

^^n »Printers Register« beschreibt ein Buch- 
ISa3 drucker, wie er sich in Fällen, wo besondere 
Tj-penzeichen, welche nicht vorrätig sind und über- 
haupt nicht vorrätig sein können, fehlten, geholfen, 
um sie ohne besondere Schwierigkeiten herzustellen. 
Er hatte einen Anschlagzettel zu drucken, in welchem 
das Zeichen 1^ (die gewöhnliehe englische Abbrevia- 
tur für 1 Pfd Sterhng) in der Grösse vorkam, dass sie 
die Höhe von zirka 8 Cicero einnahm. Um das Zeichen 



da wiederholt wird, so ist die Dauer unendlich. 
Nachdem der erste Versuch befriedigend ausgefallen, 

kam er gelegentlich mehrmals zur Anwendung. 

Nach diesem Verfahren können Initiale, Orna- 
mente oder Schriftzeichen von ungewöhnlicher 
Grösse, bei denen kein grosses Kunstgeschick ver- 
langt wird, schnell und wohlfeil hergestellt werden. 

Beim Firnissen ist darauf zu sehen, dass alle 
biossliegenden Pappepartien davon betroffen werden. 



Leulemann, Schritt van Ludwig & Mayer. 



herzustellen, machte er einen Versuch mit einem 
entsprechend grossen Stück etwa Cicero dicker 
Strohpappe, auf welche das Zeichen mit Bleislift 
vorgezeichnet wurde. Das Ausschneiden geschah 
mit einem sehr scharfen Sehuhmacherkneif bis in 
die Hälfte der Pappendicke. Die übrige Pappe wurde 
mittelst eines Meisseis und Hammers rundrum abge- 
stossen und dann mit einem Hohlmeissel geglättet. 
Das Pappezeichen wurde mit Zwecken mit 
flachen Köpfen auf einen so hohen Holzklotz genagelt, 
dass das Ganze Schriflhöhe ausmachte. Etwaige Un- 
ebenheiten auf der Oberfläche wurden mit Wachs 
ausgeglichen, worauf ein Anstrich mit einer starken 
SclielUacklösung, der auch auf die Seitenränder aus- 
gedehnt wurde, erfolgte. Die Auflage betrug 300 und 
nach dem Ausdrucken zeigte das Zeichen nicht die 
geringste Spur von Abnutzung. Es würde Tausende 
ausgehalten haben und wenn das Firnissen hier und 



Prämiierungs-Bericht 

von der Industrie- und Gewerbeausstellung 
in Hamburg'. 

Iteit <e ItiiUjtpif höchste Auszeichnung, Gol- 
dene Medaille für chemische Produkte, bunte und 
schwarze Druckfarben, Walzenmasse >Hammonia', 
Firnisse etc. 

Gttst. IMedrich «e Co., Silberne Medaille 
für korrekte, saubere und geschmackvolle Ausführ- 
ung verschiedenster Accidenzarbeiten in Satz und 
Druck. 

Dazu als Nebenpre^s: M. 100.— , gestiftet von der 
Volksbank E. G.. für eine Kollektion gut uud geschmack- 
voll ausgeführter ßuchdruckarb eilen. 

Mitarbeiter- Diplome für : 1) Jlfox Ldtnert , Ober- 
maschinen meisler, 2) Hermami Toa^ierti, Schriftsetzer, 
3) Wilhelm Wemecke, Faktor. 



401 



Prämiierungs-Bericht von der Industrie- und Gewerbeausstellung in Hamburg. 



402 



Carl G^Hese^ Silberne Medaille für gut 
hergestellte Liehtdnickreproduktionen verschiedener 
Arten. 

Mitarbeiter -Diplome für: 1) Georg Albers, Stein- 
drucker, 2) Heinrich Fomdran, Lichtdrucker, 8) Carl 
Grabo, Lichtdrucker, 4) Eichard Floss, Zinkätzer. 

IT. W. Kahler 9 Silberne Medaille für Plakate 
in lithographischem Farbendruck von vreitreichender, 
dem Zwecke entsprechender Wirkung, in deren Ent- 
wurf sich ein beachtenswerter Zug künstlerischen 
Strebens bekundet. 



Dazu als Nebenpreis: 1) M. 100. — gestiftet von der 
Innung des Hamburgischen Buchdrucker-Prinzipal-Vereins 
für mehrfarbigen Buchdruck. 

2) M. 100. — gestiftet vom Bürgerverein Barmbeck für 
die hervorragendste Leistung in Accidenzdruck-Arbeiten. 

Mitarbeiter- Diplome für: 1) Otto Schlotke, Setzer, 
2) Joh, Burmester, Maschinenmeister. 

Verliujsanstalt tind JDriickerei A.'G. 

(vormals J. F. Richter), Silberne Medaille für umfang- 
reiche Verlagsthätigkeit in mehreren Literaturzweigen, 
sowie für gute Ausführung mannigfaltiger graphischer 
Erzeugnisse. 




M^ 




^ 





Einfassung No. 3224-31 der Sehriftgiesserei Flinsch in Frankfurt a. M. 



Min. 3 kg k Vi kg M. 4.50. 



















"■^""""■' " '■'"^"^'^ 



Dazu als Nebenpreis: M. 200. — aus dem von den 
Herren von Indulfy & Conström gestifteten Preise für 
die beste Gesamtleistung in Plakatdrucken. 

Mitarbeiter-Diplome für : 1) JoJiannes Hoffmann, Stein- 
drucker, 2) Carl Bärendorff. Steindrucker, 3) Gustav 
Waldschlägel, Lithograph. 

Mühlmeister & Johler, Silberne Medaille 
für geschickt entworfene und technisch gut aus- 
geführte Farbendruckplakate von besonderer Fern- 
wirkung. 

Dazu als Nebenpreis: M. 100. — aus dem von den 
Herren von Indulfy & Conström gestifteten Preise für die 
beste Gesamtleistung in Plakatdrucken. 

Ferd. Sehlotkef Silberne Medaille für ge- 
schmackvollen und vortrefflich gedruckten Acci- 
denzsatz. 



Dazu als Nebenpreise: 1) M. 100. — gestiftet von der 
Innung des Hamburgischen Buchdrucker-Prinzipal-Ver- 
eins für guten Werkdruck. 

2) M. 200.— gestiftet von Herrn Dr. Emil Hartmeyer 
für die vollendetste Leistung in illustriertem Buchdruck. 

3) eine silberne Ehrengabe von den Herren Beit & 
Philippi für dievorzüglichste Kunstdruckarbeit in Buchdruck. 

4) M. 200.— gestiftet von dem Hamburg- Altonaer 
Buchhändler-Verein für die besten Calico-Einbände mit 
Lichtdruck, Gold- oder Farbenpressung. 

Mitarbeiter-Diplome für: 1) Vorsteher der Xylographie 
Feuerlein, 2) Vorsteher der Steindruckerei Thilow, 3) Vor- 
steher der Buchbinderei Kühn, 4) Vorsteher des Buch- 
druckmaschinensaals Heine. 

Leo Ketnpner & Co., Brmzene Medaille 
für gute Reproduktion von Ölgemälden moderner 
Künstler in Chromolithographie. 



Noyitätea der Schriftgiesserei J. G. Schelter & Olesecke is Leipzig. 



Zicrschrift „Aurora". 

I. 132«. Cicero t- 30 A ^ Vi Salz ci 



I. @. S€NEK1E8 & @IESE€KS. EEIPZI@ 



I27I1. Konturljpa titHh * 
S7b. Elndrucfclype "■"■"'■ 



flifarbig ca, s,s ke. 



TERNATIONALE AUSSTELLUNG 6 



S8b. Eindrncklypc '^''t 



'Cirarbif ca. IO,G kg. 



KAISER ALEXANDER 



No. lS29b. Eindracktips ""PP«'' 



■foitfttbig ca. 1B,8 ks- 



AINZ BERLIN ULM 



^M 



ROBINSON 



Zierlini«n in Hartmetall. 

indH&lbpetit ji SIDck M. D.lä. Nonpikreill« ä Slflck M. 0.20. Ciricu i Slück M.O.KA. Znsninmen (je 1 Stück) M. 3.- 
■Icero. Nonpareille. Hnibpatll. 

%g&^^ ^-.A^jfs^'-^-^ -rf&sVfSö^ .-.-s.<^|p<E-. 



Eclten Ton J, G. Scbeltcr 4 Giesecfce In LsipiiE. 



B^ 



m 



^aH 



NoiiUttn 1er Sclirlftgieiserei J. G. ScMttr & Cleiecke in Ltlpd;. 



Schri(tzeilen>chmuck. 

Ko. JIM— J13B, 71*0-7149, T158-71M, 716B it Paar M. 0.60. No. 713B. 7150. 7151, 7157, 7180 k Paar M. 0.70. 
Kd, 7155. 7156, 7155 i. Paar M. 0.80. Komplett (je S Stück) M. IE.-. 

^^^-^.^^^^^ 

713t 7135 71*1 7139 7137 JIM 7t5S 




Eckatiicken und Vignetten. 

No. SlUt k M. 1.—, No. ai03 k M. 0.60, No. SiO* i M. 075, No. 5105 k H. 1.-, Mo. 3106 & M. 0.60, No. S107 k M. 0.60, 
No. 3100, 3100, 9310, SSll k M. 0.B0, Mo. 3ilt k M. O.SO, No. 3il3 k M. 1.10. 



-% t<^ 





NoYitäten der Schriftgiesserei J. 6. Schelter & Giesecke in Leipzig. 

Lateinische Schreibschrift, 

No. 1284. 3V< Cicero.t* 20 a 6 A, 11.6 kg k kg M. 7 60. 





Korrespondenz. 

Mo. 1167.t 6 Cicero. 6 a 8 A, 7,7 kg k kg M. 7.—. Gemeines allein 8,5 kg k kg M. 7.—. 





€l^Xt24/lH 




'^a/n4M^m'&. 




Kurrent. 

No. 1168.t 5 Cicero. 6 a 8 A 7,6 kg ä kg M. 7.—. Gemeines allein 3,4 kg k kg M. 8,—. 




wf^mim>i 





Halbfette Korrespondenz. 

No. 1169.t 5 Cicero. 6 a 8 A 8,7 kg a kg M. 7.—. Gemeines allein 4,5 kg k kg M. 7.—, 




Ecken von J. G. Schelter ft Giesecke in Leipzig. 



409 



Schriftprobenschau. 



410 



Dazu als Nebenpreis: eine silberne Ehrengabe, gestiftet 
von den Herren Beit & Philippi für die vorzüglichste 
Buntdruckarbeit in Steindruck. 

!£• O. Persiehlf Bronzene Medaille für viel- 
seitige Leistungen in Accidenzsatz und Druck , sowie 
in Gesehäftsbücherfabrikation. 

Dazu als Nebenpreis: M. 100.— gestiftet von der 
Innung des Hamburgischen Buchdrucker-Prinzipal- Vereins 
für kaufmännische Druckarbeiten. 

Mitarbeiter-Diplome für: 1) Patd Schulz, Faktor, 
2) Ferd. KOsell, Buchbinderei-Vorsteher. 

JPlesse & lAlhrs, J. F. Fabricius Nachf., 
Bronzene Medaille für gut ausgeführte typographische 
Accidenzarbeiten. 

Dazu als Nebenpreis: M. 100. — gestiftet von der 
Typographischen Gesellschaft in Hamburg für Druck- 
arbeiten. 

Schroeder & Jeve^ Bronzene MedaiUe für 
besonders sauber ausgeführte tabellarische Buch- 
druckarbeiten. 

Dazu als Nebenpreis: M. 200.— gestiftet von Herrn 
Dr. Emil Hartmeyer, für tabellarische Buchdruck- 
arbeiten. 

Mitarbeiter-Dipiom für: Amandus Lampe. 



W. R. Hecke, Bronzene Medaille für gut 
gearbeitete Buchdruckerei-UtensiUen. 

Mitarbeiter-Diplom für: Georg Löhner. 




Sehriftprobensehau. 

[ine neue schrägliegende Zierschrift, Favorit- 
Schrift benannt, liess Wilhelm Oronaus 
Schrißgiesserei in den Graden Tertia, Text, Doppel- 
cicero und Dreicicero schneiden und veröfTentücht 
dieselbe auf einer heute beiliegenden Probe. Diese 
Zierschrift entspricht ganz dem Genre der in letzter 
Zeit von den Schriftgiessereien gebrachten ameri- 
kanischen Schriften und reiht sich ihnen durch origi- 
nellen, gleichmässigen und gedi^enen Schnitt würdig 
an, kann also mit Recht als eine willkommene 
Bereicherung dieser zumeist sehr beliebten Schrift- 
arten bezeichnet werden. Die Giesserei hat, wie sie 
auf der Schriftprobe bemerkt, alle Figuren schneiden 
lassen, welche für den Satz der meisten modernen 
Sprachen erforderlich sind, sie gibt ferner die ornier- 
ten Versalien allein ab, damit Druckereien, welche 
ähnUche Schriften wie die Gemeinen bereits besitzen, 
durch Anschaffung der omierten Versalien in den 
Stand gesetzt werden, diese mit jenen Gemeinen zu- 
sammen verwenden zu können und so eine Ab- 
wechslung zu schaffen. 

Die Schriftgiesserei Oscar Lässig (Wien) über- 
sendet uns Proben von Initialen, Faschingsvignettenj 



sowie von Gebetbuch- und Trauervignetten. Alle 
diese Erzeugnisse der Firma verdienen Anerkennung 
durch ihre gefällige Zeichnung und sorgfältige Aus- 
führung. Der gute Eindruck dieser Novitäten wird 
leider, was die Gebetbuch- und Trauervignetten 
betrifft, beeinträchtigt, wenn sie in der auf der 
Probe gezeigten Weise mit Typeneinfassungen um- 
geben und zur Erzielung einer gewissen Breite durch 
Ansetzen von Ornamenten vervollständigt worden 
sind. Dies hätte in sorgfältigerer und geschmack- 
vollerer Weise geschehen sollen. 

Bei Gelegenheit der ausführlichen Besprechung 
des neuesten Folgeheftes der Schriftproben von der 
Schrißgiesserei Flinsch hoben wir besonders lobend 
die Einfassung No. 3224—3231 hervor. Wir drucken 
heute, damit sich unsere Leser selbst ein Urteil über 
dieses gefällige Material bilden können , die wenigen 
Figuren der Einfassung ab, hoffend, dass diese, wie 
in der Besprechung hervorgehoben, besonders zur 
Ausschmückung und Abrundung von Ovalen, Kreisen 
und quadratischen Sätzen bestimmten Ornamente, 
auch ihren Beifall finden werden. Geeignete Anwen- 
dungen müssen wir uns für diesmal vorbehalten, 
möchten aber noch darauf hinweisen , dass auch das 
übrige auf unserer Probe verwendete Material aus 
der Schriftgiesserei Fünsch stammt. 

Zwei von den in jener Besprechung gleichfalls 
erwähnten Gratulationsvignetten haben wir in dem 
Text des heutigen Heftes zur Ansicht unserer Leser 
gebracht. Wir zweifeln nicht, dass die abgedruckten 
Muster gefallen und manchen derselben veranlassen 
werden, davon für das nächstjährige Neujahrsfest 
Gebrauch zu machen. Weitere dieser Vignetten 
lassen wir, noch rechtzeitig für Neujahr, in Heft 1 des 
nächsten Jahrganges folgen, in welchem Heft wir auch 
den reichen Schatz von Einfassungen und Schriften 
zu veröffentüchen gedenken, welche uns die Schrift- 
giesserei Flinsch in freigebigster Weise spendete. 

Die uns ferner in Guss zugegangenen Novitäten 
der Schriftgiesserei J. G. Schelter & Giesecke Rillen 
drei Seiten unseres heutigen Heftes, obgleich sie 
nur einen kleinen Teil der Neuschöpfungen dieser 
Giesserei in der letzten Zeit repräsentieren. Diese 
Thatsache ist wohl ein genügender Beweis von dem 
unermüdlichen Streben genannter Firma, das typo- 
graphische Material fortlaufend in reichhaltiger und 
brauchbarer Weise zu vervollständigen und ihre 
Kundschaft nach allen Richtungen hin zu befriedigen. 

Die gefällige Zierschrift Aurora sei hier an 
erster Stelle genannt, weil sie, obgleich zum jefwei- 
farbigen Druck bestimmt, doch aber in ihrer Kontur-, 
wie in ihrer Eindrucktype zwei schön gezeichnete, auch 
einzeln zu verwendende Zierschriften repräsentiert. 



411 



Satz und Druck unserer Probeblätter. — Zeitschriften und Bücherschau. 



412 



Auf demselben Blatt befinden sich Zierlinien in 
Hartmetall von Viertelcicero bis Cicero , sämtlich in 
neuen, zierlichen und ansprechenden Mustern. Das 
ganze Sortiment aus je einer der verschiedenen 
Linien bestehend kostet nur 3 Mark , eine Ausgabe, 
die jede, auch die kleinste Offizin aufwenden kann, 
um sich dieses hübsche Material zu erwerben. 

Wir finden ferner sogenannten SchriftgeUen- 
schmuck in siebenundzwanzig diversen Mustern , da- 
runter eine Anzahl im amerikanischen Geschmack 
gehaltene, sowie diverse Eckstücke ^ von denen 
wiederum die No. 3103 — 3107 dem gleichen, etwas 
extravaganten Geschmack entprechen; sie zeigen 
sich als eingerissene Ecken eines Papierblattes. Zwei 
Gutenberghüsten und zw^ei Eulen darstellende Vig- 
netten sind dieser Kollektion einverleibt. 

Endlich haben wir noch auf die verschiedenen 
schönen, schwungvollen Schreibschriften und auf die 
Fedemüge hinzuweisen, welche die dritte Seite zieren. 
In Bezug auf diese Züge bemerken w^ir, dass der zu 
Gebote stehende Platz uns nur erlaubte, von der 
aus zwanzig Stück bestehenden Kollektion vier 
Muster abzudrucken. Diese vier Muster zeigen aber 
im Verein mit den verschiedenen schönen Schreib- 
schriften, dass sie in Wirklichkeit originell, schwung- 
voll und sehr gefällig zu verwenden sind. 

Für diese Seite benutzten wir originelle und 
einfach schöne Ecken von F. A. Brockhaus, während 
die übrigen mit solchen von J. G. Schelter & Giesecke 
geziert sind. 




Satz und Druck unserer Probeblätter. 

|ie Rechnung, Blatt Hh unserer heutigen Proben 
entlieh ihren Hauptschmuck der Holbeinein- 
fassung von J. G. Schelter & Giesecke im Verein mit 
den Renaissance-Linienomamenten^ neueren Schreib- 
schriften und einer Zierschrift (G. Strese) derselben 
Firma. Die zur Verwendung gekommenen Vignetten 
verdanken wir den Firmen Bauer & Co. (Standarten- 
träger) und Paul Leutemann (Rechnung). 

Blatt Oo, ein Avisbrief, ist bezüglich der Ein- 
fassungen zur Hauptsache aus solchen von Bauer d; 

^^^^S^ üeferte Otto Weisert, 




Co. gesetzt , die mittle 
die Texischriß und die Zeile Ernst Arnold Benj. 
Krebs Nachf^ die Unterschrift Genzsch & Heyse und 
die Zierschrift (Besuchsanzeige) Ludwig & Mayer. 
Für beide Arbeiten dienten uns Muster aus der HofT- 
mannschen Buchdruckerei in Stuttgart (Setzer Kirch- 
hoff) als Anhalt. 



Blatt Ss endlich ist eine Arbeit der Offizin von 
J. G. Schelter <$; Giesecke^ deren neueste Erzeugnisse 
sich auf demselben in Form eines Umschlages 
in vorteilhaftester Weise präsentieren. Beachtung 
verdienen insbesondere die Leisten, Neuen Ecken 
und Zierlinien, wie die höchst gefällige Zierschrift 
(Optische), welche diese, in der Gieseckeschen Offi- 
zin mit peinlichster Accuratesse gesetzte Beilage 
schmücken. 



Zeitschriften und Büehersehau. 

— Kalender für den Orientalisten-Kongresa 1889/90. 
Dieser originelle, von Herrn Joh. Baensch, Besitzer der 
DrugvMnschen Offizin in Leipzig, den Mitgliedern des Achten 
Internationalen Orientalisten-Kongresses gewidmete Kalen- 
der, kann wieder als ein bemerkenswertes Erzeugnis ge- 
nannter Offizin bezeichnet werden. In schmalem Hochfolio 
gedruckt, jede Seite mit stilvoller Einfassung in Braun und 
Blau umgeben, bringt der Kalender ausser der ausführ- 
lichen Widmung und gleichzeitigen Empfehlung der Offizin 
zum Druck fremdsprachlicher Werke ein auf 16 Seiten 
angeordnetes Kalendarium für die Monate September 1889 
— Dezember 1890, sowie 2 Seiten für Notizen und, was 
ihn besonders wertvoll macht, auf der Rückseite der Seiten 
18 Beiträge namhafter Gelehrter in allen orientalischen 
Sprachen, zum Teil auch zugleich in lateinischer, deutscher, 
englischer und französischer Ubersetzitng, Der Kalender 
ist demnach nicht allein eine Arbeit von hochwissenschaft- 
lichem Wert, sondern er gibt auch den überzeugendsten 
Beweis von dem reichen Schatz der Drugulinschen Offizin 
an orientalischen Typen aller Art und von der Leistungs- 
fähigkeit derselben in der korrekten Druckausführung 
einschlägiger Werke. 

— Codex aureus. Bei Alphons Dürr in Leipzig er- 
schien, so schreibt die Trierische Landeszeitung, in diesen 
Tagen die lange erwartete Publikation über den hiesigen 
Codex aureus. In derselben wird das Groldene Buch 
konsequent Ada-Handschrift genannt, nach seiner Stif- 
terin Ada, einer Schwester Karls des Grossen. Dass 
dieselbe eine Tochter Pippins gewesen, erscheint durch 
die Untersuchungen des Prof. Dr. Menzel, welche einen 
Teil des Textes der Publikation bilden, endgültig festgestellt. 
Ausser dem genannten Gelehrten sind noch fünf hervor- 
ragende Vertreter der Wissenschaft, der Mehrzahl nach 
Bewohner des Rheinlandes, an dem monumentalen Unter- 
nehmen beteiligt, nämlich die Herren; Prof. Dr. Lamprecht 
in Bonn, Prof. Dr. Janitschek in Strassburg, Dr. Corsseu 
in Jever, Domkapitular Schnütgen in Köln und Prof. Dr. 
Hettner in Trier. Die Arbeit verteilt sich folgendermassen : 
Menzel: Codex und Paläographie , Corssen: Bibeltext, 
Janitschek: Bilderschmuck, Schnütgen: Einbanddecke und 
Hettner: Gemme (Sardonyx). Die 3 ersten Arbeiten sind 
Abhandlungen von tief einschneidender Bedeutung für das 
Schriftwesen, die Textkritik und die Kunstgeschichte. Die 
Hauptergebnisse lassen sich in folgendetn zusammenfassen. 
Der Pergamentcodex, mit anderen karolingischen, nament- 
lich in Soissons und London, verwandt, ist zur Zeit der 
karolingischen Renaissance von zwei Händen, welche der 
Aachener Schule (Schola palatina) nahe stehen, geschrieben. 



413 



Mannigfaltiges. 



414 



Der Bilderschmuck stammt von einem Künstler der Metzer 
Schule; andere Schulen waren in Tours, Corbie u. s. w. 
Der Codex hat dem Texte nach eine Überarbeitung (Kor- 
rektur) nach der Zeit der Alcuinschen Textreform erfahren 
und stellt eine Art Abschluss der von Alcuin ins Leben 
gerufenen Revision der Vulgata dar. Zur Bestimmung 
seiner Stellung innerhalb der karolingischen Renaissance 
sind grundlegende Studien auf zum Teil weit hergeholtem 
Material fussend gemacht und eine neue Etappe für die 
einschlägigen Disciplinen gewomien. Die Ausstattung ent- 
spricht durchaus der Wichtigkeit der Publikation und der 
Würde ihres Gegenstandes. Die 38 photolithographischen 
und chromolithographischen, wirklich ausgezeichneten 
Tafeln entstammen der chalkographischeu Abteilung der 
Reichsdruckerei in Berlin. Die von der Gesellschaft für 
rheinische Geschichtsforschung bestrittenen Druckkosten 
der ganzen Auflage betragen 7000 Mark; das Exemplar 
kostet im Buchhandel 85 Mark. Dieser Aufwand erscheint 
durch die nunmehr feststehende Thatsache gerechtfertigt, 
dass der Ada-Codex unter den karolingischen Handschriften 
des Rheinlandes einzig dasteht und das wichtigste Denk- 
mal des ersten Aufschwunges deutscher Kunst darstellt. 

— Das 4. Heft der illustrierten Zeitschrift »Universum« 
schliesst sich würdig den vorausgegangenen Heften an. 
Ausser den Fortsetzungen der laufenden Romane und 
Erzählungen enthält es euie grössere Anzahl kleinerer, 
den Leser interessierender Artikel. Der Bilderschmuck, 
sowie die Kunstbeilagen, sind wie gewöhnlich, namentlich 
in Anbetracht des überaus geringen Preises — das Heft 
kostet nur 50 Pfg. — vortrefflich zu nennen. 



Mannigfaltiges. 



— Jubiläen. 60j ähriges. Am 1. Oktober der Oberfaktor 
Wilhelm Bast und der Korrektor Karl Groh in der Reichs- 
druckerei in Berlin. — 50j ähriges. Am 1. Oktober die 
Buchdruckerei und lithographische Anstalt von Heinrich 
König in Lüneburg. — Der Faktor der Buchdruckerei von 
Alexander Wiede in Leipzig Herr Schuwardt daselbst. — 
Der Handpressendrucker Aug%A8t Botder in der Reichs- 
druckerei in Berlin. 

— Auszeichnungen. Herr Joh. Baensch (Firma Drugulin) 
in Leipzig erhielt anlässlich des in Stockholm tagenden 
Orientalisten-Kongresses vom König vom Schweden die 
goldene Medaille am blauen Bande für Kunst und Wissen- 
schaft. — Herrn Adolf Meyer, Teilhaber der Schriftgiesserei- 
Firma A. Meyer & Schleicher in Wien, wurde das Goldene 
Verdienstkreuz verliehen. 

— Gescf^ftliches. Herr Otto Benstein, Prokurist der 
Firma W. Büxenstein in Berlin, ist in das genannte 
Geschäft als offener Gesellschafter aufgenommen worden. 

— Auf Veranlassung der Tarifkommission für Deutsch- 
lands Buchdrucker fand in Dresden am 9. Oktober eine 
allgemeine Versammlung der Prinzipale daselbst zum 
Zwecke der Errichtung eines Schiedsgerichts für Tarif- 
streitigkeiten statt. Als Mitglieder wurden in dasselbe 
gewählt Herr Stadtrath Schröer, Herr Johannes Pässler, 
Herr Arthur Schönfeld und als Stellvertreter Herr Robert 
Heinichen (B. G. Teubner) und Herr Josef Philipp. Da 
die Wahl der Gehilfenmitglieder auch bereits stattgefunden, 
wird das Schiedsgericht voraussichtlich am 1. Januar 1890 
in Thätigkeit treten. 



— t Lie Schriftgiesserei der Londoner' Times, Die 
technische Leitung dieses Weltblattes hat es für vorteil- 
hafter befunden, den grössten Teil der zum Satz verwendeten 
Schriften im Etablissement selbst giessen zu lassen. In 
demselben sind vier grosse Schriftgiessmaschinen aufgestellt, 
welche die Schriften nicht allein giessen, sondern sie auch 
automatisch abbrechen, bestossen, schleifen und die einzelnen 
Sorten in Reihen aufstellen, mit einem Wort, sie für die 
unmittelbare Abgabe an die Setzmaschinen Hattersleyschen 
Systems fix und fertig machen. Abgelegt werden nur die 
vereinzelt vorkommenden grösseren und auszeichnenden 
Schriften, während die Textschriften nach dem Stereotypiereu 
wieder in den Schmelzkessel zum Umguss wandern. Die 
Kosten des Umgiessens stehen nur um ein Geringes höher 
als die des Ablegens und Aufsetzens in Reihen. Das 
Wegfallen letzterer mit der Hand auszuführenden Manipulation 
gleicht die kleine Mehrausgabe für das Neugiessen voll- 
kommen aus. (Pr. Reg.) 

— t E"i amerikanischer Schriftgiesser hat die ganz 
zweckmässige Einrichtung getroffen, die Kapitälchen o, s, 
V, w, x und z mit einer Extrasignatur zu versehen, um 
das Verwechseln derselben mit den gleichen gemeinen 
Buchstaben zu vermeiden. 

— Russische Blätter veröffentlichen folgende Mit- 
teilungen über die Preise, welche die hervorragendsten 
Schriftsteller Russlands für den Verkauf ihrer gesammelten 
Werke erzielt haben. Kurz vor seinem Tode verkaufte 
Turgenjew das Recht der Herausgabe seiner Werke auf 
»ewige Zeitenc Herrn Glasunow für 90000 Rubel; auch 
Schtschedrin (Ssaltykow) unterhandelte wenige Tage vor 
seinem Tode mit dem Moskauischen Buchhändler Dumnow 
(Firma Ssalajewy). Dumnow bot 60000 Rubel, aber die 
Sache zerschlug sich. Von den anderen bekannten Schrift- 
stellern erhielten für das Recht der Herausgabe ihrer 
Werke: Gogol 60000 Rubel, Puschkin 35000 Rubel, 
Shukowskij 5000 Rubel, Krylow für seine Fabeln 14000 Rubelt 
Nekrassow 15000 Rubel, Goutscharow 35000 Rubel, 
Ostrowskij 10000 Rubel (für eine Ausgabe), Grigorowitsch 
5000 Rubel, Aksakow 3000 Rubel (für eine Ausgabe), 
Mey 1000 Rubel. In der letzten Zeit verkaufte der Volks- 
schriftsteller Gleb Uspenskij seine Werke den Herren 
Pawlenkow und Ssibirjakow für 25000 Rubel. Herr 
Pawlenkow veranstaltete eine billige Ausgabe, die in einem 
Jahre einen Absatz von 10 000 Exemplaren fand. Auf diese 
Weise befindet sich fast die ganze russische Litteratur im 
Verkaufe, wobei als der Hauptkäufer Glasunow zu nennen 
ist. Shukowskij, Lermontow, Nekrassow, Turgenjew und 
Goutscharow werden von Herrn Glasunow herausgegeben. 
Die höchsten Preise haben übrigens die in Russland 
gebräuchlichen populären Lehrbücher erzielt; so zahlte 
der Buchhändler Polubojarinow dem Verfasser der Lehr- 
bücher für Arithmetik, Jewtuschewskij, 50000 Rubel. 



Briefkasten. 



Herrn Faktor P. L., Aachen. Die uns zugesandte amerikanische 
Karte kann auf zweierlei Weise hergestellt sein. Das Terrain ist 
wahrscheinlich auf den lithographischen Stein graviert und dann auf 
Zink umgedruckt und für Buchdruck hochgeätzt worden. Die Schrift, 
unzweifelhaft von Typen gedruckt, kann entweder nach dem Druck 
des Terrains in die ganze Auflage eingedruckt sein oder, was jedenfalls 
wahrscheinlicher, weil vorteilhafter, sie ist nur in den Um<- 
d ruckbogen für das Terrain mit Umdruckfarbe elngedmekt, so 



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orlag. die daun Ruf Zink Dbertragsn 
ein entstand die koTPpLettB Karte als 
ack und der urnatändliuho Eindruc 



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ist arkl&rlich; die letiterea i. B. 
machena ganz bedeolend. Der 
nstslDck, aber die Ausführung 
•LandkarUneatz- in Waldow: 
cbondWaidow: Wörterbuch der graphiachenKOnile. Die 
e, geaetzte Mahlauscbe Karle enthttlt nicht nnr die Schriet, 
eoDdera auch daa Tetnio. Bei Wegfall des lelitersn <vie auf der 
amsrikuiiBchen Karte) sind die Schvietigkeiten beim Satz der ücbrlfl 
zwar etwas geringer, aber doch immerhin bedeutend, dafür wird jedoch 
eine gleichmftuige , scharfe und leserliche Schrift erzielt, wie ealche 
für eiaenbabnkajlen ran groiaei Wichtigkeit ist — Herrn Faktor R. H.. 
Heu dnitz- Leipzig. Ea ist doch wohl nur Spaas. daas Sie ane Ober die 
n£heien Uedingangen der Aufnahme in die TTpographische Geaellschaft 
beFragen, Sie haben ja die beste und bequemste Gelegenheit sich 
mOndlicb auaftlhrlicha Anaknnfl an Ort und SUlle zu erholen. Gehen 
Sie DonnersUgs in das BuchhiDdlethans, aUllen Sie eich dem Vor- 
■lande %'oi, erbitten Sie sich Auskunft und beantragen Sie event. Ihre 
Aufnahme. Die geeandtea Arbeiten sind nicht Dbai; sollte zu der 
BriefkopfTerzierung ohne Text nicht ein Blankoiordrack verwandet 
worden aeln? Inen wir uns, so bitten wir um Entschuldigung, Weitere 
Arbeilen, welche nna ein eingehenderes Urteil ermBglicben, werden wir 
gern annehmen und nnparteiiach begniachlen. 



Inhalt dea i 



Heftes. 



Der Buntdruck auf Buchdruckpressen. ~ i'appctypen fOr boaondero 
Fiile. — Pritmiienings- Bericht von der Industrie- und Gewerbeaaa- 
stellnng in Hamburg. — SchrifIprobenscbaD, — Salz und Druck anierer 
Probehlitter. — Zeitschriften and Bllcherachaa. — Manniglalliges. — 
Annoncen. — Inhalt. — Aeeldeni notier In Teil: S Kenjahrskarten. — 
Beilagen : l Blatt Rechnung. — I Blatt Aviibrier. — 1 Blatt Umschlag. — 
1 Blatt Favorit-Schrift von Wilhelm Grcnaua Schririgiosseroi in Berlin. 

Daa Heft enthSIt Im Ganzen 4 Bellagen. Fflr das Beillegen dar 
rremdeD BeilageB kann jedoch wegen oft nnzure lebender Anzahl nicht 
garantiert werden. 



Beiugs bedingt)» gen für das Archiv. 




OrtglDalpRiBia. 



reJcke, L^iuli. G. 
rneoe von KMn, 



pi1|. Untemjbtikea von 



■^m ÄBBOBceii. ^^ 



Meine neueste 

Freislis-be 

Hka BichirickHUckineB Hni llttuilien 

ist erschienen und steht Interessen- 
ten gratts und ft'anko zur Ver- 
fügung. 

ileiander Waldow, Leipzig. 




aus der täglichen S 

chdruckers, gleich / 

I »ui ■ja^ u«i.u ^tbrävchliche Papier 13 

I gedruckt, liefere ich für 2b M. If 

loiid eiDDfehle dasselbe als e' ' 



Stahlfpöschchen 

mit oder olioe Lippe ofTeriert 

Alexander Waldow, Leipzig. 




Hessin^limen-Mrit 

mechanische Werkstatt 

fDr 

Biahdnekini-tItaiiiUlti. 

Btrill, üW., Belle-Alliinct-Str. 88. 

Hermann Berthold. 



tCer neue Werk- oder Zeitungs-Sckriften 
ansckagen wiU, versäumt nicht, siekfrancc 
Proben der ~j 



Benjamin Krebs Nachfolger 

in Frankfurt a. M. 
iommen cu lassen. 



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^ C. Rüger, Leipzig ^^ 

Messinglinienfabrik mit Dampfbetrieb 

■■*-^^- BachdrachtensUien ••§=:*■ 

Faohtischleroi. .js>Q/^ySy^^ Gravieranstalt 
Goldane Madallla BrQBsel 1888. 

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H. Hohmann, Kunstdruckerei, Darmstadt. 




Neuen Fraktur 

Eeböaen und Uirea Sctmittes, 
althti MulerbUtltr fmk* la DltuL 

Ludwig & Mayer, SduiftgiesserBi 

i Frankrnrt a. M. 



in Berlin SW., Lindeustr. 69 



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Dil ImiiillilH-Fikrit m 

Gebr. Branilt in t]uetlllnbur|; 



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r TortBÜbuft oDd i 



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Naumburg a. S. 



Herrn Kul Eraose, Leipzig. 

Im Januar 188i empfingen wir voi 
Herrn Karl Krause in Leipzig einen 
dreiwalzigen Kalander , mit dessen 
Leistungsfähigkeil wir seit dieser Zeit 
in jeder Beziehung recht zufrieden sind. 

Wir können daher unseren Herren 
Kollegen dieses Fabrikat aut das 
Wfirmate empfehlen und sind auch 
gern bereit, briefliche Auskunft darüber 
Jedem zu erteilen. 

Ergehens t 

A. Rlelz t Sobn. 



Gebrüder Brehmer, K 

Plagwitz- Leipzig. ^ , 

I Üp«li>litil: 

I DraJit-Heftmascliineii ^ 



ADvendanE aus Emil 



Redigiert and herausgegeben von Alexander Waldow in Leipzig. — Druck ond Verlag von Alexander Waldow in Leipzig. 



Inhalt des 26. Bandes 



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Spalte 

Grössere Aufs&tse. 

Buntdruck, der, oufBuchdruckpresaen, 

von Alexander Waldow . 1 41 77 
185 221 257 317 355 391 
Derrieys ScTmellpresse für Schön- und 

Widerdruck 10 

Eindrucken^ das, letzter Nachrichten 

bei Botationsmaschinen .... 120 
Einiges aus der Praxis und für die 

Praxis, von A. M. Watzulik 323 363 
Engelens typenlose Setsmaschine . . lAQ 

136 172 
Englisches Fachblatt, Urteil, Über dm 

deutschen Äccidemsatz .... 229 
Japanischer Farmenschatz .... 266 

Schriftminimum 113 

Urteil, ein sonderbares ^ über den 

deutschen Buchdruck 191 

Verwendung, zweckmässigste, des Acd- 

denz- Schriftmaterials .... 47 85 
Welches ist die beste Zeit zum Waisen- 

giessen? 155 

Kleinere Anfsätze. 

Beschluss, ein wichtiger. Bekannt- 
machung der renommiertesten 
Schriftgiessereien an ihre Kunden 124 

Druckverfahren, neues, für Illustra- 
tionen 234 

Illustrationspapier, amerikanisches 232 

244 

Leder-Tonplatten 201 

Neujahrskarten und Kalenderschau 94 

Neusilber als Material zu Winkel- 
haken 16 

Ordnung in den Titel- und Zier- 
schriftkftsten 236 

Pappetypen für besondere Fälle . 399 

Schmelzvorrichtung für Walzen- 
masse 54 

Typographischer Muster-Austausch 52 



spalte 

AussteUungsberichte. 

Deutsche allgemeine Ausstellung 
für Unfallverhütung, Berlin 1889 331 

Prämiierungs-Bericht von der In- 
dustrie- und Gewerbeausstellung 
in Hamburg 400 

Stuttgarter Graphische Jubiläums- 
Ausstellung 281 

Jnbü&enlimd Aoszeidmimgen. 

Jubiläum, lOOjähriges, der Firma 
C. S. Mittler & Sohn in Berlin 132 

Laufbahn, die, eines tüchtigen Man- 
nes. Ein Lebensbild Albin Maria 
Watzuliks bis zum Tage seines 
25jährigen Berufsjubiläums . . 273 

Sonstiger Bericht über Jubiläen und 
Auszeichnungen 22 63 100 171 208 
209 243 244 302 303 339 340 341 375 

413 

Geschäftliche Notizen. 

27 64 100 172 209 244 303 340 413 

Nekrologe. 

Giesecke, Bernhard Rudolph . . 289 
Hedouin, Edmond, ein Meister der 

Radierkunst 137 

Sonstiger Bericht über Todesfälle . 22 
64 65 100 172 209 243 340 375 

Zeitschriften und Bücherschau. 

Anleitung zum Ordnen der Geschäfts- 
papiere von F. Soennecken, Bonn, 
Berlin, Leipzig, Soenneckens Ver- 
lag 135 

Buchbinderei, die heutige, und ihre 
Hilfsmittel von Eduard Tonndorf 336 



Sp»lte 

Büreau-Blatt , Weimar , Hermann 
Weissbach 135 

C. D. af Wirs6n, J Lifvets Var, 
Stockholm, Hugo Gebers Verlag 99 

Codex aureus von Alph. Dürr, Leipzig 412 

Frithiofssaga von Tegner. Pracht- 
ausgabe. Stockholm, Norstedt 
& Söhne 61 

Jahrbuch fftr Photographie und Re- 
produktionstechnik. III. Jahrgang, 
II. Teil, von Prof. Dr. Josef Maria 
Eder, Halle, W. Knapp .... 170 

Kalender für den Orientalisten-Kon- 
gress 1889/90, Leipzig, W. Drugulin 413 

Kalligraphische Novitäten von C. 
Franke, Zürich, Orell Füssli & Co. 98 

Meisterwerke der Holzschneidekunst, 
Leipzig, J. J. Weber .... 62 

Musterbuch von Förster & Borries 
in Zwickau i. S 21 

Ol- und Buchdruckfarben, Bereitung 
der, Handbuch für Firnis- und 
Farbefabrikanten von Louis Ed- 
gar And^s, Wien, Pest, Leipzig, 
Hartlebens Verlag 243 

Ornamentenschatz, der, Stuttgart, 
Jul. Hoffmann 62 242 

Randeinfassungen , Initialen und 
Zierleisten, II. Band, Berlin, Di- 
rektion der Reichsdruckerei . . 170 

Schriften-Atlas von Ludw. Petzen- 
dorfer, Stuttgart, Jul. Hoffmann 62 

Theorie und Praxis des Antiquar- 
Buchhandels von Hans Blumen- 
thal, Iglau, Selbstverlag d. Verf. 243 

Universal-Nachschlagebuch des gan- 
zen buchhändlerischen Wissens 
von Hans Blumenthal, Iglau 63 336 

Universum, das, Dresden, Verlag 
des Universum (Alfred Hauschild) 99 

243 302 339 374 413 



Spalte 

Verlagskatalog , illustrierter , von 
B. B. Eklund, Stockholm ... 61 

Wegweiser dnrch die Stereotypie 
u. Galvanoplastik von Karl Kempe, 
Nürnberg. Selbstverlag des Ver- 
fassers 61 

Weihnachtsheft von Über Land und 
Meer. Deutsche Verlags-Anstalt, 
Stuttgart 63 

Zeitschrift für Deutschlands Buch- 
drucker. Herausgegeben vom 
Deutschen Buchdruckerverein . 135 



Mannigfaltiges. 

J. Technisches. 

Eidographie 304; 

Einfache Überdruckmethode für 

Farbenplatten 101 

Extrasignatur an Kapitälchen . . 414 
Fadenheftmaschine. Smythsche . 377 
Feuchten oder zu trockenen Walzen 

ihre Elastizität wieder zu geben 336 
Konservierung der Treibriemen . 246 
Neuerung an Schön- und Wider- 

druckmaschinen 136 

Reinigung gebrauchter Putzlappen 

und Schmieröle 102 

Tachygraph, der 64 

Vielfarbendruck , gleichzeitiger, auf 

der Maschine 29 

Visitenkarten aus Eisen .... 28 
Vorrichtung, eine, an Tiegeldruck- 

und Zilinderschnellpressen zum 

gleichzeitigen Drucken von zwei 

oder mehr Farben 100 



Spalte 

Walzenwaschmittel, ausgezeichnetes 336 

Wartung der Gasmotoren .... 137 

Wiederherstellen verbleichter alter. 

Schriften 375 



II. Allgemeines. 

Allgemeine Prinzipalsversammlung 

zu Dresden 413 

Anerkennung deutscher Kunst in 

England 303 

Arbeitsleistung der Fahrkarten- 
Druckerei der sächsischen Staats- 
eisenbahnen 27 

Aufruf des Comit^s für Errichtung 
eines Fr. König-Denkmals in Eis- 
leben 374 

Buch, das teuerste, der Welt . . 341 
Buchgewerbliche Ostermessausstel- 
lung im Deutschen Buchhändler- 
hause zu Leipzig 246 

Budget der Times 209 

Colts Armory-Presse 174 

Deutsche Zeitung in Japan . . . 341 
Fachausstellung des Mitteldeutschen 

Papiervereins 64 246 

Farben von Beit & Philippi, Ham- 

burg-Stassfurt . 22 136 172 209 303 
Gasverbrauch der Gasmotoren . . 173 

Graphischer Anzeiger 100 

Herstellung des Papiergeldes in 

Amerika 102 

Inserat, ein teures 342 

Kosten, amerikanischer Magazines 

und Zeitschriften 305 

Kuriosum, ein 174 

Lage, die, eines Redakteurs . . . 137 



Spalte 
Mittel gegen Einrosten von Eisen- 
schrauben 29 

Phonograph, Versuch desselben bei 

der Zeitung World 27 

Preise von Werken russischer Schrift- 
steller 414 

Preisliste von Carl Derlon, Leipzig 209 
Preisliste von F. Soenneckens 

Schreibwarenfabrik in Bonn . . 136 
Reingewinn der Aktiengesellschaft 
für Schriftgiesserei und Maschi- 
nenbau 174 

Schriftgiesserei, die, der Londoner 

Times 414 

Setzer, ein guter 375 

Setzer-Rache 65 

Statistik der deutschen Buchdrucke- 
reien 376 

Submission von grossartigem Um- 
fange 22 

Zeitungen aus allen Weltteilen 29 

Zeitungen in England 137 

Zeitungsuntemehmen , ein einträg- 
liches 341 

Schrütprobensohau. 

17 56 88 126 160 202 238 290 335 369 

409 

Satz u. Druck der Probeblätter. 

19 59 93 132 168 207 241 301 335 373 

411 

Briefkasten. 

30 66 138 174 210 246 306 342 378 414 




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Rgl TOD nemiu Cuget. — BroDubriui 'OD Kial ( Eliloger. 



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Wilhelm Gronau s Schriftgiesserei in Berlin. 



Original - Erzeugniss. 



Favorit-Schrift. 



Gesetzlicli gescliützt. 



70 a 12 A 6 orn. A = 1 Min. 



Terü» (16 Punkte). 



I Min. 6 Ko. k M. 11.-. 



jtieuhausen J^dminiafrahr ^hule <^and Jortemonnaie Seminarist 
Aommandanlur kmernhard grosses infernationales jiennen Wyaldemar U)ivertissemeni 
^^enkmal (s>hrenhausen <^ß^Siel und Restaurant zur ^onne ^otiannisfeier ^aulfunst 

12U5 Q>liizzenbueh Robert der ^eufet QJnstrulition 6S9Ö 



60 a 10 A 5 orn. A = 1 Min. 



Text (20 Punkte). 



1 Min. 7 Ko. ä M. 10.—. 



yLsxamefer ^^erein der (^inker zu ^^üchow J)emefrius 






tistalfs- ^ßirekfor Erlebnisse einer jerienreise 

Janzkarte J^oi/rs-^^^e/fe/ Josfament 




ewerbe-'&ft/useum 



40 a 8 A 4 orn. A = 1 Min. • 



Doppelcicero (24 Punkte). 



1 Min. 8 Ko. k M. 9.—. 



V. 



Potsdam jeldmarschall von Jjlumenthal 




esfend 



z 



omanze 




emä/de älterer und neuerer -^/e/s/er Jjarcarole 




20 a 4 A 2 orn. A = 1 Min. 



Drei Cicero (86 Punkte). 



1 Min. 10 Ko. & M. a-. 



m^ 



7 



Sescliichim aus dem ^ölimerwald 




r/edrich 




cliiller 





erfhöld 





uerbaeh 



Die ornirten Versalien werden auch allein abgegeben und kosten: 
Tertia: 1 Sortiment M. 10. — , Text: 1 Sortiment M. 12. — , Doppelcicero: 1 Sortiment M. 15.—, Drei Cicero: 1 Sortiment M. 20. — . 



Auf vielfachen Wunsch habe ich zu dieser Schriftgattung die zur französischen, holländischen, ungarischen, polnischen, dänischen, 
schwedischen, spanischen, sowie portugiesischen Sprache erforderlichen Figuren anfertigen lassen und dürfte dieser Umstand 
wesentlich zur grösseren Verbreitung der bereits mit grossem Beifall aufgenommenen Garnitur beitragen. 




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